29-04-2024, 16:43 - Wörter:
"Eastergold Meadow wurde eingenommen."
Gleich drei Köpfe wirbelten herum und drei paar Hände hielten in dem inne, was sie gerade zutun gedacht hatten. Lydia nahm ihre Hände aus dem Waschzuber, Rhea ließ den Lumpen sinken und Aurelia ließ fast den Besenstiel auf das Holzparkett fallen. "Nicht wahr." "Du hast sie doch auch gestern reden gehört", warf Lydia ein. "Betrunkene reden viel." "Der Marktschreier hat die Worte des Großkönigs eben verkündet. Wir sind im Krieg."
Zum ersten Mal an diesem Morgen herrschte Stille. Kein Hundebellen, kein Gezetere. Kein Anfeinden und Ankeifen der Zwillinge. Unsicher schauten sie einander an und versuchten, Worte zu finden für die Angst, die sie alle wohl zu überkommen schien. Lydia war schließlich diejenige, die ihre Stimme wiederzufinden schien. "...gehst du, Vater?" Der stemmte seine Hände in die Hüften, presste seine Lippen aufeinander und schüttelte den Kopf. "Bei Heofader, nein. Ich bin zu alt für den Kindergarten." Außerdem konnte er bei bestem Willen nichtmal ein Schwert haben, das wussten sie alle. "Aber wir müssen uns bei Barrolo erkundigen. Im Keller steht noch eine Weinlieferung für ihn, wohin damit..." Ah, ja, das klang nach etwas, das Lydia gerne tat. Sich nach jemandem über einen Brief erkundigen. Aber als Aurelia sich wieder daran machen wollte, über den staubigen Boden zu fegen, hallte die Stimme ihrer Mutter durch den Raum. "Aurelia, das ist eine wunderbare Gelegenheit, deine Schrift zu verbessern." "Mamaaa..." "Setz dich hin. Du bist kein Kind mehr."
Liebster Onkel, liebe Cousinen,
heute ist Kunde darüber angekommen, was in Eastergold Meadow passiert ist. Seid ihr wohlauf? Wir sind uns nicht einmal sicher, ob dieser Brief euch überhaupt erreicht oder abgefangen wird. Gebt doch bitte ein Lebenszeichen von euch und sagt uns, wie wir euch helfen können. Wenn ihr einen Unterschlupf braucht, könnt ihr natürlich jederzeit bei uns unterkommen.
Oh, und wir haben noch ein paar Fässer Vater meinte, eine Weinlieferung für euch würde noch im Keller stehen, nun sind wir uns aber nicht sicher, wie wir euch erreichen können. Am besten halten wir solange an der Lieferung fest, bis wir wissen, wie es um euch steht.
Heofader sei mit euch.
Gleich drei Köpfe wirbelten herum und drei paar Hände hielten in dem inne, was sie gerade zutun gedacht hatten. Lydia nahm ihre Hände aus dem Waschzuber, Rhea ließ den Lumpen sinken und Aurelia ließ fast den Besenstiel auf das Holzparkett fallen. "Nicht wahr." "Du hast sie doch auch gestern reden gehört", warf Lydia ein. "Betrunkene reden viel." "Der Marktschreier hat die Worte des Großkönigs eben verkündet. Wir sind im Krieg."
Zum ersten Mal an diesem Morgen herrschte Stille. Kein Hundebellen, kein Gezetere. Kein Anfeinden und Ankeifen der Zwillinge. Unsicher schauten sie einander an und versuchten, Worte zu finden für die Angst, die sie alle wohl zu überkommen schien. Lydia war schließlich diejenige, die ihre Stimme wiederzufinden schien. "...gehst du, Vater?" Der stemmte seine Hände in die Hüften, presste seine Lippen aufeinander und schüttelte den Kopf. "Bei Heofader, nein. Ich bin zu alt für den Kindergarten." Außerdem konnte er bei bestem Willen nichtmal ein Schwert haben, das wussten sie alle. "Aber wir müssen uns bei Barrolo erkundigen. Im Keller steht noch eine Weinlieferung für ihn, wohin damit..." Ah, ja, das klang nach etwas, das Lydia gerne tat. Sich nach jemandem über einen Brief erkundigen. Aber als Aurelia sich wieder daran machen wollte, über den staubigen Boden zu fegen, hallte die Stimme ihrer Mutter durch den Raum. "Aurelia, das ist eine wunderbare Gelegenheit, deine Schrift zu verbessern." "Mamaaa..." "Setz dich hin. Du bist kein Kind mehr."
24. Tag im 2. Monat der Sonne
Liebster Onkel, liebe Cousinen,
heute ist Kunde darüber angekommen, was in Eastergold Meadow passiert ist. Seid ihr wohlauf? Wir sind uns nicht einmal sicher, ob dieser Brief euch überhaupt erreicht oder abgefangen wird. Gebt doch bitte ein Lebenszeichen von euch und sagt uns, wie wir euch helfen können. Wenn ihr einen Unterschlupf braucht, könnt ihr natürlich jederzeit bei uns unterkommen.
Heofader sei mit euch.
Aurelia Marsili
