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Your voice could calm the oceans.
27.09.1016 - 23:00
Nailas Gastgemächer, Palast des Castellanos
Trigger: Erwähnte Sklaverei
Naila Castellanos Imani Silk

Nightingale in a Golden Cage
Naila Castellanos
Königsland - Admin
Alter 20
Beruf Prinzessin
Wohnort Castandor, King's Portal
Stand Verheiratet
User Letha
#1
I see magic in her
Even though she denies it

Man sollte einem Abend nicht so viel Bedeutung beimessen; selbst wenn es der letzte sein würde, an dem Naila ben Sahid ihren Familiennamen trug. Im Grunde genommen würde er ganz routiniert ablaufen. Nachdem die Frauen, die mit ihr gereist waren und sie auf diesem Weg begleitet haben, sich von ihr mit einem Lächeln und Zuspruch verabschiedet hatten, lag es an ihr, sich aus dem schillernden Gewand zu befreien, die Nadeln aus ihrem Haar zu lösen und die Anstrengung des Tages von sich zu waschen. Oft war Naila an einem langen Tag froh, sich in vertraute Hände zu begeben und im Beisein einer Freundin, die sie schon fast ihr halbes Leben kannte, Energie aufzuladen. Manchmal konnte sie es gar kaum erwarten, endlich die einstudierte Maske fallen zu lassen und sich wohl in ihrer Haut zu fühlen, jetzt, wo sie nicht mehr spielen und vorspielen musste, wo sie nicht böse Miene zum guten Spiel machen musste und sie nicht in den höchsten Tönen von ihrer Zukunft sprechen musste. Selten war sie es, die aufgekratzt war und ihre Energie in trauter Zweisamkeit mit ihrer Sklavin - Leibdienerin - raus lassen musste. Heute stand sie in dem durch Fackeln beleuchteten Raum, der ihr temporär zugeteilt worden war, und wusste nicht, wohin mit sich.
Ihr Lächeln war verblasst, als auch die letzte ihrer Gesellschafterinnen die Tür hinter sich geschlossen hatte und sie mit Imani, ihrem Schatten, allein ließ. Mit den sich entfernenden Schritten hinter der Tür entfernte sich auch die Freude, die Naila bis eben noch empfunden hatte. Sie wusste gar nicht, woher das auf einmal kam und warum ihr der Gedanke auf einmal so zusetzte. Der letzte Abend. Es war beinahe so, als unterschreibe sie das Unvermeidliche. Vieles würde sich nicht einmal ändern, weder ihre Rituale noch die Menschen, mit denen sie sich am liebsten umgab. Wenn man es so wollte, dann hatte sie einfach ein Stück Heimat mit in ein fremdes Land genommen, und doch… Und doch fühlte es sich so an, als würden diese bekannten Kleinigkeiten ab morgen in einem anderen Licht stehen. Als würde sie heute zum letzten Mal ihre Haare gebürstet bekommen als sommerländische Prinzessin. Als würde sie den Schmuck zum letzten Mal im Zeichen ihrer Heimat tragen. Als würde sie zum letzten Mal denken wie eine Sommerländerin, bevor sie sich ihrer neuen Heimat und ihrem Ehemann anzupassen hatte. Geistesabwesend strich Naila über die trockene Farbe der Hennabemalung auf ihrem Arm, während ihr Blick noch immer auf der Tür lag, lange nachdem man sie mit ihrer Leibdienerin allein gelassen hatte.
