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against all odds - Sebastian Cherrington - 07-05-2024

Obwohl die Einnahme der Stadt bereits rund zehn Tage zurücklag, war Sebastian noch nicht in die Hauptstadt zurückgekehrt. Die Instabilität und Unsicherheit nach dem Herrschaftswechsel verlangte danach zusätzliche Soldaten in Eastergold Meadow zu behalten und sicher zu stellen, dass nun Plünderungen und Vandalismus überhand nahm, oder gar die einstige Bevölkerung gesammelt die Flucht antrat. Der Reichtum basierte schließlich vorwiegend auf den landwirtschaftlichen Errungenschaften und würden die Felder nicht bestellt oder das Vieh nicht versorgt werden, ergäben sich zweifelsfrei Engpässe. Sebastian war darin involviert gewesen Fliehende davon zu überzeugen in der Stadt zu bleiben und langsam schien sich Eastergold ein wenig zu erholen.

Zu viele Aufträge hatten den jungen Soldaten bis spät nachts wach gehalten, so dass heute die erste Möglichkeit gewesen war um etwas Ruhe in der Einsamkeit zu finden. Besinnend auf das, was in den letzten Tagen geschehen war, ehrenvoll andenkend an jene, die auf seiner und der feindlichen Seite gefallen war. Welch besserer Ort als die Kirche der Stadt hätte dafür dienlich sein können? Zwar fand zu dieser Stunde keine Messe statt, aber Sebastian hatte in der hinteren Reihe des kleinen Gotteshauses gesessen und Zeit gefunden seinen Gedanke nachzuhängen. Glaubensdiener wuselten im Altarbereich herum und richteten Kerzen, stellen Tische und Gedecke auf, damit Angehörige ihre Verluste angemessen betrauern konnten. Die Beerdigungen waren bereits vergangen.

Schließlich folgte ein Kreuzzeichen und Sebastian erhob sich, um sich der hohen Flügeltüre zuzuwenden, die einseitig offen stand und jedem Zugang erlauben mochte, der hier Zuflucht finden sollte. Und da erschien sogar noch jemand, gar aus der frisch in Würden erhobenen Familie. Stattlich und ehrwürdig, ganz seinem neuen Titel entsprechend. „Durchlaucht“, nickte Sebastian und spürte, wie das Wort schwer aus dem Mund kam. Die Brüder Fielding waren ihm insoweit bekannt, als dass er dem triumphalen Einzug der Familie in die eroberte Stadt beigewohnt hatte, und dass Jasper in Willards Leben eine bedeutende Rolle spielte. Auffällig war wohl, dass sein jüngerer Bruder nicht den gesellschaftlichen Pflichten bei der Ausbildung beigewohnt hatte, und sich stattdessen wohl lieber in den Tavernen und roten Straßen aufhielt. Und so jemand war fortan ein Prinz, aus glücklicher Fügung heraus und einer Prise Schicksal. Die Blutlinie und das Recht hatten gesprochen. „Ich gratuliere zu Eurem Sieg. Eastergold gehört Eurer Familie“, und damit breitete sich sein Arm in Richtung der Kirche aus, als wolle er ihm damit erst einladen diesen Raum, mit in sein Reich aufzunehmen. „Es ist eine gute Zeit zum Beten. Kaum jemand verirrt sich hier her.“ Vielleicht nahm Joshua seinen neuen Titel und die Verantwortung, welche dieser mit sich brachte, ein wenig ernster und war bereit den ersten Schritt zu tun um all seine Sünden zu beichten, derer sicher einiger.



RE: against all odds - Joshua Fielding - 12-05-2024

Rund zehn Tage, in denen Joshua zusammen mit seiner Familie als neue Fürsten über diese Stadt in all die Herrschaftlichkeit eingezogen war, die das schöne Eastergold Meadow zu bieten hatte. Seiner Familie hatte schon immer ein gewisses Maß an Reichtum und damit verbundenem Gehabe angehaftet und die über alle Grenzen bekannte Pferdezucht den Namen der Fieldings mit den Winden verbreitet. Sich herrschaftlich zu fühlen und den hübschen Arsch nur zu Dingen zu bewegen, die Josh gefielen…schon immer etwas, was man ihm nachsagte.
Der junge Mann, von dessen Kopf man sagte in den Wolken zu stecken und entweder tagträumerisch zu nichts zu gebrauchen zu sein oder aber von dort oben auf andere hinabzusehen, als wäre er von seinem Platz aus dem übrigen Rest erhaben, genoß nicht unbedingt des besten Ruf in seinen Kreisen, dafür aber umso mehr in den Köpfen und Herzen der Damenwelt. Der Tunichtgut ließ wenig anbrennen und kümmerte sich aufopferungsvoll um all die armen Blümchen seines schönen Frühlingslandes, die einsam auf einen bienenhaften Besucher warteten..die jungen, die älteren…Hauptsache nicht welken Blümchen.
Ein Ritter in goldener Rüstung - quasi. Aber eben nur quasi, denn ein Ritter war Joshua nicht. Während sein älterer Bruder Ehre und Ruhm einbringen und den Namen noch größer machen sollte, war Joshua darum bemüht überhaupt einen Platz, eine Richtung und sinnvolle Beschäftigung für sich zu finden. Die Umstände, die sich aber in den letzten Jahren eingeschlichen und gerade zwischen das Verhältnis von Vater und Sohn gemischt hatten, ließen wenig Raum für großartige Selbstbestimmung.
Nicht taugend zum Ritter, mangelhaft als Nachfolger seine Vaters was die familiären Geschäfte betraf..gerade so tauglich genug um nicht als Mann des allwürdigen Heofaders davon geschickt zu werden, schließlich brauchte jedes gutes Haus einen Notstopfen an Erben. Einst verstand Joshua sich hervorragend in dieser Rolle. Geboren und geschult darin Jasper den Rücken eines Tages freizuhalten zu stärken…heute nur noch gut darin Flaschen mit ihrem Korken und die Schenkel hübscher Frauen zu stopfen.

Unzureichend und nutzlos. War der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.
Und Joshua lebte gut!
Ein Prinz sollte doch gut leben, nicht wahr?!

