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		<title><![CDATA[Facing the Storm - Oktober 1016 NDV]]></title>
		<link>https://facingthestorm.de/</link>
		<description><![CDATA[Facing the Storm - https://facingthestorm.de]]></description>
		<pubDate>Sun, 21 Jun 2026 10:21:03 +0000</pubDate>
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		<item>
			<title><![CDATA[why do I feel like I deserve this?]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=877</link>
			<pubDate>Thu, 28 May 2026 17:17:21 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=185">Moira Fraser</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<center><div style="width:600px; text-align:justify;">
<img src="https://i.postimg.cc/nzGCP7k3/3.gif" style="float:left; width:250px; height:150px; border:2px solid #000; margin:0 15px 1px 00; display:block;"> Nachdem ihr Vater ihr eröffnet hatte, dass sie und Niamh nicht bei diesem Essen dabei sein würden am heutigen Abend, hatte sie diverse Türen knallen lassen und war schließlich mit wehendem Rock aus der Festung gestürmt. Natürlich nicht in der Absicht wegzulaufen, aber sie musste den Kopf frei bekommen und sie wollte weder ihren Vater noch Maebh sehen. Also war sie dahin gegangen, wo es sie eigentlich immer hintrieb, wenn sie all das hinter sich lassen wollte: zum Hafen. <br />
<br />
Sie war zu spät, um den ganz frühen Trubel mitzubekommen. Die Zeit, in der die meisten Leute noch in ihren Betten lagen und der Hafen schon zum Leben erwacht war, weil die ersten Fischer sich aufs Meer wagten. Sie mochte das gerne. Aber am Hafen war immer etwas los und sie war seit dem Mittag hier und hatte einige Schiffe beim An- und Ablegen beobachtet, Hafenarbeiter, die Kisten und Fässer transportierten und manchmal hatte sie einfach nur die Augen geschlossen, um all den Geräuschen hier zu lauschen. Das Zusammenspiel aus der peitschenden See und den Rufen der Hafenarbeiter war eine Mischung, die ihr Entspannung brachte. <br />
<br />
Sie konnte nicht verhindern, dass sie trotzdem nachdachte. Sie hatte gehofft, dass sie sich nach und nach weniger ärgern würden, aber es war eher der Gegenteil der Fall. Umso länger sie darüber nachdachte, desto weniger verstand sie, wieso ihr Vater diese Entscheidung getroffen hatte. Angefangen damit, dass Cathal eine Frau verdient hatte, die er liebte und die ihn liebte. Aber das war ja leider etwas, das eben genau so funktionierte. Man heiratete nicht aus Liebe. Man heiratete, weil es sich für die Eltern lohnen sollte. Finanziell oder politisch oder Beides. Und das widerum erinnerte sie daran, dass sie auch irgendwann dran sein würde. Sicherlich nicht heute oder morgen, aber irgendwann eben. Und auch das gefiel ihr nicht. Heute war einfach kein guter Tag. Sie war frustriert, traurig, wütend und sie fühlte sich verraten und abgeschoben von ihrem Vater. Und auf Maebh war sie ohnehin immer sauer. Vielleicht sollte sie sich einfach auf eines dieser Schiffe schleichen und in eine der weit entfernten Städte reisen. Aber Moira mochte zwar jung sein, sie war aber nicht dumm. Sie wusste, dass dort auch nicht alles besser sein würde. Und vermutlich hätte sie Heimweh. Das wollte sie auch nicht.<br />
<div style="clear:both;"></div>
<br />
</div></center>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<center><div style="width:600px; text-align:justify;">
<img src="https://i.postimg.cc/nzGCP7k3/3.gif" style="float:left; width:250px; height:150px; border:2px solid #000; margin:0 15px 1px 00; display:block;"> Nachdem ihr Vater ihr eröffnet hatte, dass sie und Niamh nicht bei diesem Essen dabei sein würden am heutigen Abend, hatte sie diverse Türen knallen lassen und war schließlich mit wehendem Rock aus der Festung gestürmt. Natürlich nicht in der Absicht wegzulaufen, aber sie musste den Kopf frei bekommen und sie wollte weder ihren Vater noch Maebh sehen. Also war sie dahin gegangen, wo es sie eigentlich immer hintrieb, wenn sie all das hinter sich lassen wollte: zum Hafen. <br />
<br />
Sie war zu spät, um den ganz frühen Trubel mitzubekommen. Die Zeit, in der die meisten Leute noch in ihren Betten lagen und der Hafen schon zum Leben erwacht war, weil die ersten Fischer sich aufs Meer wagten. Sie mochte das gerne. Aber am Hafen war immer etwas los und sie war seit dem Mittag hier und hatte einige Schiffe beim An- und Ablegen beobachtet, Hafenarbeiter, die Kisten und Fässer transportierten und manchmal hatte sie einfach nur die Augen geschlossen, um all den Geräuschen hier zu lauschen. Das Zusammenspiel aus der peitschenden See und den Rufen der Hafenarbeiter war eine Mischung, die ihr Entspannung brachte. <br />
<br />
Sie konnte nicht verhindern, dass sie trotzdem nachdachte. Sie hatte gehofft, dass sie sich nach und nach weniger ärgern würden, aber es war eher der Gegenteil der Fall. Umso länger sie darüber nachdachte, desto weniger verstand sie, wieso ihr Vater diese Entscheidung getroffen hatte. Angefangen damit, dass Cathal eine Frau verdient hatte, die er liebte und die ihn liebte. Aber das war ja leider etwas, das eben genau so funktionierte. Man heiratete nicht aus Liebe. Man heiratete, weil es sich für die Eltern lohnen sollte. Finanziell oder politisch oder Beides. Und das widerum erinnerte sie daran, dass sie auch irgendwann dran sein würde. Sicherlich nicht heute oder morgen, aber irgendwann eben. Und auch das gefiel ihr nicht. Heute war einfach kein guter Tag. Sie war frustriert, traurig, wütend und sie fühlte sich verraten und abgeschoben von ihrem Vater. Und auf Maebh war sie ohnehin immer sauer. Vielleicht sollte sie sich einfach auf eines dieser Schiffe schleichen und in eine der weit entfernten Städte reisen. Aber Moira mochte zwar jung sein, sie war aber nicht dumm. Sie wusste, dass dort auch nicht alles besser sein würde. Und vermutlich hätte sie Heimweh. Das wollte sie auch nicht.<br />
<div style="clear:both;"></div>
<br />
</div></center>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Double, double... toil and trouble]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=861</link>
			<pubDate>Fri, 15 May 2026 17:12:41 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=170">Maebh Fraser</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=861</guid>
			<description><![CDATA[Ihre Nacht war ohnehin kurz gewesen. Das Gespräch mit Yue hing ihr noch nach, aber sie hatte dafür jetzt keine Zeit. Sie hatte auch keine Zeit, sich jetzt schon mit Eanruig zu unterhalten. Und sie hatte keine Zeit, um sich jetzt Sorgen zu machen. Das Muírín krank war, kam einer Katastrophe gleich und wenn sie den schnell herbeigeholten Heilkundigen richtig verstand, so war auch so schnell sicher keine Besserung in Sicht. Sie würde die Sache durchstehen müssen und danach musste sie langsam anfangen und sollte sich nicht überanstrengen. Und auch jetzt empfahl der Heilkundige Ruhe. Keine Reise. Keine Hochzeit. Kein Stress.<br />
Das bedeutete, dass sie nicht nur ein wenig erkältet war. Nein nein, das bedeutete, dass aus einem einzigen Satz ein reales und organisatorisches Chaos wurde.<br />
Die Hochzeit musste verschoben werden.<br />
Alleind er Gedanke sorgte dafür, dass sich Spannung zwischen ihren Schulterblättern festsetzte. Nicht einmal wegen der Arbeit an sich. Arbeiten konnte sie. Und die Struktur war es auch nicht. Aber eine verschobene Vermählung bedeutete unzählige Gespräche, enttäuschte Gäste, beleidigte Familien, Gerüche, Unsicherheiten und viele Menschen, die plötzlich Antworten erwarteten, die sie selbst noch nicht vollständig hatte. Und deshalb würde sie jetzt auch mit Moira sprechen müssen. <br />
Allein dieser Gedanke ließ ihr den Magen unangenehm schwer werden. Aber es brachte alles nichts. Sie musste da jetzt durch und ihre Füße hatten sie ohnehin bereits wie von selbst zu den Gemächern der jungen Frau getragen, die sich zweifelsohne sicher bereits für die Hochzeit fertig machen würde. <br />
Fahrig strich die Fürstin sich über den Rock. Nicht, weil der irgendwie unordentlich war. Maebh sah nie unordentlich aus. Viel mehr, weil sie nervös war und einen Moment brauchte, um ihre Fingerknöchel gegen die Tür klopfen zu lassen, ehe sie diese aufschob und nach drinnen trat. In der Tat war Moira bereits dabei, sich von ihren beiden Zofen hübsch machen zu lassen.<br />
Sie bekam das hin. Freundlich. Ruhig. Klar. Verbindlich.<br />
<br />
«Guten Morgen, Moira. Es ist gut, dass du schon auf den Beinen bist», begann sie und schloss die Tür hinter sich. «Aber ich bringe leider keine guten Neuigkeiten. Muírín ist leider schwer erkrankt und der Heilkundige schließt es aus, dass sie den Strapazen einer Hochzeit stand halten könnte. Es ist nicht so ernst, dass wir uns Sorgen machen müssen. Aber ernst genug, dass sie Ruhe braucht. Wir werden die Hochzeit also verschieben müssen. Ich möchte, dass du dich jetzt fertig anziehst und mich dann begleitest.»<br />
Sie hatte die Finger leicht vor sich verschränkt und sah Moira freundlich an, während sie den Kopf leicht neigte.<br />
«Die ersten Vorbereitungen laufen ohnehin schon seit Wochen. Gäste sind bereits angereist oder kommen im Laufe des Vormittags an. Wir müssen also Nachrichten und Boten schicken, die Gäste informieren, die bereits da sind und alles weitere koordinieren. Unter Umständen müssen die Unterkünfte für die Gäste dennoch bereitgestellt werden und sie müssen auch verköstigt und angemessen empfangen werden. Das gebietet schon die Gastfreundschaft.»<br />
Sie schaffte ein schiefes Lächeln und verdrängte das ungute Gefühl, dass dieses Gespräch gerade in ihr auslöste. <br />
«Die Familie braucht dich gerade, Moria. Ich brauche dich. Ich weiß, dass du mich nicht magst. Ich verstehe und akzeptiere das. Aber für den Moment sollten wir unsere Differenzen beiseite legen und tun, was wir können, um diese Situation halbwegs im Griff zu behalten.»<br />
Und irgendjemand musste mit ihrer Stiefmutter sprechen. Aber das würde sie vermutlich selbst erledigen und Moira würde es auch noch mitbekommen. Fantastisch.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Ihre Nacht war ohnehin kurz gewesen. Das Gespräch mit Yue hing ihr noch nach, aber sie hatte dafür jetzt keine Zeit. Sie hatte auch keine Zeit, sich jetzt schon mit Eanruig zu unterhalten. Und sie hatte keine Zeit, um sich jetzt Sorgen zu machen. Das Muírín krank war, kam einer Katastrophe gleich und wenn sie den schnell herbeigeholten Heilkundigen richtig verstand, so war auch so schnell sicher keine Besserung in Sicht. Sie würde die Sache durchstehen müssen und danach musste sie langsam anfangen und sollte sich nicht überanstrengen. Und auch jetzt empfahl der Heilkundige Ruhe. Keine Reise. Keine Hochzeit. Kein Stress.<br />
Das bedeutete, dass sie nicht nur ein wenig erkältet war. Nein nein, das bedeutete, dass aus einem einzigen Satz ein reales und organisatorisches Chaos wurde.<br />
Die Hochzeit musste verschoben werden.<br />
Alleind er Gedanke sorgte dafür, dass sich Spannung zwischen ihren Schulterblättern festsetzte. Nicht einmal wegen der Arbeit an sich. Arbeiten konnte sie. Und die Struktur war es auch nicht. Aber eine verschobene Vermählung bedeutete unzählige Gespräche, enttäuschte Gäste, beleidigte Familien, Gerüche, Unsicherheiten und viele Menschen, die plötzlich Antworten erwarteten, die sie selbst noch nicht vollständig hatte. Und deshalb würde sie jetzt auch mit Moira sprechen müssen. <br />
Allein dieser Gedanke ließ ihr den Magen unangenehm schwer werden. Aber es brachte alles nichts. Sie musste da jetzt durch und ihre Füße hatten sie ohnehin bereits wie von selbst zu den Gemächern der jungen Frau getragen, die sich zweifelsohne sicher bereits für die Hochzeit fertig machen würde. <br />
Fahrig strich die Fürstin sich über den Rock. Nicht, weil der irgendwie unordentlich war. Maebh sah nie unordentlich aus. Viel mehr, weil sie nervös war und einen Moment brauchte, um ihre Fingerknöchel gegen die Tür klopfen zu lassen, ehe sie diese aufschob und nach drinnen trat. In der Tat war Moira bereits dabei, sich von ihren beiden Zofen hübsch machen zu lassen.<br />
Sie bekam das hin. Freundlich. Ruhig. Klar. Verbindlich.<br />
<br />
«Guten Morgen, Moira. Es ist gut, dass du schon auf den Beinen bist», begann sie und schloss die Tür hinter sich. «Aber ich bringe leider keine guten Neuigkeiten. Muírín ist leider schwer erkrankt und der Heilkundige schließt es aus, dass sie den Strapazen einer Hochzeit stand halten könnte. Es ist nicht so ernst, dass wir uns Sorgen machen müssen. Aber ernst genug, dass sie Ruhe braucht. Wir werden die Hochzeit also verschieben müssen. Ich möchte, dass du dich jetzt fertig anziehst und mich dann begleitest.»<br />
Sie hatte die Finger leicht vor sich verschränkt und sah Moira freundlich an, während sie den Kopf leicht neigte.<br />
«Die ersten Vorbereitungen laufen ohnehin schon seit Wochen. Gäste sind bereits angereist oder kommen im Laufe des Vormittags an. Wir müssen also Nachrichten und Boten schicken, die Gäste informieren, die bereits da sind und alles weitere koordinieren. Unter Umständen müssen die Unterkünfte für die Gäste dennoch bereitgestellt werden und sie müssen auch verköstigt und angemessen empfangen werden. Das gebietet schon die Gastfreundschaft.»<br />
Sie schaffte ein schiefes Lächeln und verdrängte das ungute Gefühl, dass dieses Gespräch gerade in ihr auslöste. <br />
«Die Familie braucht dich gerade, Moria. Ich brauche dich. Ich weiß, dass du mich nicht magst. Ich verstehe und akzeptiere das. Aber für den Moment sollten wir unsere Differenzen beiseite legen und tun, was wir können, um diese Situation halbwegs im Griff zu behalten.»<br />
Und irgendjemand musste mit ihrer Stiefmutter sprechen. Aber das würde sie vermutlich selbst erledigen und Moira würde es auch noch mitbekommen. Fantastisch.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Kriege sind einfacher als Töchter]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=857</link>
			<pubDate>Mon, 04 May 2026 22:52:48 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=171">Eanruig Fraser</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=857</guid>
