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VIncere out mori
11.10.1016 - 22:00
Palast der Castellanos, Augustos Königsgemächer
Zephyr Athanas Augusto Castellanos

one decree at a time
*Zephyr Athanas
Alter 37
Beruf Fürst | Hand des Königs
Wohnort Bardon Pass
Stand Verheiratet
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#1
Conquer or Die

Der Tagesablauf der Hand des Großkönigs war klar strukturiert, mit wenigen Unterbrechungen, die Zephyr überhaupt noch überrascht aufschauen ließen. Während er durch die breiten Korridore lief und mit erhobenem Kopf die Treppen zu dem privaten Flügel der Königsfamilie erklomm, war er in Gedanken bereits an den nächsten Tag, seine Routine, das Ratstreffen und den obligatorischen Besuch im Heerlager. Es war zum Alltag geworden, dass er nur noch genauso viel schlief wie nötig und ein Häkchen nach dem anderen setzte, wobei sogar der Briefwechsel mit seiner Frau mittlerweile mit Politik durchtränkt war. Dass er seine kostbare Zeit auch für Augusto opfern musste, kam ihm dabei zunehmend wie eine Verschwendung vor.
Lange schon trug der Großkönig nicht mehr das Zepter in der Hand, doch fragen konnte man sich, ob er sich dessen überhaupt bewusst war. Zuzuschreiben hatte er das natürlich allein sich selbst; er konnte froh sein, dass er einen Cousin hatte, der ihm den Rücken frei hielt und ihm die schwierigen Entscheidungen abnahm. Ein Großkönig ließ sich seine Zurechnungsfähigkeit nicht vom Wein stehlen, oder von einem jungen Frühlingskönig provozieren und unrealistische Rachepläne schmieden, die weder Hand noch Fuß hatten. Jahr für Jahr war Zephyrs Respekt für Augusto gesunken, während er sich hinter ihm duckte, die Scherben der weggeworfenen Weingläser aufklaubte und sie in seinen eigenen Gemächern wieder zusammen klaubte. Leider befreite ihn das nicht von der Pflicht, ihm dennoch regelmäßig einen Besuch abzustatten und sich das obligatorische Ja abzuholen, das er hin und wieder ein wenig frei interpretierte. So trat die Königsgarde auch jetzt für ihn zur Seite, nachdem man ihn seinem Cousin angekündigt hatte.
Zephyrs Blick legte sich sofort auf die Gestalt, die inmitten des protzigen Raumes auf einem breiten, extra breiten Triclinicum lag. Er würdigte auch die große Weinkaraffe mit einem Blick, ehe er sich eine Faust aufs Herz legte und eine respektvolle Verbeugung andeutete. “Eure Majestät”, begrüßte er Augusto seinem Stand entsprechend und wartete auf die formale Aufforderung, sich zu setzen - was er gedachte, direkt gegenüber von Augusto zu tun. Man schenkte ihm ein Glas ein und er griff danach, trank aber nicht daraus. “Ich komme, um von dem Aufbau der Verteidigungsanlagen in Bardon Pass zu berichten.” In der Tat saß er bis zu einer Stunde noch auf seinem Pferd, auf dem Weg zurück zur Hauptstadt. Zephyr hatte nunmal keine Zeit für Pausen, und ehrlich gesagt wollte er dieses Gespräch auch nicht länger als nötig aufschieben.
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Land des Königs
*Augusto Castellanos
Land des Königs
Alter 56
Beruf Großkönig von Arcandas, König von Castandor
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User
#2
Heute war ein seltsamer Tag. Ein wahrlich seltsamer Tag, denn es war etwas ganz seltsames geschehen. Also zumindest für Augusto war es seltsam. Etwas, das ihn seit der Früh beschäftigte und in seinen Gedanken eigentlich nicht mehr loslassen wollte. Jeder Schritt, jeder Atemzug, jeder Sinn war heute seltsam, anders konnte man es nicht ausdrücken und der Großkönig war von dieser Seltsamkeit derart überrascht, gar betroffen, dass er schon andachte, den Leibarzt zu holen, oder vielleicht auch den Hofastrologen, irgendwen jedenfalls, der ihm diese Seltsamkeit erklären konnte. Was so seltsam war in seinen Augen, dass es ihn ganz und gar aus der schnöden Bahn des geläufigen Alltags werfen konnte?

