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They were so easy to love - Naila Castellanos - 27-12-2024

To Sisterhood, Love, and Friendship

Freiheit war ein Wort, das Naila in den vergangenen Jahren sicher nicht genutzt hätte, um Alltag und Leben zu beschreiben. So weit ihr Heimatspalast sich auch erstreckt hatte, war sie die Pfade an der Mauer doch bereits unzählige Male abgelaufen. Wenn sie ganz ruhig gewesen war, dann hatte sie dem Treiben außerhalb der Mauern lauschen können, die Geräusche ein stetiges Treiben durch die trockene Luft. Es fühlte sich immer so an, als hätten ihre Vorfahren den Palast wie ein Tor zum Himmel erbaut und genauso auch instand gehalten - die Gärten grenzen an die Paradise aus den kirchlichen Schriften, die Vögel wurden sorgfältig gewählt und gezogen, die Pflanzen ließen sich in ihrer Vielseitigkeit kaum zu Papier bringen. Innerhalb des Palastes waren ihr die inneren Gärten und ihre Gemächer stets zugänglich, dass sie sich dort frei bewegen konnte. Und wenn sie ihre Heimat mit den anderen ihr bekannten Orten vergleichen würde, dann fühlte sie sich nirgendwo so sicher wie in diesen Mauern; aber Freiheit hatte eine Note, die sie erst hier in Castandor wirklich zu fühlen lernte.
Die Gemahlin eines Großkönigsprinzen zu sein, hatte viele Vorteile, wie sie jeden Tag aufs Neue und in ganz anderen Winkeln erfuhr. Man hütete sich, ihr irgendetwas vorzuschreiben, angefangen von einfachen Routen in den Gärten bis hin, ihr das Sprechen zu erlauben. Um über neue Kleiderstoffe zu entscheiden, wurde sie in ein eigens dafür vorgesehenes Zimmer begleitet, während ihr drei Beauftragte mit Schmuck und Rat zur Seite standen. Zu Tisch kamen die erlesensten Speisen, die es auf den Inseln nicht so leicht zu erstehen gab, und Naila genoss die ruhigen Abende, die sie jetzt schon zweimal nur mit Orpheus in seinen Gemächern verbracht hatte, wenn sein Zeitplan ihn spät hatte heimkehren lassen. Aber am meisten schätzte sie den Zugang zur königlichen Bibliothek. Zu Hause hätte sie sich nie träumen lassen, einmal durch die heiligen Hallen zu treten, in denen Schriften fünf Köpfe über ihr nur mit der Leiter zu erreichen waren, das Licht samtig weich durch die Kuppel fallend und den Marmor in ein angenehmes Elfenbein tauchend. Ein in sich gekehrtes Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie daran dachte, dass zwei neue Schriften in ihrem Gemach darauf warteten, gelesen zu werden.
Vor ihrem Schoß lag das Werk, das Elithea Trakas ihr am dritten Hochzeitstag geschenkt hatte, aufgeschlagen nach der Legende der drei Schicksalsschwestern. Auf ihrem Schoß ruhte der Bauch der Laute, über dessen Saiten sie mit zarten Fingern fuhr und im Schatten des Olivenbaumes eine leichte Melodie anstieß. In den letzten Tagen hatte sie die Routine wachsen lassen, die Nachmittagsstunden in dem vertrauten Kreis ihrer Gesellschafterinnen zu verbringen. Neben dem gegenseitigen Vorlesen (heute war Rajani dran gewesen) musizierte sie auch gerne hier, wo der Hof seine Tüchtigkeit verlor und der Weite der Gärten Platz gewährte, wie er an den Steinstufen einen wunderbaren Ausblick auf das Meer und die steinige Küste preisgab. Sie alle - ihre Gesellschafterinnen aus der Heimat, aber auch Elithea - erlebten hier jeden Tag so viel, dass sich die Treffen oft bis in die späten Nachmittagsstunden zogen und Naila sie an ihre täglichen Pflichten erinnern musste, aber wann, wenn nicht jetzt konnten sie die Freiheit genießen, die einer frischen Heirat in einen höheren Stand zu verdanken waren? Sie alle waren doch auch nur jung und völlig neu in einer Welt, die groß genug für zwei Leben schien, und Naila… Selten erlebte man sie in einer solchen Seligkeit, die auch durch ihre sorgfältig aufrecht erhaltenen Gesellschaftsmasken schien, wenn sie sich gerade unbeobachtet fühlte. Nämlich genau dann, wenn ein Gedanke an dunkelbraune Locken sie kurz aus der Wirklichkeit riss.
Die letzten Töne der Laute vibrierten durch ihre Finger, während sie tief durch die Brise atmete, die das Meer zu ihnen trug. Das gleiche, echte Lächeln, das Naila schon seit Tagen trug, vertiefte sich und ließ leichte Grübchen erkennen, als sie die Laute zu dem Legendenwerk auf die Steinbank vor sich legte und in die Runde schaute. Dass Naila in Matariyya nie in der Öffentlichkeit zu einem Musikinstrument gegriffen hatte, sondern nur in ihren eigenen, behüteten Gemächern, das wussten nur ihre Gesellschafterinnen aus der Heimat. “Lasst uns das öfter zusammen machen. Elithea, spielst du ein Instrument?”, wandte sie sich freundlich an die einzige gebürtige Castandorianerin im Kreis; gleich, welches Land ihre Heimat nun als eigen anerkannte. Im gleichen Zuge lehnte sie sich ein wenig nach hinten und gab damit den Gesprächen Raum, sich natürlich zu entfalten. Rajani würde sowieso nicht lange still halten können, vor allem nicht, wenn sie noch nicht vom heutigen Tag hatte berichten können.



