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The Maid and the Killer - Devan Naharis - 31-08-2025 Terrible Things happen to those who
Keep Digging in the Past.Amira sollte nicht hier sein. Außerhalb des Palastes, zu der Klippe der aufgehenden Sonne, hatten sich Adel und Bürger versammelt, um das Ritual des ersten Krönungstages zu erleben - hunderte Augenpaare wurden Zeugen davon, wie vier Elemente sich in einem Mann vereinigten, der kniend am Abgrund wartete, bis die ersten Sonnenstrahlen sein Haupt erleuchteten. Auch Ilyas war anwesend. Sie hätte an seiner Seite stehen müssen. Obwohl die Sonne kaum den Himmel mit ihrem Licht nährte, pulsierte der Palast bereits, als wäre er vor Stunden bereits aufgestanden. Vielleicht hatte er auch nie geschlafen - immer vibrierten aufmerksam platzierte Schritte von Gardisten durch den Stein, auf dem sie Wache hielten. Vereinzelt huschte ein Sklave durch die leeren Gänge, bis sie sich addierten, mehrten, in den rot gefärbten Gewändern, die sie dem Königshaus zugehörig machten. Denn für sie hatte sich nicht viel geändert. Diejenigen, die in der Investigation zum Mord des Königs nicht als mitschuldig bestraft worden waren, diejenigen, die im Schatten der Nacht nicht aus ihren Kammern verschwunden waren, taten weiterhin ihre Arbeit und würden sie tun, bis die Zeit es ihnen verbot. Wie ein Ameisennest wusste jeder im Palast seine Pflichten und führte sie aus, ohne Fragen zu stellen - vielleicht auch aus Angst aus den Folgen, was passierte, wenn man Fragen stellte. Wie Ameisen also erfüllten sie den Palast mit Leben und mieden Orte, die sie, wenn man den Geschichten der alten Sklaven Glauben schenkte, aus der Ordnung reißen würden. Der Palast lebte, während der Flügel der Königsgemächer unberührt im letzten Mondschein lag wie ein verfluchter Arm, dem man sich nicht mehr zugehörig fühlen wollte; aus Angst, dass der Fluch sich ausbreiten würde, wenn man einen falschen Schritt tat. Doch Amira schien der Spuk nicht aufzuhalten. In einem bemerkenswerten, doch naiven Versuch, nicht aufzufallen, hatte sie sich in einen Umhang gehüllt und war von Schatten zu Schatten getanzt, einen Bogen um alle Gardisten und Sklaven machend, deren Laufmuster sie zu kennen schien. Geschickt, ja, aber dass sie kein Maskenträger war, erkannte jemand mit geübtem Auge aus zwanzig Metern Entfernung. Erfahrene Maskenträger versuchten nicht, sich durch das Geflecht eines engen Systems zu winden, um ungesehen zu bleiben. Sie wurden bewusst gesehen und wahrgenommen als das, was sie waren. Sie durchbrachen das System nicht, sie schwammen mit ihm und wechselten ihre Verkleidung, wenn der Strom eine andere Richtung vorgab. Sklaven waren nicht immer Sklaven, Freunde nicht immer Freunde, Gardisten nicht immer Gardisten. Devan - Vasim - schälte sich von seinem Posten und setzte ihrem Schatten nach. “Amira!” , rief er durch den leeren Gang, der zu den Gemächern der Königin führte, nicht weit ab der Königsgemächer, doch näher an dem verlassenen Gemach des toten Kronprinzen, Fayyad ben Sahid. Als hätte er gerade erst aus Zufall von seinem Posten im Garten aus ihren Schatten erkannt, streckte er seine freie Hand in die Luft, die nicht seinen Speer hielt. Ihn musste sie bei all ihren Kalkulierungen wohl übersehen haben, wie er vom Schatten in den Lichtkegel der Fackel trat, die den Eingang zum Garten erleuchtete. Sein Gesicht, jugendlich und lebenswillig trotz der Umstände, erhellte sich, als sich die schmale Gestalt wirklich als die Gesellschafterin entpuppte, die er gerufen hatte - ein Verdacht, den er wohl gemutmaßt hatte, bis er wirklich vor ihr stand. Vasim schob sein Tuch von seiner Nase unter sein Kinn, obwohl es Gardisten eigentlich verboten war, ihre Aufmachung zu verändern. “Ich wusste doch, dass ich die Leichtfüßigkeit von irgendwo kenne. Du hier?” Statt sie darauf anzusprechen, dass sie sich in diesem Teil des Palasts nicht aufhalten sollte - und sie davon sicher bereits in Kenntnis gesetzt worden war - schien er nur froh zu sein, sie zu sehen. RE: The Maid and the Killer - Amira El Mansouri - 08-09-2025
Amira sollte nirgendwo anders sein als in diesem Palast.
