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| Geschrieben von Maebh Fraser - 11-06-2026, 09:40 |
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Wie immer, wenn ihre Stiefmutter mit ihr sprach, wusste Maebh gar nicht so recht, wie ihr geschah. Die Frau war eine absolute Naturgewalt und für die junge Fürstin war das zu viel. Viel zu viel. Egal wie sehr ihr Yue heute morgen Kraft gespendet hatte, sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte. Wie immer hatte Maebh das dringende Bedürfnis, einfach davonzulaufen. Sie wollte nicht mit Eleonora streiten. Sie wollte sie ja noch nicht einmal sehen! Aber auch diese Frage stand gar nicht im Raum. Denn man wich ihr nicht aus. Diese Option gab es nicht. Maebh runzelte ein wenig die Stirn und hatte bereits Luft geholt, um etwas zu erwidern, als plötzlich die zierliche Gestalt ihrer Stieftochter an ihr vorbeitrat und sich vor ihrer Stiefmutter aufbaute. Eleonora war sichtlich verwirrt und überrascht davon, dass jemand es wagte, ihr so zu begegnen. Kurz wanderte ihr Blick über Moira und die Geringschätzung sowie den fehlenden Respekt ihr gegenüber konnte man ihr sehr wohl ansehen. «Danke, Kleines. Aber ich fühle mich bestens. Lass doch die Erwachsenen miteinander sprechen, hmh?», schlug sie vor und hob die Hand um Moiras Wange zu tätscheln. Endlich zerbrach Maebhs Schockstarre. Ihre eigene Hand ruckte nach vorne und packte die ihrer Stiefmutter am Handgelenk. Mit einer Kraft, die sich die Fürstin selbst gar nicht zugetraut hätte, schob sie ihre Stiefmutter ein Stück zurück und damit weg von Moira. Eleonoras Blick weitete sich überrascht, sie schien gar nicht zu begreifen, was genau geschah. «Nie wieder», zischte Maebh, «hebst du die Hand gegen eines meiner Kinder. Nie wieder wirst du so respektlos mit einem von uns sprechen. Schon gar nicht mit Moira.» Zorn tropfte aus jeder ihrer mentalen Poren und legte sich wie ein schützender Schild um ihr Selbstbewusstsein, so klein es auch sein mochte. Sie hatte keine Lust mehr darauf sich von einer Frau herumschubsen zu lassen, die in ihrem Leben nur deshalb so weit gekommen war, weil sie wusste, wie sie sich profilierte. «Deine Toch-» «Meine Tochter ist meine Stieftochter. Und auch, wenn es dir nicht bewusst sein mag – ich liebe jedes dieser Kinder. Und ich lasse nicht zu, dass du sie genauso respektlos und herrisch behandelst, wie du mich behandelt hast! Und wenn du dich darüber nicht mit Eanruig unterhalten möchtest, dann gehst du jetzt auf dein Zimmer und ruhst dich aus!» Völlig verdattert und sichtlich entmachtet stand Elenora für einen Moment da und starrte Maebh an, als wäre sie die Verkörperung eines Rachegeistes, der ihr gerade eröffnet hatte, dass er kam um eine Schuld einzutreiben. Kurz mischten sich Emotionen so deutlich in ihren Zügen, dass Maebh sich sicher war, dass das eigentliche Unwetter gleich noch über sie hereinbrechen würde. Aber stattdessen schwieg die Frau. Sie sah kurz zwischen Moira und Maebh hin und her, dann zog sie langsam die Hand zurück und damit heraus aus Maebhs Fingern. «Ich wollte ihr nur die Wange tätscheln, Maebh. Aber du warst ja schon immer so...», sie machte eine Pause, ihr Mund verzog sich angewidert, «hysterisch. Und theatralisch. Besser wäre, du würdest sie mal erziehen, sodass sie sich nicht ungefragt einmischt.» «Und wie stellst du dir Erziehung vor? Soll ich sie für jedes falsche Wort ohrfeigen? Sie verprügeln? Und demütigen? So wie du es mit mir getan hast?» «Offenbar habe ich mir