Erst nach einer ganzen Weile schien sich ihr Blick zu klären und es war das erste Mal, dass sie Imani wirklich wahrzunehmen schien, nachdem sie sich von der Tür abwandte und aus der Mitte des Raumes in Richtung des Raumteilers lief. Das Lächeln, das sie ihr schenkte, war dafür ehrlich. Ein wenig zögerlich und ausgelaugt, aber ehrlich. “Heute war ein langer Tag”, fing sie an und zog sich das einseitig platzierte Tuch von der Schulter. Geduldig wartete Naila, dass Imani ihr die Ösen am Rücken öffnen würde, damit sie sich aus dem sommerländischen, fliederfarbenen Festtagsgewand schälen konnte. “Wenn ich morgen umziehe, dann hast du es nur noch halb so weit zu deiner Schlafkammer.” Es sollte aufheiternd gemeint sein, aber sie beide machten sich etwas vor, wenn sie behaupteten, Nailas Stimme klänge auch nur annähernd amüsiert. Es war nur eine Frage der Zeit, bis aus ihr herausplatzen würde, in was für einem Ausmaß sie die vergangenen und noch folgenden Tage eigentlich beschäftigten. Bestimmt lag es daran, dass sie nicht so gerne im Mittelpunkt stand und allein der heutige Tag sie schon viele Nerven gekostet hatte. Oder weil sie seit einer Woche nicht mehr richtig hatte schlafen können. Ja, bestimmt lag das nicht an dem selben Grund, der sie dazu veranlasste, den Stoff unruhig zwischen ihren Fingern zu reiben.
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Unregistered
Imani Silk
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User
#2
Alles an ihrer bisherigen Reise war aufregend gewesen. Die Überfahrt, an die Imani nicht mehr zu denken versuchte, die Ankunft hier in der Hauptstadt, die so anders war, als alles was sie in ihrem kurzen Leben bisher gesehen hatte. Die Menschen, die so anders waren. Das Klima. Die Häuser. Der Palast. Imani fühlte sich überfordert mit all diesen Dingen, beinahe erschlagen von der Wucht der Fremde, die sie unruhig schlafen ließ. Dabei kam diese Unruhe nicht einmal aus einer negativen Emotion heraus. Vermutlich war es ihrer Kindheit auf den Straßen geschuldet, dass sie nie wirklich ein echtes Gefühl von Beheimatung empfunden hatte. Natürlich war das Sommerland ihre Heimat. Die Hitze ihr Klima und die bunten Kleider ihr Alltag. Doch nur selten hatte man Imani das Wort Heimat sagen hören. Vermutlich, weil sie ohnehin nie viel sagte oder weil man sie diesbezüglich auch einfach nicht gefragt hatte. Sie würde sich hier einfinden, da war sie sich sicher. So wie sie bisher immer einen Weg gefunden hatte, mit der Situation in die man sie regelmäßig hineinzuwerfen gedachte, umzugehen. Ihre Mutter wäre stolz auf sie, könnte sie sehen, was aus ihrer Tochter geworden war. Von einer Bettlerin auf den Straßen Dharan al-Bahrs hinein in den königlichen Palast. Kein Sänger dieser Welt mochte ein solches Lied wohl zu schreiben wissen. Doch sie war hier und in gewisser Weise erfüllte sie dies mit Stolz - auch wenn sie demütig genug war zu wissen, dass wohl kaum etwas davon ihr eigener Verdienst gewesen war. Eine Verkettung glücklicher Umstände, die zeigten, dass das Leben ihr wohlgesonnen war. Imani hoffte inständig, dass es so bleiben mochte.

Weniger hoffnungsvoll über die anstehende Zukunft erschien ihre Herrin zu sein, die sich zwar - wie stets - im Kreise ihrer Freundinnen gut hielt und sich mit Lachen und Reden abzulenken wusste, doch dauerte es nicht lange, da schwand eben jene Freude. Die Tür hatte sich nicht ganz geschlossen, da erkannte man bereits, wie das Funkeln in den Augen der Prinzessin verklang. Sorge machte sich in Imani breit, die jedoch am Rande des Raumes abwartete, bis Naila das Wort an sie richten würde. Auch nach all' den Jahren kam es Imani nicht in den Sinn ihre tatsächliche Rolle zu vergessen. Die Prinzessin anzusprechen ohne dazu aufgefordert worden zu sein stand ihr nicht zu, selbst wenn Naila es ihr vermutlich nicht übel nehmen würde.

