26-04-2024, 18:00 - Wörter:
Belisarius beäugte diesen Augenblick mit kalter Bewunderung. Er war stets getrieben von seiner bösen Vernunft und doch blieb stets ein Moment übrig, der ein leises Wundern erlaubte. Umgeben von all der Gewalt, die ihn begleitete, so vielen verlorenen und manchmal auch bekannten Gesichtern, war auch er entfernt verbunden mit den Abfolgen von jenen Augenblicken. Kurz verlor er sich in Gedanken, in jenen Erinnerungen, von dem Menschen, der er hätte werden können. Wieder einmal musste er feststellen, dass er auch verloren in der Zeit war, wie all die Gesichter, die ihm in Erinnerung geblieben waren. Nun gehörte auch das Gesicht von Larana dazu, deren brutale Tötung er bereute, nicht weil, er in dieser Sache besonders feinfühlig war, sondern weil es einfach so in die Zeit geworfen war, so bedeutungslos, wie seine Hoffnungen, ein anderer Mann sein zu können. Hier stand er nun, ließ seinen Blick im Angesicht von Elithea, die mit ihrer menschlichen Erscheinung, ihrem Dasein, gegen Belisarius kalte Macht stand. Ihre Fragen, ihr Wesen, forderte ihn heraus, etwas zu begründen, was er für sich selbst nicht einmal gut begründen konnte. Er konnte politische Ziele nennen, konnte sich ideologisch verstecken und doch blieb die Handlung eben nur ein Mord, eine Hinrichtung eines Verräters, ohne Prozess oder einem verhandlungssicherem Anstand. Belisarius machte sich nicht einmal die Mühe, ein guter Mensch zu sein. Er behauptete es nicht einmal. Sein Selbst war in diese Welt geworfen, wie so viele, und so folgte er diesen Wegen, die einem Abgrund sehr nahe kamen. Die Stockhiebe seines Vaters, die seinen Rücken vernarbt hatten, ließen auch keine große Wahl zu. Gewalt war ein wesentlicher Bestandteil dieser Welt, so dessen er sich diesem allzu oft bewusst war. Gewalt hatte viele Formen, nicht nur diejenige einer körperlichen Handlung. Alle hier waren immer wieder Gewalt ausgesetzt, sei es nun durch Worte, einer übergeordneten Macht, seelischer Grausamkeit zu sich und anderen oder auch schlicht körperlicher Auseinandersetzung. Gewalt war so normal, dass die Menschen lernten, sie zu rechtfertigen, zu verdrängen oder schlicht zu ignorieren. Doch Elithea ignorierte sie nicht, wollte sie verstehen und - so glaubte Belisarius - eine ehrliche Antwort auf dieses Chaos, des hier hingeworfenen Lebens. Ein freundliches Lächeln wandelte nun im Gesicht des Kriegsherren, da er dieser jungen Frau etwas erklären wollte, musste und so geschah es, dass er wahrlich inne hielt. Sie machte eine Begründung und Erklärung notwendig, so dass er sich von der gewohnten Kälte verabschieden musste. Bilder der Reue brannten heller, schufen eine Verantwortung, die er stets von sich geschoben hatte und machten es ihm möglich, für diesen Augenblick wahrlich einmal Mensch zu sein, ohne die Stockhiebe seines Vaters für seine eigene Schwäche fürchten zu müssen. Ihre aufrechte Haltung im Angesicht der Wahrheit ließ Belisarius mit einer kleinen aber bedeutsamen Hochachtung nicken. Er wollte ihr zeigen, dass er sie verstand, sehr wohl sah und durchschaute. Elithea musste hier nichts spielen, nicht eine Bühne gestalten, sondern konnte auch in ihrem geteilten Augenblick mehr sein als ein bloßes und hingeworfenes Leben, so dass er sie mit seiner imposanten Erscheinung abschirmte, als sie näher kam. "Danke," bedankte er sich für den Handschuh, den die Prinzessin wohlmeinend verwahrt hatte und ließ es zu, dass ihre feine Haut seine gewaltgeschundene Haut berührte. Es war keine gezielte Handlung, sondern ein Zulassen, einer menschlichen Geste, die er sonst nicht ohne weiteres zuließ.
