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Im Auge des Sturms

FACING
THE
STORM

Tritt ein in eine düstere Welt aus Macht, Verrat und alten Schwüren.

Thema

The Weight of What Awaits

Baumstrukturmodus
Szeneninformationen
Szeneneinstellung
feste Postreihenfolge
Datum
12. November 1016
Ort
Anwesen der Al-Mazhirs
Tageszeit
20:00
#1
Langsam war die Sonne über Dharan al-Bahr gesunken, hatte ihre Wärme mit sich genommen. Einzig und allein die Lehmwände der Häuser in den Straßen strahlten noch eine Erinnerung davon ab, sorgten dafür, dass die Menschen nicht froren, auch wenn so manchen ob der aufkommenden leichten Brise ein kalter Schauer über die mit perlendem Schweiß bedeckte Haut glitt. Die von der oft harten Arbeit im Freien gebräunten Gesichter nahmen einen entspannteren Ausdruck an, als der Abend Einzug hielt und mit ihm Ruhe einkehrte, sie sich eine Pause gönnen konnten, so sie nicht in den Schenken oder anderen bis spät in die Nacht geöffneten Etablissements ihr Tag- - oder in diesem Falle eher - Nachtwerk verrichteten. Hier und dort sah man Kinder lachend durch die Gassen huschen, aufgeschreckt von den Stimmen strenger Mütter und Großmütter, die sie zum Nachhausekommen ermahnten. Schließlich waren die Straßen Matariyyas kein Spielplatz nach Einbruch der Dunkelheit - zumindest nicht für so zarte Seelen, auch wenn manche von ihnen wahrscheinlich schon mehr dunkle Erinnerungen in sich trugen, als der Geist eines Adeligen hinter verschlossenen Palasttüren überhaupt vermochte aufzunehmen. Von einem der geöffneten Gasthäuser drang der Geruch von Curry, Zimt und gebratenem Hammel herüber, mischte sich mit der stickigen, von Sand geschwängerten Nachtluft und sorgte für ein Aroma, das der Stadt ganz eigen war. Eines, mit dem Samir aufgewachsen war, der nun vom Balkon seines Zimmers im Anwesen seiner Eltern aus das sich legende Treiben beobachtete.

Ein Schatten hatte sich über das Gesicht des 29-Jährigen gelegt, der nichts mit den schwindenden Strahlen des glühenden Himmelskörpers zu tun hatte. Die blauen Augen, die ebenso markant herausstachen wie die fast modelliert zu scheinenden Wangenknochen des Dunkelhaarigen, schweiften über die Stadt, die er sein zu Hause nannte und der er doch in jüngeren Jahren und vor allem in seinen frühen, 20 Sommern , viel zu oft fern gewesen war. Sein Vater hatte darauf bestanden, dass er Kontakte knüpfte, an seinem diplomatischen Geschick feilte und seinem Elternhaus somit Vorteile einbrachte. Etwas, das ihm ob der bevorstehenden Verantwortung, die auf seinen Schultern lasten würde, hoffentlich zugute kommen würde. 3 Tage noch und ihm würde ein Schicksal zuteil werden, von dem er nie zu hoffen gewagt hatte. Wie ein Fiebertraum kam ihm der Moment vor, als der Rat ihn zum Nachfolger für den Thron bestimmt hatte. Und doch war er Wirklichkeit. Samir hätte selbst daran gezweifelt, so er nicht im Moment tagtäglich durch diverse Vorbereitungen auf das bevorstehende Fest daran erinnert worden war. In den meisten Fällen dienten sie ihm als willkommene Ablenkung, die ihn davon abhielt in Nervosität und Panik zu verfallen. Doch jetzt, in den stillen Momenten, da das rege Treiben verstummte und einem leisen Summen der ruhigen Lebendigkeit Raum gab, da fühlte er, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Wie ein leises Zittern in seine vom Schweiß benetzten Hände einkehrte und die Gedanken in seinem Kopf begannen, Kreise zu drehen. Zweifel zu sähen.

Mit einem leisen Ruck stieß Samir sich vom Geländer des Balkons ab und trat durch die in der Nachtluft wehenden Vorhänge, die den Eingang zu seinen Gemächern verhüllten. Der Stoff fühlte sich beinahe schon warm auf seiner abgekühlten Haut an. Ein Gefühl, das er selten kannte, war er doch ein Sonnenkind das die Wärme liebte und sonst selten fror. Anders als jene, die so lange unter der Krone gelitten hatten. Deren Körper von den Strapazen ausgemergelt waren und um jedes Stück Brot, um sauberes Wasser und etwas zertretenes Obst auf den Böden kämpften. All das würde sich ändern, das hatte Samir sich felsenfest vorgenommen. Und doch. Da war diese leise Stimme in seinem Hinterkopf, hinterhältig, zischend und süßlich-strafend, die ihn fragte, wie er all das zu bewerkstelligen gedachte. Die seine Autorität hinterfragte. Ihn klein machte und verhöhnte. Der junge Mann schluckte, wischte sich die Handflächen an seinen Leinenhosen ab und trat an einen kleinen Tisch, auf dem kühler, gesüßter Wein auf ihn wartete. Daneben hatte man eine kleine Platte mit Oliven, getrockneten Tomaten und Käse platziert. Seiner Mutter war in den letzten Tagen wohl aufgefallen, dass ihr Sohn kaum einen Bissen herunterbrachte. Mit unruhigen Fingern griff er also nach der Karaffe und goss eines der Gläser zur Hälfte voll. Vorsorglich hatte man ein zweites bereitgestellt, denn es war ein unausgesprochenes Geheimnis, dass er seine Nächte im seltensten Fall alleine verbrachte. Und auch an diesem Abend hoffte er, dass er dies nicht müssen würde. Ihn jener Mann, der nicht nur seine Gedanken sondern vor allem auch sein Herz bestimmte, ihm nicht fern bleiben würde.

