Facing the Storm
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caught in the eye of the storm - Rajani Parikh - 03-07-2024

caught in the eye of the storm
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Man sollte meinen, dass die braunen runden Augen der jungen Frau kaum noch größer werden könnten, während sie in ihrem pinkem Gewand durch das Schloss tapste, doch nach jeder Ecke, die sie nahm, belehrte sie die Umstehenden eines Besseren. Sie war absolut hin und weg von dem riesigen Schloss der Castellanos, in dem sie von nun an wohnen würden. Dieses Gemäuer als ihre neue Heimat anzunehmen fiel ihr zum jetzigen Zeitpunkt noch etwas schwer, immerhin waren sie erst seit einigen Tagen im Großkönigsland, doch sie sah sich hier schon in einigen Jahren fröhlich durch die Gänge hüpfen, wohl wissend welche Abbiegung sie nehmen musste, um dahin zu kommen, wo sie hin wollte - ganz im Gegensatz zu jetzt. Auch wenn sie absolut fasziniert von jedem Gemälde, jeder Statue, jeder Vitrine mit kostbaren Gegenständen war, so hatte sie sich trotzdem verlaufen. Kein Wunder in diesem riesigen Palast. Stören tat sie das keineswegs, immerhin lernte man seine Umgebung so immer noch am besten kennen! Dumm war nur, dass sie eigentlich losgelaufen war, um sich eine Kleinigkeit zu Essen aus der Küche zu besorgen. Sie würde so schnell zwar nicht vom Fleisch fallen, aber mit leerem Magen konnte sie auch nicht ins Bett gehen. Falls sie ihre eigenen Gemächer überhaupt jemals wieder finden würde. Manchmal verfluchte sie sich selbst, wenn es darum ging ein kleines bisschen besser aufzupassen. Sie war so in ihren eigenen Gedanken versunken, dass ihr auch erst viel zu spät aufgefallen war, dass sie nicht dort ausgekommen war, wo sie es eigentlich geplant hatte.

Ohne sich weiter den Kopf darüber zu zerbrechen entschied sie sich dazu den kleinen Abendspaziergang einfach zu genießen. Ihr eigenes leises Pfeifen, mit dem sie versuchte - mehr schlecht als recht - eine Melodie eines alten sommerländischen Kinderliedes zu summen, war lange das einzige Geräusch das sie begleitete. Ehrfürchtig ließ sie die Hände über den nackten Stein gleiten und begutachtete jede Verzierung sehr ausgiebig. Sie war fest entschlossen sich innerhalb nur weniger Tage so sehr mit ihrer neuen Heimat angefreundet zu haben, dass sie nächste Woche schon das Gefühl hatte nie woanders gelebt zu haben. Natürlich würde es ein paar Kleinigkeiten geben, die sie aus ihrer Heimat vermissen würde, aber sie war felsenfest davon überzeugt, dass das Königsland auch so seine Vorzüge hatte. Großer Pluspunkt war auf jeden Fall das deutlich mediterranere Klima, als in ihrer Heimat. Hier konnte man auch mittags problemlos einen Spaziergang durch die Sonne wagen ohne fürchten zu müssen sich einen Sonnenstich zu holen.

Mit federnden Schritten bog sie um die nächste Ecke und wurde langsamer. Wirklich viele Bedienstete waren um diese Uhrzeit schon nicht mehr unterwegs, sodass sie seit einigen Minuten auch niemandem mehr über den Weg gelaufen war, den sie hätte fragen können. Mit einem skeptischen Blick über ihre Schulter entschied sie, dass es keine besonders gute Idee war wieder zurück zu laufen - dabei würde sie sich bestimmt noch mehr verlaufen, als wenn sie einfach weiter in die gleiche Richtung lief wie die letzten paar Minuten. Irgendwann würde sie bestimmt wieder in einen etwas belebteren Teil des Schlosses kommen! Rajani Parikh kannte so etwas wie Angst nicht. Nur Neugierde und völliges Vertrauen in... einfach Alles. So war sie schon auf die Welt gekommen, hatte ihre Mutter des Öfteren gescherzt. Ein wenig zu vertrauensvoll und gutgläubig.



