<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/">
	<channel>
		<title><![CDATA[Facing the Storm - Walleydor - Das Frühlingsland]]></title>
		<link>https://facingthestorm.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestorm.de]]></description>
		<pubDate>Wed, 05 Aug 2026 13:39:02 +0000</pubDate>
		<generator>MyBB</generator>
		<item>
			<title><![CDATA[Where we left ourselfs]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=814</link>
			<pubDate>Tue, 04 Nov 2025 16:30:02 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=35">Sanna Lorenson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=814</guid>
			<description><![CDATA[Der Krieg rückte näher und hinterließ in Sanna eine seltsame Unruhe. Es fühlte sich an, als stünde sie zwischen zwei Fronten – zwei Gefahren, die sowohl sie als auch Valda bedrohten und keinen Ausweg ließen. Kein Schlupfloch, durch das sie sich zurückziehen konnte. Und trotzdem hatte sie an diesem Abend den Weg eingeschlagen, hin zu den Winterländern, die bald die Hauptstadt passieren würden, um in Eastergold Meadow zu kämpfen.<br />
Sorge schlich sich in ihr Herz, gedämpft von einer Nervosität, die ihr selbst fremd war. Sie wusste, wer sie in dem Lager der Winterländer erwarten würde: Leif. Er würde seine Krieger nicht alleine in die Schlacht schicken – und dieser Gedanke versetzte ihr einen leisen Stich. Denn wenn er fiel, wusste sie, würde auch ein Teil von ihr mit ihm fallen. Und Valda? Sie wuchs ohnehin ohne die ständige Präsenz ihres Vaters auf. Doch sollte er sterben… würde die Zeit sie von seinem Gesicht lösen, von seiner Stimme, seinen Gesten. Die Gewissheit, dass die Erinnerung verblassen würde, traf Sanna wie ein Schlag. Und sie wusste nicht, was schwerer wog: Die Last, das Andenken an einen Toten zu bewahren – oder ihn in die Vergessenheit gleiten zu lassen. Aber es war nicht Leif, der ihre Nervosität verursachte. Nein. Ihm konnte sie begegnen, so wie sie es schon unzählige Male getan hatte. Mit trotzig gerecktem Kinn und diesem stoischen Ausdruck in den Augen, der deutlich machte, dass er nicht über ihr Schicksal bestimmen konnte. Egal, wie gut gemeint sein Rat, wie sanft seine Geste auch war.<br />
<br />
Nein, Sanna fürchtete sich vor Veith. Vor seinem urteilenden Blick, vor einem möglichen stummen Vorwurf – und noch mehr vor der Möglichkeit, dass er ihr mit Gleichgültigkeit begegnen würde. Dieser Gedanke schnitt tiefer als jede Schuld, die sie selbst in sich trug. <br />
Sie hatte oft an ihn gedacht. Zu oft. Und sich doch jedes Mal verboten, den Gedanken weiterzugehen. Denn nichts daran änderte ihre Lage, nichts daran, dass sie dem Winterland vielleicht noch lange fernbleiben musste. Es war ein unerbittlicher Abstand, der nicht durch Sehnsucht überbrückt werden konnte. Und doch... zog sich ihr Herz schmerzlich zusammen, sobald sie sich erinnerte, wie seine Hände sie gehalten hatten. Wie sanft seine Lippen die ihren berührt hatten, ehe sich in ihr ein Feuer entfachte, das sie zugleich nährte und verbrannte – wie eine Saat, die in zu schneller Hitze aufgeht. Diese Wärme war nicht vergessen. Sie war nur tief vergraben – und gerade deshalb umso schmerzhafter.<br />
<br />
Ihre Schritte waren leise, als sie die ersten Zelte bemerkte. Wachsam glitten ihre Augen über die dunklen Stoffbahnen, die nur von vereinzelten, wie zufällig platzierten Lagerfeuern erhellt wurden. Die Schatten bewegten sich, flackerten, wurden zu Gestalten und verschwanden wieder. Sanna spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Dabei war sie weder eine Aufsässige, noch eine Gesuchte. Sie war wie all die anderen hier – eine Winterländerin. Und doch fühlte es sich an, als müsste sie sich rechtfertigen für jeden Schritt, für jeden Atemzug, als läge ein unsichtbarer Blick auf ihr.<br />
