02-05-2024, 22:07 - Wörter:
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02-05-2024, 22:15 von Aleena Stelhammer.)
Der Regen fiel stetig vom wolkenverhangenen Himmel. Ihr Land machte seinem Namen alle Ehre, doch ehrlich gesagt wünschte sich die Rothaarige kaum etwas mehr als konstanten Sonnenschein, der ihr das Gemüt wärmte. Sie war ein Kind des guten Wetters, ihre Seele fing ebenso an zu strahlen wie es die Sonne tat, wenn mal keine dunkle Regenwolke über Ishcateslieve hing - was zugegebenermaßen äußerst selten vorkam. Mit einem genervten Seufzen ließ sie ihre Stirn an das kühle Glass ihrer Fensterscheibe fallen. Sie schloss für einen Moment die Augen und versuchte etwas Schönes an dem herbstlichen Wetter zu finden, doch egal wie lange sie auch ihr Gedächtnis durchforstete - es fiel ihr nichts ein. Das einzige, was halbwegs annehmbar war, war dem Regen aus dem Wasser der heißen Quellen zu lauschen. Aber das letzte Mal, dass ihre eigene zarte Haut das so wohltuende Salz gespürt hat war viel zu lang her. Ihr Vater verbat, dass sie sich ständig in der Nähe der vielen einzelnen Quellen aufhielt. Dabei hatte er ihr in all' den letzten Jahren schon gefühlt jeden erdenklichen Grund dafür genannt: eine Frau tat das nicht, es sei zu gefährlich, sie würde die Kunden vergraulen (was ja wohl eher genau das Gegenteil war!), sie sollte sich besser damit beschäftigen einen geeigneten Ehemann zu finden und weiß Ceridwen was noch alles. Mittlerweile hörte sie kaum noch zu und er machte sich kaum noch die Mühe überhaupt irgendetwas zu ihr zu sagen.
Je länger sie über die endlosen Gespräche nachdachte, in denen sie die meiste Zeit gedanklich überlegte mit welchem Kleid sie als nächstes die Soldaten um den Verstand bringen konnte, die ein heißes Bad nehmen wollte, desto verärgerter wurde sie. Muirín wollte nicht heiraten. Sie wollte mehr sein, als nur die Ehefrau von irgendjemandem. Sie wollte nicht nur eine einzige Aufgabe in ihrem ganzen Leben haben. Sie wollte mehr, als nur Kinder zu bekommen. Sie wollte sich in ihren Träumen verlieren, denen sie noch niemals so viel Raum eingeräumt hatte, dass sie überhaupt wusste, wovon sie träumte. Aber sie wollte träumen! Sie wollte so viel mehr, als nur noch das lästige Eheweib von irgendeinem dahergelaufenen Fürsten oder Prinzen sein, der sie zwar ganz nett anzusehen fand, aber sonst nichts mit ihr anzufangen wusste. Sie wollte herausfinden wer sie außerhalb dieser gesellschaftlich auferlegten Grenzen sein konnte, doch in dem abgelegenen Ort, in dem sie aufgewachsen war, war das nahezu unmöglich. Außerdem versuchten ihr Vater und ihr aktuell ziemlich verhasster großer Bruder so schnell wie möglich eine Heirat zu organisieren.
Wieder ein leises Schnauben, das nicht mal ansatzweise die Wut in ihrem Inneren ausdrücken konnte. Sie musste hier raus! Mit einer ruckartigen Bewegung stand die Rothaarige auf, schnappte sich einen Wollumhang und zog sich die Kapuze tief ins Gesicht. Obwohl die Henaghen alles andere als gläubig war, sandte sie ein Stoßgebet zur heiligen Mutter Ceridwen, dass sie sowohl ihr Bruder, als auch ihr Vater in Ruhe ließen. Nachdem sie sich so in ihren eigenen Gedanken verloren hatte, konnte sie für nichts mehr garantieren.
Mit schnellen Schritten verließ sie das weitläufige Anwesen ihrer Familie und lief in Richtung der verwinkelten Gebirgsgänge, die alle irgendwo zu größeren und kleineren heißen Quellen führten. Es war ihr Spielplatz als Kind gewesen und auch wenn sich ihre "Spiele" verändert hatten, war das hier immer noch ihr Gelände. Es gehörte ihrer Familie. Der Fürstenfamilie von Ishcateslieve. Am liebsten hätte die Rothaarige sich in diesem Moment übergeben. Es war ein Käfig. Ein Gefängnis! Schlimmer noch: man ließ sie am langen Arm verhungern. Man gaukelte ihr vor eine Wahl zu haben, ein freies Leben zu führen, doch stattdessen entschied man hinter verschlossener Tür, dass sie als Frau keine eigenen Entscheidungen treffen konnte, weil diese ja sowieso nur voller romantisierter Märchenvorstellungen seien.
Ihre Schritte wurden schneller.