RE: caught in the eye of the storm - Imani Silk - 08-07-2024

Das Schloss war groß. So groß, dass selbst Imani, die gemeinhin einen überaus guten Orientierungsinn besaß, Schwierigkeiten hatte sich zurecht zu finden. Sie hatte bestimmt schon drei oder vier Mal eine falsche Abbiegung genommen und hatte nur mit Hilfe der anderen Angestellten wieder zu ihrem eigentlichen Bestimmungsort zurückgefunden. Doch sie wurde besser und wenn es ihr die Zeit ermöglichte lief Imani immer und immer wieder die für sie wichtigen Wege ab, um sie sich besser einprägen zu können. Auf die Angestellten des Schlosses musste dieses Verhalten sicher überaus eigenartig wirken, doch Imani wollte ihre Sache eben gut machen und nichts wäre schlimmer, als wenn Naila auf sie warten müsste, nur weil sie ausversehen in den falschen Flur abgebogen wäre. Nein, so etwas wollte Imani auf keinen Fall.

Auch heute nutzte sie die Zeit und wanderte durch das Schloss, prägte sich Gemälde, Säulen und Türen ein und hatte bereits jetzt eine neue Abkürzung gefunden. Es war still, so dass die Schritte die sich näherten deutlich im Gang wiederhallten. Imani bog um die Ecke und blickte auf, nur um etwas überrascht stehen zu bleiben. Sie sah sich um, doch außer Rajani schien niemand hier zu sein. Was machte diese hier und wieso war sie alleine unterwegs? Vielleicht sollte Imani sich dies aber auch gar nicht fragen, denn Rajani war in dieser Hinsicht wohl immer schon besonders gewesen. Vermutlich hatte sie sich nur ein paar besonders schöne Gemälde angesehen und war dann irgendwie hier gelandet. Imani lächelte sanft. Sie mochte diese verträumte und unschuldige Art der Gesellschafterin sehr gerne. Es tat gut sich in ihrer Nähe aufzuhalten.

"Kann ich Euch helfen?" Ihre Worte waren leise, doch aufgrund der Stille deutlich zu hören. Sie wollte Rajani nicht erschrecken und trat mit gesenktem Blick an die Andere heran. "Seid Ihr auf der Suche nach etwas oder .. jemanden?"


RE: caught in the eye of the storm - Rajani Parikh - 23-07-2024

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Als die junge Frau plötzlich in einen Flur einbog, in dem sie nicht länger alleine war, verzog sie überrascht das Gesicht. Nicht, weil sie die Person, die sie überraschenderweise dort erblickte nicht leiden konnte, sondern weil das der endgültig letzte Hinweis für sie war, dass sie nicht nur ein bisschen falsch, sondern absolut und unumstößlich falsch war. Ein leises Schnauben entkam ihren Lippen und ihr Gesichtsausdruck bekam einen beinahe trotzigen Ausdruck. Die Tatsache, dass sie alleine den Weg nicht fand, ärgerte sie. Und die Tatsache, dass es vermutlich viel Zeit und Training erfordern würde daran etwas zu ändern ärgerte sie ebenfalls. Wenn sie etwas haben wollte, dann am besten sofort und ohne große Anstrengungen. Um etwas zu kämpfen lag der sommerländischen Schönheit nicht im Blut. Sie wusste gar nicht, wie so etwas ging. Geboren in das größte Schloss des ganzen Landes hatte sie schon immer ein recht einfaches Leben und hatte nie am eigenen Leib erfahren müssen, was es bedeutete, nicht ganz so viel Glück im Leben zu haben. Einzig der Moment, als sie mit Naila und der Delegation zusammen nach Dharan al-Bhar gereist ist, war ihr im Gedächtnis geblieben. Dort war so viel Zerstörung und Trauer zu sehen, Wut, Hass und Aggressionen, die sich sogar teilweise gegen die von Rajani so geliebte Königsfamilie richtete. Auch heute noch sah sie die Bilder vor ihrem inneren Auge. Übrigens auch etwas, was ihr ganz schön auf die Nerven ging. Sie wollte ihren Geist nicht mit solchen schlimmen Schicksalen belasten. Sie konnte ja selbst sowieso nichts daran ändern, also half es den betroffenen Familien auch nicht, wenn sie darüber nachgrübelte.