nicht genug Mühe gegeben, wenn du es wagst, so mit mir zu sprechen. Ich hatte gedacht, ich habe dir beigebracht, wie man eine junge Frau erziehen muss. Sie braucht eine Richtung. Sie braucht Ausbildung und-» «Sie braucht Respekt. Sie braucht Ruhe. Sie braucht jemanden, der ihr nicht die eigene Präsenz aufzwingt. Misch dich nicht in die Beziehung zwischen mir und meinen Kindern ein, Eleonora. Ich warne dich ein letztes Mal. Und für den Fall, dass dir nicht bewusst bist, wo du dich gerade befindest. Du bist auf Kenmara. Ich bin die Frau des Fürsten. Und wenn du nicht möchtest, dass die Wache dich mit dem Gesicht voran nach draußen in den Dreck wirft, wirst du jetzt deinen Mund halten. Moira, Liebes. Bitte hol Feldwebel Fynn. Er sollte heute morgen im Dienst sein. Ich bin mir sicher, er und seine Leute-» «Schon gut!», hielt Eleonora dagegen. «Schon gut. Aber das hier, Maebh, das hier klären wir noch.» «Jaja», murmelte die Fürstin und machte eine ausgesprochen rüde Geste, als ihre Stiefmutter sich abwandte und durch den Gang davonging wie eine überlebensgroße Fledermaus. Die wehenden Gewänder flatterten hinter ihr um die nächste Ecke und Maebh hielt sich nur mit Mühe davon ab, sich mit beiden Händen durchs Gesicht zu fahren. «Gut», stellte sie fest und versuchte, einfach gar nicht darauf einzugehen. «Ich schätze, schlimmer kann es nicht mehr werden.» |
| Geschrieben von Moira Fraser - 10-06-2026, 14:11 |
Natürlich hatte Moira sich noch nicht von diesem Moment der Schwäche – wie sie selbst es bezeichnen würde – erholt. Vermutlich würde sie sogar irgendwann heute Abend im Bett liegen und die zurückgehaltenen Tränen vergießen. Wie sehr wünschte sie sich jetzt einen Funken Normalität? Dass sie den Tod ihrer Mutter nicht rückgängig machen konnte, war ihr klar. Aber dass ihr Bruder jetzt bald eine Frau an seiner Seite haben würde und sie nicht einfach zu ihm ins Bett kriechen konnte, wann immer sie schlecht träumte oder traurig war, das war einfach zu viel. Aber sie wollte tapfer sein. Sie musste. Es blieb ihr ja am Ende auch gar nichts Anderes übrig. Also machte sie weiter und war froh, dass Maebh nichts mitbekommen hatte von diesem Moment. Natürlich hatte sie das nicht. Sie kannte Moira nicht und sie war eine blöde Hexe, die nur hier war, um Unheil anzurichten. Da blieb keine Zeit für Anderes. Auch wenn sie so eisern behauptete, dass sie sich ein besseres Verhältnis zu ihr wünschte, das waren nur Worte. Das redete die junge Fraser sich wenigstens ein, weil es so viel besser in ihr Weltbild passte als der Gedanke, dass Maebh es ernst mit ihr meinte und dass sie womöglich gar nicht so schlimm war, wie sie es glauben wollte.Moira folgte der Älteren, hörte sogar zu, was sie plante zu tun. Das war besser als sich über die eigenen Gefühle Gedanken zu machen. Und dann stoppte sie abrupt. Sowohl verbal, als auch körperlich und sie stieß leicht gegen ihren Rücken und blieb stehen und... lauschte. Nun, vielleicht war lauschen nicht die richtige Bezeichnung. Sie hörte zu. Denn die andere Frau, die los wetterte, gab sich scheinbar auch gar keine Mühe sonderlich leise oder diskret zu sein. In Moiras Kopf passierte viel. Einerseits ärgerte sie sich darüber, dass diese Frau Cathal als Maebs Sohn bezeichnete. Das war Unsinn! Aber das wurde nebensächlich, als die Prinzessin in einen weiteren Strudel der Emotionen geworfen wurde. Eigentlich sollte es sie freuen, dass Maebh so behandelt wurde. Eigentlich freute sie nämlich jede blöde Kleinigkeit, die ihr