<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
	<channel>
		<title><![CDATA[Facing the Storm - September 1016]]></title>
		<link>https://facingthestorm.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestorm.de]]></description>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 13:59:55 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[The Blood, The Flowers, The Fire]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=844</link>
			<pubDate>Sat, 21 Feb 2026 07:16:35 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=16">Naila Castellanos</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=844</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/79/9a/6d/799a6d34235c1c97c38616ed75e5a329.jpg); bbackground-size:100%;background-position:50% 50%;color:white;font-size:40px;">The golden girl<br />
bathed in the Water<br />
<div style="font-size:12px;font-family:'cinzel";">And the Water turned Gold</div></div>
<br />
Man merkte Naila nicht an, wie nervös sie war. Seit sie einen Fuß aus der Kathedrale gesetzt hatte, die Hand umschlossen von dem Prinzen, mit dem sie fortan einen Namen teilte, lag ein Leuchten in ihrem Gesicht; jung, lebendig, ein wenig <i>aufgeregt</i> vielleicht. Mit einem neuen Nachnamen hatte sie den langen Marsch über die Rosenblätter angetreten und wurde getragen von den Volksrufen zu ihren Seiten, ein Lachen auf ihren Lippen, während Blüten über ihre Köpfe hinweg segelten. Und selbst jetzt, nach all den Zeremonien, dem üppigen Mahl und den nicht abebbenden Glückwünschen war das Glück in ihrem Gesicht nicht verschwunden. Warum auch? <i>Es war ihr Tag. Sie sollte glücklich sein.</i> Alles war darauf ausgerichtet, dass sie als Braut strahlte, den Weg von ihrem alten Leben in ein neues bestritten, in dem sie endlich eine Aufgabe hatte. Prinzessin von Castandor. Zukünftige Mutter von kleinen Prinzen, die sie erfüllen und ihrem Leben eine Daseinsberechtigung geben würden. Wurzeln schlagen in einem fremden Land; es klang so einfach, wenn man es zu Papier dokumentierte und später in Liedern singen würde. Was spielte es da für eine Rolle, wie sich die Prinzessin dabei fühlte, alles, was sie kannte, hinter sich zu lassen?<br />
<br />
Trommelschläge und Flöteninstrumente trugen die lebendige Musik über den gesamten Außenbereich, der mit Flieder, Drillingsblumen und Lilien geschmückt war, mit abertausenden Feuerstellen erhellt, auch wenn die Sonne längst untergegangen war. Warme Septemberluft rauschte an den feiernden Gästen vorbei und trug ein wenig Salz vom Meer mit sich, während im Hintergrund ein Brunnen plätscherte. Es gab handverlesenen Wein, der kein Ende zu finden schien mit Dienern, die ständig für Nachschub sorgten - etwas, das bitter nötig war, denn die castandorischen Gäste wussten alle, wie man trank. Augusto Castellanos persönlich saß auf seinem Platz an der Tafel, zurückgelehnt in seinem Stuhl mit einer Hand auf dem Bauch, die andere den Weinkelch umfasst. Kosma, seine Frau die Königin, stand unweit der Tanzenden und unterhielt sich mit ihrem Bruder. Leandros fand sich unter den Tanzenden, sein Schritt erstaunlich leichtfüßig, obwohl Naila ihn mindestens vier Kelche hatte leeren sehen. Und wie er strahlte. Wie sie alle strahlten. Wie sie sich alle an der Hochzeit erfreuen, als wären alle Sorgen vergessen. Den Himmel zeichneten keine Wolken, keine Vorahnung auf Regen in den kommenden Tagen, nur Sterne, die den Palast erhellten und man könnte meinen, Heofader selbst schaue auf sie herab und gebe ihnen seinen Segen. Was auch immer sie morgen erwartete, es konnte warten.<br />
<br />
Es Naila allerdings nicht los, die Vorstellung, was sie heute noch erwartete. All die Geschichten und Erklärungen, die sie von ihren Gesellschafterinnen und ihrer Mutter aufgenommen hatte, hatten ein abstraktes Bild ergeben, was sie nicht so richtig zu deuten wusste - und das machte ihr Angst. Es ließ sie an ihrem vorgesehenen Platz neben Orpheus sitzen mit einem Lächeln, das nur eine Spur zu dünn war und kurz davor war, zu reißen, bevor es ihre Augen erreichte. Während sie mit vielen bekannten Gesichtern sprach und die Glückwünsche dankbar annahm, rührte sie kaum etwas von den Speisen an. Es war ein Wunder, dass sie immer noch mit Eleganz und Grazie über den Boden schwebte und das Lachen echt über ihre Lippen perlte, als sie ganz im Bilde der castandorischen Tradition ein paar Porzellanteller vor ihren Füßen zerscheppern ließ und die Jubelrufe der Umstehenden sie einlullten in warme, weiche Wolken, bis sich ihr Kopf ganz leicht anfühlte. Mit Orpheus von seinem Cousin beansprucht, der einen Arm um seine Schulter legte und ihn weg von seiner Braut zog, drehte Naila sich lächelnd von dem zerbrochenen Porzellan weg und nahm dankend das feuchte Tuch auf einem Tablett entgegen, um die FIngerspitzen von möglichen losen Splittern zu befreien. Ihr Blick glitt über die Gäste, die sich langsam wieder zu der Musik auf der Tanzfläche einfanden, zu Ranya, die sich mit Euphemia ganz prächtig zu verstehen schien, zu Rajani und Anya, die ihre Röcke rauften und lachend umeinander tanzten. <br />
Zu Samir schließlich, dessen Blick den ihren traf und sie von innen wärmte. Naila wartete, bis er nah genug war und sie ihre Worte an ihn richten konnte, ohne die Stimme angestrengt heben zu müssen.<div class="sommerlandcolor"> “Du weißt gar nicht, wie viel es mir bedeutet, dass du der Einladung folgen konntest.”</div> Es war Ehrlichkeit, die sie trotz des lauten Umfeldes mit einer Sanftheit ausdrückte, die ihren Worten mehr Wert verlieh. Und tatsächlich war sie dankbar um jedes matariyyanische Gesicht, das sie heute hier antraf; um jedes Stück Heimat, das sie mitgenommen hatten in einer Fremde, die sie von nun an ihr Zuhause nannte. Dass die matariyyanische Anwesenheit keine Selbstverständlichkeit war, sah man an den <i>fehlenden</i> Gesichtern, denn weder Vater, Mutter, noch Brüder der Braut ließen sich unter den Gästen finden.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/79/9a/6d/799a6d34235c1c97c38616ed75e5a329.jpg); bbackground-size:100%;background-position:50% 50%;color:white;font-size:40px;">The golden girl<br />
bathed in the Water<br />
<div style="font-size:12px;font-family:'cinzel";">And the Water turned Gold</div></div>
<br />
Man merkte Naila nicht an, wie nervös sie war. Seit sie einen Fuß aus der Kathedrale gesetzt hatte, die Hand umschlossen von dem Prinzen, mit dem sie fortan einen Namen teilte, lag ein Leuchten in ihrem Gesicht; jung, lebendig, ein wenig <i>aufgeregt</i> vielleicht. Mit einem neuen Nachnamen hatte sie den langen Marsch über die Rosenblätter angetreten und wurde getragen von den Volksrufen zu ihren Seiten, ein Lachen auf ihren Lippen, während Blüten über ihre Köpfe hinweg segelten. Und selbst jetzt, nach all den Zeremonien, dem üppigen Mahl und den nicht abebbenden Glückwünschen war das Glück in ihrem Gesicht nicht verschwunden. Warum auch? <i>Es war ihr Tag. Sie sollte glücklich sein.</i> Alles war darauf ausgerichtet, dass sie als Braut strahlte, den Weg von ihrem alten Leben in ein neues bestritten, in dem sie endlich eine Aufgabe hatte. Prinzessin von Castandor. Zukünftige Mutter von kleinen Prinzen, die sie erfüllen und ihrem Leben eine Daseinsberechtigung geben würden. Wurzeln schlagen in einem fremden Land; es klang so einfach, wenn man es zu Papier dokumentierte und später in Liedern singen würde. Was spielte es da für eine Rolle, wie sich die Prinzessin dabei fühlte, alles, was sie kannte, hinter sich zu lassen?<br />
