Facing the Storm
where the hay remembers - Druckversion

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RE: where the hay remembers - Rowan Fraser - 22-03-2026

Rowan war nicht für Maebhs Unmut, nein, schon eher Ärger gewappnet gewesen, der nun wie eine zu Hohe Bugwelle eines Schiffes über seinem Kopf hochschwappte und zusammenbrach. Ja, der Söldner hatte Mühe, dies alles wirklich aufzufassen, mit der Fülle mitzuhalten. Doch mit jedem Wort, das über die Lippen der Dunkelhaarigen glitt, schoben sich seine Augenbrauen näher zusammen und seine Mine verhärtete sich. Anschuldigen, in seinen Ohren waren das nichts anderes als Vorwürfe und Anklagen, die nicht nur ihm galten sondern wohl auch der Welt, in der Ungerechtigkeit gegenüber Frauen herrschte und einer Gesellschaft, in der sie immer niedriger gestellt sein würden als jeder Mann. Doch was konnte er schon dagegen tun, außer sich selbst anders zu verhalten? Noch nie hatte er die Hand gegen eine Frau erhoben oder aufgrund ihres Geschlechts auf sie herab gesehen. Für ihn klang es jedoch, als würde Maebh nun alle über einen Kamm scheren. Die Zwischentöne nahm er erst gar nicht war, ob der Rage in die er nun geriet. "Für dich klingt das alles ganz einfach ja? Mich hier einquartieren, meine Berufung und mein Leben hinter mir lassen. Um hier WAS GENAU zu sein? Was?" Seine Augen funkelten, als er ihr ins Gesicht sah, ein Gesicht, das er früher mit so viel Zärtlichkeit und Zuneigung bedacht hatte. Ja, letzteres war immer noch vorhanden, doch die Zärtlichkeit war einem freundschaftlichen Miteinander, einer anderen Art von gegenseitigem Verständnis gewichen - zumindest hatte er das bis gerade eben gedacht. "Ja, mein Geschlecht mag mir Vorteile in der Welt verschaffen, aber nicht so wie du denkst. Wenn du in der Familie nicht gerade als erster Sohn geboren wirst, ist das Leben nicht so einfach wie du es dir vorstellst. Hast du überhaupt eine Ahnung was es heißt, sich ständig beweisen zu müssen?" Er fuhr sich mit einer Hand durch das schulterlange, braune Haare und raufte es sich kurz. "Und komm mir jetzt nicht wieder damit, dass ich ja keine Ahnung davon habe, wie es ist eine Frau zu sein in dieser Welt. Habe ich nicht. Aber soll ich mir den verdammten Schwanz abschneiden, um darüber reden zu dürfen, dass ich genauso meine eigenen Dämonen mit mir herumtrage?" Rowans Herz schlug ihm bis zum Hals. Das Gefühl, zu einer Rechtfertigung für seine eigenen Gefühle gezwungen zu sein, ließ ihn rot sehen. Dass Maebh im Grunde ihrer Denkweise wohl nicht unrecht hatte, daran konnte er in diesem Moment nicht denken. Gerade eben fühlte er sich wieder wie der kleine Junge, der jeden seiner Schritte vor dem Vater hatte erklären müssen, der nie genug gewesen war aber doch immer unter Beobachtung gestanden hatte. Dem man nicht geglaubt hatte, wenn der Bruder wieder einmal die Schuld für etwas auf ihn geschoben hatte, anstatt selbst dafür gerade zu stehen. "Es ist einfach zu behaupten, dass es mir egal sein kann, was andere denken. Aber nicht nur ihr Frauen seid fremdbestimmt, wenn man nicht gerade von adeligem Blute und der erste in der Erbfolge ist." Das Thema hatte sich in seinen Gedanken regelrecht festgefressen und wollte ihn jetzt nicht mehr loslassen. Der jahrelange Frust war aus der Kammer in seinem Inneren ausgebrochen, in der er ihn so lange versperrt hatte und fraß sich nun wie blanke Säure durch seine Eingeweide. Unruhig begann er auf und ab zu tigern, seine Hand immer noch in den Haaren seines Hinterkopfes verfangen. Schließlich blieb er abrupt stehen. "Meinst du wirklich, du kannst dich mit deiner oberlehrerhaften Art und Weise über andere - nein - über mich zu stellen? Maebh die Große, die Opfer bringt. Maebh, die Einzige, die sich Gedanken um alles macht während die anderen die Welt