03-03-2026, 14:31 - Wörter:
Cathal hörte ihr aufmerksam zu, spürbar interessiert, als sie über ihre Wut sprach und wie sie damit umging. Über seine eigene Wut sprach er nur selten. Vielleicht empörte er sich gelegentlich zusammen mit Moira, doch selbst bei seiner Schwester blieb alles dosiert, kontrolliert, als könne er die Nähe zu seiner Wut nicht zulassen. Nicht aus Rücksicht auf andere, sondern aus Angst vor der Schwäche, die er dadurch offenbarte.
Sie machte ihn fehlbar. Zeigte ihm, dass er nicht über allem stand – auch wenn er es selbst gerne geglaubt hätte. Es fühlte sich an, als würde sich etwas in seiner Brust zusammenziehen, ein leiser Druck, der ihm vor Augen führte, wie sehr ihn die eigenen Grenzen ausmachten. Und dass er sich selbst diesen Schein von Unantastbarkeit nur aufrechterhielt, um der Welt zu gefallen – nicht sich selbst. Er nickte, als Zeichen, dass er über ihre Worte nachdenken würde. Heute würde das sicherlich keine grundlegende Veränderung seines Wesens bewirken, doch zumindest war er gewillt, über sein Verhalten und seine Wut nachzudenken – das war mehr als sonst jemand in den letzten Jahren bei ihm erreicht hatte.
Auch als Maebh ihm sagte, dass sie ihn liebte, fiel es ihm schwer zu reagieren. Nicht, weil er Liebe nicht akzeptieren konnte, sondern weil ein Teil von ihm sich weiterhin dagegen sperrte. Doch er schloss nicht kategorisch aus, dass er es eines Tages erwidern könnte – nur vielleicht nicht in der Form, die Maebh verdiente.
Das Thema um Muirín war fast unverfänglicher, und Cathal ließ erleichtert die Luft aus seinen Lungen entweichen. Bei diesem Thema konnte er mit Logik arbeiten, die ihn schützte: Eine klare Analyse der Dynamik, statt der unmittelbaren Konfrontation mit seinen eigenen Gefühlen.
Konnte Maebh wirklich verstehen, warum er sich etwas anderes wünschte? Konnte sie den Drang nachvollziehen, der ihn seit seiner frühen Kindheit begleitete – dieses unbändige Verlangen, von Bedeutung zu sein? Er wusste es nicht. Im Moment war das auch nebensächlich. Maebh schaffte es, dass er sich zumindest teilweise gesehen fühlte. Auch wenn er sich noch nicht sicher war, ob er mochte, welchen Teil von ihm sie wahrnahm.
Die Worte über ihre Schwiegermutter weckten in dem jungen Fraser dasselbe Gefühl wie Muiríns Ausbruch am Esstisch vor wenigen Tagen: Widerwillen. Auch damals hatte es ihn gestört, wie seine zukünftige Gemahlin mit Maebh umgegangen war. Das Verhalten der Schwiegermutter klang mindestens ebenso grenzwertig.
Sie machte ihn fehlbar. Zeigte ihm, dass er nicht über allem stand – auch wenn er es selbst gerne geglaubt hätte. Es fühlte sich an, als würde sich etwas in seiner Brust zusammenziehen, ein leiser Druck, der ihm vor Augen führte, wie sehr ihn die eigenen Grenzen ausmachten. Und dass er sich selbst diesen Schein von Unantastbarkeit nur aufrechterhielt, um der Welt zu gefallen – nicht sich selbst. Er nickte, als Zeichen, dass er über ihre Worte nachdenken würde. Heute würde das sicherlich keine grundlegende Veränderung seines Wesens bewirken, doch zumindest war er gewillt, über sein Verhalten und seine Wut nachzudenken – das war mehr als sonst jemand in den letzten Jahren bei ihm erreicht hatte.
Auch als Maebh ihm sagte, dass sie ihn liebte, fiel es ihm schwer zu reagieren. Nicht, weil er Liebe nicht akzeptieren konnte, sondern weil ein Teil von ihm sich weiterhin dagegen sperrte. Doch er schloss nicht kategorisch aus, dass er es eines Tages erwidern könnte – nur vielleicht nicht in der Form, die Maebh verdiente.