RE: They were so easy to love - Rajani Parikh - 31-12-2024

Unwissende Beobachter hätten ihren Blick, in der so viel Gefühl wie selten lag, sicher mit einer Art der Verliebtheit verwechselt und vielleicht, ja, vielleicht war es das gar nicht so verkehrt. Doch während die dunklen Augen auf ihrer Prinzessin ruhten und sie so in ihren eigenen Gedanken vertieft war, dass sie selbst die sanften Töne der Laute kaum wahrnahm, die die zierlichen Finger ihrer zukünftigen Königin hervorbrachten, war es nicht Prinzessin Naila Castellanos, die sie so verliebt ansah. Es war das Leben, in das sie hier hineingeworfen worden sind. Es war das Lächeln, das auf ihren Lippen lag. Zu Hause - in ihrer Heimat Matariyya - hatte Naila selten so echt und breit gelächelt. Oft war es ein gezwungenes und höfliches Lächeln gewesen, das zur Etikette gehört hatte, aber nicht der Ausdruck ihrer wahren Gefühle gewesen war. Doch heute, hier und jetzt, hier in Kings Portal, hier war alles anders. Naila war eine Andere. Rajani ebenso, doch bei ihr war der Unterschied vermutlich kaum spürbar, schließlich war sie schon in der heißen Umarmung der Wüste ein lebendiges Paket voller Lebensfreude gewesen. Dass sie irgendwann miterleben würde, wie Naila anfangen würde aufzublühen, war ihr größtes Geschenk. Zu sehen, wie sie ihren merkwürdigen Interessen für Wissenschaften nachgehen konnte, von denen Rajani kein einziges Wort verstand, wenn sie ihr davon erzählte, war das Wunderbarste der letzten Jahren. Ein Schimmer von Tränen stand in ihren mit Khol umrandeten dunklen Augen und schimmerte sanft im Licht der hochstehenden Sonne. Sie war so ergriffen von ihrem Leben hier, dass sie so von Dankbarkeit gesegnet war, dass sie gar nicht wusste wohin mit so vielen Gefühlen. Wenn niemand hinsah, hatte sie schon die Hand ihrer Prinzessin ergriffen und so fest gedrückt, bis diese leise Schmerzenslaute geäußert hatte. Aber die Gefühle mussten einfach raus!

Heute waren sie nicht alleine - wie so oft - und mittlerweile hatte sich die Gesellschafterin daran gewöhnt. Hier im Land des Königs waren noch mehr Menschen um sie herum, als zu Hause. (Vielleicht sollte sich die Dunkelhaarige langsam abgewöhnen das Sommerland noch immer als ihr zu Hause zu benennen, schließlich war das hier nun ihre neue Heimat!). "Ich...", fing sie an leise an, wurde jedoch von ihrer Prinzessin unterbrochen, die sich an Elithea wandte. Neugierig fragte sie, ob sie ebenfalls ein Instrument spielte und ungeduldig rutschte die Parik auf dem Sitzkissen hin und her, das ihr vorhin extra einer der Bediensteten gebracht hatte.

Es waren einfach schon zwei volle Wochen vergangen, in denen sie ihr kleines Geheimnis namens Stavros Castellanos mit sich herumtrug! Rajani platzte beinahe, weil sie immer noch nicht dazu gekommen war von ihrer mystischen und traumhaften Nacht zu erzählen, die sie erlebte, während Naila ihren Prinzen geheiratet hatte. Okay, es war NACH der Zeremonie gewesen, währenddessen hat sie natürlich das getan, was von ihr erwartet worden war! Der Gesellschafterin waren ihre Aufgaben der Prinzessin gegenüber hoch und heilig, sodass sie diese niemals für einen Mann vernachlässigen würde, aber nachdem der offizielle Teil abends irgendwann beendet war, hatte sie sich vielleicht für ein kleines Schäferstündchen in eine der kleinen Abstellkammern zurückgezogen. Und Naila bis heute noch nicht davon erzählen können! Niemand konnte nachvollziehen, wie schlimm das für sie war!!
Als die ehemalige ben Sahid das Wort jedoch gerade an Elithea gerichtet hat, verkniff die Parikh sich ein entnervtes Aufstöhnen. Sie mochte die Neue im Bunde sehr gerne, aber ihre eigene Stimme und ihre eigenen Geschichten mochte sie meistens eben noch lieber...


RE: They were so easy to love - Elithea Trakas - 07-01-2025

Selbst mitten im Herbst waren die Palastgärten ein Paradies auf Erden. Die goldenen Strahlen der tiefstehenden Sonne tauchten die Blätter und Blüten in ein warmes Licht, das fast anderweltlich wirkte. Friedlich zwitscherten einige Singvögel in den Bäumen ein sehnsüchtiges Lied nach dem fernen Süden, das die Federtierchen in den Käfigen neugierig trällernd beantworteten. In der Luft hing ein sachter Duft der letzten Rosen, die sich noch gegen den drohenden Winter bäumten. Und in inmitten dieser idyllischen Szenerie um einen schier uralten Olivenbaum fast malerisch drapiert, saß inmitten ihrer Gefährtinnen die Strahlendste aller Sommerblumen, Naila Castellanos. Elithea war immer noch beeindruckt, manchmal sogar etwas eingeschüchtert von der exotischen Schönheit der Prinzessin, die mit ihrem selbstbewussten Auftreten erfahrener und älter wirkte als die junge Fürstentochter selbst und war doch nur ein Jahr ihr voraus. Einerseits war Elithea froh und durchaus dankbar, dass sie sich in die Gesellschaft der Prinzessin eingliedern durfte. Nach dem Verlust ihrer Heimat und der strapaziösen Flucht hatte sie endlich das Gefühl irgendwo angekommen zu sein, einen Sinn zu haben, ihren Alltag mit Aufgaben und nützlichen Tätigkeiten füllen zu dürfen. Gleichsam schien sie doch immer ein wenig die Aussenseiterin zu sein, die zwar hier heimisch war, doch von der Heimat, von der gesprochen wurde, keine Ahnung hatte. Sie fühlte sich oft weit weniger weltgewandt, weniger selbstsicher, weniger abenteuerlustig, als manche der verspielten, aufgeweckten jungen Frauen in dieser Gruppe. Gerade Rajani schien immer einen gewissen Schabernack in ihrem Blick unterdrücken zu wollen, der sich dann doch in einem verschmitzten, verlockenden Lächeln offenbarte. So hielt sich Elithea oft im Hintergrund, beobachtete und lauschte. Ihre Antworten, so sie denn gefragt wurde, waren wohl überlegt und vorsichtig formuliert, ganz im Gegensatz zur Parikh, der die Worte wie frei von der Leber von der Zunge sprudelten. Neid? Eifersucht? Nein, eher Bewunderung einer anderen Art, ja, die ergriff Elitheas Gemüt, wenn sie die kecke Gesellschafterin sanft lächelnd betrachtete.