Das Lächeln wurde erwidert und die junge Frau setzte sich in Bewegung, um ihre Herrin beim Entkleiden zu helfen. Ein sachtes Nicken auf deren erste Worte. Bei den nächsten folgte dem sachten Schmunzeln jedoch beinahe augenblicklich ein Stirnrunzeln. "Ihr seid gewiss aufgeregt wegen Morgen.", setzte Imani dann mit der ihr innewohnenden leisen und ruhigen Stimme an. "Womöglich sollte ich Euch noch einen Tee vorbereiten, damit Ihr einen ruhigen Schlaf finden könnt." Ihre Worte schienen harmlos, doch kannten sich die Frauen wohl genug, als dass man aus ihnen nicht die unausgesprochene Frage schließen konnte, die wohl seitdem die Tür sich geschlossen hatte im Raum lag. Wie ging es ihr? Was dachte sie wirklich über das was morgen auf sie warten würde.
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Nightingale in a Golden Cage
Naila Castellanos
Königsland - Admin
Alter 20
Beruf Prinzessin
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Stand Verheiratet
User Letha
#3
Imani war das, was für Naila am ehesten einer großen Schwester gleichkam, und vielleicht, wenn sie sich einen Moment des Aufatmens erlaubte, um ihre Gedanken zu sortieren, dann war sie heute sogar mehr als das. Der eine Stern, von dem sie wusste, dass Seefahrer ihn zu Navigationszwecken nutzten. Die Luft vor dem Sturm, wonach sich die spitze Nase der Wüstenmäuse richtete, um einzuschätzen, ob sie sich im Sand vergraben sollten. In Imanis Stimme fand Naila stets eine wohltuende Umarmung, mit der sie sich heute umgeben wollte, bis die Tür zum morgigen Tag sich nicht mehr so furchterregend vor ihr aufbaute. Ein Wort reichte schon und sie merkte, sie hatte es vermisst, der beruhigenden Stimmung ihrer Sklavin Dienerin zu lauschen. Einmal wollte sie sich fallen lassen und nicht die große Schwester, älteste Tochter und das perfekte Abbild einer Prinzessin abgeben, deren Familie Schwierigkeiten hatte, sich über das Wasser der Flut zu halten.
“Könntest du draußen nach Tee schicken lassen?”, griff sie den Vorschlag dankbar auf und linste über ihre Schulter, wobei sie den Blick von Imani suchte. “Ich möchte jetzt ungern allein sein.” Ihrer Stimme wohnte die Aufforderung einer Frau inne, die sich daran gewöhnt hatte, Befehle zu erteilen, aber von Schwester zu Schwester schwang eine Bitte mit, die sie angreifbar und unsicher machte. Naila hatte nie den Gedanken aufkommen lassen, sich vor Imani zu verstecken und in eine Maske zu schlüpfen, auf dass sie die junge Frau wie jeden anderen auch mit einem Schleier aus Perfektion und Erhabenheit abspeiste, nein. Es war schon immer Imani gewesen, welche die Prinzessin besser kannte als ihren eigenen Schatten.
In einem Versuch, ihre Schultern zu entspannen, atmete Naila hörbar durch Mund und Nase aus, mittlerweile in ihr bodenlanges Seidenhemd gekleidet, als sie die Schritte wieder näherkommen hörte. Der Zweiteiler des Gewandes lag ordentlich drapiert auf dem Raumteiler, ihre Schuhe waren darunter platziert. Es ging für sie fast schon in Routine über, den Weg zum Spiegeltisch einzuschlagen, wobei sie ein kleines Ziehen in der Brust empfand, weil sich der Grundriss des Zimmers doch deutlich von dem in ihrer Heimat unterschied. Die Glieder etwas schwerer als sonst, ließ sie sich auf den Hocker fallen und erwartete von Imani, dass sie ihr die Nadeln und Spangen aus dem hochgesteckten Haar löste. “Ich weiß nicht, Imani. Würdest du an meiner Stelle aufgeregt sein?” Die Frage klang ein wenig angespannter als die vorherige, merkte man doch, dass Nailas sonst so ruhige Fassade mit jeder