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carnival of life - Druckversion

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carnival of life - Amira El Mansouri - 06-06-2024

Nicht nur dem König war Beistand zu leisten, sondern selbstredend und überwiegend ihrer Herrin; wenngleich beide ihre Gesellschaft auf unterschiedlicher Art benötigten. Geplagt von den Pflichten der Herrschaft, zahlreichen Sitzungen und Entscheidungen, wurde von Yasirah der unmenschliche Spagat zwischen Mutter, Ehefrau und Regentin verlangt. Amira bewunderte die Frau für ihre Stärke und ihre Fähigkeiten jeder einzelnen Kategorie wahrhaftig gerecht zu werden, doch zugleich umtrieb sie die Sorge. Solch eine Last konnte unmöglich auf Dauer von einem einzigen Menschen gestemmt werden selbst, wenn es sich dabei um eine Königin handelte, und sie würde ihr gern mehr freudige Momente während all der Aufgaben gönnen. Doch weder war es ihr möglich einzelne Pflichten abzunehmen, noch die Umstände zu Yasirahs Gunsten zu ändern.

Stattdessen konnte Amira nicht viel mehr tun, als ein silbernes Tablett auf ihrer linken Hand zu balancieren, auf dem sich zwei Teller befanden. Die Köstlichkeit Briwat darauf dampfend thronend, einmal in einer würzig scharf pikanten Version und einmal süßer als der darin enthaltene Honig, mit überstreutem Sesam. Dazu eine gläserne Karaffe dunklen Rotweins mit zwei Kelchen. An der Tür angekommen, klopfte die junge Frau höflich und trat ein. Während sie durch den Vorraum schritt, deutete sie der anderen Dienerin, die gerade das goldene Dekor sorgfältig reinigte, die Gemächer zu verlassen, was diese mit einem gebeugten Nicken quittierte und der wortlosen Aufforderung dann folgte. Amiras Schritte führten sie weiter in den überdachten Hofbereich, in dem sie die Königin zwischen Kissen und blühenden Blumen verschiedenster Arten auffand, gar weit mehr eine Göttin als eine sterbliche Frau.

„Meine Königin.“ Amira stellte das Tablett in Reichweite auf einen bodennahen Tisch ab und ging auf die Knie, ergriff ergeben die kühlen Hände der Herrscherin und senkte den Kopf für einen Luftkuss darauf. Obwohl diese Geste aufgrund der Vertraulichkeit zwischen ihnen nicht notwendig wäre, blieb es ein immer wieder aufs Neue gern gegebenes Zeichen der Ergebenheit und Liebe. „Ich bin froh, dass Eure Pflichten des Tages vorüber sind. Ich sorge mich um Euer Wohlergehen“, sanft drückten ihre Finger die noch gehaltenen Hände, ehe sie diese los ließ und stattdessen sich auch sitzend zur Seite auf einen der Polster sinken ließ. Amira sah zur Seite und ergriff die Karaffe, füllte sorgfältig einen der Kelche um ihn Yasirah zu reichen. „Ihr tragt eine große Last. Bitte zögert niemals mir aufzutragen, was auch immer Euch Erleichterung bringen kann.“ Mit dem Überreichen des Gegenstands blickte sie ihr in die Augen um die Ernsthaftigkeit und den darin enthaltenen Wunsch ihrer Worte zu unterstreichen. Denn es war keine bloße Lappalie an Schmeichelei, sondern voller Aufrichtigkeit.

Ihre rechte Hand deutete ausladend auf die beiden Teller und doch griff sie noch nicht zu einem der beiden um ihn ihr zu reichen. „Ich habe die Küche angewiesen, die Taschen für Euch besonders stark zu würzen. Doch sollte es Euch belieben, ließ ich ebenso Süßes herrichten.“ Je nach dem, wofür sich die Königin entscheiden würde, würde sie den jeweiligen Teller ergreifen und ihn in Reichweite Yasirahs halten. Wenn sie schon nicht viel tun konnte, dann wenigstens ihre Herrschaften immer gut zu verköstigen und ihnen damit wenigstens einige Minuten der Ruhe und Entspannung zu schenken.



