<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
	<channel>
		<title><![CDATA[Facing the Storm - Walleydor - Das Frühlingsland]]></title>
		<link>https://facingthestorm.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestorm.de]]></description>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 04:31:39 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[With everything, I won't let this go]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=730</link>
			<pubDate>Sat, 31 May 2025 17:14:27 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=35">Sanna Lorenson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=730</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate2">Sanna hatte sich schon am Morgen von Valda und Tyra verabschiedet – gesagt, sie würde auf die Jagd gehen. Sie brauchte das. Sie musste raus, weg aus dieser Stadt, die ihr fremd war – die weder Heimat war, noch jemals sein würde. Sie wusste nicht, was sie hier eigentlich tat. Wohin sie wollte. Woran sie sich halten konnte. Sie fühlte sich verpflanzt, entwurzelt. Und sie <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">hasste</span> es. Diese Mauern, die warme Luft, die Gerüche, die Blicke. Alles daran.<br />
Sie konnte nichts mit den Dingen anfangen, die Valda mit großen, staunenden Augen betrachtete. Irgendetwas starb hier in ihr. Etwas leises, zähes, das ihr sonst half, durchzuhalten. Es zehrte an ihr. Raubte ihr die Kraft. Löste Stück für Stück ihre Engelsgeduld auf.<br />
<br />
Sie weinte oft. Immer dann, wenn sie glaubte, dass Valda und Tyra schliefen. Weinte um ihr altes Leben. Um das, welches sie gerade lebte. Um den Frust. Und weil sie sich für <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">schwach</span> hielt. Erbärmlich. Kraftlos. Sie vermisste Eydis. Deren Stimme, deren ruhige, aufbauende Worte. Eydis hätte sicher etwas Kluges gesagt – etwas, das ihr geholfen hätte, durch diesen Morast zu waten, als wäre es nur ein Spaziergang. Ein Spaziergang durch den Wald bei Wolfsmark.<br />
<br />
Ein festes Leinenhemd bedeckte ihren Oberkörper und sie trug die wettergegerbte Lederhose, an der wie immer ein paar Jagdutensilien baumelten. Die Damen auf dem Markt sahen sie jedes Mal befremdet an – mit diesem Blick, halb Mitleid, halb stilles Urteil. Aber sie war eben keine Lady. Nie gewesen. Anders, als Farid es in ihrem ersten Gespräch so eifrig behauptet hatte. Vielleicht hatte er es geglaubt. Sie selbst tat es nicht.<br />
Ihr Blick war auf den Boden gerichtet, wachsam, konzentriert. Der Bogen lag locker in ihrer Hand, ein Pfeil bereits eingeklinkt – doch die Sehne noch nicht gespannt. Seit einer Weile verfolgte sie die Spuren eines Hirsches. Ein großes Tier, das deutlich humpelte. Vermutlich alt. Verletzt. Vielleicht ein Wolfsangriff. Vielleicht ein Bär. Wie auch immer – er würde ohnehin nicht mehr lange überleben. Also war es wohl auch keine Schande, wenn sie ihn der Natur entnahm. <br />
<br />
Der Wald verdichtete sich, wurde dunkler. Wie eine Raubkatze bewegte sich Sanna durch das Unterholz, lautlos zwischen Sträuchern und Wurzeln. Dann stand er plötzlich vor ihr. Mitten auf einer kleinen Lichtung. Ein gewaltiger Hirsch. Hellbraunes Fell, mächtiges Geweih – einst sicher ein stolzes Tier. Sanna hielt inne. Ihr Blick glitt prüfend über den Körper, suchte nach Spuren eines Angriffs – nach Reißwunden, Prankenschlägen, zerrissener Haut. Doch sie sah nichts dergleichen. Nur weiter unten, am Bein – Eine Drahtfalle. Stümperhaft gebaut. Vermutlich von einem dieser schlechten Wilderer. Die Wunde hatte sich entzündet und eiterte. Ihre Brauen zogen sich zusammen. Schon im Winterland hatte sie solche Fallen entdeckt – und zerstört. Sie brachten nichts als Leid wenn das Tier sich losriss. Langsames Verenden. Feige. Grausam. Menschlich.<br />
<br />
Sanna nahm einen ruhigen, tiefen Atemzug. Langsam spannte sie den Bogen. Der Hirsch würde keine gute Mahlzeit mehr abgeben – zu alt, zu ausgezehrt, zu krank. Aber sie konnte sein Leiden beenden. Ein Herzschlag. Zwei. Dann zuckten die Ohren des Hirsches. Ein Ruck ging durch seinen Körper, und mit der letzten Kraft, die ihm blieb, humpelte er ins Gebüsch, als könnte er dem Tod doch noch entwischen.<br />
<br />
Sanna senkte den Bogen.<br />
<br />
Im nächsten Moment hörte sie Hufschläge. Nicht die des Hirsches – schwerer, zielgerichteter. Ein Reiter. Sie richtete sich auf. Ihr Blick fand ihn, scharf, unbewegt. Vielleicht lag ein stiller Vorwurf in ihrem Gesicht – vielleicht aber auch nur das leise Bedauern für ein schönes Tier, das allein hätte sterben dürfen. Und nun noch weiter litt. </div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate2">Sanna hatte sich schon am Morgen von Valda und Tyra verabschiedet – gesagt, sie würde auf die Jagd gehen. Sie brauchte das. Sie musste raus, weg aus dieser Stadt, die ihr fremd war – die weder Heimat war, noch jemals sein würde. Sie wusste nicht, was sie hier eigentlich tat. Wohin sie wollte. Woran sie sich halten konnte. Sie fühlte sich verpflanzt, entwurzelt. Und sie <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">hasste</span> es. Diese Mauern, die warme Luft, die Gerüche, die Blicke. Alles daran.<br />
Sie konnte nichts mit den Dingen anfangen, die Valda mit großen, staunenden Augen betrachtete. Irgendetwas starb hier in ihr. Etwas leises, zähes, das ihr sonst half, durchzuhalten. Es zehrte an ihr. Raubte ihr die Kraft. Löste Stück für Stück ihre Engelsgeduld auf.<br />
<br />
Sie weinte oft. Immer dann, wenn sie glaubte, dass Valda und Tyra schliefen. Weinte um ihr altes Leben. Um das, welches sie gerade lebte. Um den Frust. Und weil sie sich für <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">schwach</span> hielt. Erbärmlich. Kraftlos. Sie vermisste Eydis. Deren Stimme, deren ruhige, aufbauende Worte. Eydis hätte sicher etwas Kluges gesagt – etwas, das ihr geholfen hätte, durch diesen Morast zu waten, als wäre es nur ein Spaziergang. Ein Spaziergang durch den Wald bei Wolfsmark.<br />
<br />
Ein festes Leinenhemd bedeckte ihren Oberkörper und sie trug die wettergegerbte Lederhose, an der wie immer ein paar Jagdutensilien baumelten. Die Damen auf dem Markt sahen sie jedes Mal befremdet an – mit diesem Blick, halb Mitleid, halb stilles Urteil. Aber sie war eben keine Lady. Nie gewesen. Anders, als Farid es in ihrem ersten Gespräch so eifrig behauptet hatte. Vielleicht hatte er es geglaubt. Sie selbst tat es nicht.<br />
Ihr Blick war auf den Boden gerichtet, wachsam, konzentriert. Der Bogen lag locker in ihrer Hand, ein Pfeil bereits eingeklinkt – doch die Sehne noch nicht gespannt. Seit einer Weile verfolgte sie die Spuren eines Hirsches. Ein großes Tier, das deutlich humpelte. Vermutlich alt. Verletzt. Vielleicht ein Wolfsangriff. Vielleicht ein Bär. Wie auch immer – er würde ohnehin nicht mehr lange überleben. Also war es wohl auch keine Schande, wenn sie ihn der Natur entnahm. <br />
<br />
Der Wald verdichtete sich, wurde dunkler. Wie eine Raubkatze bewegte sich Sanna durch das Unterholz, lautlos zwischen Sträuchern und Wurzeln. Dann stand er plötzlich vor ihr. Mitten auf einer kleinen Lichtung. Ein gewaltiger Hirsch. Hellbraunes Fell, mächtiges Geweih – einst sicher ein stolzes Tier. Sanna hielt inne. Ihr Blick glitt prüfend über den Körper, suchte nach Spuren eines Angriffs – nach Reißwunden, Prankenschlägen, zerrissener Haut. Doch sie sah nichts dergleichen. Nur weiter unten, am Bein – Eine Drahtfalle. Stümperhaft gebaut. Vermutlich von einem dieser schlechten Wilderer. Die Wunde hatte sich entzündet und eiterte. Ihre Brauen zogen sich zusammen. Schon im Winterland hatte sie solche Fallen entdeckt – und zerstört. Sie brachten nichts als Leid wenn das Tier sich losriss. Langsames Verenden. Feige. Grausam. Menschlich.<br />