			<description><![CDATA[Töchter. Manchmal waren sie schlimmer als jeder Kampf, vielleicht sogar schlimmer als jeder Krieg, und vor allem, wenn man sich einer gegenübersah, deren inneres Feuer so heiß brannte, dass selbst nur ein Blick darauf zu Verbrennungen führen konnte. Und trotz alledem konnte er es nicht weiter aufschieben, dieses Gespräch mit ihr, um das Feuer zu einer Glut herunterbrennen zu lassen oder sich daran zu verbrennen … nicht, wenn in kaum mehr als einem Tag Hochzeit gefeiert werden sollte und sie dort zusammenstehen mussten als Familie. Einer Familie, zu der auch Moira gehörte, seine Wilde, seine Ungezähmte, die in ihm, wann immer er sie ansah, einen Schmerz entstehen ließ, der mit nichts zu vergleichen war, was er jemals erlebt hatte. Einen Schmerz, der seit acht Jahren zu einer stetigen Konstante geworden war. Eine Konstante, die vielleicht nie vergehen würde, weil das Loch, aus dem sie entstanden war, niemals mehr gefüllt werden konnte, ganz gleich, wie viel Garn und Flicken er dafür auch verwenden würde, weil diejenige, die es geschlagen hatte, fort war. Für immer. Ein Gedanke an Áinfean schmerzte noch immer und so schmerzte auch der Anblick von Moira stets auf eine ganz besondere Weise, weil er sie in ihr wiedersah. Tag ein, Tag aus erkannte er seine verstorbene Frau in ihr und all das machte es manchmal nicht einfach, nein, wahrlich nicht. Vor allem zum Anfang hatte er kaum den Blick auf sie richten können, ohne erneut von den Wellen der Trauer ergriffen zu werden, von dem Sog, der drohte, ihn hinabzuziehen dorthin, wo es kalt und still war und nur das Nichts wartete. Es war besser geworden, mit der Zeit, und sicherlich hatte auch Maebh ihren Teil dazu beigetragen. Die Frau, die er doch nicht gewollt, aber nun an seiner Seite hatte und die mehr war, als er jemals geglaubt hatte, und die ihn anders, aber umso viel tiefer berührte, als Áinfean es jemals getan hatte.<br />
<br />
Doch trotz alledem würde er mit Moira sprechen müssen, mit seiner brennenden, seiner ungestümen Moira, die ihn vielleicht noch früher zur Mutter bringen würde, als er es sollte, vor allem dann, wenn es darum gehen würde, ihr einen Ehemann zu suchen, und ja … vielleicht wäre es dafür gut, wäre Áinfean noch da, um die Wogen zu glätten und ihm beizustehen bei diesem Kampf, diesem Krieg, der wahrlich ausbrechen würde, aber dies … dies war nicht mehr möglich und in diesem Augenblick nicht der Grund, warum er sich auf den Weg zu der jungen Frau gemacht hatte. Sondern um mit ihr das Gespräch zu suchen und in der Hoffnung, die Wogen zu glätten für den morgigen Tag, für die Hochzeit, die die Feste bereits summen ließ wie einen hungrigen Schwarm Bienen und die eigentlich ein Freudentag werden sollte und in Eanruigs Bauch doch ein unruhiges Gefühl entstehen ließ, das unweigerlich von Sorge herrührte und dem bitteren Geschmack der Schuld.<br />
<br />
Er war bestrebt, darin gewesen, Moira in ihrem Zimmer aufzusuchen, dort um das wohl schon viel zu lang ausstehende Gespräch zu bitten, aber ihre Türe hatte offen gestanden und die junge Frau war darin nicht auszumachen gewesen. Eanruig hatte dies fast schon erwartet, wusste er doch um Moiras Bestreben, nach draußen zu fliehen, wenn sie etwas beschäftigte, sei es, um wahrlich kaum damenhaft sich in dem Geäst der alten Bäume im Garten einen Platz zu suchen, oder aber ihren Weg an den Hafen zu finden oder gar an den Strand. Schlug sie dahingegen doch wahrlich unweigerlich nach ihm selbst, suchte Einsamkeit und Stille in dem Antlitz der niemals endenden Wellen und dem Rauschen, das sie mit sich brachten. Somit führte ihn sein Weg durch die Flure und Gänge der Feste bis hinaus in den Garten, der von zwei Seiten von hohen Mauern umgeben war, aber trotz alledem von einer Seite mit einem Blick, der über die Klippen erbaut worden war. Dorthin, wo einige wenige Bäume standen, so alt, dass sie bereits so groß und mächtig gewesen waren wie jetzt, als Eanruig selbst noch ein Junge gewesen war. Ihre Kronen waren windschief, die Äste streckten sich zur Feste hin aufgrund der vielen Jahre unter den stetigen Winden und Stürmen von Kenmara. Dort zwischen dem Geäst konnte er die Gestalt von Moira ausmachen, seiner brennenden, seiner wilden Moira, die alles und nichts war, mit der er als Tochter jemals gerechnet hatte. Wahrlich. <br />
<br />
Eanruig trat langsam näher, die Hände locker hinter dem Rücken zusammenhaltend, die Schultern in einer festen, nie wankenden Linie gerade zurückgezogen und den Blick doch nur halb auf die junge Frau gerichtet, die dort im Geäst saß wie ein Vogel in seinem Nest. Er schwieg mehr als einen Augenblick, bis er schließlich das Wort ergriff:<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> „Irgendwann wirst du herunterkommen müssen … außer du hast vor, dort Teil des Geästes zu werden“</span>, sprach er mit ruhiger, sanfter Stimme aus, den Blick auf die junge Frau gerichtet, die er Tochter nannte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Töchter. Manchmal waren sie schlimmer als jeder Kampf, vielleicht sogar schlimmer als jeder Krieg, und vor allem, wenn man sich einer gegenübersah, deren inneres Feuer so heiß brannte, dass selbst nur ein Blick darauf zu Verbrennungen führen konnte. Und trotz alledem konnte er es nicht weiter aufschieben, dieses Gespräch mit ihr, um das Feuer zu einer Glut herunterbrennen zu lassen oder sich daran zu verbrennen … nicht, wenn in kaum mehr als einem Tag Hochzeit gefeiert werden sollte und sie dort zusammenstehen mussten als Familie. Einer Familie, zu der auch Moira gehörte, seine Wilde, seine Ungezähmte, die in ihm, wann immer er sie ansah, einen Schmerz entstehen ließ, der mit nichts zu vergleichen war, was er jemals erlebt hatte. Einen Schmerz, der seit acht Jahren zu einer stetigen Konstante geworden war. Eine Konstante, die vielleicht nie vergehen würde, weil das Loch, aus dem sie entstanden war, niemals mehr gefüllt werden konnte, ganz gleich, wie viel Garn und Flicken er dafür auch verwenden würde, weil diejenige, die es geschlagen hatte, fort war. Für immer. Ein Gedanke an Áinfean schmerzte noch immer und so schmerzte auch der Anblick von Moira stets auf eine ganz besondere Weise, weil er sie in ihr wiedersah. Tag ein, Tag aus erkannte er seine verstorbene Frau in ihr und all das machte es manchmal nicht einfach, nein, wahrlich nicht. Vor allem zum Anfang hatte er kaum den Blick auf sie richten können, ohne erneut von den Wellen der Trauer ergriffen zu werden, von dem Sog, der drohte, ihn hinabzuziehen dorthin, wo es kalt und still war und nur das Nichts wartete. Es war besser geworden, mit der Zeit, und sicherlich hatte auch Maebh ihren Teil dazu beigetragen. Die Frau, die er doch nicht gewollt, aber nun an seiner Seite hatte und die mehr war, als er jemals geglaubt hatte, und die ihn anders, aber umso viel tiefer berührte, als Áinfean es jemals getan hatte.<br />
<br />
Doch trotz alledem würde er mit Moira sprechen müssen, mit seiner brennenden, seiner ungestümen Moira, die ihn vielleicht noch früher zur Mutter bringen würde, als er es sollte, vor allem dann, wenn es darum gehen würde, ihr einen Ehemann zu suchen, und ja … vielleicht wäre es dafür gut, wäre Áinfean noch da, um die Wogen zu glätten und ihm beizustehen bei diesem Kampf, diesem Krieg, der wahrlich ausbrechen würde, aber dies … dies war nicht mehr möglich und in diesem Augenblick nicht der Grund, warum er sich auf den Weg zu der jungen Frau gemacht hatte. Sondern um mit ihr das Gespräch zu suchen und in der Hoffnung, die Wogen zu glätten für den morgigen Tag, für die Hochzeit, die die Feste bereits summen ließ wie einen hungrigen Schwarm Bienen und die eigentlich ein Freudentag werden sollte und in Eanruigs Bauch doch ein unruhiges Gefühl entstehen ließ, das unweigerlich von Sorge herrührte und dem bitteren Geschmack der Schuld.<br />
<br />
Er war bestrebt, darin gewesen, Moira in ihrem Zimmer aufzusuchen, dort um das wohl schon viel zu lang ausstehende Gespräch zu bitten, aber ihre Türe hatte offen gestanden und die junge Frau war darin nicht auszumachen gewesen. Eanruig hatte dies fast schon erwartet, wusste er doch um Moiras Bestreben, nach draußen zu fliehen, wenn sie etwas beschäftigte, sei es, um wahrlich kaum damenhaft sich in dem Geäst der alten Bäume im Garten einen Platz zu suchen, oder aber ihren Weg an den Hafen zu finden oder gar an den Strand. Schlug sie dahingegen doch wahrlich unweigerlich nach ihm selbst, suchte Einsamkeit und Stille in dem Antlitz der niemals endenden Wellen und dem Rauschen, das sie mit sich brachten. Somit führte ihn sein Weg durch die Flure und Gänge der Feste bis hinaus in den Garten, der von zwei Seiten von hohen Mauern umgeben war, aber trotz alledem von einer Seite mit einem Blick, der über die Klippen erbaut worden war. Dorthin, wo einige wenige Bäume standen, so alt, dass sie bereits so groß und mächtig gewesen waren wie jetzt, als Eanruig selbst noch ein Junge gewesen war. Ihre Kronen waren windschief, die Äste streckten sich zur Feste hin aufgrund der vielen Jahre unter den stetigen Winden und Stürmen von Kenmara. Dort zwischen dem Geäst konnte er die Gestalt von Moira ausmachen, seiner brennenden, seiner wilden Moira, die alles und nichts war, mit der er als Tochter jemals gerechnet hatte. Wahrlich. <br />
<br />
Eanruig trat langsam näher, die Hände locker hinter dem Rücken zusammenhaltend, die Schultern in einer festen, nie wankenden Linie gerade zurückgezogen und den Blick doch nur halb auf die junge Frau gerichtet, die dort im Geäst saß wie ein Vogel in seinem Nest. Er schwieg mehr als einen Augenblick, bis er schließlich das Wort ergriff:<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> „Irgendwann wirst du herunterkommen müssen … außer du hast vor, dort Teil des Geästes zu werden“</span>, sprach er mit ruhiger, sanfter Stimme aus, den Blick auf die junge Frau gerichtet, die er Tochter nannte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Von Vätern und Söhnen und Worten]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=848</link>
			<pubDate>Fri, 27 Mar 2026 23:51:10 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=171">Eanruig Fraser</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=848</guid>
			<description><![CDATA[Der Kragen seines Hemdes kratzte Ein Umstand, den es normalerweise zu beheben galt, war es doch etwas, das ihn unweigerlich stören würde. Doch hier und jetzt und mit dem Blick auf das, was noch vor ihm lag, war es etwas, das es unweigerlich zu ignorieren galt. Selbst dann, wenn es als störend empfunden wurde. Er hatte schon viel Schlimmeres überstanden als einen kratzenden Kragen, unabhängig davon, dass allein der Umstand, dass er heute die festliche Kleidung angezogen hatte, etwas war, was zu Missbilligung geführt hatte … Daran hatte auch nicht einmal die Tatsache etwas geändert, dass er laut Maebh <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">sehr gut</span> darin aussah und es ihm einen Kuss eingebracht hatte. Nur ein kleiner Trost, wenn er sich doch schrecklich aufgezogen fühlte … Er war kein Mann der prunkvollen Dinge, dies war er noch nie gewesen und er würde es wohl auch niemals sein … Auch wenn er in seiner Position als Herr der Feste dies nicht vollkommen von der Hand weisen konnte, dass er eine gewisse Wirkung nach außen zu tragen hatte. Unweigerlich und an diesem heutigen Tag noch viel mehr als an den anderen, denn heute galt es, einen Bund zwischen zwei Familien zu schließen … zwischen zwei jungen Menschen, und einer von ihnen war sein Sohn. Sein Sohn, der ihm die ganze Zeit seines Lebens ein Stirnrunzeln der Sorge auf die Stirn getrieben hatte, seitdem er ihn das erste Mal in den Armen gehalten und die Gewissheit ihn erfüllt hatte, dass sein Leben niemals das sein würde, was er selbst für ihn vorgesehen, was er ihm selbst gewünscht hatte, sondern eines voller Prüfungen und voller Hürden. Und mögen seit diesem, jenem Tag auch fünfundzwanzig Jahre vergangen sein. Fünfundzwanzig Winter. Fünfundzwanzig Sommer dahingezogen sein, so war die Sorge geblieben … und sie würde wohl auch immer bleiben, weil immer ein Zweifel bleiben würde … ganz gleich, wie klein und unbedeutend er auch immer sein mochte, er würde bleiben … stetig und immer. <br />
<br />
Sein Vorhaben, mit seinem Sohn zu sprechen … über das, was bei dem gemeinsamen Abendessen mit Maebh, ihm und Murín geschehen war, über die Worte, die er ausgesprochen hatte, und Worte zu finden, die den Beginn dieser Ehe in ein besseres Licht rücken würden … sei es auch nur ein Versuch, seine Entscheidung dahingehend Cathal darzulegen mit den Worten von Maebh. In diesem Sinn war er auf dem Weg zu Cathal gewesen. Nicht gerechnet hatte er mit dem Anblick von Maebh, die ihm entgegengekommen war, mit wehenden Röcken und einer Falte der Sorge zwischen den Augen. Ihr Gespräch war kurz gewesen, erfreulich und zum anderen ebenso sorgenbereitend Sie und Cathal hatten gesprochen, es war gut verlaufen und der bestätigende Druck ihrer Hand auf seinem Arm, das kleine Lächeln auf ihren Lippen hatte ihn schweigend nicken lassen. Doch die weiteren Worte, dass Murín erkrankt sei … ließen ihn erneut die Stirn in Falten legen. Sie würde nach ihr sehen, ihm berichten … vielleicht ginge es wieder vorbei. Ja, vielleicht. <br />
<br />
Vor der Tür des Zimmers seines Sohnes hielt er inne, mehr als einen Herzschlag … mehr als einen Moment, während er auf die dunkle Maserung der Tür blickte und sich das Gespräch mit Maebh ins Gedächtnis rief, diesen Abend vor drei vorangegangenen Tagen. Es hatte etwas in ihm wachgerüttelt, ihm die Augen geöffnet … unweigerlich und vielleicht würde dies helfen … zumindest ein wenig. Er hob die Hand und schlug die Fingerknöchel der rechten Hand gegen das dunkle Holz. Einmal. Zweimal. Er wartete, bis ihm eine Bestätigung vom Inneren durch das Holz der Tür entgegenkam, bevor er die Klinke herunterdrückte und den Raum betrat. Sein Blick richtete sich auf seinen Sohn und sein Anblick in der festlichen Kleidung ließ sein Herz schwer werden. Er hatte schon vom Tag seiner Geburt an gewusst, dass dies irgendwann geschehen würde … aber nichts hatte ihn auf den Anblick vorbereitet und es ließ ihn unweigerlich an Áinfean denken … Der Gedanke schmerzte wie immer, aber bei weitem nicht mehr so sehr wie früher und es ließ ihn die Stimme erheben. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Du siehst du aus"</span>, stellte Eanruig fest und ein kleines Lächeln ließ dabei seinen Mundwinkel verziehen, während sein Blick über die Gestalt seines Sohnes schweifte.<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> „Ich … wollte mit dir sprechen … über das, was beim Abendessen geschah, zwischen dir und Murín … aber ich weiß nicht, ob es noch angebracht ist … wenn mir Maebh doch sagte, dass ihr bereits gesprochen habt?" </span>sprach er schließlich aus und verschränkte die Hände hinter dem Rücken, in einer für ihn gewohnten Geste, während sein Blick auf dem Gesicht seines Sohnes ruhte, das fast immer den gleichen verschlossenen Ausdruck trug, den er von dem seinen so gut kannte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Kragen seines Hemdes kratzte Ein Umstand, den es normalerweise zu beheben galt, war es doch etwas, das ihn unweigerlich stören würde. Doch hier und jetzt und mit dem Blick auf das, was noch vor ihm lag, war es etwas, das es unweigerlich zu ignorieren galt. Selbst dann, wenn es als störend empfunden wurde. Er hatte schon viel Schlimmeres überstanden als einen kratzenden Kragen, unabhängig davon, dass allein der Umstand, dass er heute die festliche Kleidung angezogen hatte, etwas war, was zu Missbilligung geführt hatte … Daran hatte auch nicht einmal die Tatsache etwas geändert, dass er laut Maebh <span style="font-style: italic;" class="mycode_i">sehr gut</span> darin aussah und es ihm einen Kuss eingebracht hatte. Nur ein kleiner Trost, wenn er sich doch schrecklich aufgezogen fühlte … Er war kein Mann der prunkvollen Dinge, dies war er noch nie gewesen und er würde es wohl auch niemals sein … Auch wenn er in seiner Position als Herr der Feste dies nicht vollkommen von der Hand weisen konnte, dass er eine gewisse Wirkung nach außen zu tragen hatte. Unweigerlich und an diesem heutigen Tag noch viel mehr als an den anderen, denn heute galt es, einen Bund zwischen zwei Familien zu schließen … zwischen zwei jungen Menschen, und einer von ihnen war sein Sohn. Sein Sohn, der ihm die ganze Zeit seines Lebens ein Stirnrunzeln der Sorge auf die Stirn getrieben hatte, seitdem er ihn das erste Mal in den Armen gehalten und die Gewissheit ihn erfüllt hatte, dass sein Leben niemals das sein würde, was er selbst für ihn vorgesehen, was er ihm selbst gewünscht hatte, sondern eines voller Prüfungen und voller Hürden. Und mögen seit diesem, jenem Tag auch fünfundzwanzig Jahre vergangen sein. Fünfundzwanzig Winter. Fünfundzwanzig Sommer dahingezogen sein, so war die Sorge geblieben … und sie würde wohl auch immer bleiben, weil immer ein Zweifel bleiben würde … ganz gleich, wie klein und unbedeutend er auch immer sein mochte, er würde bleiben … stetig und immer. <br />
