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down to the river to pray
12.10.1016 - 06:00
Maebhs Garten

Test
Maebh Fraser
Herbstland - Admin
Alter 31
Beruf Ehefrau
Wohnort Kenmara
Stand Verheiratet
User Cat
#11
Maebh verstand ehrlich gesagt kaum etwas von dem, was Yue ihr da erzählte. Nun, das war vielleicht nicht ganz richtig. Die einzelnen Worte verstand sie durchaus. Herzschläge. Wolken. Strömungen. Bilder. Aber zusammengesetzt ergaben sie für sie keinen wirklichen Sinn, zumindest keinen, den sie greifen oder logisch einordnen konnte, ohne dabei das Gefühl zu haben, dass ihr irgendwo ein entscheidendes Puzzlestück fehlte.
Je länger die Freundin allerdings sprach, desto mehr rückte dieser Umstand in den Hintergrund, weil etwas anderes wesentlich leichter zu verstehen war als alles, was Yue ihr über diese seltsamen Wahrnehmungen erzählte.
Die Angst.
Sie stand der Novizin deutlich ins Gesicht geschrieben und wirkte dort irgendwie fehl am Platz. Nicht, weil sie ihr nicht zustand oder weil Yue niemals Angst haben durfte, sondern weil Maebh sie bislang immer als diejenige erlebt hatte, die anderen Halt gab, die zuhörte, wenn niemand die richtigen Worte fand. Die Fragen stellte, auf die sonst keiner kam, und die selbst dann ruhig blieb, wenn andere längst die Orientierung verloren hatten.
Nun saß dieselbe Frau neben ihr auf dieser Bank und wirkte plötzlich so verloren, dass es ihr einen unangenehmen Stich versetzte. Suchend. Fast ein wenig hilflos. Als hätte man ihr etwas unter den Füßen weggezogen, von dem sie selbst vielleicht gar nicht gewusst hatte, wie sehr sie sich darauf verließ.
Fast automatisch legte Maebh ihre Hand auf die der Freundin und verschränkte ihre Finger locker mit ihren, nicht weil sie glaubte, damit irgendeines der Probleme lösen zu können. Das hätte sie ohnehin nicht gekonnt. Viel mehr, weil Yue dasselbe für sie getan hatte. Immer wieder sogar. Geduldig. Beständig. Ohne sie zu drängen. Ohne sie zu verurteilen.
Sie hatte zugehört, wenn Maebh sich in Sorgen verrannt hatte, hatte ihr geholfen, die eigenen Gedanken zu sortieren, und ihr Raum gegeben, wenn sie selbst nicht wusste, was sie eigentlich fühlte oder weshalb sie etwas so empfand, wie sie es empfand. Und nun saß Yue hier und blickte sie an, als würde sie ernsthaft befürchten, allein diese wenigen Worte könnten alles verändern.
Der Gedanke gefiel Maebh überhaupt nicht. Vielleicht, weil ihr erst in diesem Moment wirklich bewusst wurde, wie wichtig ihr die Freundschaft der Novizin mittlerweile geworden war und wie selbstverständlich sie sich inzwischen daran gewöhnt hatte, dass Yue einfach da war.

«Ich werde niemandem etwas erzählen», sagte sie schließlich ruhig. «Yue, ich würde dich niemals verraten.»
Ihre Finger schlossen sich ein klein wenig fester um die der Freundin, während sie das Gesicht der Novizin aufmerksam musterte und sich dabei fragte, wie lange sie wohl schon mit dieser Unsicherheit herumlief, ohne dass irgendjemand es bemerkt hatte.
«Ich verstehe nicht, was genau passiert ist. Ich glaube nicht einmal, dass ich annähernd begreife, was du da wahrgenommen hast. Aber das muss ich vielleicht auch gar nicht.» Kurz schwieg sie und ließ den Blick über Yues Gesicht wandern. «Ich sehe doch, dass es dich beschäftigt. Und ich sehe auch, dass es dir Angst macht.»
Ein schwaches, beinahe trauriges Lächeln huschte über ihre Lippen.
«Und vielleicht irre ich mich, aber ich glaube nicht, dass du gerade jemanden brauchst, der dir erklärt, was das alles bedeutet. Ich glaube eher, dass du jemanden brauchst, der dir sagt, dass deshalb nichts mit dir nicht stimmt.» Langsam schüttelte sie den Kopf. «Du bist einer der freundlichsten Menschen, die ich kenne, Yue. Du kümmerst dich um andere Menschen, als wäre das das Natürlichste auf der Welt. Du hörst zu, wenn andere längst aufgehört haben zuzuhören, und du nimmst Sorgen ernst, die viele Menschen vermutlich einfach übergehen würden. Und wenn du mir jetzt erzählst, dass du Dinge wahrnimmst, die ich nicht verstehe, dann macht mir das keine Angst. Mehr sorge ich mich darum, dass dir das solch eine Angst macht, dass du glaubst, ich könnte so einen sträflichen Verrat an unserer Freundschaft begehen.»
Einen Moment hielt sie inne und strich mit dem Daumen gedankenverloren über Yues Handrücken.
«Was auch immer das gewesen ist, du wirkst nicht wie jemand, der den Verstand verliert. Du wirkst vielmehr wie jemand, der verzweifelt versucht, etwas zu verstehen, für das ihm bislang niemand eine Antwort geben konnte, obwohl er vermutlich schon viel zu lange danach sucht.» Wieder drückte sie Yues Hand leicht. «Und bis du diese Antwort gefunden hast, musst du das nicht alleine tragen. Du warst für mich da, als ich jemanden gebraucht habe. Also lass mich jetzt dasselbe für dich tun.»
[Bild: Signatur.png]
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