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I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Muirín Henaghen - 03-08-2025 Der flüsternde Wind zupfte an den roten Locken der jungen Frau. Immer wieder wurden ihr einzelne lose Strähnen ins Gesichts gepustet, doch sie blieb sitzen - ähnlich wie die Felsen, für die Kenmara bekannt war. Die steilen Klippen, die direkt hinter der Burg abfielen, hatten eine gewisse Faszination auf die junge Frau ausgeübt. Ungebeugt, thronend und still lagen sie da, hielten dem eisigen Wasser des Meeres stand. Nachdem sie minutenlang dagestanden hatte und nur aufs Wasser hinaus geblickt hatte, hatte sie sich irgendwann ein paar Meter zurück gezogen und sich auf eine ebenfalls steinerne Bank gesetzt. Es war das erste Mal, dass sie das Meer gesehen hat. Das erste Mal, dass sie das Salz auf der Zunge schmeckte und den Wind in ihren Haaren spürte. Ishcateslieve war etwas völlig anderes. Weniger rau, etwas wärmer und etwas liebevoller. Vielleicht lag es aber auch an den Menschen, von denen sie bis vor wenigen Tagen umgeben war. Die Familie Fraser schien genauso unzähmbar zu sein, wie es das Meer war. Sie nahm einen tiefen Atemzug, saugte ihre Lungen voll mit Meerluft und versuchte ein paar Sekunden die Luft anzuhalten, ehe sie sie wieder hinaus strömen ließ. In ihrem ganzen Leben hat sich die junge Prinzessin noch nie so einsam gefühlt, wie sie es jetzt in dem Moment tat. Während sie den rauen Wellen lauschte, wie sie beständig gegen die Klippen prallten, knete sie ihre Hände, die in ihrem Schoß lagen und versuchte einen ruhigen Kopf zu bewahren. Nicht einmal nach dem Tod ihrer Mutter hatte sie sich so gefühlt. Damals waren da Menschen um sie herum gewesen, denen es genauso ergangen war. Die genauso litten und sich gegenseitig stützen konnten. Jetzt, hier in Kenmara, gab es nur sie. Ihr zukünftiger Ehemann hatte sie nach dem katastrophalen Abendessen gestern vermutlich schon längst abgeschrieben und die Familie, in die einheiratete, hielt von ihr vermutlich so viel, wie von einem Insekt auf der Kleidung. Die Rothaarige seufzte. Die Tränen, die sich in ihren Augen sammelten, blinzelte sie schnell wieder weg. Sie würde das hier durchstehen. Sie würde auch die Hochzeit, die für den morgigen Tag geplant war, überleben. Einen Schritt nach dem anderen. Heute würde sie die Probleme von morgen und von den nächsten Wochen sicher nicht lösen können, also brachte es nichts sich in Gedankenspielereien zu verlieren. Obwohl ihr mittlerweile ganz schön kalt geworden war und ihre Haare nass an ihrer Stirn klebten, weil die Gischt doch auch noch bis zur Bank reichte, wollte sie diesen Platz noch nicht aufgeben und gehen. Die Natur tat ihr gut. Obwohl sie nie besonders abenteuerlich gewesen war und selten Interesse an irgendetwas gezeigt hatte, spürte sie doch eine gewisse Verbundenheit zu dieser Freiheit, die ihr hier vermittelt wurde. Natürlich war ihr klar, dass sie nicht wirklich frei war. Dass diese Hochzeit morgen genau das Gegenteil bedeuten würde. Doch was das Fürstentum an sich anging, stellte sie in diesem Moment fest, hätte sie es deutlich schlechter treffen können. Außerdem liebte sie das Herbstland für sein unbeständiges Wetter, den vielen Regen und die grauen Tage. RE: I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Maebh Fraser - 04-08-2025 Im Sattel konnte man die Sorgen und Nöte des Alltags vergessen. Das hatte ihre Mutter schon immer gesagt und ihr Vater lebte noch heute nach diesem Grundsatz, wenngleich ihre Stiefmutter offenbar die Magie eines Pferderückens nicht zu schätzen wusste. Allerdings war es auch so, das Pferde ihre Stiefmutter kein bisschen leiden mochten. Céo hatte ihr, kurz nachdem sie eingezogen war, schon als Fohlen einmal kräftig gegen die Beine getreten. Hatte wohl Menschenkenntnis, das Tier. Ihren Sohn hatte Maebh heute morgen in der Obhut seines Kindermädchens gelassen. Sie selbst war nach einem kurzen Frühstück zu den Stallungen gegangen, hatte ihr Pferd gesattelt und die Burg auf seinem Rücken verlassen. Als sie zurückgekehrt war, hatte sie keineswegs direkt die Stallungen angesteuert sondern ihren Lieblingsplatz hinter der Burg. Dort, wo eine steinerne Bank den perfekten Blick über die Klippen aufs offene Meer bot und man die Gischt an stürmischen Tagen im Gesicht spüren konnte, bis das Haar sich durch das salzige Wasser kräuselte und ihre Tränen von dem kalten Nass versteckt wurden. Hier konnte sie für sich sein. Wenn es stürmte und donnerte konnte man seine Frustration hinausschreien, ohne das es jemals irgendjemand hören würde. Niemand, außer den Wellen, die sich an den harten Steinen der Klippen brachen und in abertausend Wasserperlchen zurück ins Meer fielen. Doch heute war sie nicht alleine. Fast hätte sie die junge Frau im ersten Moment übersehen, zu abgelenkt von der Schönheit des Ortes. Maebh hatte einen fast schon untrüglichen Instinkt. Schon gestern abend hatte sie versucht, es dem Mädchen leichter zu machen. Hatte sie freundlich und offen in Empfang genommen. Und Muírín hatte sie eiskalt auflaufen lassen. Cathal’s Kommentar zur Persönlichkeit der jungen Prinzessin hatte Maebh missfallen, auch wenn sie das nicht in diesem Moment offen zur Schau gestellt hatte. Stattdessen hatte sie einmal mehr geschwiegen. Insgeheim hasste sie sich dafür, doch sie mochte keine negativen Gefühle, also drängte sie auch dieses zurück. Elegant sprang sie aus dem Sattel und griff nach Céos Zügeln, um ihn hinter sich herzuführen. Der Hengst trottete gemächlich mit hängendem Kopf hinterher, die Ohren neugierig in Muíríns Richtung gedreht, ehe er sich daran machte, das bisschen Grünzeug, das zwischen den Steinen hervorwuchs, abzuzupfen. Maebh blieb einen Moment vor der behelfsmäßigen Brüstung stehen und schloss die Augen. Vom Ritt waren ihre Haare noch zerzaust, die Wangen gerötet und sie wirkte an diesem Vormittag keineswegs so perfekt wie sie es gestern abend getan hatte. Als sie sich zu der jungen Frau umwandte, lag kein breites Lächeln auf ihren Lippen. Nur ehrliche Freundlichkeit. „Mein Lieblingsplatz“, eröffnete sie. „Wenn es stürmt und gewittert und der Donner über der Burg grollt, kann man seinen ganzen Frust und Zorn herausschreien und niemand kann es hören. Nur man selbst und die Wellen. Als ich hier ankam dachte ich, dass sie meinen Kummer so vielleicht mitnehmen könnten.“ Gestern hatte Muírín klar gemacht, dass sie keine Lust auf seichte Unterhaltung hatte. Das man belanglose Freundlichkeiten nicht austauschen musste. Maebh hatte vor, sich daran zu halten. Und ihr ein wenig Sicherheit anzubieten. Eine Freundin. Sie selbst konnte auch sehr gut eine Freundin gebrauchen, auch wenn das wohl eher keine Rolle spielte. „Aber es ist immer gleich geblieben“, seufzte sie und kraulte kurz Céo’s Nase, als dieser den Kopf hob um sie anzuschubsen. Die Zügel warf sie dem Hengst über und trat dann zu Muírín an die Bank, um sich zu ihr zu setzen. „Ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst.“ Sie verzichtete auf vorgeschobene Höflichkeit und wählte lieber eine vertraute Ansprache. „Und ich würde dir gerne sagen, dass es leichter wird und du es dir viel viel schlimmer ausmalst, als es eigentlich ist. Aber ich fürchte, dass das nichts bringt und noch dazu ist es eine Lüge. Und die liegen mir nicht. Stattdessen“, fuhr sie ruhig fort, „sage ich dir also folgendes: Du bist hier willkommen. Du wirst hier nie einsam sein. Und ob du dich zu Hause fühlst oder nicht ist allein deine Entscheidung. Aber es wird immer weh tun. Dir wird dein zu Hause und deine Freiheit immer fehlen. Mit der Zeit wird sich nur der Umgang mit diesem Bereich deines Lebens verändern und dort, wo andere Menschen sagen, es würde einfacher, wirst du in Wirklichkeit einfach nur erwachsener und widerstandsfähiger.“ RE: I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Muirín Henaghen - 15-08-2025 Die Sekunden, die sie brauchte, um sich der Anwesenheit einer anderen Person bewusst zu werden, hinterließen einen bitteren Beigeschmack. Die rothaarige Prinzessin war nicht hier her gekommen, um mit jemandem zu reden. Stattdessen war sie hier, um zu schweigen. Ihren eigenen Gefühlen zu lauschen. Ihren Wünschen, Sorgen und Nöten. Begraben unter all' den Ereignissen der letzten Tage hatte es die Fürstentochter schwer sich selbst zu finden. Normalerweise, unter den Umständen der letzten Monate und Jahre, war sie zu einer selbstbewussten jungen Frau herangewachsen, hatte den Tod ihrer Mutter verkraftet und die zweite Hochzeit ihres Vaters durchgestanden, hat jeden Streit mit ihrem großen Bruder irgendwie überlebt und sich die freie Zeit mit reisenden Männern vertrieben, die die heißen Quellen nach ihrem kleinen Stelldichein nie wieder sehen würden. Sie wusste, was sie wollte. Und ebenso hatte sie gewusst, was sie nicht wollte. Nur, dass man sie völlig übergangen hatte. Es spielte keine Rolle mehr, was sie nicht wollte. Es interessierte niemanden, dass sie nicht hier sein wollte, dass sie keinen fremden Mann heiraten wollte, der zu allem Überfluss auch noch blind war und nichts mit ihrer Schönheit anfangen konnte. Nichts davon war mehr von Belang. Ihr Vater, mit dem sie so viele Meinungsverschiedenheiten geteilt und durchgestanden hatte, hatte einfach über ihren Kopf hinweg entschieden. Es war keine laute Diskussion und kein temperamentvoller Streit gewesen. Nur eine leise Ansage. Ohne einen Weg zurück. Ohne einen Weg hier raus. Es waren erst wenige Tagen vergangen, seitdem man ihr offenbart hatte, dass sie bald heiraten würde. Zu wenig Zeit, um sich mit diesen Gedanken anzufreunden. Und auch zu wenig Zeit, um zu wissen, wie sie sich nun verhalten sollte. Würde es Sinn machen, die Krallen auszuführen und sich mit Händen und Füßen dagegen zu wehren? Oder tat sie sich selbst einfach nur einen Gefallen, wenn sie klein bei gab? Normalerweise war das nicht ihre Art, doch... was war schon noch normal? Es gab keinen Normalzustand mehr. Sie musste sich erst ein neues 'normal' erarbeiten. Musste sich eingewöhnen und ankommen. Musste herausfinden, was gut und normal war und was eben nicht. Doch hier an den Klippen zu sitzen war auf jeden Fall ein Anfang. Cathal hatte am Abend zuvor Recht gehabt: die Umgebung der Burg und ihre raue Landschaft war wirklich bemerkenswert. Und vielleicht war sie gerade deswegen noch gar nicht in der Stimmung zu teilen. Doch so wie zuvor hatte sie auch dieses Mal keine Wahl. Und sie nahm sich vor dieses Mal nicht wieder ein solches Theater zu veranstalten. Für den Moment fühlte es sich so an, als hätte ihr tosendes Inneres einfach den Kampf gegen die noch viel stärker tosenden Wellen verloren. Als hätte die Rauheit des Meeres ihre Seele beruhigt. Jedenfalls für den Moment. Vielleicht war es auch zuträglich, dass die Weite des Wassers ihr das Gefühl gab überhaupt nicht von Bedeutung zu sein. Nachdem sich die letzten Monate in ihrem eigenen kleinen Kosmos gefühlt alles nur um sie selbst gedreht hat (hat es nicht, aber das dachte Muirín eben gerne...), würde sie nun lernen müssen, was es bedeutet eben nicht mehr so bedeutsam zu sein. " Ich glaube ich kann nicht schreien ", flüsterte sie leise und war selbst überrascht. Sowohl von dem Geständnis, als auch von der Zittrigkeit ihrer Stimme. Ein Schrei würde bedeuten, dass sie voller Kraft und Energie war, doch aktuell fühlte es sich eher nach dem Gegenteil an. Sie war noch nicht bereit aus ihrem inneren Käfig auszubrechen. Noch nicht bereit, loszulassen. "Es ist immer gleich geblieben?", fragte sie beinahe tonlos die Fürstin und wendete den Blick zu dem sanften Gesicht der ähnlich alten Frau. Sie sah so... perfekt aus. Perfekt unperfekt. Das zerzauste Haar wurde ihr vom Wind ins Gesicht gepeitscht und die Wangen waren rosig gefleckt von der körperlichen Anstrengung auf dem Rücken des Pferdes. Und trotzdem sah sie aus wie ein Engel. Nur leider war sie kein Engel, der besonders gute Nachrichten zu verkünden hatte. Und was ihr noch viel mehr Angst einjagte, war die Ehrlichkeit, die sie aus der Stimme von Maebh raushören konnte. Eine Gänsehaut lief ihr über die Arme, ehe sie sie um den eigenen zarten Körper schlang und die Schultern hängen ließ. " Es tut mir leid, dass ich gestern so unausstehlich war. Ich bin... überfordert, wenn ich ehrlich bin. Das ging alles viel zu schnell und ich habe noch gar nicht realisiert, was hier überhaupt passiert. Dass ich irgendwann heiraten würde, das wusste ich selbstverständlich, aber ich habe so lange geschafft mich dagegen zu wehren, dass ich nicht davon ausgegangen bin, dass es am Ende so schnell gehen wird ", erklärte sie ehrlich und knete die Finger in ihrem Schoß. Dieser sanfte Ausdruck in den dunkelbraunen Augen der Fürstin, verleitete sie dazu ihre Gefühle anzusprechen. Außerdem berührten die Worte der jungen Frau etwas in ihrem Herzen, was sie bisher noch ganz tief und fest verschlossen hatte. Auch, wenn sie es nicht wahrhaben wollte, aber diese Frau erinnerte sie auf eine sehr schmerzhafte Art und Weise an ihre verstorbene Mutter. Sie war liebevoll, obwohl man es nicht verdient hatte. Freundlich, obwohl man mit Hass um sich schlug. Ruhig, wo andere laut waren. Sie konnte nicht anders, als sie zu bewundern. Und gleichzeitig sah sie in einen Spiegel und konnte sehen, wie ihr Leben in Zukunft aussehen würde. Gefangen in einem goldenen Käfig.
RE: I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Maebh Fraser - 15-08-2025 Ein leises Seufzen hob die Brust der schönen Fürstin, nicht hörbar. Nur sichtbar für geübte Augen, die wussten, wie es aussah, wenn eine Frau mit der ganzen Last ihres noch jungen Lebens durchatmete. Dann schaffte sie ein schiefes Lächeln. „Du wirst es können“, eröffnete sie sanft. „Laut und aus voller Brust. Niemand kann es dir verbieten. Deine Stimme, dein Herz, deine Gedanken und Gefühle, all deine Wünsche und Träume – sie gehören nur dir. Man mag dir deinen Familienstand auferlegen können, aber all diese Dinge kann dir niemand nehmen. Sie werden immer dir gehören.