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Where the light fades
02.09.1016 - 16:00
Markt in Wintergard

Winterland
Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
Wohnort Wintergard
Stand Ledig
User Risa
#11
Ihr Blick brachte seine Kontrolle ins Wanken. Es war nichts Offensichtliches darin, kein Lächeln, keine Geste, die sich festhalten ließ und doch traf er ihn mit einer Präzision, auf die er nicht vorbereitet war. Den ganzen Tag über hatte er an sie denken müssen. An ihre Stimme, an die Art, wie sie ihn ansah. Diese Gedanken waren gekommen wie ein stetiger Tropfen auf Stein, leise, aber unerbittlich und sie hatten ihn reizbar gemacht. Seiner Schwester gegenüber war er schroffer gewesen als nötig. Freunden hatte er knapper geantwortet, als sie es verdienten. Selbst die Winterländer, denen er heute begegnet war, hatten seine Ungeduld zu spüren bekommen. Er hatte es bemerkt und doch nichts dagegen tun können. Er wusste, dass es falsch war, derart starke Gefühle für die Freundin seiner Schwester zu empfinden. Es war unklug und unangebracht.
Und dennoch.
In der vergangenen Nacht war etwas in ihm geschehen, das sich nicht mehr zurücknehmen ließ. Sanna hatte mit wenigen Worten, mit ihren Berührungen die Mauer seiner Selbstbeherrschung erschüttert, eine Mauer, die er über Jahre Stein für Stein um sich errichtet hatte. Nun lag sie nicht völlig in Trümmern, aber sie war rissig. Durch diese Risse drang etwas, das er nicht länger ignorieren konnte.

Er war dankbar für den Themenwechsel, als Sanna auf Einar zu sprechen kam, der offenbar mehr vor Helvis wachsamer Aufmerksamkeit als vor irgendeiner wirklichen Gefahr floh. Veith musste sich eingestehen, dass er seinen Schwager in gewisser Hinsicht verstand. Ein leises Schmunzeln legte sich auf seine Lippen - selten genug, dass es auffiel. Sanna hatte mit ihrer Bemerkung ins Schwarze getroffen. „So ergeht es leider einigen verheirateten Winterländern“, sagte er ruhig. „Du darfst diesen Männern keine Vorwürfe machen. Die Frauen hier im Norden sind nicht gerade dafür bekannt, sich mit halben Antworten zufriedenzugeben“, fuhr er fort. „Sie sind aufmerksam und sie vergessen nichts.“

Die unverfängliche Unterbrechung währte nicht lange. Kaum war das Lächeln verklungen, veränderte sich etwas zwischen ihnen. Es war kein sichtbarer Bruch, kein ausgesprochenes Wort, sondern eher ein kaum greifbares Kippen der Luft. Dieses vertraute, unausgesprochene Ziehen kehrte zurück, spannte sich lautlos zwischen ihnen wie ein Faden, der weder riss noch sich lösen ließ. Der Krieger war fast schon dankbar für die kleine, lebendige Barriere zwischen ihnen - für Valda, die mit ernster Miene das Pony musterte und mit kindlicher Entschlossenheit dessen Mähne ordnete. Das Tier schnaubte leise, scharrte mit dem Huf, als wolle es ebenfalls seinen Teil dazu beitragen, die Spannung zu erden. Veith ließ den Blick einen Moment auf dem Kind ruhen, dann auf dem Pony. Es war leichter, sich auf das Offensichtliche zu konzentrieren. Schwieriger war es, diesem anderen Gefühl keinen Raum zu geben. Jenem leisen Brennen unter der Oberfläche, das nur darauf wartete, sich auszudehnen, wenn man es ließ.

