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We’re no thieves. - Aurelia Marsili - 21-07-2024 We’re no thieves
We’re just really good at acquiring things that aren’t ours.
![]() Hier saß sie also auf dem Marktplatz in der Nähe der Kathedrale, den Kopfschmerzen zum Trotz, die sie weniger wie sanfte Wellen und mehr wie die Holzräder eines Viehwagens an einen lustigen, chaotischen, desaströsen Abend erinnerten. Während sie ihre dunklen, heute etwas tiefer eingesunkenen Augen über die große Fläche schweifen ließ, konnte sie wenigstens mittlerweile behaupten, dass sie die Nacht nicht mehr bereute — nur den Morgen danach und den bitteren Beigeschmack, vermutlich einem Ehebruch beigesteuert zu haben. Natürlich hatte sie nicht nachgefragt und Händler Markus, an dessen Namen sie sich sogar wieder erinnern konnte, ließ sich besser nicht mehr in der Taverne sehen. Aurelias Blick blieb am Horizont kleben, den man von hier aus ganz wunderbar beobachten konnte. Sie saß auf der weiten, weißen Treppe und vorhin noch hatte sie sich für die 400 Stufen verflucht, die sie hatte nehmen müssen, um zu. Treffpunkt zu kommen, aber jetzt war sie ganz froh drum. Trotz der Mittagshitze wehte eine frische Meeresbrise über den Platz und machte die Sonne angenehm auf der nackten Haut ihrer Schultern. Nachdem sie zu Hause beim Fertigmachen fast wieder eingeschlafen war, hatte sie sich entschieden, nur das Minimum an Haarpflege zu betreiben und die schweren Locken mit einer Klammer dürfte nach oben zu stecken, dass ihr jetzt schon einige Strähnen in den Nacken fielen, aber das war in Ordnung. In der Taverne war es merkwürdig, aber nicht ungewöhnlich still gewesen, nachdem sie gestern alle Hände voll zutun gehabt hatten mit dem ganzen Zulauf, den King‘s Portal in den letzten Tagen hatte erfahren dürfen. Und wofür? Für die Hochzeit einer sommerländischen, stinkreichen Prinzessin mit dem Jüngeren der zwei Königssöhne. Für den Krieg. Für die Gerüchte, die sich um Drachensichtungen und Seegespenster drehten. Nur für die Kranken schien sich keiner zu interessieren, während sie die Straßenporen vollsiechten, war ja mal wieder typisch. Dass Aurelia sich von ihren eigenen Gedanken hatte ablenken lassen, würde sie stark abstreiten, aber es ließ sie leider nicht leugnen, dass sie ihre Verabredung erst bemerkte, als diese sich neben sie setzte. Ein kurzer Blick in Richtung der Bewegung schien sie nichtmal zu registrieren, dafür zuckte sie umso heftiger zusammen, als die Information endlich bis zu ihrem Gehirn durchdrang. „Heofader, musst du dich immer so anschleichen??“, legte sie ihre Hand ergriffen über ihr Herz. Auch wenn Aurelia heute nicht die Aufmerksamste war, Skadi hatte irgendwas an sich, das sie in der Menge verschwinden ließ — wenn sie denn wollte. Dass ihre Freundin heute wieder aussah, als hätte sie in Heiliger Milch gebadet, während Aurelia frisch aus einem Pferdeheuhaufen gekrochen kam, ließ sie kurz missmutig mit der Nase wackeln. Dann übernahm doch die Vorfreude Überhand, sie heute überhaupt zu sehen, und auf Aurelias Lippen breitete sich ein Lächeln aus. „Morgen.“ Genau genommen war es Mittag, aber in Tavernen-Zeitrechnung war es eigentlich gerade erst Zeit zum Aufstehen. Das konnte man wunderbar mit einem ersten Kaffee feiern, den Aurelia sich vorher frisch am Marktplatz hatte aufgießen lassen und den dampfenden Tonbecher jetzt zufrieden in der Hand hielt. „Willst du auch? Ich kann’s echt kaum glauben, dass Matariyya so lange an diesen verdammten Zauberbohnen festgehalten hat. Fantastische Magie ist das. Besser als Wein, und definitiv besser als Sex.“ RE: We’re no thieves. - Skadi Lykgaard - 27-07-2024 Skadi war schlecht gelaunt. Ein Zustand, der sich nicht oft einstellte, denn Skadi war meist alles recht gleichgültig, also so allgemein. Natürlich gab es auch Dinge, Umstände oder Menschen, die ihr nicht egal waren, aber so ganz generell gesprochen kümmerte sich Skadi wenig um Sorgen oder Ängste. Sie lebte im Hier und Jetzt und da konnte man alles irgendwie ins Positive verdrehen. Sich über was zu ärgern oder etwas nachzutragen, das lag ihr einfach nicht, das war zu anstrengend, energiefressend und außerdem ohnehin nicht sehr zweckdienlich. Aber….. ABER!!! Diese elendigliche Krankheit, nein Seuche, die in den letzten Wochen durch Castandor und vor allem King’s Portal gekrochen war wie ein pestilenter Schleim, der ging ihr so richtig auf den nicht vorhandenen Sack. Sie war pissig und sauer, weil das einfach eine Situation war, die sie nicht einfach hatte abschütteln können und die ihr richtig quergeschossen hatte, ohne dass sie etwas dagegen machen konnte. Erst war sie selbst darnieder gelegen mit Fieber und Husten, so heftig, dass sie dachte, bald müsste sie sich von ihrer Lunge trennen. Und mal ehrlich, in einem Bordell waren nun nicht unbedingt die fürsorglichsten Charaktere der Welt versammelt, ganz im Gegenteil, da war man eher sich selbst überlassen und durfte nicht unbedingt auf die Pflege der anderen vertrauen. Natürlich fegte die Seuche durch das ganze Freudenhaus, sodass man schließlich vollkommen die Pforten geschlossen hatte und sich in Quarantäne begab. Und kaum war die Lustdienerin wieder halbwegs auf den Beinen – ganz gesund fühlte sie sich immer noch nicht – kam folgerichtig der nächste Rückschlag, dass die Kundschaft ausblieb. Wenn es nur um die dickbäuchigen und schwabbelschwänzigen Freier ginge, wäre es ja Skadi noch irgendwie egal gewesen, wobei es doch im Geldbeutel schmerzhaft offensichtlich wurde. Skadi war nie eine gewesen, die das Geld zum Fenster rauswarf. Sie gab es aus, wie es notwendig war, aber sie legte auch nie großartig etwas auf die Seite ‚für schlechte Zeiten‘ oder ‚eine bessere Zukunft‘. So ein sentimentaler Blödsinn. Allmählich aber wurden die Münzen immer knapper, denn selbst bis heute hatten sich die Kunden nicht in ihrer Regelmäßigkeit wieder