Mit einem etwas irritierten Blinzeln kam sie gedanklich wieder im Hier und Jetzt an und schenkte ihrer Freundin ein breites Lächeln. Imani Silk war schon so lange in der Gesellschaft von Naila - und damit auch Rajani - dass sie sich beinahe anfühlte wie ein Familienmitglied. Auch wenn Imani immer durch Zurückhaltung glänzte, hatten sie sich in den letzten Jahren doch ziemlich gut angefreundet. Manchmal meinte Rajani sich einzubilden, dass sie Imani dabei half sich aus ihrem kleinen Schneckenhäuschen zu trauen (obwohl sich die Gesellschafterin egoistischerweise noch nie Gedanken darüber gemacht hat, ob das überhaupt Imanis Wunsch war).
Mit ausgebreiteten Armen überbrückte sie den letzten Abstand zu der jungen Frau. Sie zog Imani zwar in keine Umarmung - das wäre dann doch etwas viel überschwängliche Freude für den Moment - aber es reichte zumindest dafür aus, dass Rajani ihr eine Hand auf den Unterarm legte. "Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich freue Euch zu sehen", entgegnete sie lachend und sah sich noch einmal bewusst in dem breiten Flur um, in dem sie standen. Außer ihnen beiden war sonst niemand hier.
"Ich... Also...", Rajani wusste nicht, wie sie es ausdrücken sollte, damit es kein allzu schlechtes Licht auf sie selbst warf. "Eigentlich habe ich mich glaube ich verlaufen", gab sie betreten zu und legte den Kopf schief. Die Hoffnung, dass Imani ihr den Weg zurück zeigen konnte, keimte schneller in ihr auf, als sie sich ihrer Verzweiflung hingeben konnte. "Wo wolltet Ihr denn gerade hin? Kann ich Euch begleiten? Ich fürchte ich muss sonst heute die Nacht auf einer dieser unbequemen Holzbänke verbringen, wenn mich nicht irgendjemand wieder zurück zu unserem Schlossteil führt", murrte sie wie ein beleidigtes Kind und deutete mit einer ruckartigen Kopfbewegung auf die verzierten Bänke am Rande des Flurs. Die waren aber wohl auch wirklich nur zu Dekozwecken gedacht. Man hatte nicht einmal gemütliche Kissen darauf gelegt!




RE: caught in the eye of the storm - Imani Silk - 08-08-2024

Rajani war eine Erscheinung. Und das keineswegs bloß aufgrund ihrer immer recht bunten Kleider und ihrem sonnigen Gemüt, sondern aufgrund ihres so derart unbedarften und fröhlichen Charakters, dass es schier unmöglich schien sich davon nicht anstecken zu lassen. Imani erinnerte sich noch genau daran, wie sie Rajani kennenlernte und überfordert von der Wärme und Helligkeit war, welche die Andere stetig auszustrahlen schien. Sie beide waren so grundverschieden, dass es wohl ausschließlich die Verbindung zur Prinzessin war, die sie zu einen schien. Die Zuneigung und Loyalität zu Naila, die auch sie beide irgendwann zu so etwas wie Freunden gemacht hatte, selbst wenn Imani bis heute überaus vorsichtig damit blieb die Gesellschafterinnen als eben solche zu bezeichnen. Imani vergaß ihren Platz nie, ganz gleich wie herzlich die anderen Damen auch sein mochten. Sie alle standen weit über ihr und würden es auch für den Rest ihres Lebens tun.

