<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
	<channel>
		<title><![CDATA[Facing the Storm - Norsteading - Das Winterland]]></title>
		<link>https://facingthestorm.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestorm.de]]></description>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 08:28:48 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[No blade can mend what time has torn]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=722</link>
			<pubDate>Wed, 14 May 2025 13:57:19 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=0">Reinka Norrholm</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=722</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Das leise Schnaufen der Pferde, das rhythmische Scharren von Hufen auf festgetretener Erde, das gedämpfte Raunen des Windes, der durch die Spalten der Stallwände fuhr – all das war Reinka vertrauter als der Klang ihrer eigenen Stimme geworden. Zwischen den grob gezimmerten Balken und dem Duft von Heu und Tier fand sich etwas, das sie nirgends sonst mehr fand: Ruhe. Hier war kein Platz für höfisches Getuschel oder wohlmeinendes Zureden. Keine fragenden Blicke. Kein Erik, der sie mit Augen voller Liebe, aber auch geschwängert mit ungewohnter Sorge ansah. Nur das Hier und Jetzt.<br />
<br />
Geist hob den Kopf, als sie sich ihm näherte, spitzte die Ohren, schnaubte leise, als erkenne er etwas in ihrem Schritt, das lange in ihr geschlummert hatte. Sie legte dem großrahmigen Wallach die Hand auf den muskulösen Nacken, spürte unter dem feinen Silberfell die Wärme, die Kraft, die lebendige Erinnerung an all die halsbrecherischen Ritte und Kämpfe, die sie gemeinsam bestritten hatten. Seine Muskeln zuckten leicht unter ihrer Berührung, als stelle er ihr eine eindeutige Frage, die Reinka zum Lächeln brachte, kaum merklich. <b>»Bald wieder«</b>, flüsterte sie, fast entschuldigend. Der edle Sattel war bereits festgezurrt, die geflochtenen, gut gepolsterten Riemen akkurat gebunden – nicht von ihr, sondern von einem Stalljungen, der ihre Anweisungen ausgeführt hatte. Weil man es ihr nahegelegt hatte. Sie solle mehr ruhen, hatten die Heiler gesagt. An das Kind denken. Es sei eine kritische Zeit ihrer Schwangerschaft.  Als wüsste sie das nicht längst. Als würde sie nicht jede Veränderung an ihrem Körper bemerken, jeden Schritt, der sie langsamer machte, jede Bewegung, die nicht mehr ganz ihr gehörte. Ganz zu schweigen von dieser unsäglichen Übelkeit, die sie seit Wochen in den kältesten Morgenstunden aus den wärmenden Fellen schießen ließ. <br />
<br />
Ihr Blick glitt zu den zwei Remonten am Ende der Stallgasse – zwei bildschöne Stuten, die eine ruhig, rabenschwarz und mit zarten, langen Fesseln, die andere kleiner, rotbraun, mit blitzenden Augen und dem Widerspruch im Leib, der Reinka vertrauter war als das zarte  Lächeln ihrer Schwägerinnen. Eine von ihnen hatte sie selbst angeritten, noch vor jenem Morgen, als sich die Welt zu drehen begonnen hatte und sie kaum noch wusste, wo oben oder unten war. Die andere war unter ihrer Anleitung ausgebildet worden – Worte statt Taten, Anweisungen statt Reiten. So wie vieles in ihrem Leben zurzeit.<br />
<br />
Das Eisfeuerfest war vorüber, und zum ersten Mal war es gewesen, als hätte es nicht für sie stattgefunden. Kein Bogen in ihrer Hand, keine Klinge an ihrer Seite, kein Axtkampf im festgetretenen Schnee, in dem sie hätte zeigen können, dass sie noch da war – dass sie noch immer die Tochter ihres Vaters war. Und dann Aleena, diese zarte Blume mit ihrem strahlenden Blick, dem glänzenden Haar, der überbordenden Freude, die man einer Schwangeren nicht nehmen durfte. Reinka hatte ihr von Herzen Glück gewünscht, jedoch höflich und ruhig, wie es von ihr erwartet wurde. Sie wusste, dass Leif die Wahrheit nicht offenbart hatte – über das Kind, das nicht ihres war. Und nicht rechtmäßig. Niemand hatte gefragt, würde es niemals wagen. Doch das Schweigen zwischen den beiden ältesten Geschwistern hatte schwerer gewogen als jedes gesprochene Wort.<br />
<br />
Ein leises Knarzen hinter ihr ließ sie den Kopf heben. Kein Stallbursche, keine neugierige Dienstmagd. Der Schritt war zu ruhig, zu kontrolliert – schwer und sicher wie der eines Mannes, der viele Jahre auf seinen Füßen gestanden hatte und wusste, dass er sie nicht mehr beweisen musste. Veith Alvarsson. Sein Schweigen kündigte ihn an, noch bevor sie ihn sah. Es war nicht von der Sorte, die sie selbst pflegte – kein schneidendes, kantiges Schweigen wie die Klinge eines Dolches –, sondern ein stilles, festes, gleich einem Schild, das schützte, aber nichts offenbarte. Sie fragte sich manchmal, was er gesehen hatte in den Jahren fernab von jeglicher Zivilisation. Und sie beneidete ihn darum. <br />
<br />
Sie sagte nichts. Wandte sich ihm nur einen halben Schritt zu, griff nach einem Striegel, ohne ihn zu benutzen. Eine Geste, die Abstand hielt, aber keine Kälte bedeutete. Er war gekommen, um sich die Pferde anzusehen – ein einfacher Grund, ein klarer Vorwand. Vielleicht für sie beide. Wo er vermutlich Ruhe zu den stattgehabten Feierlichkeiten suchen mochte, war dies Reinkas Zuflucht vor all den Menschen, die es neuerlich so schrecklich gut mit ihr meinten. <br />
<br />
Geist stampfte leise, als spürte er, dass sich etwas veränderte. Reinka hob den Blick, sah dem Kriefer entgegen, senkte knapp das Kinn zum Gruß. <b>»Sie hören auf leise Befehle«</b>, sagte sie schließlich. Die Worte kamen langsam, als müsse sie sie erst abwägen. <b>»Nicht auf Reiter, die glauben, Respekt mit Lautstärke erzwingen zu können.«</b> Eine Geste hin zu den Stuten bedeutete ihm, voranzugehen. Ihre Worte trugen keine Warnung. Nicht wirklich. Aber auch kein Angebot. Vielleicht ein Prüfstein. Vielleicht eine Einladung. Sie wusste nicht, was dieser Mann suchte – ein Pferd, ein Gespräch, eine Erinnerung an etwas, das ihnen beiden womöglich  fremd geworden war. Doch sie wollte wissen, ob er es verstand, ein Tier zu lesen, ohne es besitzen zu wollen. Und ob er es wagte, ihr zu antworten, ohne sich zuerst beweisen zu müssen.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Das leise Schnaufen der Pferde, das rhythmische Scharren von Hufen auf festgetretener Erde, das gedämpfte Raunen des Windes, der durch die Spalten der Stallwände fuhr – all das war Reinka vertrauter als der Klang ihrer eigenen Stimme geworden. Zwischen den grob gezimmerten Balken und dem Duft von Heu und Tier fand sich etwas, das sie nirgends sonst mehr fand: Ruhe. Hier war kein Platz für höfisches Getuschel oder wohlmeinendes Zureden. Keine fragenden Blicke. Kein Erik, der sie mit Augen voller Liebe, aber auch geschwängert mit ungewohnter Sorge ansah. Nur das Hier und Jetzt.<br />
<br />
Geist hob den Kopf, als sie sich ihm näherte, spitzte die Ohren, schnaubte leise, als erkenne er etwas in ihrem Schritt, das lange in ihr geschlummert hatte. Sie legte dem großrahmigen Wallach die Hand auf den muskulösen Nacken, spürte unter dem feinen Silberfell die Wärme, die Kraft, die lebendige Erinnerung an all die halsbrecherischen Ritte und Kämpfe, die sie gemeinsam bestritten hatten. Seine Muskeln zuckten leicht unter ihrer Berührung, als stelle er ihr eine eindeutige Frage, die Reinka zum Lächeln brachte, kaum merklich. <b>»Bald wieder«</b>, flüsterte sie, fast entschuldigend. Der edle Sattel war bereits festgezurrt, die geflochtenen, gut gepolsterten Riemen akkurat gebunden – nicht von ihr, sondern von einem Stalljungen, der ihre Anweisungen ausgeführt hatte. Weil man es ihr nahegelegt hatte. Sie solle mehr ruhen, hatten die Heiler gesagt. An das Kind denken. Es sei eine kritische Zeit ihrer Schwangerschaft.  Als wüsste sie das nicht längst. Als würde sie nicht jede Veränderung an ihrem Körper bemerken, jeden Schritt, der sie langsamer machte, jede Bewegung, die nicht mehr ganz ihr gehörte. Ganz zu schweigen von dieser unsäglichen Übelkeit, die sie seit Wochen in den kältesten Morgenstunden aus den wärmenden Fellen schießen ließ. <br />
<br />
Ihr Blick glitt zu den zwei Remonten am Ende der Stallgasse – zwei bildschöne Stuten, die eine ruhig, rabenschwarz und mit zarten, langen Fesseln, die andere kleiner, rotbraun, mit blitzenden Augen und dem Widerspruch im Leib, der Reinka vertrauter war als das zarte  Lächeln ihrer Schwägerinnen. Eine von ihnen hatte sie selbst angeritten, noch vor jenem Morgen, als sich die Welt zu drehen begonnen hatte und sie kaum noch wusste, wo oben oder unten war. Die andere war unter ihrer Anleitung ausgebildet worden – Worte statt Taten, Anweisungen statt Reiten. So wie vieles in ihrem Leben zurzeit.<br />
<br />
Das Eisfeuerfest war vorüber, und zum ersten Mal war es gewesen, als hätte es nicht für sie stattgefunden. Kein Bogen in ihrer Hand, keine Klinge an ihrer Seite, kein Axtkampf im festgetretenen Schnee, in dem sie hätte zeigen können, dass sie noch da war – dass sie noch immer die Tochter ihres Vaters war. Und dann Aleena, diese zarte Blume mit ihrem strahlenden Blick, dem glänzenden Haar, der überbordenden Freude, die man einer Schwangeren nicht nehmen durfte. Reinka hatte ihr von Herzen Glück gewünscht, jedoch höflich und ruhig, wie es von ihr erwartet wurde. Sie wusste, dass Leif die Wahrheit nicht offenbart hatte – über das Kind, das nicht ihres war. Und nicht rechtmäßig. Niemand hatte gefragt, würde es niemals wagen. Doch das Schweigen zwischen den beiden ältesten Geschwistern hatte schwerer gewogen als jedes gesprochene Wort.<br />
<br />
Ein leises Knarzen hinter ihr ließ sie den Kopf heben. Kein Stallbursche, keine neugierige Dienstmagd. Der Schritt war zu ruhig, zu kontrolliert – schwer und sicher wie der eines Mannes, der viele Jahre auf seinen Füßen gestanden hatte und wusste, dass er sie nicht mehr beweisen musste. Veith Alvarsson. Sein Schweigen kündigte ihn an, noch bevor sie ihn sah. Es war nicht von der Sorte, die sie selbst pflegte – kein schneidendes, kantiges Schweigen wie die Klinge eines Dolches –, sondern ein stilles, festes, gleich einem Schild, das schützte, aber nichts offenbarte. Sie fragte sich manchmal, was er gesehen hatte in den Jahren fernab von jeglicher Zivilisation. Und sie beneidete ihn darum. <br />
<br />
Sie sagte nichts. Wandte sich ihm nur einen halben Schritt zu, griff nach einem Striegel, ohne ihn zu benutzen. Eine Geste, die Abstand hielt, aber keine Kälte bedeutete. Er war gekommen, um sich die Pferde anzusehen – ein einfacher Grund, ein klarer Vorwand. Vielleicht für sie beide. Wo er vermutlich Ruhe zu den stattgehabten Feierlichkeiten suchen mochte, war dies Reinkas Zuflucht vor all den Menschen, die es neuerlich so schrecklich gut mit ihr meinten. <br />
<br />
Geist stampfte leise, als spürte er, dass sich etwas veränderte. Reinka hob den Blick, sah dem Kriefer entgegen, senkte knapp das Kinn zum Gruß. <b>»Sie hören auf leise Befehle«</b>, sagte sie schließlich. Die Worte kamen langsam, als müsse sie sie erst abwägen. <b>»Nicht auf Reiter, die glauben, Respekt mit Lautstärke erzwingen zu können.«</b> Eine Geste hin zu den Stuten bedeutete ihm, voranzugehen. Ihre Worte trugen keine Warnung. Nicht wirklich. Aber auch kein Angebot. Vielleicht ein Prüfstein. Vielleicht eine Einladung. Sie wusste nicht, was dieser Mann suchte – ein Pferd, ein Gespräch, eine Erinnerung an etwas, das ihnen beiden womöglich  fremd geworden war. Doch sie wollte wissen, ob er es verstand, ein Tier zu lesen, ohne es besitzen zu wollen. Und ob er es wagte, ihr zu antworten, ohne sich zuerst beweisen zu müssen.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I wonder if the snow loves the trees and fields, that it kisses them so gently?]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=718</link>
			<pubDate>Mon, 12 May 2025 14:14:54 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=35">Sanna Lorenson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=718</guid>
			<description><![CDATA[Die Reise vom kleinen Dorf nahe Wolfsmark hinauf nach Wintergard hatte zwei volle Tage in Anspruch genommen – zwei Tage über gefrorene Wege, durch verschneite Hügel und unter einem Himmel, der so grau hing, als würde er jeden Moment über der Welt zerbrechen.<br />
Sanna hätte diese Strecke allein zurückgelegt – mit dem Schlitten, den sie eigenhändig gezogen hätte, beladen mit Fellen, Proviant und ihrer Tochter. Es wären vier mühselige Tage geworden. Doch Thormund, der alte Händler mit dem wettergegerbten Gesicht und dem weichen Herzen, hatte sie entdeckt, als sie gerade das Zuggeschirr prüfte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Kind, so reist du ja vier Tage bis zu deinem Auftrag"</span>, hatte er gesagt, während er missbilligend auf den Schlitten blickte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Komm, ich nehm euch mit."</span> Ein guter Mann, Thormund. Alt, ja, mit schmerzenden Knien und einem Bart, in dem der Schnee hängen blieb – aber einer der wenigen, die weder tuschelten noch fragten, wenn sie Valda ansahen. Der sich nicht für den Bastardstatus des Mädchens interessierte, sondern für den Menschen, der da neben Sanna herlief.<br />
<br />
Aus Dankbarkeit überließ sie ihm eines der Felle – natürlich durfte er sich eines aussuchen, und er entschied sich für das mit dem silbrigen Streifen, das seiner Tochter gefallen hätte. Am Lagerfeuer sorgte Sanna dafür, dass er gut aß – bereitete das Mahl, während Valda still neben ihr saß, das Feuer betrachtete und gelegentlich zu Thormund hinüberlächelte, der alte Geschichten erzählte. <br />
So verging die Reise ruhiger, als Sanna es erwartet hatte. Ein Stück Menschlichkeit auf einem kalten, langen Weg.<br />
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">
[...]</div>
<br />
Als sie Wintergard erreichten, lag über der Stadt bereits der schwere Atem des Abends. Rauch stieg aus den Schornsteinen, vermischte sich mit dem dichten Nebel, der durch die engen Gassen kroch wie ein lauerndes Tier.<br />
Sanna verabschiedete sich ruhig von Thormund, doch in ihrem Blick lag ehrliche Dankbarkeit. Der alte Händler stieg noch einmal von der Kutsche, half ihr, den Schlitten herabzulassen und die sorgfältig gebündelten Felle zurückzuladen. Seine Hände waren von der Kälte rissig, doch sein Lächeln blieb warm.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Pass auf dich auf, Kind"</span>, murmelte er, während er Valda zum Abschied kurz über den Scheitel strich. Sanna nickte nur, ein schlichtes, stummes Dankeschön, ehe sie Valda auf den Schlitten hob. Das Mädchen zog ihren Mantel enger um sich, ihre Augen groß und wach, während sie die ungewohnte Stadt in sich aufsog.<br />
<br />
Mit festem Schritt zog Sanna den Schlitten hinter sich her, zielstrebig durch die gepflasterten Straßen, vorbei an Marktständen, an Torbögen und schiefen Fachwerkhäusern, deren Fenster wie dunkle Augen auf sie herabblickten. Einige ihrer Felle verkaufte sie unterwegs – rasch, verhandlungsfest, ohne sich in Gespräche verwickeln zu lassen. Ihr eigentliches Ziel jedoch war nicht der Markt, nicht der Handel – es war das Haus ihrer Freundin Helvi. Der Weg durch Wintergard führte sie vorbei an vertrauten Orten, die sich in ihrer Abwesenheit verändert hatten – hier ein neues Haus, dort ein alter Brunnen, der nun trocken lag. Doch als sie schließlich die schmale Gasse erreichte, in der Helvis Haus stand, zog sich etwas Warmes in Sanna zusammen – wie ein Feuer, das lange geschwelt hatte und jetzt wieder aufflackerte.<br />
<br />
Valda wippte ungeduldig auf dem Schlitten, als sie stehenblieben. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sind wir da?"</span>, fragte sie, ihre Stimme aufgeregt. Sanna nickte. Sie wusste, dass Helvis Kinder älter waren. Und auch wenn sie manchmal so taten, als wäre sie zu klein, zu laut, zu vieles – Valda wollte trotzdem dabei sein. Mitlaufen, mithalten, dazugehören.<br />
<br />
Sanna klopfte an die Tür. Eigentlich wusste sie nicht mal ob Helvi Zuhause war.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Reise vom kleinen Dorf nahe Wolfsmark hinauf nach Wintergard hatte zwei volle Tage in Anspruch genommen – zwei Tage über gefrorene Wege, durch verschneite Hügel und unter einem Himmel, der so grau hing, als würde er jeden Moment über der Welt zerbrechen.<br />
