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		<title><![CDATA[Facing the Storm - Castandor - Das Land des Königs]]></title>
		<link>https://facingthestorm.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestorm.de]]></description>
		<pubDate>Thu, 06 Aug 2026 13:47:32 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[The River in Her Eyes.]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=819</link>
			<pubDate>Sat, 06 Dec 2025 09:22:13 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=16">Naila Castellanos</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/1200x/e1/69/c7/e169c7c1fe2f3aa7a840ce687f1527b8.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:24px;">
And this Grief that has no Release<br />
 -<br />
 Growing Inwards Rooting into My Spine<br />
</div>
</div>
<br />
Naila hatte abgenommen, oder vielleicht war es das Alter, was sie langsam zeichnete. Ihre Wangenknochen stachen markanter hervor unter dem Rouge, das die jugendliche Fülle einer frisch gebackenen Ehefrau vortäuschte. Die Schlüsselbeine waren deutlich im Feuerschein zu sehen, auch wenn die goldene Halskette von ihnen ablenken sollte. Ihre Handgelenke, die unter dem Tuch ihres gewickelten Saris hervor lugten, wirkten als könnte man sie mit einem festen Griff brechen. Und ständig lagen diese Blicke auf ihr, die auf ihre Statur abzufärben schienen. Gewichte, wenn sie ihnen direkt begegnete und wusste, dass man sich um sie sorgte, sie bemitleidete, ihr in ihrem Verlust zusprechen wollte, aber nicht wusste wie. Einfacher waren die Blicke zu ertragen, die sie abschätzten, nun, da ihr einziger Titel an ihrem Ehemann hing und ihre Herkunft jedweden Status verloren hatte. Schlimmer die noch, die aus den Schatten zu ihr aufschauten. Diener, die hinter ihrem Rücken sprachen und Imani zur Seite nahmen, um sie auszufragen. Der Blick von Rajani und Aanya, oft mit stillen Tränen durchtränkt, weil sie Nailas Schmerz nicht ertragen konnten. <i>Nieman in ihrem Alter sollte solch einen Schmerz überhaupt erfahren.</i> Und doch lebte sie ihn jeden Tag, als hätte Heofader sich persönlich zum Ziel genommen, sie für die Fehler ihres Blutes zu strafen. <br />
Manche behaupteten, Naila wäre in ihrem Schmerz schöner denn je. Es war die stumme Anmut, die sie trug, während auf ihren dünnen Schultern Gewichte ruhten, die ein Mädchen wie sie nicht tragen sollte. Nachdem sie in ihrer Verzweiflung versucht hatte, mit Augusto zu reden und etwas für die Überbleibsel ihrer Familie zu bewegen, war Resignation in ihre Trauer eingekehrt. Zeitweise glaubte sie, nicht mehr richtig zu fühlen. Ihre Geschmacksnerven waren taub und ließen sie kaum Mahlzeiten anrühren, bis ihr Umfeld sie wiederholt darum bat, etwas zu sich zu nehmen. Ihre Umarmungen fühlten sich leer an, wenn sie Ranya in die Arme nahm und versuchte, mit ebenso leeren Worten zu trösten. Was hatte es überhaupt noch für einen Sinn, hier zu vegetieren? Man ließ sie nicht verhandeln. Nicht diskutieren. Überhaupt ließ man sie überhaupt nicht mehr aus den Augen, als hätte man Angst, dass sie einem durch die Finger entwischen und ihrer neugewonnen <i>Familie</i> den letzten Rest an Kontrolle über die Situation nehmen konnte. Was hatte Familie überhaupt noch für eine Bedeutung, wenn man sie behandelte wie eine Nachtigall im Käfig? Wenn man ihr Lied verstummte? Orpheus war nicht hier und sie war allein umgeben von Raubkatzen, die beobachten wollten, ob sie überhaupt noch einen Wert mit sich brachte.<br />
<br />
Es machte keinen Unterschied, ob sie den letzten Brief ihres Onkels in den Händen hielt oder die formelle Einladung zur Krönung des neuen Königs, dessen Namen sie nicht ein Mal in den Mund nehmen konnte. Naila fühlte nichts mehr, wenn sie die Zeilen las und die Handschriften miteinander verglich. Heute war ihr Geburtstag und sie war gekleidet in Schwarz, doch auch das schien keine Bedeutung in ihrer Vegetation zu haben, losgelöst von Zeit und Ort. <br />
In ihrem Gemach war sie allein mit ihrem Leibwächter, einer der wenigen Menschen, die ihr noch vertraut waren. Vertraut? In ihrer Heimat hatte man sich auch gegen ihre Familie gerichtet und sie ersetzt, wie man Steine auf einem Spieltisch ersetzte. Es musste später Abend sein, den gedämpften Geräuschen nach zu urteilen, die über die offene Balkontür hinein wehten und darauf hindeuteten, dass sich der Palast allmählich zur Ruhe begab; entfernte Stimmen, der Prinzessin nach Tagen des Schweigens nicht mehr fremd. <br />
Eigentlich sollte Naila sich auch zur Ruhe begeben - ironisch, wenn man bedachte, dass sie den ganzen Tag nichts anderes tat als sich <i>auszuruhen</i>. Ihre Hand ruhte ruhig auf ihrem Schoß und hielt die öffentliche Einladung zur königlichen Krönung in den Händen, die zu dieser Stunde bereits in vollem Gange sein musste. Ihr Blick hob sich kaum von dem Pergament, als ihre Stimme durch den Raum wehte. <div class="koenigslandcolor">“Ekene, setz dich zu mir”</div>, bat sie, aber sie beide wussten, dass es keine Bitte war. Selten adressierte sie ein Wort an ihn, das nicht mit seiner direkten Aufgabe zutun hatte, ihr Leibwächter zu sein. Doch tat sie es nun, mit einem Blick durchtränkt von Ruhe, als er ihrer Bitte nachkam und sich setzte.<br />
Eine halbe Minute verging, die sie ihn nur musterte, ehe sie fortfuhr. <div class="koenigslandcolor">“Wie geht es deinem Bruder? Hast du eine Nachricht von ihm an der Front erhalten?”</div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