befreiten Nadel ein Stück weiter von ihr abfiel. Es war keine Ablenkung mehr, die sie brauchte, sondern Zuspruch. Vielleicht fühlte es sich leichter auf ihren Schultern an, wenn sie merkte, wie aufgeregt Imani selbst war oder sein würde, wenn sie in ihren Schuhen steckte. Was Naila brauchte war keine Ablenkung und kein Zuspruch von Freunden. Sie brauchte das Gefühl, nicht alleine in dem Ganzen zu stehen und jemanden zu haben, der sie verstand, der wusste, dass das nicht nur irgendeine Hochzeit für sie. Jemand, der sich genauso wohl in den Schatten fühlte wie sie selbst und der wusste, wie schwierig es für Naila war, in der ganzen Aufmerksamkeit zu stehen und nicht darin unterzugehen. Sie war keine Rajani, die gerne in der Aufmerksamkeit schwamm und sich darin gehen ließ - es strengte sie an und zog ihr Energie. So sehr sie ihre Anspannung auch mit einem Lächeln zu verbergen wusste, pflichtbewusst, wie sie war, so oft fühlte sie sich doch Imani zugehörig, auf der nie die Aufmerksamkeit lag. Manchmal, da fragte sie sich, wie sie sich ihr Leben zurechtlegen würde, wenn sie anstelle der Leibdienerin im Schatten ihrer Herrin stand. Wäre sie an Imanis Stelle aufgeregt, wenn ihre Herrin sie fragen würde?
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Imani Silk
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User
#4
Imani nickte verstehend, als Naila darum bat, dass jemand anders den Tee vorbereiten sollte. "Gewiss", gab sie leise zurück und bemühte sich darum, eben jene Formalität zu erledigen, ehe sie an die Seite ihrer Herrin zurückkehrte. An die Seite der Frau, die mit den Jahren ihre Familie geworden war. Die eine Konstante in ihrem Leben, die Imani mehr bedeutete, als Naila es wohl jemals erahnen könnte. Es fiel Imani schwer Worte zu finden für das was hier passierte, Worte für das was ihrer Herrin und Freundin bevorstand, denn da prallten zwei Welten aufeinander, die sie für gewöhnlich sorgsam zu trennen wusste. Als ihre Leibdienerin gab es nur eine Art auf die Sorge ihrer Herrin zu reagieren, doch als ihre Freundin... die Dunkelhaarige stockte leicht und atmete tief durch, beinahe als wäre sie es, die sich sammeln musste.

Ob sie an ihrer Stelle aufgeregt sein würde? Imani hielt kurz inne und warf ihrer Herrin über den Spiegel hinweg einen nachdenklichen Blick zu. "Ich denke das wäre ich", sprach sie dann nach einem Moment und widmete sich wieder den Haaren der Prinzessin. "Und ich denke jede Frau, die an Eurer Stelle hier säße, wäre es." Behutsam platzierte Imani die Haarnadeln in der dafür vorgesehenen verschnörkelten Dose und legte die freie Hand sachte auf der Schulter Nailas ab. Eine Geste, die gemeinhin wohl eher unangebracht war, doch mit den Jahren zwischen ihnen wohl eine Gewohnheit entwickelt hatte. Ein stummer Zuspruch, das Zeichen, dass Imani für Naila da war. "Vor Euch liegt eine große Chance. Eine Gelegenheit, um die Euch gewiss die meisten Damen der Königreiche beneiden. Aber es ist auch eine große Herausforderung." Imani nahm eine Bürste vom Tisch und begann sachte die Haare ihrer Herrin zu kämmen, dabei darauf achtend, dass es nicht unangenehm wurde. "Aber ich bin mir sicher, dass Ihr dieser Herausforderung gewachsen seid! Und was ich bisher von den anderen Bediensteten gehört habe, soll Euer zukünftiger Gemahl überaus umgänglich sein. Ich glaube fest daran, dass Ihr mit der Zeit hier Euer Zuhause finden werdet!" Imani lächelte die Prinzessin über den Spiegel hinweg aufmunternd an. "Und ich und die Anderen bleiben an Eurer Seite. Ihr seid nicht alleine!"