eingestellt. Das Schlimmste aber, wirklich das Furchtbarste überhaupt, war das Fernbleiben von ihrem Liebsten, Belisarius. Wohl hatte ihn die Seuche auch erwischt und sie konnte nur hoffen, dass es ihm wieder gut ging. Am liebsten wäre sie ja zu ihm geeilt, auf flinkem Fuße, hätte sich um ihn gesorgt. Aber das war ihr ja nicht möglich, das wäre zu auffällig. Also musste sie abwarten. Und Geduld war nun wirklich nicht Skadis Stärke. Gar nicht. Abwechslung war daher dringend gesucht und da war ihr ein Treffen mit der geschwätzigen Wirtstochter nur allzu recht. Abgesehen davon, dass es mit Aurelia nie langweilig wurde, war es auch ein Leichtes bei ihr an Information zu kommen, denn die gute quasselte ohne Punkt und Komma. Oftmals wusste sie vermutlich nicht einmal, dass da ganz nebenbei durchaus das eine oder andere interessante Detail darunter war. Da musste Skadi nichts anderes tun und die Ohren spitzen, damit sie zwischen all dem Klatsch und Tratsch eben das Wichtige heraus filtern konnte. Egal, es war einfach gut ein wenig herauszukommen aus dem ewigen Trott des Bordells und auf dem Forum Leute zu beobachten. Sonst hätte sie alsbald das Gefühl vollkommen zu verstumpfen. “Grüß dich, Aurelia!“ tippte sie die junge Marsili auf die Schulter und grinste, als diese vor Schreck erstarrte. Na wenigstens ihre leichtfüßige Art hatte sie nicht verlernt. Mit einem tiefen Seufzen setze sie sich neben Aurelia auf die strahlend weißen Stufen, die so hell waren, dass es fast in den Augen weh tat. Die Brise tat gut, aber dennoch musste Skadi erneut husten. Auch ihr war die Ankunft mühvoller als sonst. Immer noch wirkte sie etwas müder und kraftloser, schneller außer Atem. Sie konnte nur hoffen, dass diese Nachwirkungen bald vorbei gingen, denn es war nicht wirklich sehr lustvoll während des Liebesspiels zu keuchen wie ein Wal. “Mahlzeit. Na so leise war ich auch nicht. Mir scheint eher, deine Gedanken sind ganz woanders. Also, sag, was beschäftigt dich?“ kam Skadi gleich direkt auf den Punkt. “Findest du?“ lüpfte Skadi skeptisch die Braue. Sie konnte dem bitteren Gebräu nichts abgewinnen. Da blieb sie doch lieber bei erfrischendem Tee mit herbem Honig. Auch weil es etwas war, das sie mit Belisarius teilen konnte. “Ich weiß nicht, ich mag den Geruch nicht und außerdem ist der Geschmack auch nicht meins. Wie kannst du das nur bei der Hitze trinken?“ winkte sie ab und rümpfte leicht die Nase. Sogleich ließ sie den Blick nach Alternativen schweifen. “Wart mal ich hol mir auch mal was.“ hüpfte sie wieder hoch und eilte zu einem fahrbaren Stand, an dem ein junger Bursch irgendwelche kühlen Getränke verkaufte. Zwischen all den Menschen verschmolz Skadi wirklich sehr leicht mit der Menge. Heute hatte sie sich nämlich nur für einen einfachen, weißen Peplos entschieden, den sie mit einem bunten, gewebten Band gegürtet hatte. Eine Mode wie viele, unauffällig und schlicht. Schnell hatte sie, was sie wollte, und das noch billiger als verlangt. Es war manchmal auch wirklich zu einfach, mit ein bisschen Wimpergeklimper Männer um den Finger zu wickeln. Schnell huschte sie wieder zu Aurelia zurück und setzte sich. “Ah, das ist mir lieber.“ rührte sie in einem Becher mit einem verwässerten Joghurtgetränk verfeinert mit Minze und Zitrone. “Das Gesöff da darf sich Matariyya gern behalten. Und wenn du es für besser als Sex hältst, tust du mir wirklich leid.“ grinste sie und knuffte Aurelia mit dem Ellenbogen in die Seite. “Ich trau mich da ja gar nicht zu fragen, mit welchen Amateuren du da ins Bett gehst.“ Denn dass Aurelia keine anständige Jungfrau mehr war, das war kein Geheimnis. RE: We’re no thieves. - Aurelia Marsili - 10-08-2024 ![]() “Was Kühles macht nur Kopfschmerzen”, zuckte sie mit den Schultern und wandte den zusammengekniffenen Blick über die hellen Stufen, bevor sie diese Idee als unsagbar dumm einstufte, denn jetzt pochte der Schmerz vehement gegen ihre Stirn und strafte sie im besten Fall eine Lügnerin, im schlechtesten Fall einen EInfaltspinsel. Demonstrativ hob sie den dampfenden Tonbecher an ihre Lippen und ließ sich von dem Gebräu nicht nur den Blick, sondern auch den Schmerz vernebeln. “Wenn die im Sommerland sowas täglich trinken können, bei deren Hitze, dann kann ich das auch.” Es hatte weniger damit zutun, dass sie irgendwie mit diesen Fremden mithalten oder sich vergleichen wollte, sondern eher, dass der Kaffee sie weckte, dass er sie aus der Trägheit zwang, in den sie sich gestern hinein getrunken hatte. Mit einer wegwischenden Handbewegung und einem “Jaja” ließ sie ihre Freundin ziehen und nutzte die Gelegenheit, um ein wenig ihre schweren Lider zu schließen. Hm, ja, eine gute Idee. Einmal konnte sie sich auf die Geräuschkulisse in ihrem Umfeld konzentrieren, auf die Schritte neben und unter ihr, auf den kleinen Jungen, der seine Mutter nach irgendeiner Süßigkeit vom Markt fragte, und deswegen war sie dieses Mal auch nicht wieder überrascht, als sie das Rascheln von Skadis Kleid neben sich hörte und sich fast einbildete, ihre Präsenz neben sich zu spüren. Wenns sonst nichts weiter war, du Hexe. Neugierig lugte Aurelia rüber und beugte sich schließlich in Richtung ihrer Freundin, um einen Blick auf das Joghurtgetränk zu werfen. Alleine der Anblick ließ ihren Magen schon gefährlich rumoren, und da war es wieder, dieses angesäuerte Naserümpfen. Aurelia meinte das wirklich nicht böse, echt nicht. “Bah ehrlich, ein Schluck davon und ich zeig dir vor deinen Füßen, was ich gestern alles getrunken hab.” Was, wenn man Aurelia kannte, von Wein über sommerländischen Anis bis zu getreu winterländischem Schnaps reichen konnte in einer ungesunden, sicher nicht sehr zukunftsbestärkenden Mischung. “An Wein kann ich mich gestern noch erinnern, und ein klitzekleiner Schnaps”, hob sie ihre Stimme und deutete die viel zu kleine Menge zwischen Zeigefinger und Daumen an. “Und du würdest staunen, wenn du