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And this Grief that has no Release<br />
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 Growing Inwards Rooting into My Spine<br />
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Naila hatte abgenommen, oder vielleicht war es das Alter, was sie langsam zeichnete. Ihre Wangenknochen stachen markanter hervor unter dem Rouge, das die jugendliche Fülle einer frisch gebackenen Ehefrau vortäuschte. Die Schlüsselbeine waren deutlich im Feuerschein zu sehen, auch wenn die goldene Halskette von ihnen ablenken sollte. Ihre Handgelenke, die unter dem Tuch ihres gewickelten Saris hervor lugten, wirkten als könnte man sie mit einem festen Griff brechen. Und ständig lagen diese Blicke auf ihr, die auf ihre Statur abzufärben schienen. Gewichte, wenn sie ihnen direkt begegnete und wusste, dass man sich um sie sorgte, sie bemitleidete, ihr in ihrem Verlust zusprechen wollte, aber nicht wusste wie. Einfacher waren die Blicke zu ertragen, die sie abschätzten, nun, da ihr einziger Titel an ihrem Ehemann hing und ihre Herkunft jedweden Status verloren hatte. Schlimmer die noch, die aus den Schatten zu ihr aufschauten. Diener, die hinter ihrem Rücken sprachen und Imani zur Seite nahmen, um sie auszufragen. Der Blick von Rajani und Aanya, oft mit stillen Tränen durchtränkt, weil sie Nailas Schmerz nicht ertragen konnten. <i>Nieman in ihrem Alter sollte solch einen Schmerz überhaupt erfahren.</i> Und doch lebte sie ihn jeden Tag, als hätte Heofader sich persönlich zum Ziel genommen, sie für die Fehler ihres Blutes zu strafen. <br />
Manche behaupteten, Naila wäre in ihrem Schmerz schöner denn je. Es war die stumme Anmut, die sie trug, während auf ihren dünnen Schultern Gewichte ruhten, die ein Mädchen wie sie nicht tragen sollte. Nachdem sie in ihrer Verzweiflung versucht hatte, mit Augusto zu reden und etwas für die Überbleibsel ihrer Familie zu bewegen, war Resignation in ihre Trauer eingekehrt. Zeitweise glaubte sie, nicht mehr richtig zu fühlen. Ihre Geschmacksnerven waren taub und ließen sie kaum Mahlzeiten anrühren, bis ihr Umfeld sie wiederholt darum bat, etwas zu sich zu nehmen. Ihre Umarmungen fühlten sich leer an, wenn sie Ranya in die Arme nahm und versuchte, mit ebenso leeren Worten zu trösten. Was hatte es überhaupt noch für einen Sinn, hier zu vegetieren? Man ließ sie nicht verhandeln. Nicht diskutieren. Überhaupt ließ man sie überhaupt nicht mehr aus den Augen, als hätte man Angst, dass sie einem durch die Finger entwischen und ihrer neugewonnen <i>Familie</i> den letzten Rest an Kontrolle über die Situation nehmen konnte. Was hatte Familie überhaupt noch für eine Bedeutung, wenn man sie behandelte wie eine Nachtigall im Käfig? Wenn man ihr Lied verstummte? Orpheus war nicht hier und sie war allein umgeben von Raubkatzen, die beobachten wollten, ob sie überhaupt noch einen Wert mit sich brachte.<br />
<br />
Es machte keinen Unterschied, ob sie den letzten Brief ihres Onkels in den Händen hielt oder die formelle Einladung zur Krönung des neuen Königs, dessen Namen sie nicht ein Mal in den Mund nehmen konnte. Naila fühlte nichts mehr, wenn sie die Zeilen las und die Handschriften miteinander verglich. Heute war ihr Geburtstag und sie war gekleidet in Schwarz, doch auch das schien keine Bedeutung in ihrer Vegetation zu haben, losgelöst von Zeit und Ort. <br />
In ihrem Gemach war sie allein mit ihrem Leibwächter, einer der wenigen Menschen, die ihr noch vertraut waren. Vertraut? In ihrer Heimat hatte man sich auch gegen ihre Familie gerichtet und sie ersetzt, wie man Steine auf einem Spieltisch ersetzte. Es musste später Abend sein, den gedämpften Geräuschen nach zu urteilen, die über die offene Balkontür hinein wehten und darauf hindeuteten, dass sich der Palast allmählich zur Ruhe begab; entfernte Stimmen, der Prinzessin nach Tagen des Schweigens nicht mehr fremd. <br />
Eigentlich sollte Naila sich auch zur Ruhe begeben - ironisch, wenn man bedachte, dass sie den ganzen Tag nichts anderes tat als sich <i>auszuruhen</i>. Ihre Hand ruhte ruhig auf ihrem Schoß und hielt die öffentliche Einladung zur königlichen Krönung in den Händen, die zu dieser Stunde bereits in vollem Gange sein musste. Ihr Blick hob sich kaum von dem Pergament, als ihre Stimme durch den Raum wehte. <div class="koenigslandcolor">“Ekene, setz dich zu mir”</div>, bat sie, aber sie beide wussten, dass es keine Bitte war. Selten adressierte sie ein Wort an ihn, das nicht mit seiner direkten Aufgabe zutun hatte, ihr Leibwächter zu sein. Doch tat sie es nun, mit einem Blick durchtränkt von Ruhe, als er ihrer Bitte nachkam und sich setzte.<br />
Eine halbe Minute verging, die sie ihn nur musterte, ehe sie fortfuhr. <div class="koenigslandcolor">“Wie geht es deinem Bruder? Hast du eine Nachricht von ihm an der Front erhalten?”</div>
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		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[A Loss for Words]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=806</link>
			<pubDate>Sat, 06 Sep 2025 07:05:51 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=16">Naila Castellanos</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/a6/c1/47/a6c147ca5b0b9c2c8f543ad88f499f20.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:20px;">
 <br />
 <br />