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Naila Castellanos
Königsland - Admin
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Stand Verheiratet
User Letha
#5
Mit dem Abendritual kehrte eine Ruhe in die Prinzessin ein, die sie den ganzen vergangenen Tag schon vergeblich gesucht hatte. Strähne für Strähne arbeitete sich Imani durch das dicke, schwarze Haar, löste Klammern und es hatte mehr etwas von einer gemeinschaftlichen Aktivität, einer geteilten Beschäftigung, als von einer Pflicht; so empfand es Naila zumindest tagtäglich als angenehmes Ritual, bei dem sie ihren Tag mit ihrer engsten Freundin und Vertrauten ausklingen lassen konnte. Und obwohl die Nervosität noch unter ihrer Haut prickelte, die sie regelrecht angespannt ihre Nägel in die Fingerkuppen graben ließ, beruhigte sie nicht nur die sanfte Stimme besagter Freundin, sondern auch deren Inhalt. “Hmmm”, summte sie akzeptierend, aber noch etwas in den Wolken, während sie unterschwellig den Körperkontakt suchte und die Hand auf ihrer Schulter mit der ihren berührte - eine vertrauliche Geste, die sich über die Jahre bei ihnen eingeschlichen hatte. Ihre eigenen Schultern entspannten sich langsam und ließen immer mehr von dem durchscheinen, was die Prinzessin unter all dem Prunk und der sorgfältig einstudierten Perfektion zu verstecken wusste: Ein Mädchen, das sich nach enger Vertrautheit und Sicherheit sehnte. Solange sie einen Teil ihrer Familie bei sich hatte - Ranya, Imani, Rajani und Aanya - war ihre kleine, überschaubare Welt in Ordnung. Sie würde in Ordnung sein.
“Das ist es”, bestätigte sie ihrer Freundin, aber mit jeder verstreichenden Minute wirkte der bevorstehende Tag schon weniger wie eine Herausforderung, mehr wie ein kleiner Sprung ins Ungewisse. Imani trug da sicher ihren Teil zu bei, widmete sie sich doch dem dicken, dunklen Haar, wie es schwer über Nailas Schultern fiel. “Die anderen sollen nur vorkommen, ich biete ihnen meinen Platz gerne an.” Es war ein schwacher Versuch an Humor, der nur schwach durch die dicke Sorge in Nailas Stimme sickerte, doch war er nicht zu leugnen. Leicht neigte Naila ihren Kopf, um einen Blick über ihre Schulter anzudeuten, ihr Gesicht doch eine Nuance heiterer als zuvor. “Was hältst du davon? Ein Tag als ‘Prinzessin Naila’. Du würdest dich hervorragend in meinem Brautkleid machen, wirklich.”
Tatsächlich spürte Naila, wie ihre Brust sich wieder mit Leben füllte und sie sich von der Positivität ihrer Leibmagd mittragen ließ. Schon immer hatte sie sich ungefragt von Imani beeinflussen lassen, weil sie das manchmal brauchte; jemanden, der ihr zeigte, wohin sie ihre Emotionen lenken sollte, jemand, der stabil genug war, um sich an ihr zu orientieren. Ihr Lächeln trug eine Spur von Zuversicht, als sie Imani ebenfalls über den Spiegel hinweg ansah. “Ich weiß nicht, was ich ohne dich machen würde”, antwortete sie ehrlich. “Du bist das Stück Heimat, das mir geblieben ist.” Es fiel ihr schwer, Imani nicht mehr als die Sklavin zu sehen, die sie ihr halbes Leben über begleitet hatte. Ein Teil von ihr, deren Abtrennung sich ungefähr so anfühlen würde wie das Verlieren eines Armes, glaubte Naila. Dass ihre neue Heimat kein Gefühl dafür hatte, welchen anderen Stellenwert Sklaven im Sommerland hatten, wenn sie sich dem Leben ihrer Herren verschrieben und ein Teil davon wurden, wie ein zweiter Kopf, ein zweites schlagendes Herz, Nailas zweites Ich, daran mussten sie beide sich noch gewöhnen. Auch das bedeutete eine Art von Veränderung, der sich Naila unsicher gegenüber sah, auch wenn sich an ihrem Verhältnis zu Imani eigentlich nichts ändern sollte. Und was, wenn es das doch tat? Forschend studierte sie das Gesicht ihrer Leibmagd durch den Spiegel.