Elitheas hatte erfüllt von tiefer Ruhe und Zufriedenheit die Augen geschlossen, ließ die fremden Töne durch ihren Körper vibrieren und träumte hinter ihren Lidern von einer Zukunft, die sich ihr gerade zaghaft zu eröffnen schien. Ihre Gedanken drehten sich immer noch um den wundervollen Tanz mit dem Heermeister auf der Hochzeit, die doch schon gut zwei Wochen wieder her ist. Wie doch die Zeit verfliegt. Und doch war ein bitterer Beigeschmack nicht zu verdrängen, den der drohende Krieg, der über all ihren Köpfen hin wie ein Damoklesschwert, immer wieder in die herrlichen Gedankenbilder spie. Der Caderitor war mit Kriegsbelangen beschäftigt und Elithea nahm ihre Aufgabe hier recht ernst. So sehr die Wogen der Welt immer wieder zueinander schaukelten, so sehr trieben die tosenden Stürme der Politik sie auch wieder auseinander. Immer weiter und immer länger. Überrascht spitzte Elithea die Ohren, als sie ihren Namen aufschnappte und sich wieder auf ihre Herrin konzentrierte. Doch noch bevor ihre Lippen Worte formen konnte, japste die Parikh auch schon dazwischen. Elithea hatte schon längst erkannt, dass der jungen Frau ein wohl ganz spezielles Erlebnis auf der Seele brannte, das endlich in die Freiheit hinaus wollte. Elithea musste schmunzeln, senkte kurz den Blick. Oh welche Geschichte wohl hier juckte und endlich Stimme finden wollte! “Ich befürchte nicht so gut wie ihr, Prinzessin, aber ich hatte in Eastergold Meadow eine Lyra, die ich doch sehr gern gespielt habe.“ klang ihre Antwort wehmütiger, als sie es gewollt hatte. Aber es passierte einfach noch viel zu oft, dass ihre alte Heimatstadt noch Einzug fand in ein Gespräch. Irgendwann, so hoffte Elithea, würde sich das legen und die Erinnerungen verblassen. “Wenn ihr wollt, können wir gern einmal ein Duett spielen. Ich kann euch ein Volkslied aus Castandor zeigen und ihr lehrt mir eine Weise aus Matariyya?“


RE: They were so easy to love - Aurora Acilius - 12-01-2025

Auroras Schritte verlangsamten sich, während sich ihre Augen schlossen und sie die frische Luft einatmete. Sie zog sie regelreicht ein, während sich ihre Lungen weiteten und ihr beinahe ein genießerisches “Mhm” über die Lippen gekommen wäre. Sie liebte die Palastgärten abgöttisch, weshalb sie hier öfter anzutreffen war. Überhaupt zu dieser Stunde des Tages war es ein regelrechtes Fest im Kopf der rothaarigen, zumal sie die farblichen Spiele der Sonne einfach liebte. Der Duft der frischen Luft erfüllte sie mit regelrechter Freude, ehe sie dazu veranlasst war, ihre Schritte wieder zu beschleunigen.

Die ersten Schritte auf dem schmalen Pfad, der sich durch den Palastgarten zog, waren himmlisch. Die kleinen Steinchen unter ihren Schuhen gaben dieses bekannte Geräusch von sich und augenblicklich war da dieses vertraute Gefühl, das Aurora immer verspürte, sobald sie hier war. Ja, man konnte sagen, dass sie ein treuer Gast des Palastgartens war und ehrlicherweise wurden die Besuche stetig mehr, wenn es ihre Zeit zuließ.
Immerhin hatte sie einen Ehemann, der sie irgendwann mit hochgezogener Augenbraue fragen würde, was sie denn schon wieder im Palastgarten wollte. Natürlich konnte sie sich mit der einfachen Erklärung, dass sie einen Spaziergang wünschte, retten. Die Wahrheit war da etwas heikler gestrickt, denn offen zuzugeben, dass sie es wünschte, zufälligerweise einen gewissen Herrn anzutreffen, konnte sie wirklich nicht von sich geben. Leandros Castellanos hatte sie bedauerlicherweise schon zu lange nicht mehr gesehen. Zumindest in der Realität... denn in ihren Träumen und ihrer Fantasie begegnete sie ihm so gut wie jede Nacht und jedem Tag.