wüsstest, auf wen man am Hafen alles trifft. Alle Arten von Menschen, wirklich. Aber ich suche mir natürlich nur die aus, die nicht lautstark damit brüsken müssen, was sie alles schon für Abenteuer erlebt haben.” Wieder zuckte sie die Schultern und dieses Mal schnörkelte sich ihr Mundwinkel sogar zu einem kleinen Schmunzeln. “Die wenigsten davon sind Amateure. Ich weiß nicht, vielleicht hab ich ein Händchen dafür, die Diamanten unter ihnen zu finden.” Etwas, das Skadi nicht von sich behaupten konnte, aber darin konnten sich die beiden Frauen auch nicht vergleichen, wenn auch in so vielen anderen Bereichen. Aurelia suchte sich ihre Partner für die Nacht aus; Skadi wurde ausgesucht. Auch wenn man sie beide in unterschiedlichen Währungen bezahlte, war da immer die Tür, die Aurelia zuschlagen konnte, wenn sie sich umentschied. So engeengt sie sich in dieser miesen, wuchtigen Stadt auch fühlte, das war eine Freiheit, die sie sich selbst aufgebaut hatte und auch nicht nehmen ließ. “Der von heute Nacht zum Beispiel? Wie ein jung reifender Wein, frisch und angenehm auf der Zunge. Nur der Nachgeschmack ist etwas bitter.” Der beschämende Gang nach Hause, die Erinnerungslücken, der Ehebruch - alles das Gleiche, die das Erlebte zu etwas Einmaligem machten. Einmal angebissen und weggelegt. Aurelia war nicht traurig drum, sie konnte sich an keine besondere Bindung mit Markus erinnern, außer an den erstaunlich synchronen, etwas tollpatschigen, aber erheiternden Einklang ihrer Körper. Emotionen rührten sich jedenfalls nicht, wenn man davon absah, dass sie während ihrer Erzählungen doch langsam von Toten erwacht war. “Und du?”, wandte sie Skadi ihren Blick amüsiert zu, mit einer Hand ihrer Augen vor der Sonne abschirmend. “Was ist deine Quote von Amateuren?” RE: We’re no thieves. - Skadi Lykgaard - 29-08-2024 Skadi musste schmunzeln, als das vorwitzige Wackeln von Aurelias Nase sich kaum noch verbergen ließ. Fast wollte sie gleich nochmal husten, einzig und allein um Aurelia ein wenig zu necken, die von den Überresten der Seuche nicht ganz so begeistert war. Aber Skadi rollte lieber überaus theatralisch mit den Augen und seufzte tief durch. “Na geh, gar nicht!“ stubste sie die Wirtstochter mit dem Ellenbogen an, ehe sie einen Schluck von ihrem erfrischenden Joghurtgetränk tat. “Ich bin kerngesund und fühl mich pudelwohl. Sag nicht, an dir ist diese elende Seuche spurlos vorüber gegangen?“ lüpfte Skadi erstaunt die Brauen. Das würde sie wirklich ganz gehörig wundern, schließlich war auch Aurelia dauernd und immer von allerlei Leuten umgeben, die sich im Schankraum drängten und sicherlich nicht sonderlich auf Hustenhygiene achteten. Abgesehen davon trieb sich die junge Marsili bekannterweise auch gern in Bereichen der Stadt herumtrieb, die auch nicht gerade blitzblank sauber glänzten. Ganz im Gegenteil, gerade in dem von ihr so bevorzugten Hafenviertel floss der Dreck zusammen, sowohl in menschlicher Gestalt wie auch in wörtlichem Sinne. “Du hast ja keine Ahnung.“ kicherte Skadi in dem fröhlichen Streitgespräch um die Vorzüge von Kaffee oder Ayran. Das kecke Geplänkel zwischen den beiden jungen Frauen war kaum von Belang und zeugte nur von einer recht guten Laune, nicht unbedingt von einer zwieträchtigen Stimmung zwischen den beiden. “Was Heißes lässt dir nur den Schweiß auf die Stirn treiben. Und es ist wahrlich schon heiß genug hier draußen, da brauch ich es nicht auch noch heiß hier drin.“ tippte sich die junge Freudenspenderin gegen ihren Bauch, dort wo der Magen ungefähr lag. “Im Sommerland ist die Hitze anders, trockener. Hier in Castandor ist es viel schwüler und schwitziger. Das kannst du doch gar nicht vergleichen. Außerdem haben die in Matariyya ja kaum Wasser, das wirklich trinkbar wäre, daher müssen sie es abkochen, sonst hätten sie dauernd Durchfall.“ nickte Skadi klugscheißerisch. Ein Teil der Aussage dürfte sicherlich stimmen, den Rest hatte sie sich zusammengereimt und aus den Fingern gezogen, wohlverknüpft aus Informationen, die ihr so mancher sommerländischer Freier über seine Heimat erzählt hatte, während sie eifrig dabei war, im Lust zu bereiten. “Du lernst auch nichts dazu, Aurelia! Mittlerweile solltest du doch wissen, wieviel Alkohol dir gut tut und ab wann es dann einfach gräßlich ist am nächsten Tag aufzuwachen. Mir geht der schwere Kopf und flaue Magen wirklich nicht ab.“ streckte sich Skadi bequem auf den grellweißen Stufen aus, deren Steinbelag trotz der Hitze angenehm kühl war. Die Ellenbogen auf eine Stiege hinter sich gestützt, lehnte sie den Kopf in den Nacken und lließ sich die warmen Sonnenstrahlen auf die Nase scheinen. Allmählich wurde es ruhiger auf dem Markt. Kein Wunder, längst war die Zeit der Mittagsruhe angebrochen und die unerbittliche Mittagssonne brannte beißend auf den Platz hinab. Wer konnte, schloß die Läden und zog sich in die schattigen Innenräume zurück. Bunte Holzläden waren längst vor die großen Fenster geschwungen, um die gleißende Hitze aus den Zimmern zu verbannen. Selbst die streunenden Katzen versteckten sich in den Schatten der engen Gassen, die von der Weite des Forums abgingen. “Klitzeklein, jaja, natürlich“ schurrte Skadi amüsiert auf und schielte auf die sicherlich vollkommen falsche Mengenangabe von Aurelias Fingern. Schnaps war ein ekelhaftes und hundsgemeines Getränk, das mehr Übel als Freude brachte. “Achso?“ spitze Skadi die Ohren und tat einmal so, als hätte sie keine Ahnung, wer so beim Hafen rumlungerte. “Natürlich sind das keine Amateure, die haben sicherlich in jeder Hafentaverne ein Schätzchen, das ganz sehnsüchtig auf sie wartet.“ neckte sie die Freundin erneut und war doch wie immer recht verwundert, dass Aurelia noch keine Folgeerscheinungen ihrer unbedachten Abenteuer aufzeigte. Weder ungewollte Schwangerschaften noch lästige Geschlechtskrankheiten, die man sich bei solch kopflosen Begegnungen nur allzugern einfangen konnte. Eben weil sich alle Arten von Menschen dort aufhielten. “Erzähl, wer war denn der Glückliche letzte Nacht?