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Planta quae saepius transfertus non coalescit
17.08.1016 - 08:00
Das Schloss des Fürsten von Bardon Pass
Elithea Trakas Belisarius Caderitor

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Elithea Trakas
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#1
Planta quae saepius transfertus non coalescit
Ein Pflänzling, welcher öfters versetzt wird, fasst keine Wurzel.

Und wieder galt es die wenigen Habseligkeiten zu packen und auf Reise zu gehen. Dabei waren es doch gerade einmal zwei oder drei Wochen, die sie in Bardon Pass Ruhe gefunden hatten. Wobei selbst das eher ein Hohn war. Kaum dass sie angekommen waren, folgte schon die nächste Hiobsbotschaft von der Hinrichtung des Vaters. Einfach so. Ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren, obgleich dies vermutlich ohnehin nur eine Farce geworden wäre, denn auf welche Anklage hätte es sich denn berufen sollen? Welchem Verbrechen wäre ihr Vater denn schuldig gewesen? Und wer hätte ihn verteidigen sollen? Einfach so hingerichtet, ohne dass er sich hätte verabschieden können, ohne dass er in ein freundliches Gesicht blicken konnte, ohne dass er wusste, ob es seiner Familie gut ging oder nicht. Diese Ungewissheit und Einsamkeit musste ihn schier zerfressen haben. Selbst ein so stolzer und edler Fürst wie Achilleus Trakas musste doch an der Ohnmacht dieser Situation verzweifeln. Das wäre sein gutes recht, niemand dürfte ihm dies vorwerfen. Die Folgen dieser Nachricht stürzten den kläglichen Rest der Familie in schier unerträgliche Trauer. Mutter verschwand entweder in der Kapelle oder in ihrem Raum und war kaum anzusprechen Wie ein Geist schlich sie durch die Hallen und ergab sich ihrem Schicksal als leidende Witwe. Dafür war die Schwester umso lauter zu hören in ihren Wehklagen, die sie an den Schultern der armen Kassandra ausheulte. Mit den schwärzesten aller Worte malte sie sich eine Zukunft aus, die knapp am Schicksal einer Bettlerin vorbeischrammte und dachte dabei, wie sooft, nur an sich. Und der Bruder? Nun, der schwieg. Doch man sah im an, dass sich seine Gedanken nur noch ernster und verbissener nach Rache und Rückeroberung drehten. Erwachsen war er geworden, so schnell und so unerbittlich.

In all diesem Chaos fiel es selbst Elithea schwer irgendwie eine optimistische Stimmung aufrecht zu halten. Wie denn auch? Sie selbst wollte trauern und einfach einmal der Hilflosigkeit Platz geben. Woher sollte sie denn die Zuversicht nehmen, dass es irgendwann, irgendwie wieder besser werden würde? Und doch wollte sie einfach nicht glauben, dass ihre Zukunft nur Schmerz, Leid und Armut für sie bereit halten würde. Nichts desto trotz, obgleich sie Titel und Heimat verloren haben, sie waren Fürsten, von Adel. Das musste doch für irgendwas gut sein, nicht wahr? Es blieb Elithea also nichts anderes übrig als diese kleine Hoffnung zu nehmen und weiter zu leben. Wenn weder Mutter noch Schwester sich um die Aufrechterhaltung von Haushalt und Zusammenhalt kümmern würden und der Bruder sich mehr mit militärischen und politischen Fragen beschäftigte, so nahm sich Elithea nun dieser Aufgabe an. Gestern hatten sie erfahren, dass es heute neuerlich aufzubrechen galt.

"Iulia, bitte sieh nochmal nach, dass in den Zimmern nichts zurück geblieben ist" schickte sie die Botin auf den Weg zur Kontrolle der Räumlichkeiten, die ihnen zur Verfügung gestellt wurden, während Elithea das Verladen der wenigen Truhen beaufsichtigte. Ein paar Kleidungsstücke hatte man ihnen übergeben, meist irgendwelche Altgewänder, die entbehrlich waren, aber noch gut genug, um eine Fürstenfamilie zu schmücken. Für Neuanfertigungen war kaum Zeit und ehrlich gesagt wurden auch nur wenige Gedanken darauf verschwendet. Womit hätten sie diese auch bezahlen sollen? Ewig wollte man dem Fürsten von Bardon Pass auch nicht auf der Tasche liegen. Elithea war zufrieden, ihre Mutter gleichgültig, ihre Schwester natürlich zutiefst beschämt und ihr Bruder pragmatisch. "Und weißt du, wo die Fürstin ist?" Larissa hatte sich schon in die Kutsche zurück gezogen und schniefte auffällig laut in ein Taschentuch. Ihren Bruder hatte sie irgendwo gesehen, bildete sie sich ein. Ah, dort bei den Wachen stand er und tat schon so, als würde er die Befehle geben. Elithea näherte sich und räusperte sich, um seine Aufmerksamkeit zu erlangen. "Endymion, wärest du bitte so nett und holst du Mutter? Vermutlich hat sie in der Kapelle die Zeit vergessen." bat sie ihn höflich und mit dem gebührenden Respekt vor den Soldaten. Ihr war bewusst, dass ihr Bruder als Nachfolger des Vaters gehandelt wurde und ebenso behandelt werden wollte. "Elithea" seufzte der Bruder, der eindeutig besseres zu tun hatte als Laufbursche zu spielen. "Bitte, Endymion" Elithea opferte sich oft für die Familie auf, aber dem Anblick der von Trauer zermürbten Mutter war sie momentan nicht gewachsen. Endymion holte neuerlich tief Luft, nickte "Nun gut, für dich." lächelte er schal und machte sich auf den Weg.

Elithea wandte ihren Blick zum Tor, in Gedanken schon auf den Straßen, die sich dahinter durch die Stadt schlängelten.
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Belisarius Caderitor
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#2
Das Gefängnis der Ambition lag in der verfluchten Handlung. Belisarius war Gefangener seiner selbst, konnte nur jenen Pfaden folgen, die ihm sein verfluchtes Schicksal vorgab. Ein Befehl führte ihn mit 12 bewaffneten Reitern über eine schlecht befestigte Straße. Die Reiter trugen silberne Harnische, die aufwendig poliert waren und schwere Lanzen. Der erste Reiter, welcher neben Belisarius ritt, trug ein Banner des Hauses Caderitor. Es war das Heereszeichen der Söldner unter seinem Kommando und nur seine ausgewählte Elite führte das Falkenbanner, welches stolz auf einem Stab aus Ebenholz thronte. Belisarius trug ebenfalls einen silbernen Harnisch, welcher ebenso poliert war und noch dazu trug er als einziger der Soldaten, einen Helm mit einem Federbusch, der über seinen Nacken hinausreichte. Die Reiter trugen das gleiche Modell eines vollgefassten Helmes, jedoch ohne den Federbusch. Der rote Federbusch wehte im Wind des Galopps auf und ab. Sie alle hatten es eilig, nicht nur, weil der Befehl drängte, sondern auch eine Information, die Belisarius erhalten hatte. Es bestand akute Gefahr für das Missionsziel, so dass schlicht Eile geboten war. Belisarius war sich unsicher, was ihn erwarten würde, da wenig bekannt über den Zustand der Familie Trakas war. Es hieß, dass sie noch lebten aber das sagte wenig aus, über welchen Gemütszustand sie verfügten, inwieweit sie transportfähig waren und inwiefern er mit ihnen arbeiten konnte. Diese Zeiten verlangten viel von ihm, so dass er mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen musste und insofern war die eigene Handlungsfähigkeit auch daran geknüpft, wie diese Mission verlief. Sofern die Familie Trakas gut mitarbeiten konnte, sich keine weiteren Zwischenfälle ergaben, würde er schnell zu weiteren Aufgaben wechseln können, um diesen Krieg in geeigneter Sache zu nutzen. Der Staub schlug ihm unfreundlich ins Gesicht, schmeckte zuweilen salzig, so dass er gelegentlich spuckte. Seine Männer taten es ihm gleich und spuckten gegen den Wind ihres rasanten Weges; dennoch war das Spucken vergebens und der erneut aufgewirbelte Staub schmeckte immer wieder salzig und bitter. Reisen in dieser Geschwindigkeit waren nicht angenehm und Belisarius tat dies nicht gerne, auch weil es die Pferde übermäßig beanspruchte. Pferde, die derart geritten wurden, waren nicht mehr kampffähig und für den weiteren Tag unbrauchbar. Zumal dies reine Reisepferde waren, die ohnehin keinerlei Ausbildung unter Waffen erhalten hatten und für ein großes Gefecht ungeeignet waren.

Doch den wertvollen Kriegspferden konnte er diese Strapazen nicht zumuten, diesen langen Galopp zu erhalten und durchzustehen. In dieser Hinsicht waren diese günstigen Reisepferde ein Verschleißmaterial, was gebraucht wurde, denn die Zeit drängte. Die Sonne stand tief am morgen, da sie noch in der Nacht aufgebrochen waren, um zeitnah ihr Ziel zu erreichen. Die gegebene Information einer seiner Tauben über einen möglichen neuen Verrat und einen Spion in den Reihen der Trakas hatte Belisarius derart beunruhigt, dass er bei der schwachen Erkenntnislage, sofort handeln musste, um ein weiteres Fiasko für Castandor zu verhindern. Er wusste um das politische Spiel, welches derart hektisch gespielt werden musste, - und sofern noch ein weiteres Familienmitglied starb oder auch nur ein aktiver Spion weiter reisen konnte, würde dies einen erheblichen Schaden der gemeinsamen Sache zufügen. Ein großer Fehler und Castandor würde sich nicht mehr erholen und wenn Castandor verlor, verloren auch die Caderitors, die ihre Schuldgeschäfte vorher beglichen sehen wollten. Dort lag es bereits: Bardon Pass. Dieser schöne Ort, noch fern der Kämpfe aber auch in Gefahr, so dass auch hier vieles ungewiss war. Krieg kündigte sich an, so dass bereits halbherzig sowie schlecht ausgestattete Wachen auf den rudimentär und verwahrlosten Mauern patrouillierten. Die Jahrhunderte des Friedens hatten nicht dazu geführt, dass die Verteidigungswerke dieser Stadt modernisiert waren, sondern eher das Gegenteil, so konnten sie maximal Räuber abschrecken aber kein stehendes Heer, so viele Brüche und Fehlstellen wiesen sie auf. Belisarius bemerkte dies mit einem geschulten Auge für derartige Dinge und räusperte sich. Dieser Anblick versinnbildlichte ihm die Lage, dass Castandor noch nicht kriegsfähig war und vieles getan werden musste, um die kommenden Kriege vorzubereiten. Auch Krieg war nur ein Geschäft, mitunter eine Wissenschaft und oft regelrecht Handwerk, so dass Belisarius wusste, was er beschaffen musste.

Doch sein Auftrag galt nicht der Sicherheit von Bardon Pass, sondern dem Schutz und Geleit der Familie Trakas, die noch immer in Lebensgefahr schwebten. Sein Nebenreiter hob das Banner, so dass die beiden müden Wachen mit ihren alten Speeren am Tor bei Seite traten und ebenso müde grüßten. Das Banner war immerhin bekannt, so denn Belisarius nichts weiter erklären musste. Mit einem huschenden Zug ritten sie in die Stadt ein, die voller Menschen war, die sich dicht drängten. Flüchtlinge, Handelsvolk und auch Bürger gingen ihrem zusammengewürfelten Tagwerk nach. Es war kein Durchkommen mehr. Die Pferde waren jetzt ein Hindernis."Absitzen," befahl er und gab ein Handzeichen mit seiner Faust. Die Soldaten hielten ihre Pferde ebenso robust an, wie sie auch geritten waren. Die Hufe der Tiere stampften noch einmal wild auf, wirbelten staub auf und die Menschen der Stadt wichen einen Schritt zurück, bevor sie kurz schauten aber dann ihrem eigenen Schicksal weiter folgten. Doch sie ließen dem kleinen Trupp platz, so dass Belisarius schwungvoll von seinem Sattel stieg. Dabei musste er auch sein Schwert achten, was zwar hochgebunden war aber sich noch im Sattel hätte verfangen können. "Iulius," deutete er auf einen Söldner. "Du kümmerst dich mit Ignatios um die Pferde. Ihr haltet hier die Stellung. Wachsamkeit ist befohlen," befahl er mit nüchterner Stimme. Iulius nickte, da er bereits abgesessen war und sein Pferd am Zügel hielt. "Jawohl, Heerführer," war seine Antwort. "Die anderen folgen in wachsamer Folge," sagte Belisarius und zählte mit einem ebenso geübten Auge die Männer ab, so dann er sich aufmachte. Die kleine Heerzug von Bewaffnete schob sich über die Hauptstraße von Bardon Pass und Belisarius hatte Mühe die Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren zu richten, da hier einfach zu viele Menschen lebten und arbeiteten. Es war unübersichtlich und dies besorgte ihn sehr, da er diese Menschenmassen nicht mochte und noch viel schlimmer, so nicht zu kontrollieren waren. Mit unsanften Bewegungen seiner Hände schob er Passanten zur Seite, immer wieder, bis er mit seinen Männer genügend Platz hatte, um zielgerichtet agieren zu können. Das Banner seines Hauses ragte als einziges aus der Masse hervor und gab auch den Soldaten unter seinem Befehl genügend Anhaltspunkt, um nicht verloren zu gehen und die Reihen geschlossen zu halten. Die Passanten schienen sich nicht um die gepanzerten Soldaten zu kümmern, als ob sie vollkommen bedeutungslos waren. Belisarius versuchte seinen Weg zu finden, sich zu orientieren und sich die Karte mit dem Anwesen, wo das Missionsziel untergekommen war, zu vergegenwärtigen. Doch eine klare Orientierung fiel in dieser wirren Stadt schwer und aus militärischem Gesichtspunkten war dies bereits ein Fiasko, da er so für keine aktive Sicherheit sorgen konnte. Für den Rückweg nahm er sich vor, dass seine Soldaten mit Knüppeln den Weg bereiten sollten, damit sie einen sicheren Perimeter vorfanden und sich freier bewegen konnten. Doch in diesem Augenblick war auch dies nur ein kalter Wunsch eines Mannes, der sich in einer unkontrollierbaren Situation wiedergefunden hatte. Ein Soldat mochte das nicht und ein Soldat, der gekämpft hatte, umso weniger. Situationen sollten - soweit wie möglich - beherrschbar sein. Man musste wissen, was man tat und was einen erwartete aber in diesem Gemenge, Gewühle und Geschwärme von Menschen war dies nicht möglich. Belisarius brüllte einen Händler aus seinem Weg, der gerade seinen Handkarren in den Weg ziehen wollte.

Das erbärmliche Gebrüll hielt den Händler an, der frech gestikulierte und Belisarius eine obszöne Geste zeigte. Belisarius grummelte aber der Weg war noch frei, so dass er sich entschied, weiter zu gehen. Sie waren ja fast am Ziel. Hoffentlich achtete Iulius gut auf die Pferde, da sie sie noch brauchen würden. Belisarius schwitzte unter seinem Helm, da ihn diese Situation dezent überforderte und eine uralte Angst aufkam. Er versuchte sich zu beruhigen, indem er beharrlich atmete. Es gelang. Endlich waren sie am kleinen Gittertor des Anwesens, welches auch hiesigen Fürsten gehörte. Das Gittertor war verschlossen und zwei Diener standen dahinter, um es zu bewachen. Sie trugen nicht einmal einen Speer oder einen Dolch. Sie waren unbewaffnet und das in diesen Zeiten. Wenigstens war das Tor verschlossen. "Aufmachen," befahl Belisarius und die beiden Diener traten in ihrer feinen Dienstkleidung herbei. "Nein, Sire," antwortete einer der beiden. "Wir haben strikte Order niemanden hindurch zu lassen," schnöselte der andere und machte eine abweisende Geste mit beiden Händen. Belisarius zog aus seiner Gürteltasche ein Dokument auf Pergament geschrieben. Mit einer hektischen Bewegung entrollte er es und deutete darauf. "Die Hand des Großkönigs schickt uns. Ich bin Heerführer Caderitor und wir haben Befehl die Familie Trakas zu geleiten. Sie steht absofort unter unserem Schutz," blaffte Belisarius ungehalten, da die Menschenmassen hinter ihm drückten und sich weiterhin vorbeischoben. Er wollte schnell innerhalb des Anwesens sein, um wenigstens einen Moment durchzuatmen. Zumal immer noch Gefahr bestand, dass der Spion zuschlug und der angekündigte Verrat geschah. Die beiden Diener blickten sich an, um dann schnell an den drei großen Riegeln des Tores zu ziehen. Mit einem Ruck drückte es Belisarius auf, so dass die beiden Diener fast stolperten. Der Kriegsherr stürmte mit seinen Männer hinein. "Zwei Mann sichern das Tor," befahl er noch und zwei Soldaten traten aus dem Sturm zurück zum Tor, wo sie die beiden Diener als Wachen verdrängten. Sie schlossen das Tor mitsamt Riegeln und nahmen ihre Aufgabe sehr ernst. Belisarius riss das untere Portal auf und suchte mit seinen Augen nach Gefahrenstellen, Fluchtpunkten und versucht im Allgemeinen einen Überblick zu finden. "Die Hausdamen sollen alle antreten," brüllte er und eine Hausdame lugte vorsichtig um eine Säule hervor. Ihr war sichtlich unwohl.

"Was soll dieser Lärm, Sire," trat die Hausverwalterin vor und hielt Belisarius für einen Ritter. Doch Belisarius war kein Ritter. "Ich werde dies nicht tun, da ihr hier keine...", wollte sie sagen aber auch ihr wurde das Pergament vorgehalten, so dass sie mit geweiteten Augen laut in die Hände klatschte. "Alle Hausdamen versammeln," rief sie und reihte sich dann in beigetretenen Damen ein, die sich nun in einer Reihe aufgestellt hatten. Belisarius beruhigte sich nicht, sondern stürmte in der Halle auf und ab. Seine Soldaten sicherten die Zugänge und die Treppe hinauf. Es musste gehandelt werden. "Ich suche Larana ...," schimpfte er, wobei Speicheltropfen aus seinem Mund flogen und zwei der Damen ins Gesicht gerieten. Angst machte sich breit, da offensichtlich war, dass Bewaffnete nichts Gutes bedeuten konnten. Insbesondere nicht, wenn sie mit Forderungen kamen. Nervös verstaute er das Pergament wieder in seiner Gürteltasche und nahm seinen Helm ab, um diesen auf einen kleinen Beistelltisch um Raum abzustellen. "Larana!" - seine Stimme erhob sich immer finsterer, da sich keine Dame als Larana zu erkennen gab. Er trat zur Verwalterin. Diese zeigte mit einem Kopfzeig in die Reihe neben sich und Belisarius blickte jeder Frau eiskalt in die Augen, wobei eine der Frauen ängstlich zu zittern begann und erheblich unruhig wirkte. Belisarius griff sie an den Haaren und schleuderte sie mit einem Rück vor die Reihe, so dass diese im Sturz eine Vase umwarf, die zerbarst. "Bist du es?" - fragte er herablassend, als er ihre Haare losließ und ihr Gesicht in Richtung Boden sank. Ein fürchterliches Raunen zog durch die Halle. Sie waren diese Gewalt nicht gewohnt und erschreckt. Belisarius war leider in Gewalt geübt und wusste um die Abschreckungswirkung öffentlich vollzogener Obrigkeit, so dass er dies zwar nicht gerne tat aber er keinerlei Wahl besaß. Ihm war der Name genannt worden. Larana war eine Gefahr und eine Gefahr musste beseitigt werden. "Ich bin es," jappste die am Boden liegende Frau, so dass Belisarius erleichtert ausatmete. "Hast du ein Brandzeichen an der Schulter?" Die Hausdame, die inzwischen Tränen verlor, nickte in kaltem Terror erstarrt. Mit einem Ruck packte er sie erneut an den Haaren und am Hals, um sie durch das Portal in den Innenhof beim Gittertor zu ziehen. Sie wehrte sich kaum, da Belisarius sehr zielgerichtet und brutal agierte. "Der Rest bleibt," schimpfte er und die angetretenen Hausdamen verweilten ebenfalls erstarrt in jenem Terror in der Halle. Belisarius schleuderte die zierliche Frau an den Brunnen im Innenhof, wobei sie sich ihr Gesicht aufschlug.