Kurz schüttelte sie den Kopf, um ihre Gedanken umlenken zu können und sah erschrocken in das Gesicht von anderen Spaziergängern, die ihren Weg kreuzten. Schnell folgte der höfliche Gruß, gefolgt von einem Lächeln, um die Situation zu überspielen. Aurora war wirklich glücklich über den Umstand, dass es nicht möglich war, die Gedanken von anderen Leuten lesen zu können. Gewiss wäre sie in diesem Falle schon im nächsten Verließ gelandet – oder: noch viel Schlimmeres wäre ihr zugestoßen. Zu genau wollte sie sich darüber jedoch nicht den Kopf zerbrechen, viel mehr wollte sie sich glücklich schätzen, dass das Lesen von Gedanken schlichtweg unmöglich war.

Sobald sie ihre Gedanken zumindest ein wenig sortiert hatte, vernahm sie liebliche Musik und fragte sich im nächsten Moment, von wem diese wohl stammte. Die Klänge waren mit Bedacht gewählt, das erkannte sie sofort, obwohl sie zugegebenerweise leider kein Instrument beherrschte. Neugierig war ihr Blick und die Neugierde wurde mit jedem Schritt größer, dem sie sich der Musik näherte beziehungsweise deren Ursprung. Dieser war schließlich auch gefunden, als sie Naila Castellanos und ihre Gesellschafterinnen erblickte. Da fiel ihr sofort das Gespräch mit Orpheus ein, welches sie vor ihrer Hochzeit geführt hatte. Sollte sie ihnen Gesellschaft leisten? Aufdrängen wollte sie sich den Damen keinesfalls, daher wartete sie, ob sie denn überhaupt bemerkt wurde.


RE: They were so easy to love - Naila Castellanos - 26-01-2025

Selten bereitete es Naila Probleme, zwischen den Zeilen zu lesen und Bedeutung in die Stille zu deuten. Was sich bei manchen Personen wie das Zupfen eines Instrumentes herausstellte, um die richtigen Töne zu treffen und angestrebte Reaktionen herbeizurufen, kam bei anderen Personen eher dem Zuhören eines Liedes gleich. In Rajanis Fall war es hingegen manchmal angemessen, ihr Lied einzudämmen und sie zu einem späteren Zeitpunkt frei singen zu lassen; ihr Freundin und Weggefährtin stimmte Klänge an, die ihre Schönheit in roher, ungezügelter Ehrlichkeit fanden und den Zuhörer mit allen Farben eindeckte, die ihre Heimat zu bieten hatte. So bewusst sich die Prinzessin der Unruhe war, welche die Ältere nicht so recht stillsitzen ließ, wie oft sie kurz davor gewesen war, einen Ton über ihre Lippen zu bringen und ungeachtet der Gesellschaft ihre Geschichte zu teilen, so bewusster war sie sich, dass die Geschichten nicht immer für die Ohren der Anwesenden bestimmt waren. Naila vertraute dem neuen Zuwachs ihrer Gesellschafterinnen, aber nicht in soweit, dass sie ihr die Geheimnisse von anderen anvertraute. Sie fühlte sich sicher in den Gärten, aber nicht sicher genug, um Rajani frei sprechen zu lassen. Ein Seitenblick zu Rajani war getränkt von Wärme, aber auch von stummer Aufmerksamkeit und der Aufforderung, dass sie noch ein bisschen warten sollte. Heute würde sie endlich Zeit einräumen und sich die Geschichte in ihren privaten Gemächern anhören, bevor sie entschied, ob Elithea daran teilhaben konnte. In dieser Stunde hingegen wollte sie der Jüngeren eine Möglichkeit geben, ihr eigenes Lied zu singen.
“Das würde mich ungemein freuen, Elithea.” Die Stimme der Prinzessin war warm und mit echter Freude gefüllt. “In Matariyya kommen wir ständig zusammen, um gemeinsam zu musizieren und zu tanzen, nicht, Rajani?” Man erkannte ihr nicht unbedingt an, dass sie der Gedanke an ihre Heimat mit einer ähnlichen Wehmütigkeit füllte wie Elithea, überschattete die Wärme doch bewusst ihr Heimweh. Wenn auch aus völlig anderen Gründen, hatte sie ihr Zuhause in gewisser Weise verloren, musste sich an eine neue Umgebung anpassen und im Königshof von Castandor eine neue Heimat finden. Sie war sich allerdings auch im Klaren darüber, dass Elithea nicht einfach so zu ihren Wurzeln zurückkehren konnte, dass ein Schmerz die schöne Erinnerung verdunkelte - auch, dass sie die Hoffnung vermutlich nicht völlig aufgegeben hatte, wieder zurückkehren zu können. Es gab genügend Menschen am Hof, die den Trakas ständig versicherten, Eastergold Meadow würde bald wieder ihnen gehören, und Naila gehörte alleine ihres Standes wegen zu ihnen; aber war dies wirklich eine Botschaft, die sie einer jungen Frau ohne Halt vermitteln wollte? Ihrer Meinung nach war es ebenso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, ihr eine neue Zukunft zu ermöglichen und die Vergangenheit langsam den Niederschriften zuzusprechen, die sie beide so sehr verehrten.
Eine solche Position, wie Naila sie innehatte, trug neben den vielen Vorzügen auch eine deutliche Verantwortung mit sich, vor allem ihrem Umfeld gegenüber. Wenn sie wollte, dass ihre Gesellschafterinnen ihren Platz am Hof fanden, genauso wie sie selbst, dann war es an ihr, den Weg dafür bereit zu legen. Bisher hatte sie damit mäßigen Erfolg gehabt, was sie tatsächlich ein wenig bedrückte. Während Rajani keine Gelegenheit gehabt hatte, ihr Geheimnis mit ihrer Prinzessin zu teilen, war es Naila bisher verwehrt geblieben, ihre Sorgen über die bestehende Struktur am Hof zu äußern. In Matariyya war es anders gewesen - den Frauen wurde so wenig Macht zugesprochen, dass sie mehr in Einheit und weniger in Konkurrenz lebten. Gold war fast wichtiger, als der Name es war, und die Nähe zu Männern außerhalb der Familie war ihnen so untersagt, dass sie sich nur gegenseitig zur Unterstützung und zum Trost gehabt hatten. Doch hier am castandorischen Hof war alles so ineinander verwoben, dass es kaum Platz gab, in die Reihen hinein zu schlüpfen, geschweige denn, sich in ihnen zurechtzufinden.