widerfuhr. Selbst wenn es nur die Gabel war, die beim Essenstisch zu Boden fiel. Und dass die Ältere sich nicht wohl fühlte, war unschwer zu erkennen. Ihre Stimme war so... anders. Verletzlich fast schon. Und wie sie zurück wich. Hatte sie Angst? Aber es war keine Freude, die sie beherrschte. Es war etwas, das sie mit aller Gewalt von sich schütteln wollte. Denn sie hatte den Drang Maebh zu verteidigen. Denn diese Frau war scheinbar nicht ganz bei Verstand. Wenn Maebh und ihr Vater die Hochzeit absagten, dann würde Muírín nicht einfach nur wegen einer Kleinigkeit im Bett liegen. Sie war krank. Sie gehörte ins Bett und nicht stundenlang auf eine Vermählung. Ehe Moira selbst verstand, was sie da tat, hatte sie sich schon aus der schützenden Haltung von Maebh befreit und war an ihr vorbei getreten. Sie stemmte die Hände in die Hüfte, erhob unpassender Weise das Wort. „Sie wird ihrer Pflicht nachkommen, nur nicht heute. Niemand möchte, dass sie während der Trauung zusammenbricht. Der Fürst von Kenmara hat natürlich angewiesen, dass unser Besuch dennoch wohl versorgt sein wird. Die Unterkünfte sind bereits hergerichtet. Und die Fürstin Kenmaras ist schon seit Stunden damit beschäftigt alles zu regeln. Wenn wir Euch nun also auf Euer Zimmer begleiten dürfen? Sicherlich seid Ihr von der Anreise erschöpft und möchtet Euch ausruhen?“ Die Unerschütterlichkeit ihres Vaters steckte in allen 156 Zentimetern der jungen Frau. Moira hatte sich vor Maebh sicherlich nie von ihrer besten Seite gezeigt. Doch sie lebte seit ihrer Geburt in der Festung. Sie hatte Anstand. Sie konnte mit Worten umgehen. Und auch wenn sie es sicherlich sehr bald abstreiten würde, sie versuchte hier gerade Maebh zu schützen. Wieso auch immer. |
| Geschrieben von Maebh Fraser - 09-06-2026, 08:50 |
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Das Herz einer Mutter spürte den Kummer des eigenen Kindes immer. Und auch Maebh spürte den Kummer ihrer Stieftochter und hätte nichts lieber getan, als sie in diesem Moment jetzt in die Arme zu schließen. Sie sah, was der Satz in Moira auslöste, auch wenn die junge Frau ihre Maske gut trug und ein ungeübte oder gar desinteressiertes Augen es vermutlich nicht wahrgenommen hätten. Doch anstatt sie in die Arme zu schließen, blieb Maebh wo sie war. Ein Teil von ihr hoffte so sehr, dass Moira sich nun zu ihr umwandte und ihr sagte, dass sie sie brauchte. Das sie einander in die Arme fallen und feststellen konnten, dass sie einander eben doch mochten. Alles war nur ein riesiges Missverständnis gewesen. Niemandem war klar gewesen, mit welchen Mächten sie es zu tun hatten. All so ein Zeug. Aber das geschah natürlich nicht. Moira erwachte nicht plötzlich rein durch eine Eingebung aus all ihrem Zorn auf Maebh und Maebh würde nicht, einfach nur weil sie sich das wünschte jegliche Grenze überschreiten und die junge Frau in eine ausgesprochen unangenehme Situation bringen. Das lag ihr fern. Stattdessen blieb sie, wo sie war. Still, ruhig und freundlich, so wie es immer war. Sie hatte kein Problem damit, warten zu müssen. Maebh war keine ungeduldige Person. Es gab absolut keinen Grund, Moira zu drängeln. Also blieb sie schlicht bei der Tür stehen, die Hände im Schoß gefaltet, und ließ den Blick durch eines der Fenster gleiten, während ihre Gedanken sich in die Winde Kenmaras legten und auf den Stürmen übers Meer segelten. Sie konnte es nachvollziehen. Wie gerne wäre auch sie frei gewesen. Freier, als sie das war. Freier, als sie sein