Bereits die ersten Tropfen des süßen, alkoholhaltigen Traubensaftes beruhigten Samirs Nerven merklich. Leise zwang er sich dazu, langsam und tief ein und aus zu atmen, um seinen rasenden Puls zu verlangsamen und der Panik keinen Raum zu geben, denn sofort drangen ihm wieder die Worte seines Vaters ins Gedächtnis. Das Volk brauchte einen starken König, zu dem es aufsehen konnte. Keinen Schwächling mit flatternden Nerven, der sich seiner Sache nicht sicher war. Aber das war er. Er wusste, woran es den Menschen fehlte - oder zumindest glaubte er es zu wissen. Wo sein Platz war und was er erreichen wollte. Und sollte er doch einmal schwanken, so hatte er Tariq an seiner Seite, der ihm den rechten Weg wies. Eine Stütze war. Sein Fels in der Brandung - aber gerade noch mit Abwesenheit glänzte. Das dem nicht mehr lange so sein würde war Samir sich sehr sicher, denn der Abend war noch jung und an seiner Seite zu sein, ihn zu unterstützen, nun einmal nicht die einzige Aufgabe seines Geliebten. Oh und wie er diesen Mann liebte. Ein leises Lächeln schob sich auf die Lippen des zukünftigen Königs, ehe er einen erneuten, kleinen Schluck nahm. Für ihn würde er die Welt aus den Angeln heben - oder veranlassen, dass es geschah.

Penis.
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#2
So unwirklich sich die Situation für Samir anfühlte, so real war sie für Tariq. Nichts war dem Zufall überlassen worden. Was für Samir wie ein Traum anmuten musste, war pure Realität. Absolutes Kalkül. Sie hatten ihn dort positioniert, wo sie ihn brauchten. Wo er glänzen würde. Sein Licht würde heller strahlen als die Sonne über Dharan al-Bahr und es würde hoffentlich niemals untergehen. Und wenn doch, dann würden sie die nächste Marionette auf den Thron setzen. Obwohl Tariq sich selbst nicht als Marionette sah. Eher war er der Puppenspieler, der die Fäden in seinen Händen hielt. Einige verzichtbare überließ er gerne auch Keeran. Sie waren beide Strippenzieher, Gegner, Mitspieler. Die Rollen vermischten sich in einem perfekten Tanz. Farben spielten ineinander, blieben getrennt und doch verbunden. Hell und dunkel weigerten sich, zu einer grauen Masse zu werden. Einheitsbrei gab es nicht in Dharan al-Bahr. Nicht, wenn es nach den beiden Männern ging, die sich ihren Weg machten.
Tariq hatte beobachtet, wie Samir auf dem Balkon gestanden hatte. Die immer schwarze Kleidung der rechten Hand des zukünftigen Königs hatten ihn mit der Finsternis verschmelzen lassen. Das rabenschwarze Haar, der dunkle Bart... all das machte Tariq zu einem Mann, der im Schatten ungesehen agieren konnte. Vielleicht mochte es aber auch daran liegen, dass man der Schlange nachsagte, dass sie die Dunkelheit im Herzen trug. Dann und wann brach sich die Finsternis Bahn. Und sie legte sich über alles, was ihm wichtig war. Fing ein, was zu flüchten gedachte. Und in absoluter Schwärze konnte nicht einmal das Licht Samirs strahlender Persönlichkeit nach außen dringen. Die Dunkelheit in Tariq würde ihn früher oder später vollständig verschlingen.

Als Samir wieder nach drinnen ging, verließ auch Tariq seine Position und setzte seinen Weg fort. Gemütlich. Nicht zu eilig. Er wollte ihn bewusst warten lassen, jeden kostbaren Moment ausnutzen, in denen Samir sich nicht sicher war, ob er doch noch kam. Wollte diese kleine Ungeduld in seinen Zügen sehen. Aber vermutlich hatte er ohnehin wieder süßen Wein vor sich stehen und bekämpfte die eigene Nervosität mit Alkohol. Bei dem Gedanken daran verzog Tariq das Gesicht. Er trank ausgesprochen selten. Er mochte es nicht, wenn der Alkohol seine Sinne benebelten. Aber sei es drum. Den ein oder anderen Kelch konnte er auch mit Samir zu sich nehmen, bevor er dessen wunderschönen Körper vor sich in die Laken warf.
Er freute sich bereits darauf, mit seinen Fingern all die kleinen Wölbungen seiner Muskeln zu ertasten. Seine Sinne zu betäuben, wie kein Wein dieser Welt es konnte. Wie er ihn zum Stöhnen brachte. Wie sich der schlanke Körper des zukünftigen Königs unter ihm wand. Er würde ihn betten lassen. Ein wenig. Und vielleicht erlaubte er ihm dann sogar etwas Erleichterung. Vielleicht. Denn Tariq schätzte es, dass diese kleinen Treffen unter der Bedingungen standen, dass er entschied, wie sie ausgingen. Er mochte die Kontrolle. Das Spiel. Die kleinen Aufmüpfigkeiten. Er war gerne der Stärkere. Und so banden sie es in ihr Spiel miteinander ein, ohne das Samir es jemals hinterfragt hätte. Er wog sich in Sicherheit. In Vertrauen. Und Tariq ließ ihn.
«Du weißt, was ich davon halte, wenn du trinkst», eröffnete er also einige Augenblicke später, als er die Räumlichkeiten des Freundes betrat. «Das betäubt nur deine Sinne und dann bekommst du am Ende gar nicht mit, was ich alles so mit dir mache.»
Er zog ihm den Becher aus den Händen und Samir stattdessen in einen innigen Kuss. Nicht grob, natürlich. Doch drängend. Forschend. Seine Zunge fand einen Weg in den Mund des anderen Mannes, seine Finger fuhren durch sein Haar, nachdem er den Kelch ohne hinzusehen abgestellt hatte.
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#3
Samir spürte ihn, bevor er ihn sah oder hörte. Es war dieses leise Kribbeln im Nacken, das eine Gänsehaut auslöste und den Al-Mazhir die Augen schließen ließ. Er wusste nicht, wann er diese Reaktion auf Tariq entwickelt hatte, aber der leise Takt, der sich zu Beginn bei der Anwesenheit des Älteren eingeschlichen hatte, hatte sich über die Monate hinweg zu einem leidenschaftlichen Staccato entwickelt, das beinahe schon Samirs Herzschlag vorgeben zu schien, sobald der Al-Fawahir sich auch nur in der Nähe befand. Ob dieser sich seiner Wirkung auf Samir bewusst war? Der 29 Jährige war sich beinahe sicher, dass dem so war.