Ja, ihre Hand hatte nie wirklich hart gearbeitet aber das musste sie auch nicht. Belisarius fühlte ihre Haut, spürte jene Wärme als sie auf seine Kälte traf. Er atmete aus, als sein Herz schlug, einen menschlichen Herzschlag, den er so nicht kannte. Nein, es war keine Verführung, keinerlei Absicht mehr zu sein als das jetzt, und doch blickte er Elithea mit fast vertrauten Augen an, deren dämonisches Antlitz müde wankte. Er fand etwas Menschlichkeit, die schmerzte, da er wusste, dass er sie schnell wieder verlieren würde. Sie war fragil, wie die Güte, die diese Prinzessin beweisen wollte. Der Kriegsherr wusste so vieles, fühlte aber selten derartiges. Sie forderte sein Innerstes heraus, denn hier war nicht stark, sondern furchtbar schwach. Doch diese Schwäche tat gut, sich zu erklären, half und auch ihre Nähe, dass sie näher an ihn wagte, unterstützte für diesen winzigen Moment den Irrglauben, auch er könne ein anderes Leben führen, indem er Menschen beschützen würde, etwas mehr noch als das, ihnen wirklich helfen würde. Er wollte Elithea helfen. Seine Finger umschlossen dankbar ihre Finger, als sie seinen Handschuh in seine Hand zurückgelegt hatte, bevor diese Verbindung gelöst wurde. Sie sehnten nach etwas Menschlichkeit, nicht nach Gewalt und Handlungen, sondern nach Geborgenheit und einem Ort, der mehr als das jetzt sein konnte. Elithea konnte in dieser Berührung wahrnehmen, dass seine Fingerspitzen, trotz der rauen und trockenen Haut, Wärme fanden und sich mit der warmen Hand der Prinzessin verbanden, wenn auch nur sehr kurz. Belisarius senkte sein Haupt, um ihr aufmerksam zu lauschen, als sie sich heranwandte. Ihr Duft war schön, gepflegt und passte in ihre sanftmütige Weltwirkung. Elithea wollte ein guter Mensch sein, war es vielleicht auch und hatte starke Merkmale, die dies versicherten. Belisarius las sie, wie viele Menschen vor ihr und doch war es dieses mal anders. Die Prinzessin versuchte zu verstehen, nahm es nicht einfach hin. Der Kriegsherr staunte über ihre ehrliche Antwort, so dass er erneut aber dieses mal eine winzige Sekunde länger, seine Hand auf ihre Schulter legte, um sie ein Stück näher zu sich zu bewegen. Er wollte, dass ihre geteilten Geheimnisse wirklich unter sich blieben. Seine Hand auf ihrer Schulter versicherte ihr auch eine echte Vertraulichkeit, die nicht einmal gespielt war. Der Unhold und die Prinzessin war sich sehr nahe, durchbrachen jene kalte Aura, die ihn umgab und es blieb fast eine Umarmung übrig. Doch diese Beinahe-Umarmung war gebrochen und zerbrochen, als sich die Nähe nach ihrer Antwort dezent auflöste. Erneut nickte er ihr verstehend zu, gab keine Antwort mehr aber versicherte ihr mit seinen geschlossenen Augen, dass er sie verstanden hatte.
Man sprach nicht über die Regeln, sondern erfuhr sie. Belisarius würde ihr den Weg zeigen und vor Fehltritten bewahren, solange er bei ihr war. Seinen Auftrag nahm er ernst und inzwischen war es aus seiner Sicht sogar ein angenehmer Auftrag, da er einen Menschen kennenlernen dürfte, der Potenzial besaß. Es war eine dunkle Magie, die Elithea umschloss, als Belisarius seine Augen wieder öffnete und seine aufrechte Haltung wieder einnahm. Sein Arm glitt von ihrer Schulter, als sich die Distanz aufbaute und man sich den Getränken zuwandte. Kurz betrachtete er ihre Hände, bemerkte, dass die junge Frau wohl regelmäßig ihren Nägeln Leid antat, vermutlich weil sie nervös war oder tiefe Ängste hatte, die sie anders nicht dirigieren konnte. Diese Ängste wollte er erfahren, sie aus ihrem Mund hören, damit er verstand, wovor er sie noch beschützen musste. Diese Anzeichen bedeuteten nicht nur Gefahr, sondern ein mögliches Risiko in der Prinzessin selbst. Er hobs einen Blick wieder an, versuchte das menschliche Gesicht zu bewahren, doch verlor es wieder. Seine Augen fanden wieder diese durchbohrende und dämonische Eigenart, die auf ihre Art sicherlich anders war aber sicherlich keinerlei echte Wärme erzeugte. Der Teufel sah Dinge, verstand Dinge, wollte sie auch fühlen und doch war sein Blick immer wieder entrückt, verdorben durch Ambition und Wissen. Doch bemühte sich der Kriegsherr gnadenvoll zu sein, ihr ehrlich zu antworten, soweit er dies konnte. So entstand eine kurze Schweigsamkeit, um die Trennlinie zwischen beiden zu schaffen, damit der verschwundene Augenblick der menschlichen Nähe als ein Wunder für sich stehen konnte und nicht durch die weiteren Sätze einseitig verdorben wurde. Belisarius wollte die Bühne sauber erneut betreten, verdrängte seine Gedanken daran, etwas anderes zu sein und so entstand ein gemeinsamen ruhiges Atmen, wo sich ihre Augen immer wieder trafen, sich lautlos unterhielten und sich gegenseitig untersuchten.