<br />
Trommelschläge und Flöteninstrumente trugen die lebendige Musik über den gesamten Außenbereich, der mit Flieder, Drillingsblumen und Lilien geschmückt war, mit abertausenden Feuerstellen erhellt, auch wenn die Sonne längst untergegangen war. Warme Septemberluft rauschte an den feiernden Gästen vorbei und trug ein wenig Salz vom Meer mit sich, während im Hintergrund ein Brunnen plätscherte. Es gab handverlesenen Wein, der kein Ende zu finden schien mit Dienern, die ständig für Nachschub sorgten - etwas, das bitter nötig war, denn die castandorischen Gäste wussten alle, wie man trank. Augusto Castellanos persönlich saß auf seinem Platz an der Tafel, zurückgelehnt in seinem Stuhl mit einer Hand auf dem Bauch, die andere den Weinkelch umfasst. Kosma, seine Frau die Königin, stand unweit der Tanzenden und unterhielt sich mit ihrem Bruder. Leandros fand sich unter den Tanzenden, sein Schritt erstaunlich leichtfüßig, obwohl Naila ihn mindestens vier Kelche hatte leeren sehen. Und wie er strahlte. Wie sie alle strahlten. Wie sie sich alle an der Hochzeit erfreuen, als wären alle Sorgen vergessen. Den Himmel zeichneten keine Wolken, keine Vorahnung auf Regen in den kommenden Tagen, nur Sterne, die den Palast erhellten und man könnte meinen, Heofader selbst schaue auf sie herab und gebe ihnen seinen Segen. Was auch immer sie morgen erwartete, es konnte warten.<br />
<br />
Es Naila allerdings nicht los, die Vorstellung, was sie heute noch erwartete. All die Geschichten und Erklärungen, die sie von ihren Gesellschafterinnen und ihrer Mutter aufgenommen hatte, hatten ein abstraktes Bild ergeben, was sie nicht so richtig zu deuten wusste - und das machte ihr Angst. Es ließ sie an ihrem vorgesehenen Platz neben Orpheus sitzen mit einem Lächeln, das nur eine Spur zu dünn war und kurz davor war, zu reißen, bevor es ihre Augen erreichte. Während sie mit vielen bekannten Gesichtern sprach und die Glückwünsche dankbar annahm, rührte sie kaum etwas von den Speisen an. Es war ein Wunder, dass sie immer noch mit Eleganz und Grazie über den Boden schwebte und das Lachen echt über ihre Lippen perlte, als sie ganz im Bilde der castandorischen Tradition ein paar Porzellanteller vor ihren Füßen zerscheppern ließ und die Jubelrufe der Umstehenden sie einlullten in warme, weiche Wolken, bis sich ihr Kopf ganz leicht anfühlte. Mit Orpheus von seinem Cousin beansprucht, der einen Arm um seine Schulter legte und ihn weg von seiner Braut zog, drehte Naila sich lächelnd von dem zerbrochenen Porzellan weg und nahm dankend das feuchte Tuch auf einem Tablett entgegen, um die FIngerspitzen von möglichen losen Splittern zu befreien. Ihr Blick glitt über die Gäste, die sich langsam wieder zu der Musik auf der Tanzfläche einfanden, zu Ranya, die sich mit Euphemia ganz prächtig zu verstehen schien, zu Rajani und Anya, die ihre Röcke rauften und lachend umeinander tanzten. <br />
Zu Samir schließlich, dessen Blick den ihren traf und sie von innen wärmte. Naila wartete, bis er nah genug war und sie ihre Worte an ihn richten konnte, ohne die Stimme angestrengt heben zu müssen.<div class="sommerlandcolor"> “Du weißt gar nicht, wie viel es mir bedeutet, dass du der Einladung folgen konntest.”</div> Es war Ehrlichkeit, die sie trotz des lauten Umfeldes mit einer Sanftheit ausdrückte, die ihren Worten mehr Wert verlieh. Und tatsächlich war sie dankbar um jedes matariyyanische Gesicht, das sie heute hier antraf; um jedes Stück Heimat, das sie mitgenommen hatten in einer Fremde, die sie von nun an ihr Zuhause nannte. Dass die matariyyanische Anwesenheit keine Selbstverständlichkeit war, sah man an den <i>fehlenden</i> Gesichtern, denn weder Vater, Mutter, noch Brüder der Braut ließen sich unter den Gästen finden.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Where the light fades]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=759</link>
			<pubDate>Sun, 22 Jun 2025 11:19:26 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=153">Veith Alvarsson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=759</guid>
			<description><![CDATA[Veith zog den dicken Umhang enger um die Schultern, während er sich mit gleichmäßigem Schritt durch das Marktgewimmel von Wintergard bewegte. Der Schnee hatte längst wieder neue Spuren in der festgetretenen Erde hinterlassen, die Händler waren mit dem Einbruch der Dämmerung dabei, ihre Stände abzubauen. Der Duft von Rauch, Tierhäuten und Eisen hing schwer in der Luft. Neben ihm tapste Valda, Sannas zweijährige Tochter, an seiner Hand entlang, während er Helvis Pony hinter sich führte, das Sannas Schlitten mit den übriggebliebenen Fellen ziehen sollte. <br />
Trotz der klirrenden Kälte, die ihm in die Wangen biss, war Veith warm ums Herz, sobald seine Gedanken zu Sanna wanderten und genau dieser Umstand missfiel ihm zutiefst. Er war töricht genug gewesen zu glauben, das Feuer, das die gestrige Nacht in ihm entfacht hatte, würde durch ein wenig Holzhacken am Hof erlöschen. Doch es hatte nicht geglimmt, es hatte gebrannt. Selbst beim Fischen am eisverkrusteten Fluss, selbst während er auf der Burg schweigend die Waffen kontrollierte, war ihr Bild immer wieder in seinem Kopf aufgetaucht. Die Art, wie sie gelächelt hatte, ein wenig zögerlich, ein wenig erstaunt, als sich ihre Lippen in Helvis Küche berührt hatten. Nun war er wieder unterwegs zu ihr. Wieder mit der Hoffnung, einen Blick, ein Wort, vielleicht ein Echo dieses Augenblicks zu erhaschen, obwohl er sich zur Vernunft zwingen wollte. Seine Miene blieb wie aus Stein gemeißelt, kühl und unbeteiligt, doch unter der Oberfläche tobte etwas, das er längst nicht mehr unter Kontrolle hatte. <br />
<br />
Dann entdeckte er sie, die blonde Jägerin zwischen den verbliebenen Marktständen, das Licht des späten Nachmittags verfing sich in einzelnen Strähnen ihres Haars. Veiths Blick glitt zum Schlitten, der unweit von Sanna stand - halb beladen, mit wenig Fellen, die noch auf Abnehmer warteten. Sie hatte offenbar gut verkauft an diesem Tag, trotz der klirrenden Kälte und der müden Gesichter der Marktbesucher. Etwas in ihm lockerte sich für einen Moment, ein Hauch von Stolz vielleicht oder war es doch etwas anderes? Sie war zäh, das wusste er. Zäher als viele Männer, die er kannte. Gerne hätte er ihr am heutigen Tag geholfen, nicht nur jetzt beim Heimbringen der Ladung, sondern auch davor, beim Tragen, beim Ausbreite der Ware, beim Stillstehen in dieser Kälte. <br />
Aber sie war stolz und er war verunsichert.<br />
<br />