<br />
Sanna nahm einen ruhigen, tiefen Atemzug. Langsam spannte sie den Bogen. Der Hirsch würde keine gute Mahlzeit mehr abgeben – zu alt, zu ausgezehrt, zu krank. Aber sie konnte sein Leiden beenden. Ein Herzschlag. Zwei. Dann zuckten die Ohren des Hirsches. Ein Ruck ging durch seinen Körper, und mit der letzten Kraft, die ihm blieb, humpelte er ins Gebüsch, als könnte er dem Tod doch noch entwischen.<br />
<br />
Sanna senkte den Bogen.<br />
<br />
Im nächsten Moment hörte sie Hufschläge. Nicht die des Hirsches – schwerer, zielgerichteter. Ein Reiter. Sie richtete sich auf. Ihr Blick fand ihn, scharf, unbewegt. Vielleicht lag ein stiller Vorwurf in ihrem Gesicht – vielleicht aber auch nur das leise Bedauern für ein schönes Tier, das allein hätte sterben dürfen. Und nun noch weiter litt. </div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Tonight is the night]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=707</link>
			<pubDate>Fri, 28 Mar 2025 17:22:41 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=0">Leander Prudenius</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=707</guid>
			<description><![CDATA[Am Abend beginnen die Laternen zu leuchten. Wie einzelne Tropfen hängen sie an diversen Haken, tauschen sich mit Fackeln und Feuerschalen ab. Schatten tanzen über die Hauswände, in einem eigenen Takt, den kein Mensch zu hören scheint. Und die Straßen… sind voll, denn es ist Feierabend.<br />
<br />
Leander lief seit Stunden einfach umher, ließ sich treiben. <br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Geht, Sie brauch Ruhe“</span> Tyra war in Sicherheit und versorgt worden. Sie war ein paar Mal wach gewesen; man sagte, sie würde es schaffen. Doch in Leander nagte es. Es war etwas geschehen… Seine Sorge um Tyra war präsent wie nie und so im Vordergrund, dass es mehr sein musste als die reine Kameradschaft. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Wie hatte das passieren können?</span> Vielleicht war es dieser eine Blickkontakt, den sie hatten, als Tyra die Augen öffnete und ihn ansah. Die Verletzlichkeit in diesem Augenblick hatte etwas in ihm entfacht… und nun tanzte seine Flamme in ihm in einem Takt, den er nicht verstand.<br />
<br />
Spring’s Court verstand es allerdings hingegen prächtig, selbst am Abend noch voll Leben, Lachen, Tanz und Musik zu sein. Es war einer dieser Abende, an denen es keinen Grund geben musste für die Menschen, um auf der Straße Musik zu machen und zu tanzen. Sie feierten das Leben, ihre wunderschöne Stadt, die am Abend hellrot-orangen schimmerte an den sonst so weißen Mauern und feierten einfach sich selbst. Zwischen ihnen lief Leander, wie ein Fremdkörper, der in diesem Augenblick nicht dahin gehörte. Seine Gedanken weit weg von Musik und Tanz, von Kinderlachen und Lebensfreude. Nein, er forschte in sich, was los war. Doch so oft er es auch hin- und her wälzte, er kannte die Antwort eigentlich schon und wollte nur auf Heofader-komm -raus eine alternative Lösung finden. Um es nicht kompliziert zu machen, um die Situation so zu lassen, wie sie ist…<br />
<br />
Es war fast absurd, wie viele Tavernen es hier gab, so oft reihte sich eine nach der anderen an jeder Straßenecke. Leander ließ immer mal den Blick über die Eingänge und Schilder schweifen, als suchte er nach einer bestimmten. Doch was er suchte, war die Möglichkeit, irgendwo zu sitzen und zu grübeln… und als er eine Tür fand, vor der keine riesen Menschenmenge stand, ging er in diese hinein.<br />
So leer es von außen aussah, so trubelig und gesellig war es dann doch drinnen. Jede Menge Menschen saßen, schnatterten, tranken, lachten. Krüge klirrten gegeneinander, eine Bardin spielte auf der Bühne Lieder, bei denen man eigentlich nicht ruhig sitzen bleiben konnte. Irgendwo kreischte eine Frau in amüsierter Weise, irgendjemand rülpste und ein anderer lachte. Das Lachen… war so dreckig und einzigartig, dass Leander es sofort erkannte. Sein Blick musste nur kurz suchen und er fand, was er geahnt hatte: Ivar. Quicklebendig, gar nicht irgendwo gefangen, sondern umrundet von einem Grüppchen an Leuten. Zwei junge Frauen, die Ivar vermutlich als „abschleppbare Schlampen“ bezeichnen würde, saßen bei ihm, eine auf dessen Schoß. Auf dem Tisch mehr als genug Krüge, in denen sonstwas war an kräftigem Alkohol. Leander atmete durch… vielleicht würde es ihn ablenken, einem alten Freund Hallo zu sagen. Mit aller Ruhe, die er hatte, drängte er sich durch die Menge, bis zu dem Tisch. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Dachte du bekommst derzeit nur Wasser und Brot… aber anscheinend hast du dich aus dem Mist selbst herausgeholt.“ </span> Die Hand wird angereicht zum Einschlagen und Begrüßen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> „Schön dich zu sehen Ivar.“</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Am Abend beginnen die Laternen zu leuchten. Wie einzelne Tropfen hängen sie an diversen Haken, tauschen sich mit Fackeln und Feuerschalen ab. Schatten tanzen über die Hauswände, in einem eigenen Takt, den kein Mensch zu hören scheint. Und die Straßen… sind voll, denn es ist Feierabend.<br />
<br />
Leander lief seit Stunden einfach umher, ließ sich treiben. <br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">„Geht, Sie brauch Ruhe“</span> Tyra war in Sicherheit und versorgt worden. Sie war ein paar Mal wach gewesen; man sagte, sie würde es schaffen. Doch in Leander nagte es. Es war etwas geschehen… Seine Sorge um Tyra war präsent wie nie und so im Vordergrund, dass es mehr sein musste als die reine Kameradschaft. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Wie hatte das passieren können?</span> Vielleicht war es dieser eine Blickkontakt, den sie hatten, als Tyra die Augen öffnete und ihn ansah. Die Verletzlichkeit in diesem Augenblick hatte etwas in ihm entfacht… und nun tanzte seine Flamme in ihm in einem Takt, den er nicht verstand.<br />
<br />
Spring’s Court verstand es allerdings hingegen prächtig, selbst am Abend noch voll Leben, Lachen, Tanz und Musik zu sein. Es war einer dieser Abende, an denen es keinen Grund geben musste für die Menschen, um auf der Straße Musik zu machen und zu tanzen. Sie feierten das Leben, ihre wunderschöne Stadt, die am Abend hellrot-orangen schimmerte an den sonst so weißen Mauern und feierten einfach sich selbst. Zwischen ihnen lief Leander, wie ein Fremdkörper, der in diesem Augenblick nicht dahin gehörte. Seine Gedanken weit weg von Musik und Tanz, von Kinderlachen und Lebensfreude. Nein, er forschte in sich, was los war. Doch so oft er es auch hin- und her wälzte, er kannte die Antwort eigentlich schon und wollte nur auf Heofader-komm -raus eine alternative Lösung finden. Um es nicht kompliziert zu machen, um die Situation so zu lassen, wie sie ist…<br />
<br />
Es war fast absurd, wie viele Tavernen es hier gab, so oft reihte sich eine nach der anderen an jeder Straßenecke. Leander ließ immer mal den Blick über die Eingänge und Schilder schweifen, als suchte er nach einer bestimmten. Doch was er suchte, war die Möglichkeit, irgendwo zu sitzen und zu grübeln… und als er eine Tür fand, vor der keine riesen Menschenmenge stand, ging er in diese hinein.<br />