brennen lassen. Maebh, die Alles gibt, während alle anderen nur nehmen." Er schüttelte den Kopf, ehe er seine Gegenüber mit seinem Blick einfing, sie regelrecht anstarrte. "Wenn ich alles im Leben hinnehmen würde, wie es ist, dann würde an jedem Eck der Stadt geraubt, gebrandschatzt und vergewaltigt werden. Aber das ist es, was für dich rechtens ist, nicht wahr? Man darf sich so lange in etwas einmischen, wie es der gerechten Sache dient. Solange, wie es deinen Moralvorstellungen passt." Seine Mine wurde eisig, während sein Herz einen fast schon stolpernden Takt annahm. "Du fragst mich, was es mich kümmert, was andere denken. Aber deine Gedanken und Einwände scheinen in der Waagschale wohl mehr Gewicht zu haben als alles, was mich ausmacht. Als andere Menschen, die an meiner Seite stehen. Wichtig ist, dass DEINE Worte gehört werden. Aber hörst du auch meine? Hast du einmal versucht dich in MICH hineinzuversetzen, anstatt Vorwürfe auf mich zu werfen als würdest du mich steinigen wollen?" Wieder schüttelte er den Kopf, biss sich auf die Unterlippe, um sich ein wenig zur Ruhe zu zwingen. Vergebens. "WAS genau erwartest du eigentlich von mir? Das Leben besteht nicht nur daraus, zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen. Vielleicht will ich diese trügerische Ruhe nicht, von der du sprichst. Nicht jedes Herz ist für die Sesshaftigkeit geboren oder muss erst in sie hineinwachsen." Rowan wandte den Blick von ihr ab, starrte stattdessen in die leere des Stallganges, in der außer ihren Stimmen nur das Schnauben der Tiere zu vernehmen war. Schließlich wurde seine Stimme ruhig, beinahe gespenstisch sachlich. "So oder so werden Menschen nach dem Drachen suchen, jetzt, wo die Nachricht erst einmal durchs Land geeilt ist. Sei es Neugier oder Kampfeswille - es gibt immer etwas was sie antreibt und sie nicht zur Ruhe kommen lassen wird, bis es den ersten Beweis - oder Gegenbeweis für dessen Existenz gibt. Mit dem ersten Wort, das von dem Wesen verlautbaren hat lassen, war sein Schicksal schon so gut wie besiegelt. Wir können nur noch entscheiden, in welche Richtung wir dieses Schicksal lenken. Ob Tot oder Leben, es liegt mitunter in unserer Hand und ich werde nicht tatenlos dabei zusehen."


RE: where the hay remembers - Maebh Fraser - 24-03-2026

«Sprich anständig mit mir, Rowan Fraser», mahnte Maebh ihn nun doch harsch. «Oder ist das die Art und Weise, wie du mit deiner eigenen Tante zu sprechen pflegst?»
Daran war er selbst schuld. Er hatte das zu verantworten und wenn er sie jetzt auch noch anfuhr, dann hatten die Glocken gleich aber wirklich dreizehn geschlagen! Für wen hielt er sich? Erst machte er ihr Vorwürfe, dass das ja seine einzige Möglichkeit war, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, dann erzählte er ihr, dass er keine Perspektive hatte und jetzt wollte er, dass sie dieses Problem löste. Sie runzelte ein wenig die Stirn.
«Was möchtest du denn sein? Hast du dir überhaupt mal über alternativen Gedanken gemacht?», hielt sie dagegen, ein ruhiges Bollwerk gegen seinen über sie fließenden Zorn. Ein Fraser eben. Besser war es, wenn man sich ruhig verhielt und wartete, bis der Sturm sich legte. In dieser Zeit sah man ihm lächelnd und ruhig ins Gesicht und war wie das Gebirge, dass die Luftmassen bremste, sodass der Sturm deutlich an kraft verlor. Als er sie allerdings fragte, ob sie eine Ahnung hatte, was es bedeuten musste, sich ständig beweisen zu müssen, schnaubte sie leise, antwortete aber zunächst nicht. Dazu würde sie ihm gleich was sagen. Also schwieg sie und hörte ihm zu, den Blick aufmerksam auf ihn gerichtet, während er wütete und nun seinerseits sie mit Vorwürfen überwarf. Gespannt sah sie ihm dabei zu, wie er quasi eine höhere Summe gegen sich selbst setzte. Und das zwangsweise verlieren würde.