konnte. Als Frau. An diesem Ort. Überhaupt als Frau. Sie hatten am Ende nur das, was ihre Männer ihnen zugestanden. Moira hatte all das, was ihr Vater ihr zugestand. Sie hatte Freiheiten, Bequemlichkeit und mehr Rechte, als sich so manche junge Frau vorstellen konnte. Maebh fragte sich, ob Eanruig Pläne dazu hatte, das Mädchen zu verheiraten. Ob es vielleicht sogar schon geeignete Kandidaten gab? Sicher hätte er mit ihr darüber gesprochen? Er hatte auch wegen Cathal mit ihr gesprochen. Vielleicht war es also besser, er tat das nicht. Sollte sie ihm vielleicht sogar sagen, dass sie sich aus allem, was mit Moira zu tun hatte, lieber raushalten würde? Der Gedanke wurde jäh unterbrochen, als Moiras Stimme an ihr Ohr drang und sie informierte, dass sie fertig war. Maebh wandte sich um und blickte zu Moira. Da war es immer noch. Ein subtiler Zug um ihre Mundwinkel. Die Augen wirkten ein wenig müder als noch zuvor. Und die Körperhaltung war ein bisschen zu gerade. Sollte sie etwas sagen? War es in Ordnung? Aber gerade wollte Moira ihr nicht einmal die Schwäche zeigen, die sie ganz offenkundig empfand. Warum sollte das plötzlich funktionieren, nur weil Maebh etwas dazu sagte? Die Fürstin ging eher davon aus, dass sie damit eine Gegenreaktion auslösen würde. Also schwieg sie. «Großartig», stellte sie fest und bedeutete Moira, ihr zu folgen. «Wir werden zunächst einmal die nahe Familie benachrichtigen und -» Sie kam nicht weiter. Gemeinsam mit der Stieftochter war sie um die Ecke gebogen und dort beinahe mit ihrer heranrauschenden Stiefmutter kollidiert. «MAEBH!» Die weißhaarige hochgewachsene Frau, bildschön aber von keineswegs angenehmen Charakter, wie sich nun herausstellen dürfte, hatte die jüngere Fraser noch gar nicht bemerkt. Sie hatte nur Augen für ihre Stieftochter. «Was ist das hier für ein Unsinn? Wo sind Cathal und Muireann? Wieso dauert das alles so lange? Ich hätte es wissen müssen», fuhr sie fort, «dass du es nicht einmal schaffst, die Hochzeit deines Sohnes auszurichten.» «Muireann ist krank», gab Maebh ein wenig brüchig zurück und war ein paar Schritte zurück gewichen. «Krank. Wie krank kann sie schon sein. Zwick ihr ein paar Mal in die Wangen, steck sie in ihr Kleid und dann soll sie ihre Pflicht erfüllen», herrschte ihre Stiefmutter sie an und Maebh hatte Moira noch versucht davon abzuhalten, um die Ecke zu kommen. Genaugenommen schützte sie die junge Frau mit dem eigenen Körper davor, ebenfalls in den Radius ihrer Stiefmutter zu kommen. |
| Geschrieben von Moira Fraser - 04-06-2026, 15:59 |
Fast wünschte Moira sich, dass Maebh gemein zu ihr wäre. Dass sie von oben auf sie herab sah – nicht nur körperlich – oder dass sie mit ihr schimpfte, gewaltsam an ihrem Arm griff oder irgendetwas. Einfach etwas, das ihr eigenes Verhalten bestätigte und mit dem sie womöglich sogar zu ihrem Vater laufen könnte. Aber stattdessen war sie die Ruhe selbst. Wenigstens äußerlich. Denn wie es Maebh wirklich ging, wusste die junge Fraser nicht. Und es interessierte sie auch nicht. Außerdem... wie sollte es ihr denn bitte schlecht gehen? Sie hatte gut heiraten dürfen, hatte ein tolles Zuhause, sogar einen tollen Ehemann und es ging ihr gut. Sie hatte sogar einen Sohn geboren, der irgendwann der Fürst Kenmaras werden würde. Da durfte es einem nicht schlecht gehen.