Im Hinterhof von Helvis Haus angekommen, hob Sanna Valda aus dem Sattel und stellte sie behutsam auf den Boden. Mit ein paar Worten schickte sie das Mädchen voraus in die Küche, wo bereits Licht und ein warmes Feuer auf sie warteten. Kaum war sie außer Hörweite, wandte sich Sanna ihm zu und sprach aus, was den ganzen Tag unausgesprochen zwischen ihnen gestanden hatte. Die Jägerin war mutiger als er. Fand Worte für das, was er nur mit sich herumgetragen hatte wie eine Glut unter der Haut. Sie bereute die vergangene Nacht nicht. Genauso wenig wie er. Doch Veith sah sie nur an und sagte nichts. Allerdings lag in seinem Schweigen keine Leere, sondern ein Ringen. Ihre Worte trafen ihn tiefer, als sie ahnen konnte. Das leise Brennen in seiner Brust flackerte auf und gewann an Schärfe. Aus dem Inneren des Hauses drang Helvis Stimme. Sie wies Sanna darauf hin, dass Veith gewiss keine Hilfe beim Abladen der Ware benötigte. Der Moment drohte zu zerbrechen. Sanna wollte sich bereits zum Gehen wenden, doch Veith reagierte schneller. Seine Hand schloss sich um ihr Handgelenk, nicht grob oder fordernd, nur bestimmt genug, um sie aufzuhalten. Er zog sie einen Schritt zurück in den Schatten der Mauer, wo das Licht aus der Küche sie nicht ganz erreichte. „Ich bereue es ebenso wenig“, sagte er leise. Seine Stimme war tiefer als zuvor, rauer am Rand. Mit der freien Hand hob er die Finger und strich ihr über die Wange. Die Berührung war zart, beinahe vorsichtig, und doch lag darin mehr, als er zeigen durfte. Seine Finger verweilten kaum länger als einen Atemzug, dann ließ er sie los. Er wusste, dass hier und jetzt nicht der Ort war, weiterzugehen. Nicht mit Helvi nur wenige Schritte entfernt. Nicht nachdem sie in der vergangenen Nacht mehr gesehen hatte, als ihr vermutlich entgangen sein sollte. Sein Blick blieb noch einen Herzschlag auf Sanna ruhen, dann trat er zurück in den Schein des Lichts, das aus der offenen Tür auf den Schnee fiel und ließ Sanna ins Haus gehen. Veith wandte sich dem Wagen zu und begann, die Felle abzuladen, dankbar für die einfache Arbeit, die seine Gedanken für einen Moment in ruhigere Bahnen lenkte.
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Winterland
Sanna Lorenson
Winterland
Alter 22
Beruf Jägerin
Wohnort Rabenrast
Stand Ledig
User Natsch
#12
Sanna hob kaum merklich eine Augenbraue, als Veith von den Winterländern und den Frauen Norsteadings sprach.
„Dir ist bewusst, dass du mit einer von ihnen sprichst?“
, fragte sie, und in ihrer Stimme lag eine Mischung aus Spott und unerwarteter Wärme. Das Lächeln auf ihren Lippen schwankte zwischen gutmütigem Tadel und stiller, fast verspielter Herausforderung.
Mit ihren zweiundzwanzig Jahren mochte sie jung sein, doch sie kannte ihre Wünsche und Grenzen genau. Dass in ihrer Heimat eine strenge Hand nötig war, lag nicht zuletzt an den Männern Norsteadings selbst. Schließlich waren nicht nur die Frauen des Winterlands von besonderer Art. Ein leises Amüsement glitt über Sannas Gesicht, doch dahinter funkelte etwas anderes, kaum merklich, wie das erste Licht über verschneiten Gipfeln.
„Warum sollten wir uns also mit halben Antworten zufriedengeben?“
, fragte sie schließlich, provokant, doch ihr Blick blieb länger auf Veith haften, als nötig – fordernd, ja, aber zugleich von einem kaum wahrnehmbaren, sanften Interesse durchzogen, das nur er allein zu erkennen schien.

In Helvis Hof blieb Sannas Blick an Veith haften, und für einen Herzschlag schien die Luft zwischen ihnen dichter, als wollte sie jedes Geräusch verschlucken. Sein Schweigen dehnte den Moment aus, ließ ihn fast greifbar werden. Vielleicht hatte sie etwas gesagt, das er anders sah, oder vielleicht war seine Zurückhaltung nur die Höflichkeit – oder die Pflicht gegenüber seiner Schwester –, die ihn schweigen ließ.