Naila vermisste Aanya, die heute mit ihrer Schwester unterwegs war. Sie war ihre Quelle zu dem Hof, ihre Stimme zu den Vernetzungen, ihr Ohr für Knistereien und Ungereimtheiten. Mit Rajani genoss sie die Leichtigkeiten ihres Lebens, mit Aanya die rauen Seiten, und die Informationen, die sie bis jetzt hatte sammeln können, waren leider vollkommen unzureichend. Dass sie nun im Augenwinkel eine Gestalt wahrnahm, die sich ihnen scheinbar fast unauffällig auf sicherer Distanz genähert hatte, schien fast wie ein Zeichen von Heofader.
Sich völlig bewusst, dass eine Reaktion ihrerseits die Inklusion des Neulings unabdinglich machte, drehte sie sich leicht und öffnete ihre Körperhaltung der Dame, die darin zu zögern schien, näher zu treten. Ein leichtes, ehrliches Lächeln umspielte ihre Lippen, das letzte Zeichen für ihre Leibgarde, die Füße still zu halten und den Gast passieren zu lassen. “Lady Acilius, was für eine Freude, Euch hier zu sehen!”, erhob sie ihre Stimme gerade so, dass sie Aurora erreichte. Mit Rajani tauschte sie einen kurzen Blick, den wohl nur sie verstand; Naila hatte auf die Gelegenheit gewartet, eine der höfisch Ansässigen alleine zu erwischen, ohne offensichtlich nach ihnen zu verlangen. Was für ein Zufall, nicht? “Kommt, setzt Euch doch zu uns. Ihr müsst sicher erschöpft von der Sonne sein.” In der Tat hatten sich die Frauen einen angenehm schattigen Platz gesucht, in dem allerlei Erfrischungen auf einem Tablett bereitstanden. Von Früchten, kleinem, leichten Gebäck, einer Wein- und Wasserkaraffe stand alles in ihrer Mitte, bereit, verzehrt zu werden.



RE: They were so easy to love - Rajani Parikh - 01-03-2025

Immer wieder durchbrach das leise Knuspern die Stille, wenn gerade niemand sprach. Rajani hatte mittlerweile schon den vierten Keks in der Hand und biss - ganz ladylike - immer nur ein kleines Stückchen davon ab. In ihrem Schoß hatten sich auf dem farbenfrohen Gewand die ganzen Krümel gesammelt, denen sie bislang noch keine Aufmerksamkeit geschenkt hatte. Es war einfacher still zu halten und zu sein, wenn man etwas anderes zu tun hatte - in dem Fall essen. Daher hatte sie irgendwann schon das dritte vollständige kleine Gebäckstück vernichtet, während die anderen Damen noch gar nicht zugeschlagen hatte. Ein böser Geist könnte nun böses denken, doch die Parikh war einfach etwas... anders gestrickt. Sie hoffte einfach darauf, dass die Anderen bald zugreifen würden, weil sie sonst ein schlechtes Gewissen haben würde, dass sie nichts übrig gelassen hatte. Upsi. Während ihre Finger und ihr Mund beschäftigt waren, schnappte sie die Worte und die Gedanken der Runde auf. Auch wenn ihre eigenen Gedanken immer wieder unaufmerksam abschweiften und sie an die Nacht mit dem Fürstensohn dachte, so bekam sie doch das Wichtigste in der Unterhaltung mit. Und sie konnte sich nicht der Langeweile erwehren, die langsam von ihrem Geist Besitz ergriff. Sie war für mehr bestimmt, als stumm hier herum zu sitzen! Sie war dazu bestimmt zu tanzen, zu singen, Geschichten zu erzählen und andere glücklich zu machen (vornehmlich Männer...). Die Sommerländerin war ein Bienenstock voller Bienen, hatte Schwierigkeiten so ruhig und entspannt hier im Schatten zu sitzen, während die Sonne sie alle einlud zu feiern.

Für einen kurzen Augenblick zupfte das Gesprächsthema an ihrer Aufmerksamkeit, als es darum ging, dass Naila und Elithea gemeinsam musizieren wollte. Immerhin wäre das eine Gelegenheit zu Tanzen, auch wenn die Bewohner und Bewohnerinnen des Großkönigsland bislang nicht unbedingt mit Lebensfrohsinn und Leichtigkeit auf sich aufmerksam gemacht haben. In ihrer Heimat, in Matariyya, gab es an jeder Ecke eine junge Frau, in Schleier und Opium gehüllt, die sich langsam zu der hinreißenden Musik bewegte. Natürlich war auch Rajani das ein oder andere Mal unter diesen Frauen gewesen, liebte es, die gierigen Blicke der Männer zu sehen, wenn sie sie tanzen sahen... Doch sie wusste, dass Naila es nicht gerne hatte, wenn sie diesen Schleiertanz vollführte. Die Gründe hatte sie zwar in all' der Zeit nicht nachvollziehen können (obwohl sie sie ihr bestimmt schon hundert Mal erklärt hatte...), doch das war nicht wichtig. Wichtig war, dass es Naila nicht zusagte. Aber... Schleier um Frauen hat man hier wohl noch nie zu Gesicht bekommen, daher fiel das sowieso wohl flach. Den Männern würde wohl die Zunge aus dem Mund hängen, wenn sie Rajani so tanzen sehen würden. Das gab sicher keine guten Geschichten hinterher... Obwohl sie mittlerweile etwas zu spät dran war im Gespräch, gab sie natürlich trotzdem noch ihren Senf dazu: "Das Singen und Tanzen fehlt mir glaube ich am meisten. Es ist wunderschön im Sommerland, dass sich alle so frei fühlen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Das müsstet ihr mit eigenen Augen sehen!".

