11-05-2024, 20:28 - Wörter:
Mochte sie eine Frau sein und hatte damit nichts in der vorherigen Diskussion zu sagen, körperlich natürlich wohl einem jedem anwesenden Mann unterlegen, war sie dennoch alles andere als hilflos. Nach all den Jahren in diesem Palast, kannte Amira wohl genügend Verstecke für den Notfall und die unterschiedlichen Sicherheitsvorkehrungen, welche der Königsfamilie dienlich waren. Dazu gehörte auch, dass Gardisten die Wege auf solch unauffälliger Weise säumten, dass sie beim Bemerken oft wie Statuten bewegungslos wirken konnten, bedächtig und abwesend. Amira wusste, dass dem nicht so war. Deswegen hatte sie keine Nervosität begleitet, ihn alleine in die Gärten hinaus zu führen, und deswegen war auch keiner der Soldaten aus dem Gesellschaftsraum ihnen gefolgt. Der Kaufmann, der versuchte einen Fuß in den ehrenwerten Handelskreis zu setzen, wusste davon sicherlich nichts und hatte es verpasst sich im Vorfeld über seine Kontakte zu informieren, oder gar genügend Anstand zu besitzen nicht eine jede Frau, die keine Krone trug, als verfügbare Ware zu sehen. Tatsächlich kam solch ein Vorfall, wie sich hier zeigen sollte, angenehm selten vor.
Der Schmerz war geringer als das Erschweren des Atmens, das aber aufgrund wachsamer Augen nicht lange andauern sollte. Unfreiwillig löste sich Tariks Griff von ihrem Hals, auf dem die roten Abdrücke der Finger wohl nur einige Minuten überdauern sollten, und zu dem sie instinktiv hinauf griff, als er freigegeben worden war. Erst jetzt spürte sie den hämmernden Herzschlag in ihrer Brust, denn auch, wenn sie von den Gardisten wusste, wenn es nicht lange gedauert hatte, der Moment war bedrohlich geblieben. Unschön, als dass sie die Courage hätte es mit einem Wimpernschlag zu ignorieren, selbst wenn man ihr die Erschütterung nicht ansehen sollte. Zumindest der Kaufmann würde es nicht bemerken, in seinem geistesgegenwärtigen Zustand der Trunkenheit schon gar nicht.
„Nein, Ihr seid zur rechten Zeit gekommen. Ich danke Euch.“ Und sie sah unter den Turban und hinter dem verschleierten Gesicht die dunklen Augen, die ihr wohl bekannt waren. Es waren wohl wenige Worte, welche die beiden jemals miteinander geteilt hatten, aber Vasim schien stets zur richtigen Zeit vor Ort zu sein und ebenso unsichtbar sich im Hintergrund zu halten, wenn seine Dienste nicht benötigt wurden. Zu ihrer Schande musste Amira sich eingestehen, nicht ein jedes Mitglied der königlichen Garde mit Namen zu kennen, während ihr die Gesichter aller vertraut waren.
Ein verächtliches Schnauben von der Seite machte deutlich, dass die Wut sich ob der Unterbrechung seiner Kanalisierung nicht verringert hatte, und kaum böswilliger hätte nun die Unterstellung seinerseits sein können, die speiend hervor gebracht worden war. Amira hatte nichts mit den königlichen Geschäften zu tun und mischte sich auch nicht ein, da sie es vorzog der Königin nach ihren Wünschen zu dienen, anstatt sich fälschlicherweise ihrer Position zu bedienen und ihren Einfluss auszunutzen. Aber sie konnte nicht leugnen den Gedanken aufkeimen zu lassen, über Tarik beiläufig ein schlechtes Wort verlieren zu wollen. Natürlich würde es dennoch der Königin obliegen sich von ihrem Indiz leiten zu lassen, so dass die Verantwortung über sein geschäftliches Potenzial nicht mehr auf Amira lag, aber es widerstrebte ihr einen Schritt in die Richtung dieses Pfades zu tätigen. Die spekulative Idee alleine genügte ihr.
Nachdem Amira nun einschätzen konnte, wozu er fähig wäre, war sie auch nicht mehr bereit ihm eine Gesellschaft für die Nacht zu organisieren. Sie könnte es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, befürchten zu müssen, dass sich seine Wut hielt und in Zweisamkeit niemand da wäre um einem Mädchen Schutz zu bieten. „In der Tat“, stimmte sie Tarik zu und die Überraschung darüber, dass ihm Amira gerade eben zugestimmt hatte, stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Er schien für den Augenblick sogar die wankende Bewegung vergessen zu haben, die seinen Körper gerade eben noch beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. „Ich habe darum gebeten, ihn zu seinen Räumlichkeiten im westlichen Flügel begleiten zu dürfen. Da Herr Tarik Ayoub im Palast das erste Mal zu Gast ist, erschien es mir angemessen darauf Acht zu geben, dass er sicheren Geleits den kürzesten Weg findet.“ Die Räder hinter dessen Stirn schienen zwar auf Hochtouren zu arbeiten, aber zu keinem vernünftigen Ergebnis kommen zu wollen. Dass Vasim verstand, hoffte sie allerdings sehr. Sie nickte diesem zu, als würde es sich um eine Verabschiedung handeln, ehe sie ihren Arm deutend für Tarik ausbreitete und er, wohl immer noch nachdenkend, ob das nun hieße, dass die Frau ihre Meinung zu der Nachtbeschäftigung geändert habe, diesem Deut folgte.
Ungeachtet, was geschehen war, es lag ihr fern eine eskalierende Szene zu provozieren. Vielleicht war sie naiv zu glauben, dass Tarik nun seine Hände bei sich behalten würde, aber ein guter Meter Abstand zueinander und ein langer Schatten hinter ihnen, würde für die Deeskalation Sorge tragen. Mit jedem Schritt, bei dem Amira nicht sprach, und keine Andeutung möglicher Näherung stattfand, schien sich der Frust bei dem Kaufmann zu erhöhen. Nun aber bemerkte er das erste Mal, dass an manch einem Balkon oder einer Ