Dieses Forum nutzt Cookies
Dieses Forum verwendet Cookies, um deine Login-Informationen zu speichern, wenn du registriert bist, und deinen letzten Besuch, wenn du es nicht bist. Cookies sind kleine Textdokumente, die auf deinem Computer gespeichert sind; Die von diesem Forum gesetzten Cookies düfen nur auf dieser Website verwendet werden und stellen kein Sicherheitsrisiko dar. Cookies auf diesem Forum speichern auch die spezifischen Themen, die du gelesen hast und wann du zum letzten Mal gelesen hast. Bitte bestätige, ob du diese Cookies akzeptierst oder ablehnst.

Ein Cookie wird in deinem Browser unabhängig von der Wahl gespeichert, um zu verhindern, dass dir diese Frage erneut gestellt wird. Du kannst deine Cookie-Einstellungen jederzeit über den Link in der Fußzeile ändern.


Silent Stardust Words
02.11.1016 - 16:00
Schloss der Castellanos, Terrasse bei Desdemonas Gemächern
Naila Castellanos Desdemona Castellanos

Nightingale in a Golden Cage
Naila Castellanos
Königsland - Admin
Alter 20
Beruf Prinzessin
Wohnort Castandor, King's Portal
Stand Verheiratet
User Letha
#1
Prophet girl
Chosen by the sun, do you hear god whisper

In vielerlei Hinsicht ähnelten sich Desdemona und Naila. Etwa trennten sie kaum zwei Jahre voneinander, und beide stammten sie von ähnlich wichtiger, privilegierter Herkunft. Vieles in ihrem Leben lag nicht in ihren Händen und auch, wenn sie versuchten, das Spiel zu spielen, belächelte man sie und entschied über ihre Köpfe hinweg. Sie beide trugen die Bürde einer Prinzessin, die nie das letzte Wort haben würde, wessen Hand sie halten und wessen Familie sie bereichern würde, und doch - die Art, wie sie sich dieser Bürde annahmen, schien eine völlig andere zu sein.
Eine von beiden spielte das Spiel besser als die andere. Wenn es nicht bereits in Desdemonas Natur gelegen hatte, dann hatten sie die Jahre am Großkönigshof zu dem gemacht, was sie jetzt war: Eine Tänzerin, die blind den Ablauf der Fliesen unter ihren Füßen kannte. Naila erinnerte sich an die junge Prinzessin auf den Geburtstagen ihres Vaters, zu denen jede Königsfamilie eingeladen gewesen war, als wäre es erst gestern. An den wachen, hellen Blick, als wäre sie die Ältere, die mehr wusste als eine einfache Wüstenprinzessin der Inseln. Vielleicht hatte sie damals zu ihr aufgesehen, wie mühelos sie sich durch die Gesellschaft bewegte, während Naila die Blicke von fremden Königen und Prinzen schon immer etwas unsicher gemacht hatte. Was sich damals schon abzeichnete, hatte sich nur verfeinert in Nuancen, die zwischen ihnen woben und sich zogen, wenn man zu stark an ihnen zupfte. Denn Desdemona hatte genau eines, was Naila beneidete und was sie willig machte, die Fäden etwas anzuziehen und einen Schritt auf sie zuzugehen.
Zugang zum Hof und zu seinen Intrigen.

Natürlich waren es keine niederträchtigen Absichten, welche die Prinzessin auch heute wieder zu den offenen Balkonterrassen trieben, die an Desdemonas Gemächern grenzten. Um an einem fremden Hof zu überleben und nicht von einem Stein über den nächsten zu stolpern, musste man ihn kennen, seine Bewohner so wie die Dynamiken, die sich zwischen ihnen gebildet hatten. Als Außenseiter, Neuling fiel es ihr schwer, ein echtes Lächeln aus den Gesellschafterinnen zu kitzeln, und mittlerweile war sie sich sicher, dass der Zusammenhalt zwischen Frauen hier in Castandor längst nicht so groß geschrieben war, wie in Matariyya. Die Blicke, die sie trafen, waren nicht mit Wärme gefüllt, ja nichtmal mit Mitgefühl. Beizeiten hatte sie das Gefühl, dass man ihr nach ihrer Position trachtete, als hätte sie mit ihrer Hochzeit die kleine Welt des Adels um einen Junggesellen beraubt. Da gab es die kleinen Lichter, wie etwa Aurora, die sie mit ihrer Herzlichkeit tröstete und Hoffnung gab, aber Naila war nicht dumm; sie wusste, dass sie sich hier nie einleben würde, wenn sie sich diesem Problem nicht annahm. Die Castellanos schienen allesamt genau zu wissen, wie man das Spiel spielte, und sie war jetzt eine von ihnen.

Heute hatte sie ihr eigenes Schachset mitgebracht, sorgfältig geschnitzte Elfenbeinfiguren mit kleinen, goldenen Akzenten, die ihr Onkel ihr vor der Abreise mitgegeben hatte. Getragen wurden sie von Imani, ihrem Schatten, in einer schlichten Kiste mit einem einzigen rechteckigen Mandala bemalt. Naila hatte einen Sinn für das Schöne und sie achtete die dekorative Auswahl, die Desdemona selbst für ihre Gemächer gewählt hatte. Alles war groß und räumig, aber nicht zu leer. Selbst der Boden spiegelte die Stille des Raumes, auch als Nailas Schritte über den Marmor hallten, und die Terrasse hatte eine wunderschöne Aussicht auf den stillen Teil des Gartens, der mit seinen Farnen und Olivenbäumen im Vergleich zum Rest fast schon etwas wild wirkte. Als die Prinzessin ihre Schwägerin erblickte, erwärmte ein ehrliches Lächeln ihre Züge.
“Prinzessin Desdemona”
, begrüßte sie mit sanfter Freundlichkeit.
“Ich beginne, unsere wöchentlichen Spiele schon nach dem zweiten Tag zu vermissen.”
Imani trat vor und platzierte die Schachtel auf dem Spielbrett, bevor sie wieder in den Schatten trat und Naila sich niederließ, die Schachtel öffnete und sorgfältig die Spielfiguren auf ihrer Seite platzierte.
“Wie geht es dir?”
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Unregistered
Desdemona Castellanos
Alter
Beruf
Wohnort
Stand
User
#2
Castandor war anders als die anderen Länder. Nicht zwingend schöner, nicht einmal größer – zumindest nicht, soweit Desdemona es beurteilen konnte. Ihre Reisen hatten sie bisher nur ins Sommerland und ins Herbstland geführt. Und doch lag etwas in der Luft von Castandor, etwas Unverkennbares. Es war nicht nur der Sitz der Krone, es war der Herzschlag des Reiches. Von hier aus sollte Macht ausgehen – über das schnöde Walleydor, das rohe Norsteading, das abergläubische Farynn und das darbende Matariyya.

Dass ihr Vater diese Verantwortung nie mit der gebotenen Hingabe trug, war ihr seit jeher ein Dorn im Auge. Wie konnte jemand, dem so viel Macht zufiel, sie so achtlos aus der Hand geben?
Desdemonas Blick ruhte auf den Olivenbäumen im Garten, ihre Finger glitten gedankenverloren über das kühle Steinholz des Terrassengeländers. Sie mochte dieses Zuhause – das Land, die Luft, den Geruch nach Sonne auf Stein. Aber sie war nicht davon abhängig. Sie wusste, dass sie überall leben, überall überleben konnte. Wurzeln waren etwas für andere. Sie war biegsam, wandelbar – bereit, sich selbst zu zersplittern, nur um sich neu, härter, klüger zusammenzusetzen.

Alles würde sie aufgeben.
Für Macht.

Doch noch war der Pfad zur Macht ihr verhüllt – ein dichter Nebel, der sich nicht einfach beiseiteschieben ließ. Farynn? Zu ängstlich. Das Sommerland? Bereits gebunden – ein weiteres Bündnis wäre politisch töricht, vergeudetes Potenzial. Ihr Blick verengte sich, als schliefe in ihr eine neue Berechnung, ein Ringen mit der Landkarte im Kopf. Vielleicht ein unbedeutendes Fürstentum – klein genug, um kontrollierbar zu sein, ehrgeizig genug, um sich lenken zu lassen? Doch dafür war sie selbst zu ambitioniert.
Desdemonas Lippen pressten sich zu einer dünnen Linie. Ihre Augen – kühles, kalkulierendes stahlblau – ruhten auf einem Punkt in der Ferne, als könne sie ihn durch bloßen Willen in ihren Griff ziehen. Wer wusste schon was der nahende Krieg bringen würde.