“ Es sollten tröstende Worte sein. Welche, die sie sich zu hören gewünscht hätte, als sie an der Stelle dieser jungen Frau gestanden hatte. Maebh wandte den Blick in ihre Richtung. Und hob ein wenig die Schultern. „Es hat sich verändert“, gab sie zu. „Ich würde nicht sagen, es wurde leichter. Aber mein Umgang wurde anders. Ich bin an meiner Situation gewachsen und meine Ehe tat es mit mir. Männer sind eine seltsame Spezies“, fügte sie an. „Sie glauben, sie hätten all die Probleme nicht, mit denen wir Frauen uns herumschlagen müssen. Das starke Geschlecht. Aber im Grunde sind sie genauso unsicher, genauso verloren und überfordert. Kinder im Körper erwachsener Männer“, fügte sie noch an. „Ein wenig Liebe hier, ein wenig Aufmerksamkeit da… und schon wird es einfacher.“ Die Fürstin streckte die Beine aus, die vom Reiten noch ein wenig schmerzten und schloss kurz die Augen, die Nase in den Wind und die hochschäumende Gischt hebend. Dann lachte sie. Ein glockenheller Ton, ganz und gar nicht aufgesetzt oder schrill. „Nicht doch“, schmunzelte sie. „Ich habe dir das nicht übel genommen, Muírín. Mir ist gleich, ob es angebracht oder unangebracht war. Mich störte Cathals Umgang damit. Kein Mann sollte das Recht haben, so über eine Frau zu sprechen. Schon gar nicht, wenn er sie heiraten wird.“ Sie wandte sich dem Mädchen nun ganz zu und fasste sanft nach den Händen, die Muírín ineinander knetete, als ginge es um ihr Leben. „Ich verstehe dich. Ich war 24 Jahre alt, als mein Vater entschied, dass ich heiraten werde. Es war die Einlösung einer Lebensschuld und auch wenn mir nicht gefiel, was passierte, so hat er mir damit vermutlich das Leben nicht nur erleichtert sondern auch deutlich verbessert.“ Sie strich sanft über die Finger der jungen Frau, die ihr gegenüber saß. „Ich hatte das Glück, dass Eanruig mit sich verhandeln ließ. Ich bekam ein halbes Jahr Aufschub, aber wir haben nach vier Monaten bereits geheiratet. Ich weiß, gerade fühlt es sich genauso an, aber das hier ist nicht das Ende deines Lebens und es ist auch nicht das Ende der Welt, Muírín. Dein Leben ist nicht vorbei. Das kann ich dir versprechen.“ Sie ließ ihre Hände wieder los und wandte den Blick wieder aufs Meer. Eine Weile schwieg sie. Dann richtete sie erneut das Wort an Muírín. „Wie wäre es, wenn wir sehen, ob wir Gemeinsamkeiten haben? Uns anfreunden? Ich möchte nicht, dass du dich einsam und verlassen fühlst. Das hier soll dein zu Hause werden.“ RE: I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Muirín Henaghen - 16-08-2025 Als würden sie über eine andere Frau sprechen, lauschte sie aufmerksam den sanften Worten der jungen Frau neben sich. Manchmal schien die Stimme in den tosenden Wellen beinahe unterzugehen, brach sich jedoch immer wieder Bahn, als wäre sie es gewohnt gegen die Natur zu gewinnen. Es war nicht schwierig, sie zu verstehen, doch die Worte tatsächlich als Wahrheit aufzunehmen, umso mehr. Es fühlte sich nicht so an, als würden sie nun über ihr zukünftiges Leben sprechen, mehr über eine andere Frau, die sie nur beiläufig kannten. Als wären sie zwei Freundinnen, die beisammen saßen. Und genau das war es, was die Andere ihr am Ende sogar vorschlug: Freundinnen zu werden. Verbündete vielleicht sogar. Zwei Menschen, zwei Frauen, die das gleiche Schicksal teilten. Die voneinander lernen konnten. Die sich gegenseitig die Last des Lebens für ein paar Schritte abnehmen konnten. Und plötzlich fühlte sich dieses Fürstentum, diese Burg an den Klippen Kenmaras mehr an, wie etwas, das irgendwann mal ihr zu Hause werden konnte. Es würde nie die Burg sein, in der sie aufgewachsen war, aber vielleicht war nun auch endlich ihre Zeit gekommen ihre Flügel auszubreiten und zu fliegen. Sie hatte immer gewusst, dass sie nicht für immer zu Hause bei ihrem Vater wohnen konnte. Genauso, wie sie gewusst hatte, dass es ein riskantes Spiel gewesen war, sich mit Männern einzulassen, die sie nicht heiraten würde. Eigentlich war dieser Ausgang ihrer Situation noch der beste, der auf sie hätte warten können. Und nachdem sie ein wenig länger über die angenehmen Worte der Fürstin nachgedacht hat, kam ihr das Alles hier plötzlich gar nicht mehr so einsam und verlassen vor, wie noch vor wenigen Minuten. Bis gerade eben hatte sie noch gedacht völlig alleine auf dieser Welt zu sein. Jetzt wusste sie immerhin, dass es hier noch jemanden gab, mit dem sie sich das Schicksal einer Frau teilte. " Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich auch noch ein Kind in einem Körper einer erwachsenen Frau bin ", gab sie flüsternd zu und war sich gar nicht sicher, ob die Andere sie überhaupt verstehen konnte. Die Wellen waren laut, wie sie unnachgiebig gegen die Felsen donnerten. Als würde ein Gewitter aufziehen, doch am Himmel waren keine grauen Wolken zu sehen. Immer wieder spritze die Gischt zischend hoch, sodass die beiden Frauen auf der Bank ein wenig von dem Salzwasser abbekamen. Die roten Haare hingen der Prinzessin schon längst strähnig