Veith straffte die Schultern, zwang die gewohnte Ruhe zurück in seine Züge. Was, wenn sie es bereute? Was, wenn es für sie ein Moment gewesen war, der nie hätte geschehen dürfen? Er wollte sein Gesicht wahren, nicht zu viel preisgeben und somit trat er zunächst stumm wie immer auf die junge Frau zu, während Valda zur Begrüßung in die Arme ihrer Mutter sprang. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„War der Markt gut heute?“</span> fragte er, als Sanna sich schließlich von ihrer Tochter löste. Seine Stimme war ruhig, seine Miene undurchdringlich wie immer, doch unter dem gleichmütigen Blick arbeitete es in ihm. Das flüchtige, viel zu kurze Aufeinandertreffen in Helvis Küche, ihre Lippen auf seinen, die Küsse, die ihm mehr genommen als gegeben hatten und dann war Helvi reingeplatzt. Am Morgen hatte seine Schwester ihm ohne Umschweife die Leviten gelesen. Dass es dumm von ihm gewesen sei, Sanna zu verführen. Dass sein Handeln nicht nur ihn etwas anging, sondern Konsequenzen haben konnte. Ihre Worte waren hart gefallen, scharf wie ein frisch geschliffenes Messer. Veith hatte versucht, ruhig zu bleiben, hatte ihr entgegnet, dass er zu seinen Entscheidungen stand. Dass er Sanna nicht in Schwierigkeiten bringen würde – niemals. Aber für Helvi zählten solche Beteuerungen nichts. Für sie war die Sache klar. Sanna war tabu. Sollte er es dennoch wagen weiterzumachen, würde er sich die Finger verbrennen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür, so hatte sie gesagt, würde sie höchstpersönlich Sorge tragen.<br />
Jetzt stand er vor Sanna, mit jener kühlen Entschlossenheit im Gesicht, die er sich aufgesetzt hatte, als hätte nichts von der Nacht zuvor stattgefunden. Doch unter der Rüstung aus Selbstbeherrschung arbeitete ein Herz, das ihn in der Brust plötzlich schneller schlug, als ihre Blicke sich trafen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Veith zog den dicken Umhang enger um die Schultern, während er sich mit gleichmäßigem Schritt durch das Marktgewimmel von Wintergard bewegte. Der Schnee hatte längst wieder neue Spuren in der festgetretenen Erde hinterlassen, die Händler waren mit dem Einbruch der Dämmerung dabei, ihre Stände abzubauen. Der Duft von Rauch, Tierhäuten und Eisen hing schwer in der Luft. Neben ihm tapste Valda, Sannas zweijährige Tochter, an seiner Hand entlang, während er Helvis Pony hinter sich führte, das Sannas Schlitten mit den übriggebliebenen Fellen ziehen sollte. <br />
Trotz der klirrenden Kälte, die ihm in die Wangen biss, war Veith warm ums Herz, sobald seine Gedanken zu Sanna wanderten und genau dieser Umstand missfiel ihm zutiefst. Er war töricht genug gewesen zu glauben, das Feuer, das die gestrige Nacht in ihm entfacht hatte, würde durch ein wenig Holzhacken am Hof erlöschen. Doch es hatte nicht geglimmt, es hatte gebrannt. Selbst beim Fischen am eisverkrusteten Fluss, selbst während er auf der Burg schweigend die Waffen kontrollierte, war ihr Bild immer wieder in seinem Kopf aufgetaucht. Die Art, wie sie gelächelt hatte, ein wenig zögerlich, ein wenig erstaunt, als sich ihre Lippen in Helvis Küche berührt hatten. Nun war er wieder unterwegs zu ihr. Wieder mit der Hoffnung, einen Blick, ein Wort, vielleicht ein Echo dieses Augenblicks zu erhaschen, obwohl er sich zur Vernunft zwingen wollte. Seine Miene blieb wie aus Stein gemeißelt, kühl und unbeteiligt, doch unter der Oberfläche tobte etwas, das er längst nicht mehr unter Kontrolle hatte. <br />
<br />
Dann entdeckte er sie, die blonde Jägerin zwischen den verbliebenen Marktständen, das Licht des späten Nachmittags verfing sich in einzelnen Strähnen ihres Haars. Veiths Blick glitt zum Schlitten, der unweit von Sanna stand - halb beladen, mit wenig Fellen, die noch auf Abnehmer warteten. Sie hatte offenbar gut verkauft an diesem Tag, trotz der klirrenden Kälte und der müden Gesichter der Marktbesucher. Etwas in ihm lockerte sich für einen Moment, ein Hauch von Stolz vielleicht oder war es doch etwas anderes? Sie war zäh, das wusste er. Zäher als viele Männer, die er kannte. Gerne hätte er ihr am heutigen Tag geholfen, nicht nur jetzt beim Heimbringen der Ladung, sondern auch davor, beim Tragen, beim Ausbreite der Ware, beim Stillstehen in dieser Kälte. <br />
Aber sie war stolz und er war verunsichert.<br />
<br />
Veith straffte die Schultern, zwang die gewohnte Ruhe zurück in seine Züge. Was, wenn sie es bereute? Was, wenn es für sie ein Moment gewesen war, der nie hätte geschehen dürfen? Er wollte sein Gesicht wahren, nicht zu viel preisgeben und somit trat er zunächst stumm wie immer auf die junge Frau zu, während Valda zur Begrüßung in die Arme ihrer Mutter sprang. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„War der Markt gut heute?“</span> fragte er, als Sanna sich schließlich von ihrer Tochter löste. Seine Stimme war ruhig, seine Miene undurchdringlich wie immer, doch unter dem gleichmütigen Blick arbeitete es in ihm. Das flüchtige, viel zu kurze Aufeinandertreffen in Helvis Küche, ihre Lippen auf seinen, die Küsse, die ihm mehr genommen als gegeben hatten und dann war Helvi reingeplatzt. Am Morgen hatte seine Schwester ihm ohne Umschweife die Leviten gelesen. Dass es dumm von ihm gewesen sei, Sanna zu verführen. Dass sein Handeln nicht nur ihn etwas anging, sondern Konsequenzen haben konnte. Ihre Worte waren hart gefallen, scharf wie ein frisch geschliffenes Messer. Veith hatte versucht, ruhig zu bleiben, hatte ihr entgegnet, dass er zu seinen Entscheidungen stand. Dass er Sanna nicht in Schwierigkeiten bringen würde – niemals. Aber für Helvi zählten solche Beteuerungen nichts. Für sie war die Sache klar. Sanna war tabu. Sollte er es dennoch wagen weiterzumachen, würde er sich die Finger verbrennen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dafür, so hatte sie gesagt, würde sie höchstpersönlich Sorge tragen.<br />
Jetzt stand er vor Sanna, mit jener kühlen Entschlossenheit im Gesicht, die er sich aufgesetzt hatte, als hätte nichts von der Nacht zuvor stattgefunden. Doch unter der Rüstung aus Selbstbeherrschung arbeitete ein Herz, das ihn in der Brust plötzlich schneller schlug, als ihre Blicke sich trafen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[beneath northern skies]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=708</link>
			<pubDate>Sat, 29 Mar 2025 11:25:59 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=153">Veith Alvarsson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=708</guid>
			<description><![CDATA[Veith gehörte nicht zu den geselligsten oder zugänglichsten Zeitgenossen am Hof. Doch das hatte ihm nie geschadet. In Wintergard zählte vor allem seine Loyalität zum König und seine Fähigkeit, selbst in hitzigen Auseinandersetzungen einen kühlen Verstand zu behalten. Mit der distanzierten Gelassenheit eines Mannes, der den Übungsplatz besser kannte als den Tanzsaal, verkörperte er die Essenz eines Kriegers: scharfsinnige Beobachtungsgabe, taktisches Geschick und die unerschütterliche Bereitschaft, zu handeln, wenn es darauf ankam. Seine Entscheidungen waren nüchtern und durchdacht, das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und harter Lehren. Womit Veith jedoch weniger Erfahrung besaß, so war es als Geleitschutz für eine Prinzessin zu dienen, denn er war nicht gerade für sein einnehmendes Wesen bekannt. <br />