<br />
Sein Vorhaben, mit seinem Sohn zu sprechen … über das, was bei dem gemeinsamen Abendessen mit Maebh, ihm und Murín geschehen war, über die Worte, die er ausgesprochen hatte, und Worte zu finden, die den Beginn dieser Ehe in ein besseres Licht rücken würden … sei es auch nur ein Versuch, seine Entscheidung dahingehend Cathal darzulegen mit den Worten von Maebh. In diesem Sinn war er auf dem Weg zu Cathal gewesen. Nicht gerechnet hatte er mit dem Anblick von Maebh, die ihm entgegengekommen war, mit wehenden Röcken und einer Falte der Sorge zwischen den Augen. Ihr Gespräch war kurz gewesen, erfreulich und zum anderen ebenso sorgenbereitend Sie und Cathal hatten gesprochen, es war gut verlaufen und der bestätigende Druck ihrer Hand auf seinem Arm, das kleine Lächeln auf ihren Lippen hatte ihn schweigend nicken lassen. Doch die weiteren Worte, dass Murín erkrankt sei … ließen ihn erneut die Stirn in Falten legen. Sie würde nach ihr sehen, ihm berichten … vielleicht ginge es wieder vorbei. Ja, vielleicht. <br />
<br />
Vor der Tür des Zimmers seines Sohnes hielt er inne, mehr als einen Herzschlag … mehr als einen Moment, während er auf die dunkle Maserung der Tür blickte und sich das Gespräch mit Maebh ins Gedächtnis rief, diesen Abend vor drei vorangegangenen Tagen. Es hatte etwas in ihm wachgerüttelt, ihm die Augen geöffnet … unweigerlich und vielleicht würde dies helfen … zumindest ein wenig. Er hob die Hand und schlug die Fingerknöchel der rechten Hand gegen das dunkle Holz. Einmal. Zweimal. Er wartete, bis ihm eine Bestätigung vom Inneren durch das Holz der Tür entgegenkam, bevor er die Klinke herunterdrückte und den Raum betrat. Sein Blick richtete sich auf seinen Sohn und sein Anblick in der festlichen Kleidung ließ sein Herz schwer werden. Er hatte schon vom Tag seiner Geburt an gewusst, dass dies irgendwann geschehen würde … aber nichts hatte ihn auf den Anblick vorbereitet und es ließ ihn unweigerlich an Áinfean denken … Der Gedanke schmerzte wie immer, aber bei weitem nicht mehr so sehr wie früher und es ließ ihn die Stimme erheben. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">„Du siehst du aus"</span>, stellte Eanruig fest und ein kleines Lächeln ließ dabei seinen Mundwinkel verziehen, während sein Blick über die Gestalt seines Sohnes schweifte.<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b"> „Ich … wollte mit dir sprechen … über das, was beim Abendessen geschah, zwischen dir und Murín … aber ich weiß nicht, ob es noch angebracht ist … wenn mir Maebh doch sagte, dass ihr bereits gesprochen habt?" </span>sprach er schließlich aus und verschränkte die Hände hinter dem Rücken, in einer für ihn gewohnten Geste, während sein Blick auf dem Gesicht seines Sohnes ruhte, das fast immer den gleichen verschlossenen Ausdruck trug, den er von dem seinen so gut kannte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[tomorrow is another day...]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=847</link>
			<pubDate>Tue, 24 Mar 2026 19:51:12 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=170">Maebh Fraser</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=847</guid>
			<description><![CDATA[Das Gespräch mit Cathal hatte einiges in Maebh aufgewühlt. Nicht zuletzt ihre ohnehin grundsätzlich bestehenden Zweifel an der eigenen Persönlich- und Widerstandsfähigkeit. Aber vielleicht hatte Cathal auch Recht. Sie war nun seit Jahren hier. Sie hatte ein Kind geboren. Sie lebte mit ihrem Mann zusammen, trug durch die Ehe einen Titel. Man hatte ihr Verantwortung in die Hand gelegt und sie füllte diese aus. Nach bestem Wissen und Gewissen. Gemessen an dem Umstand, dass sie keineswegs so hochgeboren war, wie ihr Ehemann, war das etwas ganz und gar Großartiges. Aber dennoch blieben leise Zweifel.<br />
War sie all dem gewachsen? War sie nicht immer noch das verängstigte kleine Kind, dass sich fürchtete, weil es von zu Hause weg musste? Auch wenn sie freilich lange kein Kind mehr gewesen war, als man sie hier her gebracht hatte. Sie begriff durchaus, dass ihr Vater nur in ihrem Sinne gehandelt hatte. Sie wusste, dass er sie liebte. Und vielleicht... vielleicht schaftte sie es ja auch, dass er sich von diesem unsäglichen Weib lossagte. Und dann blieb er ja vielleicht sogar. Pferde züchten konnte er auch hier. <br />
Doch zunächst einmal war es wichtig, dass sie sich um das kümmerte, was im Hier und Jetzt geschah. Die heute noch anreisenden Gäste waren erst einmal nebensächlich. Wenn sie die Situation richtig einschätzte und sich Muírin krank genug fühlte, um die Zofe zu schicken, bedeutete das, dass Cathal heute vermutlich nicht heiraten würde. Und dann würden sie auch zunächst die Gäste wieder ausladen müssen, damit die junge Frau sich angemessen erholen konnte. Niemand wollte krank den ewigen Bund der Ehe eingehen. Niemand wollte krank auf irgendeiner Feier stehen  und ausgelassen feiern! Selbst wenn die Ehe arrangiert war... es war wichtig, dass Muírin diesen Tag zumindest im Ansatz in schöner Erinnerung behalten konnte.<br />
Als sie um die Ecke bog, hielt ihr die zweite Zofe bereits die Tür auf, damit Maebh eintreten konnte. Und tatsächlich machte die junge Frau im Bett einen ganz und gar erbärmlichen Eindruck. Sie war verschwitzt, das Haar hing ihr in Strähnen übers Gesicht und ihre Hautfarbe hatte Ähnlichkeit mit saurer Milch. Offenbar hatte ihr der Sturm gestern nicht gut getan. Was auch immer sie sich eingefangen hatte, war ausgesprochen anstrengend für ihren Körper.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Guten Morgen, Liebes»</span>, grüßte Maebh leise und schloss hinter sich die Tür. Die Fenster hatte man bereits geöffnet um zu lüften, das Feuer im Kamin wurde gerade wieder angefacht. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Du siehst... schrecklich aus. Es tut mir leid. Ich weiß, du wirst das nicht gerne hören wollen. Wie fühlst du dich?»</span><br />
Prüfend glitt ihr Blick über die jüngere Frau. Sichtlich besorgt. Und ehrlich mitfühlend.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Ich gehe davon aus»</span>, fuhr sie fort und sprach damit den Drachen im Raum an, <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«dass du heute nicht dazu in der Lage sein wirst, zu heiraten?»</span><br />
Es schwang keinerlei Vorwurf in ihrer Stimme mit. Sie konnte es verstehen. So hätte sie auch nicht gewollt.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Das Gespräch mit Cathal hatte einiges in Maebh aufgewühlt. Nicht zuletzt ihre ohnehin grundsätzlich bestehenden Zweifel an der eigenen Persönlich- und Widerstandsfähigkeit. Aber vielleicht hatte Cathal auch Recht. Sie war nun seit Jahren hier. Sie hatte ein Kind geboren. Sie lebte mit ihrem Mann zusammen, trug durch die Ehe einen Titel. Man hatte ihr Verantwortung in die Hand gelegt und sie füllte diese aus. Nach bestem Wissen und Gewissen. Gemessen an dem Umstand, dass sie keineswegs so hochgeboren war, wie ihr Ehemann, war das etwas ganz und gar Großartiges. Aber dennoch blieben leise Zweifel.<br />
War sie all dem gewachsen? War sie nicht immer noch das verängstigte kleine Kind, dass sich fürchtete, weil es von zu Hause weg musste? Auch wenn sie freilich lange kein Kind mehr gewesen war, als man sie hier her gebracht hatte. Sie begriff durchaus, dass ihr Vater nur in ihrem Sinne gehandelt hatte. Sie wusste, dass er sie liebte. Und vielleicht... vielleicht schaftte sie es ja auch, dass er sich von diesem unsäglichen Weib lossagte. Und dann blieb er ja vielleicht sogar. Pferde züchten konnte er auch hier. <br />
Doch zunächst einmal war es wichtig, dass sie sich um das kümmerte, was im Hier und Jetzt geschah. Die heute noch anreisenden Gäste waren erst einmal nebensächlich. Wenn sie die Situation richtig einschätzte und sich Muírin krank genug fühlte, um die Zofe zu schicken, bedeutete das, dass Cathal heute vermutlich nicht heiraten würde. Und dann würden sie auch zunächst die Gäste wieder ausladen müssen, damit die junge Frau sich angemessen erholen konnte. Niemand wollte krank den ewigen Bund der Ehe eingehen. Niemand wollte krank auf irgendeiner Feier stehen  und ausgelassen feiern! Selbst wenn die Ehe arrangiert war... es war wichtig, dass Muírin diesen Tag zumindest im Ansatz in schöner Erinnerung behalten konnte.<br />
Als sie um die Ecke bog, hielt ihr die zweite Zofe bereits die Tür auf, damit Maebh eintreten konnte. Und tatsächlich machte die junge Frau im Bett einen ganz und gar erbärmlichen Eindruck. Sie war verschwitzt, das Haar hing ihr in Strähnen übers Gesicht und ihre Hautfarbe hatte Ähnlichkeit mit saurer Milch. Offenbar hatte ihr der Sturm gestern nicht gut getan. Was auch immer sie sich eingefangen hatte, war ausgesprochen anstrengend für ihren Körper.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Guten Morgen, Liebes»</span>, grüßte Maebh leise und schloss hinter sich die Tür. Die Fenster hatte man bereits geöffnet um zu lüften, das Feuer im Kamin wurde gerade wieder angefacht. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Du siehst... schrecklich aus. Es tut mir leid. Ich weiß, du wirst das nicht gerne hören wollen. Wie fühlst du dich?»</span><br />
Prüfend glitt ihr Blick über die jüngere Frau. Sichtlich besorgt. Und ehrlich mitfühlend.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Ich gehe davon aus»</span>, fuhr sie fort und sprach damit den Drachen im Raum an, <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«dass du heute nicht dazu in der Lage sein wirst, zu heiraten?»</span><br />
Es schwang keinerlei Vorwurf in ihrer Stimme mit. Sie konnte es verstehen. So hätte sie auch nicht gewollt.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[down to the river to pray]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=845</link>
			<pubDate>Thu, 26 Feb 2026 00:30:16 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=170">Maebh Fraser</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=845</guid>
			<description><![CDATA[Es war früh genug, dass alle anderen noch schliefen. Maebh hatte in dieser Nacht nur schwer Ruhe gefunden. Ihr lagen die Geschehnisse schwer auf der Seele. Die Gespräche mit ihrem Mann. Das Gespräch mit ihrer zukünftigen Schwiegertochter. Nicht zuletzt auch der Streit mit Rowan. <br />
Eine Weile hatte die schöne Fürstin neben ihrem schlafenden Ehemann in den warmen Laken gelegen und hatte ihn beobachtet. Im Halbdunkel sah man zwar nur wenig, aber sie erkannte seine Konturen. Sie sah ihm gerne beim Schlafen zu. Er wirkte dann entspannt. Friedlich. Es gab keine Sorgenfalten in seinem Gesicht und sie konnte darin für gewöhnlich eigenen Frieden finden. Doch diesmal war es anders. Sie fanden einander gerade. Sie kamen einander näher und sie entwickelten echte Gefühle. Liebe lag in der Luft. Und Maebh genoss diesen neuen Aufwind. Sie wollte ihn nicht missen. Aber die Schuld wog schwer. Sie hatte ihm nicht von der Affäre erzählt. Und es konnte auch nur schwer von einem Ausrutscher die Rede sein.<br />
Sie war schließlich aufgestanden. Noch vor Sonnenaufgang. Vor dem ersten Hahnenschrei.  Hatte sich angekleidet und war auf leisen Sohlen aus dem Schlafgemach geschlichen, ohne ihren Mann aufzuwecken. Sie fand ohnehin keine Ruhe. Und so war es besser, sie suchte sich eine Beschäftigung.<br />
Einen Blick in das Zimmer ihres Sohnes ließ sie lächelnd ihrer Wege  gehen. Er lag, wie ein kleiner Seestern, tief schlafend in seinem Bettchen. Und träumte vielleicht von heroischen Heldentaten oder davon, wie er auf Céos Rücken die Welt nur noch in bunten Farben wahrnahm, weil er in gestrecktem Galopp einen Weg entlangjagte.<br />
Ihr Weg führte sie durch die noch dunklen Flure der Festung hinunter in Richtung ihres Gartens, in dem auch die uralte Eiche stand, unter der schon sie und Eanruig sich das Ja-Wort gegeben hatten. Heute würden dort Cathal und Muirìn dasselbe tun.<br />
Und tatsächlich war sie nicht alleine. Dort, am Fuß der Eiche, konnte sie die Gestalt der Priesternovizin kennen, nach der sie ohnehin gesucht hatte. Schweigend betrat Maebh ihren Garten und verschränkte die Hände vorm Bauch, als sie auf Yue zuging. Leicht neigte sich ihr Kopf nach vorne.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Guten Morgen»</span>, grüßte sie lächelnd, aber mit einer gewissen Sorge im Blick und blieb neben ihr stehen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Ich habe nach dir gesucht. Ich hoffte, du hast ein paar Augenblicke. Und lauschende Ohren für mich.»<br />
</span>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Es war früh genug, dass alle anderen noch schliefen. Maebh hatte in dieser Nacht nur schwer Ruhe gefunden. Ihr lagen die Geschehnisse schwer auf der Seele. Die Gespräche mit ihrem Mann. Das Gespräch mit ihrer zukünftigen Schwiegertochter. Nicht zuletzt auch der Streit mit Rowan. <br />
Eine Weile hatte die schöne Fürstin neben ihrem schlafenden Ehemann in den warmen Laken gelegen und hatte ihn beobachtet. Im Halbdunkel sah man zwar nur wenig, aber sie erkannte seine Konturen. Sie sah ihm gerne beim Schlafen zu. Er wirkte dann entspannt. Friedlich. Es gab keine Sorgenfalten in seinem Gesicht und sie konnte darin für gewöhnlich eigenen Frieden finden. Doch diesmal war es anders. Sie fanden einander gerade. Sie kamen einander näher und sie entwickelten echte Gefühle. Liebe lag in der Luft. Und Maebh genoss diesen neuen Aufwind. Sie wollte ihn nicht missen. Aber die Schuld wog schwer. Sie hatte ihm nicht von der Affäre erzählt. Und es konnte auch nur schwer von einem Ausrutscher die Rede sein.<br />
