Dieses Forum nutzt Cookies
Dieses Forum verwendet Cookies, um deine Login-Informationen zu speichern, wenn du registriert bist, und deinen letzten Besuch, wenn du es nicht bist. Cookies sind kleine Textdokumente, die auf deinem Computer gespeichert sind; Die von diesem Forum gesetzten Cookies düfen nur auf dieser Website verwendet werden und stellen kein Sicherheitsrisiko dar. Cookies auf diesem Forum speichern auch die spezifischen Themen, die du gelesen hast und wann du zum letzten Mal gelesen hast. Bitte bestätige, ob du diese Cookies akzeptierst oder ablehnst.

Ein Cookie wird in deinem Browser unabhängig von der Wahl gespeichert, um zu verhindern, dass dir diese Frage erneut gestellt wird. Du kannst deine Cookie-Einstellungen jederzeit über den Link in der Fußzeile ändern.


Idris ibn Jahzor
Suche noch Anschluss
Unregistered
Idris
Alter
Beruf
Wohnort
Stand
User
#1
Hey,
Ich arbeite schon eine Weile am Charakter, aber ich komme nicht ganz vorwärts. Deswegen dachte ich das ich ihn hier unfertig mal poste. Ich würde ihn gerne als Kämmerer oder Schatzmeister am Hof verankern, bin mir aber nicht ganz sicher wie. Ich hatte vorher schonmal besprochen das er vielleicht bestochen wird und so an den Hof käme, bin mir aber nicht ganz sicher wie das im Detail aussehen würde. Eine andere Idee ist, dadurch das momentan viele Berater verschwinden das er deswegen von einigen Beamten empfohlen würde. Das könnte ich bei mir in der Story relativ einfach verankern. Wenn er ihr Vorschläge habt, dann haut sie gerne rein. Ansonsten suche ich nach Kontakten. Idris war zwar die meiste Zeit in Abu Kabir, aber dadurch das er mit dem Außenhandel vertraut ist, kann ich gerne noch Exkursionen hinzufügen auf die er mal gegangen ist.
Hier ist was ich bisher habe.

Name: Idris ibn Jahzor
Alter: 35
Stand: Geboren in die Unterschicht, heute oberen Mittelstand im Klerus
Beruf: Kämmerer
Aussehen:
FC ist Tahar Rahim
[Bild: 20000186.jpg]
Idris ist ein mittelgroßer Mann, knapp über durchschnittlich für Matariyya, schlank, aber nicht schmächtig. Kein Körper der Kraft zur Schau stellt, sondern einer der einfach funktioniert. Er bewegt sich ökonomisch, ohne überflüssige Gesten. Wer ihn zum ersten Mal sieht, schätzt ihn vielleicht als Händler ein, nie als jemanden der mit seinen Händen arbeitet, obwohl er das jahrelang getan hat.
Sein Gesicht ist dunkel, wirkt aber nicht besonders hart. Tiefe, ruhige Augen die mehr aufnehmen als sie preisgeben. Idris trägt außerdem einen kurzen, sorgfältig gestutzten Bart. Man würde ihn auf den ersten Blick für einen einfachen Verwaltungsgelehrten halten. Nur seine Hände verraten ihn immer noch etwas. Die Knöchel ein bisschen breiter als bei einem reinen Schreiber, die erste Schwielung vom Schmiedehammer längst verblasst aber nicht ganz verschwunden.
Er kleidet sich seinen Stand entsprechend, versucht aber nicht darüber hinaus besser ausszusehen oder Irritationen auszulösen. Es gibt bei ihm keine Zurschaustellung von Reichtum oder Prunk, allerdings hat seine Kleidung bei genauen hinsehen eine hohe handwerkliche Qualität. Das kann man aber nicht flüchtig erkennen.
Leichte, fließende Stoffe in gedeckten Farben, dunkles Sandbeige, tiefes Graugrün, gelegentlich ein zurückhaltendes Dunkelblau. Die Schnitte sind sauber und klar, die Nähte perfekt. Kein Schmuck außer einem schlichten Siegelring des Klerus. Kein Duft außer dem neutralen Geruch frischen Stoffs und Tinte. Sein Kopftuch sitzt immer ordentlich, ohne theatralische Drapierung. Er riecht nach niemandem.
Im Sommer trägt er manchmal einen leichten Überwurf der ihn in Menschenmengen unauffällig macht, nicht Klerus, nicht Händler, einfach ein Mann der irgendwo hingeht.