Leise Schritte rissen die junge Blondine aus ihren Gedanken, ihr Gesicht entspannte sich, und mit ruhiger Eleganz, einer fast mühelosen Form von Erhabenheit, wandte sie sich in die Richtung aus der die Schritte kamen. Der Ausdruck in ihren Augen blieb wachsam, doch ihre Züge wurden weich – nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus Kontrolle. Es war jene Art von Beherrschung, die aus innerer Überlegenheit geboren wurde, nicht aus Arroganz. Und als sie Naila erblickte, legte sich ein beinahe höfliches Lächeln auf ihre Lippen – höflich, aber nicht leer. "Prinzessin Naila, Du schreitest so leicht, man könnte Dich für einen Gedanken halten, der den Boden kaum berührt", sagte sie, mit einem Tonfall, der zwischen Charme und Prüfung schwebte.
Nailas Herzlichkeit und Freundlichkeit waren von Anfang an eine Prüfung für Desdemona gewesen. Sie mochte die Prinzessin aus Matariyya – und gerade das war gefährlich. Denn Zuneigung schwächte, machte nachlässig, ließ einen vergessen, dass jeder Blick, jedes Lächeln auch ein Spielstein sein konnte. Und manchmal, wenn sie in der Sonne saßen und der Wein weich über ihre Zungen floss, wenn das Lachen leicht fiel, vergaß Desdemona beinahe, dass sie sich inmitten eines Schachbretts befand.

Und so stand sie nun da, aufrecht wie immer, mit jenem Lächeln, das sowohl willkommen hieß als auch auf Abstand hielt. Die Art von Lächeln, bei dem man nie wusste, ob es ein Kompliment war oder eine Warnung.

Sie machte eine einladende Bewegung in Richtung des Schachbretts und trat heran, neugierig auf die Figuren, die Naila an diesem Abend mitbrachte. "Da geht es dir wohl wie mir. Endlich habe ich jemanden gefunden, der meine Leidenschaft für Schach teilt – und eine Herausforderung darstellt." Das Lächeln das sich nun auf Desdemonas Lippen legte, war schmeichelnd, doch mit einem Hauch von Schärfe. Für einen Moment wirkte es fast gefährlich, als ob das Spiel längst begonnen hätte, bevor auch nur ein Stein gesetzt war.

Sie ließ sich mit geschmeidiger Ruhe auf einen der angenehm gepolsterten Stühle nieder und beobachtete Naila dabei, wie sie mit routinierter Gelassenheit die Figuren auf dem Brett platzierte.
Desdemonas Finger glitten beinahe ehrfürchtig über einen der Springer – ein kunstvoll gearbeiteter Elefant aus Elfenbein, glatt poliert, mit winzigen, goldenen Intarsien verziert. Bei ihnen war der Springer ein Pferd.

"Die Figuren sind wunderschön", sagte sie leise, fast wie ein anerkennender Gedanke, den sie laut werden ließ. In ihrem Blick lag eine gewisse Bewunderung – oder zumindest Respekt vor der Sorgfalt, die selbst in diesem Detail steckte.
Sie stellte den Springer mit derselben Bedachtsamkeit wieder zurück an seinen Platz, lehnte sich leicht in ihrem Stuhl zurück – souverän, aber nicht angespannt. Nur für einen flüchtigen Moment glitt ihr Blick zu Imani, die wie ein Schatten an Nailas Seite verweilte. Präsenzvoll in ihrer Stille.

Nailas Frage nach ihrem Wohlbefinden ließ Desdemona einen Moment lang in Schweigen verharren. Sie wusste es schlicht nicht. In Wahrheit hatte sie selten innegehalten, um sich damit auseinanderzusetzen – ihre Ziele standen über ihrem Empfinden, über Müdigkeit, Zweifel oder Sehnsucht. "Wie es einem wohl als Prinzessin von Castandor geht", erwiderte sie schließlich mit einem weichen Seufzen, das fast schon gespielt klang. Ein Hauch Theatralik lag in ihrer Stimme, ein halbes Lächeln zuckte um ihre Lippen, wie um die Bitterkeit in etwas Elegantes zu kleiden. Sie wusste schließlich um ihren goldenen Käfig.
Sie legte den Kopf leicht zur Seite, der Blick nun ruhiger, fast ein wenig wärmer:
"Und dir? Lebst du dich langsam ein?"
Ihre Stimme trug eine Nuance von Mitgefühl – oder zumindest etwas, das dem nahekam. Echte Sorge vielleicht nicht, aber ein ehrliches Interesse, das nicht gespielt wirkte.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 
Nightingale in a Golden Cage
Naila Castellanos
Königsland - Admin
Alter 20
Beruf Prinzessin
Wohnort Castandor, King's Portal
Stand Verheiratet
User Letha
#3
Man musste nicht wissen, wer dort stand, um zu wissen, wer dort stand. Desdemona machte es allen immer so einfach; in ihrer erhabenen Haltung, vermutlich selbst in Bettlerklamotten, gab es nie einen Zweifel, dass man sich unter ihr zu platzieren hatte. Alles, was nicht mit Perfektion im Sein und Zustand strahlte, befand sich unter ihrer Würde. Alles, was sich bemühte, perfekt zu sein, verlor in ihrer Präsenz an Wert und Wichtigkeit, und auch Naila fand sich beizeiten in diesen Bann gezogen. Was Desdemona, ihrer Nun-Schwester, ausmachte, waren nicht ihr Alter, ihr Titel, ihre Gewänder, ihre Beziehungen am Hof; es war diese Selbstverständlichkeit von Macht, die sie durch den Alltag trug und zu ihrem Sein machte. Naila war nicht nur in ihren Bann gezogen, sie wollte sein wie sie. Wenn sie nur einen Hauch von der Erhabenheit besäße und in diesen Hallen einen sicheren Schritt setzen könnte, statt ständig zu fürchten, zu stolpern und zu fallen.
Leichte Füße waren nichts weiter als eine Farce und vielleicht ein kleiner Schatten von ihrer Vergangenheit als Prinzessin, die stets Beiwerk, doch nie Hauptattraktion war. Im Sommerland hatte Naila es perfektioniert, einen Blick zum Geschenk zu machen und ein Wort mit einem Phänomen aufzuwiegen. Sie war sich der neugierigen Blicke von männlichen Gästen stets bewusst gewesen, die sie nur zu besonderen Anlässen zu Gesicht bekommen hatten, wenn sie aus ihrem goldenen Käfig getreten war und sich an der Gesellschaft beteiligt hatte, als würde sie den Anlass mit ihrer Präsenz segnen. Hier, in Castandor, standen die Türen ihres Käfigs offen — zumindest bis zu den Haupttoren — und wie mit den anderen Frauen am Hof teilte sie sich dieselben Wege, dieselben Aussichten, dieselben Gitterstäbe mit Desdemona. Für Naila war es eine neue Welt, die sich ihr auftat, neue Wege, die es zu finden gab, neue Winkel, in denen sie sich bewegen durfte; die jüngere Prinzessin hingegen hatte ihr gesamtes Leben in diesem Käfig verbracht und kannte alle Wege, alle Winkel, ihre Welt bereits. Die Pfade durch die Gärten, der Weg zum Schachbrett… das einzige, was Naila ihr bot, war das Verhaltensmuster einer neuen Spielpartnerin, das es zu lernen galt. Sie lächelte ob des kleinen Seitenhiebs, den Desdemona wohl bewusst an all die anderen Spielbegeisterten am Hof austeilte.
„Eine temporäre Herausforderung zumindest, bis auch du weißt, wie ich spiele, und uns nur noch die gemeinsame Leidenschaft bleibt“
, entgegnete sie mit einem weicheren Lächeln und einer Leichtigkeit in ihren Worten, als hätte sie diese Zukunft bereits akzeptiert; aber auch mit einem Vielleicht im Hintergrund, das den Raum einer Frage offen ließ.
„Wie lange hat es bei Orpheus gedauert, bis er keine Herausforderung mehr darstellte?“
Für einen Moment hielt sie inne, als zögerten ihre Finger, welche Figur sie als Nächstes aufstellen sollte, aber vielleicht hörte sie auch nur aufmerksam zu. Die beiden Geschwister wirkten auf sie tatsächlich recht familiär, mehr als Orpheus und Leandros, doch sie hatte kaum eine Ahnung davon, wie viel vom gemeinsamen Leben sie eigentlich miteinander teilten. In ihren Augen war Orpheus auch ein kluger Kopf, mit dem sie ihresgleichen gefunden hatte — aber für Naila war auch alles spannend, was er mit ihr tat. Sie war wohl kaum der richtige Messstab, um das Können beider Geschwister miteinander aufzuwiegen.