Die sachte Berührung am Arm ließ Imani letztlich nur zu, weil hier niemand war, der sie beide hätten sehen und dieses Verhalten verurteilen können - also wollte sie Rajani ihre Freude nicht nehmen. Der Anderen wurde ein warmes und verständnisvolles Lächeln geschenkt, als sie auch schon das offensichtliche betonte und erklärte, dass sie sich wohl verlaufen habe. "Es ist auch immer eine Freude Euch zu sehen", gab Imani zurück und auch wenn ihre Aussage notwendig war, steckte wohl auch ebenso viel Wahrheit darin.

"Ich wollte eigentlich meine Kammer aufsuchen, aber ich helfe Euch gerne zurück in den Gästeflügel." Imani lächelte, denn sie war sich sicher, dass Rajani sich ihr nicht unbedingt aufdrängen wollte. "So kann ich mich auch noch versichern, dass bei der Prinzessin alles in Ordnung ist." Und Rajani somit das Gefühl geben, dass Imani sich nicht bloß ihretwegen nochmal den weiten Weg durch das Schloss bewegen würde.

Imani deutete in die Richtung aus der die Hofdame gekommen war und setzte sich dann langsamen Schrittes in Bewegung. Ein leicht nachdenklicher Seitenblick traf die junge Frau. "Wie gefällt Euch die Hauptstadt bisher?" Sie war sich sicher, dass Rajani auf diese Frage hin viel zu erzählen hatte, denn gewiss war es ihr nicht schwer gefallen neue Kontakte zu und womöglich auch schon die ein oder andere neue Freundschaft zu knüpfen.


RE: caught in the eye of the storm - Rajani Parikh - 24-08-2024

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Ihre dunklen runden Augen wurden groß und ein Glitzern ließ sie so hell erstrahlen, wie es die Sterne des nachts am Himmel taten. Als die junge Frau zusagte ihr dabei zu helfen, den Weg zurück zu finden, nahm eine beinahe überschwängliche Begeisterung Besitz von der Gesellschafterin. Es war immer das 'Alles-oder-Nichts'-Prinzip bei Rajani. War sie traurig weinte sie krokodilsgleiche Tränen und konnte sich kaum beruhigen, doch war sie glücklich erstrahle sie in einem hellen Licht. Es war schon immer so gewesen. Oft war es ein Augenrollen hier oder ein Tuscheln dort, das in ihrem Rücken ertönte, doch davon hat sich die junge Frau noch nie abschrecken lassen. Sie fühlte einfach sehr intensiv und war sich ihrer vielfältigen Gefühlswelt nicht nur bewusst, sondern auch unheimlich dankbar. Es fühlte sich alles so lebendig an. Als würde sie jede Regung ihres Herzens wahrnehmen und vollends genießen. Wo andere stumpf ihr Leben lebten, sich ab und zu mal zu einem leichten Lippenkräuseln hinreißen ließen, war Rajani ein funkelnder Diamant. Sie wusste sehr wohl, dass das viele Menschen nicht nachvollziehen und konnten und sicher noch mehr Menschen äußerst befremdlich bis hin zu absolut nervig fanden, doch das hatte sie noch nie viel interessiert. Solange Naila ihre Gesellschaft schätzte war der Rest ihr egal. Würde die Prinzessin des Sommerlandes (oder war sie nun die Prinzessin des Königslandes? Daran musste sie sich auf jeden Fall erst noch gewöhnen...) sie zur Demut bitten, dann würde sie dieser Bitte nachkommen. Vorher nicht. Doch insgeheim hoffte die Gesellschafterin, dass es niemals so weit kommen würde. Sie mochte ihre eigene Gefühlswelt sehr gerne und würde äußerst traurig sein, wenn sie einiges davon verbergen müsste.