Ein Prinz ging auch zur Messe und ein Prinz betete für die armen Seelen, die während er Eroberung…blablabla…
Joshua hatte seinen Hintern nur hierher bewegt, weil sein Vater wollte, dass man ihn sah…also hatte er auch dafür sorgen sollen, dass man sah wie der Prinz, der neue…noch glänzend und frei von Schmutz und Beule..seine Hände in Demut faltete.
Joshua hatte eigentlich seine stattliche Stute in wiegendem Schritt durch die Strassen laufen lassen wollen, klappernde Hufe hätten für eine Menge Aufmerksamkeit gesorgt und farbenfrohe Stoffe ebenso, aber das war wiederum auch nicht gewünscht gewesen, nun wo er noch mehr bedeutete - als Notstopfen.
Ironisch.
Josh war genervt von dem Umstand mitten am Tag hierher zu kommen und seine Schritte hatten ihn mit Scheuklappenblick die Stufen zur Kirche hinauf geschickt, wo er sich nun durch die geöffnete Flügeltüre schieben wollte und Sebastian dabei fast in die Arme lief. Ein Hauch nur trennte die Ellenbogenspitzen voneinander und im Innern des Gotteshauses drehte sich der Prinz noch mit dem Schwung herum.
Dieser Titel. Durchlaucht. Joshua fand, er klang albern. „Prinz.“, korrigierte er daher, noch ehe er dem anderen vollends ins Gesicht geblickt hatte, was er nun nachholte. Er hatte das Gegenüber schon gesehen, ordnete ihn irgendwo bei all den Männern ein, die um Jasper und die Ritter herumscharwenzelten und die mit ihm genauso wenig zu tun hatten wie umgekehrt.
„Ja, mein großer Sieg, richtig. Ich hörte, man sagt mir nach, ihn im Alleingang errungen zu haben..“, ätze er aufgrund der Tatsache, dass er überhaupt nur anwesend gewesen war, weil er sich den Worten und Anweisungen seines Vaters widersetzt hatte.
Sein Blick glitt Sebastian in gelassener Seelenruhe ab. Die Mimik des Prinzen verlor an Starre und eine gewisse Neugier erhielt insofern Einzug, dass seine Brauen sich zusammenzogen. „Wir kennen uns. Woher?!“, wollte er nun wissen und behielt den Blick in dem auffällig strahlenden Blau des anderen.



RE: against all odds - Sebastian Cherrington - 12-05-2024

Vermutlich wäre der jüngere Fielding wortlos an ihm vorbei gegangen ohne aufzusehen, wenn Sebastian ihn nicht angesprochen hätte. Er wäre weder verwunderlich, noch ein Grund sich deswegen zu grämen, denn sie beide hatten sich tatsächlich noch nie Angesicht zu Angesicht gestanden. Da war nicht mehr gewesen als das Erwähnen von Namen und von Gerüchten und es würde ihn nicht einmal überraschen, wenn Joshua überhaupt noch nie von ihm gehört hätte. Ein kleines Flämmchen in einer Masse von Soldaten und noch nicht einmal ein Ritter. War es also reine Höflichkeit gewesen, ihn anzusprechen, der mit schnellem Schritt eher den Eindruck vermittelte nicht unbedingt für eine Plauderei stehen bleiben zu wollen? Er hatte ihn bereits passiert, als sich Joshua doch herum gedreht hatte, und die Korrektur folgte auf dem Fuß.

Prinz, natürlich. Das war ein Titel, den man nur zu gerne vor sich tragen wollte, wenn man schon das Glück besaß durch Zufall dazu gekommen zu sein. Doch etwas an der Art, wie der Jüngere sich gab und sprach, ließ Sebastian aufhorchen. Mochte es Stolz gewesen sein, der ihn dazu gebracht hatte die Anrede richtig zu stellen, so hallte nun eine Süffisanz in der Darstellung wieder, die kaum zu dem Inhalt passen wollte. Zugegebenermaßen, Sebastian wusste nichts von ihm. Das wenige waren Gerüchte, derer Urheber genau so gut nur einen Katalysator für ihren Neid gebraucht haben können, vielleicht von konkurrierenden Männern, oder aber es gefiel jemanden nur seine Nase nicht. Dabei war es eine schöne Nase in dem jungen Gesicht, nur vielleicht eine Spur zu hoch getragen. Rein Äußerlich gab es keinen Grund die Gerüchte anzuzweifeln, wenn es eben nicht genau das waren: Gerüchte. „Prinz“, akzeptierte Sebastian schließlich die Korrektur und deutete ein Nicken an, das den Rangunterschied zwischen ihnen verdeutlichte.

Hatte er ihn überhaupt auf dem Schlachtfeld gesehen? Sebastian konnte sich nicht daran erinnern, doch das hieße nicht, dass er nicht dort gewesen wäre. Vielleicht nur nicht an der vordersten Front, vielleicht nicht in ihm zugewiesenen Abteilung. So viele Männer waren an der Eroberung Eastergolds beteiligt, dass er niemals alle hätte kennen können. „Wenn es ein Gerücht ist, so kann es doch nur der Wahrheit entsprechen. Oder seht Ihr das anders?“ Es wäre nicht der erste Krieg, den sich ein berühmter Name auf die eigenen Fahnen schreiben würde, um in die Annalen einzugehen. Niemand würde sich an die Fußsoldaten erinnern, auf deren Rücken die Siege errungen wurden. Die Ehre im Leben musste reichen, die Ewigkeit gehörte den Herrschenden.

„Ich erhielt meine Ausbildung bei Willard Sutherland“, der Name würde ihm alleine durch seinen Bruder sicher gut bekannt sein. „Und ich stand im Dienste Eurer Familie bei der Schlacht. Ich bin Sebastian Cherrington, falls euch der Name etwas sagen sollte.“
Sebastian lächelte mit Schwere und bezweifelte, dass er schon von ihm gehört hatte. Der Prinz schien ihn wirklich nicht zu kennen, sonst hätte er ihn bei seiner Musterung bereits, welchen Blick er nach wie vor nicht einzuschätzen konnte, erkennen müssen. Cherrington natürlich, doch hier galt das gleiche Prinzip: Der Vater war ein ehrenwerter Ritter, vom König mit Land vor Jahren reich beschenkt und in guten Kreisen situiert. Julien der Sohn, der zu einem Erben und Vorzeigemann herangezogen wurde und wohl in einem Jahr seinen Ritterschlag erhielt. Und natürlich die bezaubernden Töchter, die einer jeden gesellschaftlichen Festlichkeit die Langeweile austreiben konnten. Weit weniger hörte man von dem Jungen, der wohl nie einen Fuß in elitäre Kreise nachhaltig würde setzen können, und abseits des Adels seinen Weg ging.