Er schwieg lieber, anstatt belanglose Konversation zu führen. Stattdessen beobachtete er aufmerksam seine Umgebung, seine Gedanken oft weit entfernt von den banalen Gesprächen, die um ihn herum stattfanden. Doch das war in diesem Fall womöglich sogar von Vorteil, immerhin glaubte er nicht, dass die Prinzessin viel Wert auf einen geschwätzigen Begleiter lag, sondern vielmehr eine ihrer Zofen für diese Zwecke mit zum Markt nahm. <br />
<br />
Von den höfischen Gerüchten und dem ständigen Klatsch hielt sich Veith für gewöhnlich fern. Er hatte weder die Geduld noch das Interesse daran, sich in die oberflächlichen Gespräche zu verstricken, die viele andere so zu fesseln schienen. Für ihn waren diese Scharmützel nichts anderes als belanglose Unterhaltung für diejenigen, die nie mit den wirklichen, lebensbedrohlichen Herausforderungen konfrontiert waren – Menschen, deren Hände nie in Blut getaucht waren, weil sie es vorzogen, die Konsequenzen ihrer Worte und Taten auf andere abzuwälzen. Trotzdem fand er sich nun in einer für ihn ungewöhnlichen Situation wieder. Leif hatte ihn gebeten, die Prinzessin zum Markt zu begleiten, da er selbst keine Zeit dafür hatte oder sich schlicht nicht darum kümmern wollte. Der weißhaarige Krieger wusste, dass sein Freund nicht viel mit seiner Ehefrau anfangen konnte und es überraschte ihn nicht, dass er die Aufgabe lieber weitergab. <br />
Da der Nordländer durch den Unfall seines Vaters recht früh gelernt hatte, Verantwortung für eine Familie zu tragen, die noch aus einer Mutter und drei Schwestern bestand, kam er nicht umhin, auch eine gewisse Verantwortung der Prinzessin gegenüber zu empfinden. Genau wie seine Mutter, war  Aleena in einer völlig anderen Welt aufgewachsen und fremd in dieser rauen Umgebung, deren Sitten und direkte Umgangston ihr sichtlich zu schaffen machten. Veith konnte es ihr nicht verübeln, denn für jemanden von außen musste sein Volk wie ein ungestümer, ungehobelter Haufen wirken. Doch ob sie es wollte oder nicht, diese Menschen waren nun ihre Untertanen und es hatte schon viele Frauen aus fremden Königshäusern gegeben, die in eine Wirklichkeit wie diese verheiratet worden waren. Mit der Zeit würde Aleena in ihre Rolle hineinwachsen, jedenfalls hoffte er es für sie.<br />
<br />
Nun stand der Krieger am Haupttor der Burg und wartete auf besagte Prinzessin. Der eisige Wind pfiff durch die steinernen Zinnen, wirbelte lose Schneeflocken über den Burghof und ließ den Atem der Wachen in weißen Schwaden aufsteigen. Knechte eilten mit gesenkten Köpfen über das Pflaster, während ein Stallbursche gerade dabei war geschäftig eines der Pferde zu satteln. Der Winter hatte die Stadt fest im Griff und selbst die Bewohner der Burg, die das raue Klima gewohnt waren, wirkten heute besonders ungeduldig, sich ins Warme zurückzuziehen. Veith verschränkte die Arme vor der Brust und ließ den Blick über den Hof schweifen. Der Wind trug das entfernte Wiehern der Pferde aus den Stallungen heran, während die Prinzessin noch immer auf sich warten ließ. Er zog den Umhang enger um die Schultern und atmete tief die kalte Morgenluft ein. Was auch immer dieser Tag bringen mochte, er würde ihn mit der gleichen stoischen Gelassenheit angehen wie jede andere Aufgabe, um die er gebeten worden war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Veith gehörte nicht zu den geselligsten oder zugänglichsten Zeitgenossen am Hof. Doch das hatte ihm nie geschadet. In Wintergard zählte vor allem seine Loyalität zum König und seine Fähigkeit, selbst in hitzigen Auseinandersetzungen einen kühlen Verstand zu behalten. Mit der distanzierten Gelassenheit eines Mannes, der den Übungsplatz besser kannte als den Tanzsaal, verkörperte er die Essenz eines Kriegers: scharfsinnige Beobachtungsgabe, taktisches Geschick und die unerschütterliche Bereitschaft, zu handeln, wenn es darauf ankam. Seine Entscheidungen waren nüchtern und durchdacht, das Ergebnis jahrelanger Erfahrung und harter Lehren. Womit Veith jedoch weniger Erfahrung besaß, so war es als Geleitschutz für eine Prinzessin zu dienen, denn er war nicht gerade für sein einnehmendes Wesen bekannt. <br />
Er schwieg lieber, anstatt belanglose Konversation zu führen. Stattdessen beobachtete er aufmerksam seine Umgebung, seine Gedanken oft weit entfernt von den banalen Gesprächen, die um ihn herum stattfanden. Doch das war in diesem Fall womöglich sogar von Vorteil, immerhin glaubte er nicht, dass die Prinzessin viel Wert auf einen geschwätzigen Begleiter lag, sondern vielmehr eine ihrer Zofen für diese Zwecke mit zum Markt nahm. <br />
<br />
Von den höfischen Gerüchten und dem ständigen Klatsch hielt sich Veith für gewöhnlich fern. Er hatte weder die Geduld noch das Interesse daran, sich in die oberflächlichen Gespräche zu verstricken, die viele andere so zu fesseln schienen. Für ihn waren diese Scharmützel nichts anderes als belanglose Unterhaltung für diejenigen, die nie mit den wirklichen, lebensbedrohlichen Herausforderungen konfrontiert waren – Menschen, deren Hände nie in Blut getaucht waren, weil sie es vorzogen, die Konsequenzen ihrer Worte und Taten auf andere abzuwälzen. Trotzdem fand er sich nun in einer für ihn ungewöhnlichen Situation wieder. Leif hatte ihn gebeten, die Prinzessin zum Markt zu begleiten, da er selbst keine Zeit dafür hatte oder sich schlicht nicht darum kümmern wollte. Der weißhaarige Krieger wusste, dass sein Freund nicht viel mit seiner Ehefrau anfangen konnte und es überraschte ihn nicht, dass er die Aufgabe lieber weitergab. <br />
Da der Nordländer durch den Unfall seines Vaters recht früh gelernt hatte, Verantwortung für eine Familie zu tragen, die noch aus einer Mutter und drei Schwestern bestand, kam er nicht umhin, auch eine gewisse Verantwortung der Prinzessin gegenüber zu empfinden. Genau wie seine Mutter, war  Aleena in einer völlig anderen Welt aufgewachsen und fremd in dieser rauen Umgebung, deren Sitten und direkte Umgangston ihr sichtlich zu schaffen machten. Veith konnte es ihr nicht verübeln, denn für jemanden von außen musste sein Volk wie ein ungestümer, ungehobelter Haufen wirken. Doch ob sie es wollte oder nicht, diese Menschen waren nun ihre Untertanen und es hatte schon viele Frauen aus fremden Königshäusern gegeben, die in eine Wirklichkeit wie diese verheiratet worden waren. Mit der Zeit würde Aleena in ihre Rolle hineinwachsen, jedenfalls hoffte er es für sie.<br />
<br />
Nun stand der Krieger am Haupttor der Burg und wartete auf besagte Prinzessin. Der eisige Wind pfiff durch die steinernen Zinnen, wirbelte lose Schneeflocken über den Burghof und ließ den Atem der Wachen in weißen Schwaden aufsteigen. Knechte eilten mit gesenkten Köpfen über das Pflaster, während ein Stallbursche gerade dabei war geschäftig eines der Pferde zu satteln. Der Winter hatte die Stadt fest im Griff und selbst die Bewohner der Burg, die das raue Klima gewohnt waren, wirkten heute besonders ungeduldig, sich ins Warme zurückzuziehen. Veith verschränkte die Arme vor der Brust und ließ den Blick über den Hof schweifen. Der Wind trug das entfernte Wiehern der Pferde aus den Stallungen heran, während die Prinzessin noch immer auf sich warten ließ. Er zog den Umhang enger um die Schultern und atmete tief die kalte Morgenluft ein. Was auch immer dieser Tag bringen mochte, er würde ihn mit der gleichen stoischen Gelassenheit angehen wie jede andere Aufgabe, um die er gebeten worden war.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Who lives, Who Dies, Who tells your Story]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=697</link>