Sanna hätte diese Strecke allein zurückgelegt – mit dem Schlitten, den sie eigenhändig gezogen hätte, beladen mit Fellen, Proviant und ihrer Tochter. Es wären vier mühselige Tage geworden. Doch Thormund, der alte Händler mit dem wettergegerbten Gesicht und dem weichen Herzen, hatte sie entdeckt, als sie gerade das Zuggeschirr prüfte.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Kind, so reist du ja vier Tage bis zu deinem Auftrag"</span>, hatte er gesagt, während er missbilligend auf den Schlitten blickte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Komm, ich nehm euch mit."</span> Ein guter Mann, Thormund. Alt, ja, mit schmerzenden Knien und einem Bart, in dem der Schnee hängen blieb – aber einer der wenigen, die weder tuschelten noch fragten, wenn sie Valda ansahen. Der sich nicht für den Bastardstatus des Mädchens interessierte, sondern für den Menschen, der da neben Sanna herlief.<br />
<br />
Aus Dankbarkeit überließ sie ihm eines der Felle – natürlich durfte er sich eines aussuchen, und er entschied sich für das mit dem silbrigen Streifen, das seiner Tochter gefallen hätte. Am Lagerfeuer sorgte Sanna dafür, dass er gut aß – bereitete das Mahl, während Valda still neben ihr saß, das Feuer betrachtete und gelegentlich zu Thormund hinüberlächelte, der alte Geschichten erzählte. <br />
So verging die Reise ruhiger, als Sanna es erwartet hatte. Ein Stück Menschlichkeit auf einem kalten, langen Weg.<br />
<br />
<div style="text-align: center;" class="mycode_align">
[...]</div>
<br />
Als sie Wintergard erreichten, lag über der Stadt bereits der schwere Atem des Abends. Rauch stieg aus den Schornsteinen, vermischte sich mit dem dichten Nebel, der durch die engen Gassen kroch wie ein lauerndes Tier.<br />
Sanna verabschiedete sich ruhig von Thormund, doch in ihrem Blick lag ehrliche Dankbarkeit. Der alte Händler stieg noch einmal von der Kutsche, half ihr, den Schlitten herabzulassen und die sorgfältig gebündelten Felle zurückzuladen. Seine Hände waren von der Kälte rissig, doch sein Lächeln blieb warm.<br />
<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Pass auf dich auf, Kind"</span>, murmelte er, während er Valda zum Abschied kurz über den Scheitel strich. Sanna nickte nur, ein schlichtes, stummes Dankeschön, ehe sie Valda auf den Schlitten hob. Das Mädchen zog ihren Mantel enger um sich, ihre Augen groß und wach, während sie die ungewohnte Stadt in sich aufsog.<br />
<br />
Mit festem Schritt zog Sanna den Schlitten hinter sich her, zielstrebig durch die gepflasterten Straßen, vorbei an Marktständen, an Torbögen und schiefen Fachwerkhäusern, deren Fenster wie dunkle Augen auf sie herabblickten. Einige ihrer Felle verkaufte sie unterwegs – rasch, verhandlungsfest, ohne sich in Gespräche verwickeln zu lassen. Ihr eigentliches Ziel jedoch war nicht der Markt, nicht der Handel – es war das Haus ihrer Freundin Helvi. Der Weg durch Wintergard führte sie vorbei an vertrauten Orten, die sich in ihrer Abwesenheit verändert hatten – hier ein neues Haus, dort ein alter Brunnen, der nun trocken lag. Doch als sie schließlich die schmale Gasse erreichte, in der Helvis Haus stand, zog sich etwas Warmes in Sanna zusammen – wie ein Feuer, das lange geschwelt hatte und jetzt wieder aufflackerte.<br />
<br />
Valda wippte ungeduldig auf dem Schlitten, als sie stehenblieben. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Sind wir da?"</span>, fragte sie, ihre Stimme aufgeregt. Sanna nickte. Sie wusste, dass Helvis Kinder älter waren. Und auch wenn sie manchmal so taten, als wäre sie zu klein, zu laut, zu vieles – Valda wollte trotzdem dabei sein. Mitlaufen, mithalten, dazugehören.<br />
<br />
Sanna klopfte an die Tür. Eigentlich wusste sie nicht mal ob Helvi Zuhause war.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[I bet you can't do it]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=710</link>
			<pubDate>Sat, 29 Mar 2025 20:38:47 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=0">Swantje Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=710</guid>
			<description><![CDATA[Ha! Sie würde das schon schaffen. Ganz sicher. Pontus und Kettil hatten mit ihr gestritten. Sie hatten gesagt dass sie es nicht schaffte auf das Dach zu klettern. Die Beiden wollten es ihr nicht glauben. Morgen wollte sie es ihnen zeigen, aber sie musste das vorher üben. Deswegen versuchte sie es und ihre ersten Anläufe waren alles andere als gut. Immer wieder fiel sie auf ihren Po und der tat irgendwann ganz schön weh. Doch die junge Stelhammer ließ sich davon nicht unterkriegen und versuchte über ein Fass auf das Dach der Ställe zu kommen. Mehr durfte sie nicht und sie war auch noch nie so hoch geklettert wie auf das Dach des Palastes. Sie traute es sich nicht. Der Stall war einfacher. <br />
<br />
Zumindest hatte sie das gedacht. Nachdem sie wieder versucht hatte vom Fass abzuspringen und sich am Rand des Daches festzuhalten, änderte sie dann ihr vorgehen und versuchte sich stattdessen so groß zu machen wie möglich. Dafür stellte sie sich sogar auf die Zehenspitze, aber schaffte es nicht bis hoch. Dabei streckte sie sich doch so sehr. Also kletterte sie mühevoll und fast ausrutschend vom Fass herunter und holte sich einen Schemel. Diesen stellte sie auf das Fass und kletterte dann wieder auf dieses und kletterte auch auf den Stuhl. Eine durchaus wackelige Situation die Swantje vielleicht ein klein wenig unterschätzte hatte. <br />
<br />
Gerade als sie sich mit beiden Händen am Vorsprung festgehalten hatte, trat sie aus Versehen den Stuhl mit ihren Füßen um und jener fiel vom Fass herunter. Swantje hing jetzt also immer noch am Vorsprung und versuchte sich festzuhalten und hochzuziehen. Doch das klappte nicht so gut. <br />
<span style="color: #785f8a;" class="mycode_color">"Hallo? Kann mir jemand helfen?"</span>, rief sie dann und hoffte dass irgendjemand sie hörte, denn lange konnte sie sich nicht festhalten und es war echt schwer sich hochzuziehen. Vielleicht sollte sie weniger essen? Dann war sie nicht mehr so schwer und kam besser auf das Dach? Aber was war wenn sie so leicht war dass sie wegflog? Das würde niemandem gefallen und sie wollte nicht durch die Luft fliegen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ha! Sie würde das schon schaffen. Ganz sicher. Pontus und Kettil hatten mit ihr gestritten. Sie hatten gesagt dass sie es nicht schaffte auf das Dach zu klettern. Die Beiden wollten es ihr nicht glauben. Morgen wollte sie es ihnen zeigen, aber sie musste das vorher üben. Deswegen versuchte sie es und ihre ersten Anläufe waren alles andere als gut. Immer wieder fiel sie auf ihren Po und der tat irgendwann ganz schön weh. Doch die junge Stelhammer ließ sich davon nicht unterkriegen und versuchte über ein Fass auf das Dach der Ställe zu kommen. Mehr durfte sie nicht und sie war auch noch nie so hoch geklettert wie auf das Dach des Palastes. Sie traute es sich nicht. Der Stall war einfacher. <br />
<br />
Zumindest hatte sie das gedacht. Nachdem sie wieder versucht hatte vom Fass abzuspringen und sich am Rand des Daches festzuhalten, änderte sie dann ihr vorgehen und versuchte sich stattdessen so groß zu machen wie möglich. Dafür stellte sie sich sogar auf die Zehenspitze, aber schaffte es nicht bis hoch. Dabei streckte sie sich doch so sehr. Also kletterte sie mühevoll und fast ausrutschend vom Fass herunter und holte sich einen Schemel. Diesen stellte sie auf das Fass und kletterte dann wieder auf dieses und kletterte auch auf den Stuhl. Eine durchaus wackelige Situation die Swantje vielleicht ein klein wenig unterschätzte hatte. <br />
<br />
Gerade als sie sich mit beiden Händen am Vorsprung festgehalten hatte, trat sie aus Versehen den Stuhl mit ihren Füßen um und jener fiel vom Fass herunter. Swantje hing jetzt also immer noch am Vorsprung und versuchte sich festzuhalten und hochzuziehen. Doch das klappte nicht so gut. <br />
<span style="color: #785f8a;" class="mycode_color">"Hallo? Kann mir jemand helfen?"</span>, rief sie dann und hoffte dass irgendjemand sie hörte, denn lange konnte sie sich nicht festhalten und es war echt schwer sich hochzuziehen. Vielleicht sollte sie weniger essen? Dann war sie nicht mehr so schwer und kam besser auf das Dach? Aber was war wenn sie so leicht war dass sie wegflog? Das würde niemandem gefallen und sie wollte nicht durch die Luft fliegen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[the price of impatience]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=709</link>
			<pubDate>Sat, 29 Mar 2025 14:50:30 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=153">Veith Alvarsson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=709</guid>
			<description><![CDATA[Die Wälder um Wintergard lagen still da an diesem Septembermorgen, als die ersten zarten Strahlen des Morgenlichts durch die verschneiten Baumkronen brachen. Der frostige Atem des Waldes hing schwer in der Luft, während zwei Gestalten in dicken Umhängen eingehüllte die friedliche Szenerie durchbrachen. Das Knirschen des Schnees unter ihren Stiefeln zusammen mit dem Knarzen der alten Äste, die sich im Wind beugten, waren die einzigen Geräusche, die die Stille an diesem Morgen durchbrachen. Veith war in seinen pelzgefütterten Umhang gekleidet, der ihm vor der eisigen Kälte Schutz bot, während seine Augen mit geübtem Blick über das Waldgelände glitten. Der Krieger kannte diese Wälder wie seine eigene Haut, hatte viele Jahre im Schnee gejagt, war durch das Dickicht gezogen und wusste genau, wie er sich in der endlosen Kälte des Winters zurechtfand. Haldor ging einen Schritt hinter ihm, seine Jagdarmbrust sicher in den Händen, stets auf der Suche nach einer Bewegung, die die nächste Beute verraten könnte. <br />
<br />
„Willst du es wirklich versuchen? Wenn du deinen Schuss verfehlst, gibt es keine zweite Chance“, murmelte Veith schließlich, seine Stimme so ruhig wie der Winter selbst, als sie sich langsam einer dichten Hecke näherten, hinter der sich Bewegung abzuzeichnen begann. „Es wird passen“, antwortete Haldor mit einem leichten Grinsen, das in der Kälte schnell verblasste. „Ich habe es nicht eilig. Deine ewigen Ratschläge können mich nicht aufhalten.“ Dem weißhaarigen Krieger entfuhr ein verächtliches Schnauben, als sein Begleiter einmal mehr einen gutgemeinten Ratschlag in den Wind schlug. Veith fasste für sich den Entschluss, den Mund zu halten und Haldor einfach gewähren zu lassen, immerhin war es nicht das erste Mal, dass der Starrsinn eines anderen ihm deutlicher als jedes Wort bewies, warum Vorsicht oft die klügere Wahl gewesen wäre.<br />
Plötzlich, wie aus dem Nichts, hörten sie das leise Knacken von Zweigen, gefolgt von einem Rascheln aus dem dichten Gestrüpp. Die Bache war da. Veith konnte das scharfe Atmen des Tieres hören, den riesigen Schatten, der sich durch das Unterholz bewegte und die leisen, fast unsichtbaren Bewegungen der Frischlinge, die dicht bei ihrer Mutter blieben. „Da“, flüsterte Haldor, in seiner Stimme lag ein Hauch von Vorfreude. „Denk dran, ich schieße nur einmal.“ Veith beäugte das Wild mit einem kritischen Blick. Die Bache war groß und kräftig, ein wahrer Koloss unter den Waldtieren und sie war umringt von mehreren Frischlingen, die suchend mit ihren kleinen Rüsseln im Schnee wühlten.  <br />
<br />
„Perfekt“, murmelte sein Freund und hob bereits die Armbrust. „Du willst ernsthaft die Mutter erlegen?“ Veiths Tonfall war kühl, doch in seinem Blick lag unverhohlene Missbilligung, immerhin hätten sie an diesem Tag sicherlich noch anderes Wild für die Jagd gefunden. „Sie bringt am meisten Fleisch.“ Abermals entfuhr dem weißhaarigen Krieger ein missbilligendes Schnauben. Es war nicht die Jagd an sich, die ihn störte, sondern die Tatsache, dass Haldor ohne nachzudenken das Überleben der Frischlinge aufs Spiel setzte. Jungtiere ohne Mutter hatten in dieser Jahreszeit kaum eine Chance. Doch er kannte seinen Begleiter gut genug, um zu wissen, dass jede Diskussion über Moral oder Jagdethik an ihm abprallen würde. Also fügte er bloß hinzu: „Ich kann dir jetzt schon sagen, dass eine Armbrust für dich nicht das ideale Werkzeug ist, wenn du ein Wildschwein zur Strecke bringen willst, das schneller ist als dein Verstand.“ Haldor grinste bloß und spannte die Armbrust. Er zielte, hielt für einen Moment die Luft an und drückte ab. Der Bolzen zischte durch die kalte Luft, streifte die Bache lediglich und schlug dann hinter dem Tier in einem Baumstamm ein. Ein aufgebrachter, schriller Laut zerriss die Stille des Waldes, als das Tier sich ruckartig umdrehte, um sogleich auf die beiden Eindringlinge loszustürmen. <br />
„Lauf!“ brüllte Haldor, als das aufgebrachte Tier mit gesenktem Kopf auf sie zurannte. Ohne zu zögern stieß sich Veith vom Boden ab und lief los, während hinter ihnen das wütende Schnauben der Bache durch den Wald hallte. Der eisige Wind biss in seine Haut, Schnee spritzte unter ihren Stiefeln auf, es blieb ihnen keine Wahl, als so schnell wie möglich zu verschwinden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Wälder um Wintergard lagen still da an diesem Septembermorgen, als die ersten zarten Strahlen des Morgenlichts durch die verschneiten Baumkronen brachen. Der frostige Atem des Waldes hing schwer in der Luft, während zwei Gestalten in dicken Umhängen eingehüllte die friedliche Szenerie durchbrachen. Das Knirschen des Schnees unter ihren Stiefeln zusammen mit dem Knarzen der alten Äste, die sich im Wind beugten, waren die einzigen Geräusche, die die Stille an diesem Morgen durchbrachen. Veith war in seinen pelzgefütterten Umhang gekleidet, der ihm vor der eisigen Kälte Schutz bot, während seine Augen mit geübtem Blick über das Waldgelände glitten. Der Krieger kannte diese Wälder wie seine eigene Haut, hatte viele Jahre im Schnee gejagt, war durch das Dickicht gezogen und wusste genau, wie er sich in der endlosen Kälte des Winters zurechtfand. Haldor ging einen Schritt hinter ihm, seine Jagdarmbrust sicher in den Händen, stets auf der Suche nach einer Bewegung, die die nächste Beute verraten könnte. <br />
<br />
„Willst du es wirklich versuchen? Wenn du deinen Schuss verfehlst, gibt es keine zweite Chance“, murmelte Veith schließlich, seine Stimme so ruhig wie der Winter selbst, als sie sich langsam einer dichten Hecke näherten, hinter der sich Bewegung abzuzeichnen begann. „Es wird passen“, antwortete Haldor mit einem leichten Grinsen, das in der Kälte schnell verblasste. „Ich habe es nicht eilig. Deine ewigen Ratschläge können mich nicht aufhalten.“ Dem weißhaarigen Krieger entfuhr ein verächtliches Schnauben, als sein Begleiter einmal mehr einen gutgemeinten Ratschlag in den Wind schlug. Veith fasste für sich den Entschluss, den Mund zu halten und Haldor einfach gewähren zu lassen, immerhin war es nicht das erste Mal, dass der Starrsinn eines anderen ihm deutlicher als jedes Wort bewies, warum Vorsicht oft die klügere Wahl gewesen wäre.<br />
Plötzlich, wie aus dem Nichts, hörten sie das leise Knacken von Zweigen, gefolgt von einem Rascheln aus dem dichten Gestrüpp. Die Bache war da. Veith konnte das scharfe Atmen des Tieres hören, den riesigen Schatten, der sich durch das Unterholz bewegte und die leisen, fast unsichtbaren Bewegungen der Frischlinge, die dicht bei ihrer Mutter blieben. „Da“, flüsterte Haldor, in seiner Stimme lag ein Hauch von Vorfreude. „Denk dran, ich schieße nur einmal.“ Veith beäugte das Wild mit einem kritischen Blick. Die Bache war groß und kräftig, ein wahrer Koloss unter den Waldtieren und sie war umringt von mehreren Frischlingen, die suchend mit ihren kleinen Rüsseln im Schnee wühlten.  <br />
<br />
„Perfekt“, murmelte sein Freund und hob bereits die Armbrust. „Du willst ernsthaft die Mutter erlegen?“ Veiths Tonfall war kühl, doch in seinem Blick lag unverhohlene Missbilligung, immerhin hätten sie an diesem Tag sicherlich noch anderes Wild für die Jagd gefunden. „Sie bringt am meisten Fleisch.“ Abermals entfuhr dem weißhaarigen Krieger ein missbilligendes Schnauben. Es war nicht die Jagd an sich, die ihn störte, sondern die Tatsache, dass Haldor ohne nachzudenken das Überleben der Frischlinge aufs Spiel setzte. Jungtiere ohne Mutter hatten in dieser Jahreszeit kaum eine Chance. Doch er kannte seinen Begleiter gut genug, um zu wissen, dass jede Diskussion über Moral oder Jagdethik an ihm abprallen würde. Also fügte er bloß hinzu: „Ich kann dir jetzt schon sagen, dass eine Armbrust für dich nicht das ideale Werkzeug ist, wenn du ein Wildschwein zur Strecke bringen willst, das schneller ist als dein Verstand.“ Haldor grinste bloß und spannte die Armbrust. Er zielte, hielt für einen Moment die Luft an und drückte ab. Der Bolzen zischte durch die kalte Luft, streifte die Bache lediglich und schlug dann hinter dem Tier in einem Baumstamm ein. Ein aufgebrachter, schriller Laut zerriss die Stille des Waldes, als das Tier sich ruckartig umdrehte, um sogleich auf die beiden Eindringlinge loszustürmen. <br />