Kurz schweifte sein Blick an Joshua vorbei in das große Hauptschiff der Kirche, die er sicherlich aus einem bestimmten Grund aufgesucht hatte. Er wollte den Prinzen nicht von seinen Vorhaben abhalten. Dabei passte der Titel zu ihm. Sebastian war aufgefallen, dass seine Gesichtszüge auffällig symmetrisch wirkten, die Kleidung zweifelsfrei von bester Qualität und ohne das kleinste Staubkorn. Bemerkenswert, wenn er tatsächlich zu Fuß durch die Stadt gegangen war. Und doch schienen die Strähnen des dunklen Haares von einem Schalk sprechen wollen, wie sie ihm über die Stirn fielen.
„Nun, da Ihr den Krieg gewonnen habt“, behielt Sebastian dieses Narrativ bei und kam nicht umhin, ein wenig testen zu wollen, was er damit anfangen würde, „werde ich bald nach Springs Court zurückkehren.“



RE: against all odds - Joshua Fielding - 16-05-2024

Joshua war auf nichts aus …das war vermutlich auch oft sein Problem, denn Ziellosigkeit war der Schrecken des unnützen Fieldings, der zwar von Aufgabe zu Aufgabe unterwegs war, aber diese nicht zwingend mit Erfolg auch abschloss. Zur Kirche gehen und so zu tun, als würde ihn das Leid der Vertriebenen und Gefallenen ernsthaft dazu bewegen vor den Augen anderer artig die Hände zu falten und im stummen Gebet zu versinken, verlangte ihm schon allein deswegen viel ab, weil er es auf Geheiß seines Vaters tun musste. Josh war kein herzloser Mensch und ihn ließen all die Schicksal, die von der raschen Übernahme betroffen waren, die Angehörige und Liebste verloren hatten, auch nicht kalt, dennoch war das was er just hier tat ein Auftrag und als solchen führte er ihn aus. Verstimmt, auf schnellem Schritt und mit diesem hatte er Sebastian fast umgelaufen. Dieser war recht der Annahme, dass der Fielding unter anderen Umständen einfach an ihm vorbei gelaufen wäre, ein knappes Nicken der Höflichkeit, wie man es einem Fremden schenkte, denn nichts anderes waren sie.

Die Korrektur, die auf dem Fuß erfolgt war, passte zu Joshua. Zumindest dann wenn man sich an sein oberflächliches Image hielt. Er war der Mann für den sicher einige der Todsünden erfunden wurden und dass dieser sich mit dem neuen Titel gerne schmückte, so sicher wie das Amen in der Kirche. Es war doch einfach Vorurteile zu verteilen, wo sie allglatt wie weiche Butter hinabrutschten und an Joshua konnte man eine Menge Vorurteile loswerden, sie wie Ringe oder Hufeisen auf Stangen nach ihm werfen und würde fast immer einen Treffer landen.
Wollte er hier seinen Rang verdeutlichen? Nein, eigentlich nicht, aber vermutlich passte auch das in eines der vielen Vorurteile und er machte sich sowieso nicht die Mühe diese aus der Welt zu schaffen. Im Gegenteil, denn er hatte gelernt damit zu leben und auch verstanden, dass einem zwar nicht immer die richtigen, aber auch verdammt gute Türen offen standen.
„Ihr meint, es ist das Gossengeflüster, weil dieses stets die Wahrheit hervorbringt?“, er schmunzelte. Natürlich, an Gerüchten haftete durchaus dann und wann etwas wahres und für das einfache Volk waren viele der Gerüchte auch heimliche Wünsche, aber nichtmal Joshua war so größenwahnsinnig zu glauben, dass man sich seinen glorreichen Sieg über Eastergold wünschte. Der Menschen hier dürfte er ziemlich egal sein, war er doch bis vor wenigen Tagen nur irgendein reicher schnöseliger Sohn von und zu…

Der frisch gebackene Prinz behielt den erkundenden Blick auf seinem Gegenüber und er sah wie dieser die Lippen bewegte und sein Kopf befahl ihm zuzuhören, nur….tat er es nicht. Das war wirklich ein interessantes Gesicht und diese übermäßig hellblauen Augen dagegen fast schon unheimlich stechend. ‚…falls Euch der Name etwas sagen sollte.‘
Jetzt erst klärte sich der Blick des Fielding und er runzelte die Stirn. „Was?“, kam es geistreich von ihm und vielleicht war es unhöflich, aber Joshua machte sich nichtmal die Mühe zu verschleiern, dass er ganz offensichtlich nicht zugehört hatte. Sebastian mochte es als Unhöflichkeit und Desinteresse abstempeln, der Jüngere aber fuhr sich mit der flachen Hand durchs eigene Gesicht als könne er sich damit eine vermeintliche Müdigkeit abstreifen. Ein irritiertes Blinzeln gesellte sich dazu und der Dunkelhaarige trat einen Schritt zurück als würde auch das dazu beitragen sich mehr auf die Szenerie als bloß sein ihm so nahstehendes Gegenüber zu konzentrieren. Dessen kleiner Scherz, fast schon provokativ frech, entlockte dem neuen Fürstensohn ein Zucken des Mundwinkels. „Wie beneidenswert“ kommentierte er. Vermutlich sollte er so etwas nicht sagen, aber das war ihm einerlei. Er vermisste die Heimat und er würde den neugewonnenen Titel sofort eintauschen wenn er dafür wieder zurück könnte. Sicher, es bot ihm soviel mehr hier und der junge Mann war hungrig nach mehr als dem was die Ländereien und Gestüte der Fieldings zu bieten hatten, aber das lag nicht daran, dass er all das nicht liebte - oh, das tat er! - sondern daran, dass er aus den Fängen seines Vaters kein Entkommen sah. Jetzt hatte er bloß wie ein Vogel den Käfig gewechselt, trank aus einem vergoldeten Spender und hatte vielleicht etwas mehr Platz, am Ende aber saß immer noch die alte Krähe auf seinem Käfig und wenn er sich heraus wagte, musste er das Picken und Hacken ertragen oder einfach wieder zurück hinter die Stäbe flüchten. Er hasste es.
„Habt Ihr Euren Frieden gefunden?“, ein Rucken seines Kinns in Richtung der Bankreihe und dem Altar verriet worauf er abzielte. „Gibt Euch das hier Frieden und Absolution?“, wollte er wissen und drehte sich, nun mit den Daumen lässig in seinen Waffengürtel eingehakt, um Sebastian herum weiter ins Innere.