"Wer hat dich geschickt?" Belisarius war nervös und musste schnell handeln. Er musste Informationen vergleichen und Erkenntnisse erzielen. Solange er nur Informationen seiner Tauben hatte, hatte er kein klares Bild. Erst die Überprüfung sowie der Vergleich gaben Sicherheiten. "Das kannst du Castandor-Hund ja denken... Ich verfluche euch alle...," geiferte die junge Frau, deren Gesicht ein böses Grinsen zeigte. Ihre Tränen rannen über die Fratze, die inzwischen Blut verziert war. War sie wahnsinnig oder nur todesgewiss? Belisarius konnte damit nicht gut umgehen, so dass er sich entschied, dieses Schauspiel und damit die Gefahr zu beenden. Immerhin hatte sie sich als Verräterin offenbart und ihre Worte belegten ihre Handlungen, die bisher nur Gerücht gewesen waren. Mit einem Satz presste er ihren Kopf auf die Kante des Brunnens, zog seinen schweren Kriegsdolch vom Gürtel und setzte mit zielender Klinge über ihrem Genick an, so dass er mit einem kräftigen Stoß ihr Leben beenden konnte. Er hielt kurz inne, da es auch ihm nicht leicht fiel aber es musste getan werden. Belisarius stieß mit einem ausholenden Stoß zu, so dass die spitze Klinge in das Genick eindrang und das Leben der Verräterin beendete, indem er den Dolch zur Seite hinauszog und Blut in geringer Menge hinausquoll. Im Anschluss riss er noch einmal am Schädel, so dass mehr Blut herausbrach und das Genick endgültig brach. Danach ließ er die Tote in den Staub gleiten, wo sie leblos lag. Er hatte bei seinen Bewegungen darauf geachtet, selber nicht mit dem Blut benetzt zu werden, doch seine Stiefel waren mit ihrem Blut beschmutzt worden, so dass er diese kurz angewidert betrachtete. Der erfahrene Meuchelmörder versicherte sich noch ihres Todes und blickte in die weit aufgerissenen Augen des Todes der jungen Frau, die dämonisch entrückt ins Leere starrte. Ja, sie war tot. Das brutale Schauspiel war beendet. Belisarius keuchte kurz auf. Immerhin konnte er so Obrigkeit signalisieren und weitere Verräter vorerst abschrecken, so dass etwas Zeit für Planungen blieb. Doch er war sich sicher, dass der Schrecken nicht lange vorhalten würde. Das tat er nie, so denn er ständig wiederholt werden musste, bis es endlich getan war. Mit eleganten, jetzt ruhigeren, Schritten trat er wieder in die Halle.

"Jedwede verdächtige Aktivität wird mir gemeldet, Verwalterin," drohte er mit dem blutigen Dolch in seinen Händen. "Verrat kennt nur den Tod," ergänzte er und nahm sich ein Stück Leinen aus einem Behältnis neben der Treppe, welche als Taschentücher gedacht waren, um seine Klinge abzuwischen. Dies tat er sehr akribisch, bevor er das Tuch wieder ablegte und zwar direkt neben die Schatulle mit Rosenblättern, die neben den Tüchern stand. "Ihr seid entlassen," sagte er nun freundlicher im Ton, während er seinen Dolch in der Halterung am Gürtel befestigte. Die anwesenden und noch immer schockierten Hausdamen verschwanden zitternden Schrittes in ihre Aufgaben, wobei die Verwalterin verweilte. "Verstanden, " hauchte sie übervorsichtig. "Holt mir eine sprechfähige Person aus dem Hause Trakas. Ich muss eine Nachricht überbringen," befahl er er noch und die Verwalterin nickte, so dass sie sich nun auch sicher entfernen konnte. Die Verwalterin trat die Treppe hinauf und fand Elithea vor. Die Verwalterin war sich unsicher aber Elithea war derzeit die einzig gefestigte Person aus dem Hause Trakas. Die Mutter war in Trauer versunken und nicht wirklich handlungsfähig und Endymion noch ein Kind, welches mit diesem Scheusal da unten nicht verhandeln konnte. Es blieb also nur noch Elithea, so dass die Verwalterin auf diese zutrat, sich höflich verbeugte. "Meine Herrin," grüßte sie und sagte dann folgende Worte: "Ein Abgesandter des hohen Königs von Castandor ist eingetroffen und möchte eine sprechfähige Person eurer Familie sehen. Ich denke, dass ihr derzeit die einzige Person seid, die genug Stabilität aufweist. Ich warne euch nur, dass dieser Mann brutal ist und sicherlich nicht euer Freund ist." Danach verneigte sie sich und deutete mit einen sanftmütigen Bewegung zur Tür und zur Treppe hinab zur Halle. Belisarius hingegen wartete ungeduldig, indem er in kleinen Kreisen in der Halle auf und ab ging. Seine Männer verzogen kein Gesicht, verweilten still aber wachsam auf ihren Posten. Dieses Anwesen war nun unter ihrer Kontrolle.
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Elithea Trakas
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#3
“Prinzessin, ich habe alles noch einmal kontrolliert. Die Zimmer sind sauber und alles ist verpackt.“ knickste Iulia artig, als sie nach einer Weile wieder zurückgekommen war. Nun, das war auch nicht schwierig schließlich waren es nur ein paar Habseligkeiten, die die Familie Trakas ihr Eigentum nennen durfte und Iulia hatte höchst selbst darauf geachtet, dass alles davon auch einen Platz in den Truhen und Kisten finden würde. Es tat ihr gut sich nützlich zu machen und durch Arbeit abzulenken, wo es nur ging. Außerdem bevorzugte sie die Gesellschaft von Ihresgleichen, Dienerinnen und Hausmädchen waren ihr immer lieber als das hochnäsige Geschnatter des Adels. Einzige Ausnahme war schon in Eastergold Meadow immer Elithea gewesen. Mit ihrer ruhigen und herzlichen Art, die nie aufgesetzt wirkte, hatte die Fürstentochter schnell die Herzen der Dienerschaft sowohl da als dort für sich gewonnen. “Und ich habe eure Schwester angetroffen. Sie lässt ausrichten, dass sie vom Koch noch mehr Honigkuchen und Rosinenbrötchen für die Reise verlangt.“ Der Dienerin war anzuhören, dass sie die Handlungen der Schwester für unverschämt und maßlos hielt, auch wenn sie das nie so ausdrücken würde. Elithea seufzte nur. Einen Sack Flöhe hüten wäre einfacher, dabei war das nicht einmal ihre Aufgabe! Aber nachdem sich die Mutter aus allem rauszuhalten schien und wohl in der Kapelle auf die Nachricht der imminenten Abreise wartete, und die Geschwister offensichtlich unfähig oder unwillens waren, blieb ihr nichts anderes übrig. “Danke Iulia“ Auf was warteten sie eigentlich noch? Irgendwie war von einer Eskorte die Rede, aber im Hof hatten sich doch schon Soldaten versammelt, also könnte es doch los gehen, oder?

“Dann wollen wir….“ Aber weiter kam die Prinzessin nicht. Sie spürte mehr, als dass sie es erst erkannte, dass eine undefinierbare Unruhe sich der Burg näherte. Unsicher verharrte die junge Frau nahe einem Fenster, das ihr ein wenig Ausblick auf ein Stückchen Himmel und die Stadt darunter bot. Schon fanden die Finger der rechten Hand lose Hautfetzen an den Nägeln der linken, die sie unbewusst zu zupfen begann. ““Prinzessin?“ Iulia genügte nur ein Blick, um zu erkennen, dass irgendetwas nicht stimmte. Die kleinen Bewegungen der Hände verrieten mehr, als es Elithea jemals würde. Mit wenigen Schritten war die Dienerin an Elitheas Seite und nahm beruhigend ihre Hand. “Was ist los?“ Nun waren es vier Augen, die durch die Öffnung in der Wand nach etwas suchten und doch nicht wussten, ob sie denn finden wollten, was sich da näherte. Erst merkte man nur ein allgemeines Rumoren, das sich fast wie kleine Wellen auf die Burg zu bewegte. Aber weder der Prinzessin noch der Dienerin wollte auffallen, was die Ursache des Tumults war. Man erkannte die Bewegungen der Menschenmassen, ein Schieben und Drängeln. Der Druck um Elitheas Hand wurde fester, als die seltsame Unruhe auch die Dienerin ergriff. “Sind das…“ wisperte sie, als sich über den Köpfen der Menschen Banner erhoben. Elithea schwieg Als wäre es ein echter Vogel, so lebhaft flatterte das Tuch hoch auf einem Ebenholzstab. Sie kannte das Banner nicht, so sehr sie es auch anstarrte. Doch die Erinnerungen an ihre Heimat brachen sich immer mehr Bahn in ihrem Gemüt. So hatte es auch dort angefangen. Ein Haufen von geharnischten Körpern, die sich gegen die Tore stemmten, bis sie unter Bersten und Stöhnen nachgeben mussten. Das Klirren der Rüstungen war sicherlich nur ein leises Wispern, doch für Elithea hörte es sich an wie das höllische Kettenrasseln der Unterwelt. “Das kann doch nicht sein, Iulia.“ nicht schon wieder. Fürst Athanas hatte etwas angedeutet, das Elithea damals im Garten nicht wirklich eine Bedeutung beigemessen hatte. “Meint ihr?“ auch Iulia wollte den Gedanken nicht aussprechen. Einmal in Worte gefasst, bekamen Gedanken eine Festigkeit, die der Realität nahekamen. Und das wollten beide Mädchen vermeiden.

Nein. Walleydor konnte doch nicht schon bis Bardon Pass vorgedrungen sein. Davon hätten sie etwas mitbekommen. Man hätte Vorkehrungen getroffen. Man hätte sie weggeschafft. Man hätte Nachricht erhalten zumindest. Dennoch die Angst vor einem neuerlichen Überfall setzte den jungen Körpern schwer zu. Trotz des festen Händedrucks, der eine beruhigende Versicherung hätte sein sollen, durchfuhr Elithea ein Schauder, der nicht von Kälte herrührte, sondern von einer lebensbedrohenden Angst. Und auch die Dienerin neben ihr zitterte am ganzen Leib. Sie mussten fort. Doch keiner von beiden konnte sich auch nur eine Haaresbreite bewegen. Wie festgefroren und das in der schönsten Sommerwärme. Nun hatten die Gerüsteten das Tor zur Burg erreicht, das ihnen kaum ein Hindernis darstellte. Das Gebrüll des Anführers füllte dröhnend den Innenhof, hallte von den steinernen Wänden wider und verschwamm zu einem undefinierbaren Buchstabenwirrwarr. Das wohlpolierte Metall der Rüstungen blendete im Sonnenschein so gleißend, dass es fast in den Augen weh tat. Und doch konnten sie den Blick nicht von der Truppe nehmen. Erst al der Redelsführer, jener mit dem auffällig roten Federbusch am Helm, seinen prüfenden Blick über die Gemäuer schweifen ließ, zuckten sowohl die Prinzessin als auch ihre Dienerin zusammen und drückten sich an die gegensätzlichen Flanken der Fenster. Die plötzliche Kälte dort, wo vorher die Hand der Dienerin die ihre gehalten hatte, erschreckte Elithea nur noch mehr. Wo waren nur die anderen, wenn man sie am dringlichsten brauchte? Ob sie die Aufregung hier überhaupt bemerkten? Elithea lugte vorsichtig wieder ums Eck und hinaus in den Hof. “Passt auf, Prinzessin.“ Vielleicht war es besser, wenn man nicht wusste, dass die Fürstenfamilie Trakas noch hier war.

Die Unruhe erreichte nun eine gefährliche Nähe. Scharniere quietschten protestierend auf, Holz ächzte unter der ungewohnt brutalen Behandlung und dann waren die hastigen, festen Schritte auf einmal in der Halle unter ihnen. Die Befehle der dröhnenden Stimme waren nun gut zu vernehmen, doch das erklärte nicht unbedingt, was dieser Haufen an Kriegern hier wollte. Elitheas Neugier gewann. Oder sagen wir lieber, ihr Selbsterhaltungstrieb. Je mehr sie über diesen Trupp in Erfahrung bringen könnte, desto besser würde sie einschätzen können, welche Reaktion notwendig war. “Ich hole eure Mutter.“ schaltete sich Iulias Fluchtgedanke ein. “Nein. Bleib hier.“ bat Elithea leise. Ihr Mut war nur in Gesellschaft ausdauernd. Allein würde sie es hier keine Minute aushalten. Hinter den kunstvoll geschnitzten Steinsäulen der Balustrade, die sie im ersten Stock vor den Blicken aus der Halle schützte, konnten sie das Geschehen unbemerkt verfolgen, das sich nun vor ihnen wie ein schreckliches Schauspiel ausbreitete. Mit einer schier unersättlichen Gewissheit brüllte der Kopf der Truppe Befehle, denen die Dienerschaft des Fürstens nur mit sehr schmählichem Widerstand begegneten. Elithea versuchte sich den Fremden einzuprägen. War er ein Adeliger, dass hier sein Wort scheinbar soviel galt wie das des Hausherren? Nein, so selbstbewusst er auch auftrat, ihm fehlte die edle Aura. Nein, das war es nicht. Wer aber war er dann? Das weibliche Personal huschte zusammen wie aufgescheuchte Hühner und schon verlangte er eine Person zu einem Namen, der Elithea nur zu geläufig war. Warum Larana, das Hausmädchen, das ihr täglich das Bett gemacht hatte und abends für eine Tasse heißen Aufguss für alle gesorgt hatte? Verbissen vergruben sich ihre Finger in der aufgebrochenen Nagelhaut der linken Hand, die sie bis zum Wundsein malträdierte. Jedes kleine Fetzchen erschuf nur ein neues, an dem es zu ziepen und zupfen galt, bis es schmerzte. Sonst allerdings schienen ihre Glieder taub vor Angst, mehr noch, da sie nicht verstand, was die Ursache dieser Boshaftigkeit war. Die grobe Behandlung des Hausmädchens artete vollkommen aus, Scherben barsten, Tränen flossen. Elithea drückte sich an den kalten Stein der Säule, dessen gräuliche Farbe allmählich mit der Blässe ihrer Wangen verschmolz. Soviel Gewalt war sie nicht gewohnt. Nicht einmal in Eastergold Meadow während des Überfalls war sie mit derartiger Brutalität in unmittelbarer Nähe konfrontiert gewesen.

Sie hörte nur das Rascheln von Stoff und das leise Tappen von Ledersohlen über glatte Steinplatten, als die Dienerin wieder ans Fenster huschte. Und dann ein entsetzter Aufschrei, der hinter vorgehaltener Hand versteckt wurde. “Er hat sie einfach…“ mehr konnte die Dienerin nicht aus ihrer Kehle hervorpressen, doch Elithea konnte sich denken, wie der Satz zu ende gehen sollte. Sämtliche Kraft floh aus ihren Gliedern, wo vorher noch zumindest ein Rest an Durchhaltevermögen war, blieb nur noch ein schales, schwammiges Kribbeln, als sie merkte, wie sie jeglichen Halt verlor. Selbst in dem rauhen Stein der Brüstung fanden ihre Nägel kaum Halt, doch sie durfte nicht wanken, durfte sich nichts anmerken lassen, auch wenn hier niemand war, der ihre Schwäche hätte sehen können. Hinter geschlossenen Lidern dröhnte ihr Kopf begleitet vom leisen Schluchzen der Dienerin. Denk an etwas Schönes versuchte sie sich selbst zu beruhigen. In der aktuellen Situation allerdings fiel der Prinzessin es nicht leicht, noch etwas Schönes zu sehen. Noch während sie es versuchte, trat die Verwalterin die Stufen hoch und auf die Prinzessin zu. Elithea atmete tief durch, richtete sich auf, versuchte wieder an Haltung zu gewinnen. “Ein Abgesandter des hohen Königs von Castandor ist eingetroffen“ Das konnte doch nur ein Scherz sein, oder? DAS war ein Abgesandter des Königs? Elithea wusste nicht recht, ob sie die Augen vor Verwunderung aufreissen oder zusammen runzeln sollte. So sollte sich kein Abgesandter verhalten. Eifrig zupfte die Verwalterin an ihr herum, richtete das Kleid und die leicht zerzausten Haare. Und warum sollte gerade sie diesem Wüstling gegenüber treten? Ihre Mutter war die Witwe des alten Fürsten und weit gewandter in politischen Gesprächen. Selbst ihr Bruder, als nun de facto Fürst von Eastergold Meadow wäre geeigneter für diese Konfrontation. Herrje selbst ihre hochnäsige Schwester hätte mehr Schneid und Schlagfertigkeit diese Situation zu meistern! Warum sie? Aber sie konnte nichts anders als nicken. Was blieb ihr denn übrig? . [color=# FF857A] “Iulia.“[/color] befahl sie ihre Dienerin an ihre Seite, die immer noch schluchzend am Fenster stand, sich aber nun ebenfalls zusammenriss und zu ihr huschte. Tief durchatmen. Schultern straffen. Und bloß nicht die Treppen runterfallen. Bevor sie ums Ecke auf die oberste Stufe trat, zwickte sich Elithea noch kräftig in die Wange, damit sie etwas rosiger wurden, als ihr gerade zumute war.