Elithea tat dies anders, wohlwollender, als er es tat. Seine Augen suchten nach Wissen, Geheimnissen und auch Zielen, wo hingegen ihre Augen einen Menschen sehen wollten, etwas an Gefühl oder Regung. Belisarius beobachtete sehr genau, wie sich ihre Worte fanden, sich ihre Gedanken bewegten, als er er seine Position am Tisch gefunden hatte. Der Becher in seiner Hand wog leicht, gut gefüllt und sicherlich auch wohlschmeckend, doch einen weiteren Schluck trank er nicht, da er seinen Blick nicht von ihr wenden wollte, um mehr zu verstehen, mehr zu wissen, wer diese Prinzessin wirklich war. Immerhin hatte sie seine Hölle betreten, nicht durch Ritual oder Wunsch, sondern allein durch Neugierde, Interesse und Ansprache. Den Teufel fand man nicht durch Gebet oder okkulte Praktik, sondern man fand ihn, indem man ihn einfach suchte und dann ansprach. Mit seiner freien Hand legte er seinen Handschuh auf dem Tischen ab, direkt neben die Weinkaraffe. Er räusperte sich kurz, lächelte dann verstehend und ging auf ihre gewählten und ausgesprochenen Gedanken ein, wobei er mit dem Becher ein paar Kreise als Gestik zog. Fast so, als ob er etwas mit der Bewegung hypnotisieren wollte. Immer wieder Kreise mit dem Becher, so dass die Flüssigkeit darin, sanft schwankte. "Sie wird lange genug anhalten," antwortete er banal aber führte dann weiter aus, nachdem er sich einer kurzen sprachlichen Pause bedient hatte. Sie sollte ihn nicht falsch verstehen. "Es macht keinen Unterschied, da auch der Unterschied nicht relevant ist. Wichtig ist nur, dass gehandelt wurde. Abschreckung ist keinerlei Daueraufgabe oder Kurzzeitziel, sondern das Bewusstsein der allgemeinen Verunsicherung und allgemeine Verunsicherung schafft mögliche Räume. Es ist der Versuch diese Räume zu nutzen," erklärte er und hielt dann mit den Kreisen seines Bechers inne, um einen Schritt auf die Prinzessin zu zugehen. Dabei war deutlich das Geräusch seiner Rüstung zu vernehmen, als er sich ruckartig auf sie zu bewegte, um den Raum als solchen zu verdeutlichen. "Ich verstehe euch nicht falsch, keine Sorge, Prinzessin. Doch euer Ansinnen richtet sich nach etwas aus, was wir nicht mehr haben," erklärte er weiter, trat dann wieder einen Schritt näher, so dass er wieder in höflicher Nähe stand, so dass beide sich besser verstehen konnten. Sein erdiger Duft, dennoch gepflegt und mit einem Hauch von Oliven und Weihrauch war wieder vernehmbar, da er stets darauf achtete, gut zu riechen, denn er hasste schlechte Gerüchte und insbesondere den Duft des Todes. Wohlwissend vor seiner Handlung, hatte er sich entsprechend angemessen parfümiert, um sich zumindest zeitweise vor dem Geruch des Todes zu bewahren. Natürlich war dies eine Illusion.
"Urteile, Rechtsfindung und auch klare Regeln funktionieren nur, wenn ein Aspekt der Macht gegeben ist," versuchte er ihr eine Regeln seines Spiels zu erklären, ohne dies explizit so zu benennen. "Zeit," betonte er dann er nach einer weiteren Sprechpause mit einem einzigen Wort, den wichtigsten Aspekt und gleichsam auch wichtigste Ressource eines Spielers, wie er selbst einer war. "Wir haben keine Zeit, da der Gegner seine Zeit besser genutzt hat. Alle Handlungen brauchen und verbrauchen Zeit, Prinzessin. Wer wenig Zeit hat, muss also Handlungen wählen, die weniger Zeit verbrauchen. Wenn wir Zeit haben, können wir auch Handlungen wählen, die mehr Zeit verbrauchen. Letztlich ist unsere Macht, die Macht unserer Zeiteinteilung. Leider ist unsere Macht derzeit überaus begrenzt, wie euer Vater leider erfahren musste und seine Zeit endete somit abrupt," sagte er und kombinierte abermals seine Erklärung mit dem für Elithea möglicher traumatischen Tod ihres Vaters. Belisarius ahnte, dass dies so war und benutzte diese Erinnerung gezielt, um die Prinzessin in seine gewünschte Richtung zu bewegen. Er hatte das Zusammenfallen ihrer Schultern bei der Erwähnung des Vaters bemerkt und konnte nun daraus schließen, dass es auch wieder in passender Ansprache funktionieren würde. Er wollte Elithea damit lenken und angreifbar machen, damit er eine dezente Kontrolle über ihre Gefühle sowie Wahrnehmung erreichen konnte. Sie sollte ihm glauben, seine Position spiegeln, damit er auch vor sich selbst Handlungen rechtfertigen konnte, die er eigentlich nicht rechtfertigen wollte. Es war kompliziert und gleichzeitig einfach. Belisarius handelte stets im Interesse der Macht, auch in dieser Zeit. "Ihr seid klug und bemerkt sehr gut, was man tun kann, doch vergesst nicht, was uns an Ressourcen gegeben ist," fügte er an und wollte ihr somit zeigen, dass er ihre Handlungen teilen konnte, wenn er die Möglichkeiten sah. "Sobald eure Familie in Sicherheit ist, natürlich auch ihr, Prinzessin, können wir uns ganz der Suche widmen," war die nicht ganz korrekte Versicherung. Denn Sicherheit gab es niemals. Nur den Versuch Sicherheit zu schaffen und manchmal konnte man dies entscheidend positiv beeinflussen. Belisarius hatte die klare Absicht dies zumindest für Elithea zu tun. "Wir haben euren Ort in King's Portal entsprechend vorbereitet und werden mit eurer Abreise eine Finte durchführen, die eure Verfolgung erschweren wird," erweiterte er seine Versicherung mit einer Erklärung, die nicht mal gelogen war. Er plante eine Finte und weitere kleinere Winkelzüge, um die Familie Trakas sicher zu transportieren.