Das Thema um Muirín war fast unverfänglicher, und Cathal ließ erleichtert die Luft aus seinen Lungen entweichen. Bei diesem Thema konnte er mit Logik arbeiten, die ihn schützte: Eine klare Analyse der Dynamik, statt der unmittelbaren Konfrontation mit seinen eigenen Gefühlen.
„Ich will sie nicht zu meiner Gegnerin machen“
, sagte er ruhig und nickte. Maebhs Bemerkung, dass Muirín Angst haben könnte, erinnerte ihn zugleich daran, wie verletzlich auch seine zukünftige Gemahlin hier war. Sie war neu in einem System, das jede Abweichung sofort registrierte und Eindringlinge schnell brandmarkte – selbst wenn nicht jeder sie als solchen betrachtete. Vielleicht dachte er dabei auch nur an eine Person. Konnte Maebh wirklich verstehen, warum er sich etwas anderes wünschte? Konnte sie den Drang nachvollziehen, der ihn seit seiner frühen Kindheit begleitete – dieses unbändige Verlangen, von Bedeutung zu sein? Er wusste es nicht. Im Moment war das auch nebensächlich. Maebh schaffte es, dass er sich zumindest teilweise gesehen fühlte. Auch wenn er sich noch nicht sicher war, ob er mochte, welchen Teil von ihm sie wahrnahm.
„Vielleicht wird sie das tun – so wie du das Leben meines Vaters bereicherst“
, spekulierte er, während er nachdenklich die Lippen verzog. Vielleicht würde die Frau seines Vaters eines Tages wirklich zu einer Vertrauten für ihn werden. Er spürte, dass ihre Ansichten seinen komplexen Verstand in Beschlag nahmen, weil sie über Dinge sprach, von denen er insgeheim kaum etwas verstand: Gefühle. „Dann einen Neuanfang.“
Cathal nickte erneut. Seine Stimme trug keine Abweisung, doch für einen kurzen Augenblick bemerkte er selbst die feine Veränderung darin – ein Hauch von Dankbarkeit, ungewohnt und schwer zu greifen. Fast so, als würde sich etwas in ihm lösen, etwas, das sonst fest verschlossen blieb. Und tief darunter, kaum mehr als ein Flüstern in seinem Ton, lag eine neue Wärme, die er weder erklären noch vollständig zulassen konnte – und vielleicht gerade deshalb kostbar war.Die Worte über ihre Schwiegermutter weckten in dem jungen Fraser dasselbe Gefühl wie Muiríns Ausbruch am Esstisch vor wenigen Tagen: Widerwillen. Auch damals hatte es ihn gestört, wie seine zukünftige Gemahlin mit Maebh umgegangen war. Das Verhalten der Schwiegermutter klang mindestens ebenso grenzwertig.
„Ich werde mir gewiss ein eigenes Bild machen“
, versprach er, obwohl sich die Spannung bereits schwer in seiner Brust ausbreitete, ein drängendes Ziehen, das nach einem Urteil verlangte. „Aber...“
Er hielt inne, als es leise an der Tür klopfte. Sein Blick glitt nach innen, die Augen leicht gesenkt, als lausche er in die Stille des Raumes. Eine von Muiríns Zofen berichtete, dass seine zukünftige Braut erkrankt sei – oder dabei war, es zu werden. Ein flüchtiges Zusammenziehen seiner Schultern, ein kurzes Spannungszittern in den Händen. Eine Augenbraue hob sich, und Cathal konnte das ungewohnte Gefühl in seiner Brust kaum einordnen. Es war nicht Zorn, nicht Pflicht, sondern etwas Neues – ein vorsichtiges Erwachen von Sorge. „Ja, sieh nach ihr“
, sagte er schließlich, die Stimme ruhig, doch unter der Oberfläche vibrierte das Gefühl, das ihn sonst nur für seine Schwestern kannte. „Und sorg dafür, dass sie bekommt, was sie braucht.“
Es war kein Befehl. Nicht wirklich. Es war ein tastender Schritt in Richtung Fürsorge, ein leises Eingeständnis, dass er Verantwortung empfinden konnte, ohne dass es sofort Autorität bedeutete.