RE: against all odds - Sebastian Cherrington - 21-05-2024

„Oder aber sie bringen Gerüchte hervor, die zur Wahrheit werden sollen“, lehnte sich Sebastian für einen Titellosen vielleicht ein wenig zu weit aus dem Fenster, noch dazu in der Gegenwart eines ehrenwerten Prinzen. Sensible Seelen könnten womöglich gar von Majestätsbeleidigung sprechen, aber hier vor Heofaders Auge waren sie doch nur zwei junge Männer, die über Belangloses philosophierten und sich gegenseitig nicht direkt in die Karten blicken lassen wollen, nicht wahr? So wie Triumphe einkassiert wurden, als wären es freiwillige Steuern auf dem Rücken der ärmeren Bevölkerung, geschah es sicherlich auch mit erzählerischen Narrativen. Was sonst, als eine gezielt gestreute Deutung, könnte leichter seinen Weg in jedermanns Ohr finden um sich dort als Gedanke festzusetzen? Nein, Sebastian glaubte nicht daran, dass die Fieldings oder gar Joshua selbst diese Wege bestreiten würden. Obwohl er die Familie viel zu wenig kannte um zu erahnen, ob und wer potenziell dazu fähig sein könnte. Stattdessen war es wohl eine gewisse Blauäugigkeit, die dafür sorgte manipulatives Verhalten nicht so recht glauben zu wollen, als wäre es selbst nicht mehr, als ein Gerücht.
Doch mit dem Ende seiner Worte blitzte ein Lächeln im Mundwinkel auf, das vielleicht einen möglichen Schaden wieder kitten konnte, den sein Wagemut hätte anrichten können. Er wollte ungerne bei seiner ersten Begegnung einen schlechten Eindruck erwecken und das nicht nur aufgrund des Rangunterschieds. Er kannte Joshua nicht, aber irgendetwas an ihm sorgte dafür sich die Frage zu stellen, wer und wie er war. Ein undefiniertes Interesse wuchs.

Wenn auch weit weniger kohärent wie das seines Gegenübers, der wohl mitten im Gespräch vergessen hatte zuzuhören. Dabei schien es sehr wohl so, als hätte er Joshuas vollste Aufmerksamkeit; nur dass dessen Ohren gerade auf Durchzug geschalten hatten, weil seine Augen viel zu beschäftigt waren, entglitt dem Jüngling. Etwas an dem Blick ließ ihn nuanciert langsamer sprechen, als wollte sich eine innere Unsicherheit hervor kehren, die ihm so nicht bekannt war. Niemals war er mit solch einem faszinierten Blick angesehen worden.
Die Frage und der irritierte Ausdruck auf dem Gesicht des anderen machte deutlich, dass er seine Familiengeschichte wohl ebenso gut der Kirchenmauer hätte erzählen können. Die Falte zwischen seinen Augenbrauen konnte sowohl fragend als auch verärgert geltend, aber die nachfolgenden Worte sollten diese Unklarheit wohl bereinigen: „Sebastian“, kürzte er mit belustigtem Tonfall die langgezogene Begrüßung auf das Nötigste herunter, auf dass der Prinz vielleicht bereitwilliger war ihm zuzuhören. Natürlich hatte er keine Pflicht dazu und genau so gut hätte er ihn lediglich dazu gebrauchen können einen langen Monolog über seinen angeblichen Siegeszug über Eastergold zu führen, ohne Sebastian auch nur einmal zu Wort kommen zu lassen. Aber dieser beharrte dennoch darauf, dass er zumindest seinen Namen kannte. Selbst, wenn er ihn morgen oder in den nächsten Minuten bereits wieder aus Unachtsamkeit vergessen hätte.

Obwohl ihn sein Weg gerade aus der Kirche hätte hinaus führen sollen, drehte er sich wieder in Richtung des Inneren der Kirche, als Joshua um ihn herum gegangen war. Und wie automatisch folgte erst ein Schritt und dann der nächste. „Es war das erste Mal, dass ich auf diese Weise für die Seelen der Toten gebetet habe. Ich hoffe, die Angehörigen finden ihren Frieden und-„, er zögerte, aber mit Blick in den großen Kirchenbereich hinein, gab er sich den Ruck, denn als Krieger gab es nichts, wofür er sich zu schämen hatte. „- der Soldat wird mir meinen Hieb verzeihen. Ich habe die Absolution der Beichte erhalten, doch ich warte noch darauf, dass sie spürbar wird.“ Für einen Moment starrte Sebastian auf den Altar ins Leere und konnte sich beim besten Willen nicht mehr an das Gesicht des Mannes erinnern, den er getötet hatte. Es war so dunkel gleich schwarzem Nebel gewesen, zumindest seinem Empfinden nach, und im Nachhinein waren die Körper bereits zusammen getragen worden, dass niemand mehr hätte zuteilen können, wer wessen Opfer gewesen war. In all den Jahren seiner Ausbildung und des Kampfes, hatte er sich ironischerweise nie mit dem Tod an sich auseinander gesetzt. Weder damit, was es bedeutete jemanden zu töten noch die Frage zu stellen, wie es sich für einen selbst wohl anfühlen würde. War er dadurch nachlässig möglichen Gefahren gegenüber oder empfand er den Kampf nur als Spiel? Nein, sicherlich nicht, aber die Konsequenzen blieben fern und ungreifbar. „Verzeiht, Prinz.“
Sebastian räusperte sich und strich sich verlegen mit der rechten Hand über den Nacken, als müsse er eine lästige Verspannung daraus lösen. „Es war nicht meine Absicht Euch zu langweilen. Und meine Antwort muss Euch wohl ungenügend erscheinen“, lächelte er abermals, der Verlegenheit noch nicht ganz Herr geworden und warf seinem Gesprächskumpanen einen kurzen Blick zu. „Seid Ihr gekommen um für die Opfer zu beten?“ Etwas an der Art, wie Joshua ihn nach seinem Grund gefragt hatte, ließ Zweifel daran aufkommen, ob er selbst allzu gläubig wäre oder gar aus Ermangelung anderer Beschäftigung seinen Weg in die Kirche gefunden hatte. Doch auch hieran war es nicht an Sebastian zu urteilen. Manch ein Leben meisterte sich wunderbar darin, all das Negative dem Beichtpfarrer um die Schultern zu hängen um sich davon zu lösen. Ihm selbst fehlte diese Leichtigkeit.



RE: against all odds - Joshua Fielding - 04-06-2024

"Ich hätte nichts gegen diese Wahrheit, aber ich fürchte, die Meisten wissen, dass es gelogen wäre. Mein Bruder heimst zu gerne die Lorbeeren für diese Familie ein und neidlos…fast neidlos gebe ich natürlich zu, dass @"Jasper Fielding" der sehr viel vielversprechendere Ritter von uns beiden ist. Nicht zuletzt, weil irgendwer..ich weiss nicht genau wer, aber einer ist es gewesen und vergaß doch glatt ihn mir zu verleihen. Ein Fauxpas seltenster und sträflicher Größe, Ihr habt vollkommen Recht!“, echauffierte er sich in theatralischer Meisterleistung und zuckte am Ende ja doch nur mit den Schultern.