„Lauf!“ brüllte Haldor, als das aufgebrachte Tier mit gesenktem Kopf auf sie zurannte. Ohne zu zögern stieß sich Veith vom Boden ab und lief los, während hinter ihnen das wütende Schnauben der Bache durch den Wald hallte. Der eisige Wind biss in seine Haut, Schnee spritzte unter ihren Stiefeln auf, es blieb ihnen keine Wahl, als so schnell wie möglich zu verschwinden.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Trink, trink, trink Bruder trink!]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=706</link>
			<pubDate>Fri, 28 Mar 2025 15:40:21 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=0">Vigdis Ludvigsson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=706</guid>
			<description><![CDATA[Die Tür der Taverne knallte auf. Ein großer Schatten, Umrisse, die man zunächst nicht zuordnen konnte, das Tageslicht nicht einlassend. Und mit einem Abstreifen der Kapuze trat Vigdis ein, schob die Türe wieder zu. Kein Nicken, kein Gruß, nur ein Blick, der nach einem freien Tisch in einer freien Ecke suchte. Sie brauchte nicht lange, die dunkelste Ecke war eigentlich immer frei. Der Wirt spuckte auf den Boden, fragte „Das Übliche?“ und Vigdis nickte. Keine Antwort, denn das Nicken reichte ja.<br />
<br />
Der Stuhl knarzte unter der Größe und dem Gewicht, aber hielt. Jedes Mal knarzte er, mal mehr, mal weniger gefährlich und jedes Mal hielt er dann doch. Die Hünin zog ihre Handschuhe ab, schob die Axt an der Hüfte grob zur Seite und legte die Pranken auf den Tisch, ruhig wartend. Schon bald wurde ihr wortlos ein heißer Met hingestellt und genauso wortlos nickte sie erneut zum Dank. Nur kurz...huschte der wache Blick durch die Stube, als wollte sie prüfen, wer sich das Maul heute über sie zerreißen würde.<br />
<br />
Vigdis schnaufte… Sie hatte einen langen Vormittag bereits hinter sich. Die Prüfung des Waldabschnittes, in dem sie Fallen von Wilderern gefunden hatte. Ein Reh, dass sie deswegen erlösen musste und das nun zum Ausbluten vor ihrer Hütte hing. Die Fallen hatte sie zerstört; eine stille Warnung, dass sie alles sah in <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">ihrem</span> Wald. Später kam sie in die Stadt, um ihren Brüder ein paar Felle zur Weiterverarbeitung zu bringen. Dumme Sprüche waren stets der Lohn und heute gab es einen riesen Streit deswegen. Fast waren Fäuste geflogen, aber das einschneidende Wort der Schwester hatte sie dann auseinander getrieben. Vor Wut war sie eine Runde extra durch die Stadt und am Ende hier gelandet. Vermutlich liefen bereits die ersten Wetten, ob es dank Vigdis wieder eine Prügelei geben würde.<br />
<br />
Die Tür öffnete sich ein weiteres Mal und eine Gruppe Männer kam herein, hinter ihnen ein Rothaariger. Der, der sie immer so anstarrte. Sie nahm ihn nur kurz war und stierte dann entschlossen in ihren Krug hinein, vor sich hingrübelnd. Sie hatte sich fest vorgenommen, nur zu trinken. Nur trinken, nicht schlagen. Aber der Nachmittag war noch so jung….]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Tür der Taverne knallte auf. Ein großer Schatten, Umrisse, die man zunächst nicht zuordnen konnte, das Tageslicht nicht einlassend. Und mit einem Abstreifen der Kapuze trat Vigdis ein, schob die Türe wieder zu. Kein Nicken, kein Gruß, nur ein Blick, der nach einem freien Tisch in einer freien Ecke suchte. Sie brauchte nicht lange, die dunkelste Ecke war eigentlich immer frei. Der Wirt spuckte auf den Boden, fragte „Das Übliche?“ und Vigdis nickte. Keine Antwort, denn das Nicken reichte ja.<br />
<br />
Der Stuhl knarzte unter der Größe und dem Gewicht, aber hielt. Jedes Mal knarzte er, mal mehr, mal weniger gefährlich und jedes Mal hielt er dann doch. Die Hünin zog ihre Handschuhe ab, schob die Axt an der Hüfte grob zur Seite und legte die Pranken auf den Tisch, ruhig wartend. Schon bald wurde ihr wortlos ein heißer Met hingestellt und genauso wortlos nickte sie erneut zum Dank. Nur kurz...huschte der wache Blick durch die Stube, als wollte sie prüfen, wer sich das Maul heute über sie zerreißen würde.<br />
<br />
Vigdis schnaufte… Sie hatte einen langen Vormittag bereits hinter sich. Die Prüfung des Waldabschnittes, in dem sie Fallen von Wilderern gefunden hatte. Ein Reh, dass sie deswegen erlösen musste und das nun zum Ausbluten vor ihrer Hütte hing. Die Fallen hatte sie zerstört; eine stille Warnung, dass sie alles sah in <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">ihrem</span> Wald. Später kam sie in die Stadt, um ihren Brüder ein paar Felle zur Weiterverarbeitung zu bringen. Dumme Sprüche waren stets der Lohn und heute gab es einen riesen Streit deswegen. Fast waren Fäuste geflogen, aber das einschneidende Wort der Schwester hatte sie dann auseinander getrieben. Vor Wut war sie eine Runde extra durch die Stadt und am Ende hier gelandet. Vermutlich liefen bereits die ersten Wetten, ob es dank Vigdis wieder eine Prügelei geben würde.<br />
<br />
Die Tür öffnete sich ein weiteres Mal und eine Gruppe Männer kam herein, hinter ihnen ein Rothaariger. Der, der sie immer so anstarrte. Sie nahm ihn nur kurz war und stierte dann entschlossen in ihren Krug hinein, vor sich hingrübelnd. Sie hatte sich fest vorgenommen, nur zu trinken. Nur trinken, nicht schlagen. Aber der Nachmittag war noch so jung….]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Tavern talks at night]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=698</link>
			<pubDate>Fri, 14 Mar 2025 18:48:46 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=0">Gwendolyn Everingham</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=698</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate2">
<div class="posttemplate2headline">Tavern talks<br />
<div style="font-family: 'Alex Brush'; font-size:18px;">at night</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/9f9d497a125b1c8dbea26c4b0b3b4a0a/tumblr_inline_o1ovljnjRW1rifr4k_500.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Gwendolyn hatte eine aufregende Zeit in Wintergard gehabt und es war der letzte Abend, bevor sie gemeinsam mit der Königin und dem Prinz zurück nach Spring´s Court reisen würde. Obwohl es kalt und mittlerweile dunkel war, wollte die Zofe der Königin die Zeit nutzen und sich nochmal die Gegend ansehen. Die Königin hatte ihr erlaubt, eine Weile für sich zu haben und zu tun was sie wollte. Es war ein faszinierendes Land und es war eine Freude gewesen, so viele neue Dinge zu entdecken. Das Eisfeuerfest hatte die junge Dame begeistert und sie war froh, dass die Königin sie mit nach Wintergard genommen hatte. Zuerst war sie nicht weit von der Burg der Stelhammers gelaufen, doch dann war sie etwas weiter gegangen und hatte sich von der wundervollen Natur anziehen lassen. Als sie bemerkt hatte, dass es dunkel wurde und sie schon etwas weiter weg von der Burg war, wollte sie wieder dorthin, doch sie war sich nicht mehr sicher in welche Richtung sie gehen musste. Und als zwei Unbekannte sie etwas zu lange betrachteten und sie das Gefühl hatte, von ihnen verfolgt zu werden, wuchs die Angst etwas in ihr und mit schnellen Schritten lief sie in eine Richtung. Sie wollte zum nächsten Haus und überlegte nicht wirklich, was sie tun oder sagen sollte wenn sie dort war, sie wollte einfach eine Gefahr vermeiden. Ohne sich umzudrehen, ging sie auf eines zu und bemerkte, dass die Tür offen war. Es ging ganz schnell, sie öffnete die Tür und schloss sie schnell auch wieder als sie drinnen war. Und plötzlich bemerkte Gwendolyn es. Eine Taverne. Sie war in eine Taverne gelaufen, alleine. Sie ließ den Blick umherschweifen und schluckte. Die meisten waren Männer, die gemeinsam sprachen und tranken, doch als sie eintrat, zog sie die meisten Blicke auf sich, was sie nicht wunderte. Eine junge Dame, die aussah als würde sie aus wohlhabenden Verhältnissen kommen, trat alleine um diese Zeit in eine Taverne. Was sollte sie tun? Wieder rausgehen, wo sie wohl alleine wäre, mit zwei Fremden, die sie wahrscheinlich verfolgten? Oder hier bleiben, wo viele Fremde waren und vielleicht auch eine Gefahr sein könnten? Sie musste sich schnell entscheiden. Sie räusperte sich und lief auf die Theke zu, wo eine Wirtin stand mit einer Flasche Bier in der Hand. Es beruhigte sie etwas, dass sie nicht die Einzige Frau in der Taverne war. Vielleicht wusste sie sogar, wie Gwendolyn schnell wieder zur Burg der Stelhammers zurückkehren konnte.<br />
<br />
Sie blieb an der Theke stehen und die Wirtin hob die Augenbrauen als sie Gwendolyn ansah. <b>"Guten Abend"</b>, fing die Zofe der Königin an. <b>"Haben sie etwas Wasser für mich?"</b> Die Wirtin sah sie für ein paar Momente weiterhin an, ehe sie ging und nach kurzer Zeit wieder mit einem Becher Wasser kam. Gwendolyn bedankte sich und trank einen großen Schluck. Es war eigentlich gemütlich in der Taverne, ein paar Musiker sangen und spielten auf ihren Instrumenten, Menschen sprachen und lachten miteinander und es schien eine gute Stimmung zu sein. Dennoch war sich Gwendolyn der Gefahr bewusst. Sie hoffte, dass sie nicht in Schwierigkeiten geraten würde und schnell wieder die Burg finden würde.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate2">
<div class="posttemplate2headline">Tavern talks<br />
<div style="font-family: 'Alex Brush'; font-size:18px;">at night</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/9f9d497a125b1c8dbea26c4b0b3b4a0a/tumblr_inline_o1ovljnjRW1rifr4k_500.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Gwendolyn hatte eine aufregende Zeit in Wintergard gehabt und es war der letzte Abend, bevor sie gemeinsam mit der Königin und dem Prinz zurück nach Spring´s Court reisen würde. Obwohl es kalt und mittlerweile dunkel war, wollte die Zofe der Königin die Zeit nutzen und sich nochmal die Gegend ansehen. Die Königin hatte ihr erlaubt, eine Weile für sich zu haben und zu tun was sie wollte. Es war ein faszinierendes Land und es war eine Freude gewesen, so viele neue Dinge zu entdecken. Das Eisfeuerfest hatte die junge Dame begeistert und sie war froh, dass die Königin sie mit nach Wintergard genommen hatte. Zuerst war sie nicht weit von der Burg der Stelhammers gelaufen, doch dann war sie etwas weiter gegangen und hatte sich von der wundervollen Natur anziehen lassen. Als sie bemerkt hatte, dass es dunkel wurde und sie schon etwas weiter weg von der Burg war, wollte sie wieder dorthin, doch sie war sich nicht mehr sicher in welche Richtung sie gehen musste. Und als zwei Unbekannte sie etwas zu lange betrachteten und sie das Gefühl hatte, von ihnen verfolgt zu werden, wuchs die Angst etwas in ihr und mit schnellen Schritten lief sie in eine Richtung. Sie wollte zum nächsten Haus und überlegte nicht wirklich, was sie tun oder sagen sollte wenn sie dort war, sie wollte einfach eine Gefahr vermeiden. Ohne sich umzudrehen, ging sie auf eines zu und bemerkte, dass die Tür offen war. Es ging ganz schnell, sie öffnete die Tür und schloss sie schnell auch wieder als sie drinnen war. Und plötzlich bemerkte Gwendolyn es. Eine Taverne. Sie war in eine Taverne gelaufen, alleine. Sie ließ den Blick umherschweifen und schluckte. Die meisten waren Männer, die gemeinsam sprachen und tranken, doch als sie eintrat, zog sie die meisten Blicke auf sich, was sie nicht wunderte. Eine junge Dame, die aussah als würde sie aus wohlhabenden Verhältnissen kommen, trat alleine um diese Zeit in eine Taverne. Was sollte sie tun? Wieder rausgehen, wo sie wohl alleine wäre, mit zwei Fremden, die sie wahrscheinlich verfolgten? Oder hier bleiben, wo viele Fremde waren und vielleicht auch eine Gefahr sein könnten? Sie musste sich schnell entscheiden. Sie räusperte sich und lief auf die Theke zu, wo eine Wirtin stand mit einer Flasche Bier in der Hand. Es beruhigte sie etwas, dass sie nicht die Einzige Frau in der Taverne war. Vielleicht wusste sie sogar, wie Gwendolyn schnell wieder zur Burg der Stelhammers zurückkehren konnte.<br />
<br />
Sie blieb an der Theke stehen und die Wirtin hob die Augenbrauen als sie Gwendolyn ansah. <b>"Guten Abend"</b>, fing die Zofe der Königin an. <b>"Haben sie etwas Wasser für mich?"</b> Die Wirtin sah sie für ein paar Momente weiterhin an, ehe sie ging und nach kurzer Zeit wieder mit einem Becher Wasser kam. Gwendolyn bedankte sich und trank einen großen Schluck. Es war eigentlich gemütlich in der Taverne, ein paar Musiker sangen und spielten auf ihren Instrumenten, Menschen sprachen und lachten miteinander und es schien eine gute Stimmung zu sein. Dennoch war sich Gwendolyn der Gefahr bewusst. Sie hoffte, dass sie nicht in Schwierigkeiten geraten würde und schnell wieder die Burg finden würde.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Winter wakes the Wolf]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=668</link>
			<pubDate>Sat, 25 Jan 2025 05:42:20 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=17">Leif Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=668</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/b0/84/0d/b0840de58db96213c3a9c1fe68071351.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:20px;">Fear makes Men more Dangerous<br />
than Magic ever could</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/cc5223c1e67ab665c1d0aac27b90dacb/6bcc7130b384b80c-c0/s400x600/7953b8fdafbfe184492d8b94e54a7b4f67b02212.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Drängende, zornige Schritte hallten an den Mauern der Winterburg wieder und brachten eine Krähe dazu, vom Fenstersims zu fliegen. Staub, der so friedlich durch die Sonnenstrahlen der offenen Fenster schwebte, wurde von aufbauschenden Fellen aufgewirbellt. An Tagen wie solchen war die Burg wie leergefegt, weswegen nur zwei Präsenzen schon die Ruhe in den Gängen störten und gleichzeitig jedem zurückgebliebenen Bediensteten das deutliche Zeichen gaben, sich von ihnen fernzuhalten. Man musste Leif nicht ins Gesicht sehen, um zu erkennen, dass er Zentimeter davon entfernt war, einen Mord zu begehen, strömte die Gewaltbereitschaft, diese <i>Unausgeglichenheit</i>, doch durch jede seiner Poren. Aber wenn man sich traute, ihm ins Gesicht zu sehen, in diese kalt-blauen Augen, in denen ein Sturm von unerklärbarer Größe tobte, dann verstand man vielleicht, was ihn in dieser nachmittäglichen Stunde antrieb; mehr, als er es selbst verstand.<br />
<br />
Hätte Reinka ihn heute nicht auf dem Fest am Arm genommen und etwas abseits der Feiernden geführt, wäre der Tag ganz normal weitergegangen. Die Brust noch voll voll mit Jubel und Adrenalin, nachdem er beim Bogenschießen eine lobwürdige Leistung abgeliefert hatte, hatten seine Augen geleuchtet, als er Aleena in der Menge gefunden hatte - sie und seinen Sohn, den sie unter dem Herzen trug und für den er sich überhaupt von seiner besten Seite gezeigt hatte. Sein Blut war erwärmt vom Alkohol, so, dass er keine Felle brauchte und sich sogar von Eriks lallenden Lobreden über seinen zukünftigen Erben anstecken ließ. Er hatte sich mit Händlern unterhalten, Schmieden, hatte mit einer Kriegerin angestoßen, die er noch aus Magnushaven kannte, Leif hatte das Treiben der Menge an diesem letzten Tag mit einem leichten Herzen genossen. Bis zu Reinkas Auftauchen hatte er den Lärm noch als angenehm empfunden; bis das wölfische Grinsen ob ihren Worten einfror und jegliche Wärme aus seinem Blick verschwand. <br />
Valda war hier, und man hatte sie erkannt.<br />
Auf einmal war er dankbar, am Rand des Geschehens zu sein und nicht in dessen Mitte. Gelächter zog an ihm vorbei, ohne ihn zu berühren, Stimmen vermischten sich zu einem bedrohlichen Summen, während die Worte immer wieder durch seinen Kopf hallten. Wie lange musste er seine Schwester angestarrt haben, bis die Erkenntnis, die Panik sein Gemüt ergriff und er sich von ihr losriss. Wie vehement musste sie ihn festgehalten haben, um ihn von den dümmsten, gefährlichsten Entscheidungen in seinem Leben abzuhalten, denn alle Freude der vergangenen Stunden war auf Glatteis gelaufen. Leif wusste nicht, wo Valda war. Er wusste nicht, ob sie in Gefahr war. Er wusste nicht, wer sie entdeckt hatte. Und er wusste nicht, was er dem Wurm antun würde, wenn er ihn in die Finger bekam. <br />
<br />
Dass er jetzt durch die Burg lief, mit ungezügelter, roher Gewalt in seinem Schritt, die seinesgleichen suchte, machte überhaupt keinen Sinn. Er musste da unten sein. Egal, wie Reinka gedachte, nach Valda und Sanna zu suchen, er würde es besser machen, er <i>musste</i> es besser machen, er musste-....<br />