Nun trank er doch einen Schluck Wein, ging seine Gedanken durch und antwortete dann auf ihren Vergleich, der medizinische Ideen einbrachte aber aus seiner Sicht entscheidend naiv war. Die Welt war immer krank gewesen und manchmal war man die Krankheit selbst. Elithea war eine Prinzessin, hochgeboren, gut erzogen und doch war sie Teil jener Macht, die Obrigkeit war und auch Ausbeutung schuf. Menschen beuteten den Menschen aus, so einfach war es für Belisarius und die Prinzessin konnte so nicht in die Welt blicken, so dass er ihr helfen musste, damit sie nicht an der kalten Wirklichkeit der neuen Zeit zerschellte. Ihre einleitende Entschuldigung, dass sie seine Taten bezweifelt hatte, überging er, da sie unbedeutend war. Nicht weil, Elithea unbedeutend war, sondern weil sie danach erneut nachfragte, erneut verstehen wollte und so ihren Zweifel wieder begründete. Ihre Augen sprachen ihre eigene Sprache. Sie war unsicher, dennoch suchend. Elithea wollte verstehen und diese Suche war maßgeblich dafür, dass Belisarius ihr dabei helfen wollte und somit war auch die Entschuldigung dafür unbedeutend. Es ging eben weiter, so dass Belisarius freundlich lächelte, wobei seine Augen Wissen ausstrahlten. Er wusste etwas, was sie nicht wusste. "Wir werden dafür Sorge tragen, dass diese Welt nicht mehr so krank ist, dass diese Möglichkeiten bestehen, Prinzessin. Wir kennen mögliche Ursachen aber brauchen, wie beschrieben, Zeit, um diese Ursachen auszumerzen. Leider mangelt es genau an dieser Medizin derzeit noch aber ich versichere euch, dass wir daran arbeiten, mehr Zeit zu haben und diese Zeit entsprechend zu verwenden, damit sich zumindest das Symptom des rebellischen Despoten beseitigen wird," erklärte er mit vielen Worten aber gab erneut keine klare Antwort, gab seine Geheimnisse nicht preis, was er wirklich plante. Das tat er einfach nicht aber versuchte Elithea zu vermitteln, dass sie sich nicht sorglos aber beschützt fühlen konnte. Belisarius hatte Pläne und auch Pläne innerhalb seiner Pläne. Elithea konnte vielleicht Teil davon sein, so dass auch seine Augen kurz aufblitzten, als er erneut ihre Klugheit bemerkte aber auch ihre durchaus empathische und weitreichende Weltsicht. Empathie war eine gute Waffe, sofern sie richtig verwendet wurde. Belisarius glaubte, dass die Prinzessin durchaus auch eine politische Waffe sein konnte, wenn man sie in die richtige Richtung bewegte. Soweit er wusste, war der junge Trakas Prinz naiv und nahezu übereifrig, die größere Schwester eitel und selbstgerecht, fast ziellos verschossen auf eine Heirat und die Mutter war der Trauer und Rachsucht verfallen, so dass eigentlich nur Elithea blieb, um die Trakas als politische Vehikel für größere Ziele zu nutzen. Elithea war nicht nur als Mensch interessant, sondern war vielleicht auch nützlich, um diese ganze Operation zu stabilisieren, die Zephyr nur ungenau geplant hatte.
Belisarius musste seinen größeren Nutzen sehen und Elithea half sehr gut dabei, da sie vielleicht auch aus gleicher Naivität, wie viele vor ihr, sich zu gutherzig an einen Teufel gewandt hatte, der nach seinem Auftritt menschliche Absicht als Schauspiel darbot. Er holte durch seine Nase Luft, atmete ruhig aus, strahlte dadurch eine frostige Stille aus, so als ob ihn nichts wirklich verunsichern konnte und sogar die Zeit für die beiden anhielt. Der Kriegsherr war gut darin, den Moment zu nutzen und den Moment zu unterwerfen. Belisarius hatte jetzt auch diese Zeit gewonnen, denn er wusste ja, was wirklich vor sich ging. Noch wusste er es. Die Prinzessin bot sich an, dienlich sein zu können. "Ihr ermüdet mich nicht," sagte er und hob dabei seinen Becher an, um diesen zu leeren, bevor er diesen sittsam auf dem Tisch abstellte, um seinen Handschuh wieder aufzunehmen. Im Gegenteil, ihre Fragen und ihr Wesen erfreuten ihn, da sie schlicht eine kluge Person war, die etwas in ihm geweckt hatte, was er verloren gesehen hatte: Mitgefühl. "Wir brechen in vier Stunden auf. Bereitet alles dafür vor. Ich werde euch einen Karren beschaffen, um das notwendige Gepäck zu transportieren," begann er fast militärisch mit seinen Anweisungen, die Elithea höflich eingefordert hatte. "Euch selbst und eure Familie sollt ihr in Kleidung der Dienerschaft hüllen. Ihr werdet über einen separaten Weg aus der Stadt gebracht. Die Kleidung soll schmutzig und abgetragen sein. Es darf nichts auf eure Herkunft hinweisen. Zerzaust eure Haare, schmiert euch Dreck an die Hände und wascht jedweden Duft von euch," ergänzte er und deutete dann auf Elithea. "Ihr werdet dafür Sorge tragen, dass eure Familie bereit ist. Wir haben keinerlei Zeit für lange Diskussionen...," meinte er, wobei er leicht seufzte, als er die Prinzessin zu vorbildlich anblickte. Seine Hand sank herab.