Sie hätte auch vor Wochen hier sein sollen, als ihre Königin sie am meisten gebraucht hatte. Und keine anderen Gefühle als Schuld und Sorge hatten seitdem die Gesellschafterin umtrieben, seitdem Ilyas diese schreckliche Nachricht mit ihr geteilt hatte. Vermutlich hätte er diese gerne für sich behalten, um sie nicht aufzuregen, aber da er selbst ebenso verpflichtet war, rasch in das Sommerland zurück zu kehren, hatte er es ihr nicht vorhalten können. Noch weniger in der Gesellschaft von Naila, die nun jeglichen Trost brauchen konnte, den sie erhielt. Amira war so lange wie sie konnte für sie da gewesen, doch ihr angestammter Platz war nun an Seiten des Hauptmannes und ihr Leben in den Wüstenlanden des schwimmenden Kontinents. Seit Jahren war sie tagtäglich durch den Palast gewandelt und kannte jeden einzelnen Raum, jeden Gang, jede Säule und jeden Flur, der sich vor offiziellen Augen verbarg. War es, weil sie selbst anfangs als Dienerin die unsichtbaren Wege hatte wählen müssen, war es, als sie mit den Kindern verstecken und fangen gespielt hatte. Selbst die Patrouillen der Soldaten waren ihr weitgehend geläufig und nur, wenn dann doch einmal jemand an unbekannter Stelle drehte oder abbog, wurde ihr klar, dass sich Gewohnheiten nun wohl geändert hatten. Das hatte sie jedoch nicht davon abgehalten, sich durch den Palast zu schleichen, der schließlich einst ihr Zuhause gewesen war. Eine vorgetäuschte Übelkeit hatte sie bei Ilyas entschuldigt, der Verständnis dafür aufbrachte, so wie er selbst unter wirbelnden Magenbeschwerden auf Übersee litt. So war er alleine zur Zeremonie aufgebrochen, so wie sie alleine in den Palast. Um diese Uhrzeit hätte es viel stiller sein sollen und selbst, wenn es noch nicht mit dem lebendigen Tumult des Tages mithalten konnte, hörte sie viel zu häufig Schritte oder Stimmen. Das angenehme Pulsieren des Palastes glich nun viel eher einem panischen Klopfen, als wäre jede Regung die Ankündigung einer neuen Gefahr. Die Diener waren schweigsam. Da huschten verschreckte Blicke, da folgten gepresste Lippen, die jedes Wort verborgen hielten, das man früher mit ihr geteilt hätte. Doch Amira hatte die arme Küchenfrau nicht weiter in Bedrängnis gebracht, sondern musste es viel eher mit eigenen Augen sehen. Womöglich war alles nur List und Betrug. Womöglich hatte des Königs Wahn dafür gesorgt, dass sich die Familie hinter Gerüchten verschanzte, bevor es zu einem Angriff hatte kommen können. Absurd, gänzlich wider jeder Realität, aber ein Strohhalm der Hoffnung, bis sie mit eigenen Augen sehen konnte, wie verwüstet und leer die Gemächer wirklich zurückgelassen worden waren. Nur mehr wenige Meter und – die Frauengestalt in dem Umhang mit ihrer Kapuze erstarrte in ihrer Bewegung. Das panische Klopfen war nun ihr eigenes Herz, denn natürlich war sie darüber informiert worden, dass dieser Flügel nicht betreten werden durfte. Und dementsprechend mit Angst in den Augen wandte sie sich langsam herum, der huschende Blick über den Torbogen in den Garten hinaus, bis schließlich der Gardist in den Lichtkegel getreten war. So wie einst. Das Erkennen um Vasim sorgte dafür, dass ihr ein Stein vom Herzen fiel und das nicht nur aus Sorge, um ihr eigenes Leben, sondern ebenso wegen dem für ihn. „Vasim! Ich freue mich – ich kann gar nicht ausdrücken, wie sehr. Bitte verzeih mir“, bat sie schon voller Erleichterung und ignorierte jegliche Etikette, weswegen sie ihm kurzerhand mit ihren Armen umarmte, als wäre er ein lang verlorener Freund, der wiedergefunden worden war. Nur kurz erlaubte sich Amira dieses Übertreten der Regeln, bevor sie ihn wieder los ließ und sichtlich an Fassung rang, nicht noch unflätiger zu werden. Sie schob die Kapuze ein Stück nach hinten, dass sie nur mehr auf der Hälfte ihres Haares am Kopf saß, und hakte dann ihre eigenen Finger ineinander in dem Versuch der Selbstbeherrschung. „Es bedeutet mir sehr viel, dich wohlauf zu sehen. Die schreckliche Nachricht erreichte uns in Kings Portal und ich bitte dich… mein Herz sagt mir, es handle sich nur um eine List. Des Königs, der Feinde, der Götter… bitte begleite mich.