Die Tür hinter Reinka fiel ins Schloss und Leif fand sich in ihrem alten Zimmer wieder, das noch genauso aussah wie vor ihrer Hochzeit. Natürlich, niemand rührte ihre Sachen an, wenn sie einmal im Monat zu Besuch vorbeikam und Mutter jeden zur Sau machte, der dachte, das Zimmer zu renovieren. Unter anderen Umständen hätte er sie dafür aufgezogen, dass sie ihren Sinn für Ordnung scheinbar auch in der Ehe noch nicht gefunden hatte, doch Leif plagten andere Sorgen. Welche von solch einer Größenordnung, dass er gar nicht wusste, wie er ihnen Herr werden sollte. Sein Kopf ein einziges Chaos, stand er nur verloren im Raum, die Hände unruhig immer wieder zu Fäusten ballend und wieder entspannend. Dass ihm die Stille nicht gut tat, sah man an dem arbeitenden Schläfenmuskel. Er wusste, dass er irgendwann mit seiner Schwester über das <i>Geheimnis</i> reden musste. Wenn sie ihn nicht schon für den Verrat gegenüber der Familie verurteilte, dann dafür, dass er nie ein Wort über seine Tochter verloren hatte - nicht einmal an sie, die ihm am nächsten stand und ihn besser kannte, als er sich selbst. Aber sein Kopf verarbeitete gerade alles, nur nicht den Bruch zwischen Geschwistern, und er…<br />
<font color="#CAC9FD">“...was mach ich eigentlich hier?”</font> Valda brauchte ihn und er hatte sich in die Burg ziehen lassen. Mit plötzlicher Dringlichkeit drehte sich Leif auf dem Absatz um und wollte Reinka schon zur Seite schieben, im Inbegriff, das Zimmer wieder zu verlassen.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/b0/84/0d/b0840de58db96213c3a9c1fe68071351.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:20px;">Fear makes Men more Dangerous<br />
than Magic ever could</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/cc5223c1e67ab665c1d0aac27b90dacb/6bcc7130b384b80c-c0/s400x600/7953b8fdafbfe184492d8b94e54a7b4f67b02212.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Drängende, zornige Schritte hallten an den Mauern der Winterburg wieder und brachten eine Krähe dazu, vom Fenstersims zu fliegen. Staub, der so friedlich durch die Sonnenstrahlen der offenen Fenster schwebte, wurde von aufbauschenden Fellen aufgewirbellt. An Tagen wie solchen war die Burg wie leergefegt, weswegen nur zwei Präsenzen schon die Ruhe in den Gängen störten und gleichzeitig jedem zurückgebliebenen Bediensteten das deutliche Zeichen gaben, sich von ihnen fernzuhalten. Man musste Leif nicht ins Gesicht sehen, um zu erkennen, dass er Zentimeter davon entfernt war, einen Mord zu begehen, strömte die Gewaltbereitschaft, diese <i>Unausgeglichenheit</i>, doch durch jede seiner Poren. Aber wenn man sich traute, ihm ins Gesicht zu sehen, in diese kalt-blauen Augen, in denen ein Sturm von unerklärbarer Größe tobte, dann verstand man vielleicht, was ihn in dieser nachmittäglichen Stunde antrieb; mehr, als er es selbst verstand.<br />
<br />
Hätte Reinka ihn heute nicht auf dem Fest am Arm genommen und etwas abseits der Feiernden geführt, wäre der Tag ganz normal weitergegangen. Die Brust noch voll voll mit Jubel und Adrenalin, nachdem er beim Bogenschießen eine lobwürdige Leistung abgeliefert hatte, hatten seine Augen geleuchtet, als er Aleena in der Menge gefunden hatte - sie und seinen Sohn, den sie unter dem Herzen trug und für den er sich überhaupt von seiner besten Seite gezeigt hatte. Sein Blut war erwärmt vom Alkohol, so, dass er keine Felle brauchte und sich sogar von Eriks lallenden Lobreden über seinen zukünftigen Erben anstecken ließ. Er hatte sich mit Händlern unterhalten, Schmieden, hatte mit einer Kriegerin angestoßen, die er noch aus Magnushaven kannte, Leif hatte das Treiben der Menge an diesem letzten Tag mit einem leichten Herzen genossen. Bis zu Reinkas Auftauchen hatte er den Lärm noch als angenehm empfunden; bis das wölfische Grinsen ob ihren Worten einfror und jegliche Wärme aus seinem Blick verschwand. <br />
Valda war hier, und man hatte sie erkannt.<br />
Auf einmal war er dankbar, am Rand des Geschehens zu sein und nicht in dessen Mitte. Gelächter zog an ihm vorbei, ohne ihn zu berühren, Stimmen vermischten sich zu einem bedrohlichen Summen, während die Worte immer wieder durch seinen Kopf hallten. Wie lange musste er seine Schwester angestarrt haben, bis die Erkenntnis, die Panik sein Gemüt ergriff und er sich von ihr losriss. Wie vehement musste sie ihn festgehalten haben, um ihn von den dümmsten, gefährlichsten Entscheidungen in seinem Leben abzuhalten, denn alle Freude der vergangenen Stunden war auf Glatteis gelaufen. Leif wusste nicht, wo Valda war. Er wusste nicht, ob sie in Gefahr war. Er wusste nicht, wer sie entdeckt hatte. Und er wusste nicht, was er dem Wurm antun würde, wenn er ihn in die Finger bekam. <br />
<br />
Dass er jetzt durch die Burg lief, mit ungezügelter, roher Gewalt in seinem Schritt, die seinesgleichen suchte, machte überhaupt keinen Sinn. Er musste da unten sein. Egal, wie Reinka gedachte, nach Valda und Sanna zu suchen, er würde es besser machen, er <i>musste</i> es besser machen, er musste-....<br />
Die Tür hinter Reinka fiel ins Schloss und Leif fand sich in ihrem alten Zimmer wieder, das noch genauso aussah wie vor ihrer Hochzeit. Natürlich, niemand rührte ihre Sachen an, wenn sie einmal im Monat zu Besuch vorbeikam und Mutter jeden zur Sau machte, der dachte, das Zimmer zu renovieren. Unter anderen Umständen hätte er sie dafür aufgezogen, dass sie ihren Sinn für Ordnung scheinbar auch in der Ehe noch nicht gefunden hatte, doch Leif plagten andere Sorgen. Welche von solch einer Größenordnung, dass er gar nicht wusste, wie er ihnen Herr werden sollte. Sein Kopf ein einziges Chaos, stand er nur verloren im Raum, die Hände unruhig immer wieder zu Fäusten ballend und wieder entspannend. Dass ihm die Stille nicht gut tat, sah man an dem arbeitenden Schläfenmuskel. Er wusste, dass er irgendwann mit seiner Schwester über das <i>Geheimnis</i> reden musste. Wenn sie ihn nicht schon für den Verrat gegenüber der Familie verurteilte, dann dafür, dass er nie ein Wort über seine Tochter verloren hatte - nicht einmal an sie, die ihm am nächsten stand und ihn besser kannte, als er sich selbst. Aber sein Kopf verarbeitete gerade alles, nur nicht den Bruch zwischen Geschwistern, und er…<br />
<font color="#CAC9FD">“...was mach ich eigentlich hier?”</font> Valda brauchte ihn und er hatte sich in die Burg ziehen lassen. Mit plötzlicher Dringlichkeit drehte sich Leif auf dem Absatz um und wollte Reinka schon zur Seite schieben, im Inbegriff, das Zimmer wieder zu verlassen.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[you do not yield]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=653</link>
			<pubDate>Sun, 05 Jan 2025 16:23:52 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=87">Tyra Winters</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=653</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Die Luft in Walleydor war von einer betörenden Schwere erfüllt. Der Duft von blühenden Feldern und feuchter Erde schien in jeder Windböe mitzuschwingen, doch für Tyra Winters war es ein lästiger Luxus. Jeder Atemzug schmerzte, brennende Stiche, die sie an die klaffende Wunde erinnerten, die seit Tagen an ihrer linken Flanke faulte. Der Stoff ihres Hemdes unter ihrer Rüstung war längst dunkel verfärbt, verklebt mit Blut und Eiter, ein geheimes Mahnmal ihrer Nachlässigkeit. Jeder Schritt ihres Pferdes jagte Schockwellen des Schmerzes durch ihren Körper, doch sie biss die Zähne zusammen, so, wie sie es immer getan hatte. Wunden heilten, das hatte sie früh gelernt. Aber diese hier war anders. Ihr Kopf war schwer, und eine trübe Hitze hatte sich in ihrem Geist festgesetzt. Gedanken, die sonst scharf und zielgerichtet waren, wirkten nun wie in einem Strudel aus Nebel gefangen. Doch Tyra war kein Mensch, der Schwäche zuließ. Ihre Lippen waren zu einer geraden Linie gepresst, ihre Augen auf den Weg gerichtet, auch wenn sie kaum noch den Willen fand, ihre Umgebung wahrzunehmen. Der Geruch der Wildblumen war ihr längst zu viel geworden, erregte Übelkeit in ihr, gemischt mit der metallischen Note ihres eigenen Blutes.<br />
<br />
Hinter ihr ritt Eneas, das Kind hinter seinem Sattelhorn, schweigsam wie immer, doch Tyra spürte seinen Blick zwischen ihren Schulterblättern. Er war aufmerksam, das wusste sie. Aber sie konnte sich keine Nachfragen leisten. Ihre Haltung war aufrecht, ihre Bewegungen kontrolliert. Sie ließ sich nicht anmerken, dass jede noch so winzige Bewegung der blonden Frau hinter ihr, die nur locker die Arme um Tyras Taille geschlungen hatte, beinahe dafür sorgte, dass sie vor Schmerzen die Besinnung verlor. Jede Schwäche wäre eine Einladung, eine Ablenkung von der Aufgabe, die vor ihnen lag. Der Kronprinz hatte ihnen diesen Auftrag erteilt, und Tyra war nicht bereit, ihren ohnehin zweifelhaften Ruf durch ein persönliches Versagen zu verschlechtern.  Doch ihr Körper war ein Verräter. Die Wunde, die sie sich während des Überfalls zugezogen hatte, pulsierte wie ein lebendiges Wesen. Die Hitze, die sie ausstrahlte, hatte sich inzwischen über ihren gesamten Körper ausgebreitet, und ihre Atmung war flach und unregelmäßig. Sie wusste, dass sie Fieber hatte. Ihre Haut brannte, selbst unter der Rüstung, und jeder Atemzug schien weniger Luft zu bringen, als sie brauchte. Ihre Rippen, gebrochen und vermutlich verschoben, protestierten bei jeder Bewegung. Doch sie ritt weiter, als wäre nichts.<br />
<br />
Der Weg vor ihnen zog sich wie eine endlose Schlange, das satte Grün der Landschaft war ein trügerisches Bild von Frieden. Tyra spürte eine seltsame Mischung aus Erleichterung und Frustration, als sie Mutter und Tochter leise, aber gelöst miteinander schäkern hörte. Die Frau war beeindruckend stark, das musste selbst Tyra zugeben, doch ihr eigenes Unwohlsein ließ jede Regung in Sannas Richtung zu einem unschönen Reiz werden. Jedes Lachen des Kindes war wie ein Nadelstich in ihre ohnehin gereizte Sinne. Tyra war nicht für Kinder gemacht, das wusste sie. Und doch war es ihre Aufgabe, sie zu beschützen. Die Welt begann zu verschwimmen. Ihre Sicht, zuvor noch klar und fokussiert, begann an den Rändern zu flackern. Schatten tanzten dort, wo keine sein sollten, und die Räume zwischen den Bäumen schienen sich auszudehnen und wieder zusammenzuziehen. Ein stummer Schauer lief über ihren Rücken, doch es war nicht die Kälte des Windes, sondern die Fieberschauer, die in ihr tobten. Ihre Finger zitterten leicht, und sie spürte, wie ihre Kontrolle nachzulassen drohte.<br />
<br />
Die Pferde bewegten sich in einem monotonen Rhythmus, doch Tyra konnte sich nicht mehr darauf konzentrieren. Ihre Gedanken waren wie eine Flutwelle, die sie zu überrollen drohte. Erinnerungen, ungebeten und unerwünscht, stiegen in ihr auf. Der Schmerz in ihrer Seite wurde zur Stimme ihrer Vergangenheit, ein widerhallender Tadel, der sie an jede Fehlentscheidung erinnerte, die sie je getroffen hatte. Ihr Atem wurde schwerer, ihre Lippen, trocken und rissig, öffneten sich für ein rasselndes Keuchen. Und dann geschah es. Ein Augenblick, der sich wie eine Ewigkeit anfühlte: Ihr Körper, ausgelaugt und geschwächt, gab nach. Die Zügel glitten aus ihren Fingern und sie spürte, wie die Welt sich unter ihr neigte. Der Boden kam ihr entgegen, ein harter, unerbittlicher Aufprall, der den Schmerz in ihrer Flanke explodieren ließ. Sie war vom Pferd gefallen, ihr Körper wie eine zerbrochene Puppe auf der Erde liegend. Die Hitze ihres Fiebers wurde von der Kühle des Bodens gemildert, doch ihre Gedanken waren ein Wirrwarr aus Dunkelheit und Lärm. Sie spürte, wie die Welt um sie herum vibrierte, Schritte, Stimmen, ein alarmiertes Wiehern, doch sie konnte nichts verstehen. Alles wurde von der Dunkelheit verschluckt, die sie unaufhaltsam umschloss. Ihr letzter Gedanke war kein Gebet, kein Fluch, sondern die einfache, bittere Erkenntnis, dass sie ihre Schwäche nicht länger verleugnen konnte. <br />
<br />
Und dann war da nichts mehr.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Die Luft in Walleydor war von einer betörenden Schwere erfüllt. Der Duft von blühenden Feldern und feuchter Erde schien in jeder Windböe mitzuschwingen, doch für Tyra Winters war es ein lästiger Luxus. Jeder Atemzug schmerzte, brennende Stiche, die sie an die klaffende Wunde erinnerten, die seit Tagen an ihrer linken Flanke faulte. Der Stoff ihres Hemdes unter ihrer Rüstung war längst dunkel verfärbt, verklebt mit Blut und Eiter, ein geheimes Mahnmal ihrer Nachlässigkeit. Jeder Schritt ihres Pferdes jagte Schockwellen des Schmerzes durch ihren Körper, doch sie biss die Zähne zusammen, so, wie sie es immer getan hatte. Wunden heilten, das hatte sie früh gelernt. Aber diese hier war anders. Ihr Kopf war schwer, und eine trübe Hitze hatte sich in ihrem Geist festgesetzt. Gedanken, die sonst scharf und zielgerichtet waren, wirkten nun wie in einem Strudel aus Nebel gefangen. Doch Tyra war kein Mensch, der Schwäche zuließ. Ihre Lippen waren zu einer geraden Linie gepresst, ihre Augen auf den Weg gerichtet, auch wenn sie kaum noch den Willen fand, ihre Umgebung wahrzunehmen. Der Geruch der Wildblumen war ihr längst zu viel geworden, erregte Übelkeit in ihr, gemischt mit der metallischen Note ihres eigenen Blutes.<br />
<br />
Hinter ihr ritt Eneas, das Kind hinter seinem Sattelhorn, schweigsam wie immer, doch Tyra spürte seinen Blick zwischen ihren Schulterblättern. Er war aufmerksam, das wusste sie. Aber sie konnte sich keine Nachfragen leisten. Ihre Haltung war aufrecht, ihre Bewegungen kontrolliert. Sie ließ sich nicht anmerken, dass jede noch so winzige Bewegung der blonden Frau hinter ihr, die nur locker die Arme um Tyras Taille geschlungen hatte, beinahe dafür sorgte, dass sie vor Schmerzen die Besinnung verlor. Jede Schwäche wäre eine Einladung, eine Ablenkung von der Aufgabe, die vor ihnen lag. Der Kronprinz hatte ihnen diesen Auftrag erteilt, und Tyra war nicht bereit, ihren ohnehin zweifelhaften Ruf durch ein persönliches Versagen zu verschlechtern.  Doch ihr Körper war ein Verräter. Die Wunde, die sie sich während des Überfalls zugezogen hatte, pulsierte wie ein lebendiges Wesen. Die Hitze, die sie ausstrahlte, hatte sich inzwischen über ihren gesamten Körper ausgebreitet, und ihre Atmung war flach und unregelmäßig. Sie wusste, dass sie Fieber hatte. Ihre Haut brannte, selbst unter der Rüstung, und jeder Atemzug schien weniger Luft zu bringen, als sie brauchte. Ihre Rippen, gebrochen und vermutlich verschoben, protestierten bei jeder Bewegung. Doch sie ritt weiter, als wäre nichts.<br />
<br />
Der Weg vor ihnen zog sich wie eine endlose Schlange, das satte Grün der Landschaft war ein trügerisches Bild von Frieden. Tyra spürte eine seltsame Mischung aus Erleichterung und Frustration, als sie Mutter und Tochter leise, aber gelöst miteinander schäkern hörte. Die Frau war beeindruckend stark, das musste selbst Tyra zugeben, doch ihr eigenes Unwohlsein ließ jede Regung in Sannas Richtung zu einem unschönen Reiz werden. Jedes Lachen des Kindes war wie ein Nadelstich in ihre ohnehin gereizte Sinne. Tyra war nicht für Kinder gemacht, das wusste sie. Und doch war es ihre Aufgabe, sie zu beschützen. Die Welt begann zu verschwimmen. Ihre Sicht, zuvor noch klar und fokussiert, begann an den Rändern zu flackern. Schatten tanzten dort, wo keine sein sollten, und die Räume zwischen den Bäumen schienen sich auszudehnen und wieder zusammenzuziehen. Ein stummer Schauer lief über ihren Rücken, doch es war nicht die Kälte des Windes, sondern die Fieberschauer, die in ihr tobten. Ihre Finger zitterten leicht, und sie spürte, wie ihre Kontrolle nachzulassen drohte.<br />
<br />
Die Pferde bewegten sich in einem monotonen Rhythmus, doch Tyra konnte sich nicht mehr darauf konzentrieren. Ihre Gedanken waren wie eine Flutwelle, die sie zu überrollen drohte. Erinnerungen, ungebeten und unerwünscht, stiegen in ihr auf. Der Schmerz in ihrer Seite wurde zur Stimme ihrer Vergangenheit, ein widerhallender Tadel, der sie an jede Fehlentscheidung erinnerte, die sie je getroffen hatte. Ihr Atem wurde schwerer, ihre Lippen, trocken und rissig, öffneten sich für ein rasselndes Keuchen. Und dann geschah es. Ein Augenblick, der sich wie eine Ewigkeit anfühlte: Ihr Körper, ausgelaugt und geschwächt, gab nach. Die Zügel glitten aus ihren Fingern und sie spürte, wie die Welt sich unter ihr neigte. Der Boden kam ihr entgegen, ein harter, unerbittlicher Aufprall, der den Schmerz in ihrer Flanke explodieren ließ. Sie war vom Pferd gefallen, ihr Körper wie eine zerbrochene Puppe auf der Erde liegend. Die Hitze ihres Fiebers wurde von der Kühle des Bodens gemildert, doch ihre Gedanken waren ein Wirrwarr aus Dunkelheit und Lärm. Sie spürte, wie die Welt um sie herum vibrierte, Schritte, Stimmen, ein alarmiertes Wiehern, doch sie konnte nichts verstehen. Alles wurde von der Dunkelheit verschluckt, die sie unaufhaltsam umschloss. Ihr letzter Gedanke war kein Gebet, kein Fluch, sondern die einfache, bittere Erkenntnis, dass sie ihre Schwäche nicht länger verleugnen konnte. <br />
