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Im Auge des Sturms

FACING
THE
STORM

Tritt ein in eine düstere Welt aus Macht, Verrat und alten Schwüren.

Lexikon

Nomadische Stämme


An und um sich ist jeder Stamm ein funktionierendes, selbstständiges Organ mit vorbestimmten Rollen, die des Überlebens willens streng eingehalten werden. In jedem Stamm findet man einen Anführer, Hirten, einen Schamanen und Stammesälteste.
Dennoch gibt es kultur- und effizienz-bedingt einzelne Stämme, denen eine Spezialisierung zufällt. Mädchen und Jungen werden in dem Handwerk des jeweiligen Stammes ausgebildet, bis sie das Erwachsenenalter erreichen und in andere Stämme heiraten, um dort ihre Rolle einzunehmen. Verstirbt beispielsweise die Schamanin eines Stammes, wird ein Kind aus dem Bai-Stamm herangezogen.

Diverse Stämme haben unterschiedliche Praktiken, denen sie streng folgen. So ist beispielsweise der Gao-Stamm für seinen Kodex, den Tavak, bekannt, der sie zu legendären Kriegern innerhalb des Nomadenvolkes macht.

Bekannte Stämme
Im Folgenden werden einige bekannte Stämme mit ihrem Spezialgebiet und ihrer Identität aufgeführt (beliebig erweiterbar):


Bai-Stamm

Der Bai-Stamm ist für seine Spiritualität bekannt. Etwa 25 an der Zahl, schlagen sie sich mit Tauschhandel durch und bieten teilweise ihre "ketzerischen" Schamanenrituale für variable Zwecke und selbstgeschnitzte Schutzamulette gegen weltliche Güter an. Dies findet vor allem Zuspruch in der ärmeren Bevölkerung Matariyyas, die keinen Zugang zu Wanderheilerinnen finden und sich leicht von dem Glauben beeinflussen lassen, böse Geister vertreiben zu müssen, um ihre Krankheiten zu heilen. Ob es nur glücklicher Zufall ist, dass die Rituale teilweise anschlagen, oder tatsächlich etwas an dem Glauben dran ist, kann man nicht so genau sagen.

Die Position des Stammesoberhaupts wird von Vater zu Sohn weitergegeben, doch die Frauen des Bai-Stammes haben einen recht hohen Stellenwert. Es sind nämlich ausnahmslos Frauen, die eine Ausbildung zur Schamanin durchlaufen. Vom Kindesalter werden Mädchen von älteren Schamanen für diverse Rituale beiseite genommen, während die Praktiken von Mund zu Mund weitergegeben werden. Sollte der Bai-Stamm in einer Generation keine Mädchen hervorbringen, werden Mädchen aus anderen Stämmen adoptiert und ausgebildet.
Das Ende einer Ausbildung erfolgt zum 16. Geburtstag, an dem ein Mädchen auch offiziell als volljährig gilt - Versprechen (Verlobungen) in andere Stämme werden allerdings schon vorher gemacht. Hier wird es verschiedenen Reinigungs- und Volljährigkeitsritualen unterzogen, mitunter muss es auch den Weg des Erwachens beschreiten. Fertig vorbereitet, ist ein Mädchen bereit, in einen anderen Stamm zu heiraten, um dort die spirituelle Führung zu übernehmen. In der Regel werden die Töchter des Stammesführers zuerst verheiratet, bevor Verwandte herangezogen werden. Viele Schamanen verbleiben allerdings auch im Stamm selbst, wenn in anderen Stämmen keine spirituelle Führung gebraucht wird.

Der Bai-Stamm ist der einzige verbliebene Stamm, der die Geschichten aus der "alten Welt" noch mit sich trägt und von Elfen, Zwergen und Magie erzählt, als wären sie einmal unter ihnen gewesen. Auf stammes-übergreifenden Festen sind sie selbstverständlicher Bestandteil der Rituale und nehmen verantwortungsvolle Rollen neben den spirituellen Führern der anderen Stämme ein.


Gao-Stamm

Der Gao-Clan lebt nach dem Kodex des Tavak – nicht bloß Regeln, sondern die pulsierende Kraft, die jeden Krieger formt. Selbstbeherrschung, Gehorsam gegenüber den Älteren und Respekt vor allem Leben sind nicht nur Lehren, sie sind das Blut des Stammes selbst. Über allem steht der Clan, und Loyalität ist heilig und unantastbar. Es heißt: „Tavak führt den Jungen zum Krieger.“ Doch wer den Kodex wirklich ehrt, spürt ihn in jedem Atemzug der Wüste, im heißen Sand unter den Füßen, im rhythmischen Klang der Klingen, die seit Generationen von Vater zu Sohn weitergegeben werden. Tavak ist kein Wort – es ist der Geist, der den Gao-Clan leben, kämpfen und überdauern lässt.

Der Gao-Clan ist tief mit der Mystik Arcandas verbunden. Die Drachen sind für sie heilige Gottheiten. Die großen Bestien der Lüfte wurden verehrt, ihre majestätische Gestalt inspirierte alles Handeln der Krieger, von den Ritualen bis hin zur Schmiedekunst.
So tragen die Krieger des Gao-Clans auf ihren Reisen geschnitzte Halbmasken, geschmückt mit Reißzähnen und kunstvollen Verzierungen, dazu einfache, schwere Gewänder und einen Kasa, den traditionellen Strohhut, der Schatten in der gnadenlosen Sonne spendet.
Ihre traditionelle Kampfrüstung hingegen ist ein Kunstwerk, das gleichermaßen Schutz und Ehrfurcht vermittelt. Der Kürass aus gehärtetem Leder wird kunstvoll so gestaltet, dass er die schuppenartige Struktur eines Drachen imitiert – ein Motiv, das sich auf Arm- und Beinschienen sowie den Rock erstreckt, der die Oberschenkel schützt. Am auffälligsten aber ist der Helm: aus Metallplatten gefertigt, geformt wie der Schädel eines Drachen oder Dämons, furchteinflößend und ehrwürdig zugleich. Wer diese Rüstung trägt, sieht nicht nur wie ein Krieger aus – er wird zum lebendigen Abbild der Drachen, verehrt und gefürchtet zugleich. Mittlerweile wird sie fast ausschließlich zu zeremoniellen Zwecken getragen.


Naharis-Stamm (ausgelöscht)

Der Naharis-Stamm, eigentlich mehr eine Familie, gehörte zwar offiziell zu den Nomaden, hatte sich aber vor etlichen Jahren von den übrigen Stämmen losgelöst und funktionierte daher als vollständiges, unabhängiges Organ. Isoliert, möchte man meinen, nahmen sie nur an dem einjährigen Zha’ruun teil und wurden deswegen immer ein wenig schräg von der Seite angeschaut.
Dass eine ganze Familie, ein ganzer Stamm im Jahr 993 NdV von der Wüste verschluckt werden konnte, damit hatte dennoch niemand gerechnet. Die Naharis waren eine sehr friedfertige Familie, die sich von Gewalt ferngehalten hatten, geborene Hirten, die mit Ziegen handelten und sonst wenig Kontakt zur Außenwelt pflegten. Als ein Stamm auf ihr Lager stieß, waren ihre leblosen Körper bereits halb vom Sand begraben.
Heute nutzt man das Schicksal der Naharis am Lagefeuer für Schauergeschichten. Wer den Stammespraktiken nicht genug Respekt zolle, den holen die Geister, so heißt es. Und wenn man ganz genau lauscht, dann hört man an ihrer Begräbnisstätte immer noch das Mähen ihrer Ziegen.