In ihren Jagdkleidern würde sie nicht auffallen. Auch wenn sie schon lange im Frühlingsland war, war ihr die Kleidung dort nie vertraut geworden. Die grobe Wolle, das dunkle Leder, das Gewicht des Messers an ihrer Hüfte – das war es, was sich richtig anfühlte. Was sie an Zuhause erinnerte und was sie war. <br />
<br />
Er stand etwas abseits, leicht seitlich, den Rücken halb ihr zugewandt. Sein Blick war auf einen Punkt gerichtet, den Sanna nicht ausmachen konnte, und sein Gesicht trug diesen vertrauten, undurchdringlichen Ausdruck. Manche hätten ihn wohl kalt genannt. Doch sie wusste, dass hinter dieser Ruhe etwas lag, das er vor allen verbarg.<br />
Sanna hielt den Atem an. Als könnte allein dieses leise Ein- und Aus dem Stillen zwischen ihnen ein Ende setzen. Als würde schon ihr Herzschlag laut genug sein, um seine Aufmerksamkeit auf sie zu ziehen. Für einen Augenblick stand die Welt um sie herum still: die entfernten Stimmen am Feuer, das Klingen von Metall, das leise Schnauben der Pferde. Alles trat zurück – bis nur er blieb. Sie fürchtete, dass ihr der Mut entgleiten könnte. Dass ihr eigentliches Vorhaben – Leif vielleicht ein letztes Mal seine Tochter sehen zu lassen – daran scheitern würde, dass sie es nicht über sich brachte, Veith gegenüberzutreten. Der Gedanke schnürte ihr die Kehle zu. Es war nicht der Krieg, der sie lähmte. Nicht die Gefahr, nicht der bevorstehende Verlust. Es war er. Und die Erinnerung an das, was zwischen ihnen gewesen – und was unausgesprochen geblieben war.<br />
Dennoch trat sie aus dem Schatten des Baumes hervor und bewegte sich lautlos, bis sie nur wenige Schritte hinter ihm zum Stehen kam. Ihre braunen Augen glitten über seinen breiten Rücken, über das silbrig schimmernde Haar, das im Mondlicht beinahe zu leuchten schien. Wieder spürte Sanna, wie ihr Mut ins Schwanken geriet. Ein flüchtiger Gedanke drängte sich ihr auf – einfach an ihm vorbeizugehen, in die Zeltstadt einzutauchen, als wäre sie nie hier gewesen. Aber sie tat es nicht. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Hallo, Veith…“</span> Ihre Stimme klang in ihren eigenen Ohren erschreckend laut, obwohl es kaum mehr als ein Flüstern gewesen war. Und als er sich umwandte, wusste sie für einen flüchtigen Augenblick nicht, was sie in dem starren Bernstein seiner Augen sah. Sie schluckte schwer und spürte, wie sich ein verräterischer Glanz in ihre eigenen Augen legte. Ärger flackerte in ihr auf – darüber, dass sie so leicht durchschaubar war, so verletzlich. Ein Kloß schob sich ihr in den Hals, als würde die Anspannung der vergangenen Wochen und Monate nun endlich auf sie niedergehen, schwer wie Schnee auf einem Dach, das lange standgehalten hatte. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich…“</span> begann sie und hob eine Hand, als wolle sie die Worte formen, sie aus der Luft ziehen. Doch ihre Hand blieb dort, unbeholfen, reglos – als hätte jemand eine unsichtbare Schlinge um ihr Handgelenk gelegt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Es tut mir leid, dass ich einfach gegangen bin.“</span> Ihre Stimme klang ihr selbst fremd, wie ein Echo aus weiter Entfernung. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Helvi hat sich sicher Sorgen gemacht…“</span> fügte sie hastig hinzu, als fürchte sie, er könnte jeden Moment die Schultern heben, sich abwenden – und sie damit endgültig aus seinem Leben schneiden oder ihr sagen, es wäre ihm nicht einmal aufgefallen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Krieg rückte näher und hinterließ in Sanna eine seltsame Unruhe. Es fühlte sich an, als stünde sie zwischen zwei Fronten – zwei Gefahren, die sowohl sie als auch Valda bedrohten und keinen Ausweg ließen. Kein Schlupfloch, durch das sie sich zurückziehen konnte. Und trotzdem hatte sie an diesem Abend den Weg eingeschlagen, hin zu den Winterländern, die bald die Hauptstadt passieren würden, um in Eastergold Meadow zu kämpfen.<br />
Sorge schlich sich in ihr Herz, gedämpft von einer Nervosität, die ihr selbst fremd war. Sie wusste, wer sie in dem Lager der Winterländer erwarten würde: Leif. Er würde seine Krieger nicht alleine in die Schlacht schicken – und dieser Gedanke versetzte ihr einen leisen Stich. Denn wenn er fiel, wusste sie, würde auch ein Teil von ihr mit ihm fallen. Und Valda? Sie wuchs ohnehin ohne die ständige Präsenz ihres Vaters auf. Doch sollte er sterben… würde die Zeit sie von seinem Gesicht lösen, von seiner Stimme, seinen Gesten. Die Gewissheit, dass die Erinnerung verblassen würde, traf Sanna wie ein Schlag. Und sie wusste nicht, was schwerer wog: Die Last, das Andenken an einen Toten zu bewahren – oder ihn in die Vergessenheit gleiten zu lassen. Aber es war nicht Leif, der ihre Nervosität verursachte. Nein. Ihm konnte sie begegnen, so wie sie es schon unzählige Male getan hatte. Mit trotzig gerecktem Kinn und diesem stoischen Ausdruck in den Augen, der deutlich machte, dass er nicht über ihr Schicksal bestimmen konnte. Egal, wie gut gemeint sein Rat, wie sanft seine Geste auch war.<br />
<br />
Nein, Sanna fürchtete sich vor Veith. Vor seinem urteilenden Blick, vor einem möglichen stummen Vorwurf – und noch mehr vor der Möglichkeit, dass er ihr mit Gleichgültigkeit begegnen würde. Dieser Gedanke schnitt tiefer als jede Schuld, die sie selbst in sich trug. <br />
Sie hatte oft an ihn gedacht. Zu oft. Und sich doch jedes Mal verboten, den Gedanken weiterzugehen. Denn nichts daran änderte ihre Lage, nichts daran, dass sie dem Winterland vielleicht noch lange fernbleiben musste. Es war ein unerbittlicher Abstand, der nicht durch Sehnsucht überbrückt werden konnte. Und doch... zog sich ihr Herz schmerzlich zusammen, sobald sie sich erinnerte, wie seine Hände sie gehalten hatten. Wie sanft seine Lippen die ihren berührt hatten, ehe sich in ihr ein Feuer entfachte, das sie zugleich nährte und verbrannte – wie eine Saat, die in zu schneller Hitze aufgeht. Diese Wärme war nicht vergessen. Sie war nur tief vergraben – und gerade deshalb umso schmerzhafter.<br />
<br />
Ihre Schritte waren leise, als sie die ersten Zelte bemerkte. Wachsam glitten ihre Augen über die dunklen Stoffbahnen, die nur von vereinzelten, wie zufällig platzierten Lagerfeuern erhellt wurden. Die Schatten bewegten sich, flackerten, wurden zu Gestalten und verschwanden wieder. Sanna spürte, wie ihr Herz schneller schlug. Dabei war sie weder eine Aufsässige, noch eine Gesuchte. Sie war wie all die anderen hier – eine Winterländerin. Und doch fühlte es sich an, als müsste sie sich rechtfertigen für jeden Schritt, für jeden Atemzug, als läge ein unsichtbarer Blick auf ihr.<br />