Nachdem sie wieder bemerkte, wie weit ihre Gedanken abgedriftet waren, schnappte sie einen vielsagenden Blick von Naila auf. Schon den zweiten, den sie heute zugeworfen bekam. Im ersten Moment etwas verwirrt, weil sie dieses Mal nicht wusste, weswegen ihr diese Ehre zuteile wurde, verstand sie wenige Sekunden später (ehrlich gesagt erst, NACHDEM Naila gesprochen hatte), dass sich offenbar noch jemand anders zu ihnen gesellen wollte. Ein verspätetes unauffälliges Nicken in Richtung ihrer Prinzessin und daraufhin ein Herüberrutschen, um der jungen Frau ein wenig Platz zu machen. Dass sie damit ihren Platz neben Naila aufgab, passte ihr ÜBERHAUPT nicht, doch was tat man nicht alles, um seine Prinzessin glücklich zu machen. Rajani erinnerte sich dunkel an ein Gespräch mit ihr, dass sie sich wünschte ein wenig mehr Kontakt zu den Frauen hier am Hof zu bekommen und ganz offenbar war Lady Acilius genau eine solche Frau.

Dass Rajani dabei jede Menge Krümel auf ihrem Platz zurückließ bekam sie natürlich nicht mit.


RE: They were so easy to love - Elithea Trakas - 08-03-2025

Elithea rutschte ein wenig auf der Decke zurecht. Irgendwo darunter war schon die ganze Zeit ein Stein verborgen, der ihr recht unangenehm in den Oberschenkel bohrte, egal wie sehr sie sich auch bemühte eine bequeme Position zu finden. Aber aufstehen und sich ganz woanders hinsetzen erschien ihr einfach zu unhöflich und außerdem würde es die stille, beschauliche Stimmung stören und das wollte sie wirklich nicht. Also musste eine geringe Verlagerung des Gesäßes ausreichen. Sie versuchte sich einfach damit abzulenken, dass sie die anwesenden Gefährtinnen genau ins Auge fasste. Schon seitdem sie in diesen illustreren Kreis aufgenommen wurde, war es ihr ein Anliegen die unterschiedlichen Charaktere zu erkennen und sich deren feine Eigenheiten zu merken. Wer weiß, wofür es einmal nützlich sein würde und sei es auch nur, um schneller Freundschaften erblühen lassen zu können. Und so genoss sie einfach die vertraute Geselligkeit, die sie die Vergangenheit und Einsamkeit vergessen ließ. Rajani wusste immer die Stimmung fröhlicher zu gestalten, ob bewusst oder ganz instinktiv erlaubte ihr heiteres Herz einfach keinen Schwermut, ganz im Gegenteil, sie strotzte vor Lebensmut und einem schier unstillbaren Drang nach Abenteuer. Etwas, um das sie Elithea fast schon kindlich beneidete. Und so musste sie insgeheim doch recht schmunzeln, als die sommerländische Gefährtin immer unruhiger wurde und fast schon zu platzen schien von all den Worten, die sie sprechen wollte, aber wie die Kekskrümeln runterschlucken musste. "Auch hier im Königsland erfreuen wir uns gern Gesang und Musik. Und wir feiern gern alle Aspekte des Lebens, die herzlichen, wie auch die bekümmernden." Freu? Wirklich? Das erstaunte Eliteha doch. Sie dachte, dass die Frauen in Matariyya doch eher abgekapselt waren vom allgemeinen Leben und kaum am öffentlichen Alltagsleben teilnehmen durften oder aber zumindest recht eingeschränkt waren in ihren Ausdrucksmöglichkeiten. Vielleicht meinte Rajani, dass Frauen unter sich ausgelassener waren. Das konnte durchaus sein. Ach, sie hatte noch so viel zu lernen über die Kultur des Wüstenstaates.

Aber kaum, dass sie nachfragen wollte, unterbrach eine neue Anwesenheit das Gespräch. Eliteha wandte sich ein wenig um. Sie kannte die Gestalt, nicht gut, aber sie war ihr keine Fremde. Sie war eine aus dem Hofstaat, genau, wie war noch gleich ihr Name? Ah, genau Aurora Acilius. Neugierig über das neue Gesicht und froh vielleicht nun doch etwas mehr Bewegungsfreiheit zu haben, um den elenden Stein loszuwerden, rutschte sie nun doch etwas großzügiger auf der Decke herum, auch um Aurora so sie sich denn zu ihnen gesellen wollte, Platz zu machen.


RE: They were so easy to love - Aurora Acilius - 19-03-2025

Auroras Art war zurückhaltend und etwas schüchtern. Umso überraschter war sie selbst über ihre Fantasien und Gedanken, die sie sonst so hegte. Darüber zu sprechen würde sie sich aber niemals erlauben, zumal es sich einfach nicht ziemte, solche Gedanken zu haben. Geschweige denn Fantasien und dann auch noch mit einem fremden Mann. Nicht einmal mit dem eigenen Mann sollte man solche Gedankenspiele durchgehen, da es sich als Frau schlichtweg nicht ziemte. Ein Mann konnte damit im Gegensatz sogar in der Gegend herumprahlen, was natürlich unfair war. Aber die Gesellschaft dieser Zeit, in der sie lebten, verlangte es nun mal so.