Charakter:
Idris ist kein Idealist und kein Zyniker. Er ist ein Pragmatiker mit einem intakten moralischen Kompass, aber einem der weiß, dass Moral allein nichts bewegt. Er glaubt wahrscheinlich noch an das Richtige, hat aber gelernt, dass man für das Richtige die richtigen Werkzeuge braucht. Wahrheit ist Rohmaterial. Das hat er sich selbst beigebracht.
Er wirkt nach außen ruhig, fast unlesbar, nicht weil er kalt ist, sondern weil er früh gelernt hat, dass sichtbare Reaktionen Kosten haben. Wer sich zeigt, verliert.
Seine Stärken sind neben seiner Geduld vor allem seine Stärke im Musterkennen und einer gewissen sozialen Intelligenz. Er ist außerdem ein Kontextbewusster Mensch welcher versteht das Menschen je nach Klasse, Herkunft und Absicht anders sprechen. Er hat außerdem eine gutes Gedächtnis und gilt in seinen Kreisen als Experte der Verwaltung und des Handels, besonders des Außenhandels. Seine große Schwäche ist das lügen. Er läuft zwar nichtmehr rot an wie er das als Kind tat, aber er versucht es so gut es geht zu vermeiden im direkten Gespräch. Er lügt heute weniger direkt und mehr durch Auslassung, Umstrukturierung, Neuinterpretation. Direkte lügen spricht er selten direkt aus.
Aufgrund seines Backgrounds hat er wenig Vertrauen in Menschen. Er erwartet zwar Loyalität zu ihm persönlich und ist dies auch zu anderen, aber er versteht auch das Menschen unter Druck ihre Loyalitäten neu sortieren. Das macht ihn vorsichtig, manchmal vielleicht zu vorsichtig. Er hat Verbündete, aber wahrscheinlich kaum jemanden dem er wirklich alles sagen würde.
Dazu kommt eine tiefe Ambivalenz gegenüber Institutionen. Das Kloster hat ihn geformt, benutzt, gebremst und schließlich belohnt. Er versteht wie es funktioniert und er weiß, dass es ihn wieder fallen lassen würde, wenn es nötig wäre. Er dient der Institution, aber er identifiziert sich nicht mit ihr im direkten Sinne. Auch sein Glaube ist intakt, doch er weiß das Menschen ihn verformen können.
Seine Mutter lehrte ihn: Jeder Mensch versucht gut zu sein. Sein Vater lehrte ihn: Vertrau niemandem vollständig. Beide haben ihn geprägt, und beide haben ihn letztlich verkauft.
Dieser Widerspruch ist nie aufgelöst worden. Er beobachtet Menschen mit echter Neugier, er will verstehen, wer sie sind, was sie antreibt. Aber er handelt nach dem Kalkül des Vaters. Das erzeugt eine stille Spannung in ihm. Er möchte vielleicht glauben was die Mutter glaubte, kann es sich aber nicht leisten.


Background:
-Geboren als Sohn eines Schmieds namens Jahzor al-Haddad und einer frommen Mutter namens Mariam bint Rashid in Abu Kabir

-Wuchs in der Nähe des Hafens auf, in einem Handwerksviertel. Sein Vater hatte eine kleine Schmiede die ihm gehörte, allerdings ist das Land auf dem die Schmiede stand gepachtet. Jahzor al-Haddad hatte keinen guten Ruf im Ort. Er galt als jähzornig und verschuldet. Aufgrund der Schulden war er deutlich offener als andere Schmiede für kriminelle Aktivitäten.

-Von Anfang an erinnerte sich Idris neben den vielen Schmiedegeräuschen, den Flüchen von Seeleuten und Möwen im Himmel, vor allem daran das viele Händler in die Schmiede kamen, welche miteinander eine andere Sprache sprachen als zu seinem Vater. Das fasziniert den Jungen sehr.