 </div>
</div>
<br />
Eine Schwalbe breitete ihre Flügel aus und segelte über Nailas Kopf hinweg, bevor sie sich von der Luftdichte nach unten tragen ließ. Oft waren tief fliegende Schwalben ein Vorbote von Regen, doch der Himmel über King’s Portal war so blau, dass man ihn am Horizont nicht vom Meer abgrenzen konnte. Ein Plateau, das ewig weit in die Tiefe ging, bis irgendwann eine Linie die Mitte ziehen würde. Zwei volle Tage auf See, bis man wieder Land sah. Nailas Heimat. Nailas <i>alte</i> Heimat.<br />
Heimat war dort, wo man sich geborgen fühlte; wo man zugehörig war und Menschen hatte, denen man blind vertrauen konnte. Castandor war, sie konnte es kaum fassen, auf dem besten Weg, eine zu werden. Natürlich machte sie sich Sorgen um den bevorstehenden Krieg, wenn sie nicht mehr Orpheus an ihrer Seite hatte und sich der Feuerprobe stellen musste, die Angst <i>um</i> ihn und die Unsicherheit <i>ohne</i> ihn unter der Maske einer würdigen Großkönigsprinzessin zu verstecken. Und sie vermisste den Palast in Dharan al-Bahr. Sie vermisste ihre Brüder und die Gärten, in denen sie ihre Zeit totgeschlagen hatten. Sie vermisste ihre Mutter und die wenigen Minuten mit ihr, in denen sie sich von ihr wirklich gehört gefühlt hatte; und sie vermisste ihren Vater. Die Erinnerung von ihm, an die sie sich immer noch klammerte, auch wenn sie wusste, dass von ihm nur noch ein Schatten regierte. <br />
Doch all das waren aushaltbare, gar schöne Schmerzen, weil sie wusste, dass sie sich hier mit ein wenig Zeit ebenso aufgehoben fühlen konnte, solange sie weiter nach vorne schaute. Mit den wenigen Menschen aus ihrer Heimat im Rücken wusste sie, dass sie sich hier einen eigenen kleinen Platz graben konnte, in dem - irgendwann, in absehbarer Zeit vielleicht - neues Leben entstehen würde. Sicherheit, Geborgenheit, Zufriedenheit. Mehr wünschte sie sich nicht, und mehr verlangte sie nicht.<br />
Naila verließ den Balkon und trat in ihr Gemach, das sie abends mit Orpheus bewohnte, aber morgens oft für sich allein hatte, weil er schon seinen militärischen Pflichten nachgehen musste. Das Gesicht, das ihr begegnete - vertraut und gewohnt - brachte sie zu einem ehrlichen, federweichen Lächeln. “Ilyas, wie schön, dich zu so früher Morgenstunde zu sehen”, begann sie heiter, doch verflog ihre Unbeschwertheit in die Luft, als sie sein ernstes Gesicht studierte. “Was ist los…?” Ein schwacher Luftzug wehte durch die offenen Bögen des Balkons und bauschte die Vorhänge auf. Naila nahm zögerlich den Brief mit dem Siegel ihrer Familie entgegen, öffnete ihn und begann zu lesen.<br />
<br />
Draußen schien der Flügelschlag der Schwalbe das einzige Geräusch zu sein, das die drückende Stille zu durchdringen wagte. Die Sonne schien, doch die Luft war schwer mit dem Gewitter, das sich am Horizont zusammenbraute.<br />
<br />
<hr>
<div align=center> 14 Stunden später</div>
<hr>
<br />
Zeit war ein Konstrukt, das sich jemand ausgedacht hatte, um der Welt Ordnung zu schenken, doch was bedeutete Ordnung, wenn die ganze Welt bereits gebrochen war? Nicht nur aus den Fugen geraten in der Hoffnung, man würde sie mit etwas Mühe wieder zusammenschieben können, sondern unter den Füßen zersplittert. Wenn man auf ihren Scherben lief, blutete man, jeder Schritt ein weiterer Schnitt in die leidende Seele, die in der Dunkelheit ihre Orientierung verloren hatte. <br />
Ohne Welt spielte Zeit keine Rolle mehr. Naila wusste nicht, wie lange sie auf dem Boden gekauert und den Brief umklammert hatte, bis ihre Tränen die Tinte unleserlich gemacht hatten. Sie wusste nicht, wer sie aufgehoben und zum Bett getragen hatte, oder wie lange sie dort gelegen hatte. Ihre Kehle war trocken vom Weinen, ihr Magen leer, ihre Glieder schwach, während ihr Körper sich immer wieder schüttelte mit Krämpfen. Vielleicht hatte sie geschlafen, bis der Schmerz - das Bewusstsein, dass ein integraler Teil von ihr fehlte - sie wieder aufweckte. Menschen hatten bei ihr gelegen, ihre Hand gehalten und über ihre kalte Schulter gestrichen. Mal hatten Stimmen sanft auf sie eingeredet, mal war da nur eine stille Präsenz gewesen. Gesichter vermischten sich zu einer braunen Masse und doch hatte sie sich noch nie so allein gefühlt.<br />
Als Naila sich aufrichtete, war es dunkel draußen - das Gewitter war vorbeigezogen und hatte nur noch einen leichten Nieselregen zurückgelassen, der die Pfützen vibrieren ließ. Sie spürte Orpheus warme Präsenz in ihrem Rücken, ehe er behutsam über ihren Arm strich und ihre Schulter küsste. Oft hatten sie sich ein Schweigen geteilt, doch diese Stille lastete schwer auf ihnen beiden. Naila konnte nichts sagen. Alles, was aus ihr herausbrechen wollte, waren Gefühle, die sie nicht in Worte fassen konnte; man hatte ihre Seele genommen und sie in Teile zerrissen, dass sie nicht wusste, ob sie diesen Schmerz jemals artikulieren konnte. Schließlich war es Orpheus, der seine Worte gewählt an sie richtete. “Wenn es etwas gibt, das ich tun kann…” Doch sie beide kannten die Antwort bereits. <br />
<br />