Möglichst ihrem Stand als Prinzessin von Eastergold Meadow entsprechend versuchte sie erhaben und elegant die Treppen hinabzugleiten, die Hände anmutig vor dem Bauch verschränkt, so wie sie es schon sooft bei ihrer Mutter beobachtet hatte. In der Halle angekommen hielt sie in gebührlichem Abstand inne, das Kinn so gut es ging erhoben. Er sollte nicht merken, dass sie innerlich weit weniger selbstbewusst war, als sie nach Außen den Anschein geben wollte. Selbst seinem Blick stand zu halten kostete ihr einiges an Überwindung, aber die Augen zu senken würde nur Schwäche bedeuten. “Mit wurde mittgeteilt, dass der Abgesandte des hohen Königs eine Nachricht an den Fürsten von Eastergold Meadow zu überbringen hat.“ gut, das war ihr Bruder ja eigentlich. “Ich bin seine Schwester, Elithea Trakas, Prinzessin von Eastergold Meadow. Wenn man hier schon eine derartige Aufruhr veranstaltet, die Dienerschaft verängstigt und mich rufen lässt wie einen räudigen Hund, verlange ich den Namen des Abgesandten zu erfahren und einen Nachweis seiner Beauftragung durch den hohen König.“ sie hatte es geschafft ihre Stimme zumindest für die Dauer dieser paar Sätze so sicher und stark wie möglich klingen zu lassen.
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Belisarius Caderitor
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#4
Regen fiel. Immer mehr Tropfen brachen aus den Wolken frei und schienen in ihrer Melodie Tränen für die gehandelte Grausamkeit zu geben. Die dargebotene Leiche lag in diesem Licht des Regens, welcher das Blut von ihr spülte und sie seltsam zeichnete. Einst war Regen leise gewesen, doch inzwischen kam er in einem lauten Ton daher. Die Tropfen prasselten auf den Stein, auf das Dach und jedwede Mauer. Die Zeiten hatten sich verändert. Nicht nur für Elithea, sondern auch für Belisarius. Belisarius richtete seinen toten Blick auf die Prinzessin, welche erhaben und elegant die Treppen hinabstieg, die Hände anmutig vor dem Bauch verschränkt, fast so als ob sie seiner Grausamkeit und Tatkraft ihre Ruhe und Anmut entgegenstellen wollte. Doch die geschulten Augen des Kriegsherren erkannten erste Risse in dieser sonst so schönen Fassade. Etwas, was versuchte wurde, was nicht geglaubt wurde, war immer unstet und unsicher. Es war Theater, welches er kannte und selbst vollführte. Gaukler erkannten sich stets. - Und Belisarius gaukelte vor allem sich selbst etwas vor, so denn er auch sehr wohl erkannte, wenn jemand anderes ähnliche Zauber verwendete. So blieb nur der Anschein und ihr Anschein war in der Tat ein besonderer Zauber für die geschundene Seele des dämonischen Henkers seiner Majestät. Das Blutopfer tat ihm leid, da Elithea gar aus den Himmeln hinab zu steigen schien.

Blut bot man den Himmeln nicht an, sondern bat dort nur um Vergebung. Doch Vergebung war ebenso leer, wie jeder Wunsch nach einer Gnade in einer Welt der Mächte. Doch Elithea erschuf eine Bühne, eine gemeine und heimtückische Ebene, für Belisarius, der sich sehr wohl darauf bewegen konnte aber es in diesem Augenblick nicht wollte. Sie hielt seinem Blick stand, senkte nicht einmal den Blick, gab den Anschein nicht auf und beschwor jene unheilige Magie, die mancher Politik nannte und mancher auch verdammte. Unehrlichkeit zeichnete die Handlungen der beiden aus. Belisarius hatte als Symbol seiner Stärke und Handlungsmacht getötet, doch glaubte selbst nicht wirklich daran und war daran nicht gewachsen, so denn auch Elithea nun den unehrlichen Anschein wählte, die Darstellung einer Person, die sie nicht war. Es machte sich gleich, denn diese Ebene war vertretbar und gab Regeln preis. Regeln, den man folgen konnte, auch wenn sie genauso belanglos waren, wie der eigene Tod in diesen Zeiten. Der Regen besang die beiden - und mit ihm zog ein Wind auf, der die feinen Stoffe, welche als Behang der offenen Fenster dienten, aufwehen ließ.

Belisarius konnte seinen Blick nicht von ihr richten, denn ihr falscher Stolz, ihre Darbietung, erschuf wahrlich eine Illusion von standfester Ruhe. Die Rüstung wog schwerer, wie auch die Waffen an seinem Gürtel, die mit jedem Schritt ihren Klang von sich gaben. Leider hatte der Kriegsherr einen feinen Blick und einen Sinn für den zeitlosen Augenblick, so dass er wahrlich keinerlei Theater spielen wollte aber stets musste. Dies war Teil seines Fluchs, der ihn begleitete. Er machte eine einladende Geste in ihre Richtung, als sich die himmlische Gestalt näherte, und den Kontrast für diesen Moment finalisierte. Mit einer erlaubten Höflichkeit senkte er sein Haupt zum Gruß, erhob dieses aber sofort wieder. Er war nicht ihr Untertan, auch wenn ihre anscheinsgerechte Erhabenheit und ihre aristokratische Darbietung dies von ihm verlangte. Belisarius diente vor allem der Macht, dem Geld und sich selbst. Doch sein Selbst war genauso brüchig, wie die dünnen Linien die Gesellschaft von Barbarei trennten. Sie nannte ihren Namen, gab sich preis und fand sich in den okkulten Ketten seiner Augen wieder, die jede Fassade erblickten und zerschmetterten. Ein wissendes Grinsen huschte über seine Lippen.

Mit einer Bewegung hob er das Pergament an und wandte es so um, dass Elithea es lesen konnte. In der Tat war er der Gesandte des Großkönigs und Heermeister von Castandor. Wahrscheinlich der mächtigste Mann in diesen Hallen und doch seltsam deplatziert, machtlos erscheinend, weil er gegenüber der Prinzessin fremd und grob wirkte. Sie erschuf genau jene Illusion, die Belisarius allein durch sich selbst abwertete und doch akzeptierte er dies, da sie etwas bewahrt hatte, was er verloren hatte. "Elithea Trakas," wiederholte der Kriegsherr mit fürsorglicher Stimme, während er das Pergament wieder verstaute. "Ich bin gekommen, um euch und eure Familie zu geleiten. Wir werden bald nach King's Portal aufbrechen, da es hier nicht mehr sicher für euch ist," erklärte er und machte eine Geste in Richtung Eingang. "Die nun tote Verräterin war eine Attentäterin, die ein noch unklares Anschlagsziel verfolgte. Wir vermuten stark, dass euer Bruder das Ziel gewesen wäre. Der teuflische König von Walleydor verfolgt mannigfaltige Ziele, die alle gegen uns und das Großreich gerichtet sind," gab er seine Sicht preis und verband diese wieder einmal mit Halbwahrheiten und auch bewusst gewählten politischen Lügen. Manchmal musste man auch ein passendes Bild konstruieren aber auch erhalten. Immerhin brauchte ein Krieg einfache Wahrheiten und musste stets klare Linien aufweisen.

Fronten vertrugen sich schlecht mit Komplexität. "Er hat genügend Ressourcen, genügend Mannen und auch den Willen die Welt brennen zu lassen, um seine Tyrannei zu rechtfertigen. Wir gehen davon aus, dass er euch nur entkommen ließ, um euch heimtückisch zu beseitigen, um gleichsam als Gönner und Wohltäter erscheinen zu können, da er euch nicht hinrichtete. Euch hier zu töten, vermutlich durch Gift, wäre ein denkbarer Weg gewesen. Doch diese Tat ist verhindert aber es drohen weitere," sagte er mit fast melodischer Stimme, die einen wohltuenden Singsang von sich gab. Es klang vernünftig und zielgerichtet schön; etwas, was man gut glauben konnte. "Ihr seid in Gefahr," log er dieses mal nicht und genau dieser Fakt ließ ihn besorgt zurück, was sich nun auch in seinem Angesicht spiegelte. Jetzt wo er sie gesehen hatte, zumindest einen Teil der Familie, war er sich gewiss, dass er sie beschützen wollte. Nicht nur hing seine eigene Reputation davon ab, sondern würde es ihm auch leidtun, wenn diese Frau zu Schaden kam.

Elithea hatte etwas an sich, was ihn überzeugte, dass sie es wert war, beschützt zu werden. Vielleicht war es die stille Trauer in der Tiefe ihrer Augen, ihre Erfahrungen und vielleicht auch das, dass Belisarius ihre Situation nachempfinden konnte. Belisarius sah so manches und in diesem Augenblick sah er eine junge Frau, die vieles verloren hatte aber immer noch die Illusion erzaubern konnte, Herrin ihrer Lage zu sein. Es war nicht Stolz, den sie zeigte, aber etwas anderes. Belisarius war mitunter ein Unmensch, Dämon und auch Teufel aber er war nicht blind. Sein Herz schlug langsam, während er sich dezent umwandte, um einen Soldaten anzuweisen, die Leiche zu entsorgen. Danach wandte er sich zurück. "Sehr gut gespielt," meinte er und nickte fürsorglich. Ihre Fassade saß für einen ungeübten Blick sehr wohl aber Belisarius hatte schon zu viele Szenarien erlebt und auch zu viele Männer aber auch Frauen waren durch seinen Befehl oder auch seine Hand gefallen, dass keinerlei unehrliche Fassade lange hielt.
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Elithea Trakas
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#5
Das Aufatmen der Natur war fast schon physisch spürbar. Regen, so notwendig für das Grün und die Pflanzen, die während der heißen Augusttage unter dem unsäglichen Durst der Mittagssonne litten. Kaum trafen die ersten Tropfen die ausgedorrte Erde, jauchzten die Blumen und Gräser gleich einem himmlischen Lobgesang, den niemand zu hören bekam, außer die Insekten, Vögel und Würmer. Doch nicht nur Segen brachte das Nass aus den Wolken, nein, es wusch auch hinweg die Spuren von Gewalt, die durch die Fugen des Steinpflasters sickerten. Tausend kleine dünne Rinnsale nahmen das Blut der angeblichen Verbrecherin auf und brachten es fort, mischten sich immer heller, bis es kaum noch zu sehen war. Als wäre nichts geschehen, verwandelten sie sich zu schier banalen Bächlein, die sich durch das Tor hinunter in die Stadt schlängelten. Dort unten würde niemand auch nur den Hauch einer Ahnung haben, dass nicht nur tränkender Regen, sondern auch ausgehauchtes Lebensblut hier an einem vorbei rannen. Es war nur Wasser. Nichts weiter. Und im Burghof verschwanden jegliche Spuren, gleich einer Absolution. Immer noch zwang sich Elithea nicht hinzusehen, nicht einmal den Schatten der Dienerin wollte sie dort erahnen, wollte sich ihre bisher so unbedarfte Lebenswelt nicht durch entsetzt entseelte Augen besudeln. Doch dem Blick des königlichen Kuriers Stand zu halten, brachte sie an die Grenzen ihrer Konzentration. Vielleicht sollte sie doch hinaussehen, nur für einen kurzen Moment den Kopf wenden und das Geschehene damit vor allen Anwesenden zur Kenntnis nehmen. Wäre das die richtige Herangehensweise? Ach, wären die Schritte auf dem politischen Parkett nicht so schlüpfrig!

Nein, sie konzentrierte sich auf ihr Gegenüber, versuchte zu lesen in den Falten seiner Mimik, als würden sich darin Worte verstecken, die ihr Klarheit verschaffen könnten. In ihrer Seele regte sich der ihr so eigene Funke Mitgefühl, der all ihrem Handeln zu Grunde lag, erfasste ihr Herz und zog es für einen Augenblick zusammen. Flüchtig antwortete ihre eigene Miene voll Sanftmut und Güte, ehe sie kaum einen Atemzug später wieder versuchte die Maskerade weiterzuführen, die sich hier darbot. Des Fürsten Worte noch vor einigen Tagen hallten in ihren Gedanken wider, ein gebietendes Echo, Bitte, Wunsch und Aufforderung zugleich. Sie solle nicht die Nerven verlieren, Ruhe bewahren und die Moral hochhalten für ihren Bruder und ihre Familie. Eine hochgesetzte Aufgabe, die hier auf ihre Schultern abgeladen wurde, doch wer wäre sie, den Fürsten zu enttäuschen, der sich so väterlich um sie alle gekümmert hatte? Ihre eigenen Bedürfnisse, die konnten warten, bis sich alles geordnet und gesetzt hatte. Das hatte Zeit. Später, es gab nun wichtigeres als egoistisches Getue. Mit einer kleinen Bewegung ordnete sie Iulia an, ihr das Pergament zu bringen, auf dass sie es genauer lesen konnte. Oder zumindest so tun als ob. Es wirkte fast schon wie eine kleine komödiantische Einlage, als die Dienerin sich zögerlich nur so nah wie nötig an den gewappneten Mann vor ihnen heranwagte und mit weit ausgestreckter Hand hastig das Pergament ergriff. Die Zeilen waren schnell überflogen, kurz und bündig, informativ ohne viele höfische Verschnörkelungen. Ein passender Schrieb für den nüchternen, geradlinigen Charakter des Gesandten. Auf gleiche Weise wie vorhin wurde das Pergament wieder zurückgegeben und gleichwohl verstaut.

Sollte sie es als Affront ansehen, dass er es immer noch nicht der Rede wert gefunden hatte, sich angemessen vorzustellen? Das Anliegen zu erklären war löblich, sicherlich, doch eigentlich gebot es der Anstand, dass man seinen Namen nannte, wenn gleich er auch im Brief des Königs erwähnt wurde. Mit einem Schlag wurde Elithea bewusst, wie gleichgültig es eigentlich war. Worte waren geduldig, sowohl auf Pergament als aus dem Mund. Jeder könnte kommen und sagen, er wäre der Gesandte des Königs. Wie leicht wäre es, das Pergament zu stehlen und den Platz der dort genannten Person einzunehmen. Auch er könnte ein Verräter sein, oder? Die Hände wrangen sich fest zusammen, als sie aufmerksam seinen Worten folgte. “Gut, wir sind soweit bereit. Die Truhen sind gepackt und allesamt verladen. Wenn man nach meiner Familie schickt, können wir aufbrechen“ Seine Erläuterungen zu der angeblichen Verräterin ließen sie nur die Ohren noch weiter spitzen, als könnte sie so zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Noch nicht, aber irgendwann, das hatte sie sich geschworen, irgendwann würde sie es können. Sie würde es lernen, zuzuhören, auf Feinheiten zu achten und mitschwingende Hintergedanken zu erkennen. Irgendwann würde sie es können. Doch außer mit einer leicht gelüpften Augenbraue, quittierte sie seine Sicht nicht weiter. Nicht hier in aller Öffentlichkeit. Jetzt und hier war nicht die richtige Gelegenheit sich mit dem Gesandten des Königs anzulegen. So feinfühlig war sie zumindest.

Aber ihm musste doch selbst auffallen, wie nichtssagend seine Aussagen waren, oder? Lauter Konjunktive, vielleichts und möglicherweises. Nichts hatte er erreicht durch seine vorschnelle Handlung der armen Frau einfach so das Leben zu nehmen. War sie zu dumm, zu kindlich, um solche politischen Ränkespiele zu verstehen? Das machte doch keinen Sinn, oder? Den Fürsten fast willkürlich hinzurichten, aber seine Familie heimtückisch ermorden zu wollen? Was war daran gönnerhaft und wohltätig, was genau wollte er den Bewohnern von Eastergold Meadow damit vorspielen, die doch der Fürstenfamilie bisher nur gutwillig gegenübergestanden war? Allmählich konnte sie kaum noch verbergen, dass die Situation sie mehr und mehr überforderte, mehr noch, da sie die drohende Gefahr, die wie ein Damokles-Schwer über der Familie hing, wirklich nur allzu gern endlich abschütteln wollte. Der Beichtvater des Fürsts hatte ganz nebenbei mitschwingen lassen, dass das Geschehene vielleicht doch als göttliche Fügung zu nehmen wäre, eine Prüfung oder eine Strafe für ein unbekanntes Vergehen. Doch auch darauf konnte sich Elithea keinen Reim machen. Sie hatte sich doch so bemüht ein redliches Leben zu führen, warum sollte sie bestraft werden? Die Fassade bröckelte. Selbst die Dienerin begriff die Lage und stellte sich stützend und schützend näher an ihre Herrin. Womit hatte sie es verdient, in Gefahr zu sein?

Ein neuerlicher Windhauch durchzog die Halle. Wie eine tröstende Umarmung schmiegte er sich um den angespannten Körper der jungen Prinzessin, umhüllte ihn beruhigend mit dem zarten Duft von Eisenkraut und Lavendel aus dem nahen Garten. Wie gut, dass sich die Versammlung hier allmählich auflöste. Erst jetzt, als er die Soldaten mit Anweisungen versorgte, wagte Elithea einen Blick hinaus zum Brunnen. Mit eisenschwangeren Schritten entfernten sich erst die Soldaten und dann der leblos zusammen gesunkene Leib der Dienerin. Wie eine Puppe. Als hätte man einer Marionette die Fäden durchgeschnitten. War das wirklich einst ein Mensch gewesen? Eine Frau voller Hoffnungen, Träume und Sorgen, die lachte und weinte und schuftete. Und nun? Nur ein Klumpen blutleeres Fleisch. Ein leises Seufzen entfloh den Lippen der Prinzessin, die kaum noch Kraft besaß, diese Charade aufrecht zu halten. Den Kopf immer noch von ihm abgewandt, wischte sie sich kurz, so unauffällig wie möglich über die tränenglänzenden Augen. “Dieses Spiel möchte ich nicht mehr weiterführen.“ wisperte sie leise und drehte sich zu ihm um. Tief durchatmen, Haltung bewahren. “Darf ich euch etwas zu trinken anbieten. Ihr müsst doch schwitzen unter der Rüstung, Belisarius Caderitor.“ wies sie auf ein mit Intarsien verziertes Tischchen, auf dem ein Zinnkrug und mehrere Becher standen. Eigentlich für die Familie als Abschiedstrunk vor der Abfahrt gedacht, würde es wohl auch für ihn reichen. Sie konnte nur hoffen, dass er nicht merkte, wie sehr ihre Hand zitterte. Iulia war schon voraus geeilt und schenkte zwei Becher ein. Das gab Elithea Zeit und Gelegenheit ein paar private Worte an den Gesandten zu richten. "Sagt, war das wirklich notwendig? Welchen Nutzen habt ihr nun daraus gezogen, die Dienerin einfach so zu meucheln?" erinnerte das nicht sehr an die willkürliche Hinrichtung des Stafford Königs? Eine Tat, die es doch eigentlich zu verdammen galt? "Welche Information habt ihr dadurch gewonnen? Weder wisst ihr Genaueres darüber, wer die Hintermänner sind oder wer die Mitverschwörer sind, noch könnt ihr mit Sicherheit sagen, wie sie vorgehen wollten oder welche Pläne noch geschmiedet wurden." Ihr Herz schlug so schnell, dass sie kurz innehalten musste, bevor sie ihre Gedanken weiter in Worte fassen konnte. "Ihr könnt nicht einmal sicher sein, ob Larana wirklich getan hat oder tun wollte, was ihr vorgeworfen wurde oder was sie dazu getrieben hat." ihre Stimme klang zart und rauh zugleich, voll Mitleid und Wehmut. Hätte sie doch auch eine Rüstung so wie er, an der all dieses Leid und all diese Gefühle einfach abprallen würden. Eine Rüstung, mit der sie ihr Herz schützen könnte.
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Belisarius Caderitor
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#6
Grausamkeit lag nicht allein in einer Handlung, sondern auch im darauffolgenden Detail. Belisarius folgte blind seiner Ambition, seinem Wunsch eine Welt zu hinterlassen, die etwas wert war und vergaß dabei genau jenes Detail, welches seine Grausamkeit vervollständigte. Er ließ die Leiche einfach zurück, gab ihr keine herausragende Würdigung mehr, sondern ließ sie in ihrer Leblosigkeit zurück. Elithea konnte nicht sehen, dass selbst ein Monster, wie Belisarius damit kämpfte, haderte und dieses grausame Detail nur erschuf, um sich selbst der eigenen Handlung nicht stellen zu müssen. Er war feige, unnachgiebig flüchtig gegenüber der Welt, die er so sehr ändern wollte. Der Kriegsherr begehrte nicht auf, tat das, was ihm notwendig erschien und doch blieb es nur eine erlogene Wirklichkeit. Scham umfüllte seinen Geist mit einem diesigen Frost, der tief in seine Seele hinabkroch. Nicht nur der Wind, der liebevolle Regen, zerbrachen am kalten und bösartigen Wunder, welches er bedingungsvoll in diese Welt gedrückt hatte. Zwar gebar der Regen Gnade für die Tote, umschmeichelte ihren Leib und wusch das Blut in seltsam schönen Formen davon aber Belisarius Handlung war in die Zeit geschmiedet, wie seine eiserne Ambition. Rücksichtslos hatte er unfein agiert, gehandelt und für alle Menschen an diesem Ort etwas erschaffen, was niemals vergessen werden würde. Eine einzelne Gewalthandlung brannte stärker als die Stille danach, denn ein ruheloses Schweigen blieb und hauste ab diesem Zeitpunkt, wie ein Geist an diesem Ort. Kurz glaubte Belisarius diesen Geist zu spüren, der jeder Gewalt folgte. Diese stille Leere rief seinen Namen immer wieder, so dass er in ihre Reihen eintreten wollte aber nicht konnte. Noch glaubte er der Schuld entgehen zu können, wie ein Narr frei von Verantwortung zu sein, und doch war hier alles gegen ihn gerichtet. Der Regen wusch nicht seine Schuld davon und noch weniger seine Absicht. Die Rüstung wog inzwischen schwer auf seinen Schultern, wie jenes Angesicht der jungen Prinzessin, die ihn anblickte. Ihre freundliche Erscheinung, die die Maske einer Höflichkeit durchbrach, war hartes Urteil für den Meuchler. Nicht die Tat verunsicherte ihn nun, sondern die Erscheinung von Elithea. Etwas hielt ihn nun gefangen, ausgeliefert und bedeutungslos. Elithea durchbrach jenen Eispanzer, der Belisarius stets vor eigener Verantwortung bewahrt hatte. Er konnte nicht direkt antworten, denn sein Wille war schwach geworden, denn was sollte er auf seine eigene Grausamkeit antworten oder darstellen.

Belisarius schämte sich nicht für seine Tat, sondern dies vor ihren Augen getan zu haben. Ihre schönen Augen hielten ihn fest, deren Traurigkeit ganz eigene Wunderkraft entfaltete, da ihre Seele für sie sprach, fast sang und damit unausweichlich war. Belisarius sah den insgeheimen Vorwurf fest verankert vor sich. Kurz wandte er sich um, um diesen Vorwurf zu entgehen. Doch es gab kein Entkommen. Es gab nie ein Entkommen für einen Verfluchten und Verdammten. Das merkwürdige Theater über das Pergament, diese insgeheime Furcht sich ausgebreitet hatte, taten ihr Übriges, so dass Belisarius begriff, dass seine Handlungen Wirkung zeigen konnten, die er nicht bedacht hatte. Er wollte Abschreckung und genau diese Furcht sehen aber genau dieses Ergebnis jetzt zu erleben, hinterließ ihm ein Gefühl, welches er noch nicht beschreiben konnte. Ihm fehlte die Herzlichkeit und die Menschlichkeit dazu, da seine Imitation eines Menschen, diese Eigenschaft nicht kannte. Belisarius übernahm nie eine tiefgreifende Verantwortung für etwas, was er richtig glaubte. Es gab auch nichts zu bereuen, was richtig war. Man tat eben das, was man tat. Gebrochene Herzen bluteten aus, bis kein Leben mehr verfügbar war und ohne ein Leben war jede Handlung seltsam blutleer. Seine Augen folgten der Aufführung wachsam, berechnend und abwartend. Er war immer wachsam, denn überall lauerten Feinde. Überall war diese Hölle, die ihn umgab und seine Lebenserfahrungen mahnten ihn zu stetiger Vorsicht sowie Wachsamkeit. Einst hatte ihn sein Vater willkürlich mit einem Holzstab verprügelt, wenn er nicht wachsam gewesen war. Sein Vater wollte ihn abhärten und genau diese Wachsamkeit erzwingen, so dass er schon als Kind gelernt hat, den Stab zu fürchten und in jede Ecke zu blicken, ob eine Gefahr drohen konnte. Er fühlte sich verfolgt von diesem Gedanken, von dieser Wirklichkeit, von all dem, was einst war und tat alles dafür, dass er nie wieder in einer Position der Schwäche war. Doch er war in diesem Augenblick entfremdet schwach. Elithea zerstörte seine Wirklichkeit mit ihrer mutigen Größe, die nicht in Macht oder Stärke lag, sondern in Mitgefühl und selbstloser Tapferkeit. Belisarius konnte dem nichts Gutes entgegensetzen, so dass seine Schamlosigkeit jetzt zu Scham geworden war.

Elithea hatte eine Macht über ihn, die er nicht glauben wollte und konnte. Gerade diese Macht wollte er verstehen, beobachtete sie gut und versuchte jedwede Regung ihres Gesichts und Körpers zu sehen. Sie war es wert beschützt zu werden, damit sie nicht so enden sollte, wie er selbst enden würde. Belisarius ging für sich selbst von einem Ende aus, welches bedeutungslos sein würde. Wie der Tod oft wenig Bedeutung hatte, so hatte er auch genug Menschen sterben sehen, dass er für sich auch einen solchen bedeutungslosen Tod erwartete. Doch vorher galt es diese Welt zu brechen und den Versuch einer Veränderung zu unternehmen. Elitheas Hände wrangen sich fest zusammen, als sie aufmerksam seinen Worten folgte und Belisarius bemerkte dies. Es war diese kleine Delikatesse, die seine Manipulation suchte und fand; sie fraß ihre Unsicherheit auf und ließ neue Gedanken zu. Ihre gelüpfte Augenbraue war ein schönes Anzeichen, dass sie sehr wohl verstand, was vor sich ging aber keinerlei Worte wählen konnte oder wollte. Belisarius fand Macht und Deutungshoheit wieder. Er war nicht mehr ausgeliefert und voller Schuld, sondern sah Elithea als das, was sie wirklich war. "Wir werden aufbrechen, sobald ich entscheide, dass die Straßen sicher sind. Es ist bereits in meiner Gestalt nach euch geschickt worden, Prinzessin," sagte er und lächelte dabei unbeholfen freundlich. Sie ging nicht weiter auf seine Erläuterungen ein, gebar sich keine Schwäche im Angesicht aber zeigte dadurch in den Augen eines Kriegsherren eine erhebliche Schwäche. Unschuld gab es nicht, nur Unwissen und wenn sie nicht wusste, wie damit zu verfahren war, war sie offenbar unwissend. Mit Unwissenden konnte er gut spielen, da sie ihre Regelsätze nicht kannten. Die Würfel waren in diesem Spiel zu seinen Gunsten gefallen und jetzt musste er nur noch ein passendes Blatt ausspielen. Doch etwas hinderte ihn daran, wie gewohnt zu verfahren. Die Fassade der Prinzessin bröckelte, mit kleinen Meißeln zertrümmert, Stück für Stück. Belisarius sah es ihr an, erspürte diesen Schmerz, diesen Verlust und auch ihre würdevolle Unsicherheit. Seine eigene Unmenschlichkeit brach gleichsam damit zusammen. Sein Herz machte einen Satz, den er deutlich spürte. Kurz weiteten sich seine Augen, als die Dienerin neben Elithea trat. Da war dieses Gefühl wieder. Ein ihm selten bekanntes Gefühl war hier, durchlebte ihn und verweilte. Es war aufrichtiges Mitgefühl für ihre Lage. Er sah sich in ihrer Lage, so verloren und einsam. Belisarius war selbst einsam, fühlte sich oft verloren und kannte diese unsägliche Pein, die niemals verging. Körperlicher Schmerz verging aber seelischer Schmerz blieb meistens für immer. Der Kriegsherr wollte einen Schritt zurück machen, da er wusste, dass er die unheilige Kreatur in dieser Geschichte war. Doch eine geisterhafte Erscheinung huschte vorbei, hauchte erneut einen Wind, der ihn einen Schritt vortrieb, so dass er fast in ihre Richtung stolperte. Belisarius fühlte sich ihr verbunden, denn ihre geteilte Einsamkeit und die stille Agonie, die sie umgab, waren größer als die Gewalt, die er getan hatte. Er musste sie beschützen, nicht nur von dem Gräuel, welches er selbst kannte und tat, sondern vor der Welt selbst, die voller Gefahren für die junge Elithea waren. Da war dieser Duft, den Belisarius achtsam aufnahm, als der Wind sich mit dem traurigen Seufzen der Prinzessin mischte. Belisarius war dieses mal nicht aus Eigennutz wachsam, sondern weil er Elithea verstehen wollte. Er wollte sie ansehen, durchblicken und ihre stille Agonie brechen, damit sie nicht jenen Schmerz ertragen musste, den er stets in sich trug. Den Kopf von ihm abgewandt, versuchte sie so unauffällig, wie möglich über die tränenglänzenden Augen zu wischen, um ihre Tränen zu verbergen aber dieser Versuch scheiterte. Belisarius sah diese Bewegung, zog hektisch seinen Handschuh aus, um ihr seine menschliche und warme Hand auf die Schulter zu legen. Der Handschuh wurde hektisch auf den Boden geworfen.

Ein Grenzübertritt, der unschicklich war aber Belisarius fühlte, dass Elithea jetzt eine menschliche Geste bedurfte und auch er wollte diese elende Distanz brechen, die noch durch seine Handlungen gegeben war. Es tat ihm leid, während sie Worte wisperte, die ihm sehr wohl bekannt waren. Auch er wollte eigentlich nicht mehr spielen, doch es gab kein Entkommen. Doch die Prinzessin verdiente Wahrheiten und musste sich wappnen. Die Zeiten waren grausam. Ihre Worte verlangten jene Antwort, die er so fürsorglich aussprach, wie er nur konnte: "Euch steht es nicht frei, zu wollen, zu wünschen, denn dieses Spiel verlässt man nicht lebend. Man spielt es immer weiter, bis die Bühne geräumt oder frei ist, Elithea." Er sprach sie nicht mit einem Titel an, sondern wählte bewusst ihren Vornamen, um dieser Sache Ehrlichkeit zu geben. Dieser Satz sollte als Regelerklärung außerhalb des großen Spiels stehen, so dass die Prinzessin wirklich begreifen konnte, dass er es nicht böse meinte, sondern unterstützend. Belisarius tat dies selten und nur für Personen, von denen er glaubte, dass sie verstehen konnten. Der Kriegsherr hatte die klare Absicht gefunden, Elithea helfen zu wollen, nicht nur aus Eigennutz oder Auftrag, sondern weil sie es als Mensch aus seiner Sicht verdiente, mehr zu sein als nur eine verlorene Seele. Er blickte ihr in die Augen, suchte dort nach einer Absolution, fand sie aber nicht aber dafür etwas anderes. Belisarius nahm seine Hand von ihrer Schulter, wobei seine grazilen Finger andächtig für einen winzigen Augenblick verweilten, um ihr Gewissheit zu geben, dass er ein Mensch war. Sie konnte nun die feinen Narben auf seinem Handrücken erkennen, als er die Hand langsam an seinen eigenen Körper zurückführte. Er atmete behutsam ein und aus, glich seine Atmung an Elitheas Atmung an, fast, wie ein natürlicher Prozess. Doch Belisarius war ihr nicht gleich, doch imitierte als unheiliges Geschöpf ihre Aura und ihren Herzschlag, damit sie sich wohl fühlen konnte. "Ich bin Rüstungen gewöhnt. Doch ich werde gerne etwas trinken, wenn ihr dies anbietet, Prinzessin Trakas," sagte er nun in einem höflichen Tonfall, wobei seine Stimme einen schönen Klang fand, der fast unpassend ansprechend war. Doch er bemerkte, als er sich wandte, um einen Becher zu greifen, dass ihre Hand zitterte. Ein Anzeichen, welches er kannte und leider hatte er es oft genug gesehen. Es war oft mit Angst, Unsicherheit oder auch anderen seelischen Zuständen verknüpft. Viele Soldaten hatten dieses Zittern, welches ihre Seelenqualen sichtbar machte. Belisarius versuchte zu bewerten, was die Ursache bei Elithea war. Nachdem er den gefüllten Becher gegriffen hatte, wandte er sich von seiner Halbseite zurück, als Elithea tatsächlich private Worte an ihn richtete. Die Zeit schien inzwischen nur noch für sie zu vergehen, da sich die Halle weitesgehend geleert hatte und nur noch seine Soldaten, die Dienerin und die beiden selbst anwesend waren. Die Dienerin verweilte bei den Bechern, mit etwas Abstand, so dass die Unterhaltung ohne notwendiges Gehabe erfolgen konnte. Belisarius dämonisch-okkulten Augen lagen fest in ihrem Gesicht, dort noch Reaktionen suchend. Doch seine Augen hatten eine eigene Schönheit, da in ihnen überzeugende Kraft und Klugheit lag. Diese Augen gaben ihr nun sein echtes Mitgefühl und wollten ihr Zuversicht vermitteln, damit sie sich in diesen verlieren konnte.

"Das wollt ihr wissen?" - fragte er halblaut und schmunzelte behütet. Elithea war so voller Mitgefühl, so voller Fragen und suchte einen Sinn in etwas, was allein für sich stand. Belisarius war beeindruckt, dass sie diese Fragen stellte und es zeigte noch mehr ihren Wert, den er ihn nun beimessen konnte. Trotz dessen trank er erstmalig einen Schluck, schmeckte dein Wein, von dem er ausgehen konnte, dass er nicht vergiftet war. Immerhin war die Attentäterin vor ihrer Tat getötet worden und die Getränke waren offensichtlich für den höheren Hausstand gedacht, der nicht mit seiner Ankunft gerechnet hatte. Doch in üblicher Tradition seines Hauses streckte er erst kaum ersichtlich die Zunge in den Wein, spürte ob seine Zungenspitze stark betäubt würde und trank erst dann einen Schluck, nachdem er sicher genug war. Belisarius zog Kontrolle immer vor und kontrollierte selbst sichere Situationen noch einmal. "Der erste Nutzen ist Abschreckung. Für eine gewisse Zeit wird es niemand wagen, sich gegen euch oder mich zu erheben. Wir können freier handeln," begann er ihr mit einer anständigen und ruhigen Sprechweise Antworten zu geben, dabei senkte er den Becher ab, so dass er ebenso ruhig in seiner Linken lag. "Der zweite Nutzen ist die Jagd als solche. Wir haben gesicherte Informationen, dass unsere Vermutungen zutreffen. Wenn es noch weitere Attentäter in diesem Hause gibt, wird es sie aufschrecken und wer aufgeschreckt ist, wird panisch und Panik führt zwangsläufig zu Fehlern. Fehler lassen uns Attentäter enttarnen," setzte er seine Erklärungen fort und nickte ihr dabei verständnisvoll zu, so dass er sichergehen konnte, das sie seinen Ausführungen folgen konnte. Elithea sollte lernen, wenn sie fragte. Dabei beobachtete er erneut genau ihre Regungen, ihre Mimik und ihre gesamte Erscheinung. Belisarius testete sie in diesem Augenblick auf eine bestimmte Eignung als Mensch. Wenn sie weiterhin bestand, würde Belisarius sicherlich mehr für sie unternehmen, da ihr Wert erhöhter war, als der einer durchschnittlichen oder naiven Person. Auch war da immer noch dieses Band zwischen beiden, welches aus gemeinsamen Verlust und der geteilten Einsamkeit gewoben war. Belisarius hatte Mitgefühl mit ihr und wollte ihr auch einen höheren Wert beimessen. "Sie war geschult und im Todeskampf hat sie den letzten Beweis erbracht, dass sie wirklich von dem Unhold geschickt worden war, der euren Vater ermorden ließ," sagte er und wählte Worte, die die Handlung in eine bewertende Verkleidung hüllten.

Elithea sollte sehen, dass er auf ihrer Seite war. "Glaubt mir, wir sind uns sehr sicher, was wir tun. Wir hatten glaubhafte Belege und konnten daraus eine Erkenntnis gewinnen. Ihr Tod war notwendig und wird uns weitere Wege bereiten. Sicherlich hätten wir sie verhören und befragen können, glaubt mir aber, dass ich genügend Erfahrung habe, dass diese Art Attentäter kaum Informationen preisgeben wird und gegebenenfalls lügen würde, um sich selbst zu retten. Ihre Gefangenschaft wäre im Vergleich zu ihrem Tod weniger nützlich, da uns die Zeit drängte," meinte er und verschwieg die wahren Hintergründe, indem er schöne Worte wählte, die gut genug waren aber nicht ausreichten. "Es ist egal, was sie zu ihrem Lebenswandel führte, da ihr als Familie unmittelbar bedroht war. Begreift bitte, dass wir dies für euch und in eurem Namen taten," sagte er und verband seine eigene Schuld mit dem Haus der Trakas, so dass Elithea sanft in die gleiche Hölle hinabgezogen wurde, da ein Mensch einen Mord für sie begangen hatte, damit sie leben konnte. Belisarius setzte ein tragisches Gesicht auf. "Es tut mir leid, dass es dazu kommen musste," erlog er eine Entschuldigung und seufzte dann müde. In letzter Zeit fühlte er sich schwächer als sonst. Diese körperliche Schwäche war nicht natürlich für ihn. Doch ihre Stimme war voller Wehmut und dieser Wehmut traf Belisarius, der seine gefälschte Tragik in echte Tragik wandelte, weil er zumindest dies ehrlich geben wollte. Trotz alle dem würde er seine Geheimnisse nicht teilen. Noch nicht.
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Elithea Trakas
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#7
Standfestigkeit wurde im Leben der jungen Prinzessin bisher noch nicht oft abverlangt. Es hatte seine Vorteile das mittlere Kind zu sein, denn niemand achtete großartig darauf, ob man anwesend war oder sich der Aufmerksamkeit großer Zusammenkünfte entzog, bevor das Getose der Menschenmassen einen überrannten. Trotz aller Erwartungen, die als Fürstentochter in sie gesetzt wurden, war sie weder wichtig genug als Ehekandidatin gehandelt zu werden, noch war sie Teil der Nachfolge, die ihrem Bruder einst zufallen würde. Sie hing dazwischen, ewig wartend, ewig hoffend. Es war fast eine Ironie des Schicksals, dass die Moral der Familie nun auf ihrer Schulter ruhte, die doch nicht dafür gemacht waren Verantwortung zu tragen. Das schicksalsschwere Gewicht drückte das Mädchen immer mehr in die Knie, presste mit unerbittlicher Kraft auf die zarte Gestalt herab und zwang sie fest in den Boden. Der Atem ging ihr schwer, kämpfte an gegen den überhastigen Herzschlag in ihrer Brust. Wie gern hätte sie sich einfach zurück gezogen, allen anderen, Wichtigeren ihrer Familie den Vortritt überlassen, vor allem um dieser dröhnenden Stille zu entgehen, die sich nun ausbreitete, nachdem die meisten Beistehenden die Halle nach dem grausamen Mummentanz verlassen hatte. Ob einer von ihnen klug genug gewesen wäre die Familie Trakas zusammen zu rufen und Elithea aus ihrem Elend zu befreien? Das Echo hunderter Schritte vibrierte durch die steinernen Gänge wie in einem eifrigen Ameisenhaufen.