In ihren Jagdkleidern würde sie nicht auffallen. Auch wenn sie schon lange im Frühlingsland war, war ihr die Kleidung dort nie vertraut geworden. Die grobe Wolle, das dunkle Leder, das Gewicht des Messers an ihrer Hüfte – das war es, was sich richtig anfühlte. Was sie an Zuhause erinnerte und was sie war. <br />
<br />
Er stand etwas abseits, leicht seitlich, den Rücken halb ihr zugewandt. Sein Blick war auf einen Punkt gerichtet, den Sanna nicht ausmachen konnte, und sein Gesicht trug diesen vertrauten, undurchdringlichen Ausdruck. Manche hätten ihn wohl kalt genannt. Doch sie wusste, dass hinter dieser Ruhe etwas lag, das er vor allen verbarg.<br />
Sanna hielt den Atem an. Als könnte allein dieses leise Ein- und Aus dem Stillen zwischen ihnen ein Ende setzen. Als würde schon ihr Herzschlag laut genug sein, um seine Aufmerksamkeit auf sie zu ziehen. Für einen Augenblick stand die Welt um sie herum still: die entfernten Stimmen am Feuer, das Klingen von Metall, das leise Schnauben der Pferde. Alles trat zurück – bis nur er blieb. Sie fürchtete, dass ihr der Mut entgleiten könnte. Dass ihr eigentliches Vorhaben – Leif vielleicht ein letztes Mal seine Tochter sehen zu lassen – daran scheitern würde, dass sie es nicht über sich brachte, Veith gegenüberzutreten. Der Gedanke schnürte ihr die Kehle zu. Es war nicht der Krieg, der sie lähmte. Nicht die Gefahr, nicht der bevorstehende Verlust. Es war er. Und die Erinnerung an das, was zwischen ihnen gewesen – und was unausgesprochen geblieben war.<br />
Dennoch trat sie aus dem Schatten des Baumes hervor und bewegte sich lautlos, bis sie nur wenige Schritte hinter ihm zum Stehen kam. Ihre braunen Augen glitten über seinen breiten Rücken, über das silbrig schimmernde Haar, das im Mondlicht beinahe zu leuchten schien. Wieder spürte Sanna, wie ihr Mut ins Schwanken geriet. Ein flüchtiger Gedanke drängte sich ihr auf – einfach an ihm vorbeizugehen, in die Zeltstadt einzutauchen, als wäre sie nie hier gewesen. Aber sie tat es nicht. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Hallo, Veith…“</span> Ihre Stimme klang in ihren eigenen Ohren erschreckend laut, obwohl es kaum mehr als ein Flüstern gewesen war. Und als er sich umwandte, wusste sie für einen flüchtigen Augenblick nicht, was sie in dem starren Bernstein seiner Augen sah. Sie schluckte schwer und spürte, wie sich ein verräterischer Glanz in ihre eigenen Augen legte. Ärger flackerte in ihr auf – darüber, dass sie so leicht durchschaubar war, so verletzlich. Ein Kloß schob sich ihr in den Hals, als würde die Anspannung der vergangenen Wochen und Monate nun endlich auf sie niedergehen, schwer wie Schnee auf einem Dach, das lange standgehalten hatte. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Ich…“</span> begann sie und hob eine Hand, als wolle sie die Worte formen, sie aus der Luft ziehen. Doch ihre Hand blieb dort, unbeholfen, reglos – als hätte jemand eine unsichtbare Schlinge um ihr Handgelenk gelegt. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Es tut mir leid, dass ich einfach gegangen bin.“</span> Ihre Stimme klang ihr selbst fremd, wie ein Echo aus weiter Entfernung. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Helvi hat sich sicher Sorgen gemacht…“</span> fügte sie hastig hinzu, als fürchte sie, er könnte jeden Moment die Schultern heben, sich abwenden – und sie damit endgültig aus seinem Leben schneiden oder ihr sagen, es wäre ihm nicht einmal aufgefallen.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[We've lost the sun]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=769</link>