Grundsätzlich konnte sich die rothaarige Frau jedoch glücklich schätzen, einen Ehemann zu haben, der sie nicht zu sehr in ihrem Tun einschränkte. Was aber wohl auch automatisch so sein musste, nachdem er sie auch schon viel allein gelassen hatte und dies auch noch in Zukunft so handhaben würde. Als Ritter war es fraglich, wie viel Zeit man mit seinen Liebsten verbringen durfte. Und tatsächlich hatte

Auroras Mann aus aufrichtiger Liebe den Bund der Ehe geschlossen. Eine Sache, welche äußerst selten vorkommt, denn in erster Linie war es wichtig, unter der Haube zu landen und für das restliche Leben abgesichert zu sein.

Während Aurora so durch die Palastgärten spazierte, verlor sie sich etwas in ihren Gedanken. Oder war es einfach der Genuss von frischer Luft – wenn es nach ihr ging, eindeutig der Genuss. Ihre Gedanken an Castellanos verfolgten sie den Großteil des Tages, vielleicht hatte sie sich damit mittlerweile auch einfach arrangiert.
Wenn diese Gedanken mal nicht da waren, wäre es doch mit Sicherheit ziemlich ungewöhnlich für sie. Nur die verwirrten Gesichter der anderen Spaziergänger, die ihren Weg kreuzten, machten sie darauf aufmerksam, dass es doch nicht so unauffällig wirkte, daran zu denken, wie Aurora glaubte.
Neben den anderen Spaziergängern wurde Aurora aber auch durch liebliche Musikklänge aus ihren Gedanken rund um Castellanos gerissen, wofür sie letztendlich auch dankbar war.

Prinzessin Naila sprach Aurora schließlich an, welche sofort zur offiziellen Begrüßung überging und ihren Knicks vollführte. Ihren Kopf legte sie ehrfürchtig etwas runter, bevor sie mit einem Lächeln zur mündlichen Begrüßung überging. ”Ich grüße euch, Eure Hoheit!” kam über Auroras Lippen, bevor sie auch ihren Begleiterinnen ein höfliches Nicken als Begrüßung zuwarf.
Ob ihre Anwesenheit so gerne gesehen war, wagte sie zu bezweifeln, aber wenn die Prinzessin sie schon dazu einlud, Zeit mit ihr zu verbringen, konnte sie das einfach nicht ablehnen.
Unter den nicht einzuordnenden Blicken der Gesellschafterinnen platzierte sich die Rothaarige schließlich, auch wenn sie nicht wirklich behaupten konnte, sich wohlzufühlen. ”Eure musikalischen Klänge haben meine Aufmerksamkeit erregt. Sie klangen sehr lieblich und wunderschön.” bemerkte Aurora schließlich mit einem schüchternen Lächeln.


RE: They were so easy to love - Naila Castellanos - 05-04-2025

Natürlich war Naila nicht entgangen, wie unruhig Rajani hin und her rutschte, und selbst Elithea schien sich nicht so wohl an ihrem Platz zu fühlen, auch wenn ihre blumigen Worte und der warme Ausdruck in ihrem Gesicht andere Geschichten sprachen. An einem solchen Tag, halb unter sich, aber eben auch halb in der Öffentlichkeit war nichts anderes zu erwarten, wenn man versuchte, alte und neue Heimat miteinander zu verbinden und sich eine kleine Nische in den Strukturen zu graben, die eigentlich keinen Platz mehr für Neuankömmlinge hatten. Rajani war darin zu beneiden, dass sie sich so wenig um das Leben kümmerte, das sich um sie herum formte und von ihr formen ließ. Sie mochte sich vielleicht keine Gedanken darum machen, was passierte, wenn sie A sagte und andere B aufschnappten, um C zu erzählen. Geheimnisse, wie sie welche so offensichtlich mit sich trug, waren in der halben Öffentlichkeit der Gärten nie sicher genug, um preisgegeben zu werden, weshalb Naila absichtlich auf andere Themen lenkte, in denen Rajani von ihrer Heimat schwärmen konnte.
Das Leben einer Gesellschafterin schmiege sich nun einmal an das Leben einer Prinzessin und nicht immer konnte man allen Wünschen gerecht werden. Wenn man also einer anderen Hofdame Platz machen und in den eigenen Reihen Willkommen heißen musste, weil Naila sich dazu entschieden hatte, dann war das eben so. Die einzige, die sich nicht bewegte, war Naila selbst, auch wenn ihr Lächeln eine Spur wärmer wurde, als Aurora sich neben sie setzte. Nie zu dick aufgetragen, mit der richtigen Mischung aus Offenheit und höflicher Zurückhaltung, glaubte sie neben der offensichtlichen Schüchternheit auch eine Unsicherheit in der Rothaarigen zu erkennen, die ihr nur zu vertraut war. Wer wollte schon gerne aus einem entspannenden Spaziergang in eine Gruppe voll Fremder gedrängt werden? „Es ehrt mich, das aus Eurem Munde zu hören. Ich muss zugeben, ich habe die Balance in meinen Melodien zwischen alter und neuer Heimat noch nicht gefunden“, gab Naila sanft, aber ehrlich zu, selbst nur einen Hauch der Unsicherheit durchscheinen lassend, die ihr höfisches Leben bestimmte. Es war in Ordnung für eine frisch vermählte Prinzessin, sich noch nicht ganz wohl in der neuen Heimat zu fühlen, und Naila wusste, dass sie damit Sympathie erregte, wenn sich diese Herausforderung in den richtigen, ungestörten Momenten bemerkbar machte.
Als hätte sie die Ankunft von Aurora davon abgebracht, sich weiter der Musik hinzugeben, legte sie die Laute von ihrem Schoß neben sich ab und deutete auf die Köstlichkeiten in der Mitte ihrer trauten Gruppe, die hauptsächlich von Rajani genossen wurden. „Bitte, lasst Euch nicht aufhalten, wenn Euch etwas anspricht.“ Im selben Atemzug ging Naila davon aus, dass eine ihrer Gesellschafterinnen zu der Wasserkaraffe greifen und Aurora ein Glas anbieten würde, wie sie es gerne untereinander taten. „Hattet Ihr schon die Freude, meine Gesellschafterinnen kennen zu lernen? Rajani Parikh ist meine langjährige Freundin und Begleiterin aus meiner Heimat, Matariyya.“ Sie wartete, bis sich beide Damen vorgestellt hatten, dann ging sie zu der jungen Frau an ihrer Linken über. „Mit Ehren darf ich ebenfalls Elithea Trakas in meinen Kreisen Willkommen heißen. Vielleicht seid Ihr Euch vor geraumer Zeit bereits am Hof über den Weg gelaufen…?“ Ein kleiner Stups, eine kleine Verbindung zwischen zwei Frauen aus Castandor, und eine wachsame Prinzessin, die dieses Mal nicht durchscheinen ließ, wie gerne sie wissen wollte, ob sie sich bereits eine Vergangenheit teilten. Stattdessen ließ sie ihnen Zeit, miteinander Bekanntschaft zu schließen, ehe sie den Gesprächsfaden wieder aufnahm und geschickt in eine andere Richtung fädelte. „Sagt, was führt Euch allein durch die Gärten, Lady Acilius?“