„Natürlich werde ich für ihn da sein. So wie ich es immer bin und immer sein werde“, erwiderte sie etwas schroff. Als müsste man ihr sagen, dass sie für ihren Bruder da sein musste. Sie war immer da gewesen, genauso wie er immer für sie da war. Schon damals, als ihre Mutter starb oder noch früher, wenn andere Leute nicht an ihn geglaubt hatten. Sie war immer da gewesen. Und was das Andere anging? Moira wollte das nicht. Aber sie war nicht dumm. Sie wusste, dass diese Bitte ihr nicht tatsächlich die Wahl ließ. Und so sehr sie meckern und zetern wollte: es würde rein gar nichts ändern. „In Ordnung, ich werde Euch unterstützen“, war daher ihre schlichte Antwort. Sie resignierte. Aber das bedeutete nicht, dass sie jetzt das handzahme Kätzchen sein würde. Sie würde all das überstehen, Maebh dabei finstere Blicke zuwerfen und auch nur so viel machen, dass man ihr nicht vorwerfen konnte, dass sie sich quer stellte. Und damit war ihr Plan geformt, sie wappnete sich und... zerbrach dann binnen Sekunden. Wegen eines Satzes, bei dem selbst Moira bewusst war, dass er gar nicht gezielt hatte gesagt werden können. Wir müssen uns nicht die Haare flechten. Etwas, das ihre Mutter immer gemacht hatte. Es war so banal, aber das war etwas, das Moira schmerzlich vermisste und fast jeden Tag erinnerte sie sich daran, wenn die Zofen bei ihr waren. Ihre Fassade bröckelte. Für einen langen Moment war da nicht die trotzige, aber selbstbewusste junge Frau. Für diesen Augenblick war sie das Kind, das vor fünf Jahren seine Mutter verloren hatte. Sie wandte sich ab, blinzelte hektisch die aufkommenden Tränen weg und eilte selbstständig an ihren Schrank. Die Zofen hinter ihr redeten mit ihr, wollten ihr die Arbeit abnehmen, aber Moira ließ sich nicht abbringen und nutzte den Moment, in dem sie nach dem richtigen Kleid suchte dafür, um sich zu beruhigen. Es gelang ihr mehr schlecht ans recht. Aber wenigstens bekam sie die Tränen in den Griff, aber sie fühlte sich trotzdem wie ein Häufchen Elend. Aber es half ja nichts, also hielt sie einer der Beiden Zofen das Kleid hin und ließ sich von der Anderen aus dem aktuellen Kleid helfen. Keine fünf Minuten später war sie fertig. Sie bedankte sich bei den Zofen. „Ich bin soweit“, sagte sie also an Maebh gewandt, achtete diesmal jedoch darauf, dass sie die Ältere nicht direkt ansah. Sie wollte nicht, dass sie womöglich erkannte, dass es ihr gerade wirklich nicht gut ging. Sie wollte keine Schwäche zeigen. Nicht vor ihr. Dass sie mit ihrem Verhalten umso auffälliger zeigte, dass irgendetwas nicht stimmte? Das war der Prinzesin nicht bewusst. So weit dachte sie einfach nicht. |
| Geschrieben von Maebh Fraser - 04-06-2026, 01:16 |
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Sie hatte ja schon damit gerechnet, dass Moira wenig begeistert auf sie reagieren würde. Aber der Spruch zur Hochzeit trieb es sogar fast auf die Spitze. Dennoch blieb Maebh ruhig. Besonnen. Sanft. Sie kommentierte es nicht. Sie rügte Moira nicht dafür. «Ich kann verstehen, dass du dich mit dieser Hochzeit unwohl fühlst», stellte sie fest. «Und ich weiß auch, dass Cathal sich nicht wohl fühlt. Wir sprachen bereits und ich schätze, dass er dich später brauchen wird, weil auch er davon betroffen sein wird. Aber erst einmal müssen wir uns um die organisatorischen Dinge kümmern, Moira. Und du bist alt genug, um zu lernen, wie so etwas funktioniert.» Maebh war sich des Umstandes bewusst, dass Moira viele Freiheiten hatte. Das sie ihr Leben genoss und sich keinen Deut darum scherte, was auf sie zukam. Aber seis drum, Maebh hatte nicht vor, sich jetzt mit ihr deswegen zu streiten. Also neigte sie leicht den Kopf nach vorne und