So leer es von außen aussah, so trubelig und gesellig war es dann doch drinnen. Jede Menge Menschen saßen, schnatterten, tranken, lachten. Krüge klirrten gegeneinander, eine Bardin spielte auf der Bühne Lieder, bei denen man eigentlich nicht ruhig sitzen bleiben konnte. Irgendwo kreischte eine Frau in amüsierter Weise, irgendjemand rülpste und ein anderer lachte. Das Lachen… war so dreckig und einzigartig, dass Leander es sofort erkannte. Sein Blick musste nur kurz suchen und er fand, was er geahnt hatte: Ivar. Quicklebendig, gar nicht irgendwo gefangen, sondern umrundet von einem Grüppchen an Leuten. Zwei junge Frauen, die Ivar vermutlich als „abschleppbare Schlampen“ bezeichnen würde, saßen bei ihm, eine auf dessen Schoß. Auf dem Tisch mehr als genug Krüge, in denen sonstwas war an kräftigem Alkohol. Leander atmete durch… vielleicht würde es ihn ablenken, einem alten Freund Hallo zu sagen. Mit aller Ruhe, die er hatte, drängte er sich durch die Menge, bis zu dem Tisch. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Dachte du bekommst derzeit nur Wasser und Brot… aber anscheinend hast du dich aus dem Mist selbst herausgeholt.“ </span> Die Hand wird angereicht zum Einschlagen und Begrüßen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> „Schön dich zu sehen Ivar.“</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The Scholar and the Thief]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=689</link>
			<pubDate>Sat, 01 Mar 2025 20:19:00 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=0">Ciarán Ó Ceallaigh</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=689</guid>
			<description><![CDATA[Der Weg vom Lager der Bruderschaft nach Spring’s Court hatte ihn zwei Tagesreisen gekostet. Mal war er auf Händlerkarren mitgefahren, hatte sich zwischen Kisten und Fässern verborgen oder ein paar belanglose Worte mit den Fuhrleuten gewechselt, mal war er zu Fuß unterwegs gewesen, stets mit wachsamen Blicken auf die Straßen und die Gesichter der Reisenden um ihn herum. Den Rest der Reise hatte er Glück gehabt, sich einer Gruppe von Händlern anschließen zu können, die auf dem Weg nach Spring's Court war. Ciarán lehnte entspannt gegen die hölzernen Seitenwände des rumpelnden Händlerkarrens, während der Fahrtwind ihm den Staub der Landstraße in die Haare wehte. Der Geruch von trockenem Heu, Pferdeschweiß und altem Leder mischte sich mit dem süßlichen Duft von reifen Äpfeln aus einem der Weidenkörbe neben ihm. Er hatte sich eine Position gesucht, die so aussah, als gehörte er zur Karawane, einer der Jungen, die Waren begleiteten oder Botengänge erledigten. Niemand stellte Fragen, und das war ihm recht so.<br />
<br />
Es war ungewohnt, allein unterwegs zu sein. Ohne Caoimhe fühlte sich die Welt seltsam hohl an, als würde ihm ein Schatten fehlen, der sonst immer an seiner Seite war. Sie war sein Anker, sein Korrektiv. Oft musterte sie ihn mit ernsten Blicken, wenn er zu übermütig wurde, doch er wusste, dass sie ihn niemals im Stich lassen würde. Seit Avonston Green waren sie ein eingespieltes Team – und ihr Fehlen hinterließ eine Lücke, die er deutlicher spürte, als er erwartet hatte. Doch diesmal hatte Caeus anders entschieden. „Zu zweit seid ihr auffälliger“, hatte er gesagt und Ciarán ein kleines Stück Pergament in die Hand gedrückt. „Merk dir das Siegel. Es ist dein einziger Anhaltspunkt.“ Die Wegbeschreibung und die Beschreibung des Gebäudes hatte Caeus ihm mündlich mitgegeben, jedes Detail mit der Präzision eines Mannes, der keine Fehler duldete. Ciarán hatte aufmerksam zugehört, sich Straßen und Markierungen eingeprägt, Wege im Kopf zurechtgelegt. Nun musste er nur noch warten, bis die Dunkelheit ihm den nötigen Schutz bot.<br />
Das Pergament steckte zusammengerollt in seiner Tasche, Ciarán hatte es mehrmals entrollt und das darauf gezeichnete Siegel betrachtet – eine kunstvolle Prägung, die einem stilisierten Greif glich. Die Worte darunter blieben ihm ein Rätsel, aber das war auch nicht wichtig. Lesen konnte er nicht, doch er hatte gelernt, dass die Welt ihm auch ohne Buchstaben ihre Geheimnisse verriet, wenn er nur genau hinsah.<br />
<br />
Spring’s Court tauchte am Horizont auf, als die Sonne bereits begann, sich dem späteren Nachmittag zuzuneigen. Die Stadt war lebendig, selbst von Weitem konnte er den geschäftigen Trubel des Marktplatzes erahnen, das Stimmengewirr, das Klappern von Hufen auf Kopfsteinpflaster, das ferne Lachen spielender Kinder. Als der Karren durch das Stadttor rumpelte, sprang er mit einer geschmeidigen Bewegung ab und tauchte sofort in die Menge ein, als wäre er ein natürlicher Teil davon. Der junge Dieb war noch nie in der Hauptstadt des Frühlingslandes gewesen, und so führten ihn seine Schritte über den Markt, wo er mit leuchtenden Augen die Stände betrachtete. All die Farben, die Gerüche – frisch gebackenes Brot, gewürztes Fleisch, kandierte Nüsse – ließen eine beinahe kindliche Freude in ihm aufkeimen. Er liebte solche Orte, nicht nur, weil sie eine Spielwiese für einen geübten Taschendieb waren, sondern auch, weil sie pulsierendes Leben ausstrahlten. Die Mühe der Händler, das Geschick der Kunsthandwerker, die Unachtsamkeit reicher Kaufleute, die mit den Händen gestikulierten und ihre Börsen dabei unbewacht ließen – es war ein Tanz, und Ciarán bewegte sich mit der Leichtigkeit eines geübten Tänzers darin.<br />
Ohne große Mühe ließ er ein Stück warmes Gebäck in seine Tasche gleiten, ein goldbraunes, mit Honig glasiertes Etwas, das so gut duftete, dass ihm das Wasser im Mund zusammenlief. Er trat ein paar Schritte zur Seite, lehnte sich an einen Holzbalken und biss genüsslich hinein, während er dem Treiben zusah. Caoimhe hätte ihn jetzt mit diesem unbeeindruckten Blick bedacht, den sie immer aufsetzte, wenn er sich wie ein übermütiges Kind benahm. Der Gedanke brachte ihn zum Schmunzeln.<br />
<br />
Nun musste er nur noch warten bis es dunkel wurde.<br />
Doch das Warten war nur ein Übergang. Bereits zuvor hatte er sich in dem Gelehrtenviertel herumgetrieben, das ehrwürdige, steinerne Bauwerk betrachtet, dessen Mauern von wildem Efeu umrankt waren. Er hatte beobachtet, wann die Soldaten der Stadtwache ihre Runden drehten, wie lange sie vor dem Eingang verweilten und je später es wurde, umso menschenleerer wurde die Straße vor dem Gebäude. Seine Augen hatten jedes vergitterte Fenster erfasst, jedes, das sich womöglich lautlos öffnen ließ – ein Wissen, das ihm bald von Nutzen sein würde. Die Dämmerung senkte sich langsam über die Stadt, und mit ihr kam der Moment, in dem Ciarán aus dem Spiel eines neugierigen Jungen in die Rolle schlüpfte, die er am besten beherrschte: die eines Schattens, der sich lautlos durch die Nacht stahl.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Weg vom Lager der Bruderschaft nach Spring’s Court hatte ihn zwei Tagesreisen gekostet. Mal war er auf Händlerkarren mitgefahren, hatte sich zwischen Kisten und Fässern verborgen oder ein paar belanglose Worte mit den Fuhrleuten gewechselt, mal war er zu Fuß unterwegs gewesen, stets mit wachsamen Blicken auf die Straßen und die Gesichter der Reisenden um ihn herum. Den Rest der Reise hatte er Glück gehabt, sich einer Gruppe von Händlern anschließen zu können, die auf dem Weg nach Spring's Court war. Ciarán lehnte entspannt gegen die hölzernen Seitenwände des rumpelnden Händlerkarrens, während der Fahrtwind ihm den Staub der Landstraße in die Haare wehte. Der Geruch von trockenem Heu, Pferdeschweiß und altem Leder mischte sich mit dem süßlichen Duft von reifen Äpfeln aus einem der Weidenkörbe neben ihm. Er hatte sich eine Position gesucht, die so aussah, als gehörte er zur Karawane, einer der Jungen, die Waren begleiteten oder Botengänge erledigten. Niemand stellte Fragen, und das war ihm recht so.<br />