Bei Tariqs Worten lief ein leiser Schauer über Samirs Rücken, einem eiskalten Tropfen Wasser gleich, der sich einen Weg über seine Haut bahnte und mit ihm regte sich das schlechte Gewissen. Ja, er wusste, dass sein Geliebter eine gewisse Aversion gegen den Genuss von Rauschmitteln hegte und er konnte auch nicht leugnen, dass er ob seiner nervlichen Lage in den letzten Tagen vielleicht etwas zu oft auf den süßen Traubenwein zurückgegriffen hatte. Nun war es aber nicht so, dass Samir zu jenen gehörte, die sich bis zur Besinnungslosigkeit betranken. Ein oder höchstens zwei Gläser genügten ihm, die er auch nie zu sich nahm, ohne vorher etwas gegessen zu haben oder genug Wasser dazu zu trinken, denn dass Trunkenheit fatale Folgen haben konnte, hatte er schon früh auf sehr bittere Art und Weise gelernt. Zwar war er - Dank sei wem auch immer - nur im Springbrunnen des familiären Anwesens nackt aufgewacht, aber die Schmach war dennoch groß genug gewesen, als ihn sein Vater ihn so aufgefunden hatte. Zwei Wochen lang hatte er kaum ein Wort mit ihm gesprochen und Samir hatte sich dem Spott seines Bruders hingeben müssen, der Enttäuschung seiner Mutter. Die Erinnerung an eben jene Gefühle war es jetzt, die ihn beinahe zusammenzucken ließ, die das schlechte Gewissen nur noch mehr schürte.

Ergeben senkte Samir also den Kopf und ließ zu, wie ihm die warmen Hände Tariqs den Kelch entzogen, den er vielleicht schon etwas zu fest umklammert gehalten hatte. Nur folgte darauf nicht die beinahe ängstlich erwartete Bestrafung in Form von Distanz, nein, ehe er auch nur in irgendeiner Weise reagieren hätte können spürte er den Mund des Älteren auf dem seinen, seine Zunge, die die seine zu einem Tanz einlud, dessen Schritte Samir nur zu gut kannte. Ein leises Seufzen drang durch seine geöffneten Lippen und er lehnte sich in die Berührung wie ein verdurstender an eine sprudelnde Quelle. In gewisser Weise war er das ja auch. Dürstend nach Zuneigung, Zuwendung und Liebe. All diese Dinge, die nur Tariq ihm auf diese befriedigende und erfüllende Art und Weise geben konnte. Eine Art und Weise, die ihn regelmäßig hinterfragen ließ, ob er jemals in seinem Leben wirklich glücklich gewesen war oder vielmehr immer schon ein leeres Gefäß, das darauf gewartet hatte, dass der Al-Fawahir es mit seiner Präsenz füllte. Beinahe schon einen Schritt zurückstolpernd legten sich Samirs Hände auf Tariqs Brust, krallten sich in den Stoff dessen Hemdes. Nicht genug. Nein. Es würde niemals genug sein. Er wollte seine warme Haut unter seinen Händen spüren und für einen Wimpernschlag - nein - wenn gar eine Nacht lang vergessen, welche Ereignisse wie ein Damoklesschwert über seinem Haupt zu hängen schienen. "Ich... lass es mich wieder gut machen..." Kurz nach Atem ringend löste er sich aus dem Kuss, nur um seinen Kopf danach etwas zu neigen und seine Lippen erneut Tariqs Körper suchen zu lassen, eine Spur auf dessen Mundwinkel zu hinterlassen ehe seine Zungenspitze sanft und beinahe entschuldigend die Konturen seines Mundes nachzogen.
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#4
Ob er sich der Wirkung auf den zukünftigen König bewusst war? Selbstverständlich. Tariq Al-Fawahir hatte in seinem Leben noch nie irgendwas dem Zufall überlassen. Aber wie nah er Samir gekommen war, war selbst für ihn überraschend. Den eigenen Vorlieben kam es zu Gute, sicher. Aber wenn er in diese dunklen Augen schaute, tiefblau wie die tiefste See, die Menschenaugen je selbst erblickt hatten... empfand er nichts. Nichts außer tiefer Zufriedenheit. Die Gewissheit, dass er einen Bann erschaffen hatte, den Samir nicht einfach brechen würde. Er sah in diese unschuldigen Augen und wusste, dass Samir ihm gehörte. Mit Haut und Haar. Alles, was er hatte. Seine Gefühle. Sein Besitz. Sein Einfluss. All das gehörte Tariq und er konnte es sich mit einem Fingerschnipsen nehmen. Genau wie er ihn nehmen konnte. Widerstand hatte er kaum zu erwarten.
«Ich muss dich kaum erinnern, wie die letzte Volltrunkenheit abgelaufen ist? Und wo sie endete? Du hast nun eine Außenwirkung, Samir. Und in einigen Tagen wird ganz Matariyya deinen Namen kennen. Man wird jeden Schritt, den du tust, ganz genau beobachten. Und du willst doch kein König sein, der seinem Volk Anlass gibt, an ihm zu zweifeln, hmh?»
Ein zufriedenes Lächeln umspielte seine Lippen, als Samir den Kopf senkte und sich somit ganz und gar in seine schützenden Hände begab. In seine Weisung, die ihm den Weg zeigte, den er zu gehen hatte. Samir hielt es für Romantik. Doch für Tariq waren es die Zügel, die er locker in der Hand halten konnte, während sein Reittier brav trainiert in die passende Richtung lief. Wenn man es nur weit genug an die heimischen Stallungen gewöhnt hatte, würden seine Instinkte es immer wieder zurück nach Hause führen. Die Heimat wirkte in diesem Fall wie der Richtstern am Himmel, den ein Navigator nutzte, um anhand der Gestirne zu bestimmen, welche Route man nehmen musste.
Der Kuss war intensiv. Er konnte die leichte Säure des Weines noch auf den Lippen des jüngeren Mannes schmecken. Er spürte die Sehnsucht. Wie sich Samirs Körper unter seinen Händen ihm entgegen bog. Wie sein Atem stockte. Und er genoss diese Macht.