<br />
Und dann war da nichts mehr.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[the air is cold, the night is long]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=628</link>
			<pubDate>Wed, 27 Nov 2024 20:46:05 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=138">Erik Norrholm</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=628</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate2">
<div class="posttemplate2headline">The air is cold<br />
<div style="font-family: 'Alex Brush'; font-size:18px;">the night is long.</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/originals/8d/a8/5c/8da85c17e2274f02b892511e618cc931.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Erik lag reglos neben seiner schlafenden Frau, deren gleichmäßige Atmung die Stille des Raumes füllte, während die ersten Sonnenstrahlen den dunklen Himmel draußen aus seinem tiefen Schweigen rissen. Ihre Hand lag auf dem noch nicht wirklich gewölbten Bauch, der das neue Leben verbarg, das in ihr wuchs. Doch obwohl die Wärme ihres Körpers ihn in dieser Nacht begleitete, spürte Erik ein unstillbares Kribbeln in seinen Gliedmaßen, als ob der Winter selbst in seine Knochen gezogen wäre. Der Gedanke an die kommenden Vorbereitungen, der Gedanke an das, was Leif ihm erzählt hatte, hielt ihn gefangen. Es war die Vorfreude – der innere Drang, sich wieder zu beweisen und sich der Fügung des Schicksals zu stellen. Die Vorstellung, bald wieder in die Schlacht zu ziehen, das Schwingen der Axt, das Rufen der Feinde zu hören, das Rauschen des Blutes in seinen Ohren – es war wie eine Sucht, die in ihm aufstieg.<br />
<br />
Doch dann war da auch etwas anderes. Das ständige Gefühl einer <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Last</span>, die er nicht abschütteln konnte. Ein winziger, aber mächtiger Gedanke, der seine Freude über die bevorstehenden Kämpfe überschattete: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">sein Kind</span>. Das Leben, das noch in seiner Frau wuchs. Der Gedanke daran ließ ihn gleichzeitig in den Abgrund starren und den Himmel voller Sterne suchen. Was, wenn er in den Kampf zog und nicht zurückkehrte? Was, wenn der Ruf des Kampfes ihm das Leben kostete, das er noch nicht einmal ganz erfasst hatte? Was, wenn er nie die Gelegenheit hatte, den ersten Atemzug seines Kindes zu hören, oder nie seinen Sohn oder seine Tochter in den Armen zu halten?<br />
<br />
Solche Gedanken standen Erik nicht zu Gesicht, und er würde sie wohl auch kaum aussprechen – geschweige denn würde er zulassen, dass sie seine Entschlossenheit, Seite an Seite mit Leif wieder in den Kampf zu ziehen, auch nur im Geringsten schmälern. Es gab keine Zweifel, keine Furcht, keine Sorge um das, was kommen mochte. Es war sowieso schon festgeschrieben. <br />
<br />
Erik versuchte, die Gedanken zu zerstreuen und den Schlaf seiner Frau nicht weiter zu stören, weil er sich in den Pelzen wand. Aber die Unruhe ließ nicht nach. Sie nagte an ihm, sie zerrte an ihm, rief ihn. Er stieß die Luft aus seinen Lungen. Ein tiefes, resigniertes Seufzen. Dann warf er die Pelze von sich und stand langsam auf. Sein Schädel schmerzte und das lag nicht allein an seinen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ungewöhnlich</span> vielen Gedanken, sondern auch dem Bier, welchem er vergangenen Abend nur all zu sehr verfallen war. <br />
<br />
Wenig später fand Erik sich in den Ställen seines Vaters wieder. Der Duft von Heu und frischem Stroh lag in der kühlen Morgenluft, die durch die Fenster der alten Stallungen zog. Thorin stand in einer der Boxen, den Kopf gehoben, und musterte seinen Herrn mit jenem vertrauten Blick, der nur einem treuen Pferd vorbehalten war, das aus jahrelanger Begleitung wusste, wann es gebraucht wurde. Der braune Wallach war ein altes, zuverlässiges Tier, das ihm auf zahllosen Reisen beigestanden hatte. Doch inzwischen hatte es ausgedient. Es war nicht mehr das schnelle, ungestüme Pferd von früher, das die Sonne in seinem Fell fing und die es wie poliertes Kupfer erstrahlen ließ, sondern ein langsamerer, müder Begleiter, der das Gewicht vieler Jahre trug. Aber Erik hatte an dem Tier gehangen, vielleicht mehr, als es für einen Krieger angebracht war. Thorin würde ihn noch einige Zeit begleiten, auch wenn er wusste, dass er sich bald nach einem neuen Pferd umsehen musste - zumindest wenn er mit Leif noch mithalten wollte. Bereits die letzte große Reise hatte dem Tier viel Kraft gekostet. <br />
<br />
Mit einem leisen Seufzen strich Erik dem braunen Wallach über die breite Stirn, die sich zunehmend mit grauen Strähnen zierte, und ließ seine Hand kurz verweilen. Der Pferdekopf senkte sich vertrauensvoll, als wüsste er, dass es der letzte Ritt gewesen sein könnte, der ihm bevorstand. In wenigen Handgriffen sattelte Erik das Tier.<br />
<br />
Doch während er das Sattelzeug festzurrte, war Erik ein leises Geräusch aufgefallen. Jemand war ihm in die Stallungen gefolgt. Er drehte sich nicht sofort um, sondern ließ die Stille einen Moment lang wirken, während er die Zügel des Pferdes in der Hand behielt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Kommst du mit?"</span>, fragte er schließlich in die Dunkelheit der Stallgasse hinein, seine Stimme ruhig, doch durchzogen von einem Hauch von Erwartung und Schalk. Er wusste, dass es nur eine Person sein konnte, die ihm ohne ein Wort zu sagen in die Ställe gefolgt war. Und er wusste auch, dass sie längst auf diese Frage gewartet hatte.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate2">
<div class="posttemplate2headline">The air is cold<br />
<div style="font-family: 'Alex Brush'; font-size:18px;">the night is long.</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/originals/8d/a8/5c/8da85c17e2274f02b892511e618cc931.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Erik lag reglos neben seiner schlafenden Frau, deren gleichmäßige Atmung die Stille des Raumes füllte, während die ersten Sonnenstrahlen den dunklen Himmel draußen aus seinem tiefen Schweigen rissen. Ihre Hand lag auf dem noch nicht wirklich gewölbten Bauch, der das neue Leben verbarg, das in ihr wuchs. Doch obwohl die Wärme ihres Körpers ihn in dieser Nacht begleitete, spürte Erik ein unstillbares Kribbeln in seinen Gliedmaßen, als ob der Winter selbst in seine Knochen gezogen wäre. Der Gedanke an die kommenden Vorbereitungen, der Gedanke an das, was Leif ihm erzählt hatte, hielt ihn gefangen. Es war die Vorfreude – der innere Drang, sich wieder zu beweisen und sich der Fügung des Schicksals zu stellen. Die Vorstellung, bald wieder in die Schlacht zu ziehen, das Schwingen der Axt, das Rufen der Feinde zu hören, das Rauschen des Blutes in seinen Ohren – es war wie eine Sucht, die in ihm aufstieg.<br />
<br />
Doch dann war da auch etwas anderes. Das ständige Gefühl einer <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">Last</span>, die er nicht abschütteln konnte. Ein winziger, aber mächtiger Gedanke, der seine Freude über die bevorstehenden Kämpfe überschattete: <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">sein Kind</span>. Das Leben, das noch in seiner Frau wuchs. Der Gedanke daran ließ ihn gleichzeitig in den Abgrund starren und den Himmel voller Sterne suchen. Was, wenn er in den Kampf zog und nicht zurückkehrte? Was, wenn der Ruf des Kampfes ihm das Leben kostete, das er noch nicht einmal ganz erfasst hatte? Was, wenn er nie die Gelegenheit hatte, den ersten Atemzug seines Kindes zu hören, oder nie seinen Sohn oder seine Tochter in den Armen zu halten?<br />
<br />
Solche Gedanken standen Erik nicht zu Gesicht, und er würde sie wohl auch kaum aussprechen – geschweige denn würde er zulassen, dass sie seine Entschlossenheit, Seite an Seite mit Leif wieder in den Kampf zu ziehen, auch nur im Geringsten schmälern. Es gab keine Zweifel, keine Furcht, keine Sorge um das, was kommen mochte. Es war sowieso schon festgeschrieben. <br />
<br />
Erik versuchte, die Gedanken zu zerstreuen und den Schlaf seiner Frau nicht weiter zu stören, weil er sich in den Pelzen wand. Aber die Unruhe ließ nicht nach. Sie nagte an ihm, sie zerrte an ihm, rief ihn. Er stieß die Luft aus seinen Lungen. Ein tiefes, resigniertes Seufzen. Dann warf er die Pelze von sich und stand langsam auf. Sein Schädel schmerzte und das lag nicht allein an seinen <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">ungewöhnlich</span> vielen Gedanken, sondern auch dem Bier, welchem er vergangenen Abend nur all zu sehr verfallen war. <br />
<br />
Wenig später fand Erik sich in den Ställen seines Vaters wieder. Der Duft von Heu und frischem Stroh lag in der kühlen Morgenluft, die durch die Fenster der alten Stallungen zog. Thorin stand in einer der Boxen, den Kopf gehoben, und musterte seinen Herrn mit jenem vertrauten Blick, der nur einem treuen Pferd vorbehalten war, das aus jahrelanger Begleitung wusste, wann es gebraucht wurde. Der braune Wallach war ein altes, zuverlässiges Tier, das ihm auf zahllosen Reisen beigestanden hatte. Doch inzwischen hatte es ausgedient. Es war nicht mehr das schnelle, ungestüme Pferd von früher, das die Sonne in seinem Fell fing und die es wie poliertes Kupfer erstrahlen ließ, sondern ein langsamerer, müder Begleiter, der das Gewicht vieler Jahre trug. Aber Erik hatte an dem Tier gehangen, vielleicht mehr, als es für einen Krieger angebracht war. Thorin würde ihn noch einige Zeit begleiten, auch wenn er wusste, dass er sich bald nach einem neuen Pferd umsehen musste - zumindest wenn er mit Leif noch mithalten wollte. Bereits die letzte große Reise hatte dem Tier viel Kraft gekostet. <br />
<br />
Mit einem leisen Seufzen strich Erik dem braunen Wallach über die breite Stirn, die sich zunehmend mit grauen Strähnen zierte, und ließ seine Hand kurz verweilen. Der Pferdekopf senkte sich vertrauensvoll, als wüsste er, dass es der letzte Ritt gewesen sein könnte, der ihm bevorstand. In wenigen Handgriffen sattelte Erik das Tier.<br />
<br />
Doch während er das Sattelzeug festzurrte, war Erik ein leises Geräusch aufgefallen. Jemand war ihm in die Stallungen gefolgt. Er drehte sich nicht sofort um, sondern ließ die Stille einen Moment lang wirken, während er die Zügel des Pferdes in der Hand behielt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Kommst du mit?"</span>, fragte er schließlich in die Dunkelheit der Stallgasse hinein, seine Stimme ruhig, doch durchzogen von einem Hauch von Erwartung und Schalk. Er wusste, dass es nur eine Person sein konnte, die ihm ohne ein Wort zu sagen in die Ställe gefolgt war. Und er wusste auch, dass sie längst auf diese Frage gewartet hatte.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Alliance of two Crowns]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=607</link>
			<pubDate>Mon, 04 Nov 2024 19:14:04 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=0">Charles Stafford</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=607</guid>
			<description><![CDATA[Bevor diese Reise überhaupt ihren Anfang nahm war Charles am überlegen einfach durchzureiten um so vielleicht ein wenig eher anzukommen. Doch schlussendlich hatte er sich dagegen entschieden. Er hatte sich Zeit gelassen und ganze drei Tage mit dem Ritt nach Wintergard verbracht. Seine Schwester war schwanger und er würde noch einmal Onkel werden. Wahrlich großartige Neuigkeiten. In Anbetracht der aktuellen politischen Lage jedoch war es nicht wirklich einfach für ihn sich darüber zu freuen. Denn es bedeutete dass er noch mehr Verantwortung hatte und vor allem dass dieser Krieg nicht in einem kompletten Gemetzel enden durfte. Denn seine Nichte oder sein Neffe sollte in einer friedlichen und guten Umgebung aufwachsen können. So wie es bei ihnen allen der Fall war aber......so einfach würden sie es nicht beenden können. <br />
<br />
Doch es war nicht dieses Anliegen weswegen Charles den Weg zu den Stelhammers antrat. Offiziell ja, aber eigentlich war es notwendig dass Ariald Stelhammer und er sich besprachen. In den wichtigen Angelegenheiten. In politischen Dingen. Nur würde das öffentlich für ziemlich viel Unruhe sorgen. Niemand sollte darüber Bescheid wissen. Deswegen nutzte er die Schwangerschaft seiner Schwester als offiziellen Grund. Es war in aller früh als er die Tore passierte und wenig später im Burghof zum stehen kam. Sein Pferd hielt und anschließend abstieg. Wahrscheinlich schlief der Großteil der Leute hier noch, aber er würde nicht lauter als nötig werden. Schließlich wollte er niemanden wecken. Ein Stallbursche kam dem Charles sein Pferd überreichte. <br />
<br />
<span style="color: #44B8FF;" class="mycode_color">"Gebt dem König Ariald Stelhammer Bescheid dass Charles Stafford soeben eingetroffen ist und seine Anwesenheit erwartet"</span>, machte er dann deutlich. Er sollte mehr in diesem Land unterwegs sein denn er stellte fest dass er sich zu kalt angezogen hatte. Da es ihm ganz lieb war so unauffällig wie möglich zu reisen, trug er keine all zu prunkvolle Kleidung. Auch wenn man ihm ansah dass er aus dem Frülingsland kommen musste. Für dieses Wetter war er nicht vorbereitet gewesen, aber er wollt auch nicht auf halben Wege umdrehen um sich andere Kleidung zu besorgen und er wollte hier seine Zeit auch nicht unnötig damit verschwenden passende Kleidung zu organisieren. Geduldig wartete er nun also im Hof und sah sich einmal kurz um.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Bevor diese Reise überhaupt ihren Anfang nahm war Charles am überlegen einfach durchzureiten um so vielleicht ein wenig eher anzukommen. Doch schlussendlich hatte er sich dagegen entschieden. Er hatte sich Zeit gelassen und ganze drei Tage mit dem Ritt nach Wintergard verbracht. Seine Schwester war schwanger und er würde noch einmal Onkel werden. Wahrlich großartige Neuigkeiten. In Anbetracht der aktuellen politischen Lage jedoch war es nicht wirklich einfach für ihn sich darüber zu freuen. Denn es bedeutete dass er noch mehr Verantwortung hatte und vor allem dass dieser Krieg nicht in einem kompletten Gemetzel enden durfte. Denn seine Nichte oder sein Neffe sollte in einer friedlichen und guten Umgebung aufwachsen können. So wie es bei ihnen allen der Fall war aber......so einfach würden sie es nicht beenden können. <br />
<br />
Doch es war nicht dieses Anliegen weswegen Charles den Weg zu den Stelhammers antrat. Offiziell ja, aber eigentlich war es notwendig dass Ariald Stelhammer und er sich besprachen. In den wichtigen Angelegenheiten. In politischen Dingen. Nur würde das öffentlich für ziemlich viel Unruhe sorgen. Niemand sollte darüber Bescheid wissen. Deswegen nutzte er die Schwangerschaft seiner Schwester als offiziellen Grund. Es war in aller früh als er die Tore passierte und wenig später im Burghof zum stehen kam. Sein Pferd hielt und anschließend abstieg. Wahrscheinlich schlief der Großteil der Leute hier noch, aber er würde nicht lauter als nötig werden. Schließlich wollte er niemanden wecken. Ein Stallbursche kam dem Charles sein Pferd überreichte. <br />
<br />
<span style="color: #44B8FF;" class="mycode_color">"Gebt dem König Ariald Stelhammer Bescheid dass Charles Stafford soeben eingetroffen ist und seine Anwesenheit erwartet"</span>, machte er dann deutlich. Er sollte mehr in diesem Land unterwegs sein denn er stellte fest dass er sich zu kalt angezogen hatte. Da es ihm ganz lieb war so unauffällig wie möglich zu reisen, trug er keine all zu prunkvolle Kleidung. Auch wenn man ihm ansah dass er aus dem Frülingsland kommen musste. Für dieses Wetter war er nicht vorbereitet gewesen, aber er wollt auch nicht auf halben Wege umdrehen um sich andere Kleidung zu besorgen und er wollte hier seine Zeit auch nicht unnötig damit verschwenden passende Kleidung zu organisieren. Geduldig wartete er nun also im Hof und sah sich einmal kurz um.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Imagine how the world could be, so very fine]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=606</link>
			<pubDate>Sun, 03 Nov 2024 14:08:35 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=2">Aleena Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=606</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/9a/f5/b5/9af5b50c16fb3fc035b1e885292812da.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">Imagine how the world could be, so very fine<br />