			<pubDate>Thu, 13 Mar 2025 15:40:16 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=17">Leif Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=697</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/759769bd4fdb2ecd997c999248258b14/6bcc7130b384b80c-54/s400x600/1626f94587867383c2112074ab169929778b8d51.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Nach einem langen Tag an der frischen Luft fühlte es sich immer besonders verdient an, in einen Raum mit offenem Feuer zu treten. Von den kalten Schatten der Bäume blieb nur noch Holz übrig, das Planken, Stützen und den viel genutzten Boden in einem reichen Braun zierte. Stimmen füllten den Raum in dem angenehmen Summen des Feierabends, begleitet von dem ein oder anderen Krugstoß und etwas Bier, das über Arbeiterhände schwappte. Im Schein des offenen Herdfeuers tanzte das Fell des toten Hirsches mit dem prächtigen Geweih, welches Leif kurz aufschauen ließ, als er mit schweren, festen Schritten den Raum durchquerte. Es gab keinen Aufruhr, nur weil er es war, der die Tür aufstieß. Niemand unterbrach ein privates Gespräch und verrenkte sich den Nacken, um dem Kronprinzen dabei zuzusehen, wie er einer alltäglichen Beschäftigung nachging. Das obligatorische Zurufen und Zuprosten abnickend, klopfte er seinem Begleiter auf die Schulter und deute auf einen freien Tisch, bevor er selbst die Theke anstrebte und bald darauf mit zwei schweren Krügen in den Händen zurückkehrte.  <br />
Wie musste es sich wohl anfühlen, ein Adliger in den heißen Ländern zu sein. Wenn er sich nicht recht täuschte, dann durfte dort unten sogar eine großkönigliche Hochzeit stattfinden, aber wer hatte in diesen Zeiten überhaupt den Kopf dafür? Sollte Augusto nicht lieber zusehen, dass ihm sein Land nicht unter dem Fettarsch weggezogen wurde und er auf kaltem Stein sitzen durfte? Leif merkte man in den letzten Wochen besonders an, dass er in seinem Kopf Platz für genau eine Sache hatte, und das hatte nichts mit Frau und Wein zutun - nichts, was er den Castellanos täglich anprangerte und sie beileibe gerne mit bloßen Händen darin ertränken würde, bis ihr aufgedunsenes Gesicht fett und vollgesogen durch ihr dämliches Gesöff schwamm. Wenn überhaupt, dann hatte Leif sich noch nie ferner von allen Feierlichkeiten gefühlt. Sein Lächeln hatte sich noch nie so falsch und verboten angefühlt, während er überspielte, dass ihm seit dem Eisfeuerfest jegliche Freude am Feiern vergangen war. <br />
Doch hier ließ er sich nieder, den Bierkrug in der Hand, wo er mit Erik, Kjell, Halger und Veith schon unzählige Male ein Wiedersehen gefeiert hatte. Eigentlich fanden sie immer einen Grund, in der Schenke vorbeizuschauen, die Leif mittlerweile schon fast sein drittes Zuhause nennen konnte, und sei es nur, um einen lausigen Geburtstag nachzuholen. Heute fehlten der Gruppe drei Männer, aber das hielt Halger und ihn nicht davon ab, die Erinnerungen zu würdigen und ein weiteres Mal voneinander Abschied zu nehmen, bevor es Leif auf seine Reise zog. Ohne Worte hob er den Krug und schlug ihn gegen den des anderen, dass auch über seine Kriegerhand etwas Bier schwappte.<br />
<font color="#CAC9FD">“Ich bin guter Dinge”</font>, begann er schließlich, zurückgelehnt und mit einem Bein auf seinem Knie. Sein Blick ruhte auf Halger in der alten Vertrautheit, die er mit ihm teilte - eine, die von so einer rohen Einfachheit geprägt war, dass er sie nur mit einer Handvoll Männer teilte. <font color="#CAC9FD">“Wenn du jetzt noch packst, dir selbst Disziplin beizubringen, dann kann das bei den anderen auch noch was werden.”</font> Was hatte er sich eigentlich dabei gedacht, Halger den Aufbau des Lagers zu überlassen, hm? Leif musste wohl felsenfest von den Fähigkeiten seines Freundes überzeugt sein, dass er mit seinem Vorschlag nicht nur vor den Königsrat getreten war, sondern Halger auch vor seinem eigenen Vater vertreten hatte. Es gab einige Entscheidungen, die der Prinz bereute, aber das Vertrauen in den rothaarigen Hünen war keine davon. Er war alt genug, um sich seiner Verantwortung für sein Land zu stellen und die Schürzenjagd zum Nebenberuf zu machen, älter als Leif und mit einem großen Herzen gesegnet. Und sollte er doch darin versagen, die Krieger auszubilden, die das Land brauchte, dann gab es da immer noch eine ganze Burgbesatzung, die ihm schon Feuer unter dem Hintern machen würde.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/759769bd4fdb2ecd997c999248258b14/6bcc7130b384b80c-54/s400x600/1626f94587867383c2112074ab169929778b8d51.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Nach einem langen Tag an der frischen Luft fühlte es sich immer besonders verdient an, in einen Raum mit offenem Feuer zu treten. Von den kalten Schatten der Bäume blieb nur noch Holz übrig, das Planken, Stützen und den viel genutzten Boden in einem reichen Braun zierte. Stimmen füllten den Raum in dem angenehmen Summen des Feierabends, begleitet von dem ein oder anderen Krugstoß und etwas Bier, das über Arbeiterhände schwappte. Im Schein des offenen Herdfeuers tanzte das Fell des toten Hirsches mit dem prächtigen Geweih, welches Leif kurz aufschauen ließ, als er mit schweren, festen Schritten den Raum durchquerte. Es gab keinen Aufruhr, nur weil er es war, der die Tür aufstieß. Niemand unterbrach ein privates Gespräch und verrenkte sich den Nacken, um dem Kronprinzen dabei zuzusehen, wie er einer alltäglichen Beschäftigung nachging. Das obligatorische Zurufen und Zuprosten abnickend, klopfte er seinem Begleiter auf die Schulter und deute auf einen freien Tisch, bevor er selbst die Theke anstrebte und bald darauf mit zwei schweren Krügen in den Händen zurückkehrte.  <br />
Wie musste es sich wohl anfühlen, ein Adliger in den heißen Ländern zu sein. Wenn er sich nicht recht täuschte, dann durfte dort unten sogar eine großkönigliche Hochzeit stattfinden, aber wer hatte in diesen Zeiten überhaupt den Kopf dafür? Sollte Augusto nicht lieber zusehen, dass ihm sein Land nicht unter dem Fettarsch weggezogen wurde und er auf kaltem Stein sitzen durfte? Leif merkte man in den letzten Wochen besonders an, dass er in seinem Kopf Platz für genau eine Sache hatte, und das hatte nichts mit Frau und Wein zutun - nichts, was er den Castellanos täglich anprangerte und sie beileibe gerne mit bloßen Händen darin ertränken würde, bis ihr aufgedunsenes Gesicht fett und vollgesogen durch ihr dämliches Gesöff schwamm. Wenn überhaupt, dann hatte Leif sich noch nie ferner von allen Feierlichkeiten gefühlt. Sein Lächeln hatte sich noch nie so falsch und verboten angefühlt, während er überspielte, dass ihm seit dem Eisfeuerfest jegliche Freude am Feiern vergangen war. <br />