<br />
Es war ungewohnt, allein unterwegs zu sein. Ohne Caoimhe fühlte sich die Welt seltsam hohl an, als würde ihm ein Schatten fehlen, der sonst immer an seiner Seite war. Sie war sein Anker, sein Korrektiv. Oft musterte sie ihn mit ernsten Blicken, wenn er zu übermütig wurde, doch er wusste, dass sie ihn niemals im Stich lassen würde. Seit Avonston Green waren sie ein eingespieltes Team – und ihr Fehlen hinterließ eine Lücke, die er deutlicher spürte, als er erwartet hatte. Doch diesmal hatte Caeus anders entschieden. „Zu zweit seid ihr auffälliger“, hatte er gesagt und Ciarán ein kleines Stück Pergament in die Hand gedrückt. „Merk dir das Siegel. Es ist dein einziger Anhaltspunkt.“ Die Wegbeschreibung und die Beschreibung des Gebäudes hatte Caeus ihm mündlich mitgegeben, jedes Detail mit der Präzision eines Mannes, der keine Fehler duldete. Ciarán hatte aufmerksam zugehört, sich Straßen und Markierungen eingeprägt, Wege im Kopf zurechtgelegt. Nun musste er nur noch warten, bis die Dunkelheit ihm den nötigen Schutz bot.<br />
Das Pergament steckte zusammengerollt in seiner Tasche, Ciarán hatte es mehrmals entrollt und das darauf gezeichnete Siegel betrachtet – eine kunstvolle Prägung, die einem stilisierten Greif glich. Die Worte darunter blieben ihm ein Rätsel, aber das war auch nicht wichtig. Lesen konnte er nicht, doch er hatte gelernt, dass die Welt ihm auch ohne Buchstaben ihre Geheimnisse verriet, wenn er nur genau hinsah.<br />
<br />
Spring’s Court tauchte am Horizont auf, als die Sonne bereits begann, sich dem späteren Nachmittag zuzuneigen. Die Stadt war lebendig, selbst von Weitem konnte er den geschäftigen Trubel des Marktplatzes erahnen, das Stimmengewirr, das Klappern von Hufen auf Kopfsteinpflaster, das ferne Lachen spielender Kinder. Als der Karren durch das Stadttor rumpelte, sprang er mit einer geschmeidigen Bewegung ab und tauchte sofort in die Menge ein, als wäre er ein natürlicher Teil davon. Der junge Dieb war noch nie in der Hauptstadt des Frühlingslandes gewesen, und so führten ihn seine Schritte über den Markt, wo er mit leuchtenden Augen die Stände betrachtete. All die Farben, die Gerüche – frisch gebackenes Brot, gewürztes Fleisch, kandierte Nüsse – ließen eine beinahe kindliche Freude in ihm aufkeimen. Er liebte solche Orte, nicht nur, weil sie eine Spielwiese für einen geübten Taschendieb waren, sondern auch, weil sie pulsierendes Leben ausstrahlten. Die Mühe der Händler, das Geschick der Kunsthandwerker, die Unachtsamkeit reicher Kaufleute, die mit den Händen gestikulierten und ihre Börsen dabei unbewacht ließen – es war ein Tanz, und Ciarán bewegte sich mit der Leichtigkeit eines geübten Tänzers darin.<br />
Ohne große Mühe ließ er ein Stück warmes Gebäck in seine Tasche gleiten, ein goldbraunes, mit Honig glasiertes Etwas, das so gut duftete, dass ihm das Wasser im Mund zusammenlief. Er trat ein paar Schritte zur Seite, lehnte sich an einen Holzbalken und biss genüsslich hinein, während er dem Treiben zusah. Caoimhe hätte ihn jetzt mit diesem unbeeindruckten Blick bedacht, den sie immer aufsetzte, wenn er sich wie ein übermütiges Kind benahm. Der Gedanke brachte ihn zum Schmunzeln.<br />
<br />
Nun musste er nur noch warten bis es dunkel wurde.<br />
Doch das Warten war nur ein Übergang. Bereits zuvor hatte er sich in dem Gelehrtenviertel herumgetrieben, das ehrwürdige, steinerne Bauwerk betrachtet, dessen Mauern von wildem Efeu umrankt waren. Er hatte beobachtet, wann die Soldaten der Stadtwache ihre Runden drehten, wie lange sie vor dem Eingang verweilten und je später es wurde, umso menschenleerer wurde die Straße vor dem Gebäude. Seine Augen hatten jedes vergitterte Fenster erfasst, jedes, das sich womöglich lautlos öffnen ließ – ein Wissen, das ihm bald von Nutzen sein würde. Die Dämmerung senkte sich langsam über die Stadt, und mit ihr kam der Moment, in dem Ciarán aus dem Spiel eines neugierigen Jungen in die Rolle schlüpfte, die er am besten beherrschte: die eines Schattens, der sich lautlos durch die Nacht stahl.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Wherever the Wind blows]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=672</link>
			<pubDate>Mon, 27 Jan 2025 07:42:33 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=21">Ivar Lorenson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=672</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/4c/9e/55/4c9e55aadbfa1d23b1fb8f5a7fdd12e4.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:black;"> I Go.<br />
<div style="font-size:14px;font-family:'Cinzel';">You find me.</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/originals/4b/bc/42/4bbc42cb0a9d2999834eff2653aa8294.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Jeder Markt hatte seine ganz eigene Note, egal, wo auf der Welt man sich befand. In Norsteading hatten die Märkte oft nur in den Mittagsstunden geöffnet, die wenigen Sonnenstunden ausnutzend, weil kleine Bauern oft einen langen Weg zurücklegen mussten, um an eine kleine Ortschaft zu kommen. Auf großen Märkten kam es schonmal zu Auseinandersetzungen, die mit blutigen Fäusten endeten, wenn ein Käufer das Produkt des Metzgers in Frage stellte. Farynns Märkte waren ähnlich klein, aber sehr viel schmuddeliger und friedlicher, mit vereinzelt sommerländischen Gewürznoten und erstaunlich vielen Ständen, die Badekräuter und Holzarbeit verkauften. Wer sich in Matariyya durch die engen Gassen trieb, der wusste, dass Märkte der Hauptschauplatz der Gesellschaft waren, mit Frauengruppen, die auf dem Boden saßen, Kindern, die Murmeln spielten, zahlreichen Dieben und der obligatorischen Stadtwache, die nur noch dastand, um den Anschein von Sicherheit zu vermitteln. Es war dreckig, bunt und wunderbar voll von Leben; ähnlich wie die Märkte in Castandor mit dem Chaos und der Lautstärke von zahlreichen Wetteiferern, die der Devise folgten <i>’Wer lauter schreit, der hat mehr Kundschaft’</i>. Natürlich hatte Walleydor die geordnetsten und sichersten Märkte von allen. In der Hauptstadt gab es Wochenpläne für bestimmte Produktgruppen, Wachmänner patrouillierten die Straßen, und doch herrschte auch hier das meiste Leben, gerade die richtige Menge von Unordnung, die den großen, gepflasterten Marktplatz von Spring’s Court zum Leuchten brachte. Ivar mochte den Menschen der Länder nicht viel Positives abgewinnen, aber Märkte waren doch zu einem Ort geworden, dessen Schönheit er durch sein Reisen zu schätzen gelernt hatte.<br />
<br />
Lange wollte er nicht in Spring’s Court verweilen. Die Stadt an sich war nicht einmal das Problem, fand er die vielen Blumenkästen doch nur ein wenig dick aufgetragen. Obwohl er für seine Verhältnisse bereits sehr lange in Walleydor ausgeharrt hatte und ihm diese aufgesetzte Freundlichkeit der Menschen langsam zuwider wurde, hatte er nichts dagegen gehabt, umgeben von grünen Hügeln aufzuwachen, seiner Arbeit nachzugehen und am frühen Abend positiv ausgelaugt wieder ins Bett zu gehen. Das Schlagen von Eisen auf Eisen, der Schweiß zwischen den arbeitenden Schulterblättern, angeheizt durch den Schmiedeofen, waren zu einer Routine geworden und er verstand durchaus, warum sich Menschen an einem Ort niederließen und diese Routine freiwillig jeden Tag durchlebten. Aber die Routine war es auch, die ihm schlussendlich Zeit zum Nachdenken gegeben hatte - viel Zeit, die er sich auch in den Arsch hätte stecken können, denn was kam dabei herum? Nur dumme Zweifel. Vielleicht hatte er die Gesellschaft von Zara und Khaled zu sehr genossen, sie als selbstverständlich angenommen. Er hatte sich an den Zickereien von Zara und den liebestollen Blick von Khaled gewöhnt, hatte sich zwischen sie gedrängt und ihnen aufgezwungen, nur um - ja, was? Am Ende doch wieder alleine dazustehen und sich eingestehen zu müssen, dass aus ihnen doch irgendwie eine Gemeinschaft geworden war, die er nun vermisste. <br />