Sie war schließlich aufgestanden. Noch vor Sonnenaufgang. Vor dem ersten Hahnenschrei.  Hatte sich angekleidet und war auf leisen Sohlen aus dem Schlafgemach geschlichen, ohne ihren Mann aufzuwecken. Sie fand ohnehin keine Ruhe. Und so war es besser, sie suchte sich eine Beschäftigung.<br />
Einen Blick in das Zimmer ihres Sohnes ließ sie lächelnd ihrer Wege  gehen. Er lag, wie ein kleiner Seestern, tief schlafend in seinem Bettchen. Und träumte vielleicht von heroischen Heldentaten oder davon, wie er auf Céos Rücken die Welt nur noch in bunten Farben wahrnahm, weil er in gestrecktem Galopp einen Weg entlangjagte.<br />
Ihr Weg führte sie durch die noch dunklen Flure der Festung hinunter in Richtung ihres Gartens, in dem auch die uralte Eiche stand, unter der schon sie und Eanruig sich das Ja-Wort gegeben hatten. Heute würden dort Cathal und Muirìn dasselbe tun.<br />
Und tatsächlich war sie nicht alleine. Dort, am Fuß der Eiche, konnte sie die Gestalt der Priesternovizin kennen, nach der sie ohnehin gesucht hatte. Schweigend betrat Maebh ihren Garten und verschränkte die Hände vorm Bauch, als sie auf Yue zuging. Leicht neigte sich ihr Kopf nach vorne.<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Guten Morgen»</span>, grüßte sie lächelnd, aber mit einer gewissen Sorge im Blick und blieb neben ihr stehen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">«Ich habe nach dir gesucht. Ich hoffte, du hast ein paar Augenblicke. Und lauschende Ohren für mich.»<br />
</span>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Fight like a girl]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=831</link>
			<pubDate>Mon, 26 Jan 2026 21:29:39 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=162">Rowan Fraser</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=831</guid>
			<description><![CDATA[Rowan Fraser war kein Mann, dem man so leicht die Laune verderben konnte. Er war die Strapazen langer Reisen gewohnt, konnte mit Entbehrungen gut leben und hatte auch kein Problem damit, sich mit kargen Mahlzeiten über Wasser zu halten, solange die Gespräche am Lagerfeuer vor sich hinflossen und er ein Ziel und dessen Erreichung klar vor Augen hatte. Tage wie diese dämpften jedoch sein sonst eher gelassenes Gemüt, vor allem nachdem er festgestellt hatte, dass sich ihrer Truppe zur Drachenjagd keinerlei weitere Krieger angeschlossen hatten. Immer wieder hatte er gehofft, dass doch noch mehr Leute dem Aufruf des Königs folgen und ihnen auf der Reise ins Ungewisse Gesellschaft leisten würden. Dass er am Ende bisher der einzige Gerüstete bleiben würde - neben dem einen oder anderen passablen Kämpfer, so wie er die zwei Männer mit Hoffnung einschätzte - , damit hatte er nicht gerechnet und in gewisser Weise machte ihn das unruhig. Zwar war er niemand, der die Anwesenheit von Frauen nicht genoss - nein, ganz im Gegenteil - aber soweit er es beobachten hatte können, war keine der drei Damen in irgendeiner Art und Weise im Kampf geschult. Rowan war sich zwar sicher, dass sie schnell heraushaben würden, dass man am besten mit dem spitzen Ende einer Waffe zustieß, wenn man sich verteidigen wollte, doch in Anbetracht der Gefahren, die ihnen auf der Suche nach dem Fabelwesen auflauern konnten, brauchte es etwas mehr als das, um unversehrt oder zumindest am Leben zu bleiben. Dabei sprach er den jungen Frauen keineswegs ihre Fähigkeiten ab. Die Gelehrte punktete in vielerlei Hinsicht - oh Wunder - mit ihrem Wissen, während Freyja durch ihre offene Art und Neugier herausstach. Tja und dann war da noch Mira. Bereits seit sie zu ihnen gestoßen war, behielt der Söldner sie im Blick. Sie war flink wie ein Hase und er war sich sicher, dass diese Fähigkeit ihrer Beine auch genauso auf ihre Finger zutraf. Alleine die Art und Weise wie sie manchmal nach Dingen griff ließ bei ihm ein Signalglöckchen im Hinterkopf klingeln. Etwas, das ihn darauf aufmerksam machen sollte, dass hinter der Fassade der Gauklerin vielleicht mehr steckte - und dass er seine Geldkatze am besten dicht unter seiner Kleidung tragen sollte. Viel mehr als ihre Ausstrahlung schien jedoch ihr Gesicht eine Erinnerung wachrütteln zu wollen, die er noch nicht so recht greifen konnte. Kaum hatte er das Gefühl einen der losen Fäden, der zur Lösung des Rätsels führte, greifen zu können, so rutschte er ihm auch schon wieder durch die Finger und ließ ihn genauso ratlos wie zuvor zurück. Dabei war ihr Verhalten weder sonderbar noch verdächtig, ähnelte in ihrer Art ein wenig der neugierigen Freyja aber war doch für sich auch wieder einzigartig. Sei es wie es sei, Rowan hatte über die Jahre hinweg ohnehin gelernt, dass es mit Vorsicht zu genießen war, anderen sein Vertrauen zu schenken und so blieb er auch jetzt wachsam.<br />
<br />
Die Chance, diesem seltsamen Gefühl in seiner Magengrube nachzuforschen, bot sich ihm schließlich, als er gemeinsam mit Mira zur Suche nach Feuerholz eingeteilt wurde. Einen Moment lang hatte der 31-Jährige überlegt, Sandokan als Packtier mitzuführen, doch das hätte nur dafür gesorgt, dass sie das trockene Brennmaterial im Unterholz noch schwieriger erreichten. Das stetig neblige und feuchte Wetter hatte nicht gerade dazu beigetragen, Äste und Zweige zu finden, die etwas anderes taten als vor sich hinzukohlen, wenn man sie in der Hoffnung auf Wärme und ein warmes Mahl in Brand steckte. Rowan war irgendwann dazu übergegangen zumindest etwas von dem Holz in Sandokans Satteltaschen zu verstauen, damit wenigstens passables Zündmaterial zur Verfügung stand. Dass seine Wechselkleider dafür als klammes Bündel am Rand des Sattels hingen, hatte der Söldner wohl oder übel dafür in Kauf nehmen müssen. <br />
All das war nun jedoch im Lager geblieben und alles was Rowan bei sich trug war eine kleine, handliche Axt sowie sein Schwert an seiner Seite. Zwar hätte er sich natürlich auch mit dem handlichen Werkzeug auf irgendeine Art und Weise verteidigen können, aber die liebgewonnene Waffe ließ er ohnehin nicht gerne unbeaufsichtigt unter Menschen, die er für kaum einmal länger als einen Wimpernschlag kannte. Begleitet von den Geräuschen des Waldes suchten sich die beiden einen Weg tiefer in das Dickicht, vorbei an kleinen Wällen aus Dornenhecken und anderen Pflanzen und Sträuchern, die Rowan als nicht geeignet für ein Lagerfeuer hielt. Entweder war das Holz an sich zu feucht oder zu ölig, oder die Äste so dünn, dass sie gefühlte Zentner davon herbeischleppen hätten müssen, um wirklich etwas auszurichten. Etwas weiter in der Ferne hatte er jedoch bereits ein kleines Buchenwäldchen ausgemacht, bei dem er sich eine bessere Ausbeute erwartete. <br />
<br />
Vorsichtig auf seine Schritte achtend warf er Mira einen Blick von der Seite zu, wieder grübelnd, während seine Augen über ihr rotes Haar wanderten, in denen der Schimmer der bereits etwas tiefer stehenden Sonne tanzte. Sie war eine Seltenheit geworden in den letzten Tagen, in denen der Himmel doch von dichten Wolken gesättigt gewesen war. <b>"Du bist also eine Gauklerin? Oder ehemals Gauklerin?"</b> Die Frage kam ihm selbst dumm vor, war sie doch eigentlich komplett rhetorisch, aber Rowan mochte das Schweigen nicht, dass sie beide einhüllte. <b>"Was hat dich dazu verleitet, mit uns auf die Drachenjagd zu gehen?"</b> Sei Kopf legte sich etwas schief und er musterte sie genauer, während er mit geschickten Schritten Wurzeln und Steinen auswich. <b>"Wenn das Vieh wirklich so groß ist, wie der König glaubt, taugt es denke ich nicht wirklich als Attraktion für reisende Schausteller..."</b>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Rowan Fraser war kein Mann, dem man so leicht die Laune verderben konnte. Er war die Strapazen langer Reisen gewohnt, konnte mit Entbehrungen gut leben und hatte auch kein Problem damit, sich mit kargen Mahlzeiten über Wasser zu halten, solange die Gespräche am Lagerfeuer vor sich hinflossen und er ein Ziel und dessen Erreichung klar vor Augen hatte. Tage wie diese dämpften jedoch sein sonst eher gelassenes Gemüt, vor allem nachdem er festgestellt hatte, dass sich ihrer Truppe zur Drachenjagd keinerlei weitere Krieger angeschlossen hatten. Immer wieder hatte er gehofft, dass doch noch mehr Leute dem Aufruf des Königs folgen und ihnen auf der Reise ins Ungewisse Gesellschaft leisten würden. Dass er am Ende bisher der einzige Gerüstete bleiben würde - neben dem einen oder anderen passablen Kämpfer, so wie er die zwei Männer mit Hoffnung einschätzte - , damit hatte er nicht gerechnet und in gewisser Weise machte ihn das unruhig. Zwar war er niemand, der die Anwesenheit von Frauen nicht genoss - nein, ganz im Gegenteil - aber soweit er es beobachten hatte können, war keine der drei Damen in irgendeiner Art und Weise im Kampf geschult. Rowan war sich zwar sicher, dass sie schnell heraushaben würden, dass man am besten mit dem spitzen Ende einer Waffe zustieß, wenn man sich verteidigen wollte, doch in Anbetracht der Gefahren, die ihnen auf der Suche nach dem Fabelwesen auflauern konnten, brauchte es etwas mehr als das, um unversehrt oder zumindest am Leben zu bleiben. Dabei sprach er den jungen Frauen keineswegs ihre Fähigkeiten ab. Die Gelehrte punktete in vielerlei Hinsicht - oh Wunder - mit ihrem Wissen, während Freyja durch ihre offene Art und Neugier herausstach. Tja und dann war da noch Mira. Bereits seit sie zu ihnen gestoßen war, behielt der Söldner sie im Blick. Sie war flink wie ein Hase und er war sich sicher, dass diese Fähigkeit ihrer Beine auch genauso auf ihre Finger zutraf. Alleine die Art und Weise wie sie manchmal nach Dingen griff ließ bei ihm ein Signalglöckchen im Hinterkopf klingeln. Etwas, das ihn darauf aufmerksam machen sollte, dass hinter der Fassade der Gauklerin vielleicht mehr steckte - und dass er seine Geldkatze am besten dicht unter seiner Kleidung tragen sollte. Viel mehr als ihre Ausstrahlung schien jedoch ihr Gesicht eine Erinnerung wachrütteln zu wollen, die er noch nicht so recht greifen konnte. Kaum hatte er das Gefühl einen der losen Fäden, der zur Lösung des Rätsels führte, greifen zu können, so rutschte er ihm auch schon wieder durch die Finger und ließ ihn genauso ratlos wie zuvor zurück. Dabei war ihr Verhalten weder sonderbar noch verdächtig, ähnelte in ihrer Art ein wenig der neugierigen Freyja aber war doch für sich auch wieder einzigartig. Sei es wie es sei, Rowan hatte über die Jahre hinweg ohnehin gelernt, dass es mit Vorsicht zu genießen war, anderen sein Vertrauen zu schenken und so blieb er auch jetzt wachsam.<br />
<br />
Die Chance, diesem seltsamen Gefühl in seiner Magengrube nachzuforschen, bot sich ihm schließlich, als er gemeinsam mit Mira zur Suche nach Feuerholz eingeteilt wurde. Einen Moment lang hatte der 31-Jährige überlegt, Sandokan als Packtier mitzuführen, doch das hätte nur dafür gesorgt, dass sie das trockene Brennmaterial im Unterholz noch schwieriger erreichten. Das stetig neblige und feuchte Wetter hatte nicht gerade dazu beigetragen, Äste und Zweige zu finden, die etwas anderes taten als vor sich hinzukohlen, wenn man sie in der Hoffnung auf Wärme und ein warmes Mahl in Brand steckte. Rowan war irgendwann dazu übergegangen zumindest etwas von dem Holz in Sandokans Satteltaschen zu verstauen, damit wenigstens passables Zündmaterial zur Verfügung stand. Dass seine Wechselkleider dafür als klammes Bündel am Rand des Sattels hingen, hatte der Söldner wohl oder übel dafür in Kauf nehmen müssen. <br />
All das war nun jedoch im Lager geblieben und alles was Rowan bei sich trug war eine kleine, handliche Axt sowie sein Schwert an seiner Seite. Zwar hätte er sich natürlich auch mit dem handlichen Werkzeug auf irgendeine Art und Weise verteidigen können, aber die liebgewonnene Waffe ließ er ohnehin nicht gerne unbeaufsichtigt unter Menschen, die er für kaum einmal länger als einen Wimpernschlag kannte. Begleitet von den Geräuschen des Waldes suchten sich die beiden einen Weg tiefer in das Dickicht, vorbei an kleinen Wällen aus Dornenhecken und anderen Pflanzen und Sträuchern, die Rowan als nicht geeignet für ein Lagerfeuer hielt. Entweder war das Holz an sich zu feucht oder zu ölig, oder die Äste so dünn, dass sie gefühlte Zentner davon herbeischleppen hätten müssen, um wirklich etwas auszurichten. Etwas weiter in der Ferne hatte er jedoch bereits ein kleines Buchenwäldchen ausgemacht, bei dem er sich eine bessere Ausbeute erwartete. <br />
<br />
Vorsichtig auf seine Schritte achtend warf er Mira einen Blick von der Seite zu, wieder grübelnd, während seine Augen über ihr rotes Haar wanderten, in denen der Schimmer der bereits etwas tiefer stehenden Sonne tanzte. Sie war eine Seltenheit geworden in den letzten Tagen, in denen der Himmel doch von dichten Wolken gesättigt gewesen war. <b>"Du bist also eine Gauklerin? Oder ehemals Gauklerin?"</b> Die Frage kam ihm selbst dumm vor, war sie doch eigentlich komplett rhetorisch, aber Rowan mochte das Schweigen nicht, dass sie beide einhüllte. <b>"Was hat dich dazu verleitet, mit uns auf die Drachenjagd zu gehen?"</b> Sei Kopf legte sich etwas schief und er musterte sie genauer, während er mit geschickten Schritten Wurzeln und Steinen auswich. <b>"Wenn das Vieh wirklich so groß ist, wie der König glaubt, taugt es denke ich nicht wirklich als Attraktion für reisende Schausteller..."</b>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[To the forest of denial]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=830</link>
			<pubDate>Sun, 25 Jan 2026 14:39:29 +0100</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=144">Freyja Winters</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=830</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/d8/f0/40/d8f0404a9acf6ada587e6786b0431a0b.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;">To the forest of denial<br />
<div style="font-size:18px;">Walk with me until the time</div>
</div>
<br />
Eine ganze Woche waren sie nun schon unterwegs. Das Baden im Fluss jagte der jungen Frau noch immer eiskalte Schauer über den Rücken, das Essen, was sie sich selbst erlegen mussten, ließ ihr immer noch regelmäßig die Galle aufsteigen und die Kälte, die ihr des nachts in die Knochen kroch, ließ sie immer noch in so mancher stiller Stunde daran zweifeln, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Zweifel waren normal, versuchte sie sich immer wieder selber einzureden. Es war normal, seine Entscheidungen infrage zu stellen, sich in Gedankenspielereien zu verlieren, sich alternative Szenarien auszudenken. Natürlich könnte Freyja immer noch hinter dem Tresen in der Taverne in Three Rivers stehen, könnte immer noch schales Bier in dreckigen Krügen ausschenken und nur ein entnervtes Brummen der Gäste entgegen nehmen, welches dem Goldtaler auf dem Schritt folgte, doch der Drang nach Abenteuer war da gewesen. Sie hatte ihre Bestimmung nicht einfach ignorieren können. Sie wollte auf diese Jagd gehen, wenn auch aus anderen Gründen, als die anderen. Zumindest vermutete sie das. So richtig traute sie sich nicht ihre wahren Gedanken auszusprechen, weil sie immer noch nicht ganz sicher war, wem sie trauen konnte und bei wem sie besser vorsichtig sein sollte. <br />
