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Only a Monster can kill a Monster - Ivar Lorenson - 18-01-2026 How do you intend do survive?
Aufgeweichte Erde und Matsch knirschten unter den Stiefeln und hatte erstaunlich viel mit den Kuhfladen gemein, durch die Ivar vor nicht allzu langer Zeit noch gestapft war. Im Grunde war jedes Land doch gleich. Da machten die Menschen so einen Stress um die Grenzen und unterschiedlichen Kulturen, aber wenn man die Erde fragte, gab es darauf nur eine Antwort. Sie alle hatten einen Boden, auf dem sie liefen. Pflanzen und Tiere, die ihr Leben ermöglichten. Wasser in der Erde, über ihren Köpfen und in manchen Früchten, die gepflückt werden wollten. Überall, wo Menschen nicht ihre Nase reinsteckten, hatte die Natur so etwas Banales, so etwas Einfaches an sich, dass der Söldner sich in ihr oft wohler fühlte. Töten oder getötet werden, einfache Gesetze des Überlebens ohne die komplizierte Schicht aus menschlicher Kommunikation, den Spinnereien und der ungerechten Verteilung von Macht in den Händen der Falschen. Weil sie nämlich noch nie von der Natur auf die Probe gestellt wurden. Weil sie die Banalität des Lebens umgingen, indem sie von widerlichen Geburtsrechten und unverdienten Titeln Gebrauch machten, um nie einen Fuß in die Wildnis setzen zu müssen. Given that you are neither.
Und wenn ihre Gruppe den Drachen fand und tatsächlich erlegte, dann würden es eben jene Sesselpupser sein, die ihnen einen Sack Gold in die Arme drücken, ihnen auf die Schulter klopfen und sich schließlich von ihnen abwenden würden, um den Ruhm einzukassieren. Denn Gold regierte die Welt und sie regierten das Gold. Was war ihr System doch nur für ein lächerlicher, von Drecksschweinen ausgedachter Witz. Na ja, aber dafür müsste ihre Gruppe den ’Drachen’, wenn es denn tatsächlich einer war, erstmal finden. Geschweige denn davon, ihn zu erledigen; so, wie Ivar das Mädchen musterte, das vor ihm über die aufgeweichte Erde stapfte, war er zusehends überzeugt davon, dass er sich einer Gruppe von Selbstmördern angeschlossen hatte. Im besten Sinne wohl noch Märtyrer, denn was, bei Heofaders Eiern, Was bewegte eine Frau und ein Mädchen nach einem Monster zu suchen, das Jungfrauen gerne zum Mittag verspeiste? Maria, oder wie sie hieß, konnte ja nichtmal ordentlich ein Messer halten. Wenn er sie jetzt schubste - und für einen kurzen Moment spielte er mit dem Gedanken -, würde ihr hübsches Gesicht im Schlamm baden. Vielleicht würde sie sich ihre Nase brechen, dann könnte sie wenigstens zurück zu ihrer Mama und stolz ihre Kampfesverletzung zeigen, ohne ernsthaft in Schwierigkeiten gewesen zu sein. Ivar war jedenfalls nicht sonderlich begeistert davon, zwei tote Gewichte mit sich mitzuziehen, auch wenn sie hübsch anzusehen waren. Dass sie beide die Aufgabe übernommen hatten, in dem letzten Licht des Tages, das diffus durch die dicke Wolkendecke brach, ihr Abendessen zu jagen, tat erstmal nichts zur Sache. Sie wären sehr viel schneller dabei, wenn Ivar dem Mädchen ein paar Tipps geben würde, wie zum Beispiel nach kleinen gebrochenen Ästen Ausschau zu halten, die Wildleben verrieten, oder nach verlassenen Vogelnestern in den Bäumen. Tat er aber nicht. Er machte nicht einmal Anstalten, seinen eigenen Bogen von der Schulter zu ziehen, sondern beobachtete lieber, wie das rote Haar vor ihm hin und her wippte, während Mariam flink über das Laub sprang. “Was machst du eigentlich hier?” , fragte er schließlich einfach so, prompt, frei heraus mit dieser typischen Unernsthaftigkeit in der Stimme, die er nie wirklich ablegte. Nicht, wenn die ganze Welt im Scheißegal war. “Du wirst dir ja kaum vorgenommen haben, einen Drachen zu töten.”