vom Kopf und zeugten von der Zeit, die sie schon hier saß, bevor die Fürstin ihr Gesellschaft geleistet hat. "Aber ich bin mir sicher, dass Ihr am Ende Recht behaltet. Auch ich werde an dieser Situation wachsen, da bin ich mir sicher ", sagte sie entschlossen und richtete sich ein wenig auf. Die Worte hatten ihr so gut getan, dass sie plötzlich neuen Lebensmut verspürte. "Ich danke Euch ", sagte sie leise und erwiderte den Druck, den sie an den Händen spürte, als die Andere sie plötzlich berührte. "Ihr wisst glaube ich gar nicht, wie sehr ich diese Worte gebraucht habe. Ich glaube ich wusste selbst nicht einmal, wie sehr ich sie hören musste", antwortete sie verlegen und genoss für den Moment die Wärme, die sie an den Händen zu spüren bekam. Sie hatte gar nicht gemerkt, wie kühl es um sie herum geworden war. " Das klingt nach einer fantastischen Idee ", gab sie leise zu und versuchte sich das erste Mal an einem Lächeln. Wenn sie es sich recht überlegte, dann hatte Muirín noch nie eine richtige Freundin. Die meisten Frauen in ihrem Heimatdorf waren nicht sehr angetan von der Rothaarigen (ein Umstand, an dem sie sich selbst Schuld ist, wenn sie ehrlich zu sich selbst wäre...), sodass sie in ihrem Leben nie eine richtige Freundin verzeichnen konnte. Im ersten Moment fühlte es sich irgendwie komisch an, ihre neue Schwiegermutter eher als Freundin zu betrachten, aber wieso sollte sie hier nun so streng und konsequent sein, wenn sie es bisher an anderen Stellen auch nicht gewesen war? "Ich... hatte noch nie eine richtige Freundin ", flüsterte sie leise gegen den Wind und spürte, wie ihre Worte davon getragen wurden. Noch nie hat sie sich so verletzlich gezeigt.
RE: I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Maebh Fraser - 19-08-2025 Maebh schenkte der jungen Frau ein sanftes Lächeln. „Das ist normal“, stellte sie fest. „Ich dachte, ich würde mich erwachsen fühlen, wenn ich mein Kind in den Armen halte. Ich meine…“, sie kicherte ein wenig, „man sollte doch meinen, dann fühlt man sich erwachsen. Wenn man Mutter wird. Aber zugegebenermaßen ist das nicht so. Ich dachte eher: Oh nein, jetzt habe ich Verantwortung. Und: Dich werde ich bis ans Ende meiner Tage lieben.“ Sie wandte den Blick wieder geradeaus und nickte bedächtig, als Muírín ein wenig Kraft aus ihren Worten zu ziehen schien. Die würde das Mädchen auch brauchen, wenn man Maebh fragte. Der Weg, den sie nun beschreiten würde, war kein einfacher. Sie konnte alles an Kraft brauchen, was sie bekommen konnte. Maebh sah zu ihr hinüber und schüttelte den Kopf. „Nein. Ich danke dir. Und ich glaube wirklich, die übertriebene Höflichkeit können wir uns sparen, wenn wir unter uns sind, Muírín. Wir werden oft genug gezwungen, in eine Verkleidung zu schlüpfen. Nehmen wir uns doch die Natürlichkeit nicht auch, wenn wir die Möglichkeit haben, wir selbst zu sein.“ Liebevoll wanderte ihr Blick über die jüngere Frau und das Lächeln auf den Lippen der Fürstin gewann an Zuversicht, Liebe und Freundlichkeit. „Ich denke, mir war das eher klar als dir, Muírín. Und das ist in Ordnung. Du bekommst von mir jederzeit Aufmunterung und Liebe, wenn du sie benötigst. Du darfst jederzeit danach fragen.“ Und da war es. Etwas in ihrem Gesicht veränderte sich und Maebh erkannte den Ansatz eines Lächelns, dass sich schließlich Bahn brach und etwas helleres, freundlicheres in das Gesicht der hübschen Frau brachte. Maebh kam auf die Füße und zog die neugewonnene Freundin mit sich, sodass sie an die kleine Mauer treten konnten. „Als deine erste Freundin“, stellte sie fest und kletterte über die Mauer auf den Felsen. „Zeige ich dir als erstes, wie du dir selbst helfen kannst. Tagein tagaus müssen wir unsere Pflichten erfüllen. Wir sind Geliebte, Lehrerin, Ehefrau, Ratgeberin, Stimme der Vernunft. Wir müssen schön sein, ordentlich, gepflegt, still, halbwegs gebildet, gehorsam, ehrfürchtig. Wir müssen so viele Ansprüche erfüllen, dass es schwer ist, sich nicht selbst zu verlieren. Denn wir dürfen nie wanken, nie die Kontrolle verlieren.“ Hier vorne, ohne den Schutz der Mauer, stieß ihnen die aufschäumende Gischt ins Gesicht und immer wieder versank die Stimme der Fürstin unter den tosenden Wellen, die auf unnachgiebigen Stein schlugen. Sie hielt immer noch Muíríns Hand und wandte sich dem Meer zu. Mit der nächsten Welle, die gegen die Felsen brandete und so ein ohrenbetäubendes Donnern auslöste, stieß die Fürstin einen kaum hörbaren Schrei aus. Sie schloss die Augen, als Wasser auf ihr Gesicht niederregnete und reckte die Nase in die Höhe, als würde sie das Wasser willkommen heißen, ehe sie zu Muírín sah. „Jetzt du!“ Ein Leuchten lag in den sanften dunklen Augen der Fürstin, begeistert und lebendig. „Schrei es einfach hinaus. All deine Ängste und Sorgen. Lass zu, dass der Wind sie einfach mit sich fortträgt.