<br />
Den ganzen Tag über waren sie durch das Dickicht im Wald gewandert. Hatten sich durch Geäst geschlagen, bis ihre Messer stumpf und ihre Füße wund gewesen waren. Jedenfalls empfand Freyja diesen Fußmarsch heute so. Und passiert war bisher noch gar nichts. Sie hatten keine Spuren, keine Tierkadaver, ja, nicht einmal verruße Baumstämme gefunden. Sie irrten umher wie eine Gruppe Verlorener. Und genauso fühlte es sich an. Als wäre Freyja verloren. Verloren in ihrem eigenen Abenteuer, das sie so sehr gewollt hat. Die Tatsache, dass sie einfach noch nichts gefunden hatten, verunsicherte sie. Dabei hatte sie sich anfangs sogar noch darüber gefreut, dass sie KEINE Spuren gefunden hatten, weil sie den Drachen - falls er denn überhaupt existierte - ja gar nicht verletzten wollte. Sie wollte ihn nur finden und am liebsten sogar warnen, falls sowas überhaupt möglich war. Einen Drachen hatte es seit so vielen Jahren nicht mehr gegeben. Dass dieses Geschöpf aus den alten Legenden nun angeblich wieder gesichtet worden war, war ein wundervolles Zeichen gewesen, kein unheilverkündendes Schicksal! Doch offenbar sahen das nicht alle so, wie die junge Brünette. <br />
<br />
Während das Lagerfeuer vor sich hin knisterte und Freyja gerade ihr eigenes Lager soweit fertig gemacht hatte, dass sie sich gleich unter die kratzige Decke kuscheln konnte, die sie von zu Hause mitgenommen hatte, sah sie, dass eine der anderen Frauen etwas unentschlossen herum stand, als fühlte sie sich in diesem Moment genauso verloren, wie es bei der Winters selbst der Fall war. Kurzerhand beschloss sie, zu der Rothaarigen hinzugehen. Sie hatten zwar schon das ein oder andere Wort miteinander gewechselt, doch bisher waren sie gar nicht dazu gekommen sich richtig kennen zu lernen. <br />
<br />
"<div class="heimatloscolor">Hallo. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ich mich schon bei dir vorgestellt habe. Und das, obwohl wir schon seit einer Woche unterwegs sind... Wo sind nur meine Manieren geblieben? Ich bin Freyja. Das musste ich jetzt dringend mal nachholen</div>", sagte sie etwas peinlich berührt und zuckte entschuldigend mit den Schultern.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/d8/f0/40/d8f0404a9acf6ada587e6786b0431a0b.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;">To the forest of denial<br />
<div style="font-size:18px;">Walk with me until the time</div>
</div>
<br />
Eine ganze Woche waren sie nun schon unterwegs. Das Baden im Fluss jagte der jungen Frau noch immer eiskalte Schauer über den Rücken, das Essen, was sie sich selbst erlegen mussten, ließ ihr immer noch regelmäßig die Galle aufsteigen und die Kälte, die ihr des nachts in die Knochen kroch, ließ sie immer noch in so mancher stiller Stunde daran zweifeln, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hat. Zweifel waren normal, versuchte sie sich immer wieder selber einzureden. Es war normal, seine Entscheidungen infrage zu stellen, sich in Gedankenspielereien zu verlieren, sich alternative Szenarien auszudenken. Natürlich könnte Freyja immer noch hinter dem Tresen in der Taverne in Three Rivers stehen, könnte immer noch schales Bier in dreckigen Krügen ausschenken und nur ein entnervtes Brummen der Gäste entgegen nehmen, welches dem Goldtaler auf dem Schritt folgte, doch der Drang nach Abenteuer war da gewesen. Sie hatte ihre Bestimmung nicht einfach ignorieren können. Sie wollte auf diese Jagd gehen, wenn auch aus anderen Gründen, als die anderen. Zumindest vermutete sie das. So richtig traute sie sich nicht ihre wahren Gedanken auszusprechen, weil sie immer noch nicht ganz sicher war, wem sie trauen konnte und bei wem sie besser vorsichtig sein sollte. <br />
<br />
Den ganzen Tag über waren sie durch das Dickicht im Wald gewandert. Hatten sich durch Geäst geschlagen, bis ihre Messer stumpf und ihre Füße wund gewesen waren. Jedenfalls empfand Freyja diesen Fußmarsch heute so. Und passiert war bisher noch gar nichts. Sie hatten keine Spuren, keine Tierkadaver, ja, nicht einmal verruße Baumstämme gefunden. Sie irrten umher wie eine Gruppe Verlorener. Und genauso fühlte es sich an. Als wäre Freyja verloren. Verloren in ihrem eigenen Abenteuer, das sie so sehr gewollt hat. Die Tatsache, dass sie einfach noch nichts gefunden hatten, verunsicherte sie. Dabei hatte sie sich anfangs sogar noch darüber gefreut, dass sie KEINE Spuren gefunden hatten, weil sie den Drachen - falls er denn überhaupt existierte - ja gar nicht verletzten wollte. Sie wollte ihn nur finden und am liebsten sogar warnen, falls sowas überhaupt möglich war. Einen Drachen hatte es seit so vielen Jahren nicht mehr gegeben. Dass dieses Geschöpf aus den alten Legenden nun angeblich wieder gesichtet worden war, war ein wundervolles Zeichen gewesen, kein unheilverkündendes Schicksal! Doch offenbar sahen das nicht alle so, wie die junge Brünette. <br />
<br />
Während das Lagerfeuer vor sich hin knisterte und Freyja gerade ihr eigenes Lager soweit fertig gemacht hatte, dass sie sich gleich unter die kratzige Decke kuscheln konnte, die sie von zu Hause mitgenommen hatte, sah sie, dass eine der anderen Frauen etwas unentschlossen herum stand, als fühlte sie sich in diesem Moment genauso verloren, wie es bei der Winters selbst der Fall war. Kurzerhand beschloss sie, zu der Rothaarigen hinzugehen. Sie hatten zwar schon das ein oder andere Wort miteinander gewechselt, doch bisher waren sie gar nicht dazu gekommen sich richtig kennen zu lernen. <br />
<br />
"<div class="heimatloscolor">Hallo. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob ich mich schon bei dir vorgestellt habe. Und das, obwohl wir schon seit einer Woche unterwegs sind... Wo sind nur meine Manieren geblieben? Ich bin Freyja. Das musste ich jetzt dringend mal nachholen</div>", sagte sie etwas peinlich berührt und zuckte entschuldigend mit den Schultern.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Become my escape]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=805</link>
			<pubDate>Wed, 03 Sep 2025 15:42:32 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=144">Freyja Winters</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=805</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://i.imgur.com/SoQ4sv1.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>
Leise knisterte das Lagerfeuer, während es nach und nach die Holzscheite verzehrte, die Freyja eben noch mühsam im Wald gesucht hatte. Über ihnen raschelte der Wind in den Blätterkronen der erhabenen Bäume, während sie unter ihnen Schutz gesucht hatten. Erst ein Tag war vergangen, seit sie die Hauptstadt Farynns hinter sich gelassen haben und doch kam es ihr vor wie ein ganzes Abenteuer. Immer wieder schlichen sich die Zweifel in ihren Geist, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Immer wieder waren es Ängste und Sorgen, die sie ans Umkehren denken ließen. Noch wäre es nicht zu spät. Sogar alleine konnte sie noch den Weg zurück finden und die alte Dame in der Taverne wäre sicher auch froh, wenn Freyja doch wieder hinter dem Tresen arbeiten würde. Noch biss sie jedoch die Zähne zusammen. Sie wollte nicht aufgeben. Sie war so weit gereist und hatte so viel auf sich genommen, da wäre es ein Unding nun die Drachenjagd sausen zu lassen. Und trotzdem stellte sie mit jedem Schritt, den sie sich weiter weg entfernte, fest, wie ungewiss ihre Reise ins Nirgendwo sein würde. Niemand von ihnen wusste, wo sie lang musste. Niemand wusste, was sie am Ende dieses Abenteuers erwarten würde. Es würde Geschichten über diese Reise geben, dessen war sie sich sicher. Doch unklar war, ob sie auf der Seite der Helden oder auf der Seite der Verliere stehen würde. Es gab immer welche, die zu früh starben oder einfach viel zu viel Pech hatten und anderweitig verletzt oder verstümmelt wurden. Das waren diese Geschichten, über die man bei einem lausigen und viel zu warmen Bier in der Taverne lachte. Die Menschen, die das Pech anzogen, wie Licht es bei Mücken tat. <br />
<br />
Freyja schluckte schwer. Mit jeder Sekunde, die verstrich, stellte sie sich die gleiche Frage. Würde sie das Zeug dazu haben, durchzuhalten? Würde sie eine Bereicherung für die Gruppe sein oder nur ihr Klotz am Bein? Verzweifelt fuhr sich die junge Frau durch die dunklen Haare und streckte die Hände danach in Richtung des Feuers. Sie war auch vom Winterland bis nach Farynn gereist, ganz alleine und ohne Gesellschaft. Sie würde es doch wohl in einer kleinen Gruppe aushalten, einen Drachen zu suchen, den sie ganz sicher sowieso nicht finden würden! Außerdem... waren mindestens zwei von ihnen - Aodhan und sie selbst - überhaupt nicht daran interessiert, diesem Drachen etwas anzutun. Freyja selbst wollte einfach nur wissen, was an den Legenden dran war. Wollte sich auf eine Reise begeben, die sie näher zu sich selbst bringen würde. Einen Drachen würde sie nie im Leben töten! Selbst wenn dieser direkt vor ihr stünde! <br />
<br />
Seufzend kramte sie in dem Lederbeutel, in dem irgendwo noch etwas Trockenfleisch und ein Apfel sein musste. Es waren die letzten Reste des Proviants, den sie aus der Hauptstadt mitgenommen hatten. Bald würden sie das essen müssen, was sie sich erledigten. Und hoffentlich würden die anderen mit ihr teilen, denn mit Pfeil und Bogen konnte sie überhaupt nicht umgehen. Und ein Kaninchen mit einem Dolch zu erwischen war vermutlich sehr unwahrscheinlich... Nachdenklich biss sie knuspernd von dem Stück Trockenfleisch ab und kaute darauf herum, während sie unsicher ins Feuer starrte.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate3">
<div class="posttemplate3imageright"><img src="https://i.imgur.com/SoQ4sv1.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>
Leise knisterte das Lagerfeuer, während es nach und nach die Holzscheite verzehrte, die Freyja eben noch mühsam im Wald gesucht hatte. Über ihnen raschelte der Wind in den Blätterkronen der erhabenen Bäume, während sie unter ihnen Schutz gesucht hatten. Erst ein Tag war vergangen, seit sie die Hauptstadt Farynns hinter sich gelassen haben und doch kam es ihr vor wie ein ganzes Abenteuer. Immer wieder schlichen sich die Zweifel in ihren Geist, ob sie die richtige Entscheidung getroffen hatte. Immer wieder waren es Ängste und Sorgen, die sie ans Umkehren denken ließen. Noch wäre es nicht zu spät. Sogar alleine konnte sie noch den Weg zurück finden und die alte Dame in der Taverne wäre sicher auch froh, wenn Freyja doch wieder hinter dem Tresen arbeiten würde. Noch biss sie jedoch die Zähne zusammen. Sie wollte nicht aufgeben. Sie war so weit gereist und hatte so viel auf sich genommen, da wäre es ein Unding nun die Drachenjagd sausen zu lassen. Und trotzdem stellte sie mit jedem Schritt, den sie sich weiter weg entfernte, fest, wie ungewiss ihre Reise ins Nirgendwo sein würde. Niemand von ihnen wusste, wo sie lang musste. Niemand wusste, was sie am Ende dieses Abenteuers erwarten würde. Es würde Geschichten über diese Reise geben, dessen war sie sich sicher. Doch unklar war, ob sie auf der Seite der Helden oder auf der Seite der Verliere stehen würde. Es gab immer welche, die zu früh starben oder einfach viel zu viel Pech hatten und anderweitig verletzt oder verstümmelt wurden. Das waren diese Geschichten, über die man bei einem lausigen und viel zu warmen Bier in der Taverne lachte. Die Menschen, die das Pech anzogen, wie Licht es bei Mücken tat. <br />
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Freyja schluckte schwer. Mit jeder Sekunde, die verstrich, stellte sie sich die gleiche Frage. Würde sie das Zeug dazu haben, durchzuhalten? Würde sie eine Bereicherung für die Gruppe sein oder nur ihr Klotz am Bein? Verzweifelt fuhr sich die junge Frau durch die dunklen Haare und streckte die Hände danach in Richtung des Feuers. Sie war auch vom Winterland bis nach Farynn gereist, ganz alleine und ohne Gesellschaft. Sie würde es doch wohl in einer kleinen Gruppe aushalten, einen Drachen zu suchen, den sie ganz sicher sowieso nicht finden würden! Außerdem... waren mindestens zwei von ihnen - Aodhan und sie selbst - überhaupt nicht daran interessiert, diesem Drachen etwas anzutun. Freyja selbst wollte einfach nur wissen, was an den Legenden dran war. Wollte sich auf eine Reise begeben, die sie näher zu sich selbst bringen würde. Einen Drachen würde sie nie im Leben töten! Selbst wenn dieser direkt vor ihr stünde! <br />
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Seufzend kramte sie in dem Lederbeutel, in dem irgendwo noch etwas Trockenfleisch und ein Apfel sein musste. Es waren die letzten Reste des Proviants, den sie aus der Hauptstadt mitgenommen hatten. Bald würden sie das essen müssen, was sie sich erledigten. Und hoffentlich würden die anderen mit ihr teilen, denn mit Pfeil und Bogen konnte sie überhaupt nicht umgehen. Und ein Kaninchen mit einem Dolch zu erwischen war vermutlich sehr unwahrscheinlich... Nachdenklich biss sie knuspernd von dem Stück Trockenfleisch ab und kaute darauf herum, während sie unsicher ins Feuer starrte.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[just a ghost with a beating heart]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=786</link>
			<pubDate>Tue, 15 Jul 2025 21:44:55 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=93">Lindgard Stelhammer</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=786</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Der Schlaf hatte Lindgard nicht gefunden, er hatte sie überwältigt. Heimlich, aus dem Hinterhalt, wie eine Natter im hohen Gras, als sie zu lange ins flackernde Licht der Feuerstelle gestarrt hatte. Vielleicht war es auch die Stille gewesen. Oder die Müdigkeit, die sich wie ein schwerer Schleier auf ihre Schultern gelegt hatte, während sie wach im Bett gelegen und dem Pochen ihres eigenen Herzens gelauscht hatte, wie damals als Kind, wenn die Ereignisse des Tages zu aufregend gewesen waren, um sie schlafen zu lassen. Vielleicht war es auch die Wärme gewesen, die sich durch die unzähligen Pelze über ihr in die Glieder geschlichen hatte, viel zu üppig, viel zu weich, fast wie eine Falle aus Gemütlichkeit. Oder es war schlicht die Erschöpfung gewesen, die sie übermannt hatte, als sie endlich sicher gewesen war, dass Jorin sie heute Nacht nicht mehr aufsuchen würde. Nicht aus Gleichgültigkeit, das wusste sie. Nein, Jorin war zu rücksichtsvoll, zu achtsam. Zu gut. Und genau das war es, was ihr so furchtbar leidtat. <br />