Doch hier ließ er sich nieder, den Bierkrug in der Hand, wo er mit Erik, Kjell, Halger und Veith schon unzählige Male ein Wiedersehen gefeiert hatte. Eigentlich fanden sie immer einen Grund, in der Schenke vorbeizuschauen, die Leif mittlerweile schon fast sein drittes Zuhause nennen konnte, und sei es nur, um einen lausigen Geburtstag nachzuholen. Heute fehlten der Gruppe drei Männer, aber das hielt Halger und ihn nicht davon ab, die Erinnerungen zu würdigen und ein weiteres Mal voneinander Abschied zu nehmen, bevor es Leif auf seine Reise zog. Ohne Worte hob er den Krug und schlug ihn gegen den des anderen, dass auch über seine Kriegerhand etwas Bier schwappte.<br />
<font color="#CAC9FD">“Ich bin guter Dinge”</font>, begann er schließlich, zurückgelehnt und mit einem Bein auf seinem Knie. Sein Blick ruhte auf Halger in der alten Vertrautheit, die er mit ihm teilte - eine, die von so einer rohen Einfachheit geprägt war, dass er sie nur mit einer Handvoll Männer teilte. <font color="#CAC9FD">“Wenn du jetzt noch packst, dir selbst Disziplin beizubringen, dann kann das bei den anderen auch noch was werden.”</font> Was hatte er sich eigentlich dabei gedacht, Halger den Aufbau des Lagers zu überlassen, hm? Leif musste wohl felsenfest von den Fähigkeiten seines Freundes überzeugt sein, dass er mit seinem Vorschlag nicht nur vor den Königsrat getreten war, sondern Halger auch vor seinem eigenen Vater vertreten hatte. Es gab einige Entscheidungen, die der Prinz bereute, aber das Vertrauen in den rothaarigen Hünen war keine davon. Er war alt genug, um sich seiner Verantwortung für sein Land zu stellen und die Schürzenjagd zum Nebenberuf zu machen, älter als Leif und mit einem großen Herzen gesegnet. Und sollte er doch darin versagen, die Krieger auszubilden, die das Land brauchte, dann gab es da immer noch eine ganze Burgbesatzung, die ihm schon Feuer unter dem Hintern machen würde.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[velvet nights & silent schemes]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=636</link>
			<pubDate>Sun, 01 Dec 2024 15:51:28 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=105">Zariyah Silk</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=636</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.postimg.cc/4y0Z2v1g/nadir-szene.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Die letzten Tage hatte Zariyah kaum Ruhe gefunden. Immer wieder drängte sich der Gedanke an diesen einen Kunden in ihren Kopf, an den Mann, der vor wenigen Tagen in ihr Leben getreten war, seine Augen wie funkelnde Dolche, seine Präsenz wie ein Sturm. Als er sie verließ, hatte er irgendetwas von ihr mit sich genommen – etwas, das die Mechanismen ihrer Profession durcheinanderbrachte. Der Gedanke, dass er sie durchschauen könnte, dass er etwas in ihr sah, das niemand je bemerkt hatte, ließ sie nicht los. Ein unbekannter Schmerz nagte an ihr, und der Widerstand gegen die ungewöhnlichen, verbotenen Gefühle, die dieser Mann in ihr hervorrief, brachte ihre Zellen zum Brennen.<br />
<br />
Diese Begegnung beschäftigte sie bis heute so sehr, dass sie sich kaum auf das konzentrieren konnte, was sie tat. Ihr Körper reagierte noch immer unwillkürlich, als sie sich an die Erinnerung klammerte, aber sie verdrängte die zarten Regungen tief in sich. Gefühle, die nicht in ihre Welt passten. Sie atmete tief durch, um sich wieder zu sammeln, und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Raum zu, in dem sie sich jetzt befand.<br />
<br />
Die schweren, elfenbeinfarbenen Tücher, die elegant von der gewölbten Decke des Boudoirs herabhingen, wiegten sich leicht in der warmen Luft. Zaryiah strich mit den Fingern über die seidigen Stoffbahnen, prüfte die Spannung und richtete eine letzte Schlaufe, die perfekt in Augenhöhe schwebte. Sie wusste, wie sehr Nadir es liebte, sie in der Luft zu sehen, schwerelos, wie eine Göttin, die ihm einen flüchtigen Blick auf ein Jenseits schenkte, das sie nie ganz erreichen würden. Heute würde sie ihm diese Illusion erneut schenken, doch wie immer nicht ohne Hintergedanken.<br />
<br />
Das Zimmer war erfüllt von einem betörenden Duft nach Sandelholz und Rosen, der aus den filigranen Messinggefäßen mit glimmenden Kohlen aufstieg. Gedämpftes Licht fiel durch die farbigen Glasfenster und malte Muster aus Purpur, Gold und Smaragd auf die weichen Kissen und Teppiche, die den Boden bedeckten. In einer Ecke plätscherte leise ein Brunnen, dessen Wasser über Marmor lief und für eine beinahe tranceartige Ruhe sorgte. Es war eine Welt fernab der Realität, geschaffen, um zu verführen, zu täuschen – und zu hören.<br />
<br />
Zaryiah ließ sich auf einen Stapel weicher Kissen sinken und betrachtete ihr Spiegelbild in der polierten Silberschale gegenüber. Das hauchzarte <a href="https://i.postimg.cc/dQNq0vcx/DALL-E-2024-12-01-15-15-42-A-stunning-purple-dress-with-an-Arabian-Oriental-design-featuring-intr.webp" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Gewand</span></a>, das sie trug, fiel in lasziven Falten über ihre schmale Gestalt. Der Stoff war gerade so dicht gewebt, dass er mehr verbarg, als es zeigte, und dennoch war er durchscheinend genug, um die königliche Fantasie anzuregen. Purpur, seine Lieblingsfarbe, ließ ihre bronzene Haut wie poliertes Kupfer wirken, die goldenen Ornamente machten aus einer gewöhnlichen Hure für eine Nacht eine edle Frau. Am rechten Oberarm schimmerten die filigranen Zwillingsreifen in schönstem Gold, ein Geschenk von ihm – eines, das sie mit Bedacht trug, denn es erzählte ihm, dass sie ihn nicht vergessen hatte. Und dennoch war Zaryiah alles andere als das, was sie ihm zeigte. Die vertraute Wärme, die sie für seine Gesellschaft empfand, vermochte nicht, die kühle Klarheit zu vertreiben, die tief in ihr Wurzeln geschlagen hatte. Jeder Besuch war eine Gelegenheit, ein Faden im Netz aus Geheimnissen, das sie um sich spannte. Aber manchmal, so wie heute, wünschte sie, dass sie einfach nur Zaryiah sein könnte, die junge Frau, die sich auf den Besuch eines verehrten Stammkunden freute.<br />
<br />
Die Minuten zogen sich dahin, während sie das Arrangement des Raumes ein letztes Mal mit prüfendem Blick betrachtete. Die niedrige Tafel mit den Trauben und Datteln, die Karaffe mit dem süßen Wein – alles war perfekt. Sie lehnte sich zurück, die schlanken Finger auf den Kissen ruhend, und lauschte auf die Geräusche außerhalb des Zimmers. Schritte näherten sich, dumpf gedämpft vom dicken Teppich des Flurs. Ein leises Klopfen ertönte. Zaryiah richtete sich auf, zog die Schultern zurück und legte ein sanftes, beinahe träges Lächeln auf. Die Tür öffnete sich, und eine der jungen Dienerinnen trat ein. Sie senkte den Blick, bevor sie mit einer geschmeidigen Bewegung zur Seite trat, um Platz zu machen.<br />
<br />
<b>„Da seid Ihr ja, <i>ameeri</i>“</b>, sagte sie leise, bevor sie sich erhob und in geschmeidigen, angemessen tiefen Knicks verfiel, den Kopf geneigt, wie es seiner hochgeborenen Stellung geziemte.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.postimg.cc/4y0Z2v1g/nadir-szene.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Die letzten Tage hatte Zariyah kaum Ruhe gefunden. Immer wieder drängte sich der Gedanke an diesen einen Kunden in ihren Kopf, an den Mann, der vor wenigen Tagen in ihr Leben getreten war, seine Augen wie funkelnde Dolche, seine Präsenz wie ein Sturm. Als er sie verließ, hatte er irgendetwas von ihr mit sich genommen – etwas, das die Mechanismen ihrer Profession durcheinanderbrachte. Der Gedanke, dass er sie durchschauen könnte, dass er etwas in ihr sah, das niemand je bemerkt hatte, ließ sie nicht los. Ein unbekannter Schmerz nagte an ihr, und der Widerstand gegen die ungewöhnlichen, verbotenen Gefühle, die dieser Mann in ihr hervorrief, brachte ihre Zellen zum Brennen.<br />