Sie würde sich deutlich umstellen müssen, auch weil sie ihr Leben in hübschen Kleidern verbracht hatte. Nicht, dass er sie für eitel hielt, ihr Kleid war angemessen und nicht protzig aber dennoch war es von hoher Qualität und der einer Prinzessin würdig. "... so sehr ich das Gepräch mit euch auch genieße...," fiel ihm dann aus dem Mund, da es die Wahrheit war. Er blickte sie eindringlich fürsorglich an. "Ihr schafft das!" - ein Ausspruch, den er wirklich ernst meinte, wobei er seine Hand ausstreckte, um ihre Hand zu halten, damit diese Versicherung fast einem magischen Ritual gleich, auch eine Bindung einherging. Wenn sie die Hand annahm, war er sich sicher, dass diese Verbundenheit dafür Sorge tragen würde, dass die Familie Trakas wirklich seine Pläne befolgte. Es war eine menschliche Geste, die einen Rückbezug auf ihren geheimen Austausch nahm. Belisarius wollte darauf Bezug nehmen und bot sich als Spielleiter für Elithea an und sagte also: "Ihr spielt nicht mehr alleine." Diese Worte sprach er fast schon melodisch schön aus und lächelte dabei fast schon zu ehrfürchtig vertrauensvoll. Da war dieser menschliche Augenblick wieder. Wenn die Prinzessin die Hand des Teufels nahm, fand sie einen geübten Lehrmeister aber verlor dabei auch einen Teil ihrer Güte und jenes Lichts, das sie zur gutherzigen und feinfühligen Elithea gemacht hatte. Doch das Angebot des Höllenkaisers war einfach aber insoweit ehrlich, so dass kein Vertrag angeboten wurde, der falsch oder irreführend war. Belisarius gab ihr das, was sie sich wünschte, wie er es oft getan hatte. Nur war das Ergebnis selten das, was die Menschen eigentlich erwarteten. In diesem Fall war es sogar für Belisarius neu. Sein Angebot würde auch ihn binden.
Ja, ihre Hand hatte nie wirklich hart gearbeitet aber das musste sie auch nicht. Belisarius fühlte ihre Haut, spürte jene Wärme als sie auf seine Kälte traf. Er atmete aus, als sein Herz schlug, einen menschlichen Herzschlag, den er so nicht kannte. Nein, es war keine Verführung, keinerlei Absicht mehr zu sein als das jetzt, und doch blickte er Elithea mit fast vertrauten Augen an, deren dämonisches Antlitz müde wankte. Er fand etwas Menschlichkeit, die schmerzte, da er wusste, dass er sie schnell wieder verlieren würde. Sie war fragil, wie die Güte, die diese Prinzessin beweisen wollte. Der Kriegsherr wusste so vieles, fühlte aber selten derartiges. Sie forderte sein Innerstes heraus, denn hier war nicht stark, sondern furchtbar schwach. Doch diese Schwäche tat gut, sich zu erklären, half und auch ihre Nähe, dass sie näher an ihn wagte, unterstützte für diesen winzigen Moment den Irrglauben, auch er könne ein anderes Leben führen, indem er Menschen beschützen würde, etwas mehr noch als das, ihnen wirklich helfen würde. Er wollte Elithea helfen. Seine Finger umschlossen dankbar ihre Finger, als sie seinen Handschuh in seine Hand zurückgelegt hatte, bevor diese Verbindung gelöst wurde. Sie sehnten nach etwas Menschlichkeit, nicht nach Gewalt und Handlungen, sondern nach Geborgenheit und einem Ort, der mehr als das jetzt sein konnte. Elithea konnte in dieser Berührung wahrnehmen, dass seine Fingerspitzen, trotz der rauen und trockenen Haut, Wärme fanden und sich mit der warmen Hand der Prinzessin verbanden, wenn auch nur sehr kurz. Belisarius senkte sein Haupt, um ihr aufmerksam zu lauschen, als sie sich heranwandte. Ihr Duft war schön, gepflegt und passte in ihre sanftmütige Weltwirkung. Elithea wollte ein guter Mensch sein, war es vielleicht auch und hatte starke Merkmale, die dies versicherten. Belisarius las sie, wie viele Menschen vor ihr und doch war es dieses mal anders. Die Prinzessin versuchte zu verstehen, nahm es nicht einfach hin. Der Kriegsherr staunte über ihre ehrliche Antwort, so dass er erneut aber dieses mal eine winzige Sekunde länger, seine Hand auf ihre Schulter legte, um sie ein Stück näher zu sich zu bewegen. Er wollte, dass ihre geteilten Geheimnisse wirklich unter sich blieben. Seine Hand auf ihrer Schulter versicherte ihr auch eine echte Vertraulichkeit, die nicht einmal gespielt war. Der Unhold und die Prinzessin war sich sehr nahe, durchbrachen jene kalte Aura, die ihn umgab und es blieb fast eine Umarmung übrig. Doch diese Beinahe-Umarmung war gebrochen und zerbrochen, als sich die Nähe nach ihrer Antwort dezent auflöste. Erneut nickte er ihr verstehend zu, gab keine Antwort mehr aber versicherte ihr mit seinen geschlossenen Augen, dass er sie verstanden hatte.