<br />
Sie hatte den Moment nicht registriert, in dem ihr die Augen zugefallen waren. Keine Erinnerung an einen letzten Gedanken, kein Bewusstsein, dass der Schlaf kam. Und so war es ein Absturz ins Nichts gewesen – ein kurzer, taumelnder Fall in einen dunklen, traumlosen Schlund. Zuerst. Doch dann hatte sie es gespürt. Das Knistern. Oder eher: das Fehlen davon. Kein Knistern mehr. Kein Flackern. Keine Wärme. Nur Dunkelheit. Zäh, erstickend, lautlos. So vollkommen lautlos, dass ihre Sinne begannen, Dinge zu hören, die nicht da waren. Schwere Schritte. Grunzende, erregte Atemzüge. Das grobe Schaben von Stiefeln auf gefrorenem Waldboden. Und plötzlich war alles wieder da – nicht wie eine Erinnerung, sondern wie ein Fallen in eine Zeit, die nicht vergangen war. Nicht für sie.<br />
<br />
Sie lag da, gefangen in ihren eigenen Gedanken. Wach genug, um zu wissen, dass sie schlief, aber nicht mit genug Bewusstsein, um sich zu bewegen. Ein bleiernes Gewicht legte sich auf ihre Brust – vielleicht das schwere Fell, vielleicht ihre eigene Panik – und ihre Lider blieben wie zugenäht. Selbst das Zittern ihrer Glieder spürte sie nur dumpf, als wären sie nicht mehr Teil von ihr.<br />
<br />
Dann dieser grobe Stoff, der an ihrer zarten Gesichtshaut rieb. Wie damals. Der Leinensack, sie roch ihn – feucht, modrig, mit einem Hauch von altem Metall. Sie hörte das schmutzige Gelächter, spürte, wie Hände über sie glitten. Rau. Fremd. Gierig. Ihr Mund war trocken, der damalige Schrei heute nur Wimmern tief in ihrer Kehle. Ihre Brust hob und senkte sich zu schnell. Die Kälte des eiskalten Waldbodens, der Gedanke, den Fremden ausgeliefert, entblößt zu sein ... die Erinnerungen waren so präsent, so greifbar, dass sie erstickt aufschluchzte. Zuerst leise, dann lauter. Der gellende Schrei brach aus ihr hervor, ehe sie ihn unterdrücken konnte – roh und keuchend, das Geräusch eines gehetzten Tieres, das aus dem Schlaf gerissen wird.<br />
<br />
Und dann war da diese Gestalt. Vor ihrem Bett. In der Finsternis. Hochgewachsen, breitschultrig. Eine Silhouette nur, doch in ihrem panischen Zustand war das Bild längst vervollständigt: Es war einer von ihnen. Wieder einer von ihnen. Wimmernd fuhr ihre Hand zur Seite. Ihr Dolch, wo war ihr Dolch? Er war immer da gewesen – unter ihrem Kissen, in Reichweite. Doch jetzt war da nur das Fell, nur Leere. Ihre Finger tasteten, krallten sich in weiches Leinen, während sie zurückwich, tiefer ins Bett hinein, das viel zu groß war, viel zu leer. Viel zu fremd.  Ihre Stimme war nur ein Flüstern, gebrochene, unverständliche Worte, ihre Kehle rau vom Schreien, das zu eine Krächzen verebbt war.<br />
<br />
Dann – eine Lichtquelle – blass, golden und zögerlich. Ein Hauch von Flamme, irgendwo neben dem Bett. Und mit dem Licht: ein Gesicht. Weder fremd noch feindlich, vielmehr vertraut. Jorin. Ein Keuchen entwich ihren Lippen, doch nicht aus Erleichterung. Es war vielmehr die Erkenntnis, von was genau er just Zeuge geworden sein muss, die auf Lindgards Seele schlug wie eine Axt auf gefrorenes Holz.<br />
<br />
Sein Blick wirkte verwirrt, vielleicht sogar besorgt. Ihre Brust hob und senkte sich viel zu schnell, der Schweiß hatte ihr das hellblonde Haar an die Schläfen geklebt, und ihre Wangen glänzten von Tränen, die sie nicht bewusst vergossen hatte. Dann das Bewusstsein ihres Körpers: das dünne Nachtgewand, das Frigga ihr hatte anlegen lassen – aus fließendem, dunklem Leinen, tief ausgeschnitten, fast durchsichtig, mit zarten Stickereien entlang der Kante, die kaum etwas verhüllten. Ihre Schultern waren nackt, ebenso wie ihre Schenkel, über die der Stoff sich nur lose legte. Sie fühlte sich bloßgestellt. Nein, entblößt. Nicht durch ihn – nicht durch Jorin – ondern durch sich selbst, durch diese Nacht. Durch die Albträume, durch das Zittern, durch das Unvermögen, endlich so zu sein, wie man es von ihr erwartete.<br />
<br />
Ihr Blick suchte seinen. Fand ihn einen Herzschlag lang, nur um ihn nicht halten zu können. Ihre Lippen bebten, ihr Gesicht zeigte eine Mischung aus Scham, Angst und einem bitteren, brechendem Stolz. Sie öffneten sich, doch kein Wort kam über sie. Lindgard wollte sich aufrichten, sich sittsam bedecken, doch der Schwindel kam zu schnell. Ihre Finger gruben sich in das Fell und zogen es mühsam über ihren spärlich bedeckten Körper. Sie lebte, das musste reichen. Doch in ihrem Innersten pochte nur die Gewissheit, dass ihr Ehemann so viel mehr verdient hatte als diesen Schatten einer Gemahlin.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate2">
Der Schlaf hatte Lindgard nicht gefunden, er hatte sie überwältigt. Heimlich, aus dem Hinterhalt, wie eine Natter im hohen Gras, als sie zu lange ins flackernde Licht der Feuerstelle gestarrt hatte. Vielleicht war es auch die Stille gewesen. Oder die Müdigkeit, die sich wie ein schwerer Schleier auf ihre Schultern gelegt hatte, während sie wach im Bett gelegen und dem Pochen ihres eigenen Herzens gelauscht hatte, wie damals als Kind, wenn die Ereignisse des Tages zu aufregend gewesen waren, um sie schlafen zu lassen. Vielleicht war es auch die Wärme gewesen, die sich durch die unzähligen Pelze über ihr in die Glieder geschlichen hatte, viel zu üppig, viel zu weich, fast wie eine Falle aus Gemütlichkeit. Oder es war schlicht die Erschöpfung gewesen, die sie übermannt hatte, als sie endlich sicher gewesen war, dass Jorin sie heute Nacht nicht mehr aufsuchen würde. Nicht aus Gleichgültigkeit, das wusste sie. Nein, Jorin war zu rücksichtsvoll, zu achtsam. Zu gut. Und genau das war es, was ihr so furchtbar leidtat. <br />
<br />
Sie hatte den Moment nicht registriert, in dem ihr die Augen zugefallen waren. Keine Erinnerung an einen letzten Gedanken, kein Bewusstsein, dass der Schlaf kam. Und so war es ein Absturz ins Nichts gewesen – ein kurzer, taumelnder Fall in einen dunklen, traumlosen Schlund. Zuerst. Doch dann hatte sie es gespürt. Das Knistern. Oder eher: das Fehlen davon. Kein Knistern mehr. Kein Flackern. Keine Wärme. Nur Dunkelheit. Zäh, erstickend, lautlos. So vollkommen lautlos, dass ihre Sinne begannen, Dinge zu hören, die nicht da waren. Schwere Schritte. Grunzende, erregte Atemzüge. Das grobe Schaben von Stiefeln auf gefrorenem Waldboden. Und plötzlich war alles wieder da – nicht wie eine Erinnerung, sondern wie ein Fallen in eine Zeit, die nicht vergangen war. Nicht für sie.<br />
<br />
Sie lag da, gefangen in ihren eigenen Gedanken. Wach genug, um zu wissen, dass sie schlief, aber nicht mit genug Bewusstsein, um sich zu bewegen. Ein bleiernes Gewicht legte sich auf ihre Brust – vielleicht das schwere Fell, vielleicht ihre eigene Panik – und ihre Lider blieben wie zugenäht. Selbst das Zittern ihrer Glieder spürte sie nur dumpf, als wären sie nicht mehr Teil von ihr.<br />
<br />
Dann dieser grobe Stoff, der an ihrer zarten Gesichtshaut rieb. Wie damals. Der Leinensack, sie roch ihn – feucht, modrig, mit einem Hauch von altem Metall. Sie hörte das schmutzige Gelächter, spürte, wie Hände über sie glitten. Rau. Fremd. Gierig. Ihr Mund war trocken, der damalige Schrei heute nur Wimmern tief in ihrer Kehle. Ihre Brust hob und senkte sich zu schnell. Die Kälte des eiskalten Waldbodens, der Gedanke, den Fremden ausgeliefert, entblößt zu sein ... die Erinnerungen waren so präsent, so greifbar, dass sie erstickt aufschluchzte. Zuerst leise, dann lauter. Der gellende Schrei brach aus ihr hervor, ehe sie ihn unterdrücken konnte – roh und keuchend, das Geräusch eines gehetzten Tieres, das aus dem Schlaf gerissen wird.<br />
<br />
Und dann war da diese Gestalt. Vor ihrem Bett. In der Finsternis. Hochgewachsen, breitschultrig. Eine Silhouette nur, doch in ihrem panischen Zustand war das Bild längst vervollständigt: Es war einer von ihnen. Wieder einer von ihnen. Wimmernd fuhr ihre Hand zur Seite. Ihr Dolch, wo war ihr Dolch? Er war immer da gewesen – unter ihrem Kissen, in Reichweite. Doch jetzt war da nur das Fell, nur Leere. Ihre Finger tasteten, krallten sich in weiches Leinen, während sie zurückwich, tiefer ins Bett hinein, das viel zu groß war, viel zu leer. Viel zu fremd.  Ihre Stimme war nur ein Flüstern, gebrochene, unverständliche Worte, ihre Kehle rau vom Schreien, das zu eine Krächzen verebbt war.<br />
<br />
Dann – eine Lichtquelle – blass, golden und zögerlich. Ein Hauch von Flamme, irgendwo neben dem Bett. Und mit dem Licht: ein Gesicht. Weder fremd noch feindlich, vielmehr vertraut. Jorin. Ein Keuchen entwich ihren Lippen, doch nicht aus Erleichterung. Es war vielmehr die Erkenntnis, von was genau er just Zeuge geworden sein muss, die auf Lindgards Seele schlug wie eine Axt auf gefrorenes Holz.<br />
<br />
Sein Blick wirkte verwirrt, vielleicht sogar besorgt. Ihre Brust hob und senkte sich viel zu schnell, der Schweiß hatte ihr das hellblonde Haar an die Schläfen geklebt, und ihre Wangen glänzten von Tränen, die sie nicht bewusst vergossen hatte. Dann das Bewusstsein ihres Körpers: das dünne Nachtgewand, das Frigga ihr hatte anlegen lassen – aus fließendem, dunklem Leinen, tief ausgeschnitten, fast durchsichtig, mit zarten Stickereien entlang der Kante, die kaum etwas verhüllten. Ihre Schultern waren nackt, ebenso wie ihre Schenkel, über die der Stoff sich nur lose legte. Sie fühlte sich bloßgestellt. Nein, entblößt. Nicht durch ihn – nicht durch Jorin – ondern durch sich selbst, durch diese Nacht. Durch die Albträume, durch das Zittern, durch das Unvermögen, endlich so zu sein, wie man es von ihr erwartete.<br />
<br />
Ihr Blick suchte seinen. Fand ihn einen Herzschlag lang, nur um ihn nicht halten zu können. Ihre Lippen bebten, ihr Gesicht zeigte eine Mischung aus Scham, Angst und einem bitteren, brechendem Stolz. Sie öffneten sich, doch kein Wort kam über sie. Lindgard wollte sich aufrichten, sich sittsam bedecken, doch der Schwindel kam zu schnell. Ihre Finger gruben sich in das Fell und zogen es mühsam über ihren spärlich bedeckten Körper. Sie lebte, das musste reichen. Doch in ihrem Innersten pochte nur die Gewissheit, dass ihr Ehemann so viel mehr verdient hatte als diesen Schatten einer Gemahlin.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Bleeding Sun]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=741</link>
			<pubDate>Fri, 06 Jun 2025 08:49:23 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=59">Aurelia Marsili</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=741</guid>
			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/51/54/01/515401b76d3b76fcc82cd78f58ca8d17.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:14px;font-family:'Cinzel';">Sun-blood handsome</div>
Life and Poison.<br />
</div>
Langsam fühlte sich King’s Portal wieder so an, als würde sie atmen. Es war der gleiche, stinkende, stickige Atem, der sich in jedem Oktober durch die staubigen Gassen über die Mosaikböden drückte, dick und schwanger von Menschenodor, eingegangenen Früchten und Färbergeruch. Aber es war auch der Atem, der im Nachzug eine frische Brise vom Schaum des Meeres mit sich trug, sich nach oben hin klärte und zum Sonnenuntergang langsam die Hitze aus dem Marmor saugte. Die letzten Tage hatte die Stadt gejauchzt, war mit Leben an verschiedenen Herden gefüllt worden, von Menschen jeder Generation, jedes Landes, mit unterschiedlichen Motivationen, an den Spektakeln der Hochzeit teilzunehmen. Dann hatte sie geschlafen und den Menschen Zeit gegeben, sich von der Feierei zu erholen; Läden blieben geschlossen, Handwerk blieb ruhen, die Märkte nur gefüllt von Familien, die ihre übrig gebliebenen Festtagsreste teilten und gemeinsam in Erinnerungen schwelgten. Was King’s Portal die letzten Wochen gezeichnet hatte - der steigende Unmut in der Bevölkerung über den Zuwachs an Sommerländern, die wie unliebsame Fracht von Schiffen abgeschleppt worden waren, hungrig, ängstlich und gierig nach allem, was sie in ihre langen Finger bekommen konnten - hatte für zwei Nächte pausiert und einer Nächstenliebe Platz gemacht, die man sich untereinander schon kaum zutraute. Der unliebsame Einwanderer war auf einmal ein Freund. Der kleinwüchsige Zwerg war auf einmal genau groß genug, um mit ihm auf das Brautpaar anzustoßen und um das Feuer zu tanzen. Jetzt, wo die Stadt wieder atmete, schien das Vergangene mehr wie ein Traum als etwas, das sie alle gemeinsam erlebt hatten.<br />
Das Wetter hingegen schien das anders zu sehen, und manch einer sah es sicher als großzügiges Zeichen Heofaders für das junge Ehepaar, dass der Oktober sich mit einer goldenen Sonne ankündigte, die sich warm über die hellen Dächer der Stadt legte und den Palast auf dem Hügel in gleißendem Licht erstrahlen ließ. <i>Jetzt, wo sie darüber nachdachte, war es merkwürdig, dass kein Sturm am Horizont aufzog.</i><br />
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/736x/41/65/23/41652357f8117133d5c2d548d8aecf04.jpg"></div>Die Steine fühlten sich warm unter nackten Füßen an, die sich hin und wieder über den Unebenheiten wölbten und geschickt den spitzen Oberflächen auswichen. Die trägen Geräusche des Bankviertels im Hintergrund, kniete sich Aurelia zwischen zwei Felsen nieder und ließ den Meeresschaum gegen ihren Rock waschen, der schnell die türkis transparente Farbe des Wassers annahm und sich von den Wellen tragen ließ. Sie war der Großkönigsfamilie durchaus dankbar dafür, dass sie zwei Tage der Ruhe angeordnet hatten, und ausnahmsweise auch ihren Eltern, die sie nicht zum Arbeiten in die Taverne steckten. <i>Wer soll den Laden sonst halten, hm?</i> Das wusste sie doch; und trotzdem änderte es nichts daran, dass der triste Alltag sie anödete. Wenn sie nur den Mut besäße, sich den Seemännern anzuschließen und hinaus in die Wellen zu reiten ohne einen Plan, wohin es sie verschlagen würde. Wenn sie nur den Mumm hätte, ihrer Familie den Rücken zu kehren und dem Drang nach Freiheit nachzugeben.<br />
Stattdessen saß sie hier, allein, ihre Hände in das flache Wasser tunkend. Es war nicht die Tatsache, dass sie allein war, die sie so störte - sondern der Umstand, dass sie sich von Antonius Bruder klein bekommen hatte, ihm einen Gefallen zu tun und die Perlen für ihn zu waschen. Eigentlich war das gar nicht ihre Aufgabe, und ursprünglich hatte sie auch unzufrieden ihre Nase gekräuselt und die Arme vor der Brust verschränkt. <i>Nein.</i> Sie hatte Besseres zutun, als ihren freien Tag mit einem Gefallen zu verschwenden. Aber dann hatte er sie mit diesem dummen Hundeblick angesehen, den auch Antonius drauf hatte, und sie mit dem Versprechen rumbekommen, dass sie fünf von den Perlen behalten durfte. Hätte der Gefallen nicht beinhaltet, dass sie ihren Nachmittag an ihrem Lieblingsstrand verbringen konnte, hätte sie trotzdem Nein gesagt. In der Sonne, die ihre Nase küsste und ihre nackten Arme in eine warmen Olivton verwandelte, empfand sie es aber tatsächlich gar nicht als Strafe, und auch nicht als Zeitverschwendung. Im Gegenteil - Aurelia bemerkte, wie das rhythmische Heranwaschen der Wellen an ihren Gedanken zupfte und sie unter den schweren Locken löste. Während sie sich über die Perlen beugte, gab ihr Haar der Schwerkraft nach und fiel über ihre Schulter, bis es mit den Spitzen das Wasser berührte. So wie ihre Singstimme die Felsen berührte, geformt zu einer sanften Melodie, der nur die Wellen lauschen durften.<br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/51/54/01/515401b76d3b76fcc82cd78f58ca8d17.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;"><div style="font-size:14px;font-family:'Cinzel';">Sun-blood handsome</div>