			<pubDate>Mon, 30 Jun 2025 20:39:01 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=35">Sanna Lorenson</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=769</guid>
			<description><![CDATA[Valda saß auf dem Bett, die Beine überkreuzt, das Kinn leicht gesenkt, während sie konzentriert mit einer kleinen Holzfigur spielte. Ein Pferd – rau gearbeitet, aber geliebt. Ihre Finger führten es über die Decke, ließen es springen, galoppieren, innehalten. Sanna legte das kleine Schnitzmesser zur Seite und musterte ihr eigenes Werk mit kritischem Blick. Nicht vollkommen, aber solide. Es hatte etwas Tröstliches, wieder mit den Händen zu arbeiten. Die feinen Holzspäne zu spüren, das kontrollierte Ziehen der Klinge, das langsame Entstehen von etwas Greifbarem.<br />
Gedanken hielten sie dabei selten auf, doch heute drängten sie sich auf. Charles Stafford suchte Söldner. Für eine bevorstehende Schlacht. Sie hatte nie einen Krieg erlebt. Nicht wirklich. Nur die Geschichten gehört – und von den Spuren, die er hinterließ. Auf Land, in Menschen. Sanna spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog. Wieder Unsicherheit. Wieder der Gedanke, dass das Frühlingsland nur ein Zwischenhalt sein könnte. Eine weitere Station, an der man Wurzeln nur bis zur nächsten Entscheidung treiben ließ.<br />
<br />
Sie fühlte sich jetzt schon entwurzelt. Verloren im Dazwischen – zwischen dem, was gewesen war, und dem, was vielleicht kommen mochte. Der Gedanke, erneut aufbrechen zu müssen, ließ einen leisen Schmerz in ihr aufsteigen – keinen greifbaren, keinen, der sich in Worte fassen ließ. Es war ein Ziehen, das wie Kälte unter die Haut kroch, sich festsetzte, ohne laut zu klagen. <br />
Immer wieder drängte sich dazwischen ein anderer Impuls: zurückzugehen. Zurück nach Rabenrast. Ein Ort, so unbedeutend, dass nicht einmal eine Karte sich seiner erinnerte. Nur ein paar Häuser, geduckt unter dem Wind, in einem Tal, das niemand suchte. Und dennoch – es war Heimat gewesen. Ein armseliges Stück Welt vielleicht, aber ein Stück, das ihr gehörte. Der Gedanke, dorthin zurückzukehren, war wie ein Flüstern, das immer dann lauter wurde, wenn das Jetzt zu brüchig wurde. Wenn das Morgen zu ungewiss schien.<br />
<br />
Sie musste an Eydís denken. An ihre Freundin, deren Stärke so leise war, dass man sie leicht übersehen konnte – und doch unübersehbar war, wenn man genau hinsah.<br />
<br />
Eine Spur Verzweiflung legte sich in Sannas Gedanken, während sie sich fragte, wie es der Hebamme erging. Ob ihr Mann sie wieder geschlagen hatte. Ob er sie erniedrigte, wie er es so oft getan hatte – mit Worten, mit Händen, mit Schweigen. Oder ob Eydís einen dieser seltenen Tage hatte, an denen sie durchhielt, unbeirrt, standfest, so taff wie immer. Sanna kannte keine mutigere Frau. Und gleichzeitig war Eydís ihr größtes Mahnmal gewesen.<br />
So hart es klang – sie hatte nie so leben wollen wie sie. Nie in einem Haus gefangen sein, mit einem Mann, der sich das Recht nahm sie zu schlagen, weil er glaubte, es stünde ihm zu. Nie behandelt werden wie Dreck, nur weil man ein Kind hatte, das nicht aus einer Ehe stammte. Eydís hatte all das ertragen. Vielleicht war es das, was sie so stark machte. Vielleicht war es aber auch das, was sie so gebrochen hatte. <br />
<br />