-Das Verhältnis von Idris zu seinem Vater war durchaus liebevoll und respektvoll, aber von Spannungen geprägt. Schon früh musste der Junge mithelfen in der Schmide. Er lernte allgemeine Dinge wie etwa das erkennen von Metall, das pflegen von Werkzeugen, aber auch zwischenmenchliches. Früh brachte ihm sein Vater bei wer im Viertel vertrauenswürdig war und woran man Lügner erkannte. Allerdings war sein Vater eben auch impulsiv, stolz und schnell beleidigt. Idris lernte schnell, wenn er kein Ärger bekommen will, sollte er seinen alten nicht wütend machen.

-Als besonderes Zeichen des Vertrauens nahm ihn sein Vater manchmal zu Verhandlungen in der Taverne mit. Idris, welcher damals als guter Beobachter galt bei den anderen Kindern versucht sich diese Gespräche gut einzuprägen, auch wenn er das meiste nicht verstand. Es ging eigentlich immer irgendwie um lokale Politik, Schmuggel, Handel und Bechstechungen. Idris verstand wenig, war aber stolz dabei sein zu dürfen und tat so als wäre er perfekt im Bilde.

-Seine Mutter brachte ihm früh bei ein Leben im Lichte Gottes zu führen. Während sein Vater ihm immer wieder einbläute niemandem voll zu vertrauen, bekam er von der Mutter eigentlich das Gegenteil gezeigt. Jeder Mensch musste sich irgendwann vor Gott verantworten, daher versuchte auch jeder ein guter Mensch zu sein. Oft begleitete er Mariam zu Tempeln und Schreinen. Schnell hatte er einen guten Draht zu den Priestern und Messdienern, da er im Gegensatz zu anderen Kindern eher ruhig und wissbegierig war.

-Idris hatte keine formelle Bildung, lernte aber erstaunlich viel informell. Als junger Laufbursche brachte er Rechnungen von der Schmiede zu Händlern und umgekehrt. Anfangs merkt er sich die Zahlen, weiß aber nicht wofür sie stehen. Nach einiger Zeit und dem Lauschen der Händlergespräche erkannte er die Zusammenhänge. Als er einmal einen Fehler bei einer Rechnung zum Vorteil des Händlers korrigierte, darf er gelegentlich Zahlenkollonen abschreiben.

-Im Tempel beobachtete er immer wieder die Schreiber bei der Arbeit. In einem unbemerkten Moment stiehlt er ein Pergament des Schreibers, wurde aber erwischt. Zur Strafe sorgte seine Mutter dafür das er die Schreibstube reinigen musste. Als er das eine weile Lang gewissenhaft vollbrachte und er sich bei einem der Priester entschuldigte kommen sie zu einer Übereinkunft. Wenn er weiter die Stube reinigte und im Tempel aushalf, würde man ihm Lesen und Schreiben beibringen. Dadurch konnte er dann zumindest Namen Lesen und Warenlisten entziffern.

-Dadurch das er viel am Hafen unterwegs war schnappte er oft Fremdwörter auf. Über die Jahre konnte er Einzelne Wörter und ihre Bedeutung erkennen, als er so 13-14 war dann ganze Gespräche mitverfolgen. Nicht perfekt, aber ausreichend genug.

-Sein Vater brachte ihm grundlegende Kentnisse bei die ein Schmied wissen musste. Also informationen über Metallarten, Werkzeuge, Reparaturen, Arbeitsabläufe. Aber auch Dinge wie zum Beispiel Verhandlungen zu führen. Oft war Idris dabei als sein Vater mit irgendwem verhandelte über Preise, Schulden und Liefertermine. Die Idee das der erste Preis nie der tatsächliche Preis war setzte sich im Kopf des Jungen fort. In den Tavernenbesuchen mit seinem Vater lernte er mit der Zeit die größere Welt da drausen kennen.

-Durch seine Freizeit am Hafen lernte der junge auch viel über die Beobachtungen von Menschen kennen. Er verstand schnell das Menschen unterschiedlich Sprachen, je nachdem welcher Klasse und welchem Beruf sie angehörten.