“Imani”, wandte sie sich ihr schließlich zu. “Fühlt es sich anders für dich an, eine Magd zu sein und bezahlt zu werden?” Keinerlei Böswilligkeit schwang in ihrer Stimme mit, das tat es nie, wenn sie im Beisein ihrer ausgesuchten Schwester war. Naila würde gerne verstehen, wie es um Imani stand, so wie sie vermutlich genau wusste, welche Sorgen im Kopf ihrer ehemaligen Herrin herumschwirrten.
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Imani Silk
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#6

Bedacht legte sich die Hand der Prinzessin auf ihre und Imani lächelte sachte, bei dieser so vertrauten Geste, die sich über die Jahre zwischen ihnen etabliert hatte und gerade dann doch zeigte, dass in den Momenten, da sie sich alleine wägten, die Etikette bisweilen Ruhen konnte und Imani die Freundin für Naila sein konnte, die sie so gerne immer wäre. Sie drückte die Hand der Anderen leicht, als Zeichend er Verbundenheit und des Verstehens.

Der halbherzige Scherz ihrer Herrin ließ sie schmunzelnd den Kopf schütteln. Wie viele wären doch gerne an der Stelle der jungen Prinzessin und würden den Prinzen ehelichen. Es wäre nicht schwer diese Stelle zu besetzen, doch fragte man Imani dann gab es niemanden, der diese Rolle so gut ausfüllen konnte, wie Naila. Ihre Herrin sprach weiter und diesmal war das Kopfschütteln ein wenig energischer, während Imani ein kleines Lachen zum Besten gab, was nur für ihre engsten Vertrauten vorbehalten war. Und für Naila. "Ich würde mich ganz fürchterlich blamieren. Ich habe weder Eure Schönheit noch Eure Manieren und ganz gewiss würde ich spätestens bei Tisch gegen mindestens 10 Regeln der Etikette verstoßen", scherzte nun Imani, vor allem in dem Versuch die Stimmung der Prinzessin weiter zu lockern und sie etwas abzulenken von den Sorgen, die auf ihren Schultern lasteten.

Als Naila erklärte, dass sie nicht wüsste, was sie ohne ihre Dienerin tun würde, wurde es Imani selbst schwer ums Herz. Es war ein warmes und doch zugleich bedrückendes Gefühl, denn auch sie wüsste nicht, wohin ihr Weg sie je führten sollte, sollte sie Naila verlassen. Nein. Niemals würde sie die Prinzessin alleine lassen. "Dann ist es gut, dass Ihr euch um diesen Fall niemals werdet sorgen müssen", gab Imani also zurück und legte ihre Hand erneut kurz auf die Schulter der Anderen, um ihren Worten Nachdruck zu verleihen.

Wie sie sich fühlte, nun da sie keine Sklavin mehr war. Nachdenklich runzelte Imani die Stirn, beinahe so als habe sie noch gar nicht so sehr über diese Frage nachgedacht und vielleicht hatte sie das auch nicht - denn sie diente Naila nach wie vor und daran würde sich nichts ändern. "Ich bin vor allem eure Dienerin und Freundin. Daran hat sich nichts geändert" Imani lächelte sachte und musterte die Prinzessin eingehend. "Obwohl ich lügen müsste, würde ich nicht behaupten, dass es sich durchaus gut anfühlt nun dafür bezahlt zu werden" Es schwang kein Vorwurf in ihren Worten mit, dass dem vorher nicht der Fall gewesen war. Imani war immer dankbar für das Leben gewesen, was man ihr geschenkt hatte. Sie hatte ihr Dasein als Sklavin nie als etwas Negatives betrachtet und tat es auch bis heute nicht.