Er hatte keinen Durst.

War das nicht wahrlich seltsam? Er hatte heute einfach keine Lust auf Wein. Also schon, irgendwie, ein wenig, aber irgendwie schmeckte es ihm heute nicht so wie die Tage, Wochen, Jahre zuvor. Hatte es ihm vielleicht schon lange nicht mehr wirklich geschmeckt und er hatte einfach aus Gewohnheit getrunken? Unfug. Blödsinn. Absurd. Das war sicher nur eine Laune, eine Bagatelle, morgen wäre schon wieder alles beim Alten und der Weinkrug sein liebster Freund. Denn ehrlich, wen konnte er denn sonst als Freund bezeichnen, der ihn nicht gleichsam speichelleckerisch umgeiferte oder hinterrücks verriet oder einfach nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht war. Schwierig, das mochten andere vielleicht nicht glauben, aber es war schwierig und einsam auf dem Thron.

Schon seit Stunden war er hier in seinem Arbeitszimmer, hatte sogar einiges gearbeitet, nein, wahrlich und ehrlich, man mochte es vielleicht gar nicht glauben. Aber während nun die Weinkaraffe etwas Staub angesetzt hatte, wirkte der Schreibtisch für seine Verhältnisse erstaunlich aufgeräumt. Also bei Leibe nicht ordentlich oder übersichtlich, aber einfach nicht ganz so chaotisch wie sonst. Man merkte einfach, dass etwas bewegt wurde. Aber so voll wie eben jener Schreibtisch war, so leer war der goldene Becher auf dem Tischchen neben der Weinkaraffe vor Augustos Kline. Und während Augusto immer noch über jenen seltsamen Zustand des Undurstes sinnierte, stampfte seine liebe Verwandtschaft herein. Zephyr hatte einfach ein Gespür für den richtigen Zeitpunkt, nicht wahr? Allerdings war in Zeiten wie diesen eigentlich nie ein Zeitpunkt richtig, für nix.