“ Natürlich war ihr klar, dass es ihm nicht erlaubt wäre, seinen Posten zu verlassen. Was er getan hatte. Ebenso war ihm nicht erlaubt, das Tuch vor seinem Gesicht zu nehmen. Was er getan hatte. Und sie hätte ihn nicht auf diese Weise umarmen dürfen, sie hätte sich noch nicht einmal hier einfinden dürfen. Was sie getan hatte. Vielleicht… konnten sie ihrer beider Schuldigkeit ja tilgen dadurch, in dem sie gemeinsam Verbotenes taten. Als würden sich zwei Übel gegenseitig aufwiegen können. „Seit jeher war es mir als eine der wenigen gestattet, die königlichen Gemächer zu betreten. Bis die Krone ein neues Haupt ziert und ich mein Knie in Treue für diesen beugen werde, bleiben meine Privilegien gültig“, versuchte sie es sanft mit Argumenten, bevor er sie womöglich noch freundschaftlich hinaus geleiten wollte. RE: The Maid and the Killer - Devan Naharis - 27-09-2025 Es war ehrliche Freude, oder der Schatten einer solchen, die Vasims Gesicht aufhellen ließ. Erkennen und erkannt werden; zwei alte Freunde, die sich erst in Abwesenheit des anderen dazu bekannten, einander zu vermissen und jetzt, nach allem, was passiert war, froh waren, einander wieder zu haben. Dennoch überforderte diese plötzliche Geste an Zuneigung den Gardisten, er, der immer eine höfliche Distanz wahrte und nur die Grenzen seiner Position austestete, sie aber nie übertrat. Mit einem leisen Uff fing er ihr Gewicht auf, stolperte einen kleinen Schritt zurück und hielt den Speer nur aus Reflex weit genug von ihr weg, dass sie sich nicht versehentlich verletzte. Dumpf pochte sein belasteter, noch nicht ganz verheilter Oberschenkel unter den Bandagen, doch er ließ sich nichts anmerken und legte seine freie Hand leicht auf ihre Schulter. Eine Geste, die mehr von Unsicherheit und Anstand stemmte, und doch versucht, dem Impuls unter seinen Fingern nachzugeben und sie an sich zu drücken, nur weil sie so ungefiltert den ersten Schritt gewagt hatte. Als Amira sich löste, war Farbe in seine braunen Wangen gekehrt.
“Ah, hm, kein Problem” , rang er doch etwas nach Worten. “Ich freu mich auch, dich wieder zu sehen.”
Da er nicht so recht wusste, was er mit seiner freien Hand anfangen sollte, rieb er damit über seinen Nacken und rückte den Turban zurecht. Sein Blick lag halb auf ihr, halb auf dem Boden, dann vollends auf ihr, als sie ihre Bitte äußerte. Eine Mischung aus verschiedenen Gefühlen huschte über sein Gesicht. Dort war ein Hauch von Trauer, nur weil sie den König und die Königin erwähnt hatte, unterschlagen von einem tieferen Schatten; vielleicht Schuld, vielleicht ein schlechtes Gewissen, vielleicht das Bewusstsein, in seiner Pflicht versagt zu haben. Dann waren da der Drang, der Bitte nachzukommen, gedämpft durch Zweifel und die Pflicht eines Gardisten. “Ich… ich weiß nicht, Amira.” Sie wusste das. Sie wusste, dass Vasim ein guter Gardist war, auch wenn er nicht immer stillstehen konnte, wenn er sich nicht immer konzentrieren konnte, wenn er hier und da mal die kleinste Regel brach, um mit ihr gemeinsam zu lachen. Sie wusste, dass er keine bösen Absichten hegte und ihr gerne half, doch seine Gutwilligkeit Grenzen hatte. “Es ist verboten, in die Gemächer zu gehen, bis der neue König etwas anderes anordnet” , versuchte er sanft, ihr die Idee aus dem Kopf zu schlagen. Aber er kannte sie. Er wusste, dass sie jede Idee bis zum Ende verfolgte, wenn sie sich diese einmal in den Kopf gesetzt hatte. Oft hatte er sie nur kopfschüttelnd begleitet, um den Schaden so gering wie möglich zu halten, doch diese Situation war anders.Deswegen versuchte Amira auch, ihn zu überzeugen - mit Argumenten, die sicherlich zutrafen, aber nicht die Zweifel aus seinem Gesicht fegten. Vasims Blick glitt an ihr vorbei in Richtung des Ganges, in dem man die Fackeln tanzen hören konnte, so still war es dort. Zufällig wusste er, dass dort oben keine Wachen stehen würden - nicht heute, wo man jeden loyalen Gardisten an der Seite des neuen Königs brauchte. Sie hatte sich keinen ungünstigeren Zeitpunkt ausgesucht, um Regeln zu brechen. “Was willst du dort oben tun? Dich vergewissern, dass sie tot sind?” In seiner Stimme klang ein dumpfer Schmerz nach, was man von Vasim gar nicht gewohnt war. Er war vorsichtiger geworden. Wurde zurückgehalten von etwas, das er nicht mit ihr teilen wollte. “Es wird nichts ändern, du kannst Tote nicht wieder vom Reich Heofaders zurückholen.” So gerne er sie mochte, konnte er sie nicht von der Realität bewahren, die sie alle hatten einsehen müssen. Der neue König war ihre neue Realität und Amira tat besser daran, das bald zu verstehen. |