Sanna betrachtete den Talisman in ihrer Hand, ließ die Finger über die vertrauten Einkerbungen gleiten – und seufzte leise. Nicht nur Eydís fand immer wieder ihren Weg in ihre Gedanken. Auch Veith war da. Oft. Sie hatte versucht, ihn aus ihrem Herzen zu verbannen. Hatte sich wochenlang bemüht, jeden Gedanken an ihn zu verdrängen, ihn zu übertönen mit der Wut, die sie im Frühlingsland so erschreckend fest im Griff gehabt hatte. Oder mit der Verzweiflung, die gleich dahinter lauerte.<br />
Sanna wollte nicht fühlen, was sie fühlte. Wollte diesen feinen, nagenden Schmerz nicht spüren, der sich wie ein Schatten zwischen die Tage legte – gepaart mit einer Sehnsucht, die sie nachts wach hielt und tagsüber jeden klaren Gedanken vernebelte. Sie spürte ihn noch immer. Die Spur seiner Lippen auf ihrer Haut. Den Druck seiner Hände an ihrer Taille. Das tiefe, still gewordene Gefühl von Geborgenheit, als sie sich in seine Nähe hatte fallen lassen – für diesen einen, kostbaren Moment, der sich nun so fern und doch so nah anfühlte.<br />
<br />
Sie wandte den Blick kurz zu Valda, die völlig in ihrer kleinen Welt versunken war. Ein Teil von ihr beneidete dieses kindliche Vertrauen, dass die Welt – selbst in Momenten wie diesen – einfach weiterging. <br />
<br />
Sanna hörte Schritte auf dem Flur und fädelte das Lederband durch die Öse des <a href="https://into-oblivion.de/grafiken/RPG/facingthestorm/Talisman_Tyra.png" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Talismans</a>. Die Schritte klangen nach Tyra. In den vergangenen Wochen hatte sie sich so sehr an diese Frau gewöhnt, dass der Gedanke, sie wieder gehen zu lassen, schwer auf ihr lag. Tyra war auf ihre ganz eigene Weise eine sanfte Seele – verborgen hinter rauer Fassade und einer Mauer, die sie vor der Welt schützte. Sanna hatte sie durchschaut. Zumindest glaubte sie das. Sie sah es, wenn Tyra mit Valda sprach, wie sich ihr Blick weicher, ihre Bewegungen bedachter formten. Doch so sehr sie sich an sie gewöhnt hatte, Sanna spürte, dass sich ihre Wege bald trennen würden.<br />
Sie hatte es schon vorher bemerkt – in kleinen Gesten, in einer rastlosen Stille zwischen zwei Gesprächen. Tyra war eine Söldnerin. Menschen wie sie zogen weiter. In den Krieg, in ferne Länder, in neue Aufträge. Nicht für Ruhm. Für Gold. Und vielleicht auch, um dem eigenen Herzen immer ein Stück voraus zu sein.<br />
<br />
Sie drehte sich um, als die Tür aufschwang, und ihre Augen trafen auf Tyra. Die wenig Ältere wirkte wie immer – gerade, kühl, mit diesem Blick, der mehr sah, als er je preisgab. Sanna musterte sie für einen Moment. Die scharfen Konturen ihres Gesichts, die Härte in ihren Zügen – so gegensätzlich zu ihrer eigenen weichen Art. Und doch war es genau diese Rauheit gewesen, an der sich ihre Sanftheit festgebissen hatte, wie zwei Pole, die nicht voneinander ließen. Gegensätze, die sich berührten, manchmal stießen, doch nie ganz voneinander ließen.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Tante Tyra!"</span>, Valdas Stimme hallte durch den Raum, hell und unbedarft, wie nur Kinder sie tragen konnten – mit einer Freude, die jede Schwere durchbrach. Sanna konnte nicht anders, als schwach zu lächeln, fast schon erleichtert über diesen kurzen Moment der Unschuld. Und auch auf Tyras Gesicht zuckte ein Ausdruck, der fast etwas Weiches hatte – kaum merklich, aber für jene, die sie kannten, deutlich. Valda hüpfte vom Bett, die Holzfigur noch in der Hand, und stürmte auf Tyra zu, als sei ihre Heldin zurückgekehrt. Oder ihre Wölfin. Sannas Blick glitt noch einmal zu dem Talisman, dann stand sie auf. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Und hast du etwas gehört?"