Und dennoch spürte sie, dass sein Zögern etwas in ihr berührte, einen verborgenen Teil, von dessen Existenz sie bisher nichts geahnt hatte. Ein leises Pochen in der Brust, warm und fremd, ließ sie kurz innehalten. Sie wandte sich zum Gehen, schluckte die aufsteigende Unruhe hinunter – doch dann berührte seine Hand ihr Handgelenk. Ein elektrischer Stoß fuhr durch ihren Körper. Ihr Herz begann schneller zu schlagen, eine seltsame, süße Wärme breitete sich in ihrer Brust aus und schlug Wellen durch ihren ganzen Körper, die selbst die Fingerspitzen bis in die Zehen zu erreichen schienen. Für einen Moment schien die Welt stillzustehen – und alles, was sie spürte, war Veith.
Sanna ließ sich einen Schritt in den Schatten ziehen, während leise Schnee begann auf das Kopfsteinpflaster von Helvis Hof zu fallen und sich in kleinen, glitzernden Flocken auf den Holzdächern sammelte. Ihr Körper folgte seiner Bewegung, und in einer behutsamen Berührung landete ihre Hand auf seiner Brust. Langsam glitt sie weiter hinab zur Hüfte, so als würde sie die Nähe einfach aufnehmen, ohne Worte, ohne Hast.
Seine leisen Worte drangen in ihr Bewusstsein, und für einen Moment spürte sie, wie ihr Herz schneller schlug. Die Kälte um sie schien die Wärme zwischen ihnen noch deutlicher spürbar zu machen, ein stilles, fast heimliches Band, das in der winterlichen Stille entstand. Mit jedem Blick, jeder Berührung, wuchs ein leises, flüchtiges Verlangen – nicht drängend, sondern leise und tief, wie der Atem des Winters, der durch den Hof wehte. Sanna ließ ihre Augen einen Augenblick länger auf ihm ruhen und bemerkte, dass sie mehr sah als nur seine Gestalt: das stille Versprechen in seiner Berührung, das sanfte Spiel zwischen Nähe und Zurückhaltung. Sanna lehnte sich einen Moment lang leicht in seine Nähe, ehe Veith einen Schritt zurücktrat und ins Licht der offenen Tür trat. Die junge Jägerin wurde abrupt in die Gegenwart zurückkatapultiert, und ein kleiner Widerstand regte sich in ihr gegen diese Realität: Helvi würde vermutlich – sollte Sanna nicht sofort folgen – wieder zwischen ihnen stehen. Also wählte sie den Weg der Vernunft. Sie löste den letzten Rest der Nähe auf, wandte sich ab und ging auf das Haus zu, um in die beinahe schon penetrante Wärme des Feuers zu treten.

Er bereute nichts, und gerade das berührte sie auf eine Weise, die stärker war, als gut für sie sein konnte. Ein leises Lächeln glitt über ihre Lippen, während ihr Herz noch immer den Nachhall seiner Gegenwart spürte. Helvis Blick traf Sanna misstrauisch. „Was gibt es denn da zu lächeln?“, fragte sie und musterte die junge Jägerin prüfend.
Sanna zuckte leicht mit den Schultern und ließ den groben Stoff ihrer Jagdkluft von den Schultern gleiten.
„Ich habe heute sehr gute Verkäufe erzielt.“
Die Wahrheit – auch wenn sie nicht der eigentliche Grund für ihr Lächeln war.
„Kann ich dir noch irgendwo helfen?“
, lenkte Sanna das Gespräch ab, doch Helvi machte nur eine wegwerfende Handbewegung und schüttelte störrisch den Kopf. „Ist schon alles fertig. Alle Welt hat ja nur auf dich gewartet.“ Ein entschuldigendes Lächeln zuckte um Sannas Mundwinkel, während sie sich einen der freien Plätze suchte. „Kommst du jetzt langsam mal rein?“, schnarrte Helvi in Richtung Veith und stand mit verschränkten Armen im Türrahmen, die Augen auf den Hof gerichtet.