Unruhe ergriff sie, die er Unsicherheit nur noch mehr Feuer gab, sodass sie aufloderte wie ein glimmender Schwelbrand. Seine Augen waren fesselnd, lagen auf ihr voller Intensität, die sie nicht gewohnt war. Er sah nicht durch sie hindurch, er sah nicht an ihr vorbei, er sah nicht über sie drüber. Er sah sie genau an, in sie hinein. Er sah sie. Als würde sie nackt vor ihm stehen, aller Geheimnisse freigelegt, wie ein offenes Buch. Sein Blick sprach eine ganz eigene Sprache, so wortreich wie eine dieser ledergebundenen Enzyklopädien in der Bibliothek von Bardon Pass, die Elithea kaum allein aus dem Regal wuchten konnte. Jeder Versuch diesem Redeschwall seiner Blicke zu folgen wäre verlorene Liebesmüh, so schnell änderte sich deren Glanz und Schimmer, von denen Elithea nicht einmal die Hälfte wirklich deuten konnte. Wiederum nur ein all zu offensichtlicher Hohn auf ihre Unwissenheit, das Ergebnis einer viel zu behüteten Erziehung, die nur darauf zugeschnitten war ansehnlich zu sein, liebenswürdig und sanft, doch bloß nicht zu aufmerksam oder gar wach in eigenen Gedanken und Überlegungen. Sie konnte ihm nicht standhalten, dem war sie nicht gewachsen. Jeder weitere Moment, den sie der Maskerade der Erhabenheit opferte, nagte an ihrer eigenen Kraft, von der ohnehin kaum noch etwas übrig war. Wie gut tat da die ungefragte, nicht unliebsame, aber unerwartete Berührung dessen, der sich bisher nur als ihr überlegenes Monster präsentierte. Der sachte Hauch von Zuneigung und Trost reichte aus um über ihr ein bodenloses Fass an Erinnerungen an ihren Vater auszugießen, sie in den Bildern väterlicher Umarmungen zu ertränken, sie in seinem lautlosen Lachen untergehen zu lassen. Schmerzgeplagt sackten ihre Schultern zusammen, als sämtliche Resilienz aus ihren Gliedern wich und die Knie wie Butter, die zu lange in der Sonne gestanden hatte, einknickten. Seine Worte, so ehrlich wie grausam, hämmerten sie noch weiter in Grund und Boden. Dass sie nach seinem Handschuh griff, war mehr eine Ablenkung als Ursache ihres Kniefalls. Nein, bei Gott, es stand ihr nicht frei, nichts stand ihr frei in diesem Leben, das sie ihr Eigen nennen musste und über das sie doch nicht Herrin war. Sie verharrte, bis die Wahrheit in seinen Worten sich in Erkenntnis wandelte. Dann würde sie spielen. Musste spielen. Dass er sie mit Vornamen ansprach, weckte in ihr eine unbekannte Seite, die sie mit dem Fremden auf eine Stufe zu stellen schien. Waren sie sich ähnlich?

Sie musste sich erheben, jetzt, um kein Aufsehen zu erregen. Und auch wenn sie noch schwankte, so schaffte sie es doch wieder eine aufrechte Haltung vor ihm einzunehmen. “Ihr habt euren Handschuh fallen gelassen, Belisarius“ legte sie das Kleidungsstück in seine Hand, beließ die ihre für den Hauch eines wunderbaren Augenblicks in der Seinen. Zarte Finger auf rauer Haut. Eine Hand, die nie für harte Arbeit gedacht war, und eine, die sich nicht davor scheute die Welt aus den Angeln heben zu wollen. Elithea kam ein wenig näher auf ihn zu, sodass die Worte zwischen ihnen bleiben würden. “Welch eine Schande, dass nicht alle Spieler gleichermaßen mit den Regeln vertraut sind.“ Wo sie von Rosenduft und Lavendel umgeben war, umhüllte ihn der Geruch der ganzen Welt, staubig, erdig und doch voller Weite und Fernweh, das Elithea mit sich fortziehen wollte. Sie war ihm dankbar, dass er ihre Einladung nicht einfach ausschlug und damit ihrer Begegnung die Schärfe nahm. Gemeinsam waren die wenigen Schritte hin zum Tischchen bald getan. Elithea wollte am Liebsten den ganzen Becherinhalt auf einmal ihre wüstentrockene Kehle hinabstürzen. Der Alkohol würde sie beruhigen, sie erfüllen mit einem samtig weichen Schummern, als wäre sie in Watte gepackt. Und dann würde das Kopfweh kommen und mit ihm das flaue Gefühl im Magen. Besser nicht, wo sie doch bald aufbrechen sollten. Und solang er in ihrer Nähe war, brauchte sie einen wachen Geist und klaren Verstand. Denn seine Nähe verlangte ihr vollkommene Aufmerksamkeit ab um nicht Gefahr zu laufen durch seine wohlgewählten Worte auf einen gar schlüpfrigen Pfad geleitet zu werden, an dessen Ende wohl nicht unbedingt das größte Glück liegen würde.

Welch Schönheit doch in seinen Augen war, solch abgrundtiefe Schwärze voller Wissen und Klarheit gepaart mit einer höllischen Verschlagenheit, die ihr Angst machte und sie gleichermaßen faszinierend an ihn band. Sie stellten den Becher unangetastet auf das Tischchen zurück getrieben von dem Bedürfnis neuerlich an ihren Fingernägeln zu puhlen. Die kleinen Schmerzimpulse lenkten sie ab, gaben der Kümmernis in ihrer Seele einen Ort, den sie begreifen und bekämpfen konnte. Allmählich beruhigte sie ihr aufgebrachter Puls und auch das Dröhnen in ihrem Kopf nahm langsam ab. Waren seine Worte auch als Antworten gedacht, so warfen sie doch nur weitere Fragen auf, die aus der unterschiedlichen Sichtweise der Gesprächspartner erwuchsen. Während Belisarius Gleiches mit Gleichem vergelten wollte und in der Verbreitung von Furcht den Weg zu den gewünschten Ergebnissen sah, wählte Elithea lieber den Pfad von Sorgfalt, Mitgefühl und Besonnenheit. “Und wie lang wird diese gewisse Zeit wohl anhalten? Einen Tag, eine Woche? Lang genug um wirklich einen Unterschied zu machen?“ Wäre Abschreckung wirklich ein sinnvolles Mittel Missetäter von ihrem Vorhaben abzubringen, wäre die Kriminalität wohl nicht mehr ein so pressierliches Übel der Gesellschaft. Hinrichtungen, Bestrafungen, Kerkerhaft hatten scheinbar kaum noch jemanden an Schandtaten gehindert. “Versteht mich nicht falsch, Strafen sind unerlässliche Konsequenzen für das Brechen von Gesetzen, die unsere Gemeinschaft zusammenhalten. Allerdings gilt es doch auch zu ergründen, ob sie denn angemessen sind für die begangenen Verbrechen.“ Hastig nahm sie nun doch den Becher und tat einen Schluck vom Wein, schalt sich selbst ob der törichten Aussagen. Was verstand sie denn schon von Gesetzesbrechern? Dennoch wollte sie den meisten Mitmenschen zugutehalten, dass sie nicht per se geboren wurden um Schlimmes zu tun, dass die meisten dazu getrieben wurden durch äußere Umstände, die man doch ändern könnte, oder? War es denn so schrecklich, wenn sie an das göttlich Gute in den Menschen glaubte, dass nur durch teuflischen Einfluß korrumpiert wurde?

Der Wein schmeckte resch und bitter. So gehörte es sich wohl, aber er war gar nicht für Elitheas Zunge gemacht. Unschlüssig behielt sie den Becher in ihren Händen, drehte ihn mal hin mal her, während sie ihm lauschte und seine Worte in sich wirken ließ. “Glaubt ihr wirklich, dass sich hier in Bardon Pass sich noch weitere Attentäter verstecken? Wie wollt ihr sie daran hindern uns zu folgen?“ Sie würden den Ort hier doch noch heute verlassen. Die Reaktion auf seine Aktion würden sie doch nicht mehr miterleben, oder? Der Hinweis auf den ermordeten Vater hatte den wohl gewünschten Effekt, denn Elitheas Blicke füllten sich mit einer Mischung aus Trauer und Trotz. Ob Rache wirklich der richtige Weg war, lag nicht in ihrer Entscheidung, aber davonkommen konnte man den frühlingsländischen König damit nicht lassen. Auch er musste mit den Konsequenzen seiner Handlungen leben lernen. Belisarius wusste ganz genau, welchen Tonfall er wählen musste, mit welcher Wortwahl er genau erreichte, was ihm im Sinn stand. Jede seiner Wortwogen brach sich an den Gestaden ihrer gegensätzlichen Ansichten, unterspülten das Ufer bis es in sich zusammen brach und von seinen Sturmwellen überschwemmt wurde. Sie hätte wohl anders gehandelt, sie hätte es anders angegangen, sie hätte gern nachgefragt, sie hätte es gern ergründet, sie hätte… doch sie verstand. Sie musste verstehen. “Verzeiht mir, es steht mir nicht zu die Anordnungen des Großkönigs oder eure Taten zu hinterfragen. Seht es mir nach, ich bitte euch, dass ich eure Erfahrung bezweifelt habe.“ versuchte sie die Wogen wieder zu glätten. “Doch lasst mich einen Vergleich mit der Medizin treffen, erlaubt mir den Gedanken. Denn, ist es nicht nur eine Symptombehandlung die Verräter aus dem Weg zu räumen, ohne die Ursachen zu kennen, warum sich dieser Bazillus einnisten und ausbreiten konte? Wenn man dem Tyrannenkönig die Möglichkeit nimmt, neue Meuchelmörder zu rekrutieren, weil es diese Ursachen eben nicht mehr gibt, wäre die Krankheit dann nicht schneller ausgelöscht?“ warum klang das alles nur immer komplizierter, als es in ihren Augen war? Blendete sie die jugendliche Naivität und das großherzige Wohlwollen ihrer Mitmenschen gegenüber? Dass ein solch blutrünstiger Akt in ihrem Namen vollzogen werden musste, noch dazu ohne, dass sie, oder besser ihre Familie, irgendein Mitspracherecht oder gar nur eine Aufklärung zugestanden bekamen, erfasste ihr Gemüt mit einer tieftristen Trübnis. Aus welchem Grund denn war ihr Leben mehr wert als das der Dienerin?

“Condottiere, ich möchte euch nicht weiter ermüden. Auf euch lastet eine ungeheure Verantwortung. Sagt mir, wie ich euch dienlich sein kann, damit wir alsbald aufbrechen können.“ klang die Frage unschuldig und doch lag in ihr ein weitaus tiefgreifenderes Angebot. Denn dienlich wollte sie ihm sein damit, dass sie verstehen lernen wollte das Spiel zu spielen, auf dessem Brett sie beide als Figuren von weitaus höheren Mächten hin und her geschoben wurden. Wenn sie die Regeln kannte, nach denen die Züge gesetzt wurden, wenn sie selbst die Figuren bewegen lernte, so nahm sie ihm zumindest ein wenig etwas von der Verpflichtung sie beschützen zu müssen. Die Vorahnung dessen, was er ihr beibringen könnte, ließ in Elithea neue Lebenskraft aufkeimen, die zu einer Hoffnung heranwachsen sollte, über das doch so fremdbestimmte Leben einen gewissen Einfluss ausüben zu können. Es dämmerte ihr, dass hier vor ihr wohl der beste Lehrmeister stand, der ihr die Augen vor der Welt öffnen könnte, in die sie nun so brutal geworfen wurde.
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Belisarius Caderitor
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#8
Belisarius beäugte diesen Augenblick mit kalter Bewunderung. Er war stets getrieben von seiner bösen Vernunft und doch blieb stets ein Moment übrig, der ein leises Wundern erlaubte. Umgeben von all der Gewalt, die ihn begleitete, so vielen verlorenen und manchmal auch bekannten Gesichtern, war auch er entfernt verbunden mit den Abfolgen von jenen Augenblicken. Kurz verlor er sich in Gedanken, in jenen Erinnerungen, von dem Menschen, der er hätte werden können. Wieder einmal musste er feststellen, dass er auch verloren in der Zeit war, wie all die Gesichter, die ihm in Erinnerung geblieben waren. Nun gehörte auch das Gesicht von Larana dazu, deren brutale Tötung er bereute, nicht weil, er in dieser Sache besonders feinfühlig war, sondern weil es einfach so in die Zeit geworfen war, so bedeutungslos, wie seine Hoffnungen, ein anderer Mann sein zu können. Hier stand er nun, ließ seinen Blick im Angesicht von Elithea, die mit ihrer menschlichen Erscheinung, ihrem Dasein, gegen Belisarius kalte Macht stand. Ihre Fragen, ihr Wesen, forderte ihn heraus, etwas zu begründen, was er für sich selbst nicht einmal gut begründen konnte. Er konnte politische Ziele nennen, konnte sich ideologisch verstecken und doch blieb die Handlung eben nur ein Mord, eine Hinrichtung eines Verräters, ohne Prozess oder einem verhandlungssicherem Anstand. Belisarius machte sich nicht einmal die Mühe, ein guter Mensch zu sein. Er behauptete es nicht einmal. Sein Selbst war in diese Welt geworfen, wie so viele, und so folgte er diesen Wegen, die einem Abgrund sehr nahe kamen. Die Stockhiebe seines Vaters, die seinen Rücken vernarbt hatten, ließen auch keine große Wahl zu. Gewalt war ein wesentlicher Bestandteil dieser Welt, so dessen er sich diesem allzu oft bewusst war. Gewalt hatte viele Formen, nicht nur diejenige einer körperlichen Handlung. Alle hier waren immer wieder Gewalt ausgesetzt, sei es nun durch Worte, einer übergeordneten Macht, seelischer Grausamkeit zu sich und anderen oder auch schlicht körperlicher Auseinandersetzung. Gewalt war so normal, dass die Menschen lernten, sie zu rechtfertigen, zu verdrängen oder schlicht zu ignorieren. Doch Elithea ignorierte sie nicht, wollte sie verstehen und - so glaubte Belisarius - eine ehrliche Antwort auf dieses Chaos, des hier hingeworfenen Lebens. Ein freundliches Lächeln wandelte nun im Gesicht des Kriegsherren, da er dieser jungen Frau etwas erklären wollte, musste und so geschah es, dass er wahrlich inne hielt. Sie machte eine Begründung und Erklärung notwendig, so dass er sich von der gewohnten Kälte verabschieden musste. Bilder der Reue brannten heller, schufen eine Verantwortung, die er stets von sich geschoben hatte und machten es ihm möglich, für diesen Augenblick wahrlich einmal Mensch zu sein, ohne die Stockhiebe seines Vaters für seine eigene Schwäche fürchten zu müssen. Ihre aufrechte Haltung im Angesicht der Wahrheit ließ Belisarius mit einer kleinen aber bedeutsamen Hochachtung nicken. Er wollte ihr zeigen, dass er sie verstand, sehr wohl sah und durchschaute. Elithea musste hier nichts spielen, nicht eine Bühne gestalten, sondern konnte auch in ihrem geteilten Augenblick mehr sein als ein bloßes und hingeworfenes Leben, so dass er sie mit seiner imposanten Erscheinung abschirmte, als sie näher kam. "Danke," bedankte er sich für den Handschuh, den die Prinzessin wohlmeinend verwahrt hatte und ließ es zu, dass ihre feine Haut seine gewaltgeschundene Haut berührte. Es war keine gezielte Handlung, sondern ein Zulassen, einer menschlichen Geste, die er sonst nicht ohne weiteres zuließ.

Ja, ihre Hand hatte nie wirklich hart gearbeitet aber das musste sie auch nicht. Belisarius fühlte ihre Haut, spürte jene Wärme als sie auf seine Kälte traf. Er atmete aus, als sein Herz schlug, einen menschlichen Herzschlag, den er so nicht kannte. Nein, es war keine Verführung, keinerlei Absicht mehr zu sein als das jetzt, und doch blickte er Elithea mit fast vertrauten Augen an, deren dämonisches Antlitz müde wankte. Er fand etwas Menschlichkeit, die schmerzte, da er wusste, dass er sie schnell wieder verlieren würde. Sie war fragil, wie die Güte, die diese Prinzessin beweisen wollte. Der Kriegsherr wusste so vieles, fühlte aber selten derartiges. Sie forderte sein Innerstes heraus, denn hier war nicht stark, sondern furchtbar schwach. Doch diese Schwäche tat gut, sich zu erklären, half und auch ihre Nähe, dass sie näher an ihn wagte, unterstützte für diesen winzigen Moment den Irrglauben, auch er könne ein anderes Leben führen, indem er Menschen beschützen würde, etwas mehr noch als das, ihnen wirklich helfen würde. Er wollte Elithea helfen. Seine Finger umschlossen dankbar ihre Finger, als sie seinen Handschuh in seine Hand zurückgelegt hatte, bevor diese Verbindung gelöst wurde. Sie sehnten nach etwas Menschlichkeit, nicht nach Gewalt und Handlungen, sondern nach Geborgenheit und einem Ort, der mehr als das jetzt sein konnte. Elithea konnte in dieser Berührung wahrnehmen, dass seine Fingerspitzen, trotz der rauen und trockenen Haut, Wärme fanden und sich mit der warmen Hand der Prinzessin verbanden, wenn auch nur sehr kurz. Belisarius senkte sein Haupt, um ihr aufmerksam zu lauschen, als sie sich heranwandte. Ihr Duft war schön, gepflegt und passte in ihre sanftmütige Weltwirkung. Elithea wollte ein guter Mensch sein, war es vielleicht auch und hatte starke Merkmale, die dies versicherten. Belisarius las sie, wie viele Menschen vor ihr und doch war es dieses mal anders. Die Prinzessin versuchte zu verstehen, nahm es nicht einfach hin. Der Kriegsherr staunte über ihre ehrliche Antwort, so dass er erneut aber dieses mal eine winzige Sekunde länger, seine Hand auf ihre Schulter legte, um sie ein Stück näher zu sich zu bewegen. Er wollte, dass ihre geteilten Geheimnisse wirklich unter sich blieben. Seine Hand auf ihrer Schulter versicherte ihr auch eine echte Vertraulichkeit, die nicht einmal gespielt war. Der Unhold und die Prinzessin war sich sehr nahe, durchbrachen jene kalte Aura, die ihn umgab und es blieb fast eine Umarmung übrig. Doch diese Beinahe-Umarmung war gebrochen und zerbrochen, als sich die Nähe nach ihrer Antwort dezent auflöste. Erneut nickte er ihr verstehend zu, gab keine Antwort mehr aber versicherte ihr mit seinen geschlossenen Augen, dass er sie verstanden hatte.