-Er wuchs auf als stilles Kind, aber nicht als Schüchternes Kind. Er war ein guter Zuhörer, welcher besonders neugierig anderen Menschen gegenüber war, besonders wenn er sie nicht kannte oder einschätzen konnte. Besonders gut war darin sich Kleinigkeiten zu merken. Das lag auch daran das er sehr praktisch veranlagt war, immerhin war er ja auch der Sohn vom Schmied. Für ihn war die Schönheit einer Klinge weniger entscheident, sondern eher praktische Fragen wie "Warum bricht jenes Scharnier?". Seine größte Schwäche damals war das er nervös beim Lügen wurde. Das machte ihn oft zu einem schlechten Verhandler. Manchmal konnte ihn so Schuldeneintreiber seines Vater dazu bringen die Dinge zu erzählen, die der Junge nicht erzählen wollte. Allerdings war er dafür sehr gut im Entziffern von Lügen anderer. Dieser Unterschied zwischen etwas Beobachten und Umsetzung dessen, bachäftigte ihn damals sehr. Im Gegensatz zu vielen anderen Kindern im Viertel war er außerdem kein Raufbold und eher selten in Schlägerreien verwickelt. Mit den meisten Kindern verstand er sich gut, auch wenn er nie im Mittelpunkt stand. Viele andere Kinder fanden ihn dafür zu langweilig.

-Ein besonders einprägsamer Moment erlebt er mit 10 Jahren. Sein Vater war bekannt für seinen Jähzorn, man durfte ihn nicht demütigen, sonst gab es Ärger. Doch ein wohlhabender Händler tat genau das um bessere Preise zu bekommen. Idris bemerkte wie sein Vater rot im Gesicht wurde. Er würde gleich zuschlagen. Doch, überraschenderweise, kam er es nicht dazu. Sein Vater schluckte im letzten Moment die Wut herunter und verhielt sich respektvoll, fast unterwürfig. Anfangs verstand er Junge das nicht ganz, immerhin war der Händler körperlich schwächer. Es wäre ein leichtes gewesen ihn zu verprügeln. Erst mit der Zeit wurde Idris klar das manche Menschen sich dadurch auszeichneten andere für sich handeln zu lassen. Der Moment würde Idris sein Leben lang im Kopf bleiben.

-Als er 14 Jahre alt war, begann dann sein Leben im Kloster. Sein hohes Informelles Wissen fiel auch Priestern in einem nahegelegenen Kloster auf. Seine Mutter ging dort öfter hin um die Pacht zu bezahlen, wenn der Vater nicht konnte. Idris begleitete sie manchmal. Immer wieder fiehl einem der Mönche auf das der Junge die Summe nannte bevor er die Rechnung übergab, dann auf die verschiedenen Zahlen der Rechnung zeigte und sie korrekt wiedergab. Er verwickelte ihn in ein Gespräch, Idris erzählte stolz, dass ein Tempeldiener ihm manchmal Buchstaben zeigte oder dass er sich das Lesen von Handelslisten selbst beigebracht hatte. Einige Jahre später suchte das Kloster Jungen für Verwaltungsaufgaben. Es war ein offenes Geheimniss das der Vater wieder einmal verschuldet war. Das Kloster übernahm Jahzors ausstehende Schulden gegenüber einem Gläubiger und erhielt dafür das Recht, Idris als Novizen und Schreiberlehrling aufzunehmen. Für die Mutter war es ein Segen, der Vater tat es des Geldes wegen, log aber hinterher das er seinem Sohn ein besseres Leben ermöglichen wollte. Idris fühlte sich zunächst von der eigenen Familie verkauft, aber was für eine Wahl hatte er denn? Doch beim Abschied war alles anders. Seine Mutter weinte, der Vater vermied seinen Blick. Beide behaupteten, es geschehe zu seinem Besten. Doch niemand fragte ihn, was er wollte.

-Idris war nun ein kleiner Novize des Kloster. Er lernte, reinigte, manchmal durfte er Botengänge machen. Schnell erkannte der Junge in was für ein Kloster er da reingeraten war.
Das Kloster in Abu Kabir war quasi ein Knotenpunkt für Teile der Stadt und womöglich sogar darüber hinaus. Bis dahin war sich Idris nicht sicher. Immer wieder zahlten hier Händler Pacht, Priester vermittelten bei Streitigkeiten, manchmal hinterlegten sogar Fürsten Dokumente. Viele der anderen Novizen kamen aus Kaufmannsfamilien oder sogar einige waren aus dem kleinen Adel. Anfangs wurde Idris kaum wahrgenommen. Erst nach einem Jahr wurde er Schreiberlehrling und durfte unter Aufsicht einfache Listen führen oder Dinge abschreiben.