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Winterland
Veith Alvarsson
Winterland
Alter 31
Beruf Krieger
Wohnort Wintergard
Stand Ledig
User Risa
#13
Seine Mundwinkel hoben sich, kaum mehr als ein Schatten eines Lächelns, das ebenso schnell wieder in die Ruhe seiner Züge zurückglitt. Der Wind strich kalt zwischen den Häusern hindurch und trug den Geruch von Rauch und nassen Fellen mit sich. Schneereste knirschten unter ihren Stiefeln, und irgendwo schlug eine lose Fensterlade im Takt der Böen gegen die Wand. „Ich weiß das“, erwiderte er schließlich, und in seiner Stimme lag ein leises, wissendes Schmunzeln. „Es war nicht als Beleidigung gedacht. Nicht gegen die Frauen von Norsteading.“ Er warf ihr einen Seitenblick zu, musterte die erhobene Braue, das kaum gezähmte Funkeln in ihren Augen. Unwillkürlich dachte er an seine eigenen Schwestern, an ihre aufrechte Haltung, an das selbstverständliche Selbstbewusstsein in ihren Schritten, an die Art, wie sie einen Mann mit einem einzigen Blick daran erinnerten, wo sein Platz war. „Ich bin mit solchen Frauen aufgewachsen“, fuhr er fort und nun lag ein leiser Nachdruck in seinen Worten. Sein Blick senkte sich für einen flüchtigen Moment auf ihre Hand, die das Pony streichelten. Dann hob er ihn wieder. „Von keiner von ihnen könnte ich behaupten, sie sei nicht fähig, für sich selbst zu sprechen oder sich zu nehmen, was sie will.“ Ein schmales Lächeln zog über seine Lippen. „Und genau so sollte es sein.“

In Helvis Hinterhof angekommen, wirkte zunächst alles so gewöhnlich wie an jedem anderen Abend. Der Schnee lag dünn auf dem unebenen Pflaster, das Licht aus der Küche fiel warm durch das kleine Fenster, und aus dem Inneren des Hauses drang die Stimme seiner Schwester. Valdas Eintreffen lenkte Helvi ab, ihre Schritte entfernten sich ins Haus und genau diesen flüchtigen, unbeobachteten Moment nutzte Veith. Mit einer Bewegung fasste er nach Sannas Hand und zog sie einen Schritt zur Seite, hinein in die schmalen Schatten des Schuppens. Er wollte ihr so vieles sagen. Worte, die sich seit Stunden in ihm gestaut hatten, schwer und unausgesprochen, doch der Augenblick war zu kurz, zu brüchig für lange Erklärungen. Sanna hatte sein Innerstes in Aufruhr versetzt, mit ihren klaren, furchtlosen Worten, mit der Art, wie sie ihn ansah, als würde sie hinter jede seiner Ausflüchte blicken. Mit ihren Berührungen, die nichts Forderndes gehabt hatten und gerade deshalb tiefer gingen und mit dem Kuss, den sie geteilt hatten. Seitdem trug er dieses Gefühl in sich wie eine Glut unter der Haut. Er war nicht gut mit großen Worten. Aber das hier ließ sich nicht länger verschweigen. Sanft hob er die Hand und ließ seine Finger über ihre Wange gleiten, als fürchte er beinahe, die Berührung könne zu viel sein. Sanna zögerte nicht. Sie lehnte sich in seine Hand, kaum merklich, doch genug, dass er es spürte. Es war nur eine kleine Geste und doch traf sie ihn tiefer, als er erwartet hatte. In diesem leisen Entgegenkommen lag mehr Vertrauen, als er zu beanspruchen wagte und mehr Nähe, als er sich eingestehen wollte.