“ versuchte sie Aurelia noch ein paar Einzelheiten zu entlocken. “Und womit hat er dich denn überzeugen können, dass er kein Amateur ist?“ vorsichtig anfangen, unauffällig, und dann zusehen, ob nicht doch ein paar interessante Fetzen dabei rauskämen. “Ich? Pah!“ lüpfte Skadi erst keck eine Braue, ehe sie das Gesicht wieder zur Sonne lenkte und die Augen schloß. “Amateure können sich mich nicht leisten.“ zumindest bedingt wahr. Natürlich lag es nur am Geld, nicht an der sexuellen Erfahrung, ob ein Freier den Weg in ihr Bett fand, aber meist waren es doch die älteren, mehr oder weniger erfahrenen Männer, die ihre Geschicke zu schätzen wussten, nicht die unbedarften Jünglinge, die keine Ahnung von Tuten und Blasen hatten. RE: We’re no thieves. - Aurelia Marsili - 22-09-2024 ![]() „Du klingst wie Mutter. Vielleicht will ich ja gar nicht dazulernen, sondern Spaß haben.“ Aurelia zuckte mit den Schultern. Sicher versuchte sie nicht mehr, es jedem recht zu machen, geschweige denn irgendeine Art von Logik in ihre Entscheidungen zu bringen. Wenn man es so sagen wollte, dann dachte sie meistens überhaupt nicht nach. Der eine Schluck Wein war eine spontane Laune heraus, dann wurde sie dort von einem Gast eingeladen, hier hatte sie Spaß, sich auf ein Wetttrinken einzulassen. Wenn man es so wollte, dann war die Wirtstochter der Inbegriff von Jetzt leben, nicht an die Zukunft denken. Wenn man sich nicht mit Visionen und Plänen befasste, wirkte das Hier und Jetzt umso realer. Greifbarer gar. Mit allen positiven und negativen Auswirkungen. Aurelia kräuselte ihre Nase, bevor sie etwas näher an ihre Freundin heran rückte und sich ihr entgegen lehnte. „Kennst du Händler Markus?“, senkte sie ihre Stimme und sah Skadi erwartungsvoll an, als würde sie sich erhoffen, bei ihr auf wissende Ohren zu stoßen. „Campos, nein… Markus Demopoulos.“ Aha, ihr Gedächtnis ließ sie also doch nicht im Stich. Solche Gedächtnislücken waren eben doch nur temporär, sie kannte sie doch — es kam ganz drauf an, wer sie fragte. „Er wohnt an der Grenze zum Bankviertel. Ich wusste nicht, dass er auch im Hafen verkehrt, bis ich ihn gestern bei uns gesehen habe. Vermutlich war er auf Reisen und ist dann bei uns eingekehrt.“ Jetzt, wo sie etwas hatte, worauf sie sich konzentrieren konnte, schienen ihre Kopfschmerzen kaum noch präsent. Oft genug sprudelten Informationen aus Aurelia heraus wie ein Wasserfall, den sie kaum halten konnte — schon gar nicht, wenn sie mit einer Freundin den letzten Tratsch austauschte. „Er ist nicht älter als 35 und erstaunlich gut gebaut für einen Händler. Vielleicht war er früher ein Söldner, oder — er hat sich über die Hitze beschwert, meinst du, er hat im Winterland gelebt?“ Obwohl die Stimme der Wirtstochter nur ein Raunen war, geübt im Umgang mit sensiblen Informationen, merkte man ihr an, wie sie sich von ihren eigenen Ideen mitreißen ließ. Genauso leicht sah man ihr auch an, wie eine Erinnerung über ihr Gesicht flog und die Aufregung eindämmte. Nachdem sie einmal tief die Luft einzog, richtete sie sich wieder etwas auf, von Skadi weg, und klemmte sich einzelne Strähnen hinters Ohr. „Na ja, vielleicht. Ich dachte, ich hätte heute ein Kind gehört, als ich abgehauen bin, aber vielleicht war das gar nicht sein Kind…“ Das würde auf jeden Fall den kleinen Knoten in ihrer Brust lösen. Nach dem Treffen hier würde sie noch eigene Nachforschungen anstellen, so viel sei sicher. Aurelia tat es ihrer Freundin gleich und lüpfte selbst eine Braue aus offensichtlichem Unglauben, dann löste sich ihr bisher recht zerknautschter Gesichtsausdruck aber doch und wich einem schiefen Lächeln. „Hör doch auf, Skadi. Wir wissen beide, dass die größten Amateure die dicksten Hosen haben“, beugte sie sich entgegen der Schwarzhaarigen nach vorne, wobei sich ein paar Haarsträhnen aus der Klammer lösten und über ihre nackte Schulter fielen. Das Lächeln wärmte sich zu einem kecken Grinsen, während sie hoffte, eine Reaktion von ihrer Nebensitzerin zu erhaschen. „Sie wollen doch, dass man ihr Ego bestärkt, deswegen sind sie auch bereit, dafür zu zahlen.“ In Geld oder einer anderen Währung. Es gab ganz unterschiedliche Methoden, wie man von den dicken Hosen profitieren konnte, wenn das Können der Freier schon zu wünschen übrig ließ. RE: We’re no thieves. - Skadi Lykgaard - 03-10-2024 Skadi musste wirklich kichern, was nicht oft vorkam, dass sie eine ehrliche, ernstgemeinte Gefühlsregung zuließ und sich nicht hinter einer wohl geschliffenen Fassade versteckte. Ach, Aurelia war schon ein herrliches Gegenüber, frech und temperamentvoll, nicht verschreckt ihre Meinung einfach offen kundzutun und mit ihren recht offenherzigen Erlebnissen unverblümt anzugeben. Das war herzhaft erfrischend! Und außerdem war sie noch dazu verdammt hübsch anzusehen, das konnte selbst die Liebesdienerin ohne Bedenken zugeben. Tiefenentspannt nippte Skadi an ihrem Joghurtgetränk und ließ sich die Sonne auf die Nase scheinen. Noch wollte sie die Wärme in sich aufsaugen, bevor sie auf Belisarius Befehl in den Norden musste. Die Kälte und Düsternis dort vermisste sie sicherlich nicht, wenn man einmal im Glanz der Hauptstadt gelebt hat. Sie bevorzugte doch die leichten, dünnen, fließenden Stoffe und wollte ihren Körper eigentlich nicht wieder hinter schwerem Tuch und dicken Fellen verstecken. Aber nunja, es war ein Abenteuer und ein wenig Abwechslung würde ihr sicherlich guttun. Nein, mehr noch, es juckte sie schon in den Zehenspitzen, endlich ein Szenenwechsel, endlich was Neues, endlich wieder Nervenkitzel. Die lockeren Gespräche mit Aurelia würden ihr dennoch fehlen. “Hast du mich schon mal angeschaut, meine Liebe?“ verwies Skadi mit ausladender Geste auf ihre gebräunte Haut. “Das hier kommt nicht nur von der castandorischen Sonne allein. Natürlich war ich schon mal im Sommerland, ich hab dort Familie!