<br />
Diese Begegnung beschäftigte sie bis heute so sehr, dass sie sich kaum auf das konzentrieren konnte, was sie tat. Ihr Körper reagierte noch immer unwillkürlich, als sie sich an die Erinnerung klammerte, aber sie verdrängte die zarten Regungen tief in sich. Gefühle, die nicht in ihre Welt passten. Sie atmete tief durch, um sich wieder zu sammeln, und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Raum zu, in dem sie sich jetzt befand.<br />
<br />
Die schweren, elfenbeinfarbenen Tücher, die elegant von der gewölbten Decke des Boudoirs herabhingen, wiegten sich leicht in der warmen Luft. Zaryiah strich mit den Fingern über die seidigen Stoffbahnen, prüfte die Spannung und richtete eine letzte Schlaufe, die perfekt in Augenhöhe schwebte. Sie wusste, wie sehr Nadir es liebte, sie in der Luft zu sehen, schwerelos, wie eine Göttin, die ihm einen flüchtigen Blick auf ein Jenseits schenkte, das sie nie ganz erreichen würden. Heute würde sie ihm diese Illusion erneut schenken, doch wie immer nicht ohne Hintergedanken.<br />
<br />
Das Zimmer war erfüllt von einem betörenden Duft nach Sandelholz und Rosen, der aus den filigranen Messinggefäßen mit glimmenden Kohlen aufstieg. Gedämpftes Licht fiel durch die farbigen Glasfenster und malte Muster aus Purpur, Gold und Smaragd auf die weichen Kissen und Teppiche, die den Boden bedeckten. In einer Ecke plätscherte leise ein Brunnen, dessen Wasser über Marmor lief und für eine beinahe tranceartige Ruhe sorgte. Es war eine Welt fernab der Realität, geschaffen, um zu verführen, zu täuschen – und zu hören.<br />
<br />
Zaryiah ließ sich auf einen Stapel weicher Kissen sinken und betrachtete ihr Spiegelbild in der polierten Silberschale gegenüber. Das hauchzarte <a href="https://i.postimg.cc/dQNq0vcx/DALL-E-2024-12-01-15-15-42-A-stunning-purple-dress-with-an-Arabian-Oriental-design-featuring-intr.webp" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url"><span style="font-size: small;" class="mycode_size">Gewand</span></a>, das sie trug, fiel in lasziven Falten über ihre schmale Gestalt. Der Stoff war gerade so dicht gewebt, dass er mehr verbarg, als es zeigte, und dennoch war er durchscheinend genug, um die königliche Fantasie anzuregen. Purpur, seine Lieblingsfarbe, ließ ihre bronzene Haut wie poliertes Kupfer wirken, die goldenen Ornamente machten aus einer gewöhnlichen Hure für eine Nacht eine edle Frau. Am rechten Oberarm schimmerten die filigranen Zwillingsreifen in schönstem Gold, ein Geschenk von ihm – eines, das sie mit Bedacht trug, denn es erzählte ihm, dass sie ihn nicht vergessen hatte. Und dennoch war Zaryiah alles andere als das, was sie ihm zeigte. Die vertraute Wärme, die sie für seine Gesellschaft empfand, vermochte nicht, die kühle Klarheit zu vertreiben, die tief in ihr Wurzeln geschlagen hatte. Jeder Besuch war eine Gelegenheit, ein Faden im Netz aus Geheimnissen, das sie um sich spannte. Aber manchmal, so wie heute, wünschte sie, dass sie einfach nur Zaryiah sein könnte, die junge Frau, die sich auf den Besuch eines verehrten Stammkunden freute.<br />
<br />
Die Minuten zogen sich dahin, während sie das Arrangement des Raumes ein letztes Mal mit prüfendem Blick betrachtete. Die niedrige Tafel mit den Trauben und Datteln, die Karaffe mit dem süßen Wein – alles war perfekt. Sie lehnte sich zurück, die schlanken Finger auf den Kissen ruhend, und lauschte auf die Geräusche außerhalb des Zimmers. Schritte näherten sich, dumpf gedämpft vom dicken Teppich des Flurs. Ein leises Klopfen ertönte. Zaryiah richtete sich auf, zog die Schultern zurück und legte ein sanftes, beinahe träges Lächeln auf. Die Tür öffnete sich, und eine der jungen Dienerinnen trat ein. Sie senkte den Blick, bevor sie mit einer geschmeidigen Bewegung zur Seite trat, um Platz zu machen.<br />
<br />
<b>„Da seid Ihr ja, <i>ameeri</i>“</b>, sagte sie leise, bevor sie sich erhob und in geschmeidigen, angemessen tiefen Knicks verfiel, den Kopf geneigt, wie es seiner hochgeborenen Stellung geziemte.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[What will your pleasure be?]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=595</link>
			<pubDate>Thu, 31 Oct 2024 12:45:38 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=60">Yasirah ben Sahid</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=595</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/33/82/0b/33820b6e55e222f967a7f6ce244b3948.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">What will your pleasure be?<br />
<div style="font-size:18px;">answer all your midnight prayers</div>
</div>
<br />
Ein weitere Tag zwischen Besprechungen, Planungen, Anschuldigungen und kritischen Blicken ging zu Ende. Die Sonne war in einem blutroten Himmel untergegangen und ließ das Sommerland brütend und schwitzend in seinem Elend zurück. So wie jeden Tag. Es war ein unendlicher Kreislauf voller Tränen, Verzweiflung und Wut, dem Yasirah einfach nichts mehr entgegen zu setzen hatte. Sie wusste, dass es eng werden würde. Sie wusste, dass sie ihren König brauchten. Einen Regenten, der dem Volk Mut machte, der sie dazu anhielt weiter zu kämpfen, obwohl es schier aussichtslos zu sein schien. Jemand, zu dem sie aufsehen konnten und nicht jemanden, den sie mit all' ihrem Leben verachteten. Die Stimmung in ihrem Land war aufgeheizt. Lange Zeit haben sie gedacht, dass sich das von alleine legen würde, dass das Land sowieso zu schwach wäre sich zu erheben. Wie sich Yasirah und Ridvan da nur getäuscht hatten. Und jetzt? Jetzt schien alles zu spät. Ihr Körnig, Yasirahs Ehemann, litt unter seinem eigenen vom Opium vernebelten Geist, geplagt von Paranoia und Ängsten, die selbst durch die sanften Hände seiner Ehefrau nicht gelindert werden konnten. Immer wieder hat sie es versucht, hat versucht zu ihm durchzudringen, ihn zu bitten endlich aufzuwachen. Doch die Wand um seinen Geist war zu hoch. Die Angst viel zu übermächtig. Sie war auf sich alleine gestellt. <br />
<br />
Wochen vergingen. Irgendwann Monate. Mittlerweile herrschte dieser Zustand schon länger als ein ganzes Jahr. Immer wieder vertröstete sie die Berater, die ihr mittlerweile nur noch kritische Blicke zuwarfen und sich nur aus reiner Loyalität zum König noch nicht abgewendet haben, denn... eine Frau an der Spitze war undenkbar. Niemand würde auf sie hören. Sie war zum Kinder gebären und zum Tanzen da. Schleier sollten ihr Gesicht und ihren nackten Körper umhüllen, während ihr Lebensinhalt war die Männer in diesem Land zu beglücken. Keine Sklavin, denn dafür waren ihre Schatzkammern zu prall gefüllt, aber doch eine Gefangene. Eine Gefangene ihrer eigenen Kultur. Ihres eigenen Geschlechts. Niemals würde eine Frau als Königin dieses Landes akzeptiert werden, so viel stand fest. <br />