-Ein erster Wendepunkt in seinem Leben im Kloster begann mit einer Demütigung. Beim abschreiben saß er neben Hakim, 3. Sohn eines Gewürzhändlers. Dieser tadelte ihn öffentlich, vor den Augen eines älteren Mönches mit den Worten "Du hältst die Feder wie ein Lastträger." Idris war manche solcher Spitzen gewöhnt, aber nicht vor einem anderen Mönch. Dessen Reaktion sprach für den jungen Bände. Er lächelte milde und sagte nichts weiter.

-Kurz darauf begann der Junge zu verstehen. Wenn er hier im Kloster weiterkommen wollte brauchte er einen Mentor. Doch es lief gar nicht gut. Die meisten anderen Mönche hatten keine Zeit für ihn, ältere Schreibgelehrte hielten nicht viel von ihm. Erst als er kurz davor war aufzugeben und sich gedemütigt in die Bibliothek zurückzog, lernte er den Verwalter der Bibliothek, Bruder Nabil, kennen. Ein mittlerer Verwalter des Klosters, welcher zumindest bereit war zu helfen. Er zeigte ihm einige Bücher zum Thema Etikette und die beiden hatten eine Übereinkunft. Idris durfte die Bücher lesen, wenn er in seiner freien Zeit in der Bücherrei aushalf und kleine Aufgaben übernahm. Besser als nichts dachte der Junge und sagte zu. Nabil wurde somit sein Mentor.

-Dadurch das er nun Bücher in der Bibliothek lesen durfte konnte er seine Schreibfähigkeiten und Etiquette verbessern und er wurde um seinen 17. Geburtstag zum Rechnungsführer-Gehilfe befördert. Er durfte nun dem Schatzmeister bei einfachen Aufgaben selbständig assitieren wie dem erstellen von Pachtlisten, Wareneingang, Ausgaben, etc... Idris bekam somit zum ersten mal Einblicke in die Finanzen des Klosters und mehr Informationen über seine Familie.

-Teil seiner Arbeit war das sortieren alter Pachtbücher, dies tat Idris immer gewissenhaft. Durch Zufall findet er das Pachtbuch über seinen Vater Jahzor. Es kam heraus, laut den Büchern, dass Jahzor schon seit Jahren zuvor Geschäfte mit dem Kloster machte. Kleine Aufträge, Reperaturen und gelegentliche Lieferungen. Würde die Schmiede also eingehen aufgrund der Schulden, dann würde dem Kloster ein nicht unwichtiger Partner abhandenkommen. Das Kloster übernahm die Schulden also nicht nur aus Großzügigkeit, sie waren eine Investition in die Geschäftsbeziehung und damit wohl auch in ihn. So glaubte Idris zumindest.

-Idris spracht mit niemandem darüber, aber begann nun die Bücher des Klosters besonders intensiv zu studieren. Er wollte verstehen, wer hier noch so eine Rechnung offen hatte.

-Als er das 18 Lebensjahr überschritt bekam er zunehmend komplexere Aufgaben, auch aufgrund seiner Gründlichkeit vorher. Der junge Mann merkt sich in dieser Zeit viele Details über das Kloster, welches er in Zahlen gegossen zu sehen bekam. Aufgrund seines hohen Wissensstandes wurde er dann erneut befördert, ein Jahr später - zum Rechnungsführer.

-Doch dann stagnierte er zunächst. Gewissenhaft überprüfte er die Jahresabschlüsse und ihm fiehlen einige Ungereihmtheiten auf. Immer wieder fehlten kleine Beträge. Mal waren Pachteinnahmen ein bisschen zu niedrig, dann wurden Lieferungen doppelt abgerechnet, es entstanden Ausgaben die nur auf dem Papier existierten. Idris rechnete mehrmals nach, doch die Zahlen konnten unmöglich stimmen. Wochenlang ging er die Zahlen immer wieder durch. Doch Zahlen lügen nicht.
Immer wieder profitierte einer der hochrangingen Mönche. Bruder Rashid. Er hatte enge Verbindungen zu den Kaufmannfamilien der Stadt und war einer der wenigen der direkten Zugang zum Abt hatte. Er war zwar nie direkt involviert in die verschiedenen Falschen Abbuchungen, aber oft waren Leute die für ihn arbeiteten oder Geschäftsbeziehungen hatten irgendwie beteiligt.
-Mit den Zahlen bewaffnet geht er zu seinem Mentor Bruder Nabil und gibt ihm Einblicke in das was Idris fand. Nabil wurde blass, er musste dem Älteren versprechen niemanden davon zu berichten und warten.