RE: carnival of life - Yasirah ben Sahid - 16-06-2024

Gelangweilt beobachtete die Herrscherin die unterschiedlichen Tiere, die gleichermaßen elegant, wie ebenso ruhelos wie das Herz ihrer Königin war, durch die Gärten schlichen. Es gab Katzen, die sich in der Sonne räkelten und Vögel, die lieber den Schatten der Bäume bevorzugten. Obwohl das Alles Symbole ihrer Heimat waren, ihr diese Gärten ein Gefühl der Sicherheit und der Ruhe vermittelten, hatten sie doch die heutigen Besprechungen so sehr ausgelaugt, dass sie kaum Freude an dieser Art der Entspannung finden konnte. Für einen Moment überlegte die Herrscherin sogar die Opiumpfeife ihres Mannes zu bemühen, entschied sich jedoch dagegen. Das Wissen, dass Ridvan in einem der Gemächer hockte, sich einschloss und um sein Leben fürchtete, machte ihr die Entspannung nicht unbedingt einfacher. Sie hatte lange versucht gegen seine inneren Dämonen anzukämpfen, hatte lange an der Hoffnung festgehalten, dass sie ihn zurück bringen konnte. Dass Ridvan wieder in das Licht schreiten würde, das er vor vielen Jahren verkörpert hatte. Vielleicht auch, dass die Liebe zu seiner Ehefrau, die sich zwar längst mit einem anderen Mann vergnügte, aber dennoch für ihn da war, dazu bewegen würde die Ängste hinter sich zu lassen. Doch es hatte sich in den letzten Monaten herausgestellt, dass das alles leere Träume und Hoffnungen gewesen waren. Nichts von alldem hatte geholfen. Nur das Opium, das seine Sinne so sehr benebelte, dass er sich in einem merkwürdigen Zustand zwischen Schlaf und Wachsein befand. Aus Angst ebenso zu verenden wie ihr Gemahl es tat entschied sie sich also gegen eine solche Pfeife und beschränkte sich lieber auf schwelende Kräuter, die in einer kleinen silbernen Schale auf dem bodenhohen Tisch standen und leise vor sich hin qualmten.

Als Amira Barahaiwani in ihr Blickfeld trat, erhellte sich die Miene der Königin für einen Augenblick. Die junge Frau war einer ihrer wenigen Lichtblicke am Tag, denn sie war nicht nur irgendeine ihrer Gesellschaftsdamen, sondern mittlerweile eine der engsten Freundinnen die sie hatte. Sofern eine Königin jedenfalls wahre Freundschaften pflegen konnte. In ihren dunkelsten Momenten stellte sie selbst das infrage, doch Amira hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nie enttäuscht. Sie war zuvorkommend, vorausschauend und absolut liebevoll. Um nichts in der Welt würde sie Amira jemals von ihrer Seite weichen lassen - außer, sie würde selbst diesen Wunsch äußern. Auch dann, würde es der Königin äußerst schwer fallen, doch für sie würde sie ihre eigenen Bedürfnisse vielleicht hinten an stellen. Doch besser probierten sie diese schier unüberwindbare Herausforderung nicht aus, wenn sie keine bösen Überraschungen erleben wollten.

Dass die junge Frau sowohl mit einem Tablett voller Essen, als auch einem Krug Wein kam, erhellte weiter ihre trübsinnige Laune. Nachdem sie beides abgestellt hatte, verlor sie sich in den Gesten einer Untergebenen. Auch die Königin drückte die schmalen Hände der El Mansouri und schenkte ihr ein freundliches Lächeln. "Wie immer erhellt Ihr meinen Tag wie ein leuchtender Stern", erwiderte sie dankbar und klopfte auf die großen Kissen neben sich. Als weiter die rauchige Stimme der Gesellschafterin durch die Gärten hallte und sie erzählte was für Gedanken sie sich alles gemacht hatte, legte Yasirah ihr eine Hand auf das Knie. "Ich wüsste nicht, was ich ohne Euch machen sollte", entgegnete sie grinsend und deutete mit einem Kopfnicken auf das Silbertablett und den Krug. "Genau im richtigen Moment", erklärte sie grinsend und nahm mit einem sanften Kopfnicken das befüllte Weinglas entgegen. "Manchmal frage ich mich, ob Ihr nicht doch Gedanken lesen könnt", murmelte sie, als sie das Glas an die Lippen hob und einen großen Schluck des fühlen Weines in ihren Mund laufen ließ. Sie spielte witzelnd darauf an, dass es vor einigen Jahren schon mal solche Gerüchte gegeben hat, die gegen Amira gerichtet waren. Es hatte wohl einige Männer stark verunsichert, dass die damals noch sehr junge Frau mit einer solchen Gabe der Erinnerungen gesegnet worden war.
"Erzählt mir von Eurem Tag", forderte sie ihre Freundin auf und schielte immer wieder zu den leckeren Teigtaschen, auf dem Tablett. Sie konnte sich kaum entscheiden, welche sie davon essen wollte. Stark gewürzt klang jedoch äußerst verlockend.