RE: Only a Monster can kill a Monster - Mira Falren - 23-01-2026 Aufgeweichte Erde sog an Miras Stiefeln, als wolle sie sie festhalten, zurückziehen, dahin, wo sie herkam. Jeder Schritt machte ein leises, widerliches Geräusch, das ihr viel zu laut vorkam in der dämmernden Stille. Sie setzte die Füße trotzdem bewusst fest auf, so wie sie es bei anderen gesehen hatte. Sicher auftreten. Nicht zögern. Wer zögerte, fiel auf. Wer auffiel, wurde gefragt. Und Fragen waren gefährlich. Der Wald roch nach nassem Laub, nach Moder und etwas Metallischem, das sie nicht benennen konnte. Es war ein Geruch, der ihr fremd und gleichzeitig beunruhigend vertraut war. Freiheit roch offenbar nicht sauber oder leicht. Sie roch nach Erde, nach Ungewissheit und nach der ständigen Möglichkeit, falsch abzubiegen. Mira zwang sich, ruhig zu atmen. Nicht zurückblicken. Nicht daran denken, dass niemand sie hierher gezwungen hatte. Dass sie selbst gegangen war. Dass ihr Vater sie nicht mehr rufen konnte, ihre Familie nicht mehr bestimmte, wann sie stehen, gehen oder schweigen sollte. Dieser Gedanke fühlte sich immer noch unwirklich an, wie ein schlecht erzähltes Märchen, das jeden Moment zusammenbrechen konnte. Sie hockte sich hin, betrachtete den Boden mit gerunzelter Stirn. Da waren Abdrücke, oder zumindest hielt sie sie dafür. Vielleicht waren es auch nur verwischte Spuren von Regen. Oder von irgendetwas Größerem. Sie hatte einmal gesehen, wie ein Jäger auf solche Zeichen reagierte, also tat sie es ihm gleich: vorsichtig, konzentriert, so, als wüsste sie genau, was sie suchte. In Wahrheit hatte sie keine Ahnung. Sie wusste nur, dass man langsam sein musste. Bedacht. Sie trat absichtlich auf einen Ast, ließ ihn leise knacken, und hoffte, dass das irgendeinen Sinn ergab. Vielleicht erschreckte man so Tiere. Vielleicht war es auch genau das Falsche. Mira entschied, dass es egal war. Niemand schien es zu merken. Die Dolche an ihren Seiten fühlten sich schwer an, mehr wie Requisiten als wie Werkzeuge. Sie hatte sie so getragen gesehen, also trug sie sie genauso. Dass sie kaum wusste, wie man sie richtig zog, geschweige denn benutzte, war ein Problem für später. Für eine Mira, die Zeit hatte, darüber nachzudenken. Für eine Zukunft, in der Drachen tatsächlich real waren und nicht nur ein Wort, das die Gruppe benutzte, um sich wichtig zu fühlen. Jetzt gerade ging es nur darum, nicht als Last aufzufallen. Nicht als die Neue. Nicht als das Mädchen, das eigentlich keine Ahnung hatte. Sie spürte seinen Blick im Rücken, schon eine ganze Weile. Schwer, prüfend, nicht freundlich. Ivar. Natürlich. Sie hatte gelernt, solche Blicke zu erkennen. Menschen, die abwogen, ob man ihnen nützte oder im Weg stand. Sie sagte nichts. Wenn er ein Problem hatte, würde er es schon sagen. Und wenn nicht, dann war es offenbar kein Problem, das ihre Aufmerksamkeit verdiente. Also ging sie weiter, hob den Blick, tat so, als würde sie etwas entdeckt haben, und änderte die Richtung minimal. Selbstsicherheit war oft nichts weiter als gut gespielte Gleichgültigkeit. Als seine Stimme schließlich kam, unerwartet direkt, zuckte sie innerlich zusammen, ließ es sich aber nicht anmerken. Sie richtete sich auf, wischte sich den Schlamm von den Händen und drehte den Kopf nur halb zu ihm, genug, um Interesse zu zeigen, nicht genug, um sich klein zu machen. Sein Tonfall war locker, fast spöttisch. Sie erkannte das Muster. Spiegeln. Immer spiegeln. „Was ich hier mache?“ , wiederholte sie und zuckte kaum merklich mit den Schultern. „Dasselbe wie alle anderen – laufen, schauen, nichts überstürzen.“
Ihr Blick blieb im Wald hängen. „Manchmal reicht es, erst einmal zu wissen, wo man steht.“
Ein flüchtiges, schwer zu deutendes Lächeln. „Für alles Weitere ist später noch Zeit.“
RE: Only a Monster can kill a Monster - Ivar Lorenson - 31-01-2026 Da war sie also; dieses feiste, störrische Mädchen, das sich vermutlich zu viel vorgenommen hatte und jetzt mit einem Haufen Nichtskönner in derselben Scheiße steckte (auf die anderen in der vermeintlichen Abenteurergruppe bezogen, natürlich). Ivar machte keinen Hehl daraus, dass er von ihr nicht mehr hielt als von einem Dorfmädchen, das vielleicht eine Heldengeschichte zu viel gelesen hatte oder einfach einmal zu oft auf den Kopf gefallen war, um jetzt solche Worte von sich zu geben. Sein Grinsen rutschte tiefer in seine Wangen, wurde unausstehlicher, breiter in seiner Wertung, ob sie die in der Dämmerung nun wahrnahm oder nicht.
“Kannst du eigentlich noch was anderes außer geschwollenes Zeug von dir zu geben?” , antwortete er prompt und deutete vor ihre Füße. “Fährten lesen zum Beispiel. Und deine Dolche, glaubst du ein Hirsch legt sich mit dir im Nahkampf an oder wie stellst du dir das vor?” Natürlich war er nicht nett zu ihr. Es machte keinen Sinn, ein Mädchen zu schützen, deren Träume so offensichtlich größer gewesen waren als ihr Hirn, dass sie sich ohne irgendwelche Überlebensfertigkeiten einer Gruppe Abenteurer angeschlossen hatte. Deswegen hielt er sich eigentlich immer von solchen Gruppen fern. Abenteurer hatten mehr Herz und Mut, als gut für sie war, und oft konnten sie diesen Überschuss nicht mit genügend Überlebensfähigkeiten decken, dass sie am Ende mehr totes Gewicht an seinem Knöchel waren. Mehr als einmal war es vorgekommen, dass er sich von solchen abgespalten hatte und ein paar Tage später eben solche Abenteurer tot am Weggraben fand. Von Wolfen gerissen. Banditen ausgenommen. Über ihre eigenen Füße gestolpert und an einem spitzen Stein ausgeblutet. Ivar war noch dabei, sich ein Urteil zu bilden, ob er nicht doch bessere Chancen hatte, wenn er allein gegen den Drachen zog.Das Mädchen vor dem Söldner war jedenfalls dabei, von ihm getestet zu werden. Auch das verbarg er nicht. Es war offensichtlich, dass er sie damit konfrontierte, wie wenig sie eigentlich wusste, um ihre Grenzen zu erproben; vielleicht auch, weil er manchmal halt ein sadistisches Arschloch war, das kleine Mädchen gerne zum Weinen brachte. |