Verdammt, er vermisste auch seine andere Gemeinschaft. Eneas und Tyra waren irgendwo da draußen und erlebten Dinge, während er als Schmiedegehilfe in einem kleinen Ort versauerte und sich Gedanken darüber machte, was er mit seinem Leben eigentlich anstellte. Um ihn herum lebten Ehepaare mit Kindern zusammen, es gab ein junges Mädchen, das sich heimlich mit einem Jungen aus dem Nachbarsdorf traf, und er? Weit und breit keine Huren. Nichts, das ihn von der Einsamkeit ablenkte, und das Schlimmste: Er hatte nichtmal Interesse an den ledigen Weibern. Wenn sie ihn fragten, ob er aus dem Krieg käme wegen der zahlreichen Narben an seinen Armen, dann schnaufte er nur und ließ das zischende Eisen im Wasser das Gespräch beenden. Die Aufmerksamkeit und Neugierde der Menschen war ihm nicht mehr egal, sie störte ihn. Dieses Dorf machte aus ihm doch tatsächlich einen Menschen, einen <i>normalen</i> Menschen mit einer Vergangenheit, die er sonst immer gern in Alkohol ertränkte.<br />
Zugegeben hatte Ivar nie vorgehabt, lange zu bleiben. Er hatte zwar auch keinen alternativen Plan gehabt - außer, dass er Castandor und Matariyya vorerst meiden würde - weshalb ihm das Gerücht aus Farynn ziemlich gelegen kam. Erst war es nur ein Gerücht aus dem Mund eines fahrenden Händlers, das in dem kleinen Dorf aber natürlich wie Lauffeuer die Runde machte. Bestätigt wurde das Gerücht von einem zweiten Händler, und seitdem wusste Ivar, wohin seine nächste Reise gehen würde. In Bell Port wartete sowieso noch ein Gaul, der seine Fratze zu lange nicht mehr gesehen hatte. <br />
<br />
<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://64.media.tumblr.com/3d3434989801f85209bcc666b1ce7986/tumblr_ms8m0lxbZd1qblbqbo5_250.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Das leichte Gepäck eines Wanderers geschultert, mit neuen Stiefeln, einem Überwurf aus dünnem Pelz und lederverstärkten Unterarmschienen, gab er gerade das Bündel Waffen ab, welches er als letzten Auftrag aus dem Dorf mitgenommen hatte. Dunkelblonde, schulterlange Strähnen waren zu einem halben Zopf nach hinten gebunden, seinen Bart trug er derzeit auf etwa fünf Tage. Auf seinem unteren Rücken ruhte das beruhigende Gewicht von zwei selbst geschmiedeten Zwillingsschwertern, verdeckt durch den Umhang, während zwei Dolche offensichtlicher seinen Gürtel schmückten und den Anwesenden suggerierte, dass er Erfahrung mit dessen Umgang hatte. Man merkte ihm nicht unbedingt an, dass er wachsam war ob möglicher Diebe, aber seine rechte Hand hing immer irgendwo zwischen Dolchgriff und Geldbeutel. <font color="#65A797">“Wie viel für das Brot?”</font>, fragte er eine Händlersfrau, als ein kleines Kind mit dunklen Locken an ihm vorbei watschelte, mit einer Blume im Haar. <i>“Mama, können wir das Tante Tyra geben?”</i>, deutete sie auf ein viereckiges Gebäck, das vermutlich mit Honig gefüllt war. Kurz betrachtete Ivar das Mädchen von der Seite, länger als er sollte, weil das Echo des Namens Erkenntnis weckte. Er machte sich aber nicht die Mühe, auch die Mutter ausfindig zu machen. “Fünf Kupfer.” Ohne Umschweife griff er nach seinem Geldbeutel und ließ das verlangte Geld in seine Hand fallen, um sie gegen das Brot zu tauschen.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/4c/9e/55/4c9e55aadbfa1d23b1fb8f5a7fdd12e4.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:black;"> I Go.<br />
<div style="font-size:14px;font-family:'Cinzel';">You find me.</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/originals/4b/bc/42/4bbc42cb0a9d2999834eff2653aa8294.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Jeder Markt hatte seine ganz eigene Note, egal, wo auf der Welt man sich befand. In Norsteading hatten die Märkte oft nur in den Mittagsstunden geöffnet, die wenigen Sonnenstunden ausnutzend, weil kleine Bauern oft einen langen Weg zurücklegen mussten, um an eine kleine Ortschaft zu kommen. Auf großen Märkten kam es schonmal zu Auseinandersetzungen, die mit blutigen Fäusten endeten, wenn ein Käufer das Produkt des Metzgers in Frage stellte. Farynns Märkte waren ähnlich klein, aber sehr viel schmuddeliger und friedlicher, mit vereinzelt sommerländischen Gewürznoten und erstaunlich vielen Ständen, die Badekräuter und Holzarbeit verkauften. Wer sich in Matariyya durch die engen Gassen trieb, der wusste, dass Märkte der Hauptschauplatz der Gesellschaft waren, mit Frauengruppen, die auf dem Boden saßen, Kindern, die Murmeln spielten, zahlreichen Dieben und der obligatorischen Stadtwache, die nur noch dastand, um den Anschein von Sicherheit zu vermitteln. Es war dreckig, bunt und wunderbar voll von Leben; ähnlich wie die Märkte in Castandor mit dem Chaos und der Lautstärke von zahlreichen Wetteiferern, die der Devise folgten <i>’Wer lauter schreit, der hat mehr Kundschaft’</i>. Natürlich hatte Walleydor die geordnetsten und sichersten Märkte von allen. In der Hauptstadt gab es Wochenpläne für bestimmte Produktgruppen, Wachmänner patrouillierten die Straßen, und doch herrschte auch hier das meiste Leben, gerade die richtige Menge von Unordnung, die den großen, gepflasterten Marktplatz von Spring’s Court zum Leuchten brachte. Ivar mochte den Menschen der Länder nicht viel Positives abgewinnen, aber Märkte waren doch zu einem Ort geworden, dessen Schönheit er durch sein Reisen zu schätzen gelernt hatte.<br />
<br />
Lange wollte er nicht in Spring’s Court verweilen. Die Stadt an sich war nicht einmal das Problem, fand er die vielen Blumenkästen doch nur ein wenig dick aufgetragen. Obwohl er für seine Verhältnisse bereits sehr lange in Walleydor ausgeharrt hatte und ihm diese aufgesetzte Freundlichkeit der Menschen langsam zuwider wurde, hatte er nichts dagegen gehabt, umgeben von grünen Hügeln aufzuwachen, seiner Arbeit nachzugehen und am frühen Abend positiv ausgelaugt wieder ins Bett zu gehen. Das Schlagen von Eisen auf Eisen, der Schweiß zwischen den arbeitenden Schulterblättern, angeheizt durch den Schmiedeofen, waren zu einer Routine geworden und er verstand durchaus, warum sich Menschen an einem Ort niederließen und diese Routine freiwillig jeden Tag durchlebten. Aber die Routine war es auch, die ihm schlussendlich Zeit zum Nachdenken gegeben hatte - viel Zeit, die er sich auch in den Arsch hätte stecken können, denn was kam dabei herum? Nur dumme Zweifel. Vielleicht hatte er die Gesellschaft von Zara und Khaled zu sehr genossen, sie als selbstverständlich angenommen. Er hatte sich an den Zickereien von Zara und den liebestollen Blick von Khaled gewöhnt, hatte sich zwischen sie gedrängt und ihnen aufgezwungen, nur um - ja, was? Am Ende doch wieder alleine dazustehen und sich eingestehen zu müssen, dass aus ihnen doch irgendwie eine Gemeinschaft geworden war, die er nun vermisste. <br />