<br />
Seit langer Zeit schon kämpfte Yasirah mit ihren ruhelosen Gedanken. Pläne über Pläne waren geschmiedet worden und dann doch verworfen. Es gab nur wenig Menschen, denen sie vertraute und mit denen sie reden konnte. Naila, ihre eigene Tochter, hatte mitunter die besten Ratschläge gehabt, doch war sie nun fort, um ihr eigenes Leben an der Spitze eines Landes zu beginnen. Ismeth, der Berater, dem sie vor wenigen Monaten verfallen war, war nur ein einfacher Züchter und Händler. Obwohl seine Zunge und seine Finger fantastisches leisten konnten, war er nicht dazu in der Lage ihr aus ihrem Dilemma zu helfen. Er konnte für Ablenkung sorgen, ihr Glücksgefühle schenken, von denen sie nicht mehr dachte sie jemals fühlen zu können, doch ihre Seele heilen konnte selbst er nicht. Egal wie sie es drehte und wendete, das Ergebnis war immer das Gleiche: Ridvan musste sterben. Das war die einzige Möglichkeit um dieses Land zu retten. Fayyad, Yasirahs erstgeborener Sohn, wurde schon sein ganzes Leben auf diesen Moment vorbereitet. Er würde herrschen und er würde es gut machen. Er würde es hoffentlich besser machen, als alle zuvor. Er würde endlich der König sein, den dieses Land brauchte... Falls sie denn noch alle so lange durchhielten.<br />
<br />
Seufzen ließ sich die Königin auf eine große Schaukel voller weicher Kissen sinken. In dieser kleinen Oase inmitten ihrer Gärten fand sie Ruhe. Jedenfalls so viel Ruhe, wie sie in ihrer Situation eben finden konnte. Palmen verdeckten den Blick auf die gebrochene Königin, während Wasserspeier für leises Plätschern sorgten. Obwohl die Sonne längst untergegangen war, war es beinahe unerträglich heiß, weswegen lediglich ein leichtes Satin-Kleid ihren schlanken Körper bedeckte, jedoch auch viele Stellen einfach frei ließ. Beinahe haardünne Träge waren das einzige, was ihre Schultern zierte, um das Kleid an Ort und Stelle zu halten. Die Haare fielen offen über die sonst so nackten Schultern und umrahmten in sanften Wellen ihr sonst so kantiges Gesicht. Dunkle Schatten lagen unter den braunen Augen der Königin, während sie sich erschöpft in die Kissen fallen ließ. Sie vermisste es hier mit Ridvan zu sitzen und dem Schreien der Pfauen zu lauschen. Eigentlich  vermisste sie alles an ihrem alten Leben, in dem es noch einfach war eine Herrscherin zu sein. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/33/82/0b/33820b6e55e222f967a7f6ce244b3948.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">What will your pleasure be?<br />
<div style="font-size:18px;">answer all your midnight prayers</div>
</div>
<br />
Ein weitere Tag zwischen Besprechungen, Planungen, Anschuldigungen und kritischen Blicken ging zu Ende. Die Sonne war in einem blutroten Himmel untergegangen und ließ das Sommerland brütend und schwitzend in seinem Elend zurück. So wie jeden Tag. Es war ein unendlicher Kreislauf voller Tränen, Verzweiflung und Wut, dem Yasirah einfach nichts mehr entgegen zu setzen hatte. Sie wusste, dass es eng werden würde. Sie wusste, dass sie ihren König brauchten. Einen Regenten, der dem Volk Mut machte, der sie dazu anhielt weiter zu kämpfen, obwohl es schier aussichtslos zu sein schien. Jemand, zu dem sie aufsehen konnten und nicht jemanden, den sie mit all' ihrem Leben verachteten. Die Stimmung in ihrem Land war aufgeheizt. Lange Zeit haben sie gedacht, dass sich das von alleine legen würde, dass das Land sowieso zu schwach wäre sich zu erheben. Wie sich Yasirah und Ridvan da nur getäuscht hatten. Und jetzt? Jetzt schien alles zu spät. Ihr Körnig, Yasirahs Ehemann, litt unter seinem eigenen vom Opium vernebelten Geist, geplagt von Paranoia und Ängsten, die selbst durch die sanften Hände seiner Ehefrau nicht gelindert werden konnten. Immer wieder hat sie es versucht, hat versucht zu ihm durchzudringen, ihn zu bitten endlich aufzuwachen. Doch die Wand um seinen Geist war zu hoch. Die Angst viel zu übermächtig. Sie war auf sich alleine gestellt. <br />
<br />
Wochen vergingen. Irgendwann Monate. Mittlerweile herrschte dieser Zustand schon länger als ein ganzes Jahr. Immer wieder vertröstete sie die Berater, die ihr mittlerweile nur noch kritische Blicke zuwarfen und sich nur aus reiner Loyalität zum König noch nicht abgewendet haben, denn... eine Frau an der Spitze war undenkbar. Niemand würde auf sie hören. Sie war zum Kinder gebären und zum Tanzen da. Schleier sollten ihr Gesicht und ihren nackten Körper umhüllen, während ihr Lebensinhalt war die Männer in diesem Land zu beglücken. Keine Sklavin, denn dafür waren ihre Schatzkammern zu prall gefüllt, aber doch eine Gefangene. Eine Gefangene ihrer eigenen Kultur. Ihres eigenen Geschlechts. Niemals würde eine Frau als Königin dieses Landes akzeptiert werden, so viel stand fest. <br />
<br />
Seit langer Zeit schon kämpfte Yasirah mit ihren ruhelosen Gedanken. Pläne über Pläne waren geschmiedet worden und dann doch verworfen. Es gab nur wenig Menschen, denen sie vertraute und mit denen sie reden konnte. Naila, ihre eigene Tochter, hatte mitunter die besten Ratschläge gehabt, doch war sie nun fort, um ihr eigenes Leben an der Spitze eines Landes zu beginnen. Ismeth, der Berater, dem sie vor wenigen Monaten verfallen war, war nur ein einfacher Züchter und Händler. Obwohl seine Zunge und seine Finger fantastisches leisten konnten, war er nicht dazu in der Lage ihr aus ihrem Dilemma zu helfen. Er konnte für Ablenkung sorgen, ihr Glücksgefühle schenken, von denen sie nicht mehr dachte sie jemals fühlen zu können, doch ihre Seele heilen konnte selbst er nicht. Egal wie sie es drehte und wendete, das Ergebnis war immer das Gleiche: Ridvan musste sterben. Das war die einzige Möglichkeit um dieses Land zu retten. Fayyad, Yasirahs erstgeborener Sohn, wurde schon sein ganzes Leben auf diesen Moment vorbereitet. Er würde herrschen und er würde es gut machen. Er würde es hoffentlich besser machen, als alle zuvor. Er würde endlich der König sein, den dieses Land brauchte... Falls sie denn noch alle so lange durchhielten.<br />
<br />
Seufzen ließ sich die Königin auf eine große Schaukel voller weicher Kissen sinken. In dieser kleinen Oase inmitten ihrer Gärten fand sie Ruhe. Jedenfalls so viel Ruhe, wie sie in ihrer Situation eben finden konnte. Palmen verdeckten den Blick auf die gebrochene Königin, während Wasserspeier für leises Plätschern sorgten. Obwohl die Sonne längst untergegangen war, war es beinahe unerträglich heiß, weswegen lediglich ein leichtes Satin-Kleid ihren schlanken Körper bedeckte, jedoch auch viele Stellen einfach frei ließ. Beinahe haardünne Träge waren das einzige, was ihre Schultern zierte, um das Kleid an Ort und Stelle zu halten. Die Haare fielen offen über die sonst so nackten Schultern und umrahmten in sanften Wellen ihr sonst so kantiges Gesicht. Dunkle Schatten lagen unter den braunen Augen der Königin, während sie sich erschöpft in die Kissen fallen ließ. Sie vermisste es hier mit Ridvan zu sitzen und dem Schreien der Pfauen zu lauschen. Eigentlich  vermisste sie alles an ihrem alten Leben, in dem es noch einfach war eine Herrscherin zu sein. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>