Man sprach nicht über die Regeln, sondern erfuhr sie. Belisarius würde ihr den Weg zeigen und vor Fehltritten bewahren, solange er bei ihr war. Seinen Auftrag nahm er ernst und inzwischen war es aus seiner Sicht sogar ein angenehmer Auftrag, da er einen Menschen kennenlernen dürfte, der Potenzial besaß. Es war eine dunkle Magie, die Elithea umschloss, als Belisarius seine Augen wieder öffnete und seine aufrechte Haltung wieder einnahm. Sein Arm glitt von ihrer Schulter, als sich die Distanz aufbaute und man sich den Getränken zuwandte. Kurz betrachtete er ihre Hände, bemerkte, dass die junge Frau wohl regelmäßig ihren Nägeln Leid antat, vermutlich weil sie nervös war oder tiefe Ängste hatte, die sie anders nicht dirigieren konnte. Diese Ängste wollte er erfahren, sie aus ihrem Mund hören, damit er verstand, wovor er sie noch beschützen musste. Diese Anzeichen bedeuteten nicht nur Gefahr, sondern ein mögliches Risiko in der Prinzessin selbst. Er hobs einen Blick wieder an, versuchte das menschliche Gesicht zu bewahren, doch verlor es wieder. Seine Augen fanden wieder diese durchbohrende und dämonische Eigenart, die auf ihre Art sicherlich anders war aber sicherlich keinerlei echte Wärme erzeugte. Der Teufel sah Dinge, verstand Dinge, wollte sie auch fühlen und doch war sein Blick immer wieder entrückt, verdorben durch Ambition und Wissen. Doch bemühte sich der Kriegsherr gnadenvoll zu sein, ihr ehrlich zu antworten, soweit er dies konnte. So entstand eine kurze Schweigsamkeit, um die Trennlinie zwischen beiden zu schaffen, damit der verschwundene Augenblick der menschlichen Nähe als ein Wunder für sich stehen konnte und nicht durch die weiteren Sätze einseitig verdorben wurde. Belisarius wollte die Bühne sauber erneut betreten, verdrängte seine Gedanken daran, etwas anderes zu sein und so entstand ein gemeinsamen ruhiges Atmen, wo sich ihre Augen immer wieder trafen, sich lautlos unterhielten und sich gegenseitig untersuchten.
Elithea tat dies anders, wohlwollender, als er es tat. Seine Augen suchten nach Wissen, Geheimnissen und auch Zielen, wo hingegen ihre Augen einen Menschen sehen wollten, etwas an Gefühl oder Regung. Belisarius beobachtete sehr genau, wie sich ihre Worte fanden, sich ihre Gedanken bewegten, als er er seine Position am Tisch gefunden hatte. Der Becher in seiner Hand wog leicht, gut gefüllt und sicherlich auch wohlschmeckend, doch einen weiteren Schluck trank er nicht, da er seinen Blick nicht von ihr wenden wollte, um mehr zu verstehen, mehr zu wissen, wer diese Prinzessin wirklich war. Immerhin hatte sie seine Hölle betreten, nicht durch Ritual oder Wunsch, sondern allein durch Neugierde, Interesse und Ansprache. Den Teufel fand man nicht durch Gebet oder okkulte Praktik, sondern man fand ihn, indem man ihn einfach suchte und dann ansprach. Mit seiner freien Hand legte er seinen Handschuh auf dem Tischen ab, direkt neben die Weinkaraffe. Er räusperte sich kurz, lächelte dann verstehend und ging auf ihre gewählten und ausgesprochenen Gedanken ein, wobei er mit dem Becher ein paar Kreise als Gestik zog. Fast so, als ob er etwas mit der Bewegung hypnotisieren wollte. Immer wieder Kreise mit dem Becher, so dass die Flüssigkeit darin, sanft schwankte. "Sie wird lange genug anhalten," antwortete er banal aber führte dann weiter aus, nachdem er sich einer kurzen sprachlichen Pause bedient hatte. Sie sollte ihn nicht falsch verstehen. "Es macht keinen Unterschied, da auch der Unterschied nicht relevant ist. Wichtig ist nur, dass gehandelt wurde. Abschreckung ist keinerlei Daueraufgabe oder Kurzzeitziel, sondern das Bewusstsein der allgemeinen Verunsicherung und allgemeine Verunsicherung schafft mögliche Räume. Es ist der Versuch diese Räume zu nutzen," erklärte er und hielt dann mit den Kreisen seines Bechers inne, um einen Schritt auf die Prinzessin zu zugehen. Dabei war deutlich das Geräusch seiner Rüstung zu vernehmen, als er sich ruckartig auf sie zu bewegte, um den Raum als solchen zu verdeutlichen. "Ich verstehe euch nicht falsch, keine Sorge, Prinzessin. Doch euer Ansinnen richtet sich nach etwas aus, was wir nicht mehr haben," erklärte er weiter, trat dann wieder einen Schritt näher, so dass er wieder in höflicher Nähe stand, so dass beide sich besser verstehen konnten. Sein erdiger Duft, dennoch gepflegt und mit einem Hauch von Oliven und Weihrauch war wieder vernehmbar, da er stets darauf achtete, gut zu riechen, denn er hasste schlechte Gerüchte und insbesondere den Duft des Todes. Wohlwissend vor seiner Handlung, hatte er sich entsprechend angemessen parfümiert, um sich zumindest zeitweise vor dem Geruch des Todes zu bewahren. Natürlich war dies eine Illusion.