"Zepyhr. Setz dich, setz dich." klang die Stimme des Großkönigs ungewohnt klar und wenig verschliffen. Augusto rutschte ein wenig auf der Kline herum um eine bessere, aktivere Sitzposition zu finden. "Stimmt, stimmt" murmelte Augusto während er versuchte seine Gedanken zu ordnen und sich auf das Thema zu konzentrieren. Vielleicht doch ein Schluck Wein? "Also, erzähl mir. Wie geht's voran? Was gibt es Neues von der Grenze? Was tut der Stafford-Arsch?"
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*Zephyr Athanas
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Beruf Fürst | Hand des Königs
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#3
Zephyr war natürlich nicht dumm. Er hatte genug Zeit mit seinem Cousin verbracht, um aus ihm zu lesen wie ein Buch — etwas, das zum Leidwesen von dessen Familie eine Beigabe seiner Unberechenbarkeit war. Wenn also die Stile anders stand, dann hatte Augusto vermutlich den Einfall gehabt, seine Räumlichkeiten anders zu gestalten, und wenn sein Schreibtisch aufgeräumter war, dann war das einer seiner nützlicheren Momente. Aber wenn sein Weinkelch unangetastet vor ihm stand… Die Tatsache war eines Blickes wert, nicht zu lang, ehe Zephyr sich setzte und selbst seinen Kelch gereicht bekam.
Der Stafford-Arsch war eine Bemerkung, die ihn keine Miene verziehen ließ. Nüchtern nahm er sie an und sortierte die Worte, die er sich zuvor bereits zurecht gelegt hatte. „Keine Veränderung an der Grenze. Charles Stafford lässt die Wägen der Händler stärker kontrollieren, seit der schwarze Schauer sich ausgebreitet hat.“ Hätte er Belisarius vor sich, hätte ein Grinsen seine Gehässigkeit wohl verraten, aber natürlich hatte er Augusto nicht erzählt, dass er eine Handvoll Matariyyaner absichtlich in den Karten über die Grenzen geschickt hatte. Solche Kleinigkeiten musste sein Cousin nicht wissen. Im besten Fall hätte er sich diesen Schachzug selbst angerechnet und im schlimmsten Fall hätte er den Plan sabotiert, weil er die Männer noch anderswo brauchte. Straßenratten, die untrainiert und krank sowieso nur für die Frontlinien des Krieges gut waren. „Das Aufbauen der Verteidigungsanlagen in Bardon Pass ist hingegen fast vollständig abgeschlossen. Ihr hattet recht, die Weinbauer ließen sich durch die Flugblätter effektiv rekrutieren und teilen sich nun die Überwachung des Passes. Es war die richtige Entscheidung, ein paar Stadtplaner und Steinmetze mitzunehmen“, hob sich seine Stimme etwas, um den eintönigen Trott neutraler Berichterstattung zu unterbrechen, auch wenn er — wie sein Cousin es so elegant ausdrückte — wohl immer diesen ‚Stock im Arsch‘ haben würde. Wenn er nur wüsste, aber er hatte ja nichtmal eine Ahnung, dass die Idee der Flugblätter ursprünglich von Belisarius stammte.
„Und unsere Streitmacht wird immer stärker. Nach der Verzögerung durch die Krankheit konnten wir endlich eine Struktur in die matariyyanischen Truppen bringen. Ich kann mit Zuversicht berichten, dass es unter ihnen sogar einige… Überraschungen gibt.“ Zephyr rieb sich mit der freien Hand seinen linken Oberschenkel, der vom langen Reiten etwas mitgenommen war. Er hatte den Inselbewohnern ja anfangs wirklich wenig zugetraut, aber das bewies doch wieder mal, wie viel eine gute strategische Leitung ausmachte, nicht? „Wie geht es Eurem Sohn Orpheus?“, stellte er schließlich die Frage, die ihn schon seit ein paar Tagen beschäftigte. Obwohl Zephyr mittlerweile wusste, dass der schwarze Schauer nicht tödlich war, musste er seine Sorge doch anerkennen. Er selbst wusste schließlich am besten, wie es sich anfühlte, Wochen ans Bett gefesselt zu sein.
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Land des Königs
*Augusto Castellanos
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Alter 56
Beruf Großkönig von Arcandas, König von Castandor
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User
#4
Herrgott, warum Zepyhr auch immer so ernst sein musste. Natürlich war es schwierig ein Land zu regieren, das musste man Augusto nicht erst erklären. Bevor es ihm zu blöd geworden war, hatte er es lang genug gemacht, viele viele Jahre länger als Zephyr. Und doch tat der Athanas so, als länge das Schicksal der ganzen Welt auf seinen Schultern, ohne dabei die Vorteile und Vorzüge zu erkennen. Andererseits, vielleicht war es auch besser so, dann merkte der Jungspund wenigstens, dass Regieren keine einfache Sache war, die einem einfach so von der Hand ging. Dann hatte er vielleicht ein Gefühl dafür, dass die Last der Entscheidungen und Konsequenzen einem irgendwann einfach aus dem Halse hängt. So wie Augusto. Kein Wunder, dass der Wein oftmals und immer öfters die schönere Alternative geworden war. Dennoch, Augusto konnte nur die Augenrollen bei Zaphyrs steifem Auftreten. Charmebolzen war der keiner. Und würde es wohl auch nicht mehr werden. Egal, wenigstens erledigte er Dinge. Und Charme war nicht immer von Vorteil. Besser, er versprühte Furcht und Respekt als Zuneigung und Freundlichkeit. "Haha!" lachte Augusto ein tiefes, bauchiges Lachen als er sich fast schon kindlich erfreut die Hände rieb. Wie, warum, wieso, war ihm eigentlich recht sehr viel egal, aber dass die Seuche, die Castandor in Atem gehalten hatte auch in Walleydor nun ihr Unwesen treiben würde, war ihm eigentlich wirklich nur recht. Und das hämische Grinsen von Zephyr zeigte dem Großkönig, dass sein Cousin zumindest ein klein Bisschen Schadenfreude besaß. "Schade, dass sie nicht tödlich ist, das tät dem Frühlingsbubi recht geschehen." natürlich war Augusto kein Unhold was seine eigene Bevölkerung anging, aber hej, dem Verräter aus Walleydor wünschte er nur das Schlimmste an den Hals.