-Zunächst hielt sich Idris daran. Doch Wochen vergingen und nichts passierte. Der junge Mann zog irgendwann doch noch jemanden ins Vertrauen, obwohl er diesen Mönch nicht so gut kannte. Der Rechnungsführer wusste aber das der Mönch für interne Beschwerden oder Revisionen zuständig war. Ein schwerer Fehler. Der Mann wusste nicht so recht was er mit den Informationen tun sollte und trug das ganze weiter. Bruder Rashid wusste binnen weniger Tage davon und lud Idris in sein Kammer ein. Ohne Zeugen.
Als Idris seine Vorwürfe wiederholte, oder zumindest wiederholen wollte, stellte ihn Rashid nicht zur Rede, sondern unterbrach ihn mit einer Geschichte über einen jungen Schreiber der vor Jahren ähnliche Fragen gestellt hatte. Der Schreiber hatte keine schlechten Absichten gehabt. Aber er hatte Unruhe gestiftet, Vertrauen erschüttert, das Kloster in Schwierigkeiten gebracht. Man hatte ihn versetzt. Weit weg.
Danach beendete Rashid das Gespräch ohne auf die Vorwürfe einzugehen. Idris verstand gegen Ende die Absicht des Treffens.

-Zunächst bleibt alles beim alten. Doch die Situation hatte sich merklich verändert. Manche Mönche grüßten ihn nicht mehr oder taten so als wären sie beschäftigt. Idris behielt seinen Posten, doch die Bücher wurden still und heimlich umverteilt. Die interessanten Bücher landeten bei jemand anderem. Selbst Nabil wurde nun distanzierter. Er sprach zwar nie davon das der junge Mann einen Fehler begangen hatte, aber seine Körpersprache machte das Idris durchaus klar.

-Idris würde 6 Jahre an seinem Posten kleben, bis er 24 war. Für jemanden der bisher immer durch Fleiß weitergekommen war, war die Stagnation schwerer zu ertragen als jede Demütigung. Doch es war eine wichtige Lektion. Wahrheit alleine reichte nicht. Man konnte sogar die Zahlen schwarz auf weiß haben und dennoch nichts bewirken. Nur wenn man Verbündete hatte konnte man etwas anfangen. Wahrheit war hier nur Rohmaterial, erst mit einem guten Schmied wurde es zur Waffe.
-Mit 20 Jahren war Idris nun ein veränderter Mann. Er sah zwar nach wie vor gleich aus und hatte dieselbsen Verhaltensweisen, aber er stellte keine Fragen mehr, außer er konnte sichergehen das sie auch beantwortet würden. Informationen behielt er für sich meist.

-Wieder war es Nabil welcher den ersten Schritt zur Rehabilitation des Rechnungsführer machte. Er bekam von ihm, fast beiläufig, eine Aufgabe zugeteilt. Erst war es eine Rechnung die gegengeprüft werden musste, dann eine Liste die jemand zuverlässiges brauchte. Ohne Kommentar nahm der jüngere die Aufgaben entgegen und erledigte sie diskret und gewissenhaft.

-Nabils Verhalten brachte Idris auf die Idee es ihm gleich zu tun und andere von sich zu überzeugen. Nicht mit großen Gesten. Kleine Gefälligkeiten reichten. Als ein jüngerer Mönch Probleme bei der Abbrechnung hatte, half ihm Idris diskret und unterhielt sich beiläufig mit ihm. Dadurch erfuhr er einiges über dessen Vorgesetzten und freundete sich mit dem Mönch an. Dann gab es einen Fehler in den Büchern eines mittleren Verwalters. Idris schien der einzige zu sein dem dies auffiehl, zumindest war er der erste. Er korrigierte den Fehler und Informierte den mittleren Verwalter erneut diskret darüber und bekam stille Dankbarkeit und Sympathie als Belohnung... Über die nächsten 4 Jahre entstand mit diesen Methoden ein stilles Netzwerk. Es gab keine formelle Fraktion oder direkte Abmachungen, aber viele Menschen wussten nun das Idris diskret, zuverlässig und nützlich war. Außerdem schuldeten ihm nun viele verschiedene Menschen im Kloster Gefallen.