Man sprach nicht über die Regeln, sondern erfuhr sie. Belisarius würde ihr den Weg zeigen und vor Fehltritten bewahren, solange er bei ihr war. Seinen Auftrag nahm er ernst und inzwischen war es aus seiner Sicht sogar ein angenehmer Auftrag, da er einen Menschen kennenlernen dürfte, der Potenzial besaß. Es war eine dunkle Magie, die Elithea umschloss, als Belisarius seine Augen wieder öffnete und seine aufrechte Haltung wieder einnahm. Sein Arm glitt von ihrer Schulter, als sich die Distanz aufbaute und man sich den Getränken zuwandte. Kurz betrachtete er ihre Hände, bemerkte, dass die junge Frau wohl regelmäßig ihren Nägeln Leid antat, vermutlich weil sie nervös war oder tiefe Ängste hatte, die sie anders nicht dirigieren konnte. Diese Ängste wollte er erfahren, sie aus ihrem Mund hören, damit er verstand, wovor er sie noch beschützen musste. Diese Anzeichen bedeuteten nicht nur Gefahr, sondern ein mögliches Risiko in der Prinzessin selbst. Er hobs einen Blick wieder an, versuchte das menschliche Gesicht zu bewahren, doch verlor es wieder. Seine Augen fanden wieder diese durchbohrende und dämonische Eigenart, die auf ihre Art sicherlich anders war aber sicherlich keinerlei echte Wärme erzeugte. Der Teufel sah Dinge, verstand Dinge, wollte sie auch fühlen und doch war sein Blick immer wieder entrückt, verdorben durch Ambition und Wissen. Doch bemühte sich der Kriegsherr gnadenvoll zu sein, ihr ehrlich zu antworten, soweit er dies konnte. So entstand eine kurze Schweigsamkeit, um die Trennlinie zwischen beiden zu schaffen, damit der verschwundene Augenblick der menschlichen Nähe als ein Wunder für sich stehen konnte und nicht durch die weiteren Sätze einseitig verdorben wurde. Belisarius wollte die Bühne sauber erneut betreten, verdrängte seine Gedanken daran, etwas anderes zu sein und so entstand ein gemeinsamen ruhiges Atmen, wo sich ihre Augen immer wieder trafen, sich lautlos unterhielten und sich gegenseitig untersuchten.

Elithea tat dies anders, wohlwollender, als er es tat. Seine Augen suchten nach Wissen, Geheimnissen und auch Zielen, wo hingegen ihre Augen einen Menschen sehen wollten, etwas an Gefühl oder Regung. Belisarius beobachtete sehr genau, wie sich ihre Worte fanden, sich ihre Gedanken bewegten, als er er seine Position am Tisch gefunden hatte. Der Becher in seiner Hand wog leicht, gut gefüllt und sicherlich auch wohlschmeckend, doch einen weiteren Schluck trank er nicht, da er seinen Blick nicht von ihr wenden wollte, um mehr zu verstehen, mehr zu wissen, wer diese Prinzessin wirklich war. Immerhin hatte sie seine Hölle betreten, nicht durch Ritual oder Wunsch, sondern allein durch Neugierde, Interesse und Ansprache. Den Teufel fand man nicht durch Gebet oder okkulte Praktik, sondern man fand ihn, indem man ihn einfach suchte und dann ansprach. Mit seiner freien Hand legte er seinen Handschuh auf dem Tischen ab, direkt neben die Weinkaraffe. Er räusperte sich kurz, lächelte dann verstehend und ging auf ihre gewählten und ausgesprochenen Gedanken ein, wobei er mit dem Becher ein paar Kreise als Gestik zog. Fast so, als ob er etwas mit der Bewegung hypnotisieren wollte. Immer wieder Kreise mit dem Becher, so dass die Flüssigkeit darin, sanft schwankte. "Sie wird lange genug anhalten," antwortete er banal aber führte dann weiter aus, nachdem er sich einer kurzen sprachlichen Pause bedient hatte. Sie sollte ihn nicht falsch verstehen. "Es macht keinen Unterschied, da auch der Unterschied nicht relevant ist. Wichtig ist nur, dass gehandelt wurde. Abschreckung ist keinerlei Daueraufgabe oder Kurzzeitziel, sondern das Bewusstsein der allgemeinen Verunsicherung und allgemeine Verunsicherung schafft mögliche Räume. Es ist der Versuch diese Räume zu nutzen," erklärte er und hielt dann mit den Kreisen seines Bechers inne, um einen Schritt auf die Prinzessin zu zugehen. Dabei war deutlich das Geräusch seiner Rüstung zu vernehmen, als er sich ruckartig auf sie zu bewegte, um den Raum als solchen zu verdeutlichen. "Ich verstehe euch nicht falsch, keine Sorge, Prinzessin. Doch euer Ansinnen richtet sich nach etwas aus, was wir nicht mehr haben," erklärte er weiter, trat dann wieder einen Schritt näher, so dass er wieder in höflicher Nähe stand, so dass beide sich besser verstehen konnten. Sein erdiger Duft, dennoch gepflegt und mit einem Hauch von Oliven und Weihrauch war wieder vernehmbar, da er stets darauf achtete, gut zu riechen, denn er hasste schlechte Gerüchte und insbesondere den Duft des Todes. Wohlwissend vor seiner Handlung, hatte er sich entsprechend angemessen parfümiert, um sich zumindest zeitweise vor dem Geruch des Todes zu bewahren. Natürlich war dies eine Illusion.

"Urteile, Rechtsfindung und auch klare Regeln funktionieren nur, wenn ein Aspekt der Macht gegeben ist," versuchte er ihr eine Regeln seines Spiels zu erklären, ohne dies explizit so zu benennen. "Zeit," betonte er dann er nach einer weiteren Sprechpause mit einem einzigen Wort, den wichtigsten Aspekt und gleichsam auch wichtigste Ressource eines Spielers, wie er selbst einer war. "Wir haben keine Zeit, da der Gegner seine Zeit besser genutzt hat. Alle Handlungen brauchen und verbrauchen Zeit, Prinzessin. Wer wenig Zeit hat, muss also Handlungen wählen, die weniger Zeit verbrauchen. Wenn wir Zeit haben, können wir auch Handlungen wählen, die mehr Zeit verbrauchen. Letztlich ist unsere Macht, die Macht unserer Zeiteinteilung. Leider ist unsere Macht derzeit überaus begrenzt, wie euer Vater leider erfahren musste und seine Zeit endete somit abrupt," sagte er und kombinierte abermals seine Erklärung mit dem für Elithea möglicher traumatischen Tod ihres Vaters. Belisarius ahnte, dass dies so war und benutzte diese Erinnerung gezielt, um die Prinzessin in seine gewünschte Richtung zu bewegen. Er hatte das Zusammenfallen ihrer Schultern bei der Erwähnung des Vaters bemerkt und konnte nun daraus schließen, dass es auch wieder in passender Ansprache funktionieren würde. Er wollte Elithea damit lenken und angreifbar machen, damit er eine dezente Kontrolle über ihre Gefühle sowie Wahrnehmung erreichen konnte. Sie sollte ihm glauben, seine Position spiegeln, damit er auch vor sich selbst Handlungen rechtfertigen konnte, die er eigentlich nicht rechtfertigen wollte. Es war kompliziert und gleichzeitig einfach. Belisarius handelte stets im Interesse der Macht, auch in dieser Zeit. "Ihr seid klug und bemerkt sehr gut, was man tun kann, doch vergesst nicht, was uns an Ressourcen gegeben ist," fügte er an und wollte ihr somit zeigen, dass er ihre Handlungen teilen konnte, wenn er die Möglichkeiten sah. "Sobald eure Familie in Sicherheit ist, natürlich auch ihr, Prinzessin, können wir uns ganz der Suche widmen," war die nicht ganz korrekte Versicherung. Denn Sicherheit gab es niemals. Nur den Versuch Sicherheit zu schaffen und manchmal konnte man dies entscheidend positiv beeinflussen. Belisarius hatte die klare Absicht dies zumindest für Elithea zu tun. "Wir haben euren Ort in King's Portal entsprechend vorbereitet und werden mit eurer Abreise eine Finte durchführen, die eure Verfolgung erschweren wird," erweiterte er seine Versicherung mit einer Erklärung, die nicht mal gelogen war. Er plante eine Finte und weitere kleinere Winkelzüge, um die Familie Trakas sicher zu transportieren.

Nun trank er doch einen Schluck Wein, ging seine Gedanken durch und antwortete dann auf ihren Vergleich, der medizinische Ideen einbrachte aber aus seiner Sicht entscheidend naiv war. Die Welt war immer krank gewesen und manchmal war man die Krankheit selbst. Elithea war eine Prinzessin, hochgeboren, gut erzogen und doch war sie Teil jener Macht, die Obrigkeit war und auch Ausbeutung schuf. Menschen beuteten den Menschen aus, so einfach war es für Belisarius und die Prinzessin konnte so nicht in die Welt blicken, so dass er ihr helfen musste, damit sie nicht an der kalten Wirklichkeit der neuen Zeit zerschellte. Ihre einleitende Entschuldigung, dass sie seine Taten bezweifelt hatte, überging er, da sie unbedeutend war. Nicht weil, Elithea unbedeutend war, sondern weil sie danach erneut nachfragte, erneut verstehen wollte und so ihren Zweifel wieder begründete. Ihre Augen sprachen ihre eigene Sprache. Sie war unsicher, dennoch suchend. Elithea wollte verstehen und diese Suche war maßgeblich dafür, dass Belisarius ihr dabei helfen wollte und somit war auch die Entschuldigung dafür unbedeutend. Es ging eben weiter, so dass Belisarius freundlich lächelte, wobei seine Augen Wissen ausstrahlten. Er wusste etwas, was sie nicht wusste. "Wir werden dafür Sorge tragen, dass diese Welt nicht mehr so krank ist, dass diese Möglichkeiten bestehen, Prinzessin. Wir kennen mögliche Ursachen aber brauchen, wie beschrieben, Zeit, um diese Ursachen auszumerzen. Leider mangelt es genau an dieser Medizin derzeit noch aber ich versichere euch, dass wir daran arbeiten, mehr Zeit zu haben und diese Zeit entsprechend zu verwenden, damit sich zumindest das Symptom des rebellischen Despoten beseitigen wird," erklärte er mit vielen Worten aber gab erneut keine klare Antwort, gab seine Geheimnisse nicht preis, was er wirklich plante. Das tat er einfach nicht aber versuchte Elithea zu vermitteln, dass sie sich nicht sorglos aber beschützt fühlen konnte. Belisarius hatte Pläne und auch Pläne innerhalb seiner Pläne. Elithea konnte vielleicht Teil davon sein, so dass auch seine Augen kurz aufblitzten, als er erneut ihre Klugheit bemerkte aber auch ihre durchaus empathische und weitreichende Weltsicht. Empathie war eine gute Waffe, sofern sie richtig verwendet wurde. Belisarius glaubte, dass die Prinzessin durchaus auch eine politische Waffe sein konnte, wenn man sie in die richtige Richtung bewegte. Soweit er wusste, war der junge Trakas Prinz naiv und nahezu übereifrig, die größere Schwester eitel und selbstgerecht, fast ziellos verschossen auf eine Heirat und die Mutter war der Trauer und Rachsucht verfallen, so dass eigentlich nur Elithea blieb, um die Trakas als politische Vehikel für größere Ziele zu nutzen. Elithea war nicht nur als Mensch interessant, sondern war vielleicht auch nützlich, um diese ganze Operation zu stabilisieren, die Zephyr nur ungenau geplant hatte.

Belisarius musste seinen größeren Nutzen sehen und Elithea half sehr gut dabei, da sie vielleicht auch aus gleicher Naivität, wie viele vor ihr, sich zu gutherzig an einen Teufel gewandt hatte, der nach seinem Auftritt menschliche Absicht als Schauspiel darbot. Er holte durch seine Nase Luft, atmete ruhig aus, strahlte dadurch eine frostige Stille aus, so als ob ihn nichts wirklich verunsichern konnte und sogar die Zeit für die beiden anhielt. Der Kriegsherr war gut darin, den Moment zu nutzen und den Moment zu unterwerfen. Belisarius hatte jetzt auch diese Zeit gewonnen, denn er wusste ja, was wirklich vor sich ging. Noch wusste er es. Die Prinzessin bot sich an, dienlich sein zu können. "Ihr ermüdet mich nicht," sagte er und hob dabei seinen Becher an, um diesen zu leeren, bevor er diesen sittsam auf dem Tisch abstellte, um seinen Handschuh wieder aufzunehmen. Im Gegenteil, ihre Fragen und ihr Wesen erfreuten ihn, da sie schlicht eine kluge Person war, die etwas in ihm geweckt hatte, was er verloren gesehen hatte: Mitgefühl. "Wir brechen in vier Stunden auf. Bereitet alles dafür vor. Ich werde euch einen Karren beschaffen, um das notwendige Gepäck zu transportieren," begann er fast militärisch mit seinen Anweisungen, die Elithea höflich eingefordert hatte. "Euch selbst und eure Familie sollt ihr in Kleidung der Dienerschaft hüllen. Ihr werdet über einen separaten Weg aus der Stadt gebracht. Die Kleidung soll schmutzig und abgetragen sein. Es darf nichts auf eure Herkunft hinweisen. Zerzaust eure Haare, schmiert euch Dreck an die Hände und wascht jedweden Duft von euch," ergänzte er und deutete dann auf Elithea. "Ihr werdet dafür Sorge tragen, dass eure Familie bereit ist. Wir haben keinerlei Zeit für lange Diskussionen...," meinte er, wobei er leicht seufzte, als er die Prinzessin zu vorbildlich anblickte. Seine Hand sank herab.

Sie würde sich deutlich umstellen müssen, auch weil sie ihr Leben in hübschen Kleidern verbracht hatte. Nicht, dass er sie für eitel hielt, ihr Kleid war angemessen und nicht protzig aber dennoch war es von hoher Qualität und der einer Prinzessin würdig. "... so sehr ich das Gepräch mit euch auch genieße...," fiel ihm dann aus dem Mund, da es die Wahrheit war. Er blickte sie eindringlich fürsorglich an. "Ihr schafft das!" - ein Ausspruch, den er wirklich ernst meinte, wobei er seine Hand ausstreckte, um ihre Hand zu halten, damit diese Versicherung fast einem magischen Ritual gleich, auch eine Bindung einherging. Wenn sie die Hand annahm, war er sich sicher, dass diese Verbundenheit dafür Sorge tragen würde, dass die Familie Trakas wirklich seine Pläne befolgte. Es war eine menschliche Geste, die einen Rückbezug auf ihren geheimen Austausch nahm. Belisarius wollte darauf Bezug nehmen und bot sich als Spielleiter für Elithea an und sagte also: "Ihr spielt nicht mehr alleine." Diese Worte sprach er fast schon melodisch schön aus und lächelte dabei fast schon zu ehrfürchtig vertrauensvoll. Da war dieser menschliche Augenblick wieder. Wenn die Prinzessin die Hand des Teufels nahm, fand sie einen geübten Lehrmeister aber verlor dabei auch einen Teil ihrer Güte und jenes Lichts, das sie zur gutherzigen und feinfühligen Elithea gemacht hatte. Doch das Angebot des Höllenkaisers war einfach aber insoweit ehrlich, so dass kein Vertrag angeboten wurde, der falsch oder irreführend war. Belisarius gab ihr das, was sie sich wünschte, wie er es oft getan hatte. Nur war das Ergebnis selten das, was die Menschen eigentlich erwarteten. In diesem Fall war es sogar für Belisarius neu. Sein Angebot würde auch ihn binden.
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Elithea Trakas
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Die Flamme einer Kerze mochte nichtig wirken in der absoluten Dunkelheit einer dämonischen Hölle. Doch selbst ein einziger hellentflammter Docht konnte einen Lichtschein der Zuversicht und Wärme erzeugen als rettender Anker in einem Meer voller nachtschwarzem Nass. Und war es nicht so, dass je erdrückender die Düsternis, die einen umgab, desto heller und bedingungsloser leuchtet eben jener Strahl und sei er auch noch so klein. Dieses scheinbar unbedeutende Licht war nun Elithea, die sich nicht scheute der Finsternis entgegen zu halten, was in ihrem eigenen Innersten an Mitgefühl und Güte gärte. Je länger sie in der Nähe des düstren Kriegstreibers ausharrte, in sich selbst die Kraft findend ihm und seinem verdammten Sein einen Spiegel vorzuhalten, desto sicherer wurde sie in ihrem Auftreten und in der Überzeugung, dass die Welt und die Menschen darin es wert waren Barmherzigkeit zu erfahren. Auch er, denn auch er war Teil dieses schrecklichen Kreislaufs aus Gewalt und Verderben. Was der Spiegel ihr von ihm zurück warf, erschreckte und ergriff die junge Prinzessin gleichermaßen. Da blitzten Momente der Menschlichkeit in seinen teuflischen Augen auf, versteckt unter einer ach so harten Schale geformt von Brutalität und Leid. Noch war sie sich unsicher, ob diese Menschlichkeit wirklich hervorbrechen wollte oder sich scheute in den hellen Schein zarten Verständnisses einzutauchen. Es stand ihr auch nicht zu einen Menschen zu beurteilen, den sie erst seit wenigen Momenten kannte, wobei kennen ein wahrlich dehnbarer Begriff war in diesem Zusammenhang. Und dennoch kam sie nicht umhin in den spärlich gesäten aber doch verstohlen aufkeimenden Augenblicken des freundlichen Zuvorkommens einen Riss in der sonst so kühlen Fassade erkennen zu wollen. Es steckte mehr dahinter, hinter der wohl durchdachten Maskerade, die auch sein wahres Wesen verdeckte.