“ und das war nicht einmal ganz gelogen. Aber wahr war es natürlich auch nicht völlig. Das musste Aurelia aber nicht wissen. “Aber ich sag dir, du hast nichts verpasst. Nur Sand und Sonne und stinkige Elephanten.“ winkte sie beiläufig ab. Das war auch eine Kunst, wissend zu wirken, ohne wirklich was zu sagen. Man musste nur das richtige Maß an Details verwenden und gleichzeitig möglichst vage sein. So konnte man nicht in einem Netz aus Widersprüchen gefangen werden. “Sollen wir ein wenig in den Schatten?“ blinzelte sie zu ihrer Freundin hin, die doch ein wenig zu schwitzen begann. “Zur Mittagshitze brauchen wir jetzt nicht aus lauter Trotz hier herumsitzen. Wir können auch rüber in den Park, dort ist es sicherlich ein wenig kühler.“ In King’s Portal gab es quasi mehr oder weniger um jede Ecke in Gehweite eine herrliche Grünfläche mit ruhigen Wegen, gemütlichen Bänken, schattenspendenden Bäumen, duftigen Blumen und leise plätschernden Wasserläufen. Und die meisten davon waren sogar für die allgemeine Bevölkerung zur Erholung geöffnet. Auch das würde sie in den Nordlanden nirgendwo finden. Ein großer Schluck, dann war das Getränk auch schon leer. Hm, jetzt hätte sie fast noch Durst nach Wasser oder stark verwässerten Sommerwein. “Na auf mich hörst du genauso viel wie auf deine Mutter. Die redet sich an dir sicherlich den Mund wund.“ neckte Skadi weiter und überlegte gleichzeitig, ob nicht doch noch wo eine Taverne offen hätte. “Gegen Spaß ist ja nichts einzuwenden, solang man sich der Konsequenzen bewusst ist.“ zuckte sie die Schulter und spielte mit dem Becher in ihrer Hand. Als Aurelia an sie heran rutschte, wurde sie aus ihren Gedanken geholt, die ohnehin gerade nur im Narrenkasten herumtanzten. Mit keckem Schalk in den Augen lauschte sie Aurelias Ausführungen des Bettpartners. Natürlich kannte sie den Händlersohn. Ein schmuckes Kerlchen, dennoch wollte sie Aurelia ein wenig ärgern. “Hmmm… Ich kenn nur seinen Vater, aber wenn er nur ein wenig von ihm geerbt hat….“ raunte Skadi und wackelte eindeutig zweideutig mit den Augenbrauen. “Wer verkehrt denn nicht im Hafenviertel? Jeder will doch mal ein wenig ausgelassenes Rambazamba!“ kommentierte sie Aurelia immer wieder zwischendurch. “Schon 35? Also sein Vater wirkt nicht älter als 50, der hat sich wirklich gut gehalten, kann ich dir nur sagen.“ tat sie ein wenig verträumt. Wobei, das war nicht einmal gelogen diesmal. Leontes Demopoulos hatte sie wirklich einige Male besucht und gar ordentlich dafür bezahlt. Und es waren nicht einmal ganz so unbefriedigende Nächte wie mit manch andrem übereifrigen und unterfähigen Freier. “Also so heiß wie es manchmal ist, ist er sicherlich nicht der einzige, der sich über die Hitze beschwert. Da muss er nicht gleich in den Winterlanden gewesen sein.“ Dennoch lauschte Skadi ganz aufmerksam und überlegte ganz kurz, ob sie sich den jungen Mann einmal genauer ansehen sollte. Wenn sie selbst in die Winterlande musste, wäre es vielleicht gut einmal nachzufragen. Vielleicht hatte er ja ein paar aktuellere Informationen über die Zustände in Norsteading. “AURELIA!“ zog Skadi scharf den Atem ein und tat ganz furchtbar entsetzt. “Also du wirst dich doch nicht mit einem verheirateten Mann einlassen. Oder, gut, verheiratet darf er sein, aber mit … Kind? Das ist nochmal eine ganz andere Sache!“ und dann schüttelte sie mit einem tststststs auf den Lippen den Kopf. “Aber ich darf dir versichern. Er ist nicht verheiratet. Das Kind gehört zu seiner Schwester, die ist erst vor kurzem wieder Mutter geworden.“ zwinkerte sie Aurelia zu. Ist doch gut, wenn man sich mal mit dem Vater unterhält. “Schon, aber nur weil sie vorn dicke Hosen haben, heißt dass nicht, dass ihre Taschen prall genug gefüllt sind.“ seufzte Skadi auf. Allmählich nervte sie die Sonne. Sie wollte sich keine rote Nase holen, die sich dann wieder unhübsch abschälte. “Und ich hab schon genug zu tun etwas anderes von ihnen zu bestärkten, da hab ich keine Zeit mich noch dazu um ihr Ego zu kümmern.“ während Aurelia ihre Haare löste, lüpfte Skadi den hinteren Überschlag ihres Peplos, legte ihn sich über den Kopf und zupfte ihn so weit vor, dass er ihre Nase mit sachtem Schatten beschützte. Irgendwie war sie immer noch unschlüssig, ob sie Aurelia davon erzählen sollte, dass sie nach der königlichen Hochzeit nicht mehr in Castandor sein würde für einige Zeit. Die neugierige Nase würde vermutlich alle Details wissen wollen, die sie natürlich nicht verraten durfte. Würde sie der Wirtstochter denn überhaupt abgehen, wenn sie sich nicht mehr sehen sollten? Ein leichter Hauch von Schwermut huschte über Skadis Gesicht, war aber so schnell wieder verschwunden, wie er gekommen war. RE: We’re no thieves. - Aurelia Marsili - 17-11-2024 ![]() “Ja, gute Idee, gehen wir in den Park. Gleich.” Wer war überhaupt auf die Idee gekommen, sich in der Mittagshitze beim Forum zu treffen, hä? Noch einen Moment länger verbannte sie sich und ihre Freundin in die Sonne, weil ihr die Geschichte auf der Zuge brannte. Es tat gut, einen Faden zu verfolgen, der wieder Leben in die müden Augen brachte und selbst die Kopfschmerzen in den Hintergrund drängte. Skadis Kommentare halfen ebenso wie der Kaffee, Aurelia mit einem frischen Glanz zu füllen und ihre Lippen zu einem kecken, wissenden Grinsen zu verziehen. Als hätten sie beide mit derselben Person geschlafen, nur eine Generation voneinander entfernt - die Sommerländerin verstand sie und wusste genau, wie sie die Stimme ihrer Freundin mit pikierten Ausrufen und Interesse für Klatsch füttern musste. “Soll ich ihm das etwa von der Nasenspitze ablesen, dass er Kinder hat? Die steckt man sich ja nicht an den Finger wie nen Ring, und den hat er gestern auch nicht angezogen.” Ihre Aufgebrachtheit war nicht gespielt, aber trotzdem nur halb so ernst zu nehmen. Es