Life and Poison.<br />
</div>
Langsam fühlte sich King’s Portal wieder so an, als würde sie atmen. Es war der gleiche, stinkende, stickige Atem, der sich in jedem Oktober durch die staubigen Gassen über die Mosaikböden drückte, dick und schwanger von Menschenodor, eingegangenen Früchten und Färbergeruch. Aber es war auch der Atem, der im Nachzug eine frische Brise vom Schaum des Meeres mit sich trug, sich nach oben hin klärte und zum Sonnenuntergang langsam die Hitze aus dem Marmor saugte. Die letzten Tage hatte die Stadt gejauchzt, war mit Leben an verschiedenen Herden gefüllt worden, von Menschen jeder Generation, jedes Landes, mit unterschiedlichen Motivationen, an den Spektakeln der Hochzeit teilzunehmen. Dann hatte sie geschlafen und den Menschen Zeit gegeben, sich von der Feierei zu erholen; Läden blieben geschlossen, Handwerk blieb ruhen, die Märkte nur gefüllt von Familien, die ihre übrig gebliebenen Festtagsreste teilten und gemeinsam in Erinnerungen schwelgten. Was King’s Portal die letzten Wochen gezeichnet hatte - der steigende Unmut in der Bevölkerung über den Zuwachs an Sommerländern, die wie unliebsame Fracht von Schiffen abgeschleppt worden waren, hungrig, ängstlich und gierig nach allem, was sie in ihre langen Finger bekommen konnten - hatte für zwei Nächte pausiert und einer Nächstenliebe Platz gemacht, die man sich untereinander schon kaum zutraute. Der unliebsame Einwanderer war auf einmal ein Freund. Der kleinwüchsige Zwerg war auf einmal genau groß genug, um mit ihm auf das Brautpaar anzustoßen und um das Feuer zu tanzen. Jetzt, wo die Stadt wieder atmete, schien das Vergangene mehr wie ein Traum als etwas, das sie alle gemeinsam erlebt hatten.<br />
Das Wetter hingegen schien das anders zu sehen, und manch einer sah es sicher als großzügiges Zeichen Heofaders für das junge Ehepaar, dass der Oktober sich mit einer goldenen Sonne ankündigte, die sich warm über die hellen Dächer der Stadt legte und den Palast auf dem Hügel in gleißendem Licht erstrahlen ließ. <i>Jetzt, wo sie darüber nachdachte, war es merkwürdig, dass kein Sturm am Horizont aufzog.</i><br />
<br />
<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://i.pinimg.com/736x/41/65/23/41652357f8117133d5c2d548d8aecf04.jpg"></div>Die Steine fühlten sich warm unter nackten Füßen an, die sich hin und wieder über den Unebenheiten wölbten und geschickt den spitzen Oberflächen auswichen. Die trägen Geräusche des Bankviertels im Hintergrund, kniete sich Aurelia zwischen zwei Felsen nieder und ließ den Meeresschaum gegen ihren Rock waschen, der schnell die türkis transparente Farbe des Wassers annahm und sich von den Wellen tragen ließ. Sie war der Großkönigsfamilie durchaus dankbar dafür, dass sie zwei Tage der Ruhe angeordnet hatten, und ausnahmsweise auch ihren Eltern, die sie nicht zum Arbeiten in die Taverne steckten. <i>Wer soll den Laden sonst halten, hm?</i> Das wusste sie doch; und trotzdem änderte es nichts daran, dass der triste Alltag sie anödete. Wenn sie nur den Mut besäße, sich den Seemännern anzuschließen und hinaus in die Wellen zu reiten ohne einen Plan, wohin es sie verschlagen würde. Wenn sie nur den Mumm hätte, ihrer Familie den Rücken zu kehren und dem Drang nach Freiheit nachzugeben.<br />
Stattdessen saß sie hier, allein, ihre Hände in das flache Wasser tunkend. Es war nicht die Tatsache, dass sie allein war, die sie so störte - sondern der Umstand, dass sie sich von Antonius Bruder klein bekommen hatte, ihm einen Gefallen zu tun und die Perlen für ihn zu waschen. Eigentlich war das gar nicht ihre Aufgabe, und ursprünglich hatte sie auch unzufrieden ihre Nase gekräuselt und die Arme vor der Brust verschränkt. <i>Nein.</i> Sie hatte Besseres zutun, als ihren freien Tag mit einem Gefallen zu verschwenden. Aber dann hatte er sie mit diesem dummen Hundeblick angesehen, den auch Antonius drauf hatte, und sie mit dem Versprechen rumbekommen, dass sie fünf von den Perlen behalten durfte. Hätte der Gefallen nicht beinhaltet, dass sie ihren Nachmittag an ihrem Lieblingsstrand verbringen konnte, hätte sie trotzdem Nein gesagt. In der Sonne, die ihre Nase küsste und ihre nackten Arme in eine warmen Olivton verwandelte, empfand sie es aber tatsächlich gar nicht als Strafe, und auch nicht als Zeitverschwendung. Im Gegenteil - Aurelia bemerkte, wie das rhythmische Heranwaschen der Wellen an ihren Gedanken zupfte und sie unter den schweren Locken löste. Während sie sich über die Perlen beugte, gab ihr Haar der Schwerkraft nach und fiel über ihre Schulter, bis es mit den Spitzen das Wasser berührte. So wie ihre Singstimme die Felsen berührte, geformt zu einer sanften Melodie, der nur die Wellen lauschen durften.<br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[The sky was fallin′ like a comet]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=737</link>
			<pubDate>Wed, 04 Jun 2025 15:19:09 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=22">Muirín Henaghen</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=737</guid>
			<description><![CDATA[Obwohl ihr Unterarm schon ganz gerötet war, weil sie sich so oft kniff, wachte sie trotzdem nicht auf. Dabei war sie sich sicher, dass dies ein schlechter Traum sein musste, denn ihr Leben hätte sich in den letzten Wochen nicht noch mehr ändern können. Nachdem ein Unbekannter Muiríns Vater von ihren Ausschweifungen berichtet hatte, war Alles ganz schnell gegangen. Sie selbst wurde nicht angehört. Wieso auch? Sie war schließlich nur eine Frau und außerdem schon lange vermeintlich auf der Suche nach einem Mann, den sie ehelichen konnte. Jedenfalls hatte sie das immer ihrem Vater und Bruder verkauft, dass es ihr wichtig wäre, selbst ihren Zukünftigen auszusuchen. Dass sie sich ranhielt, weil sie wusste, wie sehr es eilte. Sie war zu alt, um noch attraktiv für die Männer zu sein. Und wenn besagt Männer wüssten, womit sich die rothaarige Prinzessin in den letzten Monaten die Zeit vertrieben hatte, wäre ihr Alter ihr geringstes Problem. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann hätte sie sich nicht wundern dürfen. Und trotzdem schmerzte sie es, ihr altes Leben nun hinter sich zu lassen. Seit gestern war sie in Kenmara, hatte fünf Tage mit der Kutsche ihrer Familie zurückgelegt, ehe sie in dem felsigen Fürstentum angekommen war. Und schon nach den ersten paar Minuten wäre sie am liebsten direkt wieder auf dem Absatz umgekehrt. Es war windig und kalt, immer wieder regnete es und peitschte der jungen Frau ihre eigenen Haare ins Gesicht, sodass sie kaum noch etwas sehen konnte. Es war furchtbar. Der dunkelgraue Stein, aus dem hier fast alles gehauen war, schien sie zu verpönen. Sie auszulachen. Ihr zu sagen, dass sie hier nicht her gehörte. Nichts an dieser Festung wirkte einladend. Nichts wirkte wie ein schönes und gemütliches zu Hause. Und trotzdem würde das hier fortan ihre Heimat sein. Das Fürstentum Kenmara, die Spitze der See. <br />
<br />
Nachdem sie sich gestern einer ausgiebigen Körperpflege gewidmet hatte, hat man sie für den heutigen Abend zum ersten gemeinsamen Abendessen mit der Familie Fraser eingeladen. Sie hatte keine Ahnung, wer alles dabei sein würde. Und sie interessierte es auch nicht. Sie wollte nicht hier sein. Alles in ihr sträubte sich dagegen das dunkelgrüne samtene Kleid anzuziehen, das man ihr bereit gelegt hatte. Der Schmuck an ihren Ohrläppchen und an ihrem Hals fühlte sich an, als wäre er mehrere Kilo schwer, wollte sie zu Boden ziehen und über ihr thronen. Die Schmerzen, während man ihr die verknoteten Haare bürstete, eine stete Erinnerung daran, was von nun an ihr Leben sein würde. Und jeder, der auch nur ein einziges Mal in seinem Leben Kontakt mit Muirín Henaghen gehabt hatte, würde wissen, wie sehr sie alles an diesem Drecksort hasste. Und wie sehr sich das auf ihre Laune auswirkte. Ja, sie war eine Prinzessin. Ja, sie hatte theoretisch gute Manieren. ABER sie hasste es, wenn über ihren Kopf hinweg bestimmt wurde. Wenn ihr Leben von anderen Menschen in die Hand genommen wurde. Und sie war viel zu impulsiv und leidenschaftlich, um darüber zu schweigen. Sie war ein Wildfang, kein zahmes Pony. Sie würde beißen und treten, bis man sie in Ruhe ließ. Sie würde sich wehren. Gegen all' das hier. Gegen dieses Leben und diese Witterungsbedingungen. Gegen einen Mann, der sie nicht einmal sehen konnte, weil er von Geburt an verkrüppelt war! Man hatte sie mit einem Prinzen verheiratet, der keinen Thronanspruch hatte! Muirín Henaghen sollte in zwei Tagen einen Mann heiraten, der mit ihrer Schönheit nichts würde anfangen können, außer man berichtete ihm davon. Sie war doch kein Kindermädchen! <br />
<br />
Die geröteten Wangen versuchte sie schweigsame Zofe mit etwas Puder zu überdecken, gab jedoch nach kurzer Zeit auf, nachdem die Prinzessin immer wieder schnaubend den Kopf weggedreht hatte. Ob sie hier jemals Freunde finden würde, wenn sie es sich selbst mit ihrer Zofe verscherzte? Doch darüber konnte sie im Moment nicht nachdenken, war viel zu sehr gefangen in ihrem eigenen Temperament, ihrer Wut und ihrer Trauer. <br />
<br />
So war es wenig verwunderlich, dass die sonst so elegante und charmante Prinzessin wie ein tosender Wirbelwind durch die hölzernen Türe stürmte, die den Eingang zum Speisesaal markierten und sich wortlos auf den ihr zugewiesenen Platz setzte.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Obwohl ihr Unterarm schon ganz gerötet war, weil sie sich so oft kniff, wachte sie trotzdem nicht auf. Dabei war sie sich sicher, dass dies ein schlechter Traum sein musste, denn ihr Leben hätte sich in den letzten Wochen nicht noch mehr ändern können. Nachdem ein Unbekannter Muiríns Vater von ihren Ausschweifungen berichtet hatte, war Alles ganz schnell gegangen. Sie selbst wurde nicht angehört. Wieso auch? Sie war schließlich nur eine Frau und außerdem schon lange vermeintlich auf der Suche nach einem Mann, den sie ehelichen konnte. Jedenfalls hatte sie das immer ihrem Vater und Bruder verkauft, dass es ihr wichtig wäre, selbst ihren Zukünftigen auszusuchen. Dass sie sich ranhielt, weil sie wusste, wie sehr es eilte. Sie war zu alt, um noch attraktiv für die Männer zu sein. Und wenn besagt Männer wüssten, womit sich die rothaarige Prinzessin in den letzten Monaten die Zeit vertrieben hatte, wäre ihr Alter ihr geringstes Problem. Wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann hätte sie sich nicht wundern dürfen. Und trotzdem schmerzte sie es, ihr altes Leben nun hinter sich zu lassen. Seit gestern war sie in Kenmara, hatte fünf Tage mit der Kutsche ihrer Familie zurückgelegt, ehe sie in dem felsigen Fürstentum angekommen war. Und schon nach den ersten paar Minuten wäre sie am liebsten direkt wieder auf dem Absatz umgekehrt. Es war windig und kalt, immer wieder regnete es und peitschte der jungen Frau ihre eigenen Haare ins Gesicht, sodass sie kaum noch etwas sehen konnte. Es war furchtbar. Der dunkelgraue Stein, aus dem hier fast alles gehauen war, schien sie zu verpönen. Sie auszulachen. Ihr zu sagen, dass sie hier nicht her gehörte. Nichts an dieser Festung wirkte einladend. Nichts wirkte wie ein schönes und gemütliches zu Hause. Und trotzdem würde das hier fortan ihre Heimat sein. Das Fürstentum Kenmara, die Spitze der See. <br />
<br />
Nachdem sie sich gestern einer ausgiebigen Körperpflege gewidmet hatte, hat man sie für den heutigen Abend zum ersten gemeinsamen Abendessen mit der Familie Fraser eingeladen. Sie hatte keine Ahnung, wer alles dabei sein würde. Und sie interessierte es auch nicht. Sie wollte nicht hier sein. Alles in ihr sträubte sich dagegen das dunkelgrüne samtene Kleid anzuziehen, das man ihr bereit gelegt hatte. Der Schmuck an ihren Ohrläppchen und an ihrem Hals fühlte sich an, als wäre er mehrere Kilo schwer, wollte sie zu Boden ziehen und über ihr thronen. Die Schmerzen, während man ihr die verknoteten Haare bürstete, eine stete Erinnerung daran, was von nun an ihr Leben sein würde. Und jeder, der auch nur ein einziges Mal in seinem Leben Kontakt mit Muirín Henaghen gehabt hatte, würde wissen, wie sehr sie alles an diesem Drecksort hasste. Und wie sehr sich das auf ihre Laune auswirkte. Ja, sie war eine Prinzessin. Ja, sie hatte theoretisch gute Manieren. ABER sie hasste es, wenn über ihren Kopf hinweg bestimmt wurde. Wenn ihr Leben von anderen Menschen in die Hand genommen wurde. Und sie war viel zu impulsiv und leidenschaftlich, um darüber zu schweigen. Sie war ein Wildfang, kein zahmes Pony. Sie würde beißen und treten, bis man sie in Ruhe ließ. Sie würde sich wehren. Gegen all' das hier. Gegen dieses Leben und diese Witterungsbedingungen. Gegen einen Mann, der sie nicht einmal sehen konnte, weil er von Geburt an verkrüppelt war! Man hatte sie mit einem Prinzen verheiratet, der keinen Thronanspruch hatte! Muirín Henaghen sollte in zwei Tagen einen Mann heiraten, der mit ihrer Schönheit nichts würde anfangen können, außer man berichtete ihm davon. Sie war doch kein Kindermädchen! <br />
<br />
Die geröteten Wangen versuchte sie schweigsame Zofe mit etwas Puder zu überdecken, gab jedoch nach kurzer Zeit auf, nachdem die Prinzessin immer wieder schnaubend den Kopf weggedreht hatte. Ob sie hier jemals Freunde finden würde, wenn sie es sich selbst mit ihrer Zofe verscherzte? Doch darüber konnte sie im Moment nicht nachdenken, war viel zu sehr gefangen in ihrem eigenen Temperament, ihrer Wut und ihrer Trauer. <br />
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So war es wenig verwunderlich, dass die sonst so elegante und charmante Prinzessin wie ein tosender Wirbelwind durch die hölzernen Türe stürmte, die den Eingang zum Speisesaal markierten und sich wortlos auf den ihr zugewiesenen Platz setzte.]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Drink Up Me Hearties, Yo Ho]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=723</link>
			<pubDate>Sun, 18 May 2025 04:31:18 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=21">Ivar Lorenson</a>]]></dc:creator>
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			<description><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/85/4f/19/854f195648eebc0cb1e20030925e8363.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:black;">  .<br />