Sein eigener, leider ziemlich auffälliger Fauxpas wurde dagegen nicht minder meisterlich von Sebastian einfach zu einem Klacks gemacht, als habe er nicht stattgefunden, als habe der Blonde nie großartig etwas zu sagen gehabt und dabei war Josh sich sicher, dass mehr Worte als bloß ein einzelner Name aus dem Mund des Anderen gekommen waren. Es stimmte ihn allerdings keinesfalls verlegen..im Gegenteil, ein schiefes, ziemlich spitzbübisches Schmunzeln hing sich in den rechten Mundwinkel des Fürstensohnes und er streckte dem Gegenüber die Hand hin. „Sebastian…“, er war nie sonderlich aufmerksam wenn es darum ging nennenswerte oder gar höhere Familien seines Landes, geschweige denn der umliegenden auswendig zu lernen…nur um dann, bei einer etwaigen Begegnung, die vermutlich meist unwahrscheinlich waren, jeden einzelnen Namen, das Familienwappen und Lieblingsfrühstück des jeweiligen aufzuzählen….nein, Joshua Fielding war es gelinde gesagt…schnurz.
Die Hand, die er aufnahm war rau. Rauer als seine, die, abgesehen von der alibimäßigen Schlacht um diese Stadt hier, nie großartig mit Waffen im Alltag in Berührung kamen. Zwar hatte er sich Schwertkampf und Training an anderen Waffen erbeten und erbettelt, aber er verdiente erkennbar weder sein Brot damit, noch war er in unermüdlichem Einsatz damit konfrontiert wie Sebastian und sein Bruder und all die anderen Männer der Stadtwache, die Josh um ihr aufregendes Leben beneidete während er selbst es höchstens schrecklich aufregend fand am Morgen mit sich selbst darauf zu wetten, ob das gekochte ein noch einen weichen, halbweichen oder bekochten Kern hatte. Manchmal konnte ihn der Stuhl kaum halten vor Aufregung.
Er drückte zu. Fest. Etwas fester als normal vielleicht, weil er das Bedürfnis hatte dem Mann gegenüber zu signalisieren, dass die Hand des Schreiberlings und Pferdeflüsterers auch Kraft hatte. Er kam sich albern vor.

Dann löste er die Hand und schlosse seine eigene zur Faust, fühlte dem warmen Gefühl einen Moment nach und schob die Hand dann ziemlich salopp zurück in die Gürtelschlaufen.
„Es war dein Erster?“, wollte er nun wissen und versuchen zu verstehen. Ein Ritter, der seinen ersten Mann getötet hatte. Josh wusste nicht wie es sich anfühlte, so wirklich wusste er gar nicht was er in der Schlacht getan hatte ausser zu überleben. Ein ziemlich hirnrissiges Unterfangen war es sicherlich gewesen sich überhaupt dorthin zu begeben, aber wer Josh kannte, der wusste, dass der jüngere Fielding innerlich aufgewühlt war wie ein aufgestochenes Wespennest und regelrecht danach gierte dem Gewöhnlichen zu entfliehen. Sterben hatte er allerdings nicht wollen, nur….ein Held sein?!
Nun ja, faktisch lebte er am Ende noch - das reicht fürs Erste auch.
Ob er gekommen war um für die Opfer zu beten..
„Nein.“, gestand er ehrlich.
„Aber ich soll mich in eine Bank setzen und so tun, als wäre ich all den Toten auf beiden Seiten nicht dankbar dafür, dass ich nun von einem hübscheren Teller essen darf, als ich es eh schon tat und mein fürstliches Bett nun nach Lavendel duftet und mein Nachttopf nach Rosen…sowas in der Art“, er schmunzelte mager, sah nun allerdings diesmal auf den Boden. Natürlich war die Antwort nicht das was er sagen sollte und das was von seiner Rolle verlangt wurde. Scheinheiliges Getue und heuschlicheres Mitleid waren es was verlangt wurde. Er gab es ihnen - von weitem.
„Ich kann für Eure Seele und Absolution beten, wenn Ihr wünscht…vielleicht hilft es gebündelt und wenn Ihr heute Abend im Bett liegt und das leichte Gefühl Euch endlich erreicht, dass die Last und Trauer von Euch abfallen, dann denkt Ihr an mich und diese Mühen“, schlug er vor, nicht ganz ernst gemeint, aber es klang so hübsch.

„Wartet hier. Mein Vater sagt, ich solle ordentlichen Beistand haben wenn ich mich durch die Stadt bewege. Ihr seid doch sicherlich ordentlich Beistand.“, sprach´s und ging nach vorne durch das Kirchenschiff gen dem Altar. Vollkommen unbeirrt anderer, die in den Bänke saßen und die er laut seinem Vater zum Publikum machen sollte, ging er dann vor dem diesem auf die Knie, die Hände gefaltet, den Kopf ehrfürchtig in den Nacken gelegt. Er murmelte scheinbar sein Gebet, in wirklich wünschte er sich allerdings einen süßes Porrdige als Nachttisch zum Abendessen.

Es dauerte keine 3 Minuten.
Dann stiefelte der Fielding zurück über den edlen Stein zur großen Türe zurück.



RE: against all odds - Sebastian Cherrington - 05-06-2024

Sebastian war überrascht zu hören, dass Joshua keinen Ritterschlag erhalten hatte. Es wurde so theatralisch und doch zugleich beiläufig gestreut wie getrocknete Himbeerflocken über sein Frühstück, aber er glaubte die Enttäuschung und die Wut darin zu erkennen. Zumindest wusste der junge Mann genau, wie es ihm selbst ergangen war, als er zuerst die Diskussion mit seinen Vater durchgegangen war und dann schließlich hatte dabei zusehen dürfen, wie andere diese Ehre erhielten. Es war schmerzhaft keine Anerkennung für seine Taten zu bekommen und er fragte sich, ob es seinem Gegenüber ebenso ergangen war. „Kein Ritter also“, war leise und keineswegs lästernd gemeint, sondern nachdenklich gesprochen und mit einem Seitenblick bedacht, als hätte er noch etwas dazu sagen wollen, aber sich dann doch dagegen entschieden.