war ein Abenteuer, sich auf einen verheirateten Mann einzulassen, und Aurelia konnte nicht behaupten, vor genau so einem Abenteuer zurückzuschrecken, wenn man ihr Avancen machte. Männer mit Kindern hingegen waren ein eigenes Kaliber und eigentlich war sie vorsichtig genug, um wenigstens nach Familie zu fragen; man merkte ihr deutlich in ihren sinkenden Schultern und dem kleinen erleichterten Seufzer an, dass Skadi gerade einen Knoten in ihr löste, der seit diesem Morgen eklig in ihrer Brust gesessen hatte. “Seine Schwester. Gut. Das ist wirklich gut.” Und weil sie nicht anders konnte, fügte sie noch hinzu: “Nicht, dass ich geblieben wär, um die Ähnlichkeit von Kind und Vater zu überprüfen.” Schulterzuckend schob sie ihre Unterlippe vor als Antwort darauf, dass Skadi keine Zeit und Ressourcen hätte, sich auch noch um das Ego ihrer Freier zu kümmern. “Fair. Dafür sollten sie mindestens extra zahlen.” Es brauchte einen Moment, bis Aurelia die Ungemütlichkeit der Schwarzhaarigen verstand, was ihre Aufmerksamkeit gleich wieder auf die Stärke der Sonne fokussierte. Leichtfüßiger, als sie sich fühlte, richtete sie sich auf und machte sich keine Mühe, den Stoff zurecht zu zupfen, da er in wenigen Schritten genau richtig der Schwerkraft über ihre Rundungen folgen würde. “Lass uns hinters Forum gehen.” Mit einem Nicken ihres Kinns deutete sie die Treppen nach oben an dem großen Gebäude vorbei, wo sie wusste, dass dort wenige Olivenbäume Schatten spendeten. Zumindest eines konnte man King’s Portal lassen: Man gab sich tatsächlich Mühe, die Stadt lebbar zu machen. Den Kopf beim Steigen der Treppenstufen einmal von der einen zur anderen Seite rollend, merkte sie, wie sich die morgendlichen Verspannungen langsam lösten, auch die Kopfschmerzen waren nicht mehr zu präsent. “Ich bin froh, dich heute zu sehen. Weiß nicht, ob ich sonst heute nochmal aus meinem Bett gekrochen wäre.” Sie konnten die unausgesprochene Frage beide mit einem Nein beantworten, so gut, wie sie die Wirtstochter kannten (Skadi vielleicht sogar besser als Aurelia selbst). “Was hab ich bei dir verpasst? Irgendwas Neues?” Jetzt, wo sie sich ihr Drama vom Herz geredet hatte, war sie auch endlich bereit, zuzuhören. Das konnte Aurelia immerhin genauso gut wie reden; manchmal sogar besser, als man ihr zugestehen wollte. RE: We’re no thieves. - Skadi Lykgaard - 10-12-2024 Ach, wie neugierig konnte Aurelia sein! Das mochte Skadi irgendwie, denn es zeugte doch eigentlich davon, dass sich die Freundin nicht nur für die Erfüllung ihrer eigenen, fleischlichen Genüsse interessierte, wenn auch sicherlich vorwiegend, aber eben nicht nur. Skadi konnte sich fast vorstellen, wie zu Hause bei Marsilis die Eltern das junge Mädchen tadelten, weil es – so vermutete sie einfach mal – sich Aurelia wahrscheinlich gar nicht so sehr um die Taverne kümmerte, wie es die Eltern wohl gern hätten. Skadi musste sich fest anstrengen den eingehend prüfenden Blick der Freundin nicht einfach mit einem schallenden Lachen zu quittieren. Wenn sie sich noch mehr anstrengte, würde das hübsche Köpfchen etwa noch bersten wie eine Seifenblase! Das wäre wirklich viel zu schade! Was täten dann die lüsternen Hafenarbeiter? Das konnte man ihnen doch nicht antun! Als sich das Thema aber dann mit möglichen Reisen beschäftigte, erfasste Skadi doch ein wenig Wehmut. Sollte sie oder sollte sie nicht? Unschlüssig presste sie die Lippen fest zusammen, haderte mit sich und entschied sich dann doch sich auf die Zunge zu beißen und den Mund zu halten. Der fröhliche Augenblick musste nicht durch Neid und Abschied zerstört werden. Aurelia würde schon früh genug bemerken, dass ihre Freundin nicht mehr zu fassen war. “Warum denn gerade das Herbstland? Ich weiß nicht, irgendwie kommen mir die Leute dort immer so ein wenig rückständig und komisch vor. Die mit ihrer alten Religion, dauernd im Wald rumrennen und irgendwelchen Geistern huldigen. Also für mich ist das nichts. Dann lieber das Winterland, die sind wenigstens lustige Wilde! Wobei, dort ist es wirklich saukalt. Brrr!“ nungut, einen kleinen Hinweis könnte sie ja fallen lassen. “Ja, das Frühlingsland ist nun für die nächsten Monate, wenn nicht Jahre, wohl Sperrzone. Ich will es mir sicherlich nicht verscherzen und mich etwa auf die falsche Seite schlagen. Nein nein, was geht mich der Krieg an. Ich bleib dem lieber fern!“ Wenn Aurelia nur wüsste. Dankbar nahm Skadi den Ortswechsel an. Die gleißende Mittagssonne war mittlerweile wirklich kaum zu ertragen. Ach, Aurelia beschäftigte sich immer noch mit diesem… wie hieß er noch gleich? Skadi hatte den Namen längst wieder vergessen. “Na, erzähl mir jetzt nicht, dass du nicht geschickt zu fragen oder zu plaudern weißt, um an die wichtigsten Informationen zu kommen, ohne dass es auffällt! Ich glaub ja eher, dass du so gierig warst, dass es dich gar nicht interessiert hat. Gibs zu, du hast vermutlich kaum drei Worte mit ihm gewechselt, oder?“ grinste Skadi breit. “Und selbst wenn er einen Ring gehabt hätte, hättest du den knackigen Po wohl nicht von der Bettkante gestoßen, nicht wahr?“ Beruhigend legte Skadi der Freundin während des Gehens kurz einen Arm um die Schulter und drückte sie an sich. “Pass nur auf, dass nicht mal du mit Kindergeschrei gestraft wirst, meine Liebe, hm? ein Segen wäre eine ungewollte Schwangerschaft sicherlich nicht und eine Entfernung einer solchen wäre höchst riskant! “Du, bei mir gibt es nicht viel Neues, muss ich ehrlich sagen. Ich bin schon gespannt auf unsere neue Prinzessin. Aus dem Sommerland! Warum gerade von dort, keine Ahnung, aber bitte. Aber schon irgendwie komisch, dass sie zuerst Orpheus verheiraten und nicht den Kronprinzen. Dem tät eine Ehefrau gut tun, dann treibt er sich nicht so flatterhaft herum, wenn sie ihn an die Kandare nimmt! Wenn sich keine findet, ich nehm ihn gern und richt ihm die Wadeln gerade!