"Fantastisch!", quiekte die Brünette und tänzelte auf der Stelle, ehe sie sich gemeinsam mit Imani in Bewegung setzte. Völlig fasziniert vom Schloss glitt ihr Blick von links nach rechts, während sie den Worten ihrer neuen Begleitung nur teilweise Beachtung schenkte. Ihre Aufmerksamkeit war manchmal die eines Kindes, wenn man ehrlich war. Sobald ein kleiner Schmetterling vorbei flog oder ein Windhauch ihre Haare zerzauste war es um ihre Konzentration oft dahin.
Dass Imani noch einmal sicher gehen wollte, dass bei Prinzessin Naila alles in Ordnung war, dämpfte ihre Gefühle für einen Moment. Natürlich war bei ihr alles in Ordnung, sonst hätte Rajani sie doch gar nicht erst alleine gelassen! Rajani räusperte sich kurz, ehe sie kaum merklich den Kopf schüttelte. "Wir können gerne zusammen nachsehen, aber ich bin mir sicher, dass es Naila wunderbar geht", antwortete sie noch immer grinsend und schritt weiter den Gang entlang. Die federnden Schritte dauerten keine sechs Herzschläge lang, ehe sie zurückkamen und vom weiterhin sonnigen Gemüt der Gesellschafterin zeugten. Von so etwas ließ sie sich nicht einfach so die Laune verderben und als die junge Frau sich erkundigte, wie es ihr hier gefiel, war sowieso direkt wieder alles vergessen.

"Ich finds wunderschön. Es ist unendlich riesig und wie man eben gesehen hat, tue ich mich damit noch ein bisschen schwer, aber ich habe mich jetzt schon in unsere neue Heimat verliebt! Ich glaube ich werde mich hier sehr wohlfühlen... und seien wir mal ehrlich: die Männer hier sehen auch noch mal anders attraktiv aus, als zu Hause. Findest du nicht auch?" - ohne ihrem Gegenüber die Möglichkeit zu geben direkt zu antworten, fuhr sie weiter fort. -"Ich bin schon ganz gespannt, wer ab morgen alles zur Hochzeit kommen wird. Vielleicht ist da ja jemand für uns beide dabei?", philosophierte sie mit einem Augenbrauenwackeln und fragte sich einen Moment später, wie Imani überhaupt zu Männern stand. Ehrlich gesagt hatte sie sich mit der jungen Frau noch nie darüber unterhalten, wie ihr gerade auffiel. Und mit einem Mann gesehen hatte sie Imani ebenfalls noch nicht. Ihre Augen verengten sich etwas und sie beugte sich weiter zu ihrer Begleitung. "Du hast doch Interesse an... Männern. Oder?"



RE: caught in the eye of the storm - Imani Silk - 31-08-2024

Vielleicht waren Imani und Rajani sich in den Tiefen ihrer Herzen gar nicht so verschieden. Rajani umgab eine Aura an Aufrichtigkeit, die man nur bei wenigen Menschen finden konnte. Man konnte sich bei ihr stets sicher sein, dass sie ihr Herz auf der Zunge trug, ganz gleich ob es angemessen sein mochte oder nicht. Und vielleicht beneidete Imani die Andere gar ein wenig um dieses Talent. Es war ein unfassbares Geschenk ein so aufrichtiges und buntes Leben zu führen und sich dabei nicht von den wiederkehrenden Hindernissen und Verurteilungen anderer beeinflussen zu lassen.

Imanis Herz war ähnlich rein und aufrichtig, doch ihr Umgang damit ganz klar ein anderer. Doch wen überraschte es, wenn man bedachte, dass ihrer beiden Lebensumstände kaum andere sein könnten. Selbst wenn sie schon so viele Jahre nebeneinander lebten, dass man sich kaum noch daran zu erinnern vermochte, wie es zuvor einmal gewesen sein musste - gab es eben doch das davor. Das Leben, dass Imani nicht vergessen würde. Das Leben, welches ihr Demut und Zurückhaltung gelehrt hatte. Egal wie hoch und sicher die Mauern eines Palastes erscheinen mochten, Imani wusste doch, dass es gut war eigene Mauern zu haben. Mauern, die Sicherheit brachten. Rajani hatte diese Mauern nicht und vielleicht mussten ihre Freunde deshalb besonders gut auf sie acht geben, damit ihr nichts geschah und vielleicht war es genau deshalb gut, dass sie eine Freundin der Prinzessin war und somit ein gemeinhin behütetes Leben führen konnte.