Wenn er wollte, dann hatte er sogar Gewalt über das Leben seiner Liaison. Er hätte alles tun können. Und während Samir nach Luft rang und sich nur schwer von ihm lösen konnte, seine Hände sich in Tariqs Hemd krallten, blieb der Schwarzhaarige hoch aufgerichtet stehen. Nur seine Augen folgten den Bewegungen seines untertänigsten Dieners und ein fast schon wohlwollendes Lächeln zeichnete sich auf seine Lippen, während er ihm die Küsse erlaubte. Ihm zugestand, wie seine Lippen an seinem Körper entlang suchten.
«Knie dich hin.»
Der Befehl stand allein für sich. Seine Stimme war warm wie Honig in Tee, doch der Befehl war unmissverständlich und klar.
«Ich will, dass du die Augen schließt und den Kopf in den Nacken legst. Die Hände nimmst du auf den Rücken.»
Wenn er es wieder gut machen wollte, dann konnte Tariq sich auch ein wenig Spaß gönnen. Und wer hatte schon den Luxus, einen König vor sich knien zu lassen. Diese Macht hatte niemand auf der ganzen weiten Welt. Nur er hatte sie. Er war besonders. Er war es, der eigentlich Macht hatte. Und dieser Umstand stimmte ihn schon jetzt ausgesprochen zufrieden.
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#5
Tariqs Worte sorgten dafür, dass sich Samir für einen Moment die Kehle zuschnürte. Fast schon konnte er körperlich die Blicke der Menschen auf sich spüren, die bald schon auf ihm lasten würden, ihn bewerten und entscheiden würden, ob er ihrer würdig war oder nicht. Denn war er das wirklich? Er wusste es nicht. Das Einzige, dessen er sich sicher war, war die Tatsache, dass er sich beweisen musste, das Volk davon überzeugen, dass man zu ihm aufschauen, ihm folgen konnte. Beim Gedanken daran wurde Samir übel, doch er schluckte die bittere Galle, die sich einen Weg seinen Hals hinauf bahnen wollte, hinunter. "Ich wollte nicht..." Der Rest der Worte ging in einem Seufzen unter, denn dass eine Diskussion mit Tariq keinen Sinn machte, hatte er schon lange gelernt. Zumindest in Situationen wie diesen, in denen der Ältere definitiv die besseren Argumente vorzuweisen hatte. Ob es nun bei einem Glas Wein geblieben wäre oder ob er weitergetrunken hätte - es war einerlei, denn so wie sein Geliebter es bereits deutlich gemacht hatte, benebelte das alkoholische Getränk seine Sinne, auch wenn es zeitgleich die Nervosität und die Unruhe in ihm linderte. Er wollte sich auf keinen Fall etwas angewöhnen, aus dem man ihm später einen Strick drehen oder das dazu führen konnte, dass er an Ansehen in Gegenwart anderer verlor. Genau aus diesem Grund begab er sich so willentlich und mit Leidenschaft in Tariqs Hände. Es schien Samir fast, als könnte dieser die Bürde, die bereits drohend über ihm schwebte, in ihrer Schwere verringern, indem er die Führung übernahm, die Verantwortung. Eine Verantwortung, die Samir nicht gewohnt war zu tragen. Sein Leben lang war er nur der zweitgeborene Sohn gewesen, darauf trainiert hübsch auszusehen, aus Worten Gold zu spinnen und mit diesen goldenen Fäden andere um den Finger zu wickeln. In einem weit weniger verantwortungsschweren Terrain wie früher war ihm dies leicht von der Hand gegangen, nein, er hatte es sogar perfektioniert gehabt. Aber jetzt? Sein hübsches Gesicht würde ihn als König nicht weit bringen, wenn erste Anforderungen an ihn gestellt werden würden. Er war nicht mehr nur ein Kind reicher und einflussreicher Eltern, sondern bald das Oberhaupt eines Landes und das machte einen gewaltigen Unterschied.

Jeder weitere Gedanke daran war in Tariqs erfahrenen Händen, die ihm jedes Mal aufs neue so bekannt und doch wieder so neu vorkamen, wie weggewischt. Kurz weiteten sich seine Augen, ob des Befehls der über die zuvor noch geküssten Lippen kam. Ein Schaudern überlief ihn, ein Kribbeln unter seiner Haut, das zeitgleich seinen Puls beschleunigte. Dann schien sich ein Schalter in seinem Kopf umzulegen, sich ein Knoten zu lösen während eine unsichtbare Schlinge sich an anderer Stelle zuzog. Ihm auf andere Art und Weise den Atem raubte. Samirs Lider senkten sich, die Fächer seiner langen, dunklen Wimpern zeichneten sich deutlich auf seiner gebräunten Haut ab und nur ein leichtes Flattern war noch zu vernehmen, während er den Anweisungen des anderen Folge leistete. Es schien fast, als würde Tariqs Stimme in seinem Brustkorb vibrieren. Die Hände des zukünftigen Königs wanderten hinter seinen eigenen Rücken und erst jetzt, wo er sie aus dem Hemdstoff seines Gegenübers gelöst hatte, merkte er, wie verkrampft sich seine Fingerglieder verhalten hatten. Er schluckte, biss sich auf die Unterlippe und ließ sich dann auf die Knie sinken, ob des fehlenden Sehsinnes nun umso mehr auf die Geräusche seiner Umgebung konzentriert. Kurz war er versucht trotzig das Kinn an die Brust zu legen, tat es dann aber doch nicht. Ihm fehlte die Kraft für einen Streit, für einen Machtkampf, den er ohnehin am Ende in voller Wonne verlieren würde - so Tariq ihm gnädig war. Also legte er den Kopf in den Nacken - und wartete.
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#6
«Ich weiß, dass du nicht wolltest», gab Tariq sanft zurück. «Aber du hast. Und für die Zukunft zählt leider nicht, was du wolltest, Samir. Jeder Schritt den du tust, jede Entscheidung die du fortan treffen wirst, hat eine Konsequenz, die du nicht einfach mit einem ‹Aber ich wollte das nicht› wegerklären kannst. Und es ist sehr sehr wichtig», er sah zufrieden dabei zu, wie sein Schützling vor ihm auf die Knie ging und mit geschlossenen Augen den Kopf in den Nacken legte, «dass du dir das verinnerlichst. Und damit ich sicher sein kann, dass du diese Lektion auch wirklich lernst, machen wir eine kleine Übung.»