</span>, vom Krieg, von der Nachricht an die Söldner...]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Valda saß auf dem Bett, die Beine überkreuzt, das Kinn leicht gesenkt, während sie konzentriert mit einer kleinen Holzfigur spielte. Ein Pferd – rau gearbeitet, aber geliebt. Ihre Finger führten es über die Decke, ließen es springen, galoppieren, innehalten. Sanna legte das kleine Schnitzmesser zur Seite und musterte ihr eigenes Werk mit kritischem Blick. Nicht vollkommen, aber solide. Es hatte etwas Tröstliches, wieder mit den Händen zu arbeiten. Die feinen Holzspäne zu spüren, das kontrollierte Ziehen der Klinge, das langsame Entstehen von etwas Greifbarem.<br />
Gedanken hielten sie dabei selten auf, doch heute drängten sie sich auf. Charles Stafford suchte Söldner. Für eine bevorstehende Schlacht. Sie hatte nie einen Krieg erlebt. Nicht wirklich. Nur die Geschichten gehört – und von den Spuren, die er hinterließ. Auf Land, in Menschen. Sanna spürte, wie sich etwas in ihrer Brust zusammenzog. Wieder Unsicherheit. Wieder der Gedanke, dass das Frühlingsland nur ein Zwischenhalt sein könnte. Eine weitere Station, an der man Wurzeln nur bis zur nächsten Entscheidung treiben ließ.<br />
<br />
Sie fühlte sich jetzt schon entwurzelt. Verloren im Dazwischen – zwischen dem, was gewesen war, und dem, was vielleicht kommen mochte. Der Gedanke, erneut aufbrechen zu müssen, ließ einen leisen Schmerz in ihr aufsteigen – keinen greifbaren, keinen, der sich in Worte fassen ließ. Es war ein Ziehen, das wie Kälte unter die Haut kroch, sich festsetzte, ohne laut zu klagen. <br />
Immer wieder drängte sich dazwischen ein anderer Impuls: zurückzugehen. Zurück nach Rabenrast. Ein Ort, so unbedeutend, dass nicht einmal eine Karte sich seiner erinnerte. Nur ein paar Häuser, geduckt unter dem Wind, in einem Tal, das niemand suchte. Und dennoch – es war Heimat gewesen. Ein armseliges Stück Welt vielleicht, aber ein Stück, das ihr gehörte. Der Gedanke, dorthin zurückzukehren, war wie ein Flüstern, das immer dann lauter wurde, wenn das Jetzt zu brüchig wurde. Wenn das Morgen zu ungewiss schien.<br />
<br />
Sie musste an Eydís denken. An ihre Freundin, deren Stärke so leise war, dass man sie leicht übersehen konnte – und doch unübersehbar war, wenn man genau hinsah.<br />
<br />
Eine Spur Verzweiflung legte sich in Sannas Gedanken, während sie sich fragte, wie es der Hebamme erging. Ob ihr Mann sie wieder geschlagen hatte. Ob er sie erniedrigte, wie er es so oft getan hatte – mit Worten, mit Händen, mit Schweigen. Oder ob Eydís einen dieser seltenen Tage hatte, an denen sie durchhielt, unbeirrt, standfest, so taff wie immer. Sanna kannte keine mutigere Frau. Und gleichzeitig war Eydís ihr größtes Mahnmal gewesen.<br />
So hart es klang – sie hatte nie so leben wollen wie sie. Nie in einem Haus gefangen sein, mit einem Mann, der sich das Recht nahm sie zu schlagen, weil er glaubte, es stünde ihm zu. Nie behandelt werden wie Dreck, nur weil man ein Kind hatte, das nicht aus einer Ehe stammte. Eydís hatte all das ertragen. Vielleicht war es das, was sie so stark machte. Vielleicht war es aber auch das, was sie so gebrochen hatte. <br />
<br />
Sanna betrachtete den Talisman in ihrer Hand, ließ die Finger über die vertrauten Einkerbungen gleiten – und seufzte leise. Nicht nur Eydís fand immer wieder ihren Weg in ihre Gedanken. Auch Veith war da. Oft. Sie hatte versucht, ihn aus ihrem Herzen zu verbannen. Hatte sich wochenlang bemüht, jeden Gedanken an ihn zu verdrängen, ihn zu übertönen mit der Wut, die sie im Frühlingsland so erschreckend fest im Griff gehabt hatte. Oder mit der Verzweiflung, die gleich dahinter lauerte.<br />