Auch wenn Zeit keine Bedeutung für Naila hatte, wusste sie doch, dass sie sich nicht ewig aus ihrer Welt ausgrenzen ließ. In diesem Fall war es Ilyas, der sich durch ihre Leibmagd ankündigen ließ und sie um ein Gespräch bat. Jeder in Nailas Umfeld war bedacht darauf, was gesagt wurde, bedacht, welche Gesten genutzt wurden in der Sorge, die fragile Prinzessin mit einem Wort zu viel zu brechen. Als Naila wider Erwarten die Anfrage von Ilyas annahm, bot Orpheus sich an, hierzubleiben, doch sie schüttelte nur den Kopf. Letztendlich war Imani die Einzige, die sich mit ihr im Gemach befand, als man Ilyas Eintritt gestattete. In einen seidenen Morgenmantel gehüllt, obwohl die Stunde spät war, saß Naila auf einer der gepolsterten Liegen in der Empfangsecke, den Kopf weggedreht von der Tür, während sie den Nieselregen dabei beobachtete, wie er im Lampenschein auf den Marmorbalkon plätscherte. Man sah ihr an, dass sie nicht wirklich hier war, ihre aufrechte Haltung nur ein vergangenes Bild der Prinzessin, die sie einmal gewesen zu sein schien, und die Blässe ihrer Haut mit den geröteten Augen zu der geisterhaften Erscheinung beitragend. Vor ihr stand eine Schale mit Trauben und Wein, Wasser, allesamt unangerührt und vergessen. Naila schien nicht einmal auf die Schritte zu reagieren, die sich ihr näherten. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/a6/c1/47/a6c147ca5b0b9c2c8f543ad88f499f20.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:20px;">
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Eine Schwalbe breitete ihre Flügel aus und segelte über Nailas Kopf hinweg, bevor sie sich von der Luftdichte nach unten tragen ließ. Oft waren tief fliegende Schwalben ein Vorbote von Regen, doch der Himmel über King’s Portal war so blau, dass man ihn am Horizont nicht vom Meer abgrenzen konnte. Ein Plateau, das ewig weit in die Tiefe ging, bis irgendwann eine Linie die Mitte ziehen würde. Zwei volle Tage auf See, bis man wieder Land sah. Nailas Heimat. Nailas <i>alte</i> Heimat.<br />
Heimat war dort, wo man sich geborgen fühlte; wo man zugehörig war und Menschen hatte, denen man blind vertrauen konnte. Castandor war, sie konnte es kaum fassen, auf dem besten Weg, eine zu werden. Natürlich machte sie sich Sorgen um den bevorstehenden Krieg, wenn sie nicht mehr Orpheus an ihrer Seite hatte und sich der Feuerprobe stellen musste, die Angst <i>um</i> ihn und die Unsicherheit <i>ohne</i> ihn unter der Maske einer würdigen Großkönigsprinzessin zu verstecken. Und sie vermisste den Palast in Dharan al-Bahr. Sie vermisste ihre Brüder und die Gärten, in denen sie ihre Zeit totgeschlagen hatten. Sie vermisste ihre Mutter und die wenigen Minuten mit ihr, in denen sie sich von ihr wirklich gehört gefühlt hatte; und sie vermisste ihren Vater. Die Erinnerung von ihm, an die sie sich immer noch klammerte, auch wenn sie wusste, dass von ihm nur noch ein Schatten regierte. <br />
Doch all das waren aushaltbare, gar schöne Schmerzen, weil sie wusste, dass sie sich hier mit ein wenig Zeit ebenso aufgehoben fühlen konnte, solange sie weiter nach vorne schaute. Mit den wenigen Menschen aus ihrer Heimat im Rücken wusste sie, dass sie sich hier einen eigenen kleinen Platz graben konnte, in dem - irgendwann, in absehbarer Zeit vielleicht - neues Leben entstehen würde. Sicherheit, Geborgenheit, Zufriedenheit. Mehr wünschte sie sich nicht, und mehr verlangte sie nicht.<br />
Naila verließ den Balkon und trat in ihr Gemach, das sie abends mit Orpheus bewohnte, aber morgens oft für sich allein hatte, weil er schon seinen militärischen Pflichten nachgehen musste. Das Gesicht, das ihr begegnete - vertraut und gewohnt - brachte sie zu einem ehrlichen, federweichen Lächeln. “Ilyas, wie schön, dich zu so früher Morgenstunde zu sehen”, begann sie heiter, doch verflog ihre Unbeschwertheit in die Luft, als sie sein ernstes Gesicht studierte. “Was ist los…?” Ein schwacher Luftzug wehte durch die offenen Bögen des Balkons und bauschte die Vorhänge auf. Naila nahm zögerlich den Brief mit dem Siegel ihrer Familie entgegen, öffnete ihn und begann zu lesen.<br />
<br />
Draußen schien der Flügelschlag der Schwalbe das einzige Geräusch zu sein, das die drückende Stille zu durchdringen wagte. Die Sonne schien, doch die Luft war schwer mit dem Gewitter, das sich am Horizont zusammenbraute.<br />
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Zeit war ein Konstrukt, das sich jemand ausgedacht hatte, um der Welt Ordnung zu schenken, doch was bedeutete Ordnung, wenn die ganze Welt bereits gebrochen war? Nicht nur aus den Fugen geraten in der Hoffnung, man würde sie mit etwas Mühe wieder zusammenschieben können, sondern unter den Füßen zersplittert. Wenn man auf ihren Scherben lief, blutete man, jeder Schritt ein weiterer Schnitt in die leidende Seele, die in der Dunkelheit ihre Orientierung verloren hatte. <br />
Ohne Welt spielte Zeit keine Rolle mehr. Naila wusste nicht, wie lange sie auf dem Boden gekauert und den Brief umklammert hatte, bis ihre Tränen die Tinte unleserlich gemacht hatten. Sie wusste nicht, wer sie aufgehoben und zum Bett getragen hatte, oder wie lange sie dort gelegen hatte. Ihre Kehle war trocken vom Weinen, ihr Magen leer, ihre Glieder schwach, während ihr Körper sich immer wieder schüttelte mit Krämpfen. Vielleicht hatte sie geschlafen, bis der Schmerz - das Bewusstsein, dass ein integraler Teil von ihr fehlte - sie wieder aufweckte. Menschen hatten bei ihr gelegen, ihre Hand gehalten und über ihre kalte Schulter gestrichen. Mal hatten Stimmen sanft auf sie eingeredet, mal war da nur eine stille Präsenz gewesen. Gesichter vermischten sich zu einer braunen Masse und doch hatte sie sich noch nie so allein gefühlt.<br />