Als Sanna schließlich ins Haus huschte, folgte ihr Veiths Blick bis in den warmen Schein des Feuers, der durch die offene Tür auf den Hof fiel. Er blieb einen Atemzug lang stehen, ehe er sich der Arbeit zuwandte. Mit ruhigen, geübten Handgriffen spannte er das Pony ab, löste die Lederriemen und strich dem Tier kurz über den Hals, bevor er es in den Stall führte. Der Geruch von Heu und warmem Tier mischte sich mit der kalten Luft des Abends. Den Schlitten mit den Fellen zog er unter den Unterstand, rückte ihn so weit zurück, dass das Dach ihn vollständig schützte. Sorgfältig prüfte er die Abdeckung, straffte die Plane und strich über das raue Leder, um sicherzugehen, dass keine Feuchtigkeit eindringen konnte. Es hatte wieder leicht zu schneien begonnen. Feine Flocken sanken lautlos herab, legten sich auf seine Schultern und in sein helles Haar, während aus der offenen Tür die liebliche Stimme seiner Schwester ertönte.
Er atmete einmal tief durch, strich sich den Schnee vom Umhang und trat schließlich in die Küche. Sofort schlug ihm die Wärme des Feuers entgegen, dicht und beinahe drängend nach der klaren Kälte draußen. Helvis Blick traf ihn noch bevor er ganz über die Schwelle war. Ein einziges Heben ihrer Braue genügte, um ihm mitzuteilen, dass die Tür besser im nächsten Herzschlag geschlossen wurde, wenn er nicht selbst hinauskomplimentiert werden wollte. Veith zog sie ohne Widerrede zu. Das Holz fiel ins Schloss und das Heulen des Windes verstummte abrupt. Ein kaum wahrnehmbares, schiefes Lächeln huschte über sein Gesicht. „Bei der freundlichen Aufforderung komme ich sehr gerne herein“, erwiderte er mit gespielter Höflichkeit. Veith löste den schweren Umhang von den Schultern und hängte ihn an den Haken neben dem Eingang. Ein paar Schneeflocken schmolzen sofort auf dem dunklen Stoff und tropften lautlos auf die Steinfliesen. Die Küche war erfüllt vom Geruch nach Wurzelgemüse, Kräutern und langsam geschmortem Fleisch. Das Feuer knackte im Herd, warf flackernde Schatten an die Wände und am Tisch saßen bereits die anderen. Veith zog einen Stuhl zurück und nahm Platz. In diesem Moment trat Helvi vom Feuer heran, einen schweren gusseisernen Topf in beiden Händen. Mit einem bestimmten Ruck stellte sie ihn in die Mitte des Tisches, sodass der Deckel leise klirrte. Ein kräftiger Duft stieg auf, dicht und würzig. „Bedient euch“, sagte sie knapp. Neben dem Topf lagen mehrere Laibe dunkles Brot, noch leicht warm. Ein Messer wurde herumgereicht, Holzschalen klapperten, als jeder sich eine Portion schöpfte. Der Eintopf war dick, sämig, mit grob geschnittenen Stücken von Fleisch und Wurzelgemüse, die in der Brühe glänzten. Veith saß Sanna gegenüber, nur durch die schmale Breite des Tisches von ihr getrennt. Er zwang sich jedoch dazu, den Blick nicht zu heben. Stattdessen betrachtete er mit übertriebener Aufmerksamkeit den aufsteigenden Dampf seines Eintopfs, als ließe sich darin eine Antwort finden, die ihn von jeder weiteren Regung entband. Helvis Aufmerksamkeit hingegen ruhte mit ungewohnter Schärfe auf ihm. Ihr misstrauischer Blick wanderte zwischen ihm und Sanna hin und her und Veith musste sie nicht ansehen, um zu wissen, dass ihr nichts entging. Mit bedächtiger Ruhe hob er schließlich den Löffel, als wäre er vollkommen unberührt von der Spannung, die zwischen den beiden Seiten des Tisches lag. „Wenn du noch länger so starrst, Helvi“, sagte er trocken, ohne den Kopf zu heben, „wird dein Eintopf noch kalt.“
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