“ RE: I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Muirín Henaghen - 03-09-2025 Eine Gänsehaut überzog plötzlich die Arme der Rothaarigen. Nicht etwa, weil sie langsam anfing zu frieren, weil ihr die Haare nass an der Stirn und an der Wange klebten, oder sie ihre Kleider nach dem kleinen Ausflug erst einmal auswringen konnte, sondern viel mehr der Tatsache wegen, dass Maebh über das Kinderkriegen sprach. Es war, als hätte sie damit ein neues Thema angeschnitten, dass der jungen Frau eine ungeheure Angst einjagte, über das sie aber tatsächlich bislang noch gar nicht nachgedacht hatte. Das würde immerhin nach der Hochzeit anstehen. So war es doch immer. Man heiratete, zog in ein gemeinsames Haus und widmete sich dann dem Nachwuchs. Sie fröstelte. Muirín Henaghen war nicht bereit. Für nichts von alldem. Sie wollte nicht heiraten und sie wollte noch viel weniger eine Mutter sein. Sie hatte sich ja noch nicht einmal selbst gefunden, wie sollte sie dann jemand anderem dabei helfen, sich zu finden? Sie wusste, worin ein solcher Weg enden würde: darin, sich selbst niemals gefunden zu haben. Selbst nie zu wissen, was das Leben eigentlich für einen bereit gehalten hätte, wenn man denn genug Zeit bekommen hätte. Und wenn man sie nicht anhand ihres Geschlechts bemessen hätte. Vielleicht wäre sie dann Gelehrte oder Priesterin, Schneiderin oder Gerberin geworden? Poetin, Bardin oder vielleicht auch einfach nur eine glückliche Hausfrau, nachdem sie genug Zeit hatte, all das auszuprobieren, wonach ihr der Sinn stand. Aber das war in ihrer Gesellschaft nicht so vorgesehen. Muirín Henaghen würde morgen schon heiraten. Würde ihren Familiennamen ablegen und den, der Frasers annehmen. Würde die Prinzessin eines Fürstentums sein, ohne jemals Anspruch auf mehr zu haben. Würde vielleicht irgendwann Mutter werden - wenn es denn jemals dazu kommen sollte, dass ihr Ehemann das Bett mit ihr teilte... - und nach vielen Jahren irgendwann sterben. Ohne jemals zu wissen, was sie alles hätte sein können. " Das klingt fantastisch ", murmelte sie leise und nestelte noch immer an ihren Fingern herum. Einen Verlobungsring gab es nicht, dafür war nicht einmal Zeit gewesen. Ab morgen würde es stattdessen vermutlich einen Ehering geben, aber eine emotionale Bedeutung würde er nicht besitzen. Verstohlen blickte sie auf die Hände der jungen Fürstin, um herauszufinden, ob sie einen Ring trug. Und tatsächlich: an der linken Hand zierte ein schmaler und schlichter Ring den Finger der jungen Frau. Muirín blinzelte ein paar Mal und richtete ihren Blick wieder auf das freundliche Gesicht neben ihr. "Ich werde ganz sicher darauf zurückkommen... ", erwiderte sie lächelnd und nickte zustimmend. Noch ehe sie einen weiteren Gedanken fassen konnte, spürte sie, wie Maebh ihre Hand nahm und sie zum Aufstehen zwang. Sie traten gemeinsam an die feuchte Steinbrüstung. Plötzlich war es so viel schwerer die Worte der zierlichen Frau zu verstehen, weil die Wellen so viel Lauter gegen die Klippen donnerten. "Ich kann diesen Ansprüchen überhaupt nicht gerecht werden. Wer soll denn sowas alles schaffen? Wir sind doch keine Puppen! ", antwortete sie verzweifelt und fuhr sich mit beiden Händen durch die mittlerweile klitschnassen Haare. Sie konnte spüren, wie all die Emotionen sich Bahn brachen, einen Weg an die Oberfläche suchten und nach draußen gelassen werden wollten. Sie konnte sehen, dass Maebh sich die Gewalt des Meeres zunutze machte, um ihre Emotionen raus zu lassen, hören war jedoch kaum möglich. Das Tosen der Wellen war zu laut, die spritzende Gischt ermöglichte es beinahe unsichtbar zu werden und die Rauheit der Natur zeigte ihnen erbarmungslos, wie klein und unwichtig sie und ihre Probleme eigentlich waren. Sie konnte alle Unsicherheiten und Sorgen der letzten Wochen spüren, konnte die Zweifel und Ängste an die Oberfläche kriechen sehen, wie sie ihr einredeten, dass sie selbst an allem Schuld war und dass sie niemals genug sein würde. Dass sie nichts, als eine einfache Dirne war, die nichts auf die Reihe bekam. Und noch ehe sie sich versah, schmetterte sie brüllend all' das nach draußen, was sich seit Wochen und Monaten unter der Oberfläche angestaut hatte. Die Wellen verschluckten den Laut, sodass es sich kurz danach anfühlte, als sei nie etwas passiert. Mit Tränen in den Augen blickte die Rothaarige auf das Meer und hatte für einen kurzen Moment vergessen, dass sie gar nicht alleine war.