"Urteile, Rechtsfindung und auch klare Regeln funktionieren nur, wenn ein Aspekt der Macht gegeben ist," versuchte er ihr eine Regeln seines Spiels zu erklären, ohne dies explizit so zu benennen. "Zeit," betonte er dann er nach einer weiteren Sprechpause mit einem einzigen Wort, den wichtigsten Aspekt und gleichsam auch wichtigste Ressource eines Spielers, wie er selbst einer war. "Wir haben keine Zeit, da der Gegner seine Zeit besser genutzt hat. Alle Handlungen brauchen und verbrauchen Zeit, Prinzessin. Wer wenig Zeit hat, muss also Handlungen wählen, die weniger Zeit verbrauchen. Wenn wir Zeit haben, können wir auch Handlungen wählen, die mehr Zeit verbrauchen. Letztlich ist unsere Macht, die Macht unserer Zeiteinteilung. Leider ist unsere Macht derzeit überaus begrenzt, wie euer Vater leider erfahren musste und seine Zeit endete somit abrupt," sagte er und kombinierte abermals seine Erklärung mit dem für Elithea möglicher traumatischen Tod ihres Vaters. Belisarius ahnte, dass dies so war und benutzte diese Erinnerung gezielt, um die Prinzessin in seine gewünschte Richtung zu bewegen. Er hatte das Zusammenfallen ihrer Schultern bei der Erwähnung des Vaters bemerkt und konnte nun daraus schließen, dass es auch wieder in passender Ansprache funktionieren würde. Er wollte Elithea damit lenken und angreifbar machen, damit er eine dezente Kontrolle über ihre Gefühle sowie Wahrnehmung erreichen konnte. Sie sollte ihm glauben, seine Position spiegeln, damit er auch vor sich selbst Handlungen rechtfertigen konnte, die er eigentlich nicht rechtfertigen wollte. Es war kompliziert und gleichzeitig einfach. Belisarius handelte stets im Interesse der Macht, auch in dieser Zeit. "Ihr seid klug und bemerkt sehr gut, was man tun kann, doch vergesst nicht, was uns an Ressourcen gegeben ist," fügte er an und wollte ihr somit zeigen, dass er ihre Handlungen teilen konnte, wenn er die Möglichkeiten sah. "Sobald eure Familie in Sicherheit ist, natürlich auch ihr, Prinzessin, können wir uns ganz der Suche widmen," war die nicht ganz korrekte Versicherung. Denn Sicherheit gab es niemals. Nur den Versuch Sicherheit zu schaffen und manchmal konnte man dies entscheidend positiv beeinflussen. Belisarius hatte die klare Absicht dies zumindest für Elithea zu tun. "Wir haben euren Ort in King's Portal entsprechend vorbereitet und werden mit eurer Abreise eine Finte durchführen, die eure Verfolgung erschweren wird," erweiterte er seine Versicherung mit einer Erklärung, die nicht mal gelogen war. Er plante eine Finte und weitere kleinere Winkelzüge, um die Familie Trakas sicher zu transportieren.
Nun trank er doch einen Schluck Wein, ging seine Gedanken durch und antwortete dann auf ihren Vergleich, der medizinische Ideen einbrachte aber aus seiner Sicht entscheidend naiv war. Die Welt war immer krank gewesen und manchmal war man die Krankheit selbst. Elithea war eine Prinzessin, hochgeboren, gut erzogen und doch war sie Teil jener Macht, die Obrigkeit war und auch Ausbeutung schuf. Menschen beuteten den Menschen aus, so einfach war es für Belisarius und die Prinzessin konnte so nicht in die Welt blicken, so dass er ihr helfen musste, damit sie nicht an der kalten Wirklichkeit der neuen Zeit zerschellte. Ihre einleitende Entschuldigung, dass sie seine Taten bezweifelt hatte, überging er, da sie unbedeutend war. Nicht weil, Elithea unbedeutend war, sondern weil sie danach erneut nachfragte, erneut verstehen wollte und so ihren Zweifel wieder begründete. Ihre Augen sprachen ihre eigene Sprache. Sie war unsicher, dennoch suchend. Elithea wollte verstehen und diese Suche war maßgeblich dafür, dass Belisarius ihr dabei helfen wollte und somit war auch die Entschuldigung dafür unbedeutend. Es ging eben weiter, so dass Belisarius freundlich lächelte, wobei seine Augen Wissen ausstrahlten. Er wusste etwas, was sie nicht wusste. "Wir werden dafür Sorge tragen, dass diese Welt nicht mehr so krank ist, dass diese Möglichkeiten bestehen, Prinzessin. Wir kennen mögliche Ursachen aber brauchen, wie beschrieben, Zeit, um diese Ursachen auszumerzen. Leider mangelt es genau an dieser Medizin derzeit noch aber ich versichere euch, dass wir daran arbeiten, mehr Zeit zu haben und diese Zeit entsprechend zu verwenden, damit sich zumindest das Symptom des rebellischen Despoten beseitigen wird," erklärte er mit vielen Worten aber gab erneut keine klare Antwort, gab seine Geheimnisse nicht preis, was er wirklich plante. Das tat er einfach nicht aber versuchte Elithea zu vermitteln, dass sie sich nicht sorglos aber beschützt fühlen konnte. Belisarius hatte Pläne und auch Pläne innerhalb seiner Pläne. Elithea konnte vielleicht Teil davon sein, so dass auch seine Augen kurz aufblitzten, als er erneut ihre Klugheit bemerkte aber auch ihre durchaus empathische und weitreichende Weltsicht. Empathie war eine gute Waffe, sofern sie richtig verwendet wurde. Belisarius glaubte, dass die Prinzessin durchaus auch eine politische Waffe sein konnte, wenn man sie in die richtige Richtung bewegte. Soweit er wusste, war der junge Trakas Prinz naiv und nahezu übereifrig, die größere Schwester eitel und selbstgerecht, fast ziellos verschossen auf eine Heirat und die Mutter war der Trauer und Rachsucht verfallen, so dass eigentlich nur Elithea blieb, um die Trakas als politische Vehikel für größere Ziele zu nutzen. Elithea war nicht nur als Mensch interessant, sondern war vielleicht auch nützlich, um diese ganze Operation zu stabilisieren, die Zephyr nur ungenau geplant hatte.