<div style="font-size:18px;">So happy together</div>
</div>
Unruhig trat die junge Prinzessin von einem Fuß auf den anderen und fragte sich urplötzlich, ob ihr sogar das Stehen in wenigen Monaten schon Probleme bereiten würde. Doch auch wenn die Antwort ein klares 'ja' wäre, konnte sie in diesem Moment kaum glücklicher sein. Ohne darüber nachzudenken legte sie die Hände auf ihren flachen Bauch und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Dass dieser Tag heute endlich gekommen war konnte sie kaum glauben. Während draußen das Schneegestöber immer weiter zunahm und die Sicht bis in die kargen Gärten verschleierte, knisterte drinnen ein gemütliches Feuer im Kamin, um das sich die besorgten Diener und Dienerinnen kümmerten. Mit Mäuschenschritten legten sie immer neues Holz nach, sorgten dafür, dass das Feuer unnachgiebig brannte und dass nichts von den gefährlichen Dämpfen in den Speiseraum zog, in dem sich gleich die gesamte Familie aufhalten würde. Leif und Aleena hatten zu einem Abendessen geladen. Nicht, dass sich einer von ihnen selbst an ein Feuer zum Kochen gestellt hätte, doch sie haben zumindest ein Festmahl in Auftrag gegeben. Während fleißig der Tisch gedeckt wurde beobachtete Aleena die vielen Menschen, die an diesem Essen beteiligt sein würden, ohne dazu zu gehören. Sie alle hatten Familie, vielleicht sogar Kinder, um die sie sich sorgten. Oder Geschwister. Vielleicht sogar kranke Eltern, die sie nebenbei noch versorgen mussten. Und ohne dass sie bemerkt hätte, was ihr gerade passiert, stiegen ihr die Tränen in die Augen. Seit einigen Tagen war die junge Frau noch emotionaler als sonst und musste immer wieder mit den Tränen ringen. Sie wusste, dass ihr Ehemann nicht besonders gut mit solchen Gefühlen umgehen konnte, also versuchte sie die aufkeimende Trauer direkt nieder zu ringen. Meistens funktioniert das recht gut, wenn sie bedachte, warum sie überhaupt so sentimental war. <br />
<br />
Mit einem breiten Grinsen rückte sie hier einen Stuhl zurecht, legte dort eine Gabel etwas weiter nach links und ließ nach einem gekonnten Blick über den Glasrand noch eines der Weingläser austauschen. Heute sollte alles perfekt sein. In wenigen Minuten würde der Rest ihrer Familie kommen und dann endlich die guten Neuigkeiten erfahren. Aleena war schon seit Tagen aufgeregt, wenn sie daran dachte, dass sie diejenige war, die ihnen endlich die lang erwartete Neuigkeit verkünden konnte. Sie war schwanger! Nach vier langen Jahren der Ehe ohne einen Erben oder eine Erbin erwartete sie nun endlich ihr erstes Kind. Obwohl der Bauch noch genauso flach war wie eh und je, spürte sie, dass sich etwas verändert hatte. Das Kleid mit der integrierten Korsage war vor allem oben drum deutlich unangenehmer als sonst und Aleena musste immer wieder den Stoff etwas hin und her schieben, weil alles irgendwie drückte. Außerdem meinte sie, dass sie schon eine Veränderung an ihren Haaren feststellen konnte, weshalb sie sie heute extra offen trug. Normalerweise sah man die junge Kronprinzessin nur mit aufwendigen Hochsteckfrisuren, doch heute trug sie ihre sanften Locken offen über den Schultern. Alle Welt sollte sehen, wie sehr die Stelhammer erstrahlte! <br />
<br />
Quietschend hüpfte sie von einem Bein aufs Andere, während sie die Köpfe mit ihrer Zofe und besten Freundin zusammensteckte. "<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Endlich</span>", flüsterten sie beide und hielten sich an den Händen. Wenigstens einer, der die Art sich zu freuen mit der jungen Frau teilte. Die Winterländer waren alle eher darauf beschränkt Trinksprüche zu bringen oder einem mit seinen Pranken auf die Schulter zu klopfen. <br />
<br />
Immer wieder musste sich Aleena die schwitzigen Hände an ihrem blauen Kleid abwischen. Jetzt musste es jeden Moment so sein! Bald müssten alle Eingeladenen in das Speisezimmer strömen und dann wäre endlich dieser eine Moment gekommen. Der Moment, in dem sie sich hoffentlich alle vor Freude weinend in den Armen lagen... Oder sich eben einfach nur auf die Schulter klopften und den nächsten Met herunter stürzten. Wie auch immer. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/9a/f5/b5/9af5b50c16fb3fc035b1e885292812da.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">Imagine how the world could be, so very fine<br />
<div style="font-size:18px;">So happy together</div>
</div>
Unruhig trat die junge Prinzessin von einem Fuß auf den anderen und fragte sich urplötzlich, ob ihr sogar das Stehen in wenigen Monaten schon Probleme bereiten würde. Doch auch wenn die Antwort ein klares 'ja' wäre, konnte sie in diesem Moment kaum glücklicher sein. Ohne darüber nachzudenken legte sie die Hände auf ihren flachen Bauch und schloss für einen kurzen Moment die Augen. Dass dieser Tag heute endlich gekommen war konnte sie kaum glauben. Während draußen das Schneegestöber immer weiter zunahm und die Sicht bis in die kargen Gärten verschleierte, knisterte drinnen ein gemütliches Feuer im Kamin, um das sich die besorgten Diener und Dienerinnen kümmerten. Mit Mäuschenschritten legten sie immer neues Holz nach, sorgten dafür, dass das Feuer unnachgiebig brannte und dass nichts von den gefährlichen Dämpfen in den Speiseraum zog, in dem sich gleich die gesamte Familie aufhalten würde. Leif und Aleena hatten zu einem Abendessen geladen. Nicht, dass sich einer von ihnen selbst an ein Feuer zum Kochen gestellt hätte, doch sie haben zumindest ein Festmahl in Auftrag gegeben. Während fleißig der Tisch gedeckt wurde beobachtete Aleena die vielen Menschen, die an diesem Essen beteiligt sein würden, ohne dazu zu gehören. Sie alle hatten Familie, vielleicht sogar Kinder, um die sie sich sorgten. Oder Geschwister. Vielleicht sogar kranke Eltern, die sie nebenbei noch versorgen mussten. Und ohne dass sie bemerkt hätte, was ihr gerade passiert, stiegen ihr die Tränen in die Augen. Seit einigen Tagen war die junge Frau noch emotionaler als sonst und musste immer wieder mit den Tränen ringen. Sie wusste, dass ihr Ehemann nicht besonders gut mit solchen Gefühlen umgehen konnte, also versuchte sie die aufkeimende Trauer direkt nieder zu ringen. Meistens funktioniert das recht gut, wenn sie bedachte, warum sie überhaupt so sentimental war. <br />
<br />
Mit einem breiten Grinsen rückte sie hier einen Stuhl zurecht, legte dort eine Gabel etwas weiter nach links und ließ nach einem gekonnten Blick über den Glasrand noch eines der Weingläser austauschen. Heute sollte alles perfekt sein. In wenigen Minuten würde der Rest ihrer Familie kommen und dann endlich die guten Neuigkeiten erfahren. Aleena war schon seit Tagen aufgeregt, wenn sie daran dachte, dass sie diejenige war, die ihnen endlich die lang erwartete Neuigkeit verkünden konnte. Sie war schwanger! Nach vier langen Jahren der Ehe ohne einen Erben oder eine Erbin erwartete sie nun endlich ihr erstes Kind. Obwohl der Bauch noch genauso flach war wie eh und je, spürte sie, dass sich etwas verändert hatte. Das Kleid mit der integrierten Korsage war vor allem oben drum deutlich unangenehmer als sonst und Aleena musste immer wieder den Stoff etwas hin und her schieben, weil alles irgendwie drückte. Außerdem meinte sie, dass sie schon eine Veränderung an ihren Haaren feststellen konnte, weshalb sie sie heute extra offen trug. Normalerweise sah man die junge Kronprinzessin nur mit aufwendigen Hochsteckfrisuren, doch heute trug sie ihre sanften Locken offen über den Schultern. Alle Welt sollte sehen, wie sehr die Stelhammer erstrahlte! <br />
<br />
Quietschend hüpfte sie von einem Bein aufs Andere, während sie die Köpfe mit ihrer Zofe und besten Freundin zusammensteckte. "<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">Endlich</span>", flüsterten sie beide und hielten sich an den Händen. Wenigstens einer, der die Art sich zu freuen mit der jungen Frau teilte. Die Winterländer waren alle eher darauf beschränkt Trinksprüche zu bringen oder einem mit seinen Pranken auf die Schulter zu klopfen. <br />
<br />
Immer wieder musste sich Aleena die schwitzigen Hände an ihrem blauen Kleid abwischen. Jetzt musste es jeden Moment so sein! Bald müssten alle Eingeladenen in das Speisezimmer strömen und dann wäre endlich dieser eine Moment gekommen. Der Moment, in dem sie sich hoffentlich alle vor Freude weinend in den Armen lagen... Oder sich eben einfach nur auf die Schulter klopften und den nächsten Met herunter stürzten. Wie auch immer. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Winter is coming]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=596</link>
			<pubDate>Fri, 01 Nov 2024 10:34:28 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=35">Sanna Lorenson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=596</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(HINTERGUND_URL); background-size:100%;background-position:50% 50%;">winter is coming<br />
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/originals/c5/86/a8/c586a8ce60895a335f8b067ccb663166.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Das müde Bündel auf ihrem Rücken wog schwer, während Sanna in der Dunkelheit sich ihren Weg durch die Wälder Norsteadings bahnte. Es waren nun schon ein paar Tage vergangen, eine Freundin hatte sie mit ihrem Wanderkarren so weit mitgenommen wie sie nur konnte, doch seit gestern musste sich Sanna alleine ihren Weg durch die wilden Lande suchen. Das sie dabei im Begriff war ihre über alles geliebte Heimat zu verlassen, brach ihr dabei das Herz. Denn sie ließ nicht nur ihre Hütte, ihre Mutter und ihr Leben hinter sich, sondern auch den Mann, den sie liebte. Doch im Grunde war es doch genau diese Situation, vor der sie immer gewarnt wurde. Von ihrer Mutter, von ihrem eigenen rationalen Verstand. Sie hatte es nur nicht akzeptieren können, hatte nicht wahrhaben wollen, dass diese kleine Blase in der sie sich mit Leif befunden hatte, eines Tages platzen würde. Wie leichtfertig und dumm sie gewesen waren. Beide. Und es war ungerecht, dass nur sie den Schaden hatte. Sie und Valda. Denn wenn sie nicht floh, alles hinter sich ließ, was würde sie dann erwarten? Der Tod? Und ihrer Tochter? Sannas Hand glitt zu dem Bein ihrer Tochter welches um ihre Hüften geschlungen war. Nein. Sie würde nicht zulassen, dass ihrer Tochter etwas geschah und wenn das bedeutete, dass sie Norsteading dafür <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">für immer</span> hinter sich lassen musste, dann wäre das ein Opfer, welches sie nur all zu bereitwillig leisten würde. <br />
<br />
Sanna straffte wieder ihre Schultern, ignorierte den Schmerz den das Gewicht ihrer schlafenden Tochter langsam in ihrem Rücken hervorbrachte. Die Nacht war klar und sie hatte sich bewusst für einen Weg abseits der bekannten Routen entschieden. Denn es waren nicht nur Tiere die in den Wäldern ihrer Heimat lauerten. Ebenso hausten hier Gesetzlose, die nichts lieber taten, als Reisende zu überfallen. Egal, zu welcher Uhrzeit. So wirkte die Gestalt der jungen Mutter wohl eher wie die einer lauernden Raubkatze, aufmerksam, den Bogen samt Pfeil in der Hand. <br />
<br />
Erst war es ein willkürliches Knacken, mal kam es von links, Mal von rechts. Ein Tier? Eventuell, auch wenn es dafür dann doch zu.. Kurz bevor Sanne den Gedanken zu Ende denken konnte, spürte sie einen harten Stoß gegen ihre rechte Schulter. Reflexartig ließ sie den Bogen fallen und wollte nach ihrem Jagtmesser greifen, doch ihr Kontrahent hatte sie anscheinend schon eine Weile beobachtet und wusste um den "Ballast" der auf ihrem Rücken ruhte.. und sie unbeweglich machte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Zu langsam."</span>, raunte er gehässig und schlug ihr das Messer aus der Hand, packte und fixierte sie mit der bloßer Kraft seiner Arme. Valda erwachte, erstarrte jedoch im selben Moment, ehe dicke Krokodilstränen an ihren Wangen hinunterliefen. Sanna bekam mit, wie sich weitere Gestalten ihnen näherten, Fackeln wurden entzündet. Eine Fratze war hässlicher als die andere.. Valda begann zu weinen, einer der Banditen löste sie von Sannas rücken und wog sie in seinen Armen.  <span style="color: #d9f4ff;" class="mycode_color">"Lass sie in Ruhe."</span>, fauchte die Blondine und stemmte ihr Gewicht gegen den Typen der sie festhielt, sorgte dafür das er das Gleichgewicht verlor und rammte ihm ihr Knie in seine Weichteile. Er stöhnte auf, lockerte seinen Griff. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Schaut Mal, eine ganz Wilde.."</span>, spotteten sie im Chor...<br />
<br />
<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(HINTERGUND_URL); background-size:100%;background-position:50% 50%;">winter is coming<br />
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/originals/c5/86/a8/c586a8ce60895a335f8b067ccb663166.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Das müde Bündel auf ihrem Rücken wog schwer, während Sanna in der Dunkelheit sich ihren Weg durch die Wälder Norsteadings bahnte. Es waren nun schon ein paar Tage vergangen, eine Freundin hatte sie mit ihrem Wanderkarren so weit mitgenommen wie sie nur konnte, doch seit gestern musste sich Sanna alleine ihren Weg durch die wilden Lande suchen. Das sie dabei im Begriff war ihre über alles geliebte Heimat zu verlassen, brach ihr dabei das Herz. Denn sie ließ nicht nur ihre Hütte, ihre Mutter und ihr Leben hinter sich, sondern auch den Mann, den sie liebte. Doch im Grunde war es doch genau diese Situation, vor der sie immer gewarnt wurde. Von ihrer Mutter, von ihrem eigenen rationalen Verstand. Sie hatte es nur nicht akzeptieren können, hatte nicht wahrhaben wollen, dass diese kleine Blase in der sie sich mit Leif befunden hatte, eines Tages platzen würde. Wie leichtfertig und dumm sie gewesen waren. Beide. Und es war ungerecht, dass nur sie den Schaden hatte. Sie und Valda. Denn wenn sie nicht floh, alles hinter sich ließ, was würde sie dann erwarten? Der Tod? Und ihrer Tochter? Sannas Hand glitt zu dem Bein ihrer Tochter welches um ihre Hüften geschlungen war. Nein. Sie würde nicht zulassen, dass ihrer Tochter etwas geschah und wenn das bedeutete, dass sie Norsteading dafür <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">für immer</span> hinter sich lassen musste, dann wäre das ein Opfer, welches sie nur all zu bereitwillig leisten würde. <br />
<br />
Sanna straffte wieder ihre Schultern, ignorierte den Schmerz den das Gewicht ihrer schlafenden Tochter langsam in ihrem Rücken hervorbrachte. Die Nacht war klar und sie hatte sich bewusst für einen Weg abseits der bekannten Routen entschieden. Denn es waren nicht nur Tiere die in den Wäldern ihrer Heimat lauerten. Ebenso hausten hier Gesetzlose, die nichts lieber taten, als Reisende zu überfallen. Egal, zu welcher Uhrzeit. So wirkte die Gestalt der jungen Mutter wohl eher wie die einer lauernden Raubkatze, aufmerksam, den Bogen samt Pfeil in der Hand. <br />
<br />
Erst war es ein willkürliches Knacken, mal kam es von links, Mal von rechts. Ein Tier? Eventuell, auch wenn es dafür dann doch zu.. Kurz bevor Sanne den Gedanken zu Ende denken konnte, spürte sie einen harten Stoß gegen ihre rechte Schulter. Reflexartig ließ sie den Bogen fallen und wollte nach ihrem Jagtmesser greifen, doch ihr Kontrahent hatte sie anscheinend schon eine Weile beobachtet und wusste um den "Ballast" der auf ihrem Rücken ruhte.. und sie unbeweglich machte. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Zu langsam."</span>, raunte er gehässig und schlug ihr das Messer aus der Hand, packte und fixierte sie mit der bloßer Kraft seiner Arme. Valda erwachte, erstarrte jedoch im selben Moment, ehe dicke Krokodilstränen an ihren Wangen hinunterliefen. Sanna bekam mit, wie sich weitere Gestalten ihnen näherten, Fackeln wurden entzündet. Eine Fratze war hässlicher als die andere.. Valda begann zu weinen, einer der Banditen löste sie von Sannas rücken und wog sie in seinen Armen.  <span style="color: #d9f4ff;" class="mycode_color">"Lass sie in Ruhe."</span>, fauchte die Blondine und stemmte ihr Gewicht gegen den Typen der sie festhielt, sorgte dafür das er das Gleichgewicht verlor und rammte ihm ihr Knie in seine Weichteile. Er stöhnte auf, lockerte seinen Griff. <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Schaut Mal, eine ganz Wilde.."</span>, spotteten sie im Chor...<br />
<br />
<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[An Ode to War, a Song of Life]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=517</link>