Er hatte sich kurz vergewissert, dass sein Spielzeug brav an Ort und Stelle blieb, ehe er selbst um ihn herum ging und eines der Tücher griff, die hier über den zahlreichen Sitzgelegenheiten und Tischchen lagen. Dekorativ. Noch dekorativer machten sie sich über den Augen des zukünftigen Königs, wie er fand. Der kühle Stoff legte sich sanft über sein Gesicht und straffte sich, als der Al-Fawahir es festzog und sich noch einmal versicherte, dass es gut saß.
Dieselbe Behandlung wurde den Händen des zukünftigen Königs zuteil, ehe Tariq sich von ihm entfernte und ihn da ließ, wo er war. Auf den Knien, Hände hinter dem Rücken verbunden, die Augen als Sinne genommen, würden sich sein Gehör und der Geruchssinn sicher schnell schärfen und versuchen das, was er nicht sehen konnte, zu ersetzen.
Tariq bewegte sich nahezu lautlos durch den Raum. Samir vernahm ausschließlich das Geräusch von reibendem Stoff, als der Dunkelhaarige ein Tuch so über die Balustrade des Balkons legte, das man vom Bauch abwärts vor neugierigen Blicken geschützt war. Die Lektion, die er Samir erteilen wollte, musste nur im ersten Moment peinlich sein. Er musste nicht wissen, dass Tariq sich sehr wohl um sein Ansehen und seinen Schutz sorgte. Aber er durfte sich für den Moment völlig wehrlos fühlen. Es würde ihn nur umso mehr erregen.
Erst dann ging er nach drinnen und griff nach dem Weinkelch, während er sich gut hörbar in einen der Sessel fallen ließ, ein Bein ausgestreckt, das anderen angewinkelt auf dem Boden stehend. Er nahm einen Schluck von dem süßen Wein, den Samir so gerne trank und der einem schnell in den Kopf stieg. Es sollte bei dem einen Schluck bleiben, er brauchte immerhin all seine Sinne klar und greifbar.
Der Kelch landete nach einer gefühlten Ewigkeit, die er damit zubrachte, den Sklaven seiner Lust zu betrachten, mit einem gut hörbaren Klacken auf dem Beistelltisch neben ihm, dann stand er wieder auf. Seine Finger schlossen sich um den Arm Samirs und vorsichtig zog er ihn auf die Beine. Dirigierte ihn ein wenig, ohne dass er auch nur ein Wort sagte, nach draußen.
Die kühler werdende Nachtluft empfing sie und zweifelsohne würde Samir klar sein, dass sie nach draußen auf den Balkon getreten waren. Und da er sicher die Richtung einschätzen konnte wusste er auch, dass sie übers Balkongeländer hinwegsahen. Naja. Tariq sah darüber hinweg. Samir hatte er die Fähigkeit zu sehen immerhin temporär genommen.
«Sag mir doch noch einmal», begann er sanft, den Mund nah an Samirs Ohr, «warum genau wir uns dem Alkohol nicht zu sehr zuwenden sollten.»
Seine Finger glitten langsam unter den Bund der Hose direkt in den Schritt seines Freundes. Es war sicher schwer, sich zu konzentrieren, wenn die Gedanken noch damit beschäftigt waren darüber nachzudenken, ob jeder hier ihnen zuschauen konnte. Aber das war, wenn er einmal ehrlich war, nicht Tariqs Problem. Samir hätte eben die Finger wie befohlen vom Wein lassen sollen.
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#7
Bei Tariqs Worten schien sich eine Schwere auf Samirs Brust niederzulassen, die nichts mit der Situation, in der er sich gegenwärtig befand, zu tun hatte. Nein, es war der Gedanke daran, dass alle Augen auf ihn gerichtet sein würden, wenn er zum König gekrönt würde, jedes Ohr dem Klang seiner Stimme lauschen. Zum einen erfüllte es ihn mit einer vorfreudigen Erregung, zum anderen jedoch mit unbändiger Angst. Er, der sich bisher nur in den Blicken jener gesonnt hatte, denen er charmant und meistens nicht ganz ohne Eigennutz Gesellschaft geleistet hatte. Nun aber würde das anders sein. Er sollte eine Führungsperson darstellen, jemanden, zu dem man aufsehen konnte. Und dennoch fühlte er sich mit einmal mal klein und unbedeutend, ob der Bürde, die er doch selbst hatte auf sich nehmen wollen und auch immer noch wollte. Die Zweifel waren lähmend, stahlen ihm fast den Atem. Umso dankbarer war Samir dafür, dass Tariq die Zügel in die Hand nahm, auch wenn die Lektion, die er ihm nun erteilen würde, aufgrund seiner Verfehlung geschah. Warum hatte er sich auch dem Wein hingeben müssen, selbst wenn es nur ein Glas gewesen war? Eine andere Option, als dass sein Geliebter Recht hatte und nur das Beste führ ihn wollte, kam dem Al-Mazhir dabei gar nicht in den Sinn. Im Grunde kam ihm überhaupt nichts mehr in den Sinn ab dem Moment, in dem sich etwas weiches, kühles über seine Augen legte. Es musste ein Stück Stoff sein, denn als der 29-Jährige zaghaft blinzelte, blieb sein Sichtfeld dunkel, während sich im selben Moment etwas an seinem Hinterkopf zuzog. Seine Sinne wurden konzentrierte, sein Gehör fing die Umgebung wie ein Filter ein und vernahm so auch die leisen Schritte Tariqs die sich nun um ihn herumbewegten und selbige Prozedur an seinen Händen vollzog. Gänsehaut machte sich auf Samirs Armen breit, zog sich wie ein kühler Atemhauch über seine Haut hinweg bis zu den Schultern, um als kalter Schauer seinen Rücken hinunterzulaufen. Schließlich nahm er war, wie sich sein Partner entfernte, spürte die fehlende Körperwärme an seiner Seite, die er zuvor wie einen Schatten auf sich wahrgenommen hatte. Was hatte er nur vor? Samir traute sich nicht, die Frage laut auszusprechen. Er wusste genau, dass er in dieser Situation Tariq völlig ausgeliefert war und ein Teil von ihm empfing diesen Zustand wie ein Geschenk, das sämtliche Verantwortung und Entscheidungsnot von ihm genommen hatte. Ein kleinerer Teil jedoch ließ ihn ob der Ungewissheit vor leiser Angst schlucken, brauchte die stille Vergewisserung, dass sein Geliebter ihm nie schaden würde und litt unter der Tatsache, dass der stärkere Part von Samirs Willen ihm verwehrte, diese Vergewisserung einzufordern.