Als Naila sich aufrichtete, war es dunkel draußen - das Gewitter war vorbeigezogen und hatte nur noch einen leichten Nieselregen zurückgelassen, der die Pfützen vibrieren ließ. Sie spürte Orpheus warme Präsenz in ihrem Rücken, ehe er behutsam über ihren Arm strich und ihre Schulter küsste. Oft hatten sie sich ein Schweigen geteilt, doch diese Stille lastete schwer auf ihnen beiden. Naila konnte nichts sagen. Alles, was aus ihr herausbrechen wollte, waren Gefühle, die sie nicht in Worte fassen konnte; man hatte ihre Seele genommen und sie in Teile zerrissen, dass sie nicht wusste, ob sie diesen Schmerz jemals artikulieren konnte. Schließlich war es Orpheus, der seine Worte gewählt an sie richtete. “Wenn es etwas gibt, das ich tun kann…” Doch sie beide kannten die Antwort bereits. <br />
<br />
Auch wenn Zeit keine Bedeutung für Naila hatte, wusste sie doch, dass sie sich nicht ewig aus ihrer Welt ausgrenzen ließ. In diesem Fall war es Ilyas, der sich durch ihre Leibmagd ankündigen ließ und sie um ein Gespräch bat. Jeder in Nailas Umfeld war bedacht darauf, was gesagt wurde, bedacht, welche Gesten genutzt wurden in der Sorge, die fragile Prinzessin mit einem Wort zu viel zu brechen. Als Naila wider Erwarten die Anfrage von Ilyas annahm, bot Orpheus sich an, hierzubleiben, doch sie schüttelte nur den Kopf. Letztendlich war Imani die Einzige, die sich mit ihr im Gemach befand, als man Ilyas Eintritt gestattete. In einen seidenen Morgenmantel gehüllt, obwohl die Stunde spät war, saß Naila auf einer der gepolsterten Liegen in der Empfangsecke, den Kopf weggedreht von der Tür, während sie den Nieselregen dabei beobachtete, wie er im Lampenschein auf den Marmorbalkon plätscherte. Man sah ihr an, dass sie nicht wirklich hier war, ihre aufrechte Haltung nur ein vergangenes Bild der Prinzessin, die sie einmal gewesen zu sein schien, und die Blässe ihrer Haut mit den geröteten Augen zu der geisterhaften Erscheinung beitragend. Vor ihr stand eine Schale mit Trauben und Wein, Wasser, allesamt unangerührt und vergessen. Naila schien nicht einmal auf die Schritte zu reagieren, die sich ihr näherten. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Silent Stardust Words]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=774</link>
			<pubDate>Wed, 02 Jul 2025 15:48:08 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=16">Naila Castellanos</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=774</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/77/e4/1b/77e41b668033689de5a4be83b39c1eeb.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:black;">Prophet girl<br />
<div style="font-size:18px;">Chosen by the sun, do you hear god whisper</div>
</div>
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/2703854b9108b4c576dbbe80d831d3f6/tumblr_inline_qria3nXzXZ1rjo696_500.gif" style="max-width:250px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>In vielerlei Hinsicht ähnelten sich Desdemona und Naila. Etwa trennten sie kaum zwei Jahre voneinander, und beide stammten sie von ähnlich wichtiger, privilegierter Herkunft. Vieles in ihrem Leben lag nicht in ihren Händen und auch, wenn sie versuchten, das Spiel zu spielen, belächelte man sie und entschied über ihre Köpfe hinweg. Sie beide trugen die Bürde einer Prinzessin, die nie das letzte Wort haben würde, wessen Hand sie halten und wessen Familie sie bereichern würde, und doch - die Art, wie sie sich dieser Bürde annahmen, schien eine völlig andere zu sein. <br />
Eine von beiden spielte das Spiel besser als die andere. Wenn es nicht bereits in Desdemonas Natur gelegen hatte, dann hatten sie die Jahre am Großkönigshof zu dem gemacht, was sie jetzt war: Eine Tänzerin, die blind den Ablauf der Fliesen unter ihren Füßen kannte. Naila erinnerte sich an die junge Prinzessin auf den Geburtstagen ihres Vaters, zu denen jede Königsfamilie eingeladen gewesen war, als wäre es erst gestern. An den wachen, hellen Blick, als wäre sie die Ältere, die mehr wusste als eine einfache Wüstenprinzessin der Inseln. Vielleicht hatte sie damals zu ihr aufgesehen, wie mühelos sie sich durch die Gesellschaft bewegte, während Naila die Blicke von fremden Königen und Prinzen schon immer etwas unsicher gemacht hatte. Was sich damals schon abzeichnete, hatte sich nur verfeinert in Nuancen, die zwischen ihnen woben und sich zogen, wenn man zu stark an ihnen zupfte. Denn Desdemona hatte genau eines, was Naila beneidete und was sie willig machte, die Fäden etwas anzuziehen und einen Schritt auf sie zuzugehen. <br />
Zugang zum Hof und zu seinen Intrigen.<br />
<br />
Natürlich waren es keine niederträchtigen Absichten, welche die Prinzessin auch heute wieder zu den offenen Balkonterrassen trieben, die an Desdemonas Gemächern grenzten. Um an einem fremden Hof zu überleben und nicht von einem Stein über den nächsten zu stolpern, musste man ihn kennen, seine Bewohner so wie die Dynamiken, die sich zwischen ihnen gebildet hatten. Als Außenseiter, Neuling fiel es ihr schwer, ein echtes Lächeln aus den Gesellschafterinnen zu kitzeln, und mittlerweile war sie sich sicher, dass der <i>Zusammenhalt</i> zwischen Frauen hier in Castandor längst nicht so groß geschrieben war, wie in Matariyya. Die Blicke, die sie trafen, waren nicht mit Wärme gefüllt, ja nichtmal mit Mitgefühl. Beizeiten hatte sie das Gefühl, dass man ihr nach ihrer Position trachtete, als hätte sie mit ihrer Hochzeit die kleine Welt des Adels um einen Junggesellen beraubt. Da gab es die kleinen Lichter, wie etwa Aurora, die sie mit ihrer Herzlichkeit tröstete und Hoffnung gab, aber Naila war nicht dumm; sie wusste, dass sie sich hier nie einleben würde, wenn sie sich diesem Problem nicht annahm. Die Castellanos schienen allesamt genau zu wissen, wie man das Spiel spielte, und sie war jetzt eine von ihnen.<br />