“ lachte Skadi und behielt es lieber für sich, dass sich sogar schon Leandros in ihre Gemächer verirrt hatte. “Sag, gehen wir auf die Feierlichkeiten der Hochzeit? Allein geh ich nicht, aber wenn du mitkommst, täts mich freuen!“ stubste sie Aurelia in die Seite. Mittlerweile waren sie im Park angekommen. Skadi steuerte die erstbeste Bank im Schatten eines Baumes an und ließ sich erleichtert über die angenehme Kühle darauf nieder. “Da gibt es sicherlich genug ausgelassene Kerle, die erobert werden wollen!" wobei, ehrlich gesagt, hoffte Skadi nur darauf einen zu treffen. Belisarius. Und doch war sie sich ziemlich sicher, dass seine aufgaben ihm kaum ein Vergnügen abseits des Palastes erlauben würden. Ihm zufällig oder absichtlich auf der Straße über den Weg zu laufen war ein schöner, aber utopischer Gedanke. “Ich werd Madame Iulia schon beibringen, dass es sich wohl kaum lohnt im Bordell auf Freier zu warten. Die finden auch billigen Genuss anderswo. Und ich will nicht im Zimmer versauern." RE: We’re no thieves. - Aurelia Marsili - 11-01-2025 ![]() Manchmal war das so mit Freundinnen. Die eine fröhlich und beständig, die andere wechselseitiger und unbeständiger. Auch wenn die Wirtstochter gerne im Mittelpunkt stand, mussten ihr Leben und die damit verbundenen Entscheidungen doch nicht unbedingt immer auf die Waagschale gestellt werden, als befände sie sich im Zentrum eines Gerichtshofes. Zugegeben, von Anfang a war sie nicht unbedingt gut gelaunt in das Treffen gekommen und sie war es auch gewesen, die sich ihre Sorgen von der Seele hatte reden müssen, aber genug war genug. Umso aufmerksamer hörte sie Skadi zu, während sie über den heißen Stein auf die Schatten spendenden Bäume zuliefen. Durchaus registrierte sie, dass Skadi nicht wirklich von sich sprach, aber die Königsfamilie war immer genug Zündstoff für kurzfristigen Spaß, der ausnahmsweise nichts mit den eigenen Problemen zutun hatte. „Also wenn du mich fragst, sind beide Prinzen ansehnlich. Kommt wohl eher drauf a was du willst.“ Den Becher in der rechten Hand, hob sie ihre Linke, um eine Waage anzudeuten. „Mond, oder Sonne?“ Ihre Hände hielten sich auf gleicher Höhe. „Traubensaft oder Wein?“ Die rechte Hand mit dem Becher rutschte etwas tiefer. „Missionar oder von hinten?“ In ihren Blick trat ein verschmitztes Leuchten, während ihre linke Hand auf Kopfhöhe hielt. „Klein oder groß?“ Erwartungsvoll sah sie zu Skadi rüber, als könnte sie ihr eine Antwort auf ihre Frage geben — vielleicht auch, weil sie erwartete, den Kopf gewaschen zu bekommen. Jetzt, wo es nicht mehr um sie ging, fand sie langsam wieder ihre Lebendigkeit, die sich in einem zielsicheren Stritt, federnden Locken und dem Schelm in ihren Augen ausdrückte. „Am Hafen ist komplettes Chaos, weil die Prinzessin bald eintreffen soll. Alles kopflose Hühner, sogar die Wachen. Und seit Tagen gibt es kein anderes Thema mehr bei uns.“ Es war nicht unbedingt förderlich für eine junge, ledige Frau, ständig von Naila ben Sahids göttergleichen Schönheit zu hören (die übertrieben doch alle, pf), aber Aurelia hatte längst ihren eigenen Weg gefunden, damit umzugehen. „Die reden alle davon, was sie tun würden, wenn sie an der Stelle von Orpheus wären, aber ich sag dir. Wenn ich ihr nur einen Tropfen von dieser adeligen Prüde nehmen könnte.“ Aurelia malte einen imaginären Regenbogen mit ihren Händen in die Luft und ließ sich anstupsen, dabei nur etwas von Skadi wegtänzelnd, ehe sie wieder gegen ihre Schulter stieß. „Na hör mal, als ob ich mir die Feier entgehen lasse. Und wehe ich seh dich nicht beim Feuer!“ Getrieben von neuer Energie wirbelte sie auf die Bank nieder, überschlug ihre Beine unter dem Rock und stützte sich mit den Händen hinten ab. Ein zufriedenes Lächeln legte sich auf ihre Lippen, während sie Skadi von der Seite betrachtete, die doch tatsächlich ein wenig rot um die Nase glänzte. Ups. „Du kommst schon raus. Und wenn nicht, dann machen wir’s auf meine Art und ich werf dir ein Seil das Fenster hoch.“ Das war eben ganz Aurelia. Wenn man ihr einen Weg versperrte, dann suchte sie einen anderen, und es war vollkommen selbstverständlich, dass sie ihren Freunden den gleichen Weg anbot — gefährlich, rücksichtslos oder dumm, alles schon erlebt. Mit einem tiefen Atemzug füllte sie ihre Brust mit frischer, angenehm kühler Luft und legte ihren Kopf in den Nacken, die Augen für einen Moment geschlossen und das gedämpfte Treiben um sich genießend. Beschwerden, Flüche und unfaires Leben hin oder her, King‘s Portal würde sie immer ihr Zuhause nennen. Auch wenn es sie in die Ferne zog, in diesem verdammten Loch waren ihre Freunde, mit denen sie lachte, ihre Familie, die sie liebte, und — wie Skadi richtig erwähnte — zahlreiche Kerle, die noch erobert werden wollten. „Und welchen Kerl wünscht du dir am Feuer?“, fragte sie mit geschlossenen Augen und gab sich dem Wunsch hin, für einen Moment mit ihrer Freundin zu tagträumen. Denn wofür war solch ein freier Nachmittag gemacht, wenn nicht für ein wenig Realitätsferne zweier Frauen, die mehr redeten und wussten, als gesund für sie war. RE: We’re no thieves. - Skadi Lykgaard - 24-01-2025 Zu der Uhrzeit war kaum eine Seele auf den Straßen. Jeder halbwegs vernünftige Mensch versteckte sich im kühlen Inneren seiner Häuser, während die grelle Mittagssonne die Straßen erhitzte. Die beiden Freundinnen waren mit unter den wenigen Menschen, die sich noch im Freien aufhielten. Skadi kräuselte ein wenig die Augenbrauen, als Aurelia verstohlen antwortete. “Hoffentlich nicht die alte Vettel am unteren Ende der Via Clodia. Weißt schon, die gleich beim Hafen da neben dem Aquäduktbrunnen." runzelte Skadi nun wirklich besorgt die Stirn. “Wie heißt die noch, hilf mir mal..." drückte sie Aurelia ein wenig näher an sich. “Ich habs gleich, äh, Lucusta!" schnaubte Skadi verächtlich. Hoffentlich verriet sie sich nicht zu sehr, dass sie diese hinterlistige Alte selbst einmal in