-Langsam konnte er diese Einlösen und wieder mehr Beachtung bekommen. Zwar sagte ihm keiner das er wohl seine Lektion gelernt hatte, aber er bekam nun wieder interessantere Bücher über das Kloster, entweder selbst, oder er half einem befreundeten Mönch bei seinen Büchern. Diese Einblicke nutzte junge Schmiedesohn selbst um tiefe Einblicke in das Kloster zu bekommen. Er wollte wissen wer wem was schuldete, welche Händler zu welchen Mönchen Verbindungen hatten. Welche Pachtverträge wann ausliefen. Das meiste versuchte er sicht zu merken. Anfangs war das schwierig, doch sein Gedächtnis wurde schnell besser.

-Mit 24 zahlt sich dieses Verhalten für Idris aus. Als der bisherige stellvertretender Schatzmeister versetzt wurde, gab es zunächst einen harten Wettbewerb um den Rang. Idris beteiligte sich kaum und tat seine Arbeit, lies das aber diskret alle wissen. Durch das Ränkespiel konnte man sich im Kloster kaum auf jemanden der beiden Kandidaten einigen. Nach langem hin und her wurde Idris der Kompromisskandidat und bekam den Rang des stellvertretender Schatzmeister zugewiesen. Er galt als zuverlässig, schien seine Lektion gelernt zu haben und schien sich mehr um die Arbeit zu kümmern als um das Ränkespiel.

-Zum ersten mal bekam der neue Stellvertreter zum ersten mal Einblick in die Handelsbeziehungen des großen Klosterbetriebs und sie waren zunächst überwältigend. Das Kloster in Abu Kabir war nicht nur ein religiöser Knotenpunkt sondern auch ein stiller Teilhaber an mehreren Handelsrouten. Pachteinnahmen, Lagerhaltung, Kredite an Händler – alles lief über die Bücher die nun teilweise auf seinem Tisch lagen.

-Zunächst durfte Idris Verträge des Schatzmeisters Gegenlesen und war zuständig für das führen der Außenbücher. Dadurch das er als kleiner Junge am Hafen aufwuchs und sich später sehr oft in der Bibliothek herumtrieb sprach Idris mehrere Sprachen. Nicht besonders gut, aber gut genug für die einfache Buchführung. Denn in Abu Kabir am Hafen wurden Bücher nicht immer nur in einer Sprache aufgestellt. Dadurch das er mehrere Sprachen ein wenig sprechen kann, konnte er schnell Fehler glatt Bügeln in den Büchern und die Umsätze verbessern. Das fiehl sofort anderen auf.

-Diskret setzte man ihn nun bei Streitigkeiten zwischen ausländischen Händlern und lokalen Kaufleuten als Vermittler ein. Offiziell war er nur für irgendeine Belanglosigkeit zuständig, man wollte seine Sichtbarkeit zunächst reduzieren, aber ihm wurde immer klar gesagt das es Vermittlungsschwierigkeiten gab zwischen den Beteiligten. Oft wurde er von einem der älteren Mönche so beauftragt. Ohne viel Aufsehen und mit etwas diplomatischem Fingerspitzengefühl konnte er die Fälle ruhig auflösen und oftmal ohne aufsehen klären.

-Mit der Zeit begann er die Logik hinter dem Außenhandel zu verstehen. Nicht nur in Zahlen, sondern als lebendiges System aus Geben und Nehmen.Welche Waren aus welchen Ländern in welchen Mengen nach Abu Kabir kamen. Warum Pfefferpreise im Winter stiegen. Wie Händler aus dem Winterland anders verhandelten als Händler aus dem Sommerland. Wo die Schwachstellen in Lieferketten lagen und wie man sie ausnutzen konnte.
Er begann außerdem zu bemerken dass manche Handelsströme nicht dem entsprachen was in den offiziellen Büchern steht. Nicht im Kloster diesmal – sondern draußen, im Hafen, bei den Händlern. Schmuggel, Steuerhinterziehung, verschleierte Partnerschaften. Er sagt nichts und versuchte sich alles zu merken.