Angestrengt versuchte Samir dennoch, der Situation etwas mehr Herr zu werden, auch wenn er wusste, dass er diesen Kampf nicht gewinnen konnte. Die Konzentration führte jedoch dazu, dass er seine Umgebung noch gezielter wahrnahm, sein Herzschlag sich langsam etwas beruhigte und sein Atem wieder sachter ging, auch wenn er weilens immer noch leise stockte. Die Erregung saß zu tief, als dass er sie hätte abschütteln können, selbst wenn er angefangen hätte zu meditieren - womit er Tariq seiner Befürchtung nach entweder zutiefst beleidigt oder aber maßlos erheitert hätte. Seine eigenen Lippen zuckten ja selbst bei der Vorstellung, sich selbst wehrlos auf dem Boden seines Gemaches kniend zu sehen, wie er einen Mantra artigen Summton von sich gab. Nein, das wollte er lieber erst gar nicht probieren. Der Gedanke blieb ohnehin nicht lange in seinem Kopf hängen, denn schon nahm er das rascheln von Stoff wahr, einen leisen Windhauch, der zu ihm herüberwehte und die schwere der Abendluft mit sich trug. Schließlich war da ein Klackern, nachdem er die Nähe des Älteren für einen versagten Wimpernschlag neben sich hatte aufblitzen spüren. Samir hielt den Atem an, während sich die Tariqs Präsenz wieder näherte, dessen Duft ihm wieder intensiver in die Nase stieg. Ein Duft, der den zukünftigen König sogar in seinen Träumen verfolgte und den er mehr als alles andere misste, wenn er in den Laken nach längerer Abstinenz leise verblich. Nun aber war er ihm so nah, dass er ihn einhüllte, seine Sinne vernebelte und ihn fast des Eindruckes beraubte, den Tariqs Finger hinterließen als sie sich um seinen Arm legten. Der warme sanfte Druck kroch ihm durch die Kleidung unter die Haut, als dieser ihn hochzog und sie sich in Bewegung setzten. In Richtung der kühlen Nachtluft, in eine Richtung, aus der die Geräusche der sich zur Ruhe legenden Stadt immer lauter wurden. Der Schrei eines Uhus. Das klappernde sich schließen eines Fensterladens. Das Klackern eines Wagens auf der unebenen Straße. Wieder schluckte Samir, der Mund trocken, die Schultern angespannt. Schließlich umhüllte ihn der Hauch der Nacht vollkommen, bildete einen krassen Gegensatz zum warmen Atem seines Geliebten, der sich nun in einem Flüstern weich wie Seide an sein Ohr schmiegte. Beinahe schon wäre ein Seufzen über die Lippen des zukünftigen Königs gedrungen, hätte er nicht im letzten Moment die Luft scharf eingesogen. Was um alles in der Welt... Obwohl durch den Stoff vorübergehend mit Blindheit geschlagen riss Samir die Augen auf, als er die Berührung auf seiner nackten Haut, auf seinem Geschlecht vernahm. Etwas in ihm zog sich zusammen, ein Kampf zwischen Erregung und Angst. Gab Tariq ihn wirklich so ungeniert und unverfroren für seine Verfehlung preis? Wollte er ihn vor der Welt bloßstellen, bevor er sich selbst in die Situation hineinreiten konnte? Ein Wimmern drang über die Lippen des Dunkelhaarigen, ehe er sich auf die Lippe biss. Die Worte kamen schließlich nur zaghaft aus seinem Mund, heiser und rau, so als hätte er anstatt des Weines einen Kelch voll Wüstensand verschluckt. "Der Alkohol..." Samir schluckte, versuchte wieder sich zu orientieren, zu eruieren was in seiner Umgebung vorging und ob irgendjemand dieses Intermezzo wahrnehmen konnte. "Er... benebelt uns die Sinne..." Der 29-Jährige war versucht, sich unter der Hand Tariqs zu winden, brachte allerdings all seine Willenskraft auf um still zu stehen, die Situation nicht noch unangenehmer zu machen, auch wenn sie ihm zeitgleich auch auf andere Art und Weise den Verstand raubte.
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#8
In einer Sache lag Samir vollkommen richtig. Hätte er nun irgendwelche langgezogenen Summlaute von sich gegeben, hätte das Tariq kurzzeitig wirklich sehr amüsiert. Und dann hätte es ihm Spaß gemacht, diese leisen Geräusche in Schmerzensschreie zu verwandeln. In Geräusche, die seinen Ohren besser gefielen, während sein Opfer, sein Geliebter, seine Nemesis unter seinen Händen vor Lust verging. Wenn er unter fachkundigen Schlägen und Berührungen härter wurde, sich ihm entgegenstreckte und doch nichts tun konnte, als auf den Knien zu sein, den Oberkörper auf einem der Sitzmöbel fixiert, während Tariq seinen Fuß in seinen Nacken stellte und sein Hinterteil in einem hübschen, angenehmen rot verfärbte. Er liebte es, wenn die Striemen sogar noch Stunden später zu sehen waren, wenn sie von rot zu grün, lila und blau wurden. Wenn Wasser von samtweicher Haut abperlte. Das war Perfektion. Es war Kunst. Wenn die Klopfpeitsche immer wieder das Gesäß des Mannes traf, der sich keine eigene Erleichterung verschaffen durfte.
Tariq genoss jede verdammte Sekunde an Gewalt über ihn. Seinen Körper. Seine Bereitschaft, sich ihm zu fügen. Er liebte es, um ihn zu sein. In ihm zu sein. Ihn um den Verstand zu bringen. Sie beide immer wieder gemeinsam dem Höhepunkt entgegen zu jagen. Ihn zu verbieten, zu gewähren.