Über Bardon Pass ließ sich Augusto nur so nebenbei informieren. Er wusste ja, dass Zephyr seine eigene Stadt und ihre Umgebung mit größter Gewissenhaftigkeit verteidigen würde, keine Frage. Da brauchte es wohl wenig Überredungskunst dafür. "Na schau, hab ich doch auch noch hin und wieder eine gute Entscheidung noch in meinem Köpfchen" tippte sich Augusto mit seiner freien Hand gegen die Schläfe und richtete einen scharfen Blick an Zephyr. Augusto war vielleicht versoffen, aber nicht dumm und schon gar nicht blind oder unbewusst der Anmerkungen und Kommentare gegenüber, die über den Zustand des Großkönigs geflüstert wurden. Manche offener, manche hinter vorgehaltener Hand. Meist ließ er diese nicht an sich herankommen, sollten sie sich doch den Mund zerreißen über ihn. Worte waren vielleicht schmerzhaft, aber nicht tödlich. Da saß Augusto eindeutig noch am längeren Hebel. Mit seinen Henkern und Soldaten. "Wenn du noch etwas brauchst, sei es an Ressourcen oder Menschen, nimm dir. Ich will, dass die Grenze zu Walleydor furchteinflößend gut geschützt ist, hast du mich verstanden? Charles soll sich anscheissen." war Augustos Blick unerbittlich auf Zephyr gerichtet, mit einer Intensität, die man kaum von dem sonst so jovialen König kannte. "Allerdings dürfen wir Norsteading nicht vergessen. Charles war zumindest so klug sich den richtigen Verbündeten zu suchen und uns nun von zwei Seiten bedrängen zu können, wenn Ariald sich dazu hinreissen lässt auch einen eigenen Angriff starten zu wollen."

"Gut. Matariyya ist gerade unsere einzige Hilfe und was ich so höre, ist es auch im Sommerland nicht gerade entspannt was die Meinung zum Königshaus angeht. Solange wir also auf ihre Truppen angewiesen sind und diese sich in unserm Land befinden, ist es wichtig sie gut auszubilden und uns gewogen zu halten, gerade die Entscheidungsträger. Wir können uns nicht erlauben, dass sie abgezogen werden. Dann stehen wir alleine da, nachdem die verfickten Herbstländer lieber in ihren Wäldern seltsame Götter anbeten, als sich auf unsere Seite ziehen zu lassen." Unausgesprochen, aber Augusto war Zephyr gegenüber immer noch etwas ungewogen, nachdem dieser mit einer fast schon demütigenden Absage aus Farynn zurück gekehrt war. Ein Heiratsangebot de Großkönigs schlug man nicht so einfach aus. Aber da hatten wir es wieder. Zephyr war zwar ein guter Stratege, aber eben kein charismatischer Überredungskünstler, kein Marktschreier und Budenverkäufer, der seine Ware zum besten Vorteil anbieten konnte, sodass es keinen anderen Weg geben könnte, als ein erfolgreicher Ausgang des Geschäfts.