bedachte Moira mit einem durchdringend ruhigen Blick. «Du wirst mich bei der Koordination unterstützen und mich den Tag über begleiten. Wir müssen dafür sorgen, das nicht alles im heillosen Chaos versinkt und auf die Männer würde ich mich in dieser Angelegenheiten eher nicht verlassen. Das ist etwas, das in Frauenhand gehört.» Dann allerdings hielt sie inne. Und eine steile Falte bildete sich auf ihrer Stirn. Sie überlegte einen Moment. Rang mit sich. Wollte nicht streiten. Dann atmete sie tief durch. «Ich will, dass du mich dort unterstützt, wo du gerade gebraucht wirst. Mir ist völlig gleich, ob du mich magst, Moira. Nein... das ist gelogen. Ich wäre glücklich, wir würden uns näher stehen. Sehr sogar. Es ist mir nicht egal, wie viel Hass du mir entgegenbringst. Aber ich werde ihn dir nicht wegnehmen. Ich werde nicht an dir herumzerren. Aber für heute ist das nebensächlich. Wir müssen uns nicht die Haare flechten, wir müssen einfach nur diesen Tag hinter uns bringen.» Dann sah sie an ihr herunter und ein schiefes Lächeln, fast schon warm, zupfte an ihren Lippen. «Du siehst wundervoll aus», stellte sie fest. «Aber ja. Ich denke, dich umzukleiden macht Sinn. Nicht, dass am Ende noch was damit passiert. Das wäre schade.» Es war nicht gelogen. Maebh wünschte sich wirklich mehr Beziehung zu ihrer Stieftochter. Intensivere Gespräche. Irgendwie die Möglichkeit, überhaupt auch nur im Ansatz an sie heranzukommen. Aber seit fast fünf Jahren war Moira grundsätzlich ablehnend und abweisend und irgendwann hatte Maebh eben einfach aufgegeben. Die dunklen Augen der Fürstin ruhten immer noch auf der jungen Frau, die sie mittlerweile geworden war. Ihre Züge verloren mehr und mehr die Jugend und kamen in der Zeit der Erwachsenen an. Moira wir bildhübsch. Und Maebh neidete es ihr nicht. Sie wurde erwachsen. Nicht auf die zerbrechlich sanfte Art, die man Frauen so gerne zuschrieb, sondern mit dieser Unerschrockenheit, die die Frasers so an sich hatten. Und mit einer Sturheit die selbst ihrem Vater Konkurrenz machte. |
| Geschrieben von Moira Fraser - 25-05-2026, 22:46 |
Es war ein schrecklicher Tag. Vermutlich sogar der schrecklichste Tag in ihrem Leben neben dem Todestag ihrer Mutter. Dabei sollte es doch der Hochzeitstag ihres Bruders sein. Sie wusste, dass es für ihn irgendwie immer in Ordnung war. Weil er alles tat, was Vater von ihm verlangte. Weil er alles tat, was zu seiner Pflicht gehörte. Und doch... sie wünschte sich so viel mehr für ihn. Eine liebende Frau, die Anerkennung die er verdient hatte und natürlich auch irgendwann das Fürstentum. Doch all das lag nicht in ihrer Macht. Und das hasste sie. Einmal mehr fühlte sie sich machtlos und unbedeutend und konnte nichts Anderes tun als die Dinge einfach zu ertragen. Und sie durfte nicht einmal zu ihrem Bruder, weil alle sich fertig machen mussten. Am Liebsten hätte sie ihn einfach für ein oder zwei Stunden 'entführt'. Einfach ein wenig gemeinsame Zeit, Reden, vielleicht irgendwelche dummen Scherze. Doch stattdessen stand sie hier in ihrer Kammer und zwei Zofen tänzelten um sie herum, machten ihre Haare, passten das Kleid an und brabbelten ununterbrochen davon, wie wunderschön die Braut heute wohl aussehen würde, wann Cathal ihr ein Kind schenken würde und all so etwas. Mit jeder Minute, die verging, rutschte ihre Laune noch ein Stück weit tiefer in den Keller.Und spätestens dann, als Maebh in ihre Kammer trat, musste man noch einen Keller an den Keller anbauen, um ihre Laune wiederfinden zu