Verdammt, er vermisste auch seine andere Gemeinschaft. Eneas und Tyra waren irgendwo da draußen und erlebten Dinge, während er als Schmiedegehilfe in einem kleinen Ort versauerte und sich Gedanken darüber machte, was er mit seinem Leben eigentlich anstellte. Um ihn herum lebten Ehepaare mit Kindern zusammen, es gab ein junges Mädchen, das sich heimlich mit einem Jungen aus dem Nachbarsdorf traf, und er? Weit und breit keine Huren. Nichts, das ihn von der Einsamkeit ablenkte, und das Schlimmste: Er hatte nichtmal Interesse an den ledigen Weibern. Wenn sie ihn fragten, ob er aus dem Krieg käme wegen der zahlreichen Narben an seinen Armen, dann schnaufte er nur und ließ das zischende Eisen im Wasser das Gespräch beenden. Die Aufmerksamkeit und Neugierde der Menschen war ihm nicht mehr egal, sie störte ihn. Dieses Dorf machte aus ihm doch tatsächlich einen Menschen, einen <i>normalen</i> Menschen mit einer Vergangenheit, die er sonst immer gern in Alkohol ertränkte.<br />
Zugegeben hatte Ivar nie vorgehabt, lange zu bleiben. Er hatte zwar auch keinen alternativen Plan gehabt - außer, dass er Castandor und Matariyya vorerst meiden würde - weshalb ihm das Gerücht aus Farynn ziemlich gelegen kam. Erst war es nur ein Gerücht aus dem Mund eines fahrenden Händlers, das in dem kleinen Dorf aber natürlich wie Lauffeuer die Runde machte. Bestätigt wurde das Gerücht von einem zweiten Händler, und seitdem wusste Ivar, wohin seine nächste Reise gehen würde. In Bell Port wartete sowieso noch ein Gaul, der seine Fratze zu lange nicht mehr gesehen hatte. <br />
<br />
<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://64.media.tumblr.com/3d3434989801f85209bcc666b1ce7986/tumblr_ms8m0lxbZd1qblbqbo5_250.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Das leichte Gepäck eines Wanderers geschultert, mit neuen Stiefeln, einem Überwurf aus dünnem Pelz und lederverstärkten Unterarmschienen, gab er gerade das Bündel Waffen ab, welches er als letzten Auftrag aus dem Dorf mitgenommen hatte. Dunkelblonde, schulterlange Strähnen waren zu einem halben Zopf nach hinten gebunden, seinen Bart trug er derzeit auf etwa fünf Tage. Auf seinem unteren Rücken ruhte das beruhigende Gewicht von zwei selbst geschmiedeten Zwillingsschwertern, verdeckt durch den Umhang, während zwei Dolche offensichtlicher seinen Gürtel schmückten und den Anwesenden suggerierte, dass er Erfahrung mit dessen Umgang hatte. Man merkte ihm nicht unbedingt an, dass er wachsam war ob möglicher Diebe, aber seine rechte Hand hing immer irgendwo zwischen Dolchgriff und Geldbeutel. <font color="#65A797">“Wie viel für das Brot?”</font>, fragte er eine Händlersfrau, als ein kleines Kind mit dunklen Locken an ihm vorbei watschelte, mit einer Blume im Haar. <i>“Mama, können wir das Tante Tyra geben?”</i>, deutete sie auf ein viereckiges Gebäck, das vermutlich mit Honig gefüllt war. Kurz betrachtete Ivar das Mädchen von der Seite, länger als er sollte, weil das Echo des Namens Erkenntnis weckte. Er machte sich aber nicht die Mühe, auch die Mutter ausfindig zu machen. “Fünf Kupfer.” Ohne Umschweife griff er nach seinem Geldbeutel und ließ das verlangte Geld in seine Hand fallen, um sie gegen das Brot zu tauschen.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Historya]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=652</link>
			<pubDate>Sat, 04 Jan 2025 08:29:13 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=127">Caeus Valerius</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=652</guid>
			<description><![CDATA[Caeus saß in seinem Zelt, das nur von einer einzelnen Öllampe erleuchtet wurde, deren flackerndes Licht Schatten an die Zeltwände warf. Vor ihm lag ein Stapel Pergamente, sorgfältig mit Wachs versiegelt und mit den Wappen von Händlern und Adligen versehen. Die Aufträge, die er sich nach der Hochzeit in Castandor hatte mitgeben lassen, waren ordentlich sortiert – doch je länger er sie betrachtete, desto weniger aufregend schienen sie ihm.<br />
Ein seufzendes Brummen entkam seiner Kehle, während er ein weiteres Schreiben öffnete. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Konvoischutz. Räuberbekämpfung. Eine vermisste Tochter eines Händlers...“</span> Er lehnte sich zurück und rieb sich über das Kinn, das von einem kurz geschnittenen Bart geziert wurde. Spannend war etwas anderes. Doch Caeus wusste, dass diese Aufträge wichtig waren – nicht nur wegen des Geldes, das sie in die Kasse der Söldnertruppe spülen würden, sondern auch, weil sie eine hervorragende Gelegenheit für die weniger erfahrenen Kämpfer boten, sich zu beweisen.<br />
<br />
Er legte die Dokumente beiseite und griff nach einem Becher Wasser. Die Hochzeit in Castandor war ein rauschendes Fest gewesen, doch sie hatte ihn auch daran erinnert, dass er etwas suchte, das weit über diese alltäglichen Aufträge hinausging. Eine größere Herausforderung, etwas, das ihn und seine Söldner wirklich fordern würde. Nur was, das wusste er noch nicht. <br />
Aber bis dahin würde er tun, was getan werden musste. Seine Männer brauchten Aufgaben, die sie trainierten, motivierten und in den sicheren Hafen von regelmäßigem Sold führten. Und vielleicht... vielleicht würde sich in einem dieser unscheinbaren Aufträge etwas Unerwartetes verbergen.<br />
<br />
Caeus' Blick glitt kurz zu der Truhe, die in einer stillen Ecke des geräumigen Zeltes stand. Das Holz war dunkel, von unzähligen Jahren gezeichnet, doch die aufwendigen Schnitzereien und der robuste Eisenbeschlag verrieten ihren einstigen Wert. Sie war alt, ein Erbstück seiner Familie, das nach dem Tod seines Vaters an ihn gereicht wurde – nicht aus sentimentaler Verbundenheit, sondern weil sie die letzten Überbleibsel eines Erbes barg, das ihn nie wirklich losgelassen hatte. Alles, was sich in der Truhe befand, war noch älter als das Behältnis selbst. Schmuckstücke, verstaubte Schriftrollen, ein Siegelring mit dem Familienwappen, dessen Kanten bereits abgegriffen waren. Sie erzählten Geschichten von einer Zeit, die längst vergangen war, von einem Namen, der einst in den Hallen der Mächtigen erklungen war, jetzt aber nur noch wie ein Echo in seinem Herzen nachhallte.<br />
<br />
Manchmal fühlte sich dieser Name an wie eine alte Rüstung, zu groß, zu schwer, und dennoch unmöglich abzulegen. Es waren Momente wie dieser, in denen die Vergangenheit leise an die Zeltwände klopfte und ihn an Dinge erinnerte, die er so oft zu vergessen versuchte. <br />
<br />
Die Truhe blieb verschlossen, wie immer. Sie war ein Teil von ihm, ein stummes Mahnmal, das ihn daran erinnerte, wer er war und wer er niemals sein würde. <br />
<br />
Caeus erhob sich abrupt, als er merkte, wohin seine Gedanken abzudriften drohten – zu der Frau, die ihm vor etwa zwei Monaten im Sommerland begegnet war. Zariyah. Ihr Lächeln, die Art, wie sie sprach... Er schüttelte den Kopf, als wollte er die Bilder fortwischen. Die Einsamkeit seines Zeltes tat ihm wirklich nicht gut.<br />
Mit einem tiefen Atemzug trat er zur Schale Wasser, die auf einem kleinen Tisch stand. Er tauchte die Finger hinein und schwang sich das kühle Nass ins Gesicht, um die Restgedanken zu verscheuchen. Das kalte Prickeln auf seiner Haut half nur ein wenig, doch es reichte, um ihn in die Realität zurückzuholen. Mit einer routinierten Bewegung fuhr er sich durch die dunklen Haare, die nachlässig zurückfielen. <br />
<br />
Draußen begrüßte ihn die friedliche Stille des beginnenden Tages. Das Feuer in der Mitte des Lagers knisterte leise, und über den Horizont krochen die ersten zarten Streifen der Morgenröte. Das Licht spielte auf den Zelten, als ob es das einfache Lager sanft in goldene Töne tauchen wollte.<br />
Caeus blieb stehen und betrachtete das Lager für einen stillen Moment. Auch wenn es nur Zelte waren, nahm es dorfähnliche Züge an. Die Söldner bewegten sich wie Bewohner eines kleinen Dorfes, und trotz ihrer rauen Natur lag ein Hauch von Kameradschaft in der Luft. Leises Lachen war zu hören, als ein paar der jüngeren Männer am Feuer saßen und scherzten. Ein paar Schritte weiter diskutierten zwei ältere Kämpfer, wobei die leisen, intensiven Stimmen darauf hindeuteten, dass es sich um eine ihrer endlosen Strategiedebatten handelte.<br />