Stattdessen wurde er mit einer besonders schönen Entschädigung bedacht dafür, dass seine korrekte Vorstellung an Joshuas Ohren einfach vorbei gezogen war. Dieses Schmunzeln, so frech und frisch aus dem Herzen eines aufgeweckten Geistes machte ihn gerade extrem anziehend. Eine Nuance länger als gedacht blieb der Blick auf den einseitig hoch gezogenen Lippen hängen, und senkte sich erst mit dem Reichen der Hand. Gerne wurde diese mit einem festen Druck ergriffen, vielleicht sogar länger als notwendig gehalten, als hätte er vergessen, dass nach dem Schütteln das Loslassen in der Reihenfolge korrekt gewesen wäre. Sebastian räusperte sich und beschloss die Hände bei sich zu halten.
Ohnehin stellten sich sogleich die Nackenhärchen auf, als würde er fürchten hier in der Kirche in Flammen aufzugehen, doch vielleicht lag das auch nur an dem Gesprächsthema und der Erinnerung. „Ich bin kein Ritter. Weder der Krieg, noch zu töten gehören zu meinen alltäglichen Aufgaben. Ich hoffe auch, das es so bald nicht mehr dazu kommen wird“, gestand er und straffte die Schultern, immer noch ein wenig aus dem Konzept gebracht. Weswegen eigentlich? Er hatte nichts Falsches getan oder gesagt. „Aber ich bin auch kein Deserteur. Ich folge, wohin man mich schickt, und ich tue, was notwendig ist.“ Vielleicht war es ein wenig melodramatisch oder gemessen an den jungen Lebensjahren etwas einfältig gedacht, dass man sich so einfach aus der Verantwortung ziehen konnte, indem man Pflicht und Ehre vorschob. Andererseits hatte Sebastian bereits gewiesen, dass er sich sehr wohl für seine Taten zu rechtfertigen wusste und die Schwere seines Handelns begriff. Außerdem war es ihm einfach wichtig gewesen Joshua wissen zu lassen, dass er ebenfalls kein Ritter war. Vielleicht konnte es ihm ein winziges Maß an Trost sein.

Die Bitterkeit in seinen Worten hielt sich jedoch, so dass sich seine eigenen Lippen für den Moment aufeinander pressten. Er wusste, dass im Adel viel Zwang zur Ruferhaltung bestand und allerlei Dinge gesagt oder getan wurden, die fern jeder Authentizität einzuordnen wären, aber es war nochmal etwas anderes das direkt zu hören zu bekommen. Die Fieldings hatten von dem Überall profitiert und würden nun ein sehr gutes Leben führen können, Joshua hingegen schien damit weder zufrieden noch glücklich zu sein; oder aber nur damit, als Aushängeschild fungieren zu müssen, so genau konnte das Sebastian nicht differenzieren. Doch beim Weg durch die Stadt würde er schon noch herausfinden können, wie unberührt der Prinz tatsächlich war.
„Ich werde an Euch denken“, war die Antwort als hätte er so eben einen Befehl erhalten, und konnte sich eines Schmunzelns seinerseits dennoch nicht ganz verwehren. Welch interessante Wortwahl schließlich gewählt war, die sogleich ein Bild in seinen Kopf projiziert hatte. Warum eigentlich nicht? An wen sollte er denn sonst denken? Immer noch amüsiert, als würden sie hier nur witzige Absurditäten einander hin und her spielen, wartete der junge Mann geduldig darauf, dass Joshua sein Wort hielt und sein Gebet sprach. Nicht nur für ihn, sondern auch für die Opfer und das so, wie es erwartet worden war. Tatsächlich sortierte er sich in keine der Bänke ein, sondern verblieb auffällig sichtbar vor dem Hauptaltar. Natürlich, wer sonst außer ihm dürfte dieser Platz zustehen.

Sebastian wandte sich in einer halben Drehung zur Seite und wartete geduldig, doch hätte er nie erwartet, dass er so schnell wieder neben ihm stand. Die Verwunderung stand im deutlich ins Gesicht geschrieben. Ob er bei allen Dingen so schnell war? „Ihr habt Eure Pflicht rasch erfüllt. Treibt Euch immer so ein Tempo an?“ Der Deut zur offenen Kirchenpforte folgte und als sie schließlich über die Treppen hinab gestiegen waren, atmete Sebastian tief durch. Es war eine Erleichterung nun nicht mehr unter den beobachtenden und verurteilenden Blicken steinerner Statuen großer Männer zu stehen, die weder die Witze noch die Themen dieses Gesprächs gut geheißen hätten. Sogar sein Vater, der wohl jede Eigenwilligkeit seines Sohns zu akzeptieren bereit war, hätte den Blick der Statuten geteilt. Als hätte er eine Rüge für seine Worte oder sein Verhalten erhalten, zog Sebastian den Kragen seines Gehrocks zurecht und legte die rechte Hand locker abstützend auf den Griff des umgeschnallten Schwerts, wandte sich nach links zu dem Weg, der vom Kirchenplatz wegführte; mit angemessenem Abstand zu seinem Weggefährten. „Befürchtet Euer Vater einen Angriff, dass er sich Schutz für seinen Sohn wünschte? Oder… seid Ihr überhaupt schon einmal durch die Stadt gegangen?“ So viele Tage waren noch nicht vergangen und wer wusste schon, ob die Familie überhaupt schon einen Fuß vor die Tür gesetzt und gesehen hatte, was die Eroberung der Stadt angerichtet hatte.



RE: against all odds - Joshua Fielding - 09-06-2024

Nein, für das Abenteuer in den Schnickschnack mit geschwungenen Waffen, Turnieren und der Verteidigung des Landes, konnte man nur einen betreuen. Es oblag dem Vater zu entscheiden wer von den Kindern geschickt wurde…mal durften sie alle gehen, aber das war seltener der Fall, lieber bildete man die anderen Söhne mit heimischen Waffenmeistern aus damit sie das Nötigste erlernten und konnten, was es tun können galt um im Falle eines Angriffs ebenfalls in einen Modus der Verteidigung überzugehen. Manche entsendeten bewusst die Zweitgeborenen, weil sie den Ersten für wichtiger hielten…manche wiederum machten es am Intellekt und vermeintlichen Potential aus, das sie den Kindern in jüngsten Jahren ansahen.
Joshua tröstete sich damit, dass sein Verstand…damals…vielversprechender gewesen sein musste als der von Japser und er nur deswegen zu Hause behalten wurde, weil er ausser Frage stand, dass er sich um die familiären Geschäfte und Geschicke würde kümmern müssen.
Ja, damals. Als Josh ein vielversprechender Geist gewesen war. Damals.