			<pubDate>Tue, 30 Jul 2024 09:55:35 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=17">Leif Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=517</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/61/0b/0c/610b0c1c44f4dd9b75e9d0726172db22.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;">Silver Child, Wolf Boy <br />
<div style="font-size:18px;">Tell me what it‘s like to Conquer</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/d17cb74d1ff55e4467707fa08a3c6694/tumblr_pkcdq4WLwA1u5d2a8o10_400.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Einmal im Leben machte man den Fehler, einen Winterländer nach einer durchgeweichten Nacht wecken zu wollen, noch dazu einen dieser Halbriesen aus der Königsfamilie. Und doch kehrte dieser Fehler immer wieder zurück wie eine dieser lästigen Kleinfliegen oder Mücken oder wie auch immer man sie in den wärmeren Ländern nennen mochte, wenn es warm genug war, dass sie sich in den stehenden Gewässern niederließen. Leif hatte mittlerweile den Dreh raus, wann er mit vermehrten Patzern der Dienerschaft rechnen konnte, nämlich vor dem Wintereinbruch noch, wo man den Bestand der Burg aufstocken musste, und meist lachte er nur darüber und gab der Magd einen gutgemeinten Klaps auf die Schulter. Aber wenn man dachte, seinen ohnehin schon unberechenbaren Schlaf vor der Mittagsstunde stören zu müssen, dann schlug er ganz nach seinem Vater, denn dann hörte der Spaß auf. Einmal im Leben hatte die neue Magd sich erlaubt, in den Morgenstunden nach einer langen, ausgiebig langen Nacht an der Tür zum Kronprinzengemach zu klopfen. Bei diesem einen Mal würde es den Winter über bleiben, wenn sie sich ihrer Hände lieb war, die — zitiere Leif — mehr Verwendung über dem Kamin finden würden, sollte sie noch einmal gedenken, sie während der Festlichkeiten zum Lärm machen gebrauchte. Und da fragte man sich, warum der Rest des Kontinents sie für Barbaren hielt.<br />
Zu ihrer aller Erleichterung war die zweite Nacht des Eisfeuerfests sehr viel ruhiger verlaufen, aus gemischten Gründen wie einem alten Publikum, die einfach nicht mehr dem gleichen Alkoholkonsum wie die Jungen frönen konnten, allgemeiner Übelkeit als Folge der vorangegangenen Nacht oder auch etwas zielbringendere Gründe wie die des Kronprinzen, der sich vorgenommen hatte, am dritten Tag wieder fit zu sein. Da gab es immerhin einen Wettkampf zu gewinnen, nachdem er sich das letzte Mal von seiner eigenen Schwester hatte schlagen lassen. Leif war gerne unter Leuten, er feierte gerne mit ihnen und trank auch schonmal einiges mit, in variierendem Ausmaß von einem leichten Nebel im Kopf bis zu <i>Ich hab keine Ahnung mehr, was gestern passiert ist</i>; aber während Erik in diesem Jahr keine Grenzen hatte, gab es für ihn durchaus welche einzuhalten. Wenn er jeden Tag so zubrachte wie den gestrigen, nämlich im Bett, bis die Sonne hinter den Bergen zur Dämmerung ansetzte, dann würde er heute weder den Wettkampf gewinnen, noch würde er etwas anderes zustande bringen, wofür das Eisfeuerfest unter anderem ebenfalls gedacht war. Ein Zusammenkommen unter Freunden, aber auch mit Fremden. Ein Kennenlernen und Bündnisse schließen. Engere Kontakte mit den verschiedenen Schichten aus dem Winterland knüpfen und sich mit den ausländischen Gästen auseinandersetzen, teilweise aus seiner angeheirateten Familie. Was am Abend für Spiel, Spaß und Ehrgeiz gedacht war, machte am Tag Platz für die zu kurz gekommene Diplomatie, derer sich Leif als Kronprinz durchaus verantwortlich fühlte. Heute würde er auch keiner Magd androhen, ihr die Hände abzuhacken, versprochen.<br />
Im Vergleich zur letzten Nacht, die viel zu kurz gekommen oder auch gar nicht vorhanden gewesen war, fühlte sich Leif mit dem Aufgehen der Sonne sehr viel ausgeruhter. Während Aleena noch in den Fellen schlief, brannte bereits der Kerzenständer auf seinem Schreibtisch und eine Feder kratzte über Pergament. Auch diese Art von Verantwortung ließ sich nicht ewig aufschieben, deswegen erledigte Leif sie lieber gleich und gab sie später am besten persönlich an die Empfänger, wenn er sie denn finden konnte. Leif saß mit ungebändigten Locken am Schreibtisch, gehüllt in einfache Leinen, bevor er sich später in Tunika und Felle werfen würde, und genauso konnte er als einfacher Bürger durchgehen. Vielleicht war er etwas groß geraten für einen Laien, hatte zu breite Schultern für einen Bauern und guckte zu ernst für einen Händler, aber viel von einem Hauptmann unterschied ihn nicht. Es waren lediglich die Taten und Erlebnisse, die seine Geschichten prägten und die Verantwortung, die sich auf seinen Schultern abgesetzt hatte, begleitet von einem kaum wahrnehmbarer Nebel aus Etikette, der ihn vom allgemeinen Volk abhob, wenn er denn wollte. Nicht zuletzt war es die Macht, die er in seinen Händen hielt und aus einem Bürgerlichen einen Kronprinzen machte, als er das weiche Wachs auf das eingerollte Pergament tropfen ließ und mit dem königlichen Siegel der Stelhammer eindrückte. Anschließend griff er nach dem Bericht des Waffenmeisters und las ihn zum fünften Mal durch, innerlich noch einmal die Vorbereitungen durchgehend, die er nach dem Fest anpacken würde. Auch als er das Rascheln vom Bett aus vernahm, konzentrierte er sich noch auf das Schreiben; erst, als er einen blonden Schopf aus den Kissen hochragen sah, begehrte sein Blick auf und fasste für einen Moment die Prinzessin ins Auge. <font color="#CAC9FD">„Morgen“</font>, brummte er, was von der Tonlage her eine steile Verbesserung zu seinem gestrigen Murren war — auch wenn er versucht hatte, Aleena nicht in sein Kater-Leiden mit reinzuziehen, hatte er es wohl oder übel trotzdem getan. Dafür gab es keine verbale Entschuldigung von ihm, aber als Entschädigung hatte er der verschreckten Magd aufgetragen, seiner Frau eine Vase mit irgendwelchen Blumen aus den Gärten hinzustellen, möglichst doch ohne dabei Krach zu machen. Zusätzlich hatte er jener Magd auch direkt eine Entschuldigung aufgedrückt in Form von <i>Tut mir leid, das gestern war ne Ausnahme und Hände abhacken tu ich auch nicht, aber warte das nächste Mal doch einfach, bis einer von uns rauskommt und irgendwas braucht</i>. Vielleicht wollte sie sich ja doch nicht mit dem Kopf voran in den nächsten Schneehaufen werfen und genau so den Winter über verweilen. </div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/61/0b/0c/610b0c1c44f4dd9b75e9d0726172db22.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;">Silver Child, Wolf Boy <br />
<div style="font-size:18px;">Tell me what it‘s like to Conquer</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/d17cb74d1ff55e4467707fa08a3c6694/tumblr_pkcdq4WLwA1u5d2a8o10_400.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div> Einmal im Leben machte man den Fehler, einen Winterländer nach einer durchgeweichten Nacht wecken zu wollen, noch dazu einen dieser Halbriesen aus der Königsfamilie. Und doch kehrte dieser Fehler immer wieder zurück wie eine dieser lästigen Kleinfliegen oder Mücken oder wie auch immer man sie in den wärmeren Ländern nennen mochte, wenn es warm genug war, dass sie sich in den stehenden Gewässern niederließen. Leif hatte mittlerweile den Dreh raus, wann er mit vermehrten Patzern der Dienerschaft rechnen konnte, nämlich vor dem Wintereinbruch noch, wo man den Bestand der Burg aufstocken musste, und meist lachte er nur darüber und gab der Magd einen gutgemeinten Klaps auf die Schulter. Aber wenn man dachte, seinen ohnehin schon unberechenbaren Schlaf vor der Mittagsstunde stören zu müssen, dann schlug er ganz nach seinem Vater, denn dann hörte der Spaß auf. Einmal im Leben hatte die neue Magd sich erlaubt, in den Morgenstunden nach einer langen, ausgiebig langen Nacht an der Tür zum Kronprinzengemach zu klopfen. Bei diesem einen Mal würde es den Winter über bleiben, wenn sie sich ihrer Hände lieb war, die — zitiere Leif — mehr Verwendung über dem Kamin finden würden, sollte sie noch einmal gedenken, sie während der Festlichkeiten zum Lärm machen gebrauchte. Und da fragte man sich, warum der Rest des Kontinents sie für Barbaren hielt.<br />
Zu ihrer aller Erleichterung war die zweite Nacht des Eisfeuerfests sehr viel ruhiger verlaufen, aus gemischten Gründen wie einem alten Publikum, die einfach nicht mehr dem gleichen Alkoholkonsum wie die Jungen frönen konnten, allgemeiner Übelkeit als Folge der vorangegangenen Nacht oder auch etwas zielbringendere Gründe wie die des Kronprinzen, der sich vorgenommen hatte, am dritten Tag wieder fit zu sein. Da gab es immerhin einen Wettkampf zu gewinnen, nachdem er sich das letzte Mal von seiner eigenen Schwester hatte schlagen lassen. Leif war gerne unter Leuten, er feierte gerne mit ihnen und trank auch schonmal einiges mit, in variierendem Ausmaß von einem leichten Nebel im Kopf bis zu <i>Ich hab keine Ahnung mehr, was gestern passiert ist</i>; aber während Erik in diesem Jahr keine Grenzen hatte, gab es für ihn durchaus welche einzuhalten. Wenn er jeden Tag so zubrachte wie den gestrigen, nämlich im Bett, bis die Sonne hinter den Bergen zur Dämmerung ansetzte, dann würde er heute weder den Wettkampf gewinnen, noch würde er etwas anderes zustande bringen, wofür das Eisfeuerfest unter anderem ebenfalls gedacht war. Ein Zusammenkommen unter Freunden, aber auch mit Fremden. Ein Kennenlernen und Bündnisse schließen. Engere Kontakte mit den verschiedenen Schichten aus dem Winterland knüpfen und sich mit den ausländischen Gästen auseinandersetzen, teilweise aus seiner angeheirateten Familie. Was am Abend für Spiel, Spaß und Ehrgeiz gedacht war, machte am Tag Platz für die zu kurz gekommene Diplomatie, derer sich Leif als Kronprinz durchaus verantwortlich fühlte. Heute würde er auch keiner Magd androhen, ihr die Hände abzuhacken, versprochen.<br />
Im Vergleich zur letzten Nacht, die viel zu kurz gekommen oder auch gar nicht vorhanden gewesen war, fühlte sich Leif mit dem Aufgehen der Sonne sehr viel ausgeruhter. Während Aleena noch in den Fellen schlief, brannte bereits der Kerzenständer auf seinem Schreibtisch und eine Feder kratzte über Pergament. Auch diese Art von Verantwortung ließ sich nicht ewig aufschieben, deswegen erledigte Leif sie lieber gleich und gab sie später am besten persönlich an die Empfänger, wenn er sie denn finden konnte. Leif saß mit ungebändigten Locken am Schreibtisch, gehüllt in einfache Leinen, bevor er sich später in Tunika und Felle werfen würde, und genauso konnte er als einfacher Bürger durchgehen. Vielleicht war er etwas groß geraten für einen Laien, hatte zu breite Schultern für einen Bauern und guckte zu ernst für einen Händler, aber viel von einem Hauptmann unterschied ihn nicht. Es waren lediglich die Taten und Erlebnisse, die seine Geschichten prägten und die Verantwortung, die sich auf seinen Schultern abgesetzt hatte, begleitet von einem kaum wahrnehmbarer Nebel aus Etikette, der ihn vom allgemeinen Volk abhob, wenn er denn wollte. Nicht zuletzt war es die Macht, die er in seinen Händen hielt und aus einem Bürgerlichen einen Kronprinzen machte, als er das weiche Wachs auf das eingerollte Pergament tropfen ließ und mit dem königlichen Siegel der Stelhammer eindrückte. Anschließend griff er nach dem Bericht des Waffenmeisters und las ihn zum fünften Mal durch, innerlich noch einmal die Vorbereitungen durchgehend, die er nach dem Fest anpacken würde. Auch als er das Rascheln vom Bett aus vernahm, konzentrierte er sich noch auf das Schreiben; erst, als er einen blonden Schopf aus den Kissen hochragen sah, begehrte sein Blick auf und fasste für einen Moment die Prinzessin ins Auge. <font color="#CAC9FD">„Morgen“</font>, brummte er, was von der Tonlage her eine steile Verbesserung zu seinem gestrigen Murren war — auch wenn er versucht hatte, Aleena nicht in sein Kater-Leiden mit reinzuziehen, hatte er es wohl oder übel trotzdem getan. Dafür gab es keine verbale Entschuldigung von ihm, aber als Entschädigung hatte er der verschreckten Magd aufgetragen, seiner Frau eine Vase mit irgendwelchen Blumen aus den Gärten hinzustellen, möglichst doch ohne dabei Krach zu machen. Zusätzlich hatte er jener Magd auch direkt eine Entschuldigung aufgedrückt in Form von <i>Tut mir leid, das gestern war ne Ausnahme und Hände abhacken tu ich auch nicht, aber warte das nächste Mal doch einfach, bis einer von uns rauskommt und irgendwas braucht</i>. Vielleicht wollte sie sich ja doch nicht mit dem Kopf voran in den nächsten Schneehaufen werfen und genau so den Winter über verweilen. </div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[and in the middle of my chaos there was you]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=426</link>
			<pubDate>Wed, 03 Jul 2024 19:55:56 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=93">Lindgard Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=426</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://i.postimg.cc/FH1pw2ND/lindgard-post.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div><b>»Lass nur, ich erledige das, er ist ein bisschen sensibel beim Nachgurten.«</b> Der Stallbursche, der Atlas bereits vor die königlichen Stallungen geführt hatte, wich mit einem devoten Nicken zurück von dem großem Schimmel, der längst warnend die Ohren anlegte, als der junge Mann die Hände in Richtung der Sattelgurte ausstreckte. Beruhigend strich Lindgard dem großrahmigen Hengst über die bebende Flanke und beobachtete erleichtert, wie dieser sogleich entspannt abschnaubte. Atlas fiel auf in der Riege königlicher Rösser, die die Stelhammers ihr Eigen nannten. Mit seinem Stockmaß blieb nicht mehr viel Platz zur Stalldecke, er wirkte in seinen Bewegungen stets ein wenig behäbig, sein Kopf war nicht so edel gewachsen wie die seiner Stallnachbarn und seine raumgreifende, donnernde Galoppade machte dem eines Elefanten alle Ehre, und doch würde Lindgard ihn um nichts in der Welt eintauschen wollen. Denn der starke Charakter dieses Tieres, die wachen, klugen Augen und die unerschütterliche Loyalität seiner Herrin gegenüber machten es zu etwas Besonderem für sie. <br />
<br />
Ein letzter, prüfender Blick glitt über das glänzende Fell und die geölten Hufe. Auch die Eisen sahen gut aus und Lindgard musste wieder einmal feststellen, dass der Stallmeister Wintergards hervorragende Arbeit leistete. Zwar hatte sie sich immer noch nicht daran gewöhnt, dass es nicht gern gesehen war, dass sie Atlas selbst zäumte und sattelte, wie sie es in Wolfsmark zu tun gepflegt hatte, doch sie fügte sich den neuen Regeln. Als Ehefrau des Zweiten in der Thronfolge konnte sie von Glück sagen, dass sie noch ihre geliebten Reithosen tragen durfte und nicht im Kleid in den Damensattel genötigt wurde. <br />
<br />
Als sie sich anschickte aufzusteigen, übersah sie geflissentlich die unbeholfene Bewegung des Stallburschen, der instinktiv behilflich sein wollte. So, wie er abrupt erstarrte, war sich die Prinzessin sicher, dass er detailliert über ihre Gewohnheiten unterrichtet worden war. Und diese beinhalteten auch, dass hierbei keinerlei Hilfe benötigte – schon gar nicht von Menschen, die ihr nicht nahestanden. So geschickt wie routiniert erklomm sie ihr Pferd und grub schließlich ihre linke Hand tief unter das fellbedeckte Sattelleder, um die Gurte ordentlich nachzustellen, während ihre Rechte die Zügel locker aufnahmen. Atlas indes ließ all dies lammfromm über sich ergehen und spielte lediglich aufmerksam mit den Ohren, als der ebenso ein wenig zu groß geratene Rüde mit dem struppig-dichten Fell in einem gemächlichen Trab den Innenhof betrat. Lindgards Miene hellte sich merklich auf. <b>»Und ich dachte schon, du lässt mich im Stich«</b>, kommentierte sie Flokis Auftauchen und tätschelte indes ihrem Schimmel beruhigend die Schulter, da dieser vernehmlich zu grummeln begann, als ein weiterer Bediensteter den Rappen ihres Ehemannes aus der Stallgasse führte. Also konnte auch Jorin nicht weit sein.<br />
<br />
Der Gedanke an ihren Ehemann, den glorreichen Sieger des Eisfeuerfestes, entfachte ein zartes Kribbeln in ihrer Magengrube. Bilder, wie er Runde um Runde des Axtkampfes überstand und es sie zum Schluss buchstäblich von ihrem Stuhl riss, um die letzten Augenblicke hautnah zu erleben, die schlanken Finger aufgeregt um die Holzbalustrade geklammert, tauchten vor ihrem inneren Auge auf und ein leises Lächeln zupfte an ihren Mundwinkeln. Heute hatte sie sich wieder besser im Griff als in jenem Augenblick, in dem sie voller Leidenschaft in den tumultartigen Jubel und die Anfeuerungen der Menschenmenge eingefallen war. Sie war den überraschten, wenn nicht sogar irritierten Blicken der Umstehenden erst ein wenig zu spät gewahr geworden und so mochte der ein oder andere Beobachter nicht umhingekommen sein, eine errötende Prinzessin zurück auf ihren Platz sinken zu sehen. <br />