Imani entging nicht das leise Räuspern und Kopfschütteln und sie schmunzelte sachte in sich hinein. Sie glaubte Rajani durchaus, dass es der Prinzessin gut ginge - nun zumindest in der Wahrnehmung, welche der Gesellschafterin zu eigen war. Doch der Blick einer Dienerin war eben doch ein anderer. Doch den Unterschied würde sie Rajani gewiss nicht erklären. Am Ende war es also nur ein bedachtes und freundliches Nicken als Antwort und es dauerte keinen Augenblick, da hatte ihre nächste Frage bereits Rajanis gesamte Aufmerksamkeit gefordert.

Imani gluckste amüsiert, ob dem Enthusiasmus der Anderen. Es überraschte sie nicht. Kaum jemand war in der Lage die Welt so bunt und optimistisch zu betrachten wie Rajani. Es war wohl keine Überraschung, wenn sie sich von ihnen allen hier am schnellsten einleben konnte. Rajani erkundigte sich nach der Attraktivität der hier lebenden Männer und Imani runzelte leicht die Stirn. Es gab wohl einen guten Grund weshalb sie beide sich bisher nie über Männer unterhalten hatten, denn es war ein Thema mit dem Imani selbst sich bisweilen eher ungerne auseinandersetzten. Und dann setzte Rajani noch die entsprechende Frage ihren Worten nach und Imani blieb kurz irritiert stehen, als müsse sie sich besinnen, was man sie gerade gefragt hatte. Nun räusperte sie sich und schenkte Rajani ein etwas zögerliches Lächeln. "Meine Aufgabe ist es der Prinzessin zu dienen. Da bleibt kaum Zeit für einen... Mann", war die diplomatische Antwort, von der Imani wusste, dass sie die junge Adelige nicht zufriedenstellen würde. "Ich habe Interesse ja ... aber ich glaube nicht, dass sich jemand für mich interessieren würde" Und Imani meinte diese Worte durchaus ernst. Natürlich war sie hübsch und das alleine würde wohl dem ein oder anderen Mann bereits genügen, doch neben all' den adeligen Dame in ihren edlen Gewändern und ihrem feinen Schmuck - da würde niemand auf die Dienerin im Hintergrund achten. Für Imani war das in Ordnung. Es lag kein Groll in ihren Worten, nur eine nüchterne Feststellung.

Ihr Lächeln hellte sich etwas auf. "Aber ich bin mir ganz sicher, dass die Männer hier ganz verrückt nach Euch sein werden. Ihr solltet Euch wappnen, denn ganz gewiss werdet Ihr mehr als nur einen Verehrer haben", grinste sie die Gesellschafterin an, auch wenn wohl durchaus auch ein Hauch Sorge in dieser Vermutung mitschwang. Immerhin würde irgendjemand dafür Sorge tragen müssen, dass man Rajanis Gutmütigkeit nicht ausnutzte. Wer wusste schon, wie die Männer hier in Castandor waren.