<br />
Heute hatte sie ihr eigenes Schachset mitgebracht, sorgfältig geschnitzte Elfenbeinfiguren mit kleinen, goldenen Akzenten, die ihr Onkel ihr vor der Abreise mitgegeben hatte. Getragen wurden sie von Imani, ihrem Schatten, in einer schlichten Kiste mit einem einzigen rechteckigen Mandala bemalt. Naila hatte einen Sinn für das Schöne und sie achtete die dekorative Auswahl, die Desdemona selbst für ihre Gemächer gewählt hatte. Alles war groß und räumig, aber nicht zu leer. Selbst der Boden spiegelte die Stille des Raumes, auch als Nailas Schritte über den Marmor hallten, und die Terrasse hatte eine wunderschöne Aussicht auf den stillen Teil des Gartens, der mit seinen Farnen und Olivenbäumen im Vergleich zum Rest fast schon etwas wild wirkte. Als die Prinzessin ihre Schwägerin erblickte, erwärmte ein ehrliches Lächeln ihre Züge. <div class="sommerlandcolor">“Prinzessin Desdemona”</div>, begrüßte sie mit sanfter Freundlichkeit. <div class="sommerlandcolor">“Ich beginne, unsere wöchentlichen Spiele schon nach dem zweiten Tag zu vermissen.”</div> Imani trat vor und platzierte die Schachtel auf dem Spielbrett, bevor sie wieder in den Schatten trat und Naila sich niederließ, die Schachtel öffnete und sorgfältig die Spielfiguren auf ihrer Seite platzierte. <div class="sommerlandcolor">“Wie geht es dir?”</div>
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/77/e4/1b/77e41b668033689de5a4be83b39c1eeb.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:black;">Prophet girl<br />
<div style="font-size:18px;">Chosen by the sun, do you hear god whisper</div>
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<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/2703854b9108b4c576dbbe80d831d3f6/tumblr_inline_qria3nXzXZ1rjo696_500.gif" style="max-width:250px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>In vielerlei Hinsicht ähnelten sich Desdemona und Naila. Etwa trennten sie kaum zwei Jahre voneinander, und beide stammten sie von ähnlich wichtiger, privilegierter Herkunft. Vieles in ihrem Leben lag nicht in ihren Händen und auch, wenn sie versuchten, das Spiel zu spielen, belächelte man sie und entschied über ihre Köpfe hinweg. Sie beide trugen die Bürde einer Prinzessin, die nie das letzte Wort haben würde, wessen Hand sie halten und wessen Familie sie bereichern würde, und doch - die Art, wie sie sich dieser Bürde annahmen, schien eine völlig andere zu sein. <br />
Eine von beiden spielte das Spiel besser als die andere. Wenn es nicht bereits in Desdemonas Natur gelegen hatte, dann hatten sie die Jahre am Großkönigshof zu dem gemacht, was sie jetzt war: Eine Tänzerin, die blind den Ablauf der Fliesen unter ihren Füßen kannte. Naila erinnerte sich an die junge Prinzessin auf den Geburtstagen ihres Vaters, zu denen jede Königsfamilie eingeladen gewesen war, als wäre es erst gestern. An den wachen, hellen Blick, als wäre sie die Ältere, die mehr wusste als eine einfache Wüstenprinzessin der Inseln. Vielleicht hatte sie damals zu ihr aufgesehen, wie mühelos sie sich durch die Gesellschaft bewegte, während Naila die Blicke von fremden Königen und Prinzen schon immer etwas unsicher gemacht hatte. Was sich damals schon abzeichnete, hatte sich nur verfeinert in Nuancen, die zwischen ihnen woben und sich zogen, wenn man zu stark an ihnen zupfte. Denn Desdemona hatte genau eines, was Naila beneidete und was sie willig machte, die Fäden etwas anzuziehen und einen Schritt auf sie zuzugehen. <br />
Zugang zum Hof und zu seinen Intrigen.<br />
<br />
Natürlich waren es keine niederträchtigen Absichten, welche die Prinzessin auch heute wieder zu den offenen Balkonterrassen trieben, die an Desdemonas Gemächern grenzten. Um an einem fremden Hof zu überleben und nicht von einem Stein über den nächsten zu stolpern, musste man ihn kennen, seine Bewohner so wie die Dynamiken, die sich zwischen ihnen gebildet hatten. Als Außenseiter, Neuling fiel es ihr schwer, ein echtes Lächeln aus den Gesellschafterinnen zu kitzeln, und mittlerweile war sie sich sicher, dass der <i>Zusammenhalt</i> zwischen Frauen hier in Castandor längst nicht so groß geschrieben war, wie in Matariyya. Die Blicke, die sie trafen, waren nicht mit Wärme gefüllt, ja nichtmal mit Mitgefühl. Beizeiten hatte sie das Gefühl, dass man ihr nach ihrer Position trachtete, als hätte sie mit ihrer Hochzeit die kleine Welt des Adels um einen Junggesellen beraubt. Da gab es die kleinen Lichter, wie etwa Aurora, die sie mit ihrer Herzlichkeit tröstete und Hoffnung gab, aber Naila war nicht dumm; sie wusste, dass sie sich hier nie einleben würde, wenn sie sich diesem Problem nicht annahm. Die Castellanos schienen allesamt genau zu wissen, wie man das Spiel spielte, und sie war jetzt eine von ihnen.<br />
<br />