Welch seltsames Paar sie in dieser steinernen Halle abgaben. Ein Paar der Widersprüche, sogar in sich selbst. Die Prinzessin, deren Wärme und Anteilnahme als stiller, doch beständiger Faden die zerfallende Fürstenfamilie zusammen zu halten gezwungen war, und er der unerbittliche Meister von Krieg und Verderben, der weder Blut und noch Kälte scheute. Licht und Schatten, Engel und Teufel, dunkle Trauerrobe und gleißende Ritterrüstung. Jahre der bitteren Erfahrung standen einer naiven Gutgläubigkeit gegenüber, präsentierten ihr unverblümt das ungerechte Leben außerhalb der sicheren Burgmauern und des unbeschwerten Adelalltags. So sehr sich die junge Prinzessin auch gern gerühmt hätte, dass sie sich der Sorgen und Nöte der einst ihr Untergebenen annehmen wollte, so hatte sich doch keinen Unzen an wahrer Einsicht, welches Ausmaß dies wirklich annehmen konnte. Das Erlebte der letzten Tage und Wochen zeigten dem jungen Mädchen mit brachialer Deutlichkeit, welche Schmerzen die Welt einem auferlegen konnte, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Welch Widersinn, dass sie gerade in dem sicheren, doch kühlen Griff seiner Hände genau jene Gewissheit fand, diesem Leid entgegen treten zu können. Was es auch war, dass er an sich hatte, es festigte Elitheas Herz und labte ihre eigene Hoffnung in dem göttlichen Vertrauen darauf, dass allem Schlechtem auch etwas Gutes entwachsen konnte, auch wenn dies nicht im selben Moment offensichtlich sein würde.

Seine unauffälligen, unaufdringlichen Berührungen leiteten sie gleich einem verführerischen Tanz, dessen Musik nur für ihrer beider Ohren bestimmt waren, immer mehr in seinen betörenden Dunstkreis. Die Nähe, die er erzeugte, lockten sie in seine Welt, aus der es scheinbar kein Entrinnen zu geben schien, auf einen Pfad, der schmal und schlüpfrig keinen Fehltritt erlaubte, wollte sie das Kerzenlicht ihrer Seele nicht verlieren. So nahe, dass sie seinen Atem an ihrer Haut spüren konnte. So nahe, dass die Sehnsucht nach einer Umarmung, nach einem Moment des Schwachseins und der Geborgenheit einfach unerträglich schienen. Wie gern würde sie sich einfach nur fallen lassen können für einen winzigen Augenblick. In den Armen eines anderen beruhigenden Trost finden, nur für einen Herzschlag der Trauer um ihren verlorenen Vater und die verlassene Heimat nachgeben, für eine Nichtigkeit um sich selbst und die unsichere Zukunft klagen. All die Anspannung und die in sie gesetzten Ansprüche ablegen und einfach nur Elithea sein, ohne Erwartungen. Doch es blieb ihr nichts anderes übrig als die Augen zu schließen und die Unmittelbarkeit seines Körpers in sich aufzunehmen. Zumindest in ihren Gedanken musste dies als Besänftigung ihrer aufgewirbelten Seele reichen, was ihr die harsche Wirklichkeit verwehrte. Die Unausweichlichkeit der Situation brachten auch eine gewisse Ruhe mit sich. Es half nichts dagegen anzukämpfen oder Erwartungen aufrecht zu halten, die sie einfach nicht erfüllen konnten.

So absurd es auch klingen möge, aber die Fürstentochter fühlte sich mittlerweile in der Gegenwart des Verderbten aus unerfindlichen Gründen wohler, als sie es gedacht hätte. Vielleicht war es einfach die unverfrorene Ehrlichkeit, die er zwar hinter wohl gewählten und dunstig ausgeschmückten Worten geschickt maskierte, ihr aber nicht vorenthielt. Wenn sich schon ihr Leben auf den Kopf gestellt hatte, hinten vorn und links zu rechts geworden war, dann wollte sie wenigstens wissen, womit sie es zu tun hatte. Es war doch ohnehin nicht mehr möglich in der bisherigen Blase aus Geborgenheit und Unbeschwertheit zu verharren. Die nächsten Schritte auf dem unbekannten Weg, der vor ihr lag, sollten daher bewusst und so kenntlich wie möglich getan werden. Wenn sie schon als lodernde Fackel der aufrechten Moral ihrer Familie voranschreiten sollte, dann musste sie wissen, welchen Stolpersteinen es auszuweichen galt. Vermutlich war es daher diese vertraute Offenheit, die sich zwischen der Prinzessin und dem Krieger unerwartet schnell aufgetan hatte, die sie in seiner Nähe hielt. An seinem Wissen, seiner Erfahrung, seinen Gedanken wollte sie teilhaben, wollte sie mit den eigenen Ansichten verknüpfen und daraus ihren eigenen Weltenteppich weben. Mit wachem Geist aber galt es seinen Worten Aufmerksamkeit zu schenken, denn sie waren ebenso glatt und berechnend, wie sein ganzes Wesen. Immer um den einen Funken Wahrheit bedacht, sie glaubhaft zu gestalten, aber doch mit so viel Hintergedanken beladen, dass es der noch unerfahrenen Trakastochter schwerfiel, sich nicht völlig von ihnen bezaubern zu lassen.

Er sprach von Verunsicherung und Räumen, dem sie nicht ganz folgen konnte, denn solch abstrakte Konzepte waren ihr noch fremd, ungewohnt in der naiven Geradespurigkeit ihrer sonstigen Konversationen. Doch ihr neugieriger, nachdenklicher Blick verrieten ihm, dass diese neuen Ideen auch zu neuen Denkweisen führten, die neue Ansichten und Verständnisse bilden würden, je mehr man sie pflegte und hegte. Wieder kam er näher, als wären sie zwei Magnete, unterschiedliche Pole, die sich doch anzogen und nicht voneinander lassen konnten. Der Wein benebelte Elithea die Sinne, sodass es erst das tadelnde Räuspern der Dienerin brauchte, bis die junge Prinzessin wieder einen für alle Öffentlichkeit akzeptierten Abstand zwischen sie brachte. Ein seltsames Klopfen hatte sich in ihr Herz geschlichen, dessen Ursache sie nicht benennen konnte. Vielleicht war es nur der Alkohol, dem sie besser nicht noch weiter zusprechen sollte. Oder aber die Freude an den harzigen, sandwarmen Düften, die ihn umgaben und die sich so gut mit den ihr eigenen, blumigen Noten verbanden? Während er sprach, stellte Elithea den Becher wieder zurück auf das Tischchen und es war wiederum die Dienerin, Iulia, die in ihrer Aufgabe als Anstandshüterin diesen Becher sofort an sich nahm und ihm so dem eigenständigen Wiederbefüllen entzog.

Ihr entwich ein gar zu schneller, tiefgefundener Atem, als er neuerlich auf ihren Vater zu sprechen kam, um dessen Todestrauer sie immer noch beraubt wurde. Gebrochene, schmerzerfüllte Anklage lag in ihren feucht glänzenden Augen, als sie sich am Tischchen anklammerte und ihm vorwurfsvoll still die Bitte zukommen ließ, sie mit diesem vernichtenden Ereignis nicht weiter zu quälen. Welch geschicktes Spiel er doch vollführte, welch waghalsigen Balanceakt zwischen süßer Nähe und ernüchternder Pein. So geschickt und doch so verheerend. Zeit also, Zeit, die alle Wunden heilen sollte, Zeit, die jedem Menschen nur in einem vorgegebenen Umfang zur Verfügung stand, Zeit, die endlos dauern konnte oder viel zu schnell verging. Zeit also, war der Schlüssel zu Macht. Und sie hatten keine Zeit. Doch sollte man sie sich nicht gerade in diesen Augenblicken der Getriebenheit nehmen? Zeit? Zeit zu durchdenken und zu planen. Sich von der Zeit drängen und hetzen zu lassen, würde doch genau zu der Falle führen, die er sich durch die Ermordung der Dienerin erhofft hatte, oder nicht? Dass man panisch würde, überhastet handelte, Fehler machte und dadurch noch verwundbarer wurde. Genau in diesem zeitlosen Geschehen war es doch wichtig, nicht den Kopf zu verlieren. Welch Ironie.

Sie schwieg, behielt seine Worte in ihrem Herzen auf und ließ sie dort zu Sprösslingen neuer Gedanken heranreifen. Seine Dringlichkeit ließ sie wissen, dass jetzt auch nicht die Zeit war für große Diskussionen und ausufernde Gespräche. Dafür würden sich die Möglichkeiten noch ergeben, wenn sie einmal auf dem Weg waren. Und so Heofader wollte, noch viele weitere. Sie nickte also, gewahr der verdeckten Worte, die nicht gesprochen wurden, doch in seinen Aussagen mitschwangen. Da war etwas tiefer, verborgen, ein Sinn, der sich ihr noch nicht offenbaren wollte, aber dessen Spur sie gewillt war zu folgen. Das Blitzen in seinen Augen, so flüchtig wie ein Flügelschlag, ließen sie nur verstohlen schmunzeln. Sie wollte sich nicht einbilden, dass sie, eine ahnungslose Tochter aus gutem Hause, ihn noch irgendwie überraschen konnte, der doch schon alles gesehen haben musste, was die Welt zu bieten hatte. Und doch konnte sie nicht umhin zu bemerken, dass da doch vielleicht etwas in ihr war, das er nicht erwartet hatte.
Doch dieser kurze Augenblick der fast schon stolzen Sicherheit erstarrte alsbald. Wieder wurde er frostig, wie ein Apriltag so wankelmütig und launisch, und dämpfte augenblicklich Elitheas Übermut, der ihr ohnehin nicht gut zu Gesicht stand. Die Zeit der Plänkeleien war nun eindeutig vorbei und es ging daran die Abreise einzuleiten.„Unser Gepäck ist bereit verladen zu werden, Condottiere. Um alles weitere werde ich mich persönlich nach euren Anweisungen kümmern.“ nahm auch sie nun wieder einen unpersönlicheren Ton ein, da sie nun wieder aus der Zweisamkeit ihrer Empfindungen hinaus in die Welt der Anderen traten. Und dieser Welt sollten sie nun auf sein Geheiß mit ganz anderem Aussehen begegnen. Ob das gut gehen sollte? Wie weit sich ihre werte Familie auch in Gehabe und Haltung als Dienerschaft präsentieren könnten, wagte sie zu bezweifeln. Ihre Mutter hatte mittlerweile eine fast schwebend, göttliche Präsenz, der wohl eine Nonnenkutte glaubwürdiger stehen würde. Ihre Schwester, eitel wie immer, wäre schwer zu überzeugen krumm und derb daher zu kommen. Und die selbstgerechte Nase des Bruders musste wohl auch des Öfteren erinnert werden, sich Richtung Staub und Dreck zu senken. Und wiederum lag es an ihr, ob dieses Unterfangen gelingen würde oder nicht. Ihr wurde die Sorge übertragen ihre Familie entsprechend vorzubereiten, sich mit ihren Eigenheiten herum zu schlagen.

Zu protestieren lohnte sich nicht. Nichts würde sich ändern. Es war nun mal ihr Schicksal die Zügel der Familie Trakas fest in ihren Händen zu halten, bis ein anderer kam und sie ihr abnahm. Und dann? Was dann? Was würde dann aus ihr werden? Was würde von all dem hier bleiben, das ihrem Leben Sinn und Tiefe geben könnte? Die Zukunft hatte viele Namen: für Schwache war sie das Unerreichbare, für die Ängstlichen das Unbekannte. Aber für die Mutigen war sie eine Chance auf eine Veränderung. Der Vergangenheit nachzuhängen war sinnlos. Die Hoffnung der Zukunft lag im Hier und Jetzt. Der Weg, den sie jetzt einschlagen würde, jetzt, da sie ein Mindestmaß an Selbstbestimmung hatte ohne die beherrschenden Anweisungen der Eltern und den einschränkenden Zwängen des Adels, dieser Weg würde über ihre Zukunft bestimmen. Sie würde über ihre Zukunft bestimmen. In der Schwäche und Trauer der durcheinander gewürfelten Familienstruktur lag die Aussicht auf eine Neuordnung, an der sie selbst mitreden konnte. Et lux perpetua luceat Und ewiglich leuchte das Licht.

Schon war sie in Gedanken bei den an sie gestellten Aufgaben, sodass sein mehr als unerwartetes, halb gemurmeltes Geständnis sie fast zu spät erreichte. Voller Erstaunen wandte sie sich ihm erneut zu. Ja, sie hatte es auch genossen und diese Zustimmung begleitet von dem ähnlichen Bedauern, dass dieses Gespräch – und damit wohl die erste Lehrstunde des Teufelmeisters – nun zu Ende wäre. Ohne zu Zögern nahm sie seine Hand, durstig nach jeder noch so kleinen Geste menschlicher Zuneigung, die ihr ein wenig Kraft und Tröstung spenden könnte. Und sie hielt diese innige Verbundenheit, hielt der kühlen Härte seiner Finger neuerlich die zarte Wärme ihrer Haut entgegen. Gegensätze zogen sich an und schafften eine Balance, die für beide zu einer wertvollen Bereicherung werden könnte. Sie schaffte das, denn sie war nicht mehr allein. Wie hypnotisiert von dem Singsang in seiner Stimme und dem berauschenden Wüten in seinen Augen hob sie die Distanz zu ihm zu schmälern, sich näher in seine verführerische Gegenwart ziehen zu lassen, sich endgültig an ihn zu binden. Doch die in sie gesetzten Erfordernisse zerrten an ihr. Sie durften keine Zeit verlieren. Mit einem Lächeln, dessen Sanftmut nun durch den durch ihn bestärkten Glauben an eine in ihre schlummernde Stärke an Facetten gewann, nickte sie ihm zu. Es war Zeit.

Sich von ihm zu lösen, zehrte an ihr mehr, als sie zugeben wollte. Doch bevor sie ihre Hand von der seinen nahm, versank sie anmutig in eine schier unauffällige Andeutung eines Knicks, der ihm eigentlich gar nicht zustand. Sie war ihm höhergestellt, doch dieses kleine Zeichen von Respekt brachte sie in diesem Moment auf Augenhöhe. Arglos hatte sie sich einem Dämon verschrieben, doch welches Leitbild, welche Führungsgestalt blieb ihr denn noch als Orientierung auf einem steinigen, tückischen Pfad? “Prinzessin, was habt ihr euch dabei gedacht?“ japste Iulia besorgt, als sie beide die Stufen wieder hinauf hasteten. Nichts, Elithea hatte sich nichts dabei gedacht, aber sie würde sich nicht entgehen lassen, die sich ihr bietende Gelegenheit beim Schopfe zu packen. Wohin es führen würde, nun, das würde sich früh genug weisen. „Das geht dich nichts an, Iulia. Bring mich zu meinem Bruder.“ Harschte die Fürstentochter strenger zurück, als man von ihr gewohnt war. Ein letzter Blick zurück von der Empore, von der aus sie noch vor wenigen Momenten zum ersten Mal den Condottiere gesehen hatte. Sie würde den Kriegsherrn nicht enttäuschen. Den Bruder zu überzeugen sich in derbes Gewand zu hüllen und seine Gestalt zu ändern, war denkbar einfach. Man musste es ihm nur über den Hebel der Strategie und Taktik vermitteln, als wäre es ein Militärspiel, eine Übung in Krieg und Täuschung. Mithilfe der ihn umgebenden Berater, die ihm geschickt den Eindruck gaben, dass er selbst jetzt noch ein Wörtchen mitzureden hatte, obwohl der Plan gänzlich eines anderen Hirn entsprungen war, brauchte es wenig Überzeugung. Auch die Mutter ergab sich ohne viel Widerstand ihrem Schicksal und legte das Büßergewand mit stoischer Miene an. Die Schwester allerdings wehrte sich mit all ihrem Stolz und ihrer Selbstherrlichkeit eisern gegen den Tausch der Kleider. „Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich meine wohlgeformten Finger in den Dreck stecke und mir Asche ins Gesicht schmiere! Weißt du wie lang ich an der Frisur gesessen bin und jetzt erzählst du mir, ich muss sie unter einem verlausten Tuch verstecken? Niemals, Elithea, niemals kannst du mich dazu zwingen!“

Woher sie die Kraft fand, ihrer Schwester einfach eine Ohrfeige zu verpassen, das wusste Elithea selbst nicht. Doch mit fester, ruhiger Stimme machte sie ihrer Schwester das Unausweichliche klar. „Das wirst du, Larissa. Du wirst dich umziehen, deine Haare mit einem Tuch bedecken, deinen Schmuck abnehmen, dein Parfum abwaschen und dich so gut du kannst als Dienerin präsentieren. Wenn du zu dem vereinbarten Zeitpunkt nicht dementsprechend unten in der Halle bist, werden wir dich hier zurücklassen. Alleine. Glaub mir, der Condottiere, den der Großkönig geschickt hat, wird keinen Augenblick lang zögern dich deinem Schicksal zu überlassen.“ Das hatte gesessen. Immer noch zeternd und jammernd und nun alle verfügbaren Dienerinnen um sich scharend, ließ Larissa die Prozedur über sich ergehen. Nun endlich fand Elithea Zeit für ihre eigenen Transformation. Wie symbolträchtig war es die edlen Gewänder abzulegen, eines nach dem anderen. Als würde sie aus der adeligen Haut steigen und diese Welt nun auch sinnbildlich hinter sich lassen. Bedacht ordentlich legte sie die Kleider, die ohnehin nicht ihr gehörten, wieder auf das Bett. Schuhe und Strümpfe folgten, die Haarnadeln, die die dunklen Locken zusammengehalten hatten, die Kette, die aus ihrer Heimat stammte. Nichts sollte an ihr altes Sein erinnern. Alles legte sie ab, legte damit Schicht um Schicht ihrer selbst bloß. Rasch flocht sie sich die Haare zu einem unbedachten Zopf, der ihr über die Schulter fiel und zwängte die Füße in unbequeme, einfache Pantoffeln. Iulia brachte eine Schale mit Wasser, in dem ein Stücken einfache Kernseife schwamm. Mit jedem Eintauchen des Schwammes, mit jeder sanften Bewegung über ihre Haut überfiel Elithea ein Schauer der Bescheidenheit und des Abschieds. Hier in dieser Schüssel würde sie sich selbst zurücklassen. Das Mädchen, das sie bisher war. Und mit jedem neuen, raugesponnenen Kleidungstück aus Nesselstoff wurde sie zu einer anderen. Keine Fürstentochter mehr, doch auch keine Dienerin. Ein Zwischenwesen gefangen in einem Übergang vom Gestern zum Morgen, schwebend in einem unklaren Heute. Fast schon einem Ritual gleich kniete sie sich vor den offenen Kamin, verunklärte ihre zarte Haut mit dem Aschengrau, rieb es sich unter die Nägel, in den Nacken, unters Kinn. Wer bist du nun, Elithea, Lichtgestalt oder Gespenst der Dämmerung?