RE: caught in the eye of the storm - Rajani Parikh - 12-09-2024

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Während die beiden Frauen so nebeneinander her liefen, warf die Dunkelhaarige immer mal wieder verstohlen einen Blick auf die junge Frau neben ihr. Auch wenn Rajani absolut keinen blassen Schimmer von dem Leben der Dienerin hatte, so versuchte sie ihr trotzdem an der Nasenspitze ihre Erfahrungen anzusehen. Wie sah jemand aus, der sein Leben in eine Art Gefangenschaft verbrachte? Konnte man ihr das Trauma (gab es überhaupt eins? In Rajanis Welt war die Antwort darauf ein definitives JA!) irgendwie ansehen? War es ihr Blick, der gebrochen und traumatisiert wirkte? Ehrlicherweise hatte sie Imani schon jeher faszinierend gefunden, wurde aber nie so richtig schlau aus ihr. Bei jedem Gespräch war sie äußerst zurückhaltend, gab selten private Informationen preis und war sehr sparsam mit einem ehrlichen und lauten Lachen. Hatte sie die Bedienstete überhaupt jemals so richtig lauthals lachen gesehen? Verstohlen schielte sie zu ihr hinüber. Sie sah so... normal aus. Natürlich war ihre Kleidung deutlich weniger bunt, als es die der Gesellschafterin war, aber ehrlicherweise war das auch schwer mit den schillernden Farben ihrer Kleider mithalten zu können. Eigentlich... War das auch die Absicht dieser Farbauswahl. Dass eben niemand mithalten konnte. Die Aufmerksamkeit der anderen Palastmitarbeiter war ihr somit auf jeden Fall sicher. Jedenfalls dann, wenn sie nicht neben Naila ging. Auch dann vermochten es die buntesten Farben nicht das Strahlen der jungen Prinzessin in den Schatten zu stellen - zum Glück! Ihre Aura war so voller Leben, Freundlichkeit und Aufmerksamkeit, dass Rajani sich keine Sorgen zu machen brauchte sie alleine mit ihren Farben in den Schatten zu stellen. Ein Lächeln im gütigen Gesicht der zukünftigen Königin genügte und jeder hatte den Namen Rajani Parikh alsbald vergessen.

Dass Imani, neben der sie durch die Gänge schlenderte, vermutlich eine deutlich aufmerksame Beobachterin war, als es Rajani von sich behaupten konnte, hatte sie bei ihrer Schlins-Aktion nicht bedacht. Als sie das Gefühl hatte entdeckt worden zu sein, versuchte sie sich lediglich an einem entschuldigenden Lächeln. Imani war jedoch viel zu höflich, um etwas zu sagen. So wie immer. Also blieb alles wieder einmal alleine in der Vorstellung der Sommerländerin. Und da war wahrlich zu viel Fantasie, um sich noch ein realitätsnahes Bild von Etwas bilden zu können.
Als Imani zugab, dass sie durchaus Interesse an einem Mann hatte, aber nicht glaubte, dass sich jemand für sie interessiere, schien das Herz der Gesellschafterin in tausend Stücke zu zerspringen. Ihrem Gesicht nach zu urteilen war sie hoch schockiert und gleichermaßen traurig über solch' zerschmetternde Worte. Mit riesigen Augen blieb sie mitten im Gang stehen und berührte sanft den Arm der Dienerin, um sie ebenfalls zum Stillstand zu bewegen. Ungeachtet der Tatsache, dass nicht jeder Mensch so viel Körperkontakt wollte, wie Rajani, nahm sie die Hände der jungen Frau in die ihren und sah ihr tief in die Augen. "Ihr seid eine absolut wunderschöne Frau und ich bin mir ganz sicher, dass wir gemeinsam einen geeigneten Mann für Euch finden können. Wenn Ihr denn wahrlich interessiert seid. Euer Wesen ist so sanft und zärtlich, dass sich jeder Einzelne hier im Palast glücklich schätzen könnte, Euch an seiner Seite zu wissen", erklärte sie aufbauend und nickte bestätigend. So, als würde sie nicht nur versuchen Imani von ihren Worten zu überzeugen, sondern auch sich selbst. Es war alles wahr, was ihre Lippen verlassen hatte, doch in der Tat hatte die ehemalige Sklavin ein unschlagbares Talent dafür irgendwie zu... verschwinden? Mitten im Raum. Einfach so.

Nun etwas leichter ums Herz kehrte das charismatische Strahlen auf die Züge der Frau zurück. "Meint Ihr wirklich?", fragte sie ganz aufgeregt, als es um die ihren Verehrer ging und sie trippelte von einem Fuß auf den anderen. "Das wäre fantastisch!", quietsche sie und hielt in der Bewegung inne, als ihr plötzlich eine Idee kam. "Ich kann Euch gerne einen von denen vorstellen. Für mehr als einen habe ich sowieso keine Zeit", gab sie mit anzüglichem Augenbrauengewackel von sich und stupste die Andere vielsagend in die Seite.