können. Sie war der Älteren einen finsteren Blick zu, der jedoch ins Wanken geriet bei ihren Worten. „Oh nein, wie tragisch“, erwiderte die Prinzessin in einem Tonfall, der eindeutig verriet, dass sie das gar nicht so schlimm fand.. Denn dass die Hochzeit verschoben werden musste, war alles andere als schlimm. Es mochte nur ein Aufschub sein, aber wenn etwas schief ging, war das ja erst einmal irgendwie gut. Auch wenn sie Muírín nichts Schlechtes wünschte. Sie konnte ja letztendlich auch nichts dafür, dass sie die Auserkorene war. Aber wenn es ihr nicht besorgniserregend schlecht ging, sondern nur zu schlecht für die Hochzeit, dann musste Moira sich ja nicht schlecht fühlen. Ein Teil der Worte von Maebh waren zwar irgendwo bei ihr angekommen, wurden aber nicht kommentiert. Bis zu dem Punkt, als diese Frau es wagte zu sagen, dass die Familie sie brauchte. Es kostete Moira mehr als nur etwas Kontrolle, um ruhig zu bleiben. Aber sie wusste, wie ihr Vater reagieren würde, wenn sie seine Ehefrau – pah! - anschreien würde. Also atmete sie tief ein. Einmal. Zweimal. Dreimal. „Und was wird meine Rolle dabei sein? Abseits davon, dass wir mit den Gästen reden müssen und so weiter? Ich soll sicherlich an Eurer Seite stehen und zeigen, was für eine perfekte Familie wir doch sind?“, erwiderte sie also stattdessen. Kein Lächeln. Kein sanfter Tonfall. Einfach nur eine scheinbar neutrale Aussage, die den tobenden Sturm in ihrem Inneren kaum verbergen konnte. Sie hasste alles daran. Aber sie wusste auch, dass es hier kein 'ich möchte nicht' geben würde. Es war keine Bitte, die Maebh da an sie heran trug, sondern einfach nur der Plan für das, was nun kommen würde. Sie verpackte es nur nett. So wie es sich gehörte. Moira blickte dafür einmal an sich herunter. „Sollte ich nicht etwas weniger Festliches anziehen? Das ist das Kleid, das Vater mir für Cathals Hochzeit hat anfertigen lassen. Genügt nicht etwas von den normalen Kleidern für den guten Besuch?“, erkundigte sie sich. |
| Geschrieben von Maebh Fraser - 15-05-2026, 17:12 |
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Ihre Nacht war ohnehin kurz gewesen. Das Gespräch mit Yue hing ihr noch nach, aber sie hatte dafür jetzt keine Zeit. Sie hatte auch keine Zeit, sich jetzt schon mit Eanruig zu unterhalten. Und sie hatte keine Zeit, um sich jetzt Sorgen zu machen. Das Muírín krank war, kam einer Katastrophe gleich und wenn sie den schnell herbeigeholten Heilkundigen richtig verstand, so war auch so schnell sicher keine Besserung in Sicht. Sie würde die Sache durchstehen müssen und danach musste sie langsam anfangen und sollte sich nicht überanstrengen. Und auch jetzt empfahl der Heilkundige Ruhe. Keine Reise. Keine Hochzeit. Kein Stress. Das bedeutete, dass sie nicht nur ein wenig erkältet war. Nein nein, das bedeutete, dass aus einem einzigen Satz ein reales und organisatorisches Chaos wurde. Die Hochzeit musste verschoben werden. Alleind er Gedanke sorgte dafür, dass sich Spannung zwischen ihren Schulterblättern festsetzte. Nicht einmal wegen der Arbeit an sich. Arbeiten konnte sie. Und die Struktur war es auch nicht. Aber eine verschobene Vermählung bedeutete unzählige Gespräche, enttäuschte Gäste, beleidigte Familien, Gerüche, Unsicherheiten und viele Menschen, die plötzlich Antworten erwarteten, die sie selbst noch nicht vollständig hatte. Und deshalb würde sie jetzt auch mit Moira sprechen müssen. Allein dieser Gedanke ließ ihr den Magen unangenehm schwer werden. Aber es brachte