Dann war es soweit. Ein seltsamer Zug an verkleideten Gestalten, die nach außen etwas anderes zeigen wollten, aber doch ihr Inneres sein kaum verbergen konnten, kam die Stiegen herab. Zuerst die Mutter, gleich einer Märtyrerin. Dann der Bruder, mit kühlem Kalkül. Dahinter die Schwester, immer noch trotzig in Selbstbedauern versunken. Und am Schluss Elithea, die unscheinbare, stille Fädenzieherin. Wie sehr die Familie zerrüttet war in ihrer innersten Struktur, zeigte schon ihr Gegenübertreten an den Condottiere. Wer sollte nun das Wort ergreifen? Die Mutter, als Matriarchin? Der Bruder, als Erbprinz? Sicherlich nicht Larissa, die sich im Selbstmitleid suhlte. Bevor es noch zu einer peinlichen Pause kommen konnte, trat Elithea aus dem Schatten der zweiten Reihe. An ihre Familie gewandt, sprach sie mit fester Stimme. „Darf ich vorstellen, Condottiere Belisarius Caderitor, Gesandter des Großkönigs und Anführer unserer Eskorte nach King’s Portal“. Und ihr Verbündeter zu dem sie nun sprach. "Herr, wir sind für die Abreise bereit." Damit übergab sie ihre Schicksal also nun an Belisarius.
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Belisarius Caderitor
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#10
Damit war es beschlossen. Ein Beschluss, der nahezu unmöglich zu revidieren war und wenn, nur mit einem erheblichen Schaden für die junge Trakas. Belisarius verstand derartige Dinge nicht einfach nur als festes Urteil, sondern auch als dauerhafte Beständigkeit. Seine Hand fiel in die ihre und stand in der Reminiszenz auf die geteilte Erfahrung, diesen einen Augenblick, welcher nicht minder verloren war, gebaren sie beide einen eigenen Fluch, den beide tragen mussten. Elithea konnte spüren, ersinnen, was vor sich ging aber konnte es ebenso wenig greifen, so unbewusst war die verkettete Absicht des Belisarius. Auch Belisarius begriff, verstand sogar, dass dies etwas Besonderes war. Nicht weil er ein Mann des Glaubens war oder ein Mann der esoterischen Hoffnungen, sondern weil er schlicht wahrnahm, dass Elithea für ihn etwas Besonderes war, denn sie hatte sein Mitgefühl geweckt und diente sich fast schon zuvorkommend der neuen Welt an. Eine Welt, in die sie so grausam geworfen war, wie Belisarius selbst. Kurz erlaubte sich der teuflische Narr einen stillen Wunsch. Die Berührung machte sie beide zu gleichen Menschen, keinerlei Trennung firmierte zwischen beiden und die Welt verzieh ihm seine Boshaftigkeit. Er stahl der jungen Prinzessin ihre Menschlichkeit, eignete sich eine menschliche Erscheinung und Dasein an, welche ihm nicht zustanden und doch nahm er sie sich, da er auch einmal Mensch sein wollte. Auch Dämonen träumten von einer besseren Welt, da die Asche, die sie hinterließen, nichts erschuf, was wirklich bleiben konnte. Ihre geteilten Blicke verweilten, schufen Kreise innerhalb von Kreisen, erlaubten einen neuen Traum, der einst vergangen war und doch war die Berührung nichts mehr als ein hoffnungsvoller Versuch eines Mannes, Vergebung am Wegesrand seines Lebens zu stehlen und dem Schicksal jene Gnade zu entwenden.

Doch Belisarius erkannte ebenso schnell, dass diese Berührung nicht von Dauer war, sein Diebstahl so bedeutungslos war, wie die Kreise innerhalb von Kreisen, die seine Gedanken zogen. Es war ihre Gnade, es war ihr Mitgefühl und ihre Seele, die er nie wirklich stehlen konnte. Die Prinzessin hatte eine Macht, die ihr nicht mal bekannt war und doch erkannte der Teufel jene Macht an. Ihre Welten wurden zusammengeführt, verbunden durch diese Geste und der stille Dieb ließ seine Spur nicht mal vertuscht. Ein beständig müdes Lächeln versuchte ihr die Gnade zu entrücken, sich dankbar zu zeigen oder auch nur zu vergelten, was sie gegeben hatte, ohne das es gefordert worden war. Sie gab ihr Mitgefühl so frei, dass darin große Macht lag. Belisarius verstand es nicht, sah es nur als jenes Unikum in der Zeit, jene Macht, die ihm entzogen war und doch war er nicht blind für die Dinge, die diese Welt auch verbanden, wie Liebe, Hoffnung oder eben dieses Mitgefühl, welche Elithea in ihrer eigenen Schönheit verkörperte. Doch der Meister der Schatten, der Grausamkeiten und ständigen Intrigen, folgte diesem Tunnel hinab, wollte mehr sehen, begreifen und verstehen, was sich ihm darbot und doch war es nur ein ungeduldiger Versuch eines Mannes, der ein anderer hätte sein können.

Doch er war kein anderer Mann. Seine Schuld folgte ihm stets, so gab es auch keine Entschuldigung. Lügen gebaren neue Lügen, so dass Wahrheit keinerlei Bedeutung hatte. Leider war es diese Wahrheit, die er so sehr brauchte, da er inzwischen zwischen den ganzen Spielebenen seiner Welt verloren war. Elithea gab ihm genau diese Erinnerung an das, was es hieß, ein Mensch zu sein. Er wusste nicht, warum dies so war, erahnte nur und erinnerte sich daran, was er halbvergessen hatte. Seine Finger suchten ihre Wärme in ihrer Hand, wollten niemals loslassen, was so gut in dieser Welt war und doch war es sein Gebot, sein Wille, der die Verbindung lösen musste. Seine vielschichtigen Augen suchten ihre gnadenvollen und schön-klugen Augen. Sie versicherten sich einander, dass es gut so war, wie es war. Dort war diese verlorene Entschuldigung, in ihren Augen, die er vermisst hatte. Er glaubte sie dort zu sehen. Sein Herz schmerzte, weil er wusste, dass er nicht die Person sein konnte, die sie in ihm sehen wollte. Er war nie die Person, die Menschen in ihm sahen. Belisarius konnte sich selbst nicht verzeihen, was er war. Die kalte Verbitterung kochte frostig in seiner Seele, weil er sich nicht erinnern konnte, wer er wirklich und wahrhaftig war. Alles war so diesig, unstet und endlos verworren, dass er nicht mal mehr wusste, was er wirklich erreichen wollte, außer zu überleben und dem einen Traum zu dienen, der genauso verdorben war, wie alles, was er hinterließ, wie die Asche, die einem Dämon entkam. Elitheas Macht schmerzte ihn, riss sie doch das ein, was er sich wünschte. Belisarius war kein Dämon mehr, kein Teufel aus den Höllen, da er in ihrem Angesicht Mensch geworden war. Doch der unheilsame Fluch der Zeit und der im Halbschein stehenden Erinnerung durchbrach jenes kleines Wunder. Er nahm die Hand zurück, löste die liebevolle Verbindung zwischen den beiden Menschen, die ohne Worte mehr geteilt hatten, als er jetzt erwarten konnte. Die Menschlichkeit verblasste erneut, zog sich zurück an diesen einen verlorenen Ort, den Belisarius geheimnisvoll bewahrte. Dort, wo die Kriegstrommeln schweigen musste; dort, wo niemand schrie und alles seltsam ruhig war. Wie gerne hätte er ihr mehr von der Welt gezeigt, hätte erfahren, was es hieß, wirklich als Mensch zu fühlen und dies nicht nur zu imitieren, wie ein Chamäleon seine Farbe wechselte. Wie gerne hätte er sich als Mensch bewiesen, doch er war nur jener Kriegsherr, der auf dem beherzt grausamen Wünschen des teuflischen Vaters beruhte. All die Stockhiebe in seiner Kindheit, all die Schläge und das Geschrei gegen sein junges Herz, hinterließen nicht viel Menschlichkeit, die systematisch und bösartig in Form gebracht worden war. - Und so wiederholte Belisarius nur das, was ihm vorgegeben war, im Glauben, frei zu handeln. Niemand war wirklich frei und in seinem Herzen wusste er längst, dass er niemals frei sein konnte. Kreise innerhalb von Kreisen zogen sich im Nebel seines Verstandes, wie ein Rad in einem Rad, wollten als Uhrwerk funktionieren und doch blieb alles nur ruckartig und wenig geschmeidig. Die Maschine, die er war, sprang langsam an, wurde immer beständiger und fand jene Eigenschaft wieder, die ihn zu jener Kraft machte, die handeln konnte; egal, welche Aufgabe gestellt wurde. Seine Augen verloren ihr menschliches Angesicht, fanden jene Kälte wieder, wie ein Sommer, der sich schnell aufgegeben hatte. Doch ein Fragment verlieb in der Atmosphäre, im Moment und in der Zeit, was nicht verlustig ging. Dieser Augenblick zwischen beiden war wahr gewesen und dies war mehr Gnade, als er mit Sicherheit verdiente.

"Das ist gut," antwortete er mit sachlicher Stimme, fand sich selbst wieder in seiner Aufgabe, agierte wieder als der Teufel, der er nun einmal war. Dies war seine Hölle, dies war sein Leben und keinerlei Bedeutung lag hinter den Schatten. Er war hier und handelte. Das Fragment blieb und war jetzt halbvergessene Erinnerung, die ihn heimsuchen würde, wie all die Schuld, die ihm immer folgte. Belisarius war immer schuldig, da ihm nichts mehr lag, als die Macht zu erringen, seine Zeit zu kontrollieren. Elithea wollte sich persönlich kümmern. Sie machte sich gemein mit seiner Aufgabe, diente sich an und verwandelte sich in ein geeignetes Werkzeug, wie so viele vor ihr und doch war sie anders. Ihm tat es leid, dass er sie benutzen konnte und er sie benutzen würde. Belisarius blickte ihr sanftmütig hinterher, als sie die Treppen hinaufstieg. Dorthin, wohin er noch nicht gegangen war. Sie tat das, was er tun musste. Die Prinzessin trat vor ihre Familie und führte die Befehle aus, die er geben wollte. Der Kriegsherr blieb zurück, verweilte in der Halle, fühlte sich entrissen einsam, da ihm ihr Angesicht fehlte, ihr Gespräch und diese Menschlichkeit, die er nun gewissenhaft verloren glaubte. Dieses verdammte Fragment einer Erinnerung, welches spürbar verweilte. Die Hölle war ein Ort an dem man sicher war, bis man in ihr verbrannte. Seine Rüstung wog immer schwerer, immer mehr war es sein wahre Gestalt, die er nicht mehr verbergen konnte. Ein Hund des Krieges war er, der sein blutiges Tatwerk begierte, um sich selbst zu entkommen. Doch er wollte es nicht mehr sein. Er wollte mehr sein als das und so war die ersten Minuten in dieser Halle allein mit seinen Soldaten fremd für ihn. Elithea hatte es für ihn fremd gemacht. Ihre wenigen Worte, ihre wenigen Fragen, ihr Angesicht und diese Aura hinterließen eine Leere, die Belisarius nicht geeignet füllen konnte. Es gelang ihm einfach nicht mehr. Keinerlei Lebenslüge, kein Selbstbetrug, war hier gut geeignet und passend. Belisarius irrte also Schritt um Schritt in der Halle auf und ab, als sie ihm entzogen war, um sein Tatwerk zu begehen. Elithea verrichtete seine Arbeit, richtete ihre Familie auf die Mission aus, und ließ nicht zu, dass er seinen Platz darin fand. So zog er nun selbst sichtbare Kreise innerhalb von Kreisen, übertrug diese Unruhe, die sein Geist gebar, auf seine Umwelt. Seine Soldaten verweilten ruhig und gut gedrillt auf ihren Posten. Sie gaben ihm keine Aufmerksamkeit, keinerlei Regung, die über bloße Funktion hinausging. Belisarius legte so viel Wert darauf, dass alles sichtbar funktionierte, Menschen ihren Platz fanden und doch war genau diese Funktion so seltsam leer, da sie ihm keinen Ort bot, die ihn als Mensch annahm. Er musste mehr Teufel, Kriegsherr und Heermeister sein, so riss er sich zusammen, was ihm Mühe kostete. Abrupt beendete er seine gegangenen Kreise, atmete tief durch und wartete schließlich geduldig auf die Familie, deren Schutz seine Mission war. Dies natürlich in Abstufungen. Der Prinz hatte oberste Priorität und doch hatte sich Elithea insgeheim als wirkliche oberste Priorität etabliert. Belisarius würde beides verknüpfen müssen, da er Elithea nicht mal mehr als Nebenmission sah, sondern als Teil seiner Pläne innerhalb von Plänen.

Die Familie trat, wie befohlen gestaltet, auf. Belisarius nickte zufrieden, als Elithea die Ihrigen präsentierte. Wissend suchten seine Augen nach Fehlern in der Aufmachung und Darbietung der Familie, fanden sie folglich auch. Die Mutter hatte ihre Stolz nicht verloren und ihre Haltung war nicht gebrochen durch Arbeit, der Prinz versuchte seine Gestalt zu wahren aber auch er hatte jene Aristokratie im Blick, die nicht wirklich zur Erscheinung passte und die ältere Schwester war ihr Unmut ins Geschicht geschrieben. Halt, was war das dort. War dort eine leichte Rötung zu sehen? Die Schwester hatte wohl eine Ohrfeige erhalten. - Aber war hatte dies getan? Es blieb nicht viel Auswahl, so dass er annahm, dass es zu einem Konflikt zwischen Elithea und ihr gekommen war. Diesen Konflikt hatte Elithea wohl derartig beendet, da sie keinerlei Verwundungen zeigte. Erstaunlich war es in der Tat. Belisarius hatte nicht angenommen, dass die junge Prinzessin so schnell lernen würde und ihre eigene Person derartig verriet, indem sie zu dieser Form der Lösung griff. Scheinbar hatte er bereits mehr bewirkt, als er bisher angenommen hatte. Elithea erweckte noch mehr Interesse, da sie nicht nur brauchbar war, sondern einzigartig. Ein bisschen schuldig glaubte er sich daran, da seine Worte der Dringlichkeit und Notwendigkeiten, ihr sicherlich die Grundlage gegeben hatten, schnell handeln zu wollen. Notwendigkeit war immer eine gute und geeignete Ausreden von Despoten, vor allem gegen das eigene Gewissen. Belisarius schmunzelte salzig, während er vor die Familie trat. Ja, Elithea machte als einzige den Eindruck, wirklich verstanden zu haben. Ihre Erscheinung, ihre Transformiation, fügte sich gut ein aber auch ihr stand noch ihre sensible Klugheit in den Augen, die nicht ganz zur desolaten Erscheinung passte. So seufzte er leise, kratzte sich am Kinn und trat die Familie, wie eine militärische Formation ab. "Damit können wir ein wenig arbeiten," sagte er, ohne sich weiter vorzustellen, zu erklären oder sonstig eine höfliche Bemühung zu signalisieren. Sie waren nun Figuren im Spiel und vielleicht auch ein wenig, wie seine Soldaten. Sie mussten lernen, Anweisungen zu folgen, sich zu fügen und die Mission exakt so auszuführen, wie sie geplant war. Ihr Überleben hing genau davon ab.

"Es wird auf einige Entfernung ausreichend sein aber sobald euch jemand ins Gesicht blickt, wird man möglicherweise erkennen, was er ihr in Wahrheit seid. Doch ihr müsst verinnerlichen, dass euer Überleben davon abhängt, wie glaubhaft eure Charade ist. Ab sofort bis King's Portal seid ihr alle Dienerschaft, geboren in Armut und ohne jede Ausbildung. Ihr könnt nicht lesen oder schreiben, sondern ihr dient seit eurer Geburt immer als niedere Dienerschaft. Schmutz und Schlamm sind euch vertraut. Sucht euch passende Lebensgeschichten zu eurer Erscheinung und übt diese in Gedanken ein, damit ihr bei einer Kontrolle stets nur das von euch gebt, was zu diesem Leben passt," erklärte er und ging dabei immer wieder auf und ab. "Für die Frauen sind Waschweiber passend und für den Jungen Müllträger und Abortendiener. Scheiße und Schmutz passt doch ganz gut," fügte er noch an aber ließ keinen Zweifel daran, dass er dies wirklich so meinte. "... das ist so einfach und auch so stinkig, dass es keinen interessieren wird." Belisarius schmunzelte dann doch, ein wenig böse und räusperte sich dann, als er vor Elithea stehen blieb, die ihre Arbeit sehr gut gemacht hatte. Er klopfte ihr vorsichtig und sehr behutsam auf die Schulter. "Gute Arbeit," bestätigte er dies, bevor er sich umwandte. "Der Ochsenkarren hier vorne ist für Prinzessin Elithea und Prinz Endymion bestimmt. Die Lady Trakas und Prinzessin Larissa werden durch zwei Soldaten zu Fuß aus der Stadt gebracht. Wir treffen bei einem Gasthaus auf halber Strecke wieder zusammen," komplettierte er die Erklärungen zur Mission.

"Die baldigen Waschweiber werden Wäschesäcke auf ihrem Rücken tragen und die Abortendienerschaft wird Dung, Scheiße und Mist auf den Karren transportieren, der schön stinken wird, damit uns ja niemand anhält." Mit einem Fingerzeig deutete er auf große Wäschebündel, dicht zusammengeschnürt, welche neben der Treppe lagen. Während er seine Kreise gezogen hatte, hatte sein Leutnant die eigentlich geheimen Befehle ausgeführt und alles vorbereitet. Die Mission war ja schon lange voraus geplant worden und Belisarius überließ nichts dem Zufall. "Die Bündel werden die beiden Damen tragen, die begleitenden Soldaten werden Obstkisten auf dem Rücken tragen. Unweit der Stadtmauer an einem Bach wartet auf euch auch ein Ochsenkarren." Belisarius nahm den Arm zurück und lächelte dann Elithea zu. "Wir müssen nur den Gestank ertragen und reisen ab hier mit dem Karren. Ich begleite euch," sagte er und nickte ihr fürsorglich zu. "Wir reisen getrennt, damit wir die Entdeckungsmöglichkeiten verringern," meinte er und begann dann seine Rüstung abzulegen, wobei ihm alsbald ein Soldat half. Sofern die Familie protestieren sollte, würde er diesen Protest nicht zulassen. Er ging davon aus, dass Elithea als Verbündete auf seiner Seite war. Er sprach leise zu ihr: "Achtet darauf, dass ihr wisst, was ihr zurücklässt, denn es wiegt oft schwerer, als das, was man mitnimmt," gab er ihr einen Ratschlag, den er von Herzen meinte.

So brachen sie auf. Seinen Soldaten hatte er noch letzte Befehle gegeben, wie mit den Wertsachen der Familie zu verfahren war und wie man diese als Geleit mitsamt den Pferden geleiten sollte. Der teure Tross war der Köder, so dachte er sich, und hatte explizit auf große Banner verwiesen, die die Reiter tragen sollten. Die Waren und Güter, jenes Gepäck, würden in einem angemessenen Reisewagen reisen unter einem glänzenden Gardegeleit. In Wahrheit würde die eigentliche Familie nicht so glamourös reisen.

[...] (Fortsetzung)
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