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To the forest of denial - Druckversion

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To the forest of denial - Freyja Winters - 25-01-2026

To the forest of denialntitel
Walk with me until the time

Eine ganze Woche waren sie nun schon unterwegs. Das Baden im Fluss jagte der jungen Frau noch immer eiskalte Schauer über den Rücken, das Essen, was sie sich selbst erlegen mussten, ließ ihr immer noch regelmäßig die Galle aufsteigen und die Kälte, die ihr des nachts in die Knochen kroch, ließ sie immer noch in so mancher stiller Stunde daran zweifeln, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Zweifel waren normal, versuchte sie sich immer wieder selber einzureden. Es war normal, seine Entscheidungen infrage zu stellen, sich in Gedankenspielereien zu verlieren, sich alternative Szenarien auszudenken. Natürlich könnte Freyja immer noch hinter dem Tresen in der Taverne in Three Rivers stehen, könnte immer noch schales Bier in dreckigen Krügen ausschenken und nur ein entnervtes Brummen der Gäste entgegen nehmen, welches dem Goldtaler auf dem Schritt folgte, doch der Drang nach Abenteuer war da gewesen. Sie hatte ihre Bestimmung nicht einfach ignorieren können. Sie wollte auf diese Jagd gehen, wenn auch aus anderen Gründen, als die anderen. Zumindest vermutete sie das. So richtig traute sie sich nicht ihre wahren Gedanken auszusprechen, weil sie immer noch nicht ganz sicher war, wem sie trauen konnte und bei wem sie besser vorsichtig sein sollte.

Den ganzen Tag über waren sie durch das Dickicht im Wald gewandert. Hatten sich durch Geäst geschlagen, bis ihre Messer stumpf und ihre Füße wund gewesen waren. Jedenfalls empfand Freyja diesen Fußmarsch heute so. Und passiert war bisher noch gar nichts. Sie hatten keine Spuren, keine Tierkadaver, ja, nicht einmal verruße Baumstämme gefunden. Sie irrten umher wie eine Gruppe Verlorener. Und genauso fühlte es sich an. Als wäre Freyja verloren. Verloren in ihrem eigenen Abenteuer, das sie so sehr gewollt hat. Die Tatsache, dass sie einfach noch nichts gefunden hatten, verunsicherte sie. Dabei hatte sie sich anfangs sogar noch darüber gefreut, dass sie KEINE Spuren gefunden hatten, weil sie den Drachen - falls er denn überhaupt existierte - ja gar nicht verletzten wollte. Sie wollte ihn nur finden und am liebsten sogar warnen, falls sowas überhaupt möglich war. Einen Drachen hatte es seit so vielen Jahren nicht mehr gegeben. Dass dieses Geschöpf aus den alten Legenden nun angeblich wieder gesichtet worden war, war ein wundervolles Zeichen gewesen, kein unheilverkündendes Schicksal! Doch offenbar sahen das nicht alle so, wie die junge Brünette.

Während das Lagerfeuer vor sich hin knisterte und Freyja gerade ihr eigenes Lager soweit fertig gemacht hatte, dass sie sich gleich unter die kratzige Decke kuscheln konnte, die sie von zu Hause mitgenommen hatte, sah sie, dass eine der anderen Frauen etwas unentschlossen herum stand, als fühlte sie sich in diesem Moment genauso verloren, wie es bei der Winters selbst der Fall war. Kurzerhand beschloss sie, zu der Rothaarigen hinzugehen. Sie hatten zwar schon das ein oder andere Wort miteinander gewechselt, doch bisher waren sie gar nicht dazu gekommen sich richtig kennen zu lernen.

"
Hallo. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ich mich schon bei dir vorgestellt habe. Und das, obwohl wir schon seit einer Woche unterwegs sind... Wo sind nur meine Manieren geblieben? Ich bin Freyja. Das musste ich jetzt dringend mal nachholen
", sagte sie etwas peinlich berührt und zuckte entschuldigend mit den Schultern.