"Orpheus geht es wieder recht gut. Heofader sei Dank. Ich kann nur hoffen, dass er bald wieder auf den Beinen ist um bei Belisarius weiter in Ausbildung zu gehen. Stavros und er sollen endlich lernen zu kämpfen und nicht nur große Reden zu schwingen oder Gedichte zu schreiben. Das bringt in der jetzigen Situation nichts." jetzt war es Augusto wirklich nach einem Becher Wein. Allein der Gedanke an seine verkommene Brut trieben ihn wieder in den Alkohol. "Und dir lege ich neuerlich Leander ans Herz." meinte er mit eiserner Bestimmtheit. "Entweder der Junge lernt seine Verantwortung zu übernehmen, oder ich dreh ihm den Geldhahn ab. Mittlerweile muss er sich alle Hörner abgestoßen haben, die es gibt. Und wenn er meint sich mir weiterhin widersetzen zu müssen, wird er sehen, dass das keine gute Idee ist. Nicht jetzt. Nicht jemals." Eine Rebellion von Charles war das eine, aber ein rebellischer Sohn in den eigenen Reihen war etwas ganz ganz anderes. Und wenn sich das nicht alsbald ändern würde, hätte Augusto irgendwann keine andere Möglichkeit als ein Exempel zu statuieren.
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*Zephyr Athanas
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#5
Der grobe Sprachgebrauch des Königs ging Zephyr schon immer gegen den Strich, sah er doch selbst penibel davon ab, sich den Gossenwörtern zu bedienen. Es musste eine Nebenwirkung vom regelmäßigen Weingenuss sein, dachte er, und mittlerweile war es so mit Augustos ganzem Sein verschwommen, dass man eines nicht mehr vom anderen trennen konnte. Doch Zephyr ließ sich nichts anmerken, zu gut beherrschte er nämlich das höfische Spiel aus Masken und Scheinheiligkeit, zu lange hatte er mit seinem Cousin in einem Raum gesessen, um genau zu wissen, wann subtile Kritik angebracht war - und wann nicht. “Ich werde unsere Ressourcen passend verteilen”, nickte er auf die Erlaubnis des Königs, Männer für die Stärkung ihrer Grenzen zu verwenden; nicht, damit Charles sich einschiss, wie sein Cousin es so gewählt ausdrückte, sondern damit er hoffentlich keinem weiteren Gedanken folgte, weiter vorzudringen.
Auf die Grenzverteidigung gegen Norsteading wurde er nachdenklich. “Sollte Norsteading wirklich im Alleingang angreifen, dann würden für sie die Zwillingsstädte in Frage kommen.” Bedacht kratzte Zephyr sich an seinen Kinnstoppeln und starrte in das Weinglas in seiner Hand. “Ihre Flotte ist nicht stark genug, um uns in King’s Portal gefährlich zu werden. Meine Kontakte haben bisher keine Truppenbewegungen ausmachen können, aber es wäre gedankenlos, würden wir davon ausgehen, dass sie keine Strategie planen.” Dass die Stelhammer trunken vor Freude waren ob der Ankündigung des langersehnten Erben, das glaubte er nicht. Es sah dem alten König Ariald vielleicht ähnlich, keinen großen Schritt zu wagen und dem Zuwachs seiner Familie zu frönen, aber ganz Arcandas wusste, dass die Bevölkerung Norsteadings ebenso tödlich wie trinkfest sein konnte. Man musste ihnen nur Fressen unter die Nase halten - beispielsweise die rollenden Köpfe der Castellanos.

Zephyr schloss seine Augen für einen Moment und drückte mit Daumen und Zeigefinger gegen seinen Nasenrücken. Norsteading war ein Problem, das ihm Kopfschmerzen bereitete, weil sein Informationsnetz dort Löcher aufwies. Fremde im Schnee fielen auf, und was er von diesem Pack aus Wilden verstand, gingen sie so vertraut miteinander um, dass potentielle Spione schlecht Anschluss finden. Hoffnung versprach immerhin das Weibsbild von Belisarius…