alles nichts. Sie musste da jetzt durch und ihre Füße hatten sie ohnehin bereits wie von selbst zu den Gemächern der jungen Frau getragen, die sich zweifelsohne sicher bereits für die Hochzeit fertig machen würde. Fahrig strich die Fürstin sich über den Rock. Nicht, weil der irgendwie unordentlich war. Maebh sah nie unordentlich aus. Viel mehr, weil sie nervös war und einen Moment brauchte, um ihre Fingerknöchel gegen die Tür klopfen zu lassen, ehe sie diese aufschob und nach drinnen trat. In der Tat war Moira bereits dabei, sich von ihren beiden Zofen hübsch machen zu lassen. Sie bekam das hin. Freundlich. Ruhig. Klar. Verbindlich. «Guten Morgen, Moira. Es ist gut, dass du schon auf den Beinen bist», begann sie und schloss die Tür hinter sich. «Aber ich bringe leider keine guten Neuigkeiten. Muírín ist leider schwer erkrankt und der Heilkundige schließt es aus, dass sie den Strapazen einer Hochzeit stand halten könnte. Es ist nicht so ernst, dass wir uns Sorgen machen müssen. Aber ernst genug, dass sie Ruhe braucht. Wir werden die Hochzeit also verschieben müssen. Ich möchte, dass du dich jetzt fertig anziehst und mich dann begleitest.» Sie hatte die Finger leicht vor sich verschränkt und sah Moira freundlich an, während sie den Kopf leicht neigte. «Die ersten Vorbereitungen laufen ohnehin schon seit Wochen. Gäste sind bereits angereist oder kommen im Laufe des Vormittags an. Wir müssen also Nachrichten und Boten schicken, die Gäste informieren, die bereits da sind und alles weitere koordinieren. Unter Umständen müssen die Unterkünfte für die Gäste dennoch bereitgestellt werden und sie müssen auch verköstigt und angemessen empfangen werden. Das gebietet schon die Gastfreundschaft.» Sie schaffte ein schiefes Lächeln und verdrängte das ungute Gefühl, dass dieses Gespräch gerade in ihr auslöste. «Die Familie braucht dich gerade, Moria. Ich brauche dich. Ich weiß, dass du mich nicht magst. Ich verstehe und akzeptiere das. Aber für den Moment sollten wir unsere Differenzen beiseite legen und tun, was wir können, um diese Situation halbwegs im Griff zu behalten.» Und irgendjemand musste mit ihrer Stiefmutter sprechen. Aber das würde sie vermutlich selbst erledigen und Moira würde es auch noch mitbekommen. Fantastisch. |

Natürlich hatte Moira sich noch nicht von diesem Moment der Schwäche – wie sie selbst es bezeichnen würde – erholt. Vermutlich würde sie sogar irgendwann heute Abend im Bett liegen und die zurückgehaltenen Tränen vergießen. Wie sehr wünschte sie sich jetzt einen Funken Normalität? Dass sie den Tod ihrer Mutter nicht rückgängig machen konnte, war ihr klar. Aber dass ihr Bruder jetzt bald eine Frau an seiner Seite haben würde und sie nicht einfach zu ihm ins Bett kriechen konnte, wann immer sie schlecht träumte oder traurig war, das war einfach zu viel. Aber sie wollte tapfer sein. Sie musste. Es blieb ihr ja am Ende auch gar nichts Anderes übrig. Also machte sie weiter und war froh, dass Maebh nichts mitbekommen hatte von diesem Moment. Natürlich hatte sie das nicht. Sie kannte Moira nicht und sie war eine blöde Hexe, die nur hier war, um Unheil anzurichten. Da blieb keine Zeit für Anderes. Auch wenn sie so eisern behauptete, dass sie sich ein besseres Verhältnis zu ihr wünschte, das waren nur Worte. Das redete die junge Fraser sich wenigstens ein, weil es so viel besser in ihr Weltbild passte als der Gedanke, dass Maebh es ernst mit ihr meinte und dass sie womöglich gar nicht so schlimm war, wie sie es glauben wollte.