RE: I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Maebh Fraser - 05-09-2025 Maebh hatte sehr wohl gespürt, wie die junge Frau sich angespannt hatte, doch für’s erste war es wichtig, dass sie eine Art Ventil für die innere Anspannung bekam. Dass sie sich sicher und aufgehoben fühlte. Und nicht so von aller Menschenseele verlassen, wie das gerade der Fall sein mochte. Maebh fand es wichtig, dass sie miteinander sprachen. Das Muírín eine Person hatte, die sie ernst nahm und die mit ihr über bekannte Ängste und Schwierigkeiten sprechen konnte. Niemand sollte mit dem, was sie nun erwartete, alleine sein. Genaugenommen, fand die Fürstin, sollte niemand überhaupt erdulden müssen, was Frauen ertrugen, damit die Männer ihre Linien weiterführen konnten. Gerade in den Adelskreisen entschieden Frauen sich nicht bewusst dafür, Kinder zu bekommen. Sie taten es, weil sie es mussten. Weil es als ihre Pflicht angesehen wurde und wenn sie sich weigerten, mussten sie mehr erdulden als nur eine ungewollte Schwangerschaft, zu der es am Ende vermutlich ohnehin kommen würde, wenn man nicht folgsam war. Es blieb nur zu hoffen, dass Cathal diesen Weg nicht wählen würde. Dass er mehr auf Konsens setzte und versuchte, es ihnen beiden angenehm zu machen. Oder eben einen Weg drumherum zu finden. Die gab es. Aber das würde Maebh nun ganz sicher nicht laut sagen. Als sie auf dem Rückweg waren, beide mittlerweile völlig durchnässt aber mit vom Wind geröteten Wangen und zerzausten Haaren, sahen sie keineswegs mehr besonders damenhaft aus. Dafür allerdings deutlich befreit. Und in Maebhs Fall sogar gut gelaunt. Sie führte den Hengst in Richtung des Stalls und bedeutete Muírín schlicht, sie zu begleiten. „Niemand erwartet von dir, dass du sofort alles kannst. Darauf kann man dich auch nicht im insgesamten vorbereiten, obwohl es wohl hätte passieren sollen, Muírín. Aber wir können es gemeinsam üben“, schlug sie vor. „Und wenn du dich unsicher oder überfordert fühlst, dann sprich mit mir und wir werden sehen, wie wir dir in diesen Momenten helfen können.“ So einfach war das. „Wir machen eines nach dem anderen. Ihr seid noch jung. Es gibt keinen Grund für euch, jetzt sofort mit dem Nachwuchs zu starten. Diese Sorge kann ich euch also schon einmal nehmen.“ Sie reichte der jungen Frau ohne groß nachzufragen den Sattel. „Häng den doch bitte für mich da hinten über das Gatter“, sie deutete zur Tür des Offenstalls. „Und bring die Bürsten mit, die davor stehen. Und die Tücher.“ Abgerieben werden musste der Hengst. Er hatte jetzt immerhin im Regen gestanden und sich auch bewegt und danach würde sie ihm die Decke überziehen, damit er sich nicht doch noch verkühlte. Sicher, die Pferde in Farynn waren widerstandsfähig, aber man musste es auch nicht auf die Probe stellen. „Die Heunetze müssen noch gestopft werden und er muss abgerieben und gebürstet werden, bevor wir ihm die Decke überziehen und er in den Offenstall darf. Hilfst du mir?“ Das war auch perfekt, um noch in Ruhe mit ihr sprechen zu können, den hier ging man der Fürstin entschieden aus dem Weg. Das lag vermutlich auch am eher eigenen Charakter des Hengstes, der nun allerdings Muírín neugierig mit der Nase anstieß und ihr damit durchs Gesicht wuschelte, als wolle er sie trösten. RE: I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Muirín Henaghen - 06-10-2025 Losgelöst setzte sie nun einen Fuß vor den anderen und begleitet die Dunkelhaarige in Richtung des Stalles. Noch immer wusste sie kaum, wie ihr geschehen war. Die Emotionen hatten sie überwältig und das Gefühl eine Art... Mutterfigur bekommen zu haben, verwirrte sie noch immer. Vor einigen Jahren war ihre eigene Mutter an einer Grippe verstorben und hat Ana und sie zurückgelassen, alleine, unsicher, unwissend. Nie hatte sie es geschafft eine Verbindung zu der neuen Frau ihres Vaters herzustellen, obwohl diese sogar in ihrem Alter war. Ganz anders, als es nun mit Maebh war. Hier fühlte es sich so an, als würden sie schon ewig kennen. Als hätte Maebh ihr die Hand gereicht und sie wären gemeinsam einen Weg gegangen, den sie sonst hätte alleine gehen müssen. Obwohl sie sich noch nicht lange kannten, fühlte sie das unsichtbare Band zwischen ihnen. Die Fürstin von Kenmara hatte genau das gleiche durchmachen müssen, wie es nun für Muirín vorherbestimmt war. Plötzlich. Und unumstößlich. Eine Hochzeit. Eine Ehefrau zu sein und die neuen Pflichten, die damit einher gingen. Und auch, wenn sie der Rothaarigen versicherte, dass sie sich mit dem Nachwuchs noch Zeit lassen konnte, wusste sie, dass das Ziel war. Alles bis dahin war irrelevant. Ein Kind wäre das, was sie frei machen würde. Jedenfalls dann, wenn es ein Junge war. Denn nur diese Geschlecht zählte. Ein Mädchen war zwar nett, hübsch anzusehen und vermeintlich einfach zu erziehen, doch ein Mädchen konnte den Namen nicht fortführen. Ein leises Seufzen entkam ihren Lippen. Sie wusste, dass sie es schaffen würde. Vielleicht auch erst, seitdem