Anspruch genommen hatte. Ganz am Anfang, als sie in King's Portal mit Belisarius angekommen war. Ob das Kind von ihm gewesen war oder von einem ihrer ersten Freier, das wollte sie gar nicht wissen. “Die ist eine ganz furchtbare Person. Also das sagen die leichten Mädchen auf der Straße, die sich nichts besseres leisten können. Sag mir nur, dass du auf dich aufpasst und nicht leichtfertig zu so einer gehst. Ja?" doch da beutelte die Wirtstochter schon die liebevoll gemeinte Umarmung von ihren Schultern. “Und ich hab jetzt einfach überhört, dass du mich mit einer schiefhöckrigen Hexe vergleichst. Ich glaub ich spinn mit dir." rollte sie betont übertrieben mit den Augen, ehe sie Aurelia neckisch angrinste. “Und eins nur, meine Liebe, hast du schon mal DEIN Grinsen gesehen? Damit kann ich nicht mithalten." Vor allem nicht, wenn Aurelia wieder etwas gegen den Strich ging und die junge Frau mit ihrem Gegenüber so gar nicht zufrieden war. Endlich kamen sie schlendernd in dem kleinen Park an, in dem einige Bäume standen, darum herum gruppiert Blumen und Büsche und dazwischen Marmorbänke, die zum Verweilen einluden. Skadi schmunzelte und ließ sich die Fragen wirklich durch den Kopf gehen. Wen sie wollte, das wusste sie, doch den konnte sie nie haben. “Mond, Wein, von hinten und groß." Wobei, über die Stellung konnte man streiten oder zumindest lange diskutieren. Ehrlich gesagt kam das auch sehr auf die Situation, Laune und vor allem das Können des Mannes an. Außerdem, gerade bei der Frage war es doch meist kein 'entweder - oder' sondern ein 'sowohl - als auch'. “Und du? Jetzt bin ich neugierig. Aber nicht einfach nur das Gleiche nehmen wie ich. Und apropos... wer von den beiden Castellanos ist denn für dich Sonne und wer ist Mond?" Ganz ehrlich, das belanglose Geplänkel zur reinen Unterhaltung, ohne Hintergedanken oder Informationsbeschaffungsintention, war wirklich eine willkommene Abwechslung. Skadi wollte nicht an den Krieg denken oder daran, was ihr im Winterland bevorstand. Und schon gar nicht daran, dass sie Belisarius wohl so schnell nicht wieder sehen würde. Vielleicht auch niemals mehr. In Zeiten wie diesen, die von weltverändernden Umwälzungen geprägt waren, stand die Zukunft aller weit in den Sternen. Sie konnte nur hoffen, nein eher beten, dass Aurelia am Ende ohne größere Verletzungen, ob seelisch oder körperlich, davon kommen würde. Sie gönnte der Freundin ein schönes Leben, ohne Schmerz, Leid oder Geschlechtskrankheiten. Ohne Drama würde es bei der quirligen Wirtin nicht gehen, das war klar, Aurelia schien dieses manchmal sogar freiwillig zu suchen. Kein Wunder, sie wollte Aufregung und Abenteuer, so weit es ihr in King's Portal möglich war. Dennoch, Skadi wünschte ihr nur das Beste. “Wundert dich das denn? Wer kann sich denn schon noch daran erinnern, wann wir die letzte königliche Hochzeit hier hatten? Das ist DAS Ereignis! Kannst du dir vorstellen, wie die Feierlichkeiten ausschauen werden? Glanz, Prunk und Protz überall. Farben, Gold, Essen, Stoffe...!" schwärmte Skadi mit fast schon verträumtem Blick. Wobei, eigentlich legte sie darauf selbst überhaupt keinen Wert. Die Zurschaustellung von soviel Reichtum war in ihren Augen übertrieben, aber andererseits auch eine schöne Alternative zum sonst so gleichförmigem Alltagstrott. Und eine nette Gelegenheit sich wieder mal ein wenig herauszuputzen und unter die Leute zu mischen. Wer weiß, welche Informationen sich daraus ergeben könnten. “Geh, sei nicht neidisch. Mich wundert es, dass Orpheus zuerst verheiratet wurde. Ganz ehrlich, der ist doch so ein Weichei. Also wenn ich eine sommerländische Prinzessin wäre, dann würde ich doch lieber Leandros als Gatten haben, als Orpheus." Skadi blieb kurz stehen, als ihr der feine Duft eines spätblühenden Lavendelstrauchs in die Nase stieg. Nachdenklich bieb sie stehen, bückte sich kurz und pflückte eine der schwachlila Blüte in ihren Fingern zwirbelte. “Gut, der Kronprinz ist schon ganz schön umtriebig, vielleicht nicht die beste Voraussetzung für eine glückliche Ehe, aber ich glaub dem hätt ich dann schon den Kopf gewaschen." grinste sie und lehnte sich Schließlich neben Aurelia gegen einen Baumstamm. Neckisch ließ sie die kleine Blüte der Freundin über die Stirn tänzeln. “Kommt drauf an ob du nicht etwa zu abgelenkt bist mich überhaupt zu erkennen, meine Liebe. Ich seh schon, du wirst zwischen all den Männern und dem Tanzen gar kein Aug für mich haben!" Doch bei dem Gedanken an den vorgeschlagenen Ausbruchversuch musste Skadi dann doch herzlich lachen. “Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich mir meine Knie beim Seilklettern aufschürfe. Sicher nicht. Iulia lässt mich schon raus, Hauptsache am End des Abends kommt genug Geld in ihre Kasse. Wo und wie ich die verdiene, ist ihr doch egal." Skadi lehnte sich zurück, genoss das Gefühl der rauen Rinde in ihrem Rücken. Warum kamen ihr auf einmal Ideen, ihr altes Leben hinter sich zu lassen und sich einfach mit Aurelia in der Taverne zu vergnügen? Hatte die ungestüme junge Frau denn in Skadi sowas wie echte Freundschaft erweckt? Unsinn, Aurelia war doch genauso ersetzbar wie alle anderen Personen im Leben der Liebesdienerin. Niemand war von Dauer. Wenn nicht jetzt, dann irgendwann später würden sie sich sicherlich entfernen und nicht mehr Teil des Lebens des anderen seins. So war das nunmal. Warum also sich das Herz schwer machen? Skadi schüttelte kurz den Kopf und konzentrierte sich lieber auf das schale Gezwitscher der Vögel. “Hm?" Die Frage kam unerwartet. Und die Antwort lag Skadi auf der Zunge, doch sie schluckte sie hinunter. Belisarius aber das konnte sie nicht verraten. Niemandem. Niemals. “Ich glaub ich hab da keine Präferenzen. Einfach einen feschen Kerl, eine gute Unterhaltung, einfach was unbeschwertes. Hast du denn jemandem im Kopf? Markus denn wieder? Oder war dir das einmal schon genug mit dem Kerl?" |