RE: To the forest of denial - Mira Falren - 31-01-2026

Der Tag war lang. Stundenlang hatten sie sich durch das Dickicht im Wald geschlagen, waren über Wurzeln gestolpert, durch Dornen gerutscht, hatten die Beine wund und die Füße schwer von jedem Schritt gespürt. Mira spürte jeden Muskel, jeden Schmerz, doch sie ließ es niemandem anmerken. Schwäche durfte hier nicht sein. Also hielt sie die Schultern gerade, ging weiter, atmete tief durch und tat, als wäre alles leicht, als würde jeder Schritt nur dazu gehören, wie ein Teil eines Tanzes, den sie längst vergessen hatte.
Nichts hatten sie gefunden. Keine Spuren, keine verrußten Stämme, nicht einmal ein zertrampeltes Grasbüschel, das auf ein Tier hingedeutet hätte. Frustrierend, ja, und doch auf eine seltsame Weise erleichternd. Je länger sie nichts fanden, desto länger war sie sicher, dass der Drachen, falls er wirklich existierte, noch nicht in Gefahr war und desto weiter weg war sie von allem, was sie hinter sich lassen wollte. Von ihrem Vater, von der Gauklergruppe, von den Straßen, die nie ein Zuhause gewesen waren. Das allein machte sie… fast glücklich. Ein warmes, leises Glück, das durch jede Faser ihres Körpers kroch, trotz der müden Beine und des schmerzenden Rückens.
Sie wusste noch nicht, wo sie hingehörte. Zwei Frauen, ein paar Männer, die meisten kaum wie richtige Kämpfer wirkend, und dann Rowan, der große Mann zu Pferd mit dem schweren Schwert, den sie kurz nach dem ersten Treffen kennenlernte. Sie wusste, dass sie aufpassen musste, dass jede Geste, jeder Schritt, jede Regung beobachtet und bewertet wurde, und sie hielt sich zurück. Beobachtete, merkte sich Gewohnheiten, las Stimmungen und versuchte, sich selbst einzuordnen, ohne aufzufallen. Noch war sie fremd hier, noch war jeder Moment unsicher. Und doch war es das erste Mal seit Jahren, dass sie sich frei fühlte. Wirklich frei. Die Ungewissheit, die Angst davor, entdeckt oder zurückgeholt zu werden, blieb wie ein leiser Schatten, doch sie war bereit, sie auszuhalten.
Ihre Hände schlossen sich um ihre Decke, zogen sie enger, als würde sie dadurch die eigene Entschlossenheit festhalten. Kleine Rituale gaben ihr Halt: ein letzter Blick über das Lager, das Sortieren der wenigen Habseligkeiten, das vorsichtige Ordnen der Vorräte. Sie liebte die Nachtstunden, das Knistern des Lagerfeuers, die Stille zwischen den Geräuschen des Waldes. Alles war neu, alles war ungewiss, und gerade deswegen kostete sie jeden Atemzug aus, als wäre es ein Geschenk.
Der Gedanke an den Drachen selbst blieb vage. Vielleicht war er nur ein Gespenst, eine Geschichte, ein Gedankenspiel des Königs, um Unruhe zu säen. Vielleicht würde er nie gefunden werden. Vielleicht war die Jagd weniger wichtig als das, was sie selbst hier gefunden hatte die Chance, einen Weg zu gehen, der nur ihr gehörte. Die Gelegenheit, sich selbst zu beweisen, ohne übermächtige Hände, ohne die Kälte von Pflicht und Zwang, ohne die ständige Überwachung eines Vaters, der nichts als Schrecken hinterlassen hatte.
Und als sie dann Freyja vor sich sah, die sich ihr zuwendete, lächelte, die Worte aussprach, die genau in diesem Moment alles ein kleines Stück heller machten, konnte Mira nicht anders, als zurückzulächeln. „Es freut mich wirklich, dich kennenzulernen. Ich bin Mira.“, sagte sie leise, und ihre Stimme war warm und ehrlich. „Es ist schön, noch weibliche Gesellschaft zu haben hier… und ich glaube, wir werden gut miteinander auskommen.“ Sie lehnte sich ein wenig näher ans Feuer, spürte die Flamme auf ihren Fingern, und in diesem Moment fühlte sich alles ein klein wenig weniger fremd an, ein klein wenig leichter, und das war genug.