-Durch diese Arbeit baute er zum ersten Mal Kontakte außerhalb des Klosters auf. Händler die ihn als zuverlässig und diskret kannten. Ein Reeder der ihm gelegentlich Informationen über Warenströme zukommen lies. Ein Beamter aus Dharan al-Bahr der regelmäßig nach Abu Kabir kam um Handelsstreitigkeiten im Auftrag des Königshauses zu überwachen – und der Idris' Arbeit irgendwann mit mehr als nur höflichem Interesse zur Kenntnis nahm.

-Bald darauf kommt es dann zu einem Skandal in seiner Amtszeit. Er begann zunächst drausen. Einer der Kaufmannsfamilien mit dem Rashid seit Jahren eng verbunden war, geriet ihn Schwierigkeiten. Durch Dokumente, welche durch Konkurenten an die Öffentlichkeit gebracht wurden. Es ging um falsche Abrechnungen und Steuerminderung. Manche führten hinter die Klostermauern. Zu Rashids Namen. Gelder die nicht im Kloster hätten sein dürfen. Alle Beteiligten bemühten sich um Schadensbegrenzung machten, waren aber in stiller Panik. Der Abt war in Panik und natürlich auch Rashid. Der Ruf des Klosters konnte dauerhaft beschädigt werden. Beamte aus Dharan al-Bahr waren bereits auf dem Weg in die Stadt.

-Zunächst hält Idris sich etwas zurück und sah wie sich die Lage entwickelte. Doch als alle Beteiligten in ihrer Panik anfingen Dokumente umzuschreiben und Fehler zu begehen begann er zu verstehen was auf dem Spiel stand. Er empfand zumindest Öffentlich keine Genugtuung über Rashids Probleme, sondern sah sich streng die Möglichkeiten an.

-Er handelte auf zwei Ebenen konkret. Auf der ersten Ebene begann er still die Bücher des Klosters zu bereinigen. Nicht um Rashid zu schützen – sondern um das Kloster zu schützen. Er kannte die Bücher besser als die meisten, er wusste wo die gefährlichen Spuren lagen und wie man sie so umstrukturiert dass sie zwar nicht verschwanden aber nicht mehr direkt ins Kloster führten. Es war keine Fälschung der Spuren – es war eine Neuinterpretation. Die Zahlen stimmten, die Verantwortlichkeiten waren nur anders verteilt. Rashid blieb exponiert, aber das Kloster stand sauber da.
Dann nutzte er die Kontakte die Idris nun zum Beamtenstab aus Dharan al-Bahr hatte so schnell wie er konnte. Allerdings verdeckt. Über vertrauliche Quellen lies er ihnen bestimmte Informationen zukommen. Sie sollte sie auf die, aus seiner Sicht, richte Fährte führen. Das Kloster sollte als geschädigter Aussehen und Rashids persönliche Verstrickungen sichtbar bleiben, ohne das man direkt wusste woher die Informationen kamen.

-Das Ergebnis war das der Skandal Rashid und sein Kontakt zur Kaufmannsfamilie persönlich traf, doch das Kloster überstand die Krise mit einem Reputationsschaden, welcher handhabbar ist.

-Rashid wurde nie öffentlich verurteilt, dass wäre zu unordentlich und hätte das Kloster weiter belastet. Aber er wurde still zur Seite gedrängt. Seine Verbindungen zum Abt wurden gekappt, seine Aufgaben umverteilt, sein Einfluss auf ein Minimum reduziert. Er blieb im Kloster, wohin sollte er auch gehen, aber er war keine Macht im engeren Sinne mehr.

-Kurz nach der Krise tratt dann der alte Schatzmeister zurück. Aus Altersgründen offiziell, in Wirklichkeit war seine Handlungsunfähigkeit das Problem. Idris wurde mit 32 sein Nachfolger. Der Abt lobte ihn für seine Zuverlässigkeit und seine Diskretion. Er erwähnte nicht das offensichtliche. Er wäre der einzige gewesen der die Krise hätte lösen können.
Nabil gratulierte ihm mit einem knappen Nicken. Mehr braucht es zwischen den beiden nicht.
Zitieren


[-]
Schnellantwort
Nachricht
Gib hier deine Antwort zum Beitrag ein.

 
Bestätigung
Bitte den Code im Bild in das Feld eingeben. Dies ist nötig, um automatisierte Spambots zu stoppen.
Bestätigung
(Keine Beachtung von Groß- und Kleinschreibung)
 

Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 1 Gast/Gäste