RE: They were so easy to love - Rajani Parikh - 13-05-2025

Während das letzte Gebäckstück in ihrer Hand nur teilweise aufgegessen wurde, richtete sie ihren Blick auf den Neuankömmling und hatte in diesem Moment alles um sich herum vergessen. Die junge Hofdame präsentierte ein wundervolles Kleid, sodass ihr Busen und ihre Rundungen wirklich fabelhaft zur Geltung kamen und für den Moment war die junge Sommerländerin beinahe ein wenig neidisch auf ihre große Oberweite. In dem Versuch sich halbwegs auf ihr Gesicht zu konzentrieren bemerkte sie, dass sie ein wenig unsicher in Stimme und Gestik war, weshalb Rajani prüfend die Augen zusammenkniff. Sie konnte zwar nachvollziehen, dass sich jemand in einer solchen Situation unwohl fühlt, doch grundsätzlich konnte sie mit dem System der Unsicherheit nicht besonders viel anfangen. In ihren Augen gab es nichts, weswegen man sich unsicher sein sollte - doch dass das Leben für Andere nicht ganz so einfach war, wie für die simpel gestrickte Rajani, verstand sie häufiger mal nicht. In ihren Augen gab es oft nur schwarz und weiß und sie tat sich schwer die ganzen Nuancen dazwischen zu verstehen. Des Öfteren bewunderte sie Naila für ihre Weitsicht, ihre Empathie und das viele Verständnis, das sie gefühlt für jeden aufbringen konnte, außer für sich selbst. Sie war eine wunderbare Prinzessin und manchmal fühlte es sich ein wenig so an, als müsste Rajani sie beschützen oder dafür sorgen, dass niemand die Freundschaft zwischen ihnen beiden zerstörte. Dass da in Wirklichkeit überhaupt nichts dran war verstand zwar auch ihr einfacher Geist, doch so war das nun mal mit Emotionen: wirklich rational waren sie selten. Genauso wie die absolut umwerfende Verliebtheit, die sie empfand, wenn sie an den Gelehrten dachte, mit dem sie den Abend der Hochzeit von Naila verbracht hatte. Seitdem konnte sie an kaum etwas Anders denken. Doch auch sie hat die sehr groß gedruckten Buchstaben, die zwischen den Zeilen ihrer Freundin Naila standen, lesen können, dass das jetzt kein Thema für die Frauenrunde war.

Als die zärtliche Stimme der Prinzessin erklang schlug die Dunkelhaarige wieder hart auf dem Boden der Tatsachen auf. "Seid willkommen, Lady Acilius", säuselte Rajani freundlich und schenkte ihr ein Lächeln. Diese Runde nun um eine weitere Frau zu erweitern gefiel ihr zwar weniger, doch als Elithea plötzlich abrupt aufstand und sie murmelnd entschuldigte, wurde automatisch ein Platz in ihren Reihen frei, ohne dass sie besonders viel rumrutschen mussten. Sie rief noch etwas im Gehen, entschuldigte sich für das Unterbrechen des Gespräches und wünschte ihnen noch einen schönen Tag, ehe sie mit einem wehenden Kleid davon lief. Offenbar hatte sie irgendetwas Wichtiges vergessen, schätzte die Parikh.
"Ich freue mich Euch kennen zu lernen", erwiderte die Sommerländerin und deutete mit einem neckischen Grinsen auf den Lippen auf den eben freigewordenen Platz von Elithea. "Ich bin mir sicher, dass sie entweder später wieder kommt oder die Tage sicher noch für ein nettes Gespräch bereit steht", entschuldigte sie Elithea bei Aurora und erinnerte sich plötzlich wieder an den Keks, den sie noch immer abgebissen in der Hand hielt. Na, wenn das nicht der richtige Moment war um sich den Rest in den Mund zu schieben, dann wusste sie auch nicht. Naila hatte sowieso gerade Aurora angesprochen, sodass Rajani für den Moment sowieso nichts mehr zu sagen hatte.