Heute hatte sie ihr eigenes Schachset mitgebracht, sorgfältig geschnitzte Elfenbeinfiguren mit kleinen, goldenen Akzenten, die ihr Onkel ihr vor der Abreise mitgegeben hatte. Getragen wurden sie von Imani, ihrem Schatten, in einer schlichten Kiste mit einem einzigen rechteckigen Mandala bemalt. Naila hatte einen Sinn für das Schöne und sie achtete die dekorative Auswahl, die Desdemona selbst für ihre Gemächer gewählt hatte. Alles war groß und räumig, aber nicht zu leer. Selbst der Boden spiegelte die Stille des Raumes, auch als Nailas Schritte über den Marmor hallten, und die Terrasse hatte eine wunderschöne Aussicht auf den stillen Teil des Gartens, der mit seinen Farnen und Olivenbäumen im Vergleich zum Rest fast schon etwas wild wirkte. Als die Prinzessin ihre Schwägerin erblickte, erwärmte ein ehrliches Lächeln ihre Züge. <div class="sommerlandcolor">“Prinzessin Desdemona”</div>, begrüßte sie mit sanfter Freundlichkeit. <div class="sommerlandcolor">“Ich beginne, unsere wöchentlichen Spiele schon nach dem zweiten Tag zu vermissen.”</div> Imani trat vor und platzierte die Schachtel auf dem Spielbrett, bevor sie wieder in den Schatten trat und Naila sich niederließ, die Schachtel öffnete und sorgfältig die Spielfiguren auf ihrer Seite platzierte. <div class="sommerlandcolor">“Wie geht es dir?”</div>
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Gold turns to rust]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=770</link>
			<pubDate>Tue, 01 Jul 2025 08:58:04 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=0">Desdemona Castellanos</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=770</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/29/29/2a/29292ac2d436501288b6e593660c636d.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">
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<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/originals/82/fa/88/82fa88150365cba544466ea71bb70850.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Die Schritte, die Desdemona durch die Gänge des Palastes der Castellanos setzte, waren kontrolliert, bedacht – nicht langsam, aber auch nicht eilig. Ihre stahlblauen Augen glitten über die hohen Wände, verweilten auf den Gemälden vergangener Könige, und schenkten ihnen die Aufmerksamkeit, die ihnen sonst längst niemand mehr zuteilwerden ließ. Das Haus der Castellanos war dem Verfall nahe, und die toten Augen der Porträts ruhten richtend auf der Tochter Augustos. Vermutlich würden sie dasselbe denken wie sie, wenn sie ihren Vater erneut über einer Flasche Wein zusammensinken sahen, oder ihren Bruder, der des Nachts torkelnd zurückkehrte, den Kragen schief, das Haar zerzaust vom Rausch oder fremden Händen. Sie waren eine Schmach für das Haus der Könige – keine Träger seiner Würde, sondern Risse im Fundament, durch das die Geschichte sickerte wie vergiftetes Wasser. Eine Beleidigung für den Namen Castellanos, die man am liebsten aus dem Stammbaum tilgen, herausbrennen sollte wie eine Krankheit, bevor sie weiterwucherte.<br />
Daran änderte auch nichts, dass ihr Vater sich nun, wie durch ein Wunder wachgeküsst, wieder in die Belange des Reichs einzubringen schien – als ließe sich Verantwortung wie ein Mantel ablegen und beliebig wieder überwerfen. Und auch nicht, dass Leandros’ Leine plötzlich kürzer lag, als wolle man seine Ausschweifungen nun mit spät entdeckter Strenge zügeln. Ein paar Wochen gespielter Selbstdisziplin – oder wie auch immer er diesen Anflug von Pflichtgefühl nennen mochte – wogen keine Jahre des moralischen Bankrotts auf. Man konnte einen morschen Thron polieren, aber er blieb morsch.<br />
<br />
Orpheus wäre ein leichter zu ertragender König als Leandros. Zwischen seinen Schläfen saß immerhin ein denkender Kopf – einer, der sich nicht nur für den Glanz der Krone interessierte, sondern für das, was sie bedeutete. Einer, der bereit war, aus der Geschichte zu lernen, statt sich seine Zukunft aus Wein, Eitelkeit und den Schenkeln käuflicher Zuneigung zu formen. Und Naila? Es war keine Qual, sich einzugestehen, dass auch sie eine gute Königin abgeben würde. Ihr Intellekt war geschärft, und ihre Fürsorge – so sehr Desdemona sich dagegen zu wehren versuchte – besaß eine Wärme, die fast berührte. Ihr einziger Makel: Sie könnte mehr strahlen. Doch das würde sie mit der Zeit sicher. <br />
<br />
Die Absage ihrer Familie an der Krönung des neuen Königs im Sommerland hatte Desdemona kaum berührt. Es war in ihren Augen ein taktischer Fehltritt, nicht mehr. Ihre Neugier auf das Machtvakuum nach dem Mord an Nailas Familie wog schwerer als jede moralische Entrüstung. Dort, wo Blut floss, öffneten sich Türen – und ihr Vater, vermutlich getrieben von gekränktem Stolz, hatte sie mit einem Handwedeln wieder geschlossen.<br />
Seine Beweggründe? Nicht unverständlich. Aber vielleicht töricht. Denn während er sich als stolzer Castellano ins Schneckenhaus zurückzog, <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">könnten</span> sich andere Königreiche positionieren. Wenn dieser Verbündete fiel, was blieb dann noch? Das Herbstland war neutral wie immer – also würde Castandor isoliert dastehen. Umringt von Barbaren des Winterlandes und der Sippe aus dem Frühlingsland. Noch hatte Castandor das größere Heer, doch der Punkt würde kommen - da war sich Desdemona sicher - da diese Größe nicht mehr genügen würde. <br />
<br />