Sanna wollte nicht fühlen, was sie fühlte. Wollte diesen feinen, nagenden Schmerz nicht spüren, der sich wie ein Schatten zwischen die Tage legte – gepaart mit einer Sehnsucht, die sie nachts wach hielt und tagsüber jeden klaren Gedanken vernebelte. Sie spürte ihn noch immer. Die Spur seiner Lippen auf ihrer Haut. Den Druck seiner Hände an ihrer Taille. Das tiefe, still gewordene Gefühl von Geborgenheit, als sie sich in seine Nähe hatte fallen lassen – für diesen einen, kostbaren Moment, der sich nun so fern und doch so nah anfühlte.<br />
<br />
Sie wandte den Blick kurz zu Valda, die völlig in ihrer kleinen Welt versunken war. Ein Teil von ihr beneidete dieses kindliche Vertrauen, dass die Welt – selbst in Momenten wie diesen – einfach weiterging. <br />
<br />
Sanna hörte Schritte auf dem Flur und fädelte das Lederband durch die Öse des <a href="https://into-oblivion.de/grafiken/RPG/facingthestorm/Talisman_Tyra.png" target="_blank" rel="noopener" class="mycode_url">Talismans</a>. Die Schritte klangen nach Tyra. In den vergangenen Wochen hatte sie sich so sehr an diese Frau gewöhnt, dass der Gedanke, sie wieder gehen zu lassen, schwer auf ihr lag. Tyra war auf ihre ganz eigene Weise eine sanfte Seele – verborgen hinter rauer Fassade und einer Mauer, die sie vor der Welt schützte. Sanna hatte sie durchschaut. Zumindest glaubte sie das. Sie sah es, wenn Tyra mit Valda sprach, wie sich ihr Blick weicher, ihre Bewegungen bedachter formten. Doch so sehr sie sich an sie gewöhnt hatte, Sanna spürte, dass sich ihre Wege bald trennen würden.<br />
Sie hatte es schon vorher bemerkt – in kleinen Gesten, in einer rastlosen Stille zwischen zwei Gesprächen. Tyra war eine Söldnerin. Menschen wie sie zogen weiter. In den Krieg, in ferne Länder, in neue Aufträge. Nicht für Ruhm. Für Gold. Und vielleicht auch, um dem eigenen Herzen immer ein Stück voraus zu sein.<br />
<br />
Sie drehte sich um, als die Tür aufschwang, und ihre Augen trafen auf Tyra. Die wenig Ältere wirkte wie immer – gerade, kühl, mit diesem Blick, der mehr sah, als er je preisgab. Sanna musterte sie für einen Moment. Die scharfen Konturen ihres Gesichts, die Härte in ihren Zügen – so gegensätzlich zu ihrer eigenen weichen Art. Und doch war es genau diese Rauheit gewesen, an der sich ihre Sanftheit festgebissen hatte, wie zwei Pole, die nicht voneinander ließen. Gegensätze, die sich berührten, manchmal stießen, doch nie ganz voneinander ließen.<br />
<span style="font-style: italic;" class="mycode_i">"Tante Tyra!"</span>, Valdas Stimme hallte durch den Raum, hell und unbedarft, wie nur Kinder sie tragen konnten – mit einer Freude, die jede Schwere durchbrach. Sanna konnte nicht anders, als schwach zu lächeln, fast schon erleichtert über diesen kurzen Moment der Unschuld. Und auch auf Tyras Gesicht zuckte ein Ausdruck, der fast etwas Weiches hatte – kaum merklich, aber für jene, die sie kannten, deutlich. Valda hüpfte vom Bett, die Holzfigur noch in der Hand, und stürmte auf Tyra zu, als sei ihre Heldin zurückgekehrt. Oder ihre Wölfin. Sannas Blick glitt noch einmal zu dem Talisman, dann stand sie auf. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Und hast du etwas gehört?"</span>, vom Krieg, von der Nachricht an die Söldner...]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
</rss>