Dass Zephyr nun auch noch Leandros aufgebürdet wurde, passte ihm überhaupt nicht in die Karten, aber wieder ließ er sich seinen Missmut nicht anmerken. Wenn sein König es von ihm verlangte, dann brachte es nichts, zu erwähnen, dass er sich an Leandros bereits die Zähne ausgebissen hatte - lieber gute Miene machen und ihn glauben lassen, sein Sohn ließe sich noch retten. “In unseren Kreisen wird Leandros nicht ernst genommen, außerhalb unserer Kreise hat er sich bereits Feinde gemacht.” Es war offensichtlich, dass er hier mitunter auf Leif Stelhammer anspielte, der keinen Hehl daraus machte, wie sehr er Leandros verabscheute; etwas, das scheinbar genauso auf Gegenseitigkeit beruhte. “Sogar die ben Sahid haben Euren zweiten Sohn dem ersten vorgezogen. Es bedarf sehr vielen Änderungen, gar einem Wunder, um sein Blatt noch zu wenden. Durch den Sieg in einer Schlacht - vielleicht.” Zephyr sprach das Wort vielleicht besonders betont aus, um der Unmöglichkeit mehr Gewicht zu verleihen. Denn bis dahin müsste sich Leandros als fähiger Kommandant beweisen. Fähiger Schwertkünstler. Diszipliniert, charismatisch, motivierend. Alles kleine Dinge, die im Großen Ganzen zur Unmöglichkeit beitrugen, wenn man Zephyr fragte.
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#6
Augusto hielt Zephyrs Blick eisern Stand, auch wenn - oder gerade weil - er dessen immerwährenden Tadel darin einfach nur lächerlich fand. Eigentlich fand er in Momenten wie diesen einfach so vieles lächerlich. Allein, dass er nach so vielen Jahren, Jahrzehnten und Generationen sich nun wirklich auf einem wackligen Thron befand und dass noch dazu mit einem unfähigen Kronprinzen und einem verweichlichten Ersatzkandidat. Hätte Zephyr einen Sohn, könnte er ja aus Verwandschaftsgründen vielleicht ihn mit einer potenziellen Nachfolge enger an sich binden und seine Eidestreue festigen. Aber nein, dazu war der tugendhafte, stolze Zephyr ja nicht fähig. Es würde ihm nicht schlecht stehen, ein wenig von seinem hohen Ross hinunter zu steigen und aufzuhören, Augustos Familie mit Nasenrümpfen zu betrachten, sondern auch mal auf seine eigenen Misserfolge in diesem Bereich zu achten. Soweit Augusto wusste, konnte Zepyhr nicht mal einen Bastard sein eigenen nennen. Wäre er kein Ritter, könnte er fast als Mönch durchgehen.

"Es mag ein Vorteil sein, dass wir keine Stadt direkt an der winterländischen Grenze haben, der das gleiche Schicksal blühen könnte wie Eastergold Meadows. Aber es scheint mir fast, dass das auch ein Nachteil sein kann. Die Leere zwischen dem Gebirge und Wolfsmark kann schnell mit winterländischen Soldaten gefüllt werden und ob wir das rechtzeitig bemerken, bleibt fraglich. Vielleicht sollten wir einmal überlegen, die Flüchtlinge aus Eastergold Meadow dort anzusiedeln. Ich bezweifle nämlich, dass die Barbaren sich nur auf ihre Schiffe verlassen, um anzugreifen." Energisch erhob sich Augusto aus seinem Sitz und nahm einige stramme Schritte zu einer großen Karte, die an einer Wand hing. eifrig flogen seine Blicke über die eingezeichneten Straßen, Wege, Städte, Gebirge, Wälder, Flüsse, Buchten und anderen Landschaftseigenheiten. "Die Hauptstadt liegt vollkommen falsch" murmelte er eine Tatsache, die ihm schon seit langer Zeit aufgefallen war. Sein Finger fuhren über das grobe Leder der Karte, die ob ihrer Jahre schon ein paar Risse und Brüche aufwies, egal wie oft man darüber malte und neues einzeichnete. "Es macht eigentlich keinen Sinn die Soldaten hier zu lagern. Man hat doch gesehen, wie lange es dauert, bis sie dann endlich marschfertig sind. Für einen neuerlichen Angriff, egal aus welcher Ecke, sind die Wege viel zu lang." Und die Südlanden würden sie wohl nicht angreifen.