Auch jetzt hatte er diese Macht über ihn. Verfügt über seinen Körper, seine Sinne, seine Lust. Was auch immer er wollte, er konnte es tun. Es gab keine Grenzen, nichts, das ihn hielt. Denn selbst jetzt, wo Samir mit ihm hier draußen stand, eingefangen von der Nacht, schien er nicht gegen ihn aufzubegehren.
Bestätigt wurde er in dieser Hinsicht auch von der Härte, die sich unter seinen Fingern ausbreitete und ihn willkommen hieß, während er dafür sorgte, dass der Stoff der Hose nach unten glitt und Samir so unweigerlich das Gefühl haben musste, dass er gut sichtbar für alle hier stand und sein Gemächt präsentierte. Natürlich hätte Tariq das niemals getan. Für den Beobachter von unten waren es nur die beiden Männer, die einander nah waren. Einer mit offenen Augen, amüsiert und offenbar sehr belustigt. Einer mit verbundenen Augen. Ach ja... sicher. Es war gut möglich, dass man sich das zusammenreimen konnte. Aber die meisten Leute sahen nicht direkt hin. Und selbst wenn... hielten sie den Mund.
Die Antwort wurde mit einem sanften Streicheln belohnt. Mit explizitieren Berührungen, von denen er wusste, dass sie Samir gefielen. Ein Daumen hier, der über die empfindlichste Stelle der Erektion strich. Streichelnde Fingerspitzen weiter unten, direkt an der Wurzel... alles das, was Samir zweifelsohne mehr um den Verstand bringen würde.
«Und wie endet es», wollte Tariq wissen, die eigene Erregung kunstvoll aus der eigenen Stimme verbannend, «wenn du nicht folgsam bist und tust, was ich dir sage? Was muss ich dann mit dir tun, hmh?»
Er wollte es hören. Wollte hören, wie Samir ihn bat, ihn zu bestrafen. Ihn für sein Fehlverhalten zur Rechenschaft zu ziehen. Wollte, das er bettelte. Und dann um Gnade flehte. Vielleicht würde er sie ihm gewähren. Was er ihm allerdings nicht gewähren würde, wäre Erleichterung. Er hatte ihn enttäuscht. Also erhielt er das mit barer Münze zurück. Doch fürs erste war sein Spieltrieb größer.
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#9
Samir hielt den Atem an. Was auch sonst hätte er tun können, ohne dass seiner Kehl ein gequälter Laut entkommen wäre. Lange würde er das natürlich nicht durchhalten können, denn irgendwann würde sein Körper ihn zum Atemreflex zwingen. Aber ein zukünftiger König durfte ja noch hoffen... Die Situation, in der er sich befand, war nicht neu. Dass Tariq Gefallen daran hatte, ihn zu quälen, der Gedanke kam dem 29 Jährigen nicht einmal. Viel mehr drehte sich in seinem Kopf alles um Schuld und Bestrafung. Darum, dass er lernen musste, in seine Rolle hineinwachsen und jemanden darstellen, zu dem man aufsehen konnte. In Samirs Welt diente das Verhalten seines Geliebten einzig und allein dazu, ihn zu lehren. Und doch... Der junge Al-Mazhir war sich noch in keinster Weise bewusst, dass er Liebe und Lust schon lange unweigerlich mit einer gewissen Art von Schmerz verband. Er Zuneigung nur durch Gehorsam erhielt. Einen gewissen Leistungsgedanken hatte er seinem Vater zu Dank ohnehin bereits verankert, denn dieser hatte ihm immer nur dann seine Aufmerksamkeit geschenkt, wenn er etwas besonders gut gemacht und seinen Bruder in der Hinsicht ausgestochen hatte. Es war selten der Fall gewesen, aber doch hin und wieder passiert. Und jetzt, da er das Land regieren würde... Samir konnte den Gedanken, der wie Wolkenfetzen durch seinen Geist waberte, nicht festhalten. Viel zu sehr fokussierte sich sein gesamtes Empfinden und seine Wahrnehmung nun auf die Berührungen an seinen intimsten Stellen, die gleichermaßen verheißungsvoll wie frustrierend waren. Viel, aber doch nicht genug. Einen Moment lang war er versucht, sich unter den erfahrenen Händen Tariqs zu winden, doch das, was ihn dann erwartete, war bereits zu sehr in sein Körpergedächtnis eingebrannt, als dass seine Muskeln sich dazu hätten verleiten lassen. Stattdessen war jede davon angespannt wie eine Bogensehne.
Ein Schauer lief schließlich über Samirs Rücken, als die Worte des Al-Fawahir an seine Ohren drangen. In ihnen lag keine Drohung, fast schon sachlich klangen sie in ihm nach, was schon lange keine Irritation mehr im zukünftigen König auslöste. Er wusste sehr genau, wie gut Tariq sich unter Kontrolle hatte und dass genau dies mitunter der Grund war, warum er ihn als seinen Berater gewählt hatte. Er war der Fels in der Brandung, der kühle Kopf zu Samirs manchmal zu schnell überhitzendem Gemüt. Seine Stimme klang rau und er musste schlucken, als er sich eine Erwiderung auf die Frage abrang, wobei die Antwort doch so klar und deutlich zwischen ihnen stand wie die Spiegelung seiner selbst auf einer ungetrübten Wasseroberfläche. "Es endet... in einer Lektion..." Der Dunkelhaarige biss sich auf die Unterlippe, sog die Luft zischend ein, als er die Berührung von Tariqs Daumen auf seiner Spitze vernahm und sich eine Welle der Lust wie ein Blitz durch seine Wirbelsäule nach oben in seinen Nacken zog. "In einer Bestrafung..." Immer noch mit Blindheit gestraft von der Augenbinde ließ er den Kopf ergeben sinken. Dass sie auf dem Balkon standen, ihre Interaktion wohl vor aller Augen sichtbar, auch wenn das Gebäude doch über die Köpfe der Einwohner erhaben war, hatte sein Verstand bereits ausgeblendet. "Ich habe ein Bestrafung verdient..." Samirs Kinn zitterte und doch wagte er es nicht, sich zu bewegen.
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#10
Es war einfach. Fast schon zu einfach. Der Mann war wie Butter unter seinen Fingern, zerging wie warmes Kerzenwachs und beugte sich seinem Willen so einfach, wie man einen Grashalm unter ein wenig Druck zu Boden zwingen konnte. Wie hätte Tariq es auch nicht genießen sollen?