Der Regen prasselte auf die dunkle Robe, die ihren sonst so weiblichen Körper gut zu verhüllen wusste. Ihre Haare hingen ihr in Strähnen vom Kopf und glänzten kupferfarben in dem flackerndem Licht der Öllampen, die bei jeder Quelle befestigt waren. In die Gebirgswege kam nicht immer besonders viel Sonnenlicht, je nach dem wo diese am Himmel stand und wie die Felsvorsprünge gebogen waren.
Eine Hand am nackten Stein abgestützt blieb sie das erste Mal wieder stehen, seit sie das Haus verlassen hatte. Ihr Atem ging stoßweise und abgehackt. Es war, als wären die ganzen negativen Gefühle durch den Regen aus ihr rausgewaschen worden. Normalerweise würde sie den Teufel tun und bei diesem Wetter vor die Tür zu gehen - viel zu wichtig waren ihr ihr Aussehen, ihre leicht gewellten Haare und der Khol, der ihre Wimpern zur Geltung bringen sollte. Doch dass sie hier überhaupt jemanden treffen würde, der bei diesem Wetter draußen unterwegs war, damit hätte sie nicht gerechnet...
Je länger sie über die endlosen Gespräche nachdachte, in denen sie die meiste Zeit gedanklich überlegte mit welchem Kleid sie als nächstes die Soldaten um den Verstand bringen konnte, die ein heißes Bad nehmen wollte, desto verärgerter wurde sie. Muirín wollte nicht heiraten. Sie wollte mehr sein, als nur die Ehefrau von irgendjemandem. Sie wollte nicht nur eine einzige Aufgabe in ihrem ganzen Leben haben. Sie wollte mehr, als nur Kinder zu bekommen. Sie wollte sich in ihren Träumen verlieren, denen sie noch niemals so viel Raum eingeräumt hatte, dass sie überhaupt wusste, wovon sie träumte. Aber sie wollte träumen! Sie wollte so viel mehr, als nur noch das lästige Eheweib von irgendeinem dahergelaufenen Fürsten oder Prinzen sein, der sie zwar ganz nett anzusehen fand, aber sonst nichts mit ihr anzufangen wusste. Sie wollte herausfinden wer sie außerhalb dieser gesellschaftlich auferlegten Grenzen sein konnte, doch in dem abgelegenen Ort, in dem sie aufgewachsen war, war das nahezu unmöglich. Außerdem versuchten ihr Vater und ihr aktuell ziemlich verhasster großer Bruder so schnell wie möglich eine Heirat zu organisieren.
Wieder ein leises Schnauben, das nicht mal ansatzweise die Wut in ihrem Inneren ausdrücken konnte. Sie musste hier raus! Mit einer ruckartigen Bewegung stand die Rothaarige auf, schnappte sich einen Wollumhang und zog sich die Kapuze tief ins Gesicht. Obwohl die Henaghen alles andere als gläubig war, sandte sie ein Stoßgebet zur heiligen Mutter Ceridwen, dass sie sowohl ihr Bruder, als auch ihr Vater in Ruhe ließen. Nachdem sie sich so in ihren eigenen Gedanken verloren hatte, konnte sie für nichts mehr garantieren.
Mit schnellen Schritten verließ sie das weitläufige Anwesen ihrer Familie und lief in Richtung der verwinkelten Gebirgsgänge, die alle irgendwo zu größeren und kleineren heißen Quellen führten. Es war ihr Spielplatz als Kind gewesen und auch wenn sich ihre "Spiele" verändert hatten, war das hier immer noch ihr Gelände. Es gehörte ihrer Familie. Der Fürstenfamilie von Ishcateslieve. Am liebsten hätte die Rothaarige sich in diesem Moment übergeben. Es war ein Käfig. Ein Gefängnis! Schlimmer noch: man ließ sie am langen Arm verhungern. Man gaukelte ihr vor eine Wahl zu haben, ein freies Leben zu führen, doch stattdessen entschied man hinter verschlossener Tür, dass sie als Frau keine eigenen Entscheidungen treffen konnte, weil diese ja sowieso nur voller romantisierter Märchenvorstellungen seien.
Ihre Schritte wurden schneller.
Der Regen prasselte auf die dunkle Robe, die ihren sonst so weiblichen Körper gut zu verhüllen wusste. Ihre Haare hingen ihr in Strähnen vom Kopf und glänzten kupferfarben in dem flackerndem Licht der Öllampen, die bei jeder Quelle befestigt waren. In die Gebirgswege kam nicht immer besonders viel Sonnenlicht, je nach dem wo diese am Himmel stand und wie die Felsvorsprünge gebogen waren.
Eine Hand am nackten Stein abgestützt blieb sie das erste Mal wieder stehen, seit sie das Haus verlassen hatte. Ihr Atem ging stoßweise und abgehackt. Es war, als wären die ganzen negativen Gefühle durch den Regen aus ihr rausgewaschen worden. Normalerweise würde sie den Teufel tun und bei diesem Wetter vor die Tür zu gehen - viel zu wichtig waren ihr ihr Aussehen, ihre leicht gewellten Haare und der Khol, der ihre Wimpern zur Geltung bringen sollte. Doch dass sie hier überhaupt jemanden treffen würde, der bei diesem Wetter draußen unterwegs war, damit hätte sie nicht gerechnet...