"Wir werden die Hauptstadt verlegen." drehte er sich mit einer seltenen Selbstsicherheit zu Zephyr um.
"Und schau mich nicht so an, als wäre das unmöglich." winkte er die aufkeimenden Fragen seines Verwandten ab. "Lass uns zuerst einmal die Vorteile andenken und dann können wir uns über die Problematiken den Kopf zerbrechen. Also, wenn wir unsere Kriegszentrale zum Beispiel in Bardon Pass etablieren, ersparen wir uns mindestens 4 Tage an Marschzeit für die Soldaten. Wir wären viel zentraler in unseren Angriffen, egal ob Richtung Walleydor oder Norsteading, oder - Heofader bewahre - wenn uns Farynn über das Spitzel anzugreifen gedenkt. Außerdem würde das ein deutliches Zeichen senden, dass wir Eastergold Meadow nicht vergessen und uns die Grenze zurückerobern wollen. Du kannst dich entscheiden, ob wir hier an der Dreierkreuzung nahe des Waldes ein neues Lager errichten, oder weiter westlich an der Kreuzung nach Norsteading. Meinen Vorzug hat hier die Kreuzung näher an Bardon Pass, hier gibt es genug Baumaterial und dennoch freie Fläche, die Versorgung über Bardon Pass wäre gegeben und der Weg in beide Richtungen ausgewogen. Außerdem ist das Land dort fruchtbarer als hier und noch genug verfügbar für willige Hände, die sich etwas neues aufbauen wollen. Allerdings wäre es durchaus auch eine Idee, wenn wir hier an der Kreuzung nach Norsteading eine Stadt aus dem Boden stampfen und daraus gleich ein kleines Fürstentum hinter den Bergen machen. Das gäbe eine gute Möglichkeit eine treue Familie zu ehren und ihren Eifer in unserer Sache zu schüren oder den Trakas eine neue Chance und Heimat zu geben." Die Idee gefiel Augusto immer mehr und erweckte einen Tatendrang, der ihn schon lang nicht mehr innegewohnt hatte.

Allerdings war das Thema um die verdorbene Nachfolgerbrut ein gehöriger Dämpfer. "Einen Sieg in einer Schlacht?" Augusto lachte beherzt und kehlig auf. "Da kann ich ihn gleich selbst umbringen." Eigentlich auch keine blöde Idee, gäbe es denn eine Alternative. Stavros... aber der war auch mehr ein verkopfter Forscher, als wirklich ein diplomatischer Politiker. "Wenn ich nur mehr Söhne hätte...." obwohl, vielleicht wäre es allmählich keine schlechte Idee seinen Bastard stärker in die Familie einzubinden. Orest war zumindest loyal, fleißig, als Teil der Palastwache mit dem Schwert vertraut und zudem ehrgeizig daran, sich zu beweisen. "Leandros wird seine Pflicht nachkommen, ob er will oder nicht. Schreibt ihn in der Palastwache ein. Er soll sein Training dort beginnen und sich deren Alltag unterwerfen. Ab nun lebt er in der Kaserne, ohne Ausgang, kein Alkohol, keine Spiele, kein Vergnügen, keine verlockenden Mägde in seiner Nähe, kein Prunk, keine Feste. Ihm werden alle Privilegien gestrichen, wenn er sie zurück haben will, dann muss er sie sich verdienen. Er soll mir zeigen, dass er sein Geburtsrecht auch rechtmäßig einsetzen kann. Er soll bestraft werden wie jeder andere auch, keine Sonderbehandlung, keine Ausnahmen. Zudem wird sein Unterricht in all den notwendigen Bereichen wie Geschichte, Diplomatie, Politik, Strategie und so weiter aufgefrischt." Schluß mit lustig. "Bring ihn zu mir, ich werde ihm das selbst beibringen. Und auch, was ihm blüht, wenn er sich widersetzt." Für Orpheus würde er sich auch noch etwas einfallen lassen.
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#7
Das Gespräch machte Zephyr müde. Er hatte einen langen Tag hinter sich, war den ganzen Weg von Bardon Pass geritten, und sein Kopf war voll von Strukturen und Plänen, die er nach diesem obligatorischen Treffen angehen würde. Obligatorisch? So, wie sein Cousin Redebedarf hatte, war das Gespräch leider alles andere als obligatorisch, wie dessen Hand gehofft hatte. Hätte er das gewusst, hätte er sich darauf vorbereitet, zumindest mental gestählt für die Ideen, die er sich nun auf der Zunge zergehen lassen musste. Den Kopf konnte er natürlich nicht einfach schütteln, auch wenn er es gerne wollte. Vor Augusto bewahrte er stets die Farce, dass er nur unterstützte, ihm nur unter die Arme griff, und vielleicht entsprach das heute nicht mal einer Lüge.
“Es sind hauptsächlich Frauen und Kinder, die geflüchtet sind. Kaum kampferfahrene Männer, die etwas gegen Norsteadings Krieger ausrichten könnten, sollte es zu besagtem Szenario kommen”, räumte er ein, in seinem Ton aber keine Endgültigkeit, kein Zerschmettern von Augustos Überlegung. Er wusste, wie er seinen Cousin besänftigte, und das nicht, indem er ihm vorschrieb, was sie tun sollten und was nicht. “Sie würden vermutlich einfach überrollt werden, ohne uns viel Nutzen zu bringen.” Dann wiederum konnte er nicht leugnen, dass es verlockend war, die Flüchtlinge umzusiedeln. Es sollte ein weiterer Gedanke sein, den er auf seine Liste mit aufnahm.