Sein Gegenüber war also kein Ritter, nur ein Mann des Schwertes. Seine Sprache verriet dennoch, dass er eine gute Erziehung genossen haben musste und nicht nur irgendein Söldner auf der Durchreise oder festangestellt im Namen eines Lords war. Seine Kleidung war in guter Verfassung und machte auch in dem Punkt nicht den Anschein, dass dieser Mann sich hatte durch den tiefsten Dreck in der Vorhut hatte wühlen müssen. Hochwohlgeboren war er nicht…demnach irgendetwas dazwischen. Ein Bastard womöglich. Der Gedanke kam ihm schnell - nichts ungewöhnliches.
„Behalten den Gedanken bei!“, trug er ihm auf, ehe er sich zu seinem eher ungewöhnlich schnellen Gebet in die Kirche aufmachte und den alten Weibern und gottesfürchtigen Männern, die es überlebt hatte, sowieso den treuen Glaubensmännern ein Bild in die Netzhaut zu brennen, das zwar kurz weilte, dafür umso aufopferungsvoller. Wie er da kniete, die Hände im Gebet. Ach, die sehnsüchtig ergriffen die blauen Augen wässrig empor schauten und vermeintlich um des einen Gottes Gnade baten - oder eben um guten, süßen Nachtisch. Er würde an ihn denken. Ha! Der Fielding musste sich das Schmunzeln aus dem bedrückend traurigem Gesicht wischen um den Schein aufrecht zu halten.

Schneller als Sebastian angenommen hatte war das Prozedere vorbei und es brauchte länger den Wams in den Gürtel zurückzustopfen als er dort gekniet hatte, könnte man meinen, als der Fürstensohn das Gespräch schon wieder aufnahm.
„Was ist es dann womit Ihr Euren Alltag verbringt, Sebastian“, den Namen hatte er sich gemerkt. Nur kurz sei erwähnt, dass es selbst Joshua selbst einen flüchtigen Moment irritierte und er über sich selbst eine Blaue in die Luft lupfte. S-E-B-A-S-T-I-A-N.
„Nun, wer seine Pflichten rasch erfüllte, den erfüllt kein Zögern. Vielleicht bin ich einfach ein sehr entschlossener Mann? Was soll ich zögern und zaudern wenn ich weiss was ich will“, er zuckte die Schultern. Er hatte den Leuten gebracht was sie wollten und seinem Vater den Wunsch erfüllt genau dies zu tun…sein Schauspiel des neuen Herrschersohnes voller Mitgefühl in die flüsternden Worte des Stadtgesprächs gebracht. Der Dienst war getan, er hatte keine Zeit für die langweiligen Dingen des Lebens!
Draussen vor der Kirche schien auch Josh sichtbar erleichtert. Die Schultern strafften sich, der Kopf ging gleich mit gerecktem Kinn ein wenig höher…nicht aus Eitelkeit, sondern … gut, gut…vielleicht doch aus Eitelkeit. Er war einer dieser Männer, die sich gerne ansehen ließen, die wussten, dass ihm die Frauen (ob alt, ob jung) gerne nachblickten und seine Erscheinung stattlich war. Das wollte gepflegt werden!
„Ich bin noch nicht durch die Stadt gegangen, aber ich habe schon zwei der Tavernen getestet“, gab er in seiner saloppen Art von sich und richtete sein Schmunzeln auf den Boden, während er die Stute hinter sich her führte und mit etwas Abstand zwischen den beiden Männern hielt. „Mein Vater befürchtet grundsätzlich alles und alles was von fürchtet und gewissenhaft im Vorfeld dezimiert, kann einem nicht gefährlich werden. Von daher hat er sicher lieber die Vor- als die Nachsicht und Ihr empfehlt Euch just als wunderbarer Beschützer meiner fürstlichen, gefährdeten Gnaden.“ Es klang, als würde er es ins Lächerliche ziehen, doch der Seitenblick, den er dem jungen Waffenmann nun schenkte, hatte nichts dergleichen an sich. „Ich danke Euch für das Geleit und erfreue mich einer erquickenden Gesellschaft, ehe ich zurück in meinen Turm gehe… wo es weniger erquickend zugeht und ich weniger von der freiem Luft hier draussen schmecke, um die ich Euch, ganz offen gesagt, beneide. Was ist es was Ihr heute machen werdet und Euren Tag verbringt?"



RE: against all odds - Sebastian Cherrington - 11-06-2024

Es war immer noch ein amüsiertes Lächeln, das auf seinen Lippen lag, als sie gemeinsam die schweren Pforte der Kirche hinter sich gelassen hatten. Joshua hatte seine auferlegte Aufgabe erledigt und wohl kaum jemand würde über die Minuten zu beginnen zu debattieren, wenn man von den wichtigen Pflichten eines Fürstensohns sprach. Und Sebastian gefiel die Antwort, die er ihm gegeben hatte. Ein entschlossener Mann also, der nicht davor zurückschreckte sich das zu nehmen, was ihm gefiel. Nun gut, das war einerseits nicht unbedingt eine Eigenschaft, die in diesen Adelskreisen allzu selten vorkam, andererseits machte es ihn leichter einschätzbar. Denn was ihn nicht interessierte, damit würde er sich wohl auch nicht beschäftigen.

Und somit konnte es einer Ehre gleich kommen hier zu seinem Beschützer vor dem widrigen Volk erhoben worden zu sein, nach wie vor ausgestattet mit dem Schwert, das ihn bei seinen Rundgängen begleitete. Manches Mal hing es gefühlt schwerer als an anderen Tagen an der Seite, als wolle es die Last seiner Aufgabe mit Gewicht nicht nur symbolisieren. „Ich stehe im Dienst der Krone, als Kommandant der Stadtwache in Spring’s Court“, führte er aus und zögerte dann einen kurzen Moment. War er gerade in Begriff wieder zu weitläufig zu erzählen und ihn damit zu langweilen, so dass es klüger wäre lieber gleich zu einer Kurzfassung zu kommen? Sebastian warf ihm einen Seitenblick zu, als er ein wunderschönes Pferd an den Zügel nahm, das offensichtlich nicht nur bestes Blut besaß, sondern auch ihm gehörte. Die Tiere der Fieldingzucht waren außergewöhnlich und wahrhaftig das edelste, was man in Walleydor erhalten konnte.
„Allerdings werde ich der Hauptstadt den Rücken kehren. Dort hält mich nichts und hier werde ich eher gebraucht.“ Also hatte er sich doch noch für die Kurzfassung entschieden, auch wenn er seinen Dienst in der Stadtwache noch nicht aufgelöst hatte. Das Gespräch mit seinem Mentor hatte allerdings bereits stattgefunden, in dessen Obhut und weitere Ausbildung hier übergeben zu werden, auf dass vielleicht eines Tages Sebastian selbst den Titel des Hauptmanns würde tragen können.