Als die junge Blondine bei ihrem Urgroßvater ankam, lächelte sie schwach, ehe zielstrebige Schritte sie aus ihren Gedanken rissen. Ihr Blick wanderte durch den langen Marmorflur und entdeckte eine beschäftigte Gestalt. Vermutlich hatte er noch unfassbar viel zu tun, denn soweit Desdemona wusste, würde er heute abreisen. Es gab also keinen Grund, warum sie ihn dabei stören sollte, außer dem, dass allein sein Anblick reichte, um den Fluss ihrer Gedanken zu unterbrechen. Denn wenn sie eines in den vergangenen Jahren beobachten konnte und gelernt hatte, war es, dass Zephyr zu allem eine Meinung hatte und nicht selten war diese interessant.<br />
Desdemona ließ ihren Blick einen Moment zu lange auf der Gestalt ruhen – auf dem strebsamen Gang, der mühelosen Eleganz, mit der er sich durch die Halle bewegte, als gehöre sie ihm. Vielleicht tat sie das auch. Nicht im rechtlichen Sinne, aber in der Art, wie gewisse Männer jeden Raum beherrschten, ohne ein Wort zu sagen. Sie sollte ihn nicht aufhalten. Nicht heute. Und doch... Sie ließ ihre Ahnen hinter sich, ging ihm drei Schritte entgegen, ein schwaches Lächeln auf den Lippen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Zephyr, wie so oft in letzter Zeit beschäftigt unterwegs — aber es ist schön, Euch zu sehen. Ich hoffe, der Tag gönnt Euch einen Moment zum Durchatmen… und für ein Gespräch."</span> Sie machte eine kleine Geste, als wäre sie bereit, sich seinem Tempo anzupassen, falls er nur kurz verweilen wollte und bald weiterging.</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/originals/29/29/2a/29292ac2d436501288b6e593660c636d.gif); background-size:100%;background-position:50% 50%;">
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Daran änderte auch nichts, dass ihr Vater sich nun, wie durch ein Wunder wachgeküsst, wieder in die Belange des Reichs einzubringen schien – als ließe sich Verantwortung wie ein Mantel ablegen und beliebig wieder überwerfen. Und auch nicht, dass Leandros’ Leine plötzlich kürzer lag, als wolle man seine Ausschweifungen nun mit spät entdeckter Strenge zügeln. Ein paar Wochen gespielter Selbstdisziplin – oder wie auch immer er diesen Anflug von Pflichtgefühl nennen mochte – wogen keine Jahre des moralischen Bankrotts auf. Man konnte einen morschen Thron polieren, aber er blieb morsch.<br />
<br />
Orpheus wäre ein leichter zu ertragender König als Leandros. Zwischen seinen Schläfen saß immerhin ein denkender Kopf – einer, der sich nicht nur für den Glanz der Krone interessierte, sondern für das, was sie bedeutete. Einer, der bereit war, aus der Geschichte zu lernen, statt sich seine Zukunft aus Wein, Eitelkeit und den Schenkeln käuflicher Zuneigung zu formen. Und Naila? Es war keine Qual, sich einzugestehen, dass auch sie eine gute Königin abgeben würde. Ihr Intellekt war geschärft, und ihre Fürsorge – so sehr Desdemona sich dagegen zu wehren versuchte – besaß eine Wärme, die fast berührte. Ihr einziger Makel: Sie könnte mehr strahlen. Doch das würde sie mit der Zeit sicher. <br />
<br />
Die Absage ihrer Familie an der Krönung des neuen Königs im Sommerland hatte Desdemona kaum berührt. Es war in ihren Augen ein taktischer Fehltritt, nicht mehr. Ihre Neugier auf das Machtvakuum nach dem Mord an Nailas Familie wog schwerer als jede moralische Entrüstung. Dort, wo Blut floss, öffneten sich Türen – und ihr Vater, vermutlich getrieben von gekränktem Stolz, hatte sie mit einem Handwedeln wieder geschlossen.<br />
Seine Beweggründe? Nicht unverständlich. Aber vielleicht töricht. Denn während er sich als stolzer Castellano ins Schneckenhaus zurückzog, <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">könnten</span> sich andere Königreiche positionieren. Wenn dieser Verbündete fiel, was blieb dann noch? Das Herbstland war neutral wie immer – also würde Castandor isoliert dastehen. Umringt von Barbaren des Winterlandes und der Sippe aus dem Frühlingsland. Noch hatte Castandor das größere Heer, doch der Punkt würde kommen - da war sich Desdemona sicher - da diese Größe nicht mehr genügen würde. <br />
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Als die junge Blondine bei ihrem Urgroßvater ankam, lächelte sie schwach, ehe zielstrebige Schritte sie aus ihren Gedanken rissen. Ihr Blick wanderte durch den langen Marmorflur und entdeckte eine beschäftigte Gestalt. Vermutlich hatte er noch unfassbar viel zu tun, denn soweit Desdemona wusste, würde er heute abreisen. Es gab also keinen Grund, warum sie ihn dabei stören sollte, außer dem, dass allein sein Anblick reichte, um den Fluss ihrer Gedanken zu unterbrechen. Denn wenn sie eines in den vergangenen Jahren beobachten konnte und gelernt hatte, war es, dass Zephyr zu allem eine Meinung hatte und nicht selten war diese interessant.<br />
Desdemona ließ ihren Blick einen Moment zu lange auf der Gestalt ruhen – auf dem strebsamen Gang, der mühelosen Eleganz, mit der er sich durch die Halle bewegte, als gehöre sie ihm. Vielleicht tat sie das auch. Nicht im rechtlichen Sinne, aber in der Art, wie gewisse Männer jeden Raum beherrschten, ohne ein Wort zu sagen. Sie sollte ihn nicht aufhalten. Nicht heute. Und doch... Sie ließ ihre Ahnen hinter sich, ging ihm drei Schritte entgegen, ein schwaches Lächeln auf den Lippen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Zephyr, wie so oft in letzter Zeit beschäftigt unterwegs — aber es ist schön, Euch zu sehen. Ich hoffe, der Tag gönnt Euch einen Moment zum Durchatmen… und für ein Gespräch."</span> Sie machte eine kleine Geste, als wäre sie bereit, sich seinem Tempo anzupassen, falls er nur kurz verweilen wollte und bald weiterging.</div>]]></content:encoded>
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