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Naila Castellanos
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Stand Verheiratet
User Letha
#7
Naila beherzt lachen zu sehen, war ungefähr so selten, wie es im Sommerland Niederschlag gab, und genauso wie Regen trat ihr Lachen in einigen Gesellschaften häufiger auf, in anderen gar nicht mehr. Wer ihr näher stand, der wusste, dass ihr das Lachen — das echte, laute, ungehaltene Lachen — in den letzten Jahren irgendwann abhanden gekommen war. In ihrer Welt hatte sie sich eine freundliche Maske angeeignet, die einem polierten Tablett glich in ihrer Makellosigkeit. Das sorgfältig ausgearbeitete Bildnis einer Marmorstatue, das Spiegelbild des Mondes in perfekt stillem Wasser. Manchmal, da brauchte sie einen erfrischenden Windstoß, der die Wasseroberfläche in Schwingungen brachte; eine zarte Geste hier, ein kleines mentales Stupsen dort, ein paar Worte, die eigentlich gar nicht so lustig waren und doch ein urkomisches Bild vor Nailas innerem Auge heraufbeschworen, dass sie gar nicht anders konnte als zu glucksen. Es war die Art von Gelöstheit, die aus ihr heraussprudelte, nachdem sie zu lange an ihrer Beherrschung festgehalten hatte. Und das nur, weil Imani sich tatsächlich wahnsinnig blamieren würde, wenn sie sich einmal am Hofe in Manieren beweisen müsste.
Und obwohl sie wusste, dass ihre Leibmagd sie nicht verlassen würde, war es doch von unvergleichbarem Wert, es aus ihrem Mund zu hören. So viel hatte sich in Nailas Leben verändert und ihr den Boden unter den Füßen weggezogen, dass sie in einsamen Stunden gar nicht mehr wusste, ob sie noch stand oder fiel. Ihre Träume waren unruhig, ihr Schlaf unzureichend und so dünn wie die Seidenvorhänge vor den offenen Fenstern. Wenn auch noch die Säulen wegbrachen, auf die sie sich hier in Castandor stützte — auf Imani, Ranya, Rajani und Aanyah —, dann war Naila sich sicher, dass sie keine Woche hier überleben würde. Kein Ehemann dieser Welt konnte ihre Schwestern und Freundinnen ersetzen; auch kein Prinz des höchsten Blutes.
Aber statt in der Unsicherheit zu zerfallen, die wie Schatten hinter Imanis Worten lauerte, tat Naila genau das, was sie immer tat: Sie konzentrierte sich auf ihr Umfeld, um nicht in sich selbst zu versinken. In dem Falle sog sie die formulierte Antwort auf, einen Arm um die Stuhllehne gelegt, während sie zu Imani aufsah. Auch auf ihren Lippen lag ein kleines, vertrautes Lächeln, das an Größe und Tiefe gewann, als sie die Worte verstehend speicherte, wie das Lächeln einer Frau, die noch nie darüber nachgedacht hatte, nicht genug Geld zu haben. Die noch nie auch nur im Ansatz eine Grenze erreicht hatte, die ihr Sorgen machen müsste, ganz zu schweigen davon, dass sie je eine finanzielle Entscheidung getroffen hatte. In diesem Punkt unterschieden sich die Welten der beiden Frauen also doch, obwohl sie die gleiche Luft atmeten.
Und was möchtest du mit deiner Bezahlung machen?“, fragte Naila mit gewonnenem Leben hinter ihrer Stimme, und hinter ihren Augen. „Wirklich, ich bin neugierig. Du könntest, hm. Auf den Markt gehen?“ Wie viel kosteten neue Kleider, wie viel kostete Schmuck? Nailas weites Nachtgewand floss mit ihrer zierlichen Gestalt mit, als sie sich erhob und mit nackten Füßen in Richtung des Balkons lief. Von hier aus sah sie die Stadt nicht, aber sie hörte das Meer rauschen. „Du könntest ein Schiff kaufen, oder einen Seemann. Müssen Menschen dafür bezahlt werden, wenn man möchte, dass sie für einen singen?“ Naila konnte sich noch so gut mit dem wissenschaftlichen Phänomen von Wüstenillusionen oder dem Maskenspiel am Hof auskennen, allein auf der Straße würde sie wahrhaftig keinen Tag überleben.
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