Wieder überspitzte Joshua seine Worte und Sebastian fragte sich, ob er unglücklich war. Trotz des Reichtums und all der Möglichkeiten, die ihm wohl aufgrund seines Namens und Rangs offen stand. Die Tavernen mochten weniger zu überraschen, denn natürlich waren da einerseits die Gerüchte, andererseits waren sie der Ort der Freuden, wenn man so wollte. „Bevorzugt Ihr Wein, Bier oder etwas anderes?“, fragte er dazu und schob einen größeren Kiesel unter seinen Stiefel bei Seite, der beim Auftritt beinahe bis in die Sohle hinein drückte. Die Bevölkerung mit weniger dicken Schuhen könnte sich ansonsten daran verletzten. Und doch war es weit mehr eine ablenkende Geste für sich selbst. „So soll es sein, dann werde ich heute Euer Beschützer sein.“ Die Andeutung einer Verneigung, bei der aber ein Lachen zurückgehalten werden musste, um nicht darüber schalkhaft das Gleichgewicht zu verlieren. Denn hier auf offener Straße galt es viel mehr die Positur zu wahren, als es an anderen Orten notwendig gewesen wäre. War sein Gesicht heute noch nicht bekannt genug, würde sich dies hoffentlich in den nächsten Wochen ändern.
Der Prinz in seinem Turm. „Die Stadt steht Euch nun zur Verfügung“, breitete Sebastian seine Arme aus und sah an dem Kopf des Pferdes vorbei zu ihm hinüber. „Und wenn Ihr wieder etwas anderes schmecken wollt, Euch nach erquickender Gesellschaft ist oder manch ein üblicher Geselle Euren Weg kreuzt, werden wir uns sicherlich wieder begegnen.“ Der Seitenpfad führte noch angenehm breit durch die Häuserfronten, vor denen kleine Stände ihre Köstlichkeiten von den Feldern und Gärten darboten, manch ein Schafhirte seine Wolle feil bot und bereits leise das mechanische Klackern eines Amboss gehört werden konnte. Die Stadt lebte, trotz allem, was sie erlebt hatte. Er wollte nicht, dass Joshua glauben musste, dass dieses Leben nicht auch ihn selbst erfüllen konnte.
„Ich werde nach Meadows zurückkehren, sobald meiner Versetzung stattgegeben wird. Und dann werde ich wie heute die Straßen patrollieren und mein Bestes tun, um mich den Sorgen und Bedenken der Bewohner anzunehmen. Dazu gehört auch Ihr. Sobald die hiesige Stadtwache aufgebaut ist, wird Euer Vater weit weniger zu befürchten und keinen Grund haben, Euch in ihrem Turm zu halten.“

Der Weg der kleinen Straße fiel ein wenig ab und neigte sich leicht nach rechts. Das Klacken des Amboss wurde lauter, doch es wurde nicht notwendig deswegen seine Stimme weiter zu erheben. „Habt Ihr Euch bereits entschieden, welcher der beiden Tavernen Ihr den Vorzug geben möchtet?“



RE: against all odds - Joshua Fielding - 13-06-2024

„Ein Kommandant der Krone, den nichts zu halten vermag…“, Joshua drehte den Kopf zu Sebastian und sah an dem Pferdkopf vorbei zu diesem. Das Zucken in seinem Mundwinkel kündigte den Schalk bereits wieder an, der sich in seinen Augen auch schon erneut ausgebreitet hatte. „Böse Zungen würden ja sagen es mangele Euch an gehöriger Loyalität, wenn Ihr als Kommandant keinen Grund zur Verbundenheit habt“, aber er wollte den Anderen nicht verschrecken oder verstimmen auf diesem netten kleinen Spaziergang durch die Stadt, der ihm soviel lieber zur Ablenkung war als alles was ihm zurück hinter den Toren des Stadtpalastes drohte. „Nehmt es nicht so ernst…mir war danach. Dennoch…was trübt Eure Bereitschaft zum Dienst in der Hauptstadt des hiesigen Königs? Und was versprecht Ihr Euch davon hier zu bleiben? Euer Rang kann es kaum sein…dürft Ihr Euch auch hier bereits Kommandant nennen? Was ist mit meinem Bruder…wie steht Ihr zu ihm…und er zu Euch?“, das war eine Menge Fragen, die er seinem neugewonnenen Gesellschafter da stellte, aber keiner könnte sagen sein Interesse wäre nicht ebenso wie der Fokus ganz bei seinem Gegenüber.

„In Familien wie der meinen fließt kein Bier aus Fässern, daher würde ich sagen, der Wein und ich sind vertrautere Freunde. Allerdings im Sommer, in einer Taverne mit süffigem Bier, würde ich nie nein sagen….wisst Ihr woran das liegt? In Tavernen mit süffigem Bier treiben sich die schönen, einfachen Mädchen herum“, er grinste kurz schief und drängte das Tier ein wenig zurück als es sich derart sichtversperrend zwischen sie drängte. „Und Ihr? Und was ist das andere? Was kennt Ihr dem ich frönen sollte, Sebastian, Kommandant meiner neuen Stadtwache?“
An einem der Stände blieb Joshua kurz stehen, nahm drei saftige Birnen vom Stand und tauschte sie gegen Münzen an den Händler aus. Eine davon warf er Seb im Bogen zu, die andere gab er seiner Stute und strich dieser lobend über den Hals. Immer noch stehend, sah er um de Kopf des Tieres herum zu dem Mann mit den großen Worten. Nachdenklich oder fast schon musternd wanderte der Blick des Fürstensohnes durch das Gesicht des Kämpfers. „Habt Ihr mich gerade eingeladen Eure erquickende Gesellschaft wieder aufzusuchen und mir Euren persönlichen Schutz versprochen um sorgenfrei durch diese Strassen gehen zu können?!“, wollte er wissen und neigte den Kopf schief, was seine Stute damit quittierte, dass sie ihn immer und immer wieder anstupste und das auf ihre typisch zärtliche Art, dass er glatt ein paar Schritte verlagern musste um sicheren Stand zu haben.

Joshua nahm seine Schritte wieder auf ehe er die Antwort abgewartet hatte. Er wollte Sebastian Raum und Luft lassen…es war eine gemeine, fast schon ungehörige Frage gewesen. Doch der Kommandant sollte sich nicht alleine fühlen mit ungehörigen Vorschlägen! Im Gehen drehte sich der Fielding um und ging einige Schritte rückwärts, den Blick zum Verfolger. „Wenn Ihr mir verratet in welcher Ihr als nächstes verkehrt, kann ich dir unter Umständen sagen, welche ich präferieren werde…“ Josh schmunzelte und ehe er noch auf dem Hosenboden dank eines hervorstehenden Steines landete, drehte er sich lieber um. Oder vielleicht der Worte wegen..