Maebh ihr ihre Hilfe angeboten hatte, doch ganz bestimmt würde sie irgendwann auf ihr Leben zurückblicken und denken, dass alles seinen Sinn hatte. Sie hangelte sich an diesen Wunsch. An dieses Bild, was in ihrem Kopf Gestalt annahm. Sie selbst, zurückblickend, gealtert. Glücklich. Vielleicht nicht so, wie sie es sich immer gewünscht hat, aber dafür anders. Und trotzdem am Ziel. Etwas perplex blickte sie nun die Dunkelhaarige an, als diese ihr den Sattel des Pferdes in die Hand drückte. Ja, sie hatten plötzlich eine unsichtbare Verbindung zueinander und sie fühlte sich aktuell kaum einem Menschen so nah, wie es bei Maebh der Fall war... Doch das hieß noch lange nicht, dass Muirín besonders viel von Arbeit hielt. Mit gerunzelter Stirn blickte sie auf das Leder in ihren Händen und trottete dort hin, wo sie den Sattel hinhängen sollte. Mit einem stummen Nicken besorgte sie die Sachen, die sie auf dem Rückweg direkt mitbringen sollte und lief wieder zurück zum Pferd und seiner Besitzerin. Als das Tier sie sanft anstupste, legte sie dem Hengst eine Hand auf die Stirn und strich sanft über das nasse Fell. " Ich hoffe, dass Cathal das ebenfalls so sieht ", murmelte sie leise und lehnte sich leicht mit dem Gewicht gegen das Tier. Seine Körperwärme umarmte die Rothaarige und schenkte ihr Geborgenheit. Ohne ein weiteres Wort nahm sie sich eine Bürste und fing an, das Pferd abzubürsten. Wirklich begeistert war sie noch nicht davon, dass sie sich nun auch noch betätigen sollte, aber wollte das Band zwischen ihnen nicht direkt auf eine harte Zerreißprobe stellen. Muirín wusste von sich selbst, dass sie manchmal anstrengend sein konnte. Arrogant, selbstbezogen und ja, vielleicht auch ein wenig faul... Aber irgendwelche Vorteile musste es doch geben, eine Frau zu sein! Und nicht arbeiten zu müssen, war definitiv einer davon. "Plant Ihr heute Abend wieder gemeinsam zu speisen? Vielleicht kann ich meinen Eindruck von gestern etwas... verbessern ", murmelte sie zerknirscht und warf einen unsicheren Blick zu der Fürstin. Cathal selbst hatte sie heute noch nicht gesehen, doch spätestens morgen würde er sicher wieder auftauchen. Immerhin war morgen ihr Hochzeitstag!
RE: I'm still holdin' on to everything that's dead and gone - Maebh Fraser - 22-10-2025 Die Überraschung hatte Maebh durchaus wahrgenommen, aber schlichtweg ignoriert. Muirín würde sich schnell daran gewöhnen, dass die Uhren hier ein wenig anders tickten und alles ein wenig anders war. Sie würde hoffentlich genauso schnell erkennen, dass genau das ihr ein wenig mehr Freiheit verschaffen konnte. Ein zufriedenes Lächeln umspielte also die Lippen der Fürstin, als die junge Prinzessin sich entschied, der Aufforderung Folge zu leisten, obwohl sie ganz offenkundig eher wenig von Arbeit hielt. Und sie diskutierte auch nicht darüber, das war gut. Die Arbeit mit einem Pferd konnte heilsam sein und sie machte in der Regel nicht so müde wie die Arbeit auf dem Feld. Die sie hier ganz sicher nicht verrichten mussten. Aber das versorgen und umhegen eines Tieres war etwas, das Hingabe, Pflichtbewusstsein und ein Gefühl für Verantwortung benötigte. Alles Dinge, die auch für eine Ehe und beispielsweise das Aufziehen von Nachwuchs von Nöten waren. „Cathal wird… ehrlich gesagt weiß ich nicht, was er wird. Wir haben nicht den besten Bezug zueinander, um ehrlich zu sein. Aber Eanruig wird sicher ebenfalls auf ihn einwirken und zur Ruhe mahnen.“ Sie hoffte es. Und wenn er nicht von alleine auf den Gedanken kam, dass das vielleicht eine gute Idee wäre, die Situation für Muirín ein wenig zu entzerren, würde sie mit ihm darüber sprechen. Nicht, dass Cathal am Ende noch auf die Idee kam, das ganze im Schnelldurchlauf durchzuspielen, völlig ungeachtet der Umstände, wie es seiner Ehefrau damit ging. Aber was das anging so hoffte sie doch darauf, dass ihr Stiefsohn ein wenig mehr Einfühlungsvermögen bewies als das, was sie bisher von ihm beobachtet hatte. Als die junge Frau sich erneut an sie wandte, hob Maebh überrascht den Kopf. „Kein großes, zumindest“, gab sie zu. „Aber wir können gerne im Rahmen der Familie speisen, wenn du das möchtest. Oder du isst mit Eanruig und mir. Und glaub mir, keiner von uns hat einen schlechten Eindruck von dir, Muirín. Du warst nervös. Alles hier ist neu…“ Sie hob ein wenig die Schultern. „Da kann es schon einmal passieren, dass man sich im Ton vergreift. Also sorge dich bitte nicht darum, welche Wirkung du auf uns hattest, ja?“ Sie kraulte kurz die Schnauze ihres Hengstes und sah dann zu Muirín. „Aber möchtest du vor deinem Hochzeitstag wirklich einfach nur mit uns essen?“, wollte sie wissen. „Oder gibt es irgendwas, dass du gerne tun möchtest? Außer weglaufen“, fügte sie ein wenig schmunzelnd an. |