<br />
Schwere Schritte und die volltönende Stimme ihres Gemahls ließen sie auftauchen aus den Erinnerungen an das vergangene Wochenende. Sie korrigierte ihren Sitz und nahm die Schultern zurück, während sie die hübschen Handschuhe aus seidenweichem Hirschleder überzog, die Jorin ihr zu ihrem Geburtstag geschenkt hatte. Sie war durchaus überrascht von seinem aufmerksamen Wesen gewesen, geschmeichelt davon, dass er bemerkt hatte, dass ihre alten Reithandschuhe ihren Zenit längst überschritten hatten. Doch ihm diese Dankbarkeit auch zeigen, das war ihr viel zu schwer gefallen. Frustration über die eigene Unzulänglichkeit ließ ihre Miene auch heute wie so oft abweisender werden, als es beabsichtigt gewesen war. Der gewohnt reservierte Gesichtsausdruck zierte ihre Züge, als Jorin schließlich den Innenhof betrat. <br />
<br />
Ein leiser, aber scharfer Befehl holte Floki an ihre Seite, der in Gegenwart des Prinzen stets eine gewisse ... dominante Penetranz an den Tag legte und sich in aller Seelenruhe mitten in den Laufweg Jorins gelegt hatte, ohne zu beabsichtigen, von allein auch nur einen Zoll zu weichen. <b>»Ich möchte gerne zum Fluss reiten«</b>, wandte sie sich schließlich an ihren Gatten, gönnte ihm jedoch lediglich einen kurzen Blick, bevor sie sich um ihre Zügel kümmerte, die offenbar dringend sortiert werden mussten. <b>»Ich möchte sehen, ob es die Lachse schon zu uns geschafft haben.«</b> Sie liebte den Anblick der schillernden Fische, die in der Zeit der Ernte größte Anstrengungen auf sich nahmen, bis zur Entkräftung gegen den Strom schwammen, nur um in den eiskalten Gewässern Norsteadings ihren Laich ablegen zu können. <b>»Solltest du jedoch etwas anderes geplant haben, ist das auch in Ordnung.«</b> Und da war sie wieder, die mittlerweile so typisch gewordene Indifferenz. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://i.postimg.cc/FH1pw2ND/lindgard-post.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div><b>»Lass nur, ich erledige das, er ist ein bisschen sensibel beim Nachgurten.«</b> Der Stallbursche, der Atlas bereits vor die königlichen Stallungen geführt hatte, wich mit einem devoten Nicken zurück von dem großem Schimmel, der längst warnend die Ohren anlegte, als der junge Mann die Hände in Richtung der Sattelgurte ausstreckte. Beruhigend strich Lindgard dem großrahmigen Hengst über die bebende Flanke und beobachtete erleichtert, wie dieser sogleich entspannt abschnaubte. Atlas fiel auf in der Riege königlicher Rösser, die die Stelhammers ihr Eigen nannten. Mit seinem Stockmaß blieb nicht mehr viel Platz zur Stalldecke, er wirkte in seinen Bewegungen stets ein wenig behäbig, sein Kopf war nicht so edel gewachsen wie die seiner Stallnachbarn und seine raumgreifende, donnernde Galoppade machte dem eines Elefanten alle Ehre, und doch würde Lindgard ihn um nichts in der Welt eintauschen wollen. Denn der starke Charakter dieses Tieres, die wachen, klugen Augen und die unerschütterliche Loyalität seiner Herrin gegenüber machten es zu etwas Besonderem für sie. <br />
<br />
Ein letzter, prüfender Blick glitt über das glänzende Fell und die geölten Hufe. Auch die Eisen sahen gut aus und Lindgard musste wieder einmal feststellen, dass der Stallmeister Wintergards hervorragende Arbeit leistete. Zwar hatte sie sich immer noch nicht daran gewöhnt, dass es nicht gern gesehen war, dass sie Atlas selbst zäumte und sattelte, wie sie es in Wolfsmark zu tun gepflegt hatte, doch sie fügte sich den neuen Regeln. Als Ehefrau des Zweiten in der Thronfolge konnte sie von Glück sagen, dass sie noch ihre geliebten Reithosen tragen durfte und nicht im Kleid in den Damensattel genötigt wurde. <br />
<br />
Als sie sich anschickte aufzusteigen, übersah sie geflissentlich die unbeholfene Bewegung des Stallburschen, der instinktiv behilflich sein wollte. So, wie er abrupt erstarrte, war sich die Prinzessin sicher, dass er detailliert über ihre Gewohnheiten unterrichtet worden war. Und diese beinhalteten auch, dass hierbei keinerlei Hilfe benötigte – schon gar nicht von Menschen, die ihr nicht nahestanden. So geschickt wie routiniert erklomm sie ihr Pferd und grub schließlich ihre linke Hand tief unter das fellbedeckte Sattelleder, um die Gurte ordentlich nachzustellen, während ihre Rechte die Zügel locker aufnahmen. Atlas indes ließ all dies lammfromm über sich ergehen und spielte lediglich aufmerksam mit den Ohren, als der ebenso ein wenig zu groß geratene Rüde mit dem struppig-dichten Fell in einem gemächlichen Trab den Innenhof betrat. Lindgards Miene hellte sich merklich auf. <b>»Und ich dachte schon, du lässt mich im Stich«</b>, kommentierte sie Flokis Auftauchen und tätschelte indes ihrem Schimmel beruhigend die Schulter, da dieser vernehmlich zu grummeln begann, als ein weiterer Bediensteter den Rappen ihres Ehemannes aus der Stallgasse führte. Also konnte auch Jorin nicht weit sein.<br />
<br />
Der Gedanke an ihren Ehemann, den glorreichen Sieger des Eisfeuerfestes, entfachte ein zartes Kribbeln in ihrer Magengrube. Bilder, wie er Runde um Runde des Axtkampfes überstand und es sie zum Schluss buchstäblich von ihrem Stuhl riss, um die letzten Augenblicke hautnah zu erleben, die schlanken Finger aufgeregt um die Holzbalustrade geklammert, tauchten vor ihrem inneren Auge auf und ein leises Lächeln zupfte an ihren Mundwinkeln. Heute hatte sie sich wieder besser im Griff als in jenem Augenblick, in dem sie voller Leidenschaft in den tumultartigen Jubel und die Anfeuerungen der Menschenmenge eingefallen war. Sie war den überraschten, wenn nicht sogar irritierten Blicken der Umstehenden erst ein wenig zu spät gewahr geworden und so mochte der ein oder andere Beobachter nicht umhingekommen sein, eine errötende Prinzessin zurück auf ihren Platz sinken zu sehen. <br />
<br />
Schwere Schritte und die volltönende Stimme ihres Gemahls ließen sie auftauchen aus den Erinnerungen an das vergangene Wochenende. Sie korrigierte ihren Sitz und nahm die Schultern zurück, während sie die hübschen Handschuhe aus seidenweichem Hirschleder überzog, die Jorin ihr zu ihrem Geburtstag geschenkt hatte. Sie war durchaus überrascht von seinem aufmerksamen Wesen gewesen, geschmeichelt davon, dass er bemerkt hatte, dass ihre alten Reithandschuhe ihren Zenit längst überschritten hatten. Doch ihm diese Dankbarkeit auch zeigen, das war ihr viel zu schwer gefallen. Frustration über die eigene Unzulänglichkeit ließ ihre Miene auch heute wie so oft abweisender werden, als es beabsichtigt gewesen war. Der gewohnt reservierte Gesichtsausdruck zierte ihre Züge, als Jorin schließlich den Innenhof betrat. <br />
<br />
Ein leiser, aber scharfer Befehl holte Floki an ihre Seite, der in Gegenwart des Prinzen stets eine gewisse ... dominante Penetranz an den Tag legte und sich in aller Seelenruhe mitten in den Laufweg Jorins gelegt hatte, ohne zu beabsichtigen, von allein auch nur einen Zoll zu weichen. <b>»Ich möchte gerne zum Fluss reiten«</b>, wandte sie sich schließlich an ihren Gatten, gönnte ihm jedoch lediglich einen kurzen Blick, bevor sie sich um ihre Zügel kümmerte, die offenbar dringend sortiert werden mussten. <b>»Ich möchte sehen, ob es die Lachse schon zu uns geschafft haben.«</b> Sie liebte den Anblick der schillernden Fische, die in der Zeit der Ernte größte Anstrengungen auf sich nahmen, bis zur Entkräftung gegen den Strom schwammen, nur um in den eiskalten Gewässern Norsteadings ihren Laich ablegen zu können. <b>»Solltest du jedoch etwas anderes geplant haben, ist das auch in Ordnung.«</b> Und da war sie wieder, die mittlerweile so typisch gewordene Indifferenz. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Some call it chaos, we call it family]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=403</link>
			<pubDate>Thu, 20 Jun 2024 17:15:20 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=0">Jorin Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=403</guid>
			<description><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Es war früh am Morgen und der Schlaf hielt ihn dennoch nicht gefangen. Immer wieder war er schon einige Stunden zuvor durch den kühlen Schlafraum gegangen, ruhelos und ohne Rast, weil eifrige Gedanken ihn wach gehalten hatten. Dabei war der zweitgeborene Stelhammer Sohn doch eigentlich nicht bekannt für etwaige schwierige Denkweisen... aber dennoch gab es etwas, das seinen harten Dickkopf nicht zur Ruhe kommen ließ. Er brauchte aber eigentlich Schlaf, viel sogar! Der Axtkampf, den er als glorreicher Sieger verlassen hatte, hatte ihn doch gefordert. Jeder einzelne Kampf war hart gewesen, und Jorin war stolz gewesen, solch starke Kriegerinnen und Krieger in seinem Land zu wissen. Dann der Kampf mit Leif! Bei Heofader, war das eine Ehre und ein Fest gewesen! Leif und er trainierten schon immer zusammen, quasi seit Jorin selbst ein klitzekleiner Bengel gewesen war, und gegen den älteren Bruder und zukünftigen Erben zu gewinnen... nun, das hatte sich gut angefühlt. Und hatte ihn ebenfalls mächtig mit Stolz erfüllt. Oder mit Ehre? Vielleicht mit beidem. Vielleicht hatten die Gedanken, die ihn so befeuerten, ebenfalls etwas mit dem Sieg zu tun gehabt, immerhin hatte er seine jüngst geehelichte Frau damit beeindrucken wollen! Und mit Kampf und körperlicher Ertüchtigung vergaß man oft quälende Gedanken. Und oh ja, die hatte er. Wieso war alles nur so verdammt kompliziert? Jorin sah ein letztes Mal aus dem Fenster des gemeinsamen Schlafraums, den er sich mit Lindgard teilte, und lächelte sie dann unbewusst liebevoll an. Seine Mutter lag ihm in den Ohren; Lindgard und er sollten alsbald Kinder gebären, dies das, und Jorin versuchte diese Erwartungshaltung stets von Lindgard fernzuhalten. Er mochte sie, ja liebte sie sogar, und er wusste, wie viel Druck hinter diesem Wunsch seiner Mutter steckte. Er seufzte lautlos auf, zog sich sein dünnes Leinenhemd in die Hose und stiefelte dann leise, wie es einem Winterländer eben leise möglich war, aus dem Schlafgemach.<br />
<br />
Vielleicht war Heofader ihm ja zugetan, denn er brauchte wirklich dringend irgendeine Form von Eingebung und Hilfe. Und diese tat sich in Form von seinen älteren Geschwistern auf, die gerade tatsächlich alleine am Frühstückstisch saßen und sich angeregt unterhielten. Wie gut, dass sich die königliche Familie für das Eisfeuerfest wieder im alten Zuhause eingefunden hatte. Und noch besser, dass alle Anderen noch schliefen und träumten! Heofader musste ihn lieben, jawohl. Jorins schwere Schritte beeilten sich zu dem Tisch zu kommen, diese Gelegenheit konnte er sich nicht entgehen lassen! Sein Kopf brummte vom wenigen Schlaf (oder vom zu vielen Nachdenken), und er hatte so viele und zahlreiche Wunden von den Kämpfen gestern davon getragen... nun, vielleicht sollte er sich nicht so beeilen und seinen Körper schonen. Seine Mutter würde ihm wieder in den Ohren liegen, sollte er den Boden erneut vollbluten. Wie auch immer. Er setzte sich mit schwungvoller Geste auf einen freien Platz zu Reinka und Leif; seine Schwester, die er absolut vergötterte, sah er ohnehin nur noch viel zu selten, und versuchte sich an einem Lächeln. Kam es ihm nur so vor oder glich es tatsächlich eher einer schmerzhaften Grimasse? Argh! Jorin fuhr sich über den Bart. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Guten Morgen"</span>, begann er also mit seiner tiefen, voller Leben sprudelnden Stimme. Heute jedoch hatte sie einen angeschlagenen Ton. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Reinka, Leif."</span> Er nickte und bemerkte, wie sein Fuß wippte. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Wie geht es euch an diesem Morgen? Leif, wegen deiner verdammten Axt tut mein gesamter Körper weh. Ich hoffe, ich habe dir das gebührend zurückgezahlt." </span>Er brummte und sah sich auf dem Tisch nach Essen um. Schnellen Griffes holte er sich von allem etwas auf seinen Platz. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Wie auch immer. Ich... habe eine Frage... eher ein Problem. Es geht um Lindgard. Könnt ihr ein Geheimnis bewahren?" </span>Er beäugte sie kritisch und fuhr sich erneut über den Bart. </div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: justify;" class="mycode_align">Es war früh am Morgen und der Schlaf hielt ihn dennoch nicht gefangen. Immer wieder war er schon einige Stunden zuvor durch den kühlen Schlafraum gegangen, ruhelos und ohne Rast, weil eifrige Gedanken ihn wach gehalten hatten. Dabei war der zweitgeborene Stelhammer Sohn doch eigentlich nicht bekannt für etwaige schwierige Denkweisen... aber dennoch gab es etwas, das seinen harten Dickkopf nicht zur Ruhe kommen ließ. Er brauchte aber eigentlich Schlaf, viel sogar! Der Axtkampf, den er als glorreicher Sieger verlassen hatte, hatte ihn doch gefordert. Jeder einzelne Kampf war hart gewesen, und Jorin war stolz gewesen, solch starke Kriegerinnen und Krieger in seinem Land zu wissen. Dann der Kampf mit Leif! Bei Heofader, war das eine Ehre und ein Fest gewesen! Leif und er trainierten schon immer zusammen, quasi seit Jorin selbst ein klitzekleiner Bengel gewesen war, und gegen den älteren Bruder und zukünftigen Erben zu gewinnen... nun, das hatte sich gut angefühlt. Und hatte ihn ebenfalls mächtig mit Stolz erfüllt. Oder mit Ehre? Vielleicht mit beidem. Vielleicht hatten die Gedanken, die ihn so befeuerten, ebenfalls etwas mit dem Sieg zu tun gehabt, immerhin hatte er seine jüngst geehelichte Frau damit beeindrucken wollen! Und mit Kampf und körperlicher Ertüchtigung vergaß man oft quälende Gedanken. Und oh ja, die hatte er. Wieso war alles nur so verdammt kompliziert? Jorin sah ein letztes Mal aus dem Fenster des gemeinsamen Schlafraums, den er sich mit Lindgard teilte, und lächelte sie dann unbewusst liebevoll an. Seine Mutter lag ihm in den Ohren; Lindgard und er sollten alsbald Kinder gebären, dies das, und Jorin versuchte diese Erwartungshaltung stets von Lindgard fernzuhalten. Er mochte sie, ja liebte sie sogar, und er wusste, wie viel Druck hinter diesem Wunsch seiner Mutter steckte. Er seufzte lautlos auf, zog sich sein dünnes Leinenhemd in die Hose und stiefelte dann leise, wie es einem Winterländer eben leise möglich war, aus dem Schlafgemach.<br />
<br />
Vielleicht war Heofader ihm ja zugetan, denn er brauchte wirklich dringend irgendeine Form von Eingebung und Hilfe. Und diese tat sich in Form von seinen älteren Geschwistern auf, die gerade tatsächlich alleine am Frühstückstisch saßen und sich angeregt unterhielten. Wie gut, dass sich die königliche Familie für das Eisfeuerfest wieder im alten Zuhause eingefunden hatte. Und noch besser, dass alle Anderen noch schliefen und träumten! Heofader musste ihn lieben, jawohl. Jorins schwere Schritte beeilten sich zu dem Tisch zu kommen, diese Gelegenheit konnte er sich nicht entgehen lassen! Sein Kopf brummte vom wenigen Schlaf (oder vom zu vielen Nachdenken), und er hatte so viele und zahlreiche Wunden von den Kämpfen gestern davon getragen... nun, vielleicht sollte er sich nicht so beeilen und seinen Körper schonen. Seine Mutter würde ihm wieder in den Ohren liegen, sollte er den Boden erneut vollbluten. Wie auch immer. Er setzte sich mit schwungvoller Geste auf einen freien Platz zu Reinka und Leif; seine Schwester, die er absolut vergötterte, sah er ohnehin nur noch viel zu selten, und versuchte sich an einem Lächeln. Kam es ihm nur so vor oder glich es tatsächlich eher einer schmerzhaften Grimasse? Argh! Jorin fuhr sich über den Bart. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Guten Morgen"</span>, begann er also mit seiner tiefen, voller Leben sprudelnden Stimme. Heute jedoch hatte sie einen angeschlagenen Ton. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Reinka, Leif."</span> Er nickte und bemerkte, wie sein Fuß wippte. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Wie geht es euch an diesem Morgen? Leif, wegen deiner verdammten Axt tut mein gesamter Körper weh. Ich hoffe, ich habe dir das gebührend zurückgezahlt." </span>Er brummte und sah sich auf dem Tisch nach Essen um. Schnellen Griffes holte er sich von allem etwas auf seinen Platz. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Wie auch immer. Ich... habe eine Frage... eher ein Problem. Es geht um Lindgard. Könnt ihr ein Geheimnis bewahren?" </span>Er beäugte sie kritisch und fuhr sich erneut über den Bart. </div>]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>