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patience wins hearts, just as it wins battles
02.08.1016 - 21:00
Zephyrs Zimmer im Gasthaus The Gallows, Bellport
Zephyr Athanas Orpheus Castellanos

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Orpheus Castellanos
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User
#8
Orpheus fühlte sich leicht schwindlig, und es war ein Glück, dass er saß, sonst hätte ihm diese Erkenntnis buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen. Es war ihm durchaus bewusst, wie die Dinge in Castandor schon seit geraumer Zeit liefen. Sein Vater schien nur noch daran interessiert zu sein, dass sein Becher stets voll Wein war, während sein Bruder vor jeglicher Verantwortung floh und sich von einem Vergnügen zum nächsten hangelte. Doch der jüngere Castellanos-Spross hatte einfach die Augen davor verschlossen und sich darauf ausgeruht, dass er eh nur der Zweitgeborene war. Diesen Zahn hatte Zephyr ihm nun endgültig gezogen.

Er schluckte hart, als die volle Wucht der Erkenntnis wie eine Welle über ihn hereinbrach und ihn zu ertränken drohte. Er versuchte verzweifelt, seine Gedanken in Worte zu fassen, aber selbst für ihn klang es wie eine Ausrede, als versuche auch er sich nur vor der Verantwortung zu drücken. Doch wäre er dann nicht genauso feige wie sein Vater und sein Bruder? Waren sie nicht alle nur privilegierte Feiglinge, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhten und ihre Tage in trügerischer Behaglichkeit verbrachten? Zephyr fand klare Worte, die genau das beschrieben, was Orpheus nun mit aller Deutlichkeit bewusst wurde: die Last der Verantwortung, die es bedeutete, die Krone Castandors zu tragen. Das war es, wovor sie alle zurückwichen. In die Trunksucht, die flüchtigen Liebschaften, und er selbst, Orpheus, tat dasselbe mit seinen endlosen Reisen. Er floh vor der Verantwortung, die letztlich allein dem König oblag. Die Erkenntnis fühlte sich an wie ein eiskalter Schwall aus einem Eimer Wasser. Warum hatte er das nicht früher begriffen?

Es war, als ob Orpheus aus einem angenehmen Traum erwacht wäre, der sich als Illusion seines wahren Lebens entpuppte. Die Realität war kalt und unbarmherzig, stand an den Toren seiner Heimat in glänzender Rüstung und mit gezückten Schwertern, begierig nach Blut und dem Thron. Sein zögerlicher Vorschlag, er könnte mit Leandros sprechen, traf nicht gerade auf Begeisterung bei Zephyr, doch dessen geschickter Geist erkannte sofort einen kleinen möglichen Vorteil darin. Orpheus hegte einen Funken Hoffnung, dass sein Bruder doch noch nicht als Kronprinz verloren war, und nickte bei Zephyrs Idee. "Ich werde es versuchen. Vielleicht kann ich ihm endlich die Ernsthaftigkeit der Lage klarmachen." Es war nicht viel mehr als ein Strohhalm, denn Orpheus hatte Leandros seit Wochen kaum gesehen und wusste nicht, ob er überhaupt zuhören würde. Aber es war besser als nichts.

Nachdenklich starrte der junge Mann ins prasselnde Feuer. Sein Kopf schmerzte von den vielen quälenden Gedanken, die sich wie Dornen in seinem Verstand verfingen. Viele dieser Gedanken waren noch unvollendet und warteten darauf, zu Ende gedacht oder mit anderen verknüpft zu werden. Doch eins war Orpheus nun klar: Er musste eine Entscheidung treffen. Er konnte nicht länger so tun, als wäre alles in Ordnung und die Welt eine fröhliche Bühne für seine Reisen. Er konnte seine Heimat nicht im Stich lassen. Außerdem war er als Ritter ausgebildet worden, und auch wenn er keine Freude am Kämpfen fand, wusste er, was es bedeutete, eine Klinge zu führen.

"Zephyr", begann Orpheus schließlich und sah seinen Ausbilder entschlossen an, auch wenn seine Stimme leicht zitterte, "ich werde mich meinen Pflichten stellen. Ich werde nicht wie mein Vater und mein Bruder davonlaufen. Castandor braucht uns und vertraut auf uns. Wir dürfen unser Volk nicht enttäuschen." Er richtete sich etwas auf und wirkte plötzlich älter und erwachsener, als er war. "Ich werde gemeinsam mit Leandros die Truppen führen. Und wenn er nicht will, dann eben allein." Orpheus verstummte, als ihm bewusst wurde, was er gerade gesagt hatte, und schluckte erneut. "Ich... werde deine Hilfe brauchen, mehr als je zuvor, Zephyr."

Neben diesem ernsten Thema gab es auch noch eine andere Schlacht, die der junge Prinz zu schlagen hatte, und er wusste nicht, was ihm mehr Kopfzerbrechen bereitete. Doch auch hier erwies sich sein früherer Ausbilder und Freund als äußerst hilfreich. Seine einfühlsamen Worte beruhigten Orpheus ein wenig. Offenbar war er nicht der einzige Mann auf der Welt, der sich wegen bevorstehender Herausforderungen, die eine Ehe mit sich brachten, sorgte.

Vielleicht, so dachte Orpheus, war es tatsächlich möglich, gemeinsame Interessen mit Prinzessin Naila zu finden, wie Zephyr meinte. Auch wenn er sich im Moment nicht vorstellen konnte, was das sein könnte. Las sie Gedichte oder die Werke antiker Meister? Interessierte sie sich für Malerei, Musik oder die alte Sprache des Herbstlandes, Fliach? Oder war sie wie die anderen adligen Frauen nur an Hofintrigen und Affären interessiert, während sie ihre Stickereien vollendete und ihren Tee süßte? Er nickte wenig überzeugt, doch Zephyr konnte sicher sein, dass Orpheus seine Worte ernst nahm und lange genug darüber nachdenken würde. Vielleicht würde er sogar irgendwann zu einer Lösung kommen, wie er mit Naila Gemeinsamkeiten finden könnte. "Ich hoffe, du hast recht und wir finden gemeinsame Interessen."

Das nächste Thema war für Orpheus das Peinlichste, doch wusste er nicht, mit wem er sonst seine Sorgen teilen konnte. Leandros hatte ihn nur ausgelacht, als er ihm die junge Frau präsentierte, und sein kleiner Bruder hatte nicht einmal gewollt, dass sie sich auszog, geschweige denn ihn berührte. Wie konnte man nur so verklemmt sein? Doch er hatte einfach nicht verstanden, dass für den jüngeren Prinzen mehr dazu gehörte als ein hübsches Gesicht und ein weiblicher Körper, um sich hinzugeben. So etwas wie Vertrauen dem anderen Menschen gegenüber.

"Nein, ich möchte niemand Fremdes in meinem Bett haben. Und genau das ist das Problem, Zephyr. Ich kenne die Prinzessin kaum und weiß nicht, was ihr gefällt und was nicht. Ich möchte sie gerne zufriedenstellen, dass sie sich wohlfühlt. Doch habe ich gehört, dass es Frauen kein Vergnügen, sondern nur Schmerzen bereitet, beim ersten Mal. Ist das wahr? Wie kann ich das verhindern? Ich will ihr doch nicht wehtun."
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RE: patience wins hearts, just as it wins battles - von Orpheus Castellanos - 01-03-2024, 21:50
RE: patience wins hearts, just as it wins battles - von Orpheus Castellanos - 17-03-2024, 21:56
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RE: patience wins hearts, just as it wins battles - von Orpheus Castellanos - 05-09-2024, 21:23

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