<div style="font-size:14px;font-family:'Cinzel';"> </div>
</div>
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<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/76fa9bba6f6879dda1ed4204f719cd75/tumblr_ms8m0lxbZd1qblbqbo3_250.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Verdammte Scheiße, der Wein war viel zu süß. Ivar verzog das Gesicht beim ersten Schluck und hielt in seinem Schritt inne, die Tonkaraffe skeptisch vor sich haltend. <i>’Du Spast weißt genau, dass ich süßes Zeug verabscheue.’</i> <i>’Gibt was zu feiern oder was?’</i> Den letzten Tag hatte Ivars Fantasie leider viel zu viel Zeit gehabt, in alle erdenklichen Richtungen zu springen, wie das Wiedersehen aussehen würde - von ein paar Schlägen in seine Fresse bis hin zu Tyra, nackt, auf Fellen, die sie selbst gegerbt hatte. Kann man sich ja denken, mit welchen Möglichkeiten er sich lieber beschäftigte. <br />
<i>’Du Schwein hast ohne mich angefangen??’</i> Da hatte er zumindest eine Ausrede. Eine volle Weinkaraffe bis an den letzten Furz der Stadt zu transportieren, ohne zu probieren, war eine Herausforderung für sich. Das Treffen gestern mit Sanna und seiner f u c k i n g Nichte hatte ihn komplett durch den Wind gebracht, und so ne Weinprobe, auch drei oder vier Weinproben, waren der einzige Weg, seinen Kopf zu klären beziehungsweise angenehm zu vernebeln, dass Gefühle, die er nicht fühlen wollte, sich klein machten und ihn einfach Ivar sein ließen. Er war nicht nervös, pf. War er nervös? Es war scheiß Tyra, die er nach Monaten endlich wieder sehen würde, und er fragte sich, wie er bis zu diesem Moment eigentlich überlebt hatte. Hinsichtlich der letzten Ereignisse hatte Heofader wohl doch eine Vorliebe für die Flüche des Söldners entwickelt und ihm drei Leben gegeben - die er übrigens gedachte, weiter gedankenlos aufs Spiel zu setzen. Änderte wohl doch nichts, auf einmal wieder Familie zu haben.<br />
<br />
Mit einem weiteren Schluck süßen Wein im Rachen, diesmal schon weniger das Gesicht verziehend, ließ er die letzte Häuserreihe im Rücken und lief der Sonne entgegen, bis sie in den Baumkronen des angrenzenden Waldes unterging. Von da aus sah er auch die Hexenhütte, in der Tyra verwesen musste, und sein Gang beschleunigte sich. Leichtfüßiger, als man seinem kompakten Körper ansehen mochte, schlitterte er den matschigen Hügel runter und schloss zu dem kleinen Trampelpfad auf, der ihn zu der winzigen Holztür führte. Der Schornstein rauchte, als hätte jemand ein Feuer aufgesetzt, aber es roch nicht nach Eintopf, sondern nach Kräutern. Wenn Tyra jetzt zur Kräuterfrau geworden war, würde er vielleicht doch wieder umdrehen.<br />
Aber Ivar zögerte nicht. Sowas wie Nervosität kannte er nicht, oder er gestand sie sich nicht ein, weil Zögern in jeder Lebenssituation entweder Schwäche bedeutete oder ihn in unnötig missliche Lagen brachte. Eventuell war auch der Wein Schuld daran, dass er jegliche unmännliche, sentimentale Gedanken weit in seine hintere Schädeldecke verbannte, bevor er seine Faust hob und klopfte. <br />
</div>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div class="posttemplate1">
<div class="posttemplate1header" style="background: url(https://i.pinimg.com/736x/85/4f/19/854f195648eebc0cb1e20030925e8363.jpg); background-size:100%;background-position:50% 50%;color:black;">  .<br />
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<div class="posttemplate3imageleft"><img src="https://64.media.tumblr.com/76fa9bba6f6879dda1ed4204f719cd75/tumblr_ms8m0lxbZd1qblbqbo3_250.gif" style="max-width:200px; max-height:120px; object-fit:cover;"></div>Verdammte Scheiße, der Wein war viel zu süß. Ivar verzog das Gesicht beim ersten Schluck und hielt in seinem Schritt inne, die Tonkaraffe skeptisch vor sich haltend. <i>’Du Spast weißt genau, dass ich süßes Zeug verabscheue.’</i> <i>’Gibt was zu feiern oder was?’</i> Den letzten Tag hatte Ivars Fantasie leider viel zu viel Zeit gehabt, in alle erdenklichen Richtungen zu springen, wie das Wiedersehen aussehen würde - von ein paar Schlägen in seine Fresse bis hin zu Tyra, nackt, auf Fellen, die sie selbst gegerbt hatte. Kann man sich ja denken, mit welchen Möglichkeiten er sich lieber beschäftigte. <br />
<i>’Du Schwein hast ohne mich angefangen??’</i> Da hatte er zumindest eine Ausrede. Eine volle Weinkaraffe bis an den letzten Furz der Stadt zu transportieren, ohne zu probieren, war eine Herausforderung für sich. Das Treffen gestern mit Sanna und seiner f u c k i n g Nichte hatte ihn komplett durch den Wind gebracht, und so ne Weinprobe, auch drei oder vier Weinproben, waren der einzige Weg, seinen Kopf zu klären beziehungsweise angenehm zu vernebeln, dass Gefühle, die er nicht fühlen wollte, sich klein machten und ihn einfach Ivar sein ließen. Er war nicht nervös, pf. War er nervös? Es war scheiß Tyra, die er nach Monaten endlich wieder sehen würde, und er fragte sich, wie er bis zu diesem Moment eigentlich überlebt hatte. Hinsichtlich der letzten Ereignisse hatte Heofader wohl doch eine Vorliebe für die Flüche des Söldners entwickelt und ihm drei Leben gegeben - die er übrigens gedachte, weiter gedankenlos aufs Spiel zu setzen. Änderte wohl doch nichts, auf einmal wieder Familie zu haben.<br />
<br />
Mit einem weiteren Schluck süßen Wein im Rachen, diesmal schon weniger das Gesicht verziehend, ließ er die letzte Häuserreihe im Rücken und lief der Sonne entgegen, bis sie in den Baumkronen des angrenzenden Waldes unterging. Von da aus sah er auch die Hexenhütte, in der Tyra verwesen musste, und sein Gang beschleunigte sich. Leichtfüßiger, als man seinem kompakten Körper ansehen mochte, schlitterte er den matschigen Hügel runter und schloss zu dem kleinen Trampelpfad auf, der ihn zu der winzigen Holztür führte. Der Schornstein rauchte, als hätte jemand ein Feuer aufgesetzt, aber es roch nicht nach Eintopf, sondern nach Kräutern. Wenn Tyra jetzt zur Kräuterfrau geworden war, würde er vielleicht doch wieder umdrehen.<br />
Aber Ivar zögerte nicht. Sowas wie Nervosität kannte er nicht, oder er gestand sie sich nicht ein, weil Zögern in jeder Lebenssituation entweder Schwäche bedeutete oder ihn in unnötig missliche Lagen brachte. Eventuell war auch der Wein Schuld daran, dass er jegliche unmännliche, sentimentale Gedanken weit in seine hintere Schädeldecke verbannte, bevor er seine Faust hob und klopfte. <br />
</div>]]></content:encoded>
		</item>
		<item>
			<title><![CDATA[Nothing burns like the cold.]]></title>
			<link>https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=719</link>
			<pubDate>Mon, 12 May 2025 15:30:02 +0200</pubDate>
			<dc:creator><![CDATA[<a href="https://facingthestorm.de/member.php?action=profile&uid=138">Erik Norrholm</a>]]></dc:creator>
			<guid isPermaLink="false">https://facingthestorm.de/showthread.php?tid=719</guid>
			<description><![CDATA[Gemächlichen Schrittes trottete Thorin dahin – denn anders ließ sich der Gang des alten Wallachs kaum noch beschreiben. Seine Hufe setzten bedächtig auf dem vom Laub gedämpften Boden auf, während die Wintersonne blass durch die Bäume zwischen Wintergard und Wolfsmark fiel. Ein zufriedenes Schnauben, ein treuer Blick über die Schulter – und Erik musste einmal mehr einsehen, dass dies wohl eine der letzten Reisen des alten Braunen war.<br />
Für den Krieg, der unausweichlich am Horizont lauerte, würde er ein neues Pferd brauchen. Nicht, weil er an Thorins treuem Herzen zweifelte – nie –, sondern weil die Reise, die kommen würde, mehr fordern würde, als der alte Körper des Tieres noch hergab. Und Erik wusste, mit schmerzlicher Klarheit, dass er auf einem steifen Rücken in einer Schlacht vielleicht nicht nur das Tier, sondern auch sein eigenes Leben verlieren könnte.<br />
<br />
Trotzdem hing er an ihm – an diesem Pferd, das ihn als Kind getragen hatte, das seine Ungeduld, seinen Übermut, seine Arroganz ertragen hatte wie einen zu schweren Sattel. Thorin war kein Tier, das man einfach ersetzte.<br />
<br />
Und so keimte in ihm ein stiller Wunsch: Dass sein eigenes Kind, wenn es so weit war, auf diesem Wallach reiten lernen würde. Denn es gab kein besseres Pferd als Thorin. Nicht für den Anfang. Nicht für ein Herz, das Vertrauen lernen musste. <br />
Sanft legte Erik die Hand auf den Hals des alten Wallachs, tätschelte ihn im Rhythmus eines stummen Dankes. Thorins Ohren zuckten, hoben sich aufmerksam – der alte Braune hatte den anderen längst bemerkt, noch bevor Erik ihn richtig sehen konnte.<br />
Ein prächtiger Hengst näherte sich in gemessenem Tempo, der Atem dampfte in der kalten Morgenluft. Auf seinem Rücken saß Veith, wie gewohnt gerade im Sattel, die Haltung ruhig, aber wachsam – ein Winterländer durch und durch.<br />
<br />
Die beiden Männer trafen sich auf halbem Weg zwischen Wald und Hügelland, wo sich die Bäume lichteten und die kalte Luft offen über das Land strich. Erik spürte ein kurzes Ziehen in der Brust, nicht vom Ritt, sondern von dem, was hinter ihm lag: der Streit mit Leif, bitter und voller unausgesprochener Dinge. Sie waren beide stur. <br />
<br />
Er war froh, Veith zu sehen. Froh, heute mit jemandem unterwegs zu sein, der weder sein bester Freund noch Teil seines Blutes war. Einfach ein anderer Winterländer – schweigsam, zuverlässig, ohne das Gewicht alter Geschichten. Ein breites Grinsen legte sich über Eriks Gesicht – eines dieser typischen, das mehr verschmitzte Wärme als echten Frohsinn trug, aber dennoch ehrlich war. Er zügelte Thorin, als Veith nahe genug war, das Knirschen der Hufe im Schnee nur noch leise zwischen ihnen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Schön, dich mal wieder zu sehen"</span>, rief Erik, die Stimme rau vom Wind, aber unverkennbar erfreut. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Gefühlt ist’s eine Ewigkeit her..."</span> Vielleicht lag das an der Entfernung – der Weg zwischen Wintergard und Wolfsmark war beschwerlich genug, besonders wenn der Winter begann sich richtig zu entfalten – oder einfach daran, dass das Leben sie immer wieder in unterschiedliche Richtungen zog. Beide trugen Verantwortung, Verpflichtungen.. wie das nun einmal so war.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Ich hoffe, du hattest eine komfortable Anreise"</span>, setzte Erik an, während sein Blick kurz über Veiths Hengst glitt – kräftig gebaut, mit wachem Blick. Ein schönes Tier, Thorin legte die ergrauten Ohren leicht zurück.<br />
Ein spitzes Lächeln stahl sich auf seine Lippen, halb gespielt, halb ernst. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Wobei – für unsereins ist’s ja schon Komfort, wenn der Sattel nicht einfriert und einem das Pferd nicht beißt."</span> Sein Ton war leicht, fast schelmisch und nicht sonderlich ernst, aber dahinter schwang eine aufrichtige Freude mit.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[Gemächlichen Schrittes trottete Thorin dahin – denn anders ließ sich der Gang des alten Wallachs kaum noch beschreiben. Seine Hufe setzten bedächtig auf dem vom Laub gedämpften Boden auf, während die Wintersonne blass durch die Bäume zwischen Wintergard und Wolfsmark fiel. Ein zufriedenes Schnauben, ein treuer Blick über die Schulter – und Erik musste einmal mehr einsehen, dass dies wohl eine der letzten Reisen des alten Braunen war.<br />
Für den Krieg, der unausweichlich am Horizont lauerte, würde er ein neues Pferd brauchen. Nicht, weil er an Thorins treuem Herzen zweifelte – nie –, sondern weil die Reise, die kommen würde, mehr fordern würde, als der alte Körper des Tieres noch hergab. Und Erik wusste, mit schmerzlicher Klarheit, dass er auf einem steifen Rücken in einer Schlacht vielleicht nicht nur das Tier, sondern auch sein eigenes Leben verlieren könnte.<br />
<br />
Trotzdem hing er an ihm – an diesem Pferd, das ihn als Kind getragen hatte, das seine Ungeduld, seinen Übermut, seine Arroganz ertragen hatte wie einen zu schweren Sattel. Thorin war kein Tier, das man einfach ersetzte.<br />
<br />
Und so keimte in ihm ein stiller Wunsch: Dass sein eigenes Kind, wenn es so weit war, auf diesem Wallach reiten lernen würde. Denn es gab kein besseres Pferd als Thorin. Nicht für den Anfang. Nicht für ein Herz, das Vertrauen lernen musste. <br />
Sanft legte Erik die Hand auf den Hals des alten Wallachs, tätschelte ihn im Rhythmus eines stummen Dankes. Thorins Ohren zuckten, hoben sich aufmerksam – der alte Braune hatte den anderen längst bemerkt, noch bevor Erik ihn richtig sehen konnte.<br />
Ein prächtiger Hengst näherte sich in gemessenem Tempo, der Atem dampfte in der kalten Morgenluft. Auf seinem Rücken saß Veith, wie gewohnt gerade im Sattel, die Haltung ruhig, aber wachsam – ein Winterländer durch und durch.<br />
<br />
Die beiden Männer trafen sich auf halbem Weg zwischen Wald und Hügelland, wo sich die Bäume lichteten und die kalte Luft offen über das Land strich. Erik spürte ein kurzes Ziehen in der Brust, nicht vom Ritt, sondern von dem, was hinter ihm lag: der Streit mit Leif, bitter und voller unausgesprochener Dinge. Sie waren beide stur. <br />
<br />
Er war froh, Veith zu sehen. Froh, heute mit jemandem unterwegs zu sein, der weder sein bester Freund noch Teil seines Blutes war. Einfach ein anderer Winterländer – schweigsam, zuverlässig, ohne das Gewicht alter Geschichten. Ein breites Grinsen legte sich über Eriks Gesicht – eines dieser typischen, das mehr verschmitzte Wärme als echten Frohsinn trug, aber dennoch ehrlich war. Er zügelte Thorin, als Veith nahe genug war, das Knirschen der Hufe im Schnee nur noch leise zwischen ihnen. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Schön, dich mal wieder zu sehen"</span>, rief Erik, die Stimme rau vom Wind, aber unverkennbar erfreut. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Gefühlt ist’s eine Ewigkeit her..."</span> Vielleicht lag das an der Entfernung – der Weg zwischen Wintergard und Wolfsmark war beschwerlich genug, besonders wenn der Winter begann sich richtig zu entfalten – oder einfach daran, dass das Leben sie immer wieder in unterschiedliche Richtungen zog. Beide trugen Verantwortung, Verpflichtungen.. wie das nun einmal so war.<br />
<br />
<span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Ich hoffe, du hattest eine komfortable Anreise"</span>, setzte Erik an, während sein Blick kurz über Veiths Hengst glitt – kräftig gebaut, mit wachem Blick. Ein schönes Tier, Thorin legte die ergrauten Ohren leicht zurück.<br />
Ein spitzes Lächeln stahl sich auf seine Lippen, halb gespielt, halb ernst. <span style="font-weight: bold;" class="mycode_b">"Wobei – für unsereins ist’s ja schon Komfort, wenn der Sattel nicht einfriert und einem das Pferd nicht beißt."</span> Sein Ton war leicht, fast schelmisch und nicht sonderlich ernst, aber dahinter schwang eine aufrichtige Freude mit.]]></content:encoded>
		</item>
	</channel>
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