Ja, manchmal stritten sie sich – dergleichen ließ sich bei so vielen Persönlichkeiten nicht vermeiden. Doch im Großen und Ganzen herrschte hier eine stille, einvernehmliche Ruhe, wie man sie nur in der Gemeinschaft von Menschen fand, die gelernt hatten, sich aufeinander zu verlassen.<br />
<br />
Caeus schlenderte zum Feuer hinüber, wo eine kleine lachende Gruppe saß. Unter ihnen: Caoimhe und Ciarán. Das Duo war unzertrennlich, fast schon wie Schatten voneinander, und sie hatten sich unzählige Male bewährt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Guten Morgen."</span>, begrüßte er die Gruppe und nahm sich etwas von dem warmen Frühstück das vermutlich der alte Tiberius zubereitet hatte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Caeus saß in seinem Zelt, das nur von einer einzelnen Öllampe erleuchtet wurde, deren flackerndes Licht Schatten an die Zeltwände warf. Vor ihm lag ein Stapel Pergamente, sorgfältig mit Wachs versiegelt und mit den Wappen von Händlern und Adligen versehen. Die Aufträge, die er sich nach der Hochzeit in Castandor hatte mitgeben lassen, waren ordentlich sortiert – doch je länger er sie betrachtete, desto weniger aufregend schienen sie ihm.<br />
Ein seufzendes Brummen entkam seiner Kehle, während er ein weiteres Schreiben öffnete. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Konvoischutz. Räuberbekämpfung. Eine vermisste Tochter eines Händlers...“</span> Er lehnte sich zurück und rieb sich über das Kinn, das von einem kurz geschnittenen Bart geziert wurde. Spannend war etwas anderes. Doch Caeus wusste, dass diese Aufträge wichtig waren – nicht nur wegen des Geldes, das sie in die Kasse der Söldnertruppe spülen würden, sondern auch, weil sie eine hervorragende Gelegenheit für die weniger erfahrenen Kämpfer boten, sich zu beweisen.<br />
<br />
Er legte die Dokumente beiseite und griff nach einem Becher Wasser. Die Hochzeit in Castandor war ein rauschendes Fest gewesen, doch sie hatte ihn auch daran erinnert, dass er etwas suchte, das weit über diese alltäglichen Aufträge hinausging. Eine größere Herausforderung, etwas, das ihn und seine Söldner wirklich fordern würde. Nur was, das wusste er noch nicht. <br />
Aber bis dahin würde er tun, was getan werden musste. Seine Männer brauchten Aufgaben, die sie trainierten, motivierten und in den sicheren Hafen von regelmäßigem Sold führten. Und vielleicht... vielleicht würde sich in einem dieser unscheinbaren Aufträge etwas Unerwartetes verbergen.<br />
<br />
Caeus' Blick glitt kurz zu der Truhe, die in einer stillen Ecke des geräumigen Zeltes stand. Das Holz war dunkel, von unzähligen Jahren gezeichnet, doch die aufwendigen Schnitzereien und der robuste Eisenbeschlag verrieten ihren einstigen Wert. Sie war alt, ein Erbstück seiner Familie, das nach dem Tod seines Vaters an ihn gereicht wurde – nicht aus sentimentaler Verbundenheit, sondern weil sie die letzten Überbleibsel eines Erbes barg, das ihn nie wirklich losgelassen hatte. Alles, was sich in der Truhe befand, war noch älter als das Behältnis selbst. Schmuckstücke, verstaubte Schriftrollen, ein Siegelring mit dem Familienwappen, dessen Kanten bereits abgegriffen waren. Sie erzählten Geschichten von einer Zeit, die längst vergangen war, von einem Namen, der einst in den Hallen der Mächtigen erklungen war, jetzt aber nur noch wie ein Echo in seinem Herzen nachhallte.<br />
<br />
Manchmal fühlte sich dieser Name an wie eine alte Rüstung, zu groß, zu schwer, und dennoch unmöglich abzulegen. Es waren Momente wie dieser, in denen die Vergangenheit leise an die Zeltwände klopfte und ihn an Dinge erinnerte, die er so oft zu vergessen versuchte. <br />
<br />
Die Truhe blieb verschlossen, wie immer. Sie war ein Teil von ihm, ein stummes Mahnmal, das ihn daran erinnerte, wer er war und wer er niemals sein würde. <br />
<br />
Caeus erhob sich abrupt, als er merkte, wohin seine Gedanken abzudriften drohten – zu der Frau, die ihm vor etwa zwei Monaten im Sommerland begegnet war. Zariyah. Ihr Lächeln, die Art, wie sie sprach... Er schüttelte den Kopf, als wollte er die Bilder fortwischen. Die Einsamkeit seines Zeltes tat ihm wirklich nicht gut.<br />
Mit einem tiefen Atemzug trat er zur Schale Wasser, die auf einem kleinen Tisch stand. Er tauchte die Finger hinein und schwang sich das kühle Nass ins Gesicht, um die Restgedanken zu verscheuchen. Das kalte Prickeln auf seiner Haut half nur ein wenig, doch es reichte, um ihn in die Realität zurückzuholen. Mit einer routinierten Bewegung fuhr er sich durch die dunklen Haare, die nachlässig zurückfielen. <br />
<br />
Draußen begrüßte ihn die friedliche Stille des beginnenden Tages. Das Feuer in der Mitte des Lagers knisterte leise, und über den Horizont krochen die ersten zarten Streifen der Morgenröte. Das Licht spielte auf den Zelten, als ob es das einfache Lager sanft in goldene Töne tauchen wollte.<br />
Caeus blieb stehen und betrachtete das Lager für einen stillen Moment. Auch wenn es nur Zelte waren, nahm es dorfähnliche Züge an. Die Söldner bewegten sich wie Bewohner eines kleinen Dorfes, und trotz ihrer rauen Natur lag ein Hauch von Kameradschaft in der Luft. Leises Lachen war zu hören, als ein paar der jüngeren Männer am Feuer saßen und scherzten. Ein paar Schritte weiter diskutierten zwei ältere Kämpfer, wobei die leisen, intensiven Stimmen darauf hindeuteten, dass es sich um eine ihrer endlosen Strategiedebatten handelte.<br />
Ja, manchmal stritten sie sich – dergleichen ließ sich bei so vielen Persönlichkeiten nicht vermeiden. Doch im Großen und Ganzen herrschte hier eine stille, einvernehmliche Ruhe, wie man sie nur in der Gemeinschaft von Menschen fand, die gelernt hatten, sich aufeinander zu verlassen.<br />
<br />
Caeus schlenderte zum Feuer hinüber, wo eine kleine lachende Gruppe saß. Unter ihnen: Caoimhe und Ciarán. Das Duo war unzertrennlich, fast schon wie Schatten voneinander, und sie hatten sich unzählige Male bewährt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Guten Morgen."</span>, begrüßte er die Gruppe und nahm sich etwas von dem warmen Frühstück das vermutlich der alte Tiberius zubereitet hatte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[A song of ice and fire]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=630</link>
			<pubDate>Thu, 28 Nov 2024 16:59:39 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=35">Sanna Lorenson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=630</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(HINTERGUND_URL); background-size:100%;background-position:50% 50%;">a song of ice and fire<br />
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/originals/76/87/b6/7687b669ffdce79019898bfabb9a66b1.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Schon seit Tagen war sie in der Hauptstadt der Frühlingslande und das Herz der Jägerin wurde von Tag zu Tag schwerer. Es war, als ob das Land selbst sich gegen sie sträubte. Die Luft war so weich, so warm – und doch fühlte sie sich wie ein Schatten inmitten all dieser Farben, der selbst das Licht zu verdrängen schien. Ihre Seele, an den kalten Wind der Winterlande gewöhnt, fand keinen Frieden in der sanften Brise dieses Frühlingsreiches. Sie gehörte nicht hierher, das wusste sie. Ihre Füße, die den eisigen Boden der Heimat kannten, wollten sich nicht an den weichen, grünen Teppich der neuen Welt gewöhnen. Alles in ihr schrie danach, den langen Weg zurückzugehen, sich in den verschneiten Weiten zu verlieren, wo der Frost ihren Gedanken die Schärfe gab und die Stille ihren Geist beruhigte. Hier gab es nichts, das sie Heimat nennen konnte. Alles war fremd, alles war zu viel.. Doch es gab etwas, das sie zurückhielt. Etwas Kleines, Wildes, das mit dunklen, zerzausten Locken auf dem Kopf die Sonne der neuen Welt in vollen Zügen aufnahm. Valda. Ihre Tochter. Ein leuchtendes Wesen, das in dieser neuen Umgebung zu blühen schien, während Sanna im Schatten zu vergehen drohte. Valda vermisste die eisige Kälte nicht, sie ließ sich von der üppigen Farbenpracht des Frühlings verzaubern, als wäre sie in ein Land voller endloser Möglichkeiten gefallen. Ihre Augen funkelten mit einer Neugier, die Sanna beinahe schmerzte.<br />
