30-04-2024, 22:37 - Wörter:

"Hallo! Ich bin hier!"
Er blieb stehen, blinzelte gegen den Regen und versuchte, etwas zu erkennen, das wie eine Person aussah, doch er konnte nur Schemen sehen. „Ana?“ "Hallo! Ich bin hier! Hallo!"
Gareth drehte sich im Kreis, unsicher aus welcher Richtung der Ruf gekommen war. „Ana, hierher!“ Er hielt inne, als er schließlich doch eine Person auf sich zukommen sah, die aus der entgegengesetzten Richtung lief. Erleichtert atmete er aus und war in wenigen Sekunden bei ihr. Sie starrte ihn an, als könnte sie nicht glauben, dass er hier vor ihr stand.
„Große Mutter Ceridwen, ich danke dir.“ Der junge Mann widerstand nur schwer dem Drang, die Prinzessin zu umarmen, als sie wohlbehalten vor ihm auftauchte. Stattdessen setzte er ein ernstes Gesicht auf. „Was hast du dir nur dabei gedacht, bei diesem Wetter hier im Wald herumzulaufen?“ Wobei Gareth viel zu erleichtert war, um einen wirklich strengen Ton anzuschlagen. Nun mussten sie jedoch schnell eine Möglichkeit finden, sich unterzustellen.
Er zog seine Jacke aus und legte sie der tropfnassen Prinzessin über die Schultern, griff dann nach ihrer Hand. „Komm, hier in der Nähe ist eine Hütte, welche die Jäger nutzen. Da können wir warten, bis das Gewitter sich verzogen hat.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, lief Gareth los und zog Ana hinter sich her. Er bog in einen kleinen Pfad ein, den nur jemand, der sich hier auskannte, als solchen erkannt hätte.
Sie folgten dem Weg, der nicht mehr als ein Trampelpfad war, nur wenige Minuten, bis eine einfache Holzhütte zwischen den Bäumen auftauchte. Gareth schob den Riegel nach oben, trat gegen die Tür, weil er wusste, dass sie klemmte, welche schließlich knarrend nach innen aufschwang. Im Inneren roch es muffig und die Hütte bestand nur aus einem Raum mit einer Feuerstelle im hinteren Bereich. Zwei Fenster waren mit Tierhäuten abgedichtet und ließen nur wenig Licht herein.
Der Sohn der Hohepriesterin schloss die Tür hinter der Prinzessin und steuerte die Feuerstelle an. Mit einem geübten Griff, der zeigte, dass er nicht das erste Mal in dieser Hütte war, zog er eine Holzschachtel aus einer Nische in der Wand. Dort drin befand sich alles, um ein Feuer entfachen zu können - Schlageisen, Feuerstein und Zunder. Es dauerte nicht lange und Gareth hatte eine Glut entfacht, die er mit dem ebenfalls vorhandenen Brennmaterial am Leben erhielt und mit kleinen Ästen verstärkte.
Erst jetzt wandte er sich wieder an die Prinzessin und zeigte auf einen grob behauenen Baumstamm in der Nähe der Feuerstelle, der wohl als Sitzgelegenheit diente. „Setz dich ans Feuer und wärm dich etwas auf. Wir bleiben lieber hier in der Hütte, bis das Gewitter vorbeigezogen ist.“ Gareth nickte Ana aufmunternd zu, zog sich das völlig durchnässte Hemd über den Kopf, drückte es aus und hängte es an ein quer durch den Raum gezogenes Seil, an dem normalerweise das Wild aufgehängt wurde.
Dann ließ er sich auf dem Baumstamm neben Ana nieder, stocherte mit einem Stock in der Glut herum, schob seine nassen Haarsträhnen aus der Stirn und warf dann einen Seitenblick auf die Prinzessin. „Alles in Ordnung? Geht es dir gut?“