Wäre es nur bei diesem Vorschlag geblieben, doch Augustos nächste Überlegung haute Zephyr tatsächlich fast vom Hocker. Eben noch die Augen geschlossen und seine Nasenbrücke massiert, war es ein Wunder, dass ihm seine Gesichtszüge nicht entgleisten. Die Hauptstadt umverlegen? Zephyrs Augen öffneten sich und starrten den Großkönig für einen Moment nur an, abwägend, ob er ihn doch für unzurechnungsfähig erklären sollte. Es war egal, wie er seinen EInfall erklärte, so selbstsicher und klar in seinen Worten, wie man ihn selten erlebt hatte; ein unmögliches, wahnwitziges Unterfangen blieb genau das. Unmöglich und wahnwitzig. Wenn er davon redete, die größte Stadt auf dem Festland einfach so umzusiedeln, mit allen Berufen, die an den Königshof und die Lage gebunden waren, dann hatte er vielleicht doch den Verstand verloren.
Aber das ließ sich Zephyr natürlich nicht anmerken. Seine Maske war unbewegt, abschätzend fast, ganz der Berater, den er mimte, um seinen Cousin zu besänftigen. Er legte seinen Kopf leicht schief, den Blick überlegend auf der Karte, während er sich die Worte durch den Kopf gehen ließ. “Die Felder bei Bardon Pass werden für unseren Weinbau und Landwirtschaft genutzt. Sollten wir umsiedeln, werden wir fruchtbaren Boden verlieren, denn hier wächst kaum etwas.” Er bezweifelte, dass die Fläche, wo ihre stolze Stadt stand, jemals wieder für Landwirtschaft genutzt werden konnte. Zu viele Füße und Wagen hatten den Boden platt getrampelt und unfruchtbar gemacht. Und was sollte aus dem Palast werden? Sollte man ihn den Bürgern zum Ausrauben überlassen? Die Kathedrale ließ sich auch nicht mal eben so verschieben…
Zephyr seufzte lautlos. “Lasst mich Rücksprache mit Belisarius halten. Es würde sich anbieten, unsere Heerkoordination auf Bardon Pass zu verlegen.” Dem stimmte er tatsächlich zu, auch wenn er jetzt noch keine klare Meinung fassen konnte. Was den Rest der Stadtplanung hingegen anging…

Da war Leandros fast ein angenehmer Themenwechsel, auch wenn es dem Fürsten gehörig gegen den Strich ging, für ihn verantwortlich zu sein. Er hatte ja sonst nichts zu tun, als den Erzieher für ein übergroßes Baby zu spielen. Dass Augusto jetzt auf einmal härter durchgreifen wollte, wunderte ihn, dann wiederum bekam er ihn auch selten nüchtern zu Gesicht. Vielleicht brachten die harten Maßnahmen ja wirklich etwas - Zephyr würde sich allerdings wundern. Nicht umsonst setzte er all seine Pferde bereits auf Orpheus. “Wie Ihr wünscht.”

Zephyr erhob sich bereits, sein Blick lag allerdings immer noch auf der Karte. Kurz überlegte er, ob er diese eine Information über Farynn mit seinem Cousin teilen sollte, jetzt, wo er schonmal nüchtern war. Dann wiederum hatte er noch keine Ergebnisse aufzuweisen. Wenn die Zeit gekommen war… Dann vielleicht. Stattdessen hob er seinen Blick wieder, gefasst wie immer. “Gibt es noch etwas, das Ihr besprechen möchtet?”
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