In ihrer Klarheit und Offenheit bewegte sich Valda durch diese fremde Welt, als könnte ihr nichts passieren, als würde sie niemals fürchten müssen. Anders als ihre Mutter, die stets eine gewisse Vorsicht mit sich trug, den Blick nicht all zu lang auf jemanden gerichtet. Vielleicht wäre sie besser weiter mit Tyra und Eneas gezogen, doch deren Auftrag war erfüllt und Sanna glaubte nicht, dass ihre Wege dafür bestimmt waren, auf Dauer in dieselbe Richtung zu gehen. <br />
<br />
So hatte sie sich vor einigen Tagen von ihnen verabschiedet, Tyra mit einem leicht schmollenden Ausdruck im Gesicht, da Valda bitterlich um die nordische Blondine geweint hatte. Um Tante Tyra. Insgeheim hoffte Sanna, dass sie sich wiedersehen würden. Bald. <br />
<br />
Heute war sie auf den Straßen von Springs Court unterwegs, Valda lief neben ihr, voller Energie, doch auch voller Fragen. Ihre Augen suchten, suchten nach etwas. Oder jemanden. Nach ihrem Vater, dem Bild des Mannes, der in ihren Erinnerungen wie ein dunkler Schatten existierte. Vier Monate waren vergangen, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Die Vorstellung, dass Valda ihn bald vergessen könnte, schmerzte Sanna tief in der Brust. Doch Valda fragte weiterhin nach ihm, zeigte auf jeden großgewachsenen, dunkelhaarigen Mann und rief „Papa!“, als könnte er nur hinter einer der unzähligen Gesichter lauern, die die Straßen bevölkerten. Es war ein seltsames Gefühl, mit dem Wissen zu leben, dass ihr Kind irgendwann wirklich vergessen würde. <br />
Die Männer drehten sich um, gaben Valda ein freundliches Lächeln, doch es war nicht derjenige, den sie suchte. Valda zeigte keine Entmutigung, sie sprang von einer Enttäuschung zur nächsten, als wäre sie selbst noch unverwundbar, noch zu jung, um zu verstehen, was es bedeutet, jemanden zu verlieren.<br />
<br />
„Papa!“, rief Valda erneut, die Stimme voller Hoffnung und Aufregung, als sie plötzlich losstürmte. Sannas Herz setzte für einen Moment aus, als das Mädchen sich auf einen Mann zubewegte – einen Fremden, der mit dem Rücken zu ihnen stand, ein Schatten unter all den anderen. Sanna rief ihre Tochter, doch sie hörte nicht. Valda, von der leisen Hoffnung getrieben, die ihren Schritten die Schnelligkeit eines Sturms gab, zog unbeirrt weiter, als würde nichts sie aufhalten können.<br />
<br />
Sie erreichte den Fremden, griff nach seinem Kleidungsstück, um ihn zu drehen. Doch es war nicht der Mann, den Valda suchte. Es war niemand. Nur ein Unbekannter. Das wusste Sanna.<br />
<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(HINTERGUND_URL); background-size:100%;background-position:50% 50%;">a song of ice and fire<br />
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/originals/76/87/b6/7687b669ffdce79019898bfabb9a66b1.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Schon seit Tagen war sie in der Hauptstadt der Frühlingslande und das Herz der Jägerin wurde von Tag zu Tag schwerer. Es war, als ob das Land selbst sich gegen sie sträubte. Die Luft war so weich, so warm – und doch fühlte sie sich wie ein Schatten inmitten all dieser Farben, der selbst das Licht zu verdrängen schien. Ihre Seele, an den kalten Wind der Winterlande gewöhnt, fand keinen Frieden in der sanften Brise dieses Frühlingsreiches. Sie gehörte nicht hierher, das wusste sie. Ihre Füße, die den eisigen Boden der Heimat kannten, wollten sich nicht an den weichen, grünen Teppich der neuen Welt gewöhnen. Alles in ihr schrie danach, den langen Weg zurückzugehen, sich in den verschneiten Weiten zu verlieren, wo der Frost ihren Gedanken die Schärfe gab und die Stille ihren Geist beruhigte. Hier gab es nichts, das sie Heimat nennen konnte. Alles war fremd, alles war zu viel.. Doch es gab etwas, das sie zurückhielt. Etwas Kleines, Wildes, das mit dunklen, zerzausten Locken auf dem Kopf die Sonne der neuen Welt in vollen Zügen aufnahm. Valda. Ihre Tochter. Ein leuchtendes Wesen, das in dieser neuen Umgebung zu blühen schien, während Sanna im Schatten zu vergehen drohte. Valda vermisste die eisige Kälte nicht, sie ließ sich von der üppigen Farbenpracht des Frühlings verzaubern, als wäre sie in ein Land voller endloser Möglichkeiten gefallen. Ihre Augen funkelten mit einer Neugier, die Sanna beinahe schmerzte.<br />
In ihrer Klarheit und Offenheit bewegte sich Valda durch diese fremde Welt, als könnte ihr nichts passieren, als würde sie niemals fürchten müssen. Anders als ihre Mutter, die stets eine gewisse Vorsicht mit sich trug, den Blick nicht all zu lang auf jemanden gerichtet. Vielleicht wäre sie besser weiter mit Tyra und Eneas gezogen, doch deren Auftrag war erfüllt und Sanna glaubte nicht, dass ihre Wege dafür bestimmt waren, auf Dauer in dieselbe Richtung zu gehen. <br />
<br />
So hatte sie sich vor einigen Tagen von ihnen verabschiedet, Tyra mit einem leicht schmollenden Ausdruck im Gesicht, da Valda bitterlich um die nordische Blondine geweint hatte. Um Tante Tyra. Insgeheim hoffte Sanna, dass sie sich wiedersehen würden. Bald. <br />
<br />
Heute war sie auf den Straßen von Springs Court unterwegs, Valda lief neben ihr, voller Energie, doch auch voller Fragen. Ihre Augen suchten, suchten nach etwas. Oder jemanden. Nach ihrem Vater, dem Bild des Mannes, der in ihren Erinnerungen wie ein dunkler Schatten existierte. Vier Monate waren vergangen, seit sie ihn das letzte Mal gesehen hatte. Die Vorstellung, dass Valda ihn bald vergessen könnte, schmerzte Sanna tief in der Brust. Doch Valda fragte weiterhin nach ihm, zeigte auf jeden großgewachsenen, dunkelhaarigen Mann und rief „Papa!“, als könnte er nur hinter einer der unzähligen Gesichter lauern, die die Straßen bevölkerten. Es war ein seltsames Gefühl, mit dem Wissen zu leben, dass ihr Kind irgendwann wirklich vergessen würde. <br />
Die Männer drehten sich um, gaben Valda ein freundliches Lächeln, doch es war nicht derjenige, den sie suchte. Valda zeigte keine Entmutigung, sie sprang von einer Enttäuschung zur nächsten, als wäre sie selbst noch unverwundbar, noch zu jung, um zu verstehen, was es bedeutet, jemanden zu verlieren.<br />
<br />
„Papa!“, rief Valda erneut, die Stimme voller Hoffnung und Aufregung, als sie plötzlich losstürmte. Sannas Herz setzte für einen Moment aus, als das Mädchen sich auf einen Mann zubewegte – einen Fremden, der mit dem Rücken zu ihnen stand, ein Schatten unter all den anderen. Sanna rief ihre Tochter, doch sie hörte nicht. Valda, von der leisen Hoffnung getrieben, die ihren Schritten die Schnelligkeit eines Sturms gab, zog unbeirrt weiter, als würde nichts sie aufhalten können.<br />
<br />
Sie erreichte den Fremden, griff nach seinem Kleidungsstück, um ihn zu drehen. Doch es war nicht der Mann, den Valda suchte. Es war niemand. Nur ein Unbekannter. Das wusste Sanna.<br />
<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>