Der Umstand, dass Samir grundsätzlich bereit war, sich unter seine Füße zu legen und bereitwillig auf sich herumtrampeln ließ, war einer der Gründe, weshalb der Schwarzhaarige ihn überhaupt sonderlich interessant fand. Er war so naiv, so schön. So unbedarft. Man konnte mit ihm tun, was immer man wollte und er würde es nicht einmal hinterfragen. Das war im Grunde wirklich das beste daran.
Für Tariq war der jüngere Mann ein Werkzeug. Er war wie ein Gebäude, das man sorgsam und umsichtig aufbauen musste. Ein Stein auf den anderen, nicht zu schnell, nicht zu langsam.
Samirs mentale Gesundheit war dabei die Statik. Man musste mit diesem fragilen Objekt sehr vorsichtig sein, denn wenn man es zu weit trieb, dann fiel das sorgsam aufgebaute Gebäude in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Man musste also an den richtigen Stellen Querstreben bauen und dafür sorgen, dass alles schön stabil blieb.
In Samirs Fall waren Gefühle ganz gut, um die Statik aufrecht zu erhalten. Sie konnten eingesetzt werden, gut platziert genau dort, wo man sie nun einmal brauchte, halfen sie dabei, ihn besser im Griff zu behalten. Dabei war es wichtig, eigene Interessen und fremde Bedürfnisse gegeneinander aufzugleichen und einen Kompromiss einzugehen. Er selbst kam gut bei dieser Nummer weg. Er hatte Sex, wann immer er das wollte und das mit einem sehr ansehnlichen Mann, er mit Freuden zu ihm hinaufsah und sein Spielzeug war, wann immer er das wollte.
Tariq überschritt dabei grundsätzlich keine Grenzen. Eher im Gegenteil. Er achtete Samirs Bedürfnisse in jedem Moment, hörte ihm zu und war der perfekte Gefährte. Es gab keinerlei Grund dafür, ihm zu misstrauen und genau das war die Statik, die der Schwarzhaarige brauchte, um sein Gebäude weiter zu errichten. So gesehen war Samirs Glaube in ihn und an ihn das Grundgerüst, auf dem sie aufbauten.
Für ihn war es Mittel zum Zweck. Für Samir hingegen schien es eher etwas zu sein, dass ihm Halt gab. Für ihn waren diese Dinge echt und bildeten einen Grundstock in seinem Leben.
Liebe.
Tariq konnte dieses Gefühl nicht verstehen. Für ihn war es schlichtweg eine Gelegenheit, die ihm Befriedigung versprach und verschaffte und ansonsten sah er sich selbst keineswegs in einer besonders emotionalen Bindung zu Samir, auch wenn er sich – mit Anbindung an den Marionettenkönig – nicht mehr in andere Richtungen umschaute. An Samir konnte er all seine kleinen Grausamkeiten ausleben, ohne dass er es ihm nachtrug. Viel mehr schien sich der junge Thronanwärter sogar danach zu verzehren. Und das war ein mächtiges Instrument.
Das ein Gebäude allerdings in seiner Stabilität und seiner Errichtung abhängig war von seinem Bauherren, war Tariq sehr wohl bewusst, weshalb es ihm nicht schwer fiel, seinen Fokus auf Samir zu halten. Nicht bewusst war ihm hingegen, dass er selbst auch nur ein Bauwerk in den Berechnungen eines anderen Mannes war. Und dass er nicht einmal im Ansatz hinter das blicken konnte, was Keeran Neshat vermutlich tatsächlich plante, spielte in Tariqs Welt keine Rolle. Ihm war nicht klar, dass er selbst nichts weiter war, als eine geschickt platzierte Figur im Schachspiel, dass Neshat rund um seinen Aufstieg spielte. Eine, die gut denken konnte, zwar, aber eben eine, die verschoben wurde, wie man sie gerade brauchte. Tariqs Unabhängigkeit war grundsätzlich nämlich von dem abhängig, was Neshat wollte. Nicht von dem, was er an eigenen Zielen hatte.

Er neigte den Kopf ein wenig weiter in die Richtung seines Opfers und lächelte sanft, als dieser endlich antwortete.
«Es endet immer in einer Lektion. Aber davor könnten noch Dinge passieren, die deinen Ruf schädigen. Wir wollen doch nicht, dass du wieder lautstark singend und volltrunken in einem Brunnen landest. So war es nur peinlich für deine Familie und dich. Aber was würde geschehen, würde das jetzt passieren? Wie soll dein Volk dich ernst nehmen, wenn du dich verhältst wie ein Kind, dass heimlich an Vaters Schnapsregal war?»
Er verstärkte die Reibung in Samirs Schritt, drehte die Hand ein wenig, veränderte den Winkel und brach ab, als er spürte, wie die Hüften des Anderen seiner Hand bereits entgegenkam. Die freie Hand schloss sich um seinen Hals, zog ihn ein Stück nach hinten, sodass seine Lippen nah an seinem rechten Ohr waren.
«Du wirst nie wieder irgendetwas tun, ohne mich um Erlaubnis zu fragen. Sehe ich dich noch ein einziges Mal Alkohol trinken, ohne dass ich es gestattet habe, dann werde ich dich auspeitschen. Und danach werde ich dich immer wieder bis zum Höhepunkt treiben und abbrechen, bevor du dich erleichtern konntest. Hast du mich verstanden?»
Wohl wissend, dass der plötzlich abgebrochene Orgasmus vermutlich für ausgeprochen unangenehme Gefühle sorgen würde, hielt Tariq die Hand immer noch um Samirs Glied geschlossen, bewegte sie zwischen seinen Worten langsam, um genau diesen Effekt aufrecht zu erhalten.
«Sag, dass du mich verstanden hast und tun wirst, was immer ich von dir will.»
Seine Lippen wanderten seitlich an Samirs Hals nach oben hinter dessen Ohr.
«Sag, dass ich dich erlösen soll», flüsterte er, die Stimme nun schwerer, als könnte er die eigene Lust nicht mehr zurückhalten. Es wäre auch eine Lüge, vor sich und vor Samir, der seine Erektion sicher rückwärtig spürte, hätte er behauptet, dass die Situation spurlos an ihm vorüberging.
«Sag, dass du mir gehörst.»
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