Maebh hatte längst entschieden, dass sie gar nicht groß auf das eingehen würde, was er ihr entgegenwarf. Stattdessen hatte sie ihm was anderes aufzuzeigen. Und vielleicht begriff er dann endlich, was eigentlich das Problem in dieser Welt war. Was immer das Problem war. Und es auch noch eine Weile sein würde.
Sie wartete einen Moment, als er endlich verstummte. Die Stille wog schwer zwischen ihnen, während sie ihm gegenüberstand, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, gerade. Ruhig. Dann holte sie Luft.
«Du musst dich beweisen?», wollte sie dann wissen. «Oh, wie unerquicklich. Wie außergewöhnlich. Natürlich weiß ich nicht, wie das ist. Ich bin immerhin kein Mann. Entschuldige bitte, Rowan. Das war ein Fehler, der mir nie wieder unterlaufen wird...»
Auch sie konnte spöttisch sein. Wenngleich es sie überraschte, wie sehr diese Emotion gerade wie warmer Honig von ihren Worten tropfte. Sie richtete sich noch ein wenig mehr auf, fast wie ein General beim Appell.
«Setz dich gerade hin! Aber nicht zu steif. Sprich nur, wenn du angesprochen wirst – aber sei dabei unterhaltsam. Lächle – nein! Nicht zu sehr! Sei anmutig, aber fall nicht dabei auf. Sei gebildet, aber nicht gebildeter als der Mann. Sei neugierig, aber nicht zu neugierig. Niemand mag plappernde, neugierige Frauen! Stell Fragen, aber bring den Mann nicht in Verlegenheit. Sei fügsam. Nein, sei sanft. Sei bescheiden. Und wenn du all das bist, dann sei bitte auch noch interessant genug, damit man dich nicht übersieht. Achte auf deinen Gang. Deine Stimme. Deine Hände. Gestikulier nicht. Zeige Körpersprache. Achte darauf wie du sitzt, stehst, atmest. Iss wenig, nein mehr, das ist unhöflich! Sprich leise. Nimm keinen Raum ein – aber bezaubere alle, wenn es nötig ist! Sei nicht zu aufdringlich, aber präsent, wenn du deinen Mann auszeichnen sollst! Widersprich nicht, aber sei die Opposition. Sag nicht zu viel. Sei deutlich. Nein fügsam. Dein Mann ist dein Gott. Nein, dein Führer. Nein, dein Gleichgestellter. Sei lustvoll. Nein, genügsam. Sei Mutter! Nein, sei Konkubine. Sei schön! Nicht so unnatürlich! Und mach. Dabei. Nie. Einen. Verdammten. FEHLER!»
Sie war mit den letzten Worten näher an ihn heran gekommen, ehe sie sich wieder zurück auf ihre Fußsohlen fallen ließ und den Kopf schüttelte.
«Nur, weil alle anderen es machen, ist es deshalb noch lange nicht richtig, Rowan», gab sie schlicht zurück. «Wenn du nicht einmal dazu in der Lage bist, mit mir eine normale Unterhaltung darüber zu führen, dass wir unterschiedliche Ansichten haben, bin nicht ich das Problem. Wenn du nicht einen Moment lang darüber nachdenken kannst, ob ich vielleicht richtig liege, sondern dich in Rage redest... dann sagt das mehr über dich aus als über mich.»
Sie streichelte Céo nochmal über die Nase und wandte sich dann von ihm ab.
«Ich hoffe nur, wenn es hart auf hart kommt, denkst du an meine Worte. Und tust das Richtige.»
Ruhigen Schrittes verließ sie den Stall ohne sich noch einmal umzudrehen.