Belisarius musste seinen größeren Nutzen sehen und Elithea half sehr gut dabei, da sie vielleicht auch aus gleicher Naivität, wie viele vor ihr, sich zu gutherzig an einen Teufel gewandt hatte, der nach seinem Auftritt menschliche Absicht als Schauspiel darbot. Er holte durch seine Nase Luft, atmete ruhig aus, strahlte dadurch eine frostige Stille aus, so als ob ihn nichts wirklich verunsichern konnte und sogar die Zeit für die beiden anhielt. Der Kriegsherr war gut darin, den Moment zu nutzen und den Moment zu unterwerfen. Belisarius hatte jetzt auch diese Zeit gewonnen, denn er wusste ja, was wirklich vor sich ging. Noch wusste er es. Die Prinzessin bot sich an, dienlich sein zu können. "Ihr ermüdet mich nicht," sagte er und hob dabei seinen Becher an, um diesen zu leeren, bevor er diesen sittsam auf dem Tisch abstellte, um seinen Handschuh wieder aufzunehmen. Im Gegenteil, ihre Fragen und ihr Wesen erfreuten ihn, da sie schlicht eine kluge Person war, die etwas in ihm geweckt hatte, was er verloren gesehen hatte: Mitgefühl. "Wir brechen in vier Stunden auf. Bereitet alles dafür vor. Ich werde euch einen Karren beschaffen, um das notwendige Gepäck zu transportieren," begann er fast militärisch mit seinen Anweisungen, die Elithea höflich eingefordert hatte. "Euch selbst und eure Familie sollt ihr in Kleidung der Dienerschaft hüllen. Ihr werdet über einen separaten Weg aus der Stadt gebracht. Die Kleidung soll schmutzig und abgetragen sein. Es darf nichts auf eure Herkunft hinweisen. Zerzaust eure Haare, schmiert euch Dreck an die Hände und wascht jedweden Duft von euch," ergänzte er und deutete dann auf Elithea. "Ihr werdet dafür Sorge tragen, dass eure Familie bereit ist. Wir haben keinerlei Zeit für lange Diskussionen...," meinte er, wobei er leicht seufzte, als er die Prinzessin zu vorbildlich anblickte. Seine Hand sank herab.
Sie würde sich deutlich umstellen müssen, auch weil sie ihr Leben in hübschen Kleidern verbracht hatte. Nicht, dass er sie für eitel hielt, ihr Kleid war angemessen und nicht protzig aber dennoch war es von hoher Qualität und der einer Prinzessin würdig. "... so sehr ich das Gepräch mit euch auch genieße...," fiel ihm dann aus dem Mund, da es die Wahrheit war. Er blickte sie eindringlich fürsorglich an. "Ihr schafft das!" - ein Ausspruch, den er wirklich ernst meinte, wobei er seine Hand ausstreckte, um ihre Hand zu halten, damit diese Versicherung fast einem magischen Ritual gleich, auch eine Bindung einherging. Wenn sie die Hand annahm, war er sich sicher, dass diese Verbundenheit dafür Sorge tragen würde, dass die Familie Trakas wirklich seine Pläne befolgte. Es war eine menschliche Geste, die einen Rückbezug auf ihren geheimen Austausch nahm. Belisarius wollte darauf Bezug nehmen und bot sich als Spielleiter für Elithea an und sagte also: "Ihr spielt nicht mehr alleine." Diese Worte sprach er fast schon melodisch schön aus und lächelte dabei fast schon zu ehrfürchtig vertrauensvoll. Da war dieser menschliche Augenblick wieder. Wenn die Prinzessin die Hand des Teufels nahm, fand sie einen geübten Lehrmeister aber verlor dabei auch einen Teil ihrer Güte und jenes Lichts, das sie zur gutherzigen und feinfühligen Elithea gemacht hatte. Doch das Angebot des Höllenkaisers war einfach aber insoweit ehrlich, so dass kein Vertrag angeboten wurde, der falsch oder irreführend war. Belisarius gab ihr das, was sie sich wünschte, wie er es oft getan hatte. Nur war das Ergebnis selten das, was die Menschen eigentlich erwarteten. In diesem Fall war es sogar für Belisarius neu. Sein Angebot würde auch ihn binden.