Schönheit lag im Auge des Betrachters, doch hin und wieder einigte sich der Konsens, welchen Dingen das Auge die Schönheit zuzuschreiben hatte. Im Falle von Nailas Schachfiguren war unbestreitbar, dass es sich um fein gearbeitete Werke handelte, in die viel Zeit geflossen war; ein Geschenk, in Auftrag gegeben von jemandem, der die Präsenz der Prinzessin hoch hielt und ihr ein kleines Stück der Perfektion schenken wollte, die sie für ihn verkörperte. Doch während sie ihre Figuren platzierte, streifte auch ihr Blick die gegenüber stehenden Figuren mit einer Ruhe, wie man nur Kunstwerke betrachtete.
„Das kann ich nur zurückgeben. Obsidian besticht am besten, wenn man es mit Liebe fürs Detail behandelt.“
Doch das wusste Desdemona sicher. Überhaupt schien sie mehr zu wissen, als sie bereit war, preiszugeben. Schweigen sprach oft in ungesagten Worten, vielleicht kalkuliert, vielleicht aber auch in die Länge gezogen von Gedanken, die sich entgegen der Sprache nicht so leicht kontrollieren ließen. Naila hob nicht den Blick, als sie ihre einfache Frage mit einer ebenso einfachen Antwort bedachte, wollte sie ihrer Schwägerin doch den Raum und die Freiheit geben, sich nicht beobachtet zu fühlen. Doch trotz der simplen Antwort glaubte sie zu wissen, was hinter den Worten steckte; was im Schweigen zu laut gewesen war, um es auszusprechen. Die kleine Unzufriedenheit, die von jemandem ausging, der sich nicht damit abspeisen wollte, immerzu im Palast zu sitzen und zu warten, bis das Schicksal anders für einen entschied.
Das Lächeln Nailas war vielleicht eine Spur zurückhaltender, aber auch einen Ton sanfter. Ihre Lippen stets wie ein Pinsel, dessen Farbe sich in kleinen Fäden durch Wasser zog, waren die Lippen Desdemonas der Federkiel, der die verwässerte Farbe aufwirbelte. Sie wollte ihr gerne Glauben, das Mitgefühl in ihrer Stimme mitschwang.
„Deine Familie tut alles dafür, dass ich mich hier wohl fühle.“
Die Begegnung mit Leandros ließ sie bewusst aus.
„Und - wenn ich ehrlich bin“
, hob sie den Blick doch, in ihren Augen ein Glanz, der fast verspielt wirkte.
„bin ich doch froh, hier zu sein und nicht in Norsteading. Schon einmal von einer sommerländischen Prinzessin im Winterland gehört?“
Amüsement streifte ihre Züge, ehe sie die leere Schachtel wieder an sich nahm, sich zurücklehnte und das Feld betrachtete. Die Figuren standen allesamt präzise platziert auf dem Brett, ruhig und geduldig wartend, gesetzt zu werden. Ilyas hatte ihr damals beigebracht, dass man mit seinem ersten Zug schon seine Strategie verriet, und Naila war sich bewusst, dass Desdemona vermutlich ihre eigenen Schlussfolgerungen dazu ziehen konnte. Dennoch entschied sie sich für die sichere Strategie, in der sie am meisten Spielraum hatte, weil sie diese am öftesten spielte, und bewegte den kleinen Diener ein Feld nach vorne, der vor ihrer Dame stand — eine in Tücher gehüllte Frau, die eine Sonne über ihrem Kopf hielt.
Neues Inplayzitat
Inplayzitat hinzufügen
Zitat
Folgendes Zitat wird als denkwürdiger Inplay-Moment eingetragen.
 


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: