01-03-2026, 08:57
Es gab viele Dinge im Lager, an die sich Leif gewöhnen musste. Dass Zeltwände dünn waren und über Geheimnisse besser geschwiegen wurde, wenn man nicht wollte, dass sie ein Dahergelaufener aufschnappte. Dass es wenig Rückzugsort gab und jeder zu aller erdenklicher Stunde etwas von einem wollte. Dass seit heute Morgen auch noch verdammte Wachen vor seinem Zelt standen, als wär er ein unfähiger Sesselpupser, der sich nicht selbst verteidigen konnte. Wer war eigentlich auf die Idee gekommen? Dass sich welche vor dem Zelt positionierten, wenn sich seine Hauptmänner hier versammelten oder Charles selbst zu Besuch war, ja, oder in der Nacht, auch wenn sein Schlaf leicht war, seinetwegen (wenn es denn unbedingt sein musste). Aber rund um die Uhr jemanden vor seinem Zelt stehen zu haben, das… kränkte seine winterländische Würde doch irgendwie. Jorin musste sich auch nicht mit Wachen abfinden.
Noch entwürdigender als die reine Präsenz der Wachen allerdings empfand Leif, dass man ihn jetzt schon gar nicht mehr persönlich um Einlass in sein Zelt bat, sondern die Wachen mit dieser Entscheidung betrauten. Dieses über seinen Kopf entscheiden war heute schonmal passiert, als er dabei gewesen war, seinen Bart zu stutzen und sich die Klinge so abgelenkt fast ins Fleisch gerammt hätte. Und wenn er beim Stuhlgang war, hm?? Wollten die Wachen dann auch jeden reinlassen?
Zu seinem - und ihrem - Glück hatte Leif vor zehn Minuten sein Bad beendet. Wasserdampf kringelte sich an der Stoffplane nach oben und setzte sich in feinen Perlen unter den feuchten Locken auf seinem Nacken ab. Er hatte sich gerade erst das Hemd über den Kopf gestülpt, da hörte er Veiths Stimme vor dem Zelteingang. Lasst sie eintreten. Ja. Als wär er ein ausgestelltes Dekoobjekt, das man jederzeit aufsuchen und bestaunen konnte. Es war nicht unbedingt Veiths Schuld, dass er sich der neuen Situation anpasste, aber Leif hatte langsam die Nase voll.
Es war, als hätte ihm jemand ins Gesicht geschlagen. Ein Luftzug mit der Kraft einer gepanzerten Faust, die ihn einen Moment vergessen ließ, wie man atmete, während ihm sein Gesicht entgleiste. Eben noch der Königssohn und Krieger, Stolz und Kraft in jeder Faser seines Körpers auch in einfacher Kleidung, mit einem ungeschnürten Hemd und feuchten Locken, blieb in diesem Moment nicht mehr von ihm übrig als der junge Mann, der sie damals ohne Konsequenz und Zukunftsgedanken in die Scheune gezogen hatte.
Er regte sich nicht. Vor ihm stand die Frau, die ihn nächtelang seines Schlafes beraubt hatte, seit sie geflohen war. Die in ihrer Abwesenheit mehr Schaden angerichtet hatte als mit ihrer Anwesenheit, und doch - er hatte nur Augen für sie. Sanna lebte, und sie stand vor ihm, und mit diesem einen Luftzug erschlug ihn der Sturm, den er nur langsam lernte, zu akzeptieren. Schuld. Wut. Verzweiflung. Verantwortung. Erleichterung. Gefühle.
In einem Atemzug hatte er die Distanz zu ihr überbrückt. Seine Hand griff nach ihr, irgendetwas, zog sie an sich und erst, als er sie fest in seinen Armen hielt, löste sich etwas in ihm, das er lange vergraben hatte. Ein Zittern ging durch seinen Atem, kaum merklich in seiner Statur, die sich beschützend und dankbar um sie legte. Die Hand auf ihrem Hinterkopf, fühlte er, dass das echt war - und es bedeutete ihm die Welt.
Noch entwürdigender als die reine Präsenz der Wachen allerdings empfand Leif, dass man ihn jetzt schon gar nicht mehr persönlich um Einlass in sein Zelt bat, sondern die Wachen mit dieser Entscheidung betrauten. Dieses über seinen Kopf entscheiden war heute schonmal passiert, als er dabei gewesen war, seinen Bart zu stutzen und sich die Klinge so abgelenkt fast ins Fleisch gerammt hätte. Und wenn er beim Stuhlgang war, hm?? Wollten die Wachen dann auch jeden reinlassen?
Zu seinem - und ihrem - Glück hatte Leif vor zehn Minuten sein Bad beendet. Wasserdampf kringelte sich an der Stoffplane nach oben und setzte sich in feinen Perlen unter den feuchten Locken auf seinem Nacken ab. Er hatte sich gerade erst das Hemd über den Kopf gestülpt, da hörte er Veiths Stimme vor dem Zelteingang. Lasst sie eintreten. Ja. Als wär er ein ausgestelltes Dekoobjekt, das man jederzeit aufsuchen und bestaunen konnte. Es war nicht unbedingt Veiths Schuld, dass er sich der neuen Situation anpasste, aber Leif hatte langsam die Nase voll.
“Ich bin auch noch hier, weißt du. ICH entscheide, wenn jemand in mein Zelt treten darf”
, polterte seine Stimme laut genug, dass man sie draußen deutlich hören konnte, auch wenn die Zeltplane nicht schon geöffnet worden wäre. Ein kühler, angenehmer Luftzug streifte seinen Nacken, bevor er sich umdrehte, um herauszufinden, wer da überhaupt mit ihm sprechen wollte.Es war, als hätte ihm jemand ins Gesicht geschlagen. Ein Luftzug mit der Kraft einer gepanzerten Faust, die ihn einen Moment vergessen ließ, wie man atmete, während ihm sein Gesicht entgleiste. Eben noch der Königssohn und Krieger, Stolz und Kraft in jeder Faser seines Körpers auch in einfacher Kleidung, mit einem ungeschnürten Hemd und feuchten Locken, blieb in diesem Moment nicht mehr von ihm übrig als der junge Mann, der sie damals ohne Konsequenz und Zukunftsgedanken in die Scheune gezogen hatte.
Er regte sich nicht. Vor ihm stand die Frau, die ihn nächtelang seines Schlafes beraubt hatte, seit sie geflohen war. Die in ihrer Abwesenheit mehr Schaden angerichtet hatte als mit ihrer Anwesenheit, und doch - er hatte nur Augen für sie. Sanna lebte, und sie stand vor ihm, und mit diesem einen Luftzug erschlug ihn der Sturm, den er nur langsam lernte, zu akzeptieren. Schuld. Wut. Verzweiflung. Verantwortung. Erleichterung. Gefühle.
In einem Atemzug hatte er die Distanz zu ihr überbrückt. Seine Hand griff nach ihr, irgendetwas, zog sie an sich und erst, als er sie fest in seinen Armen hielt, löste sich etwas in ihm, das er lange vergraben hatte. Ein Zittern ging durch seinen Atem, kaum merklich in seiner Statur, die sich beschützend und dankbar um sie legte. Die Hand auf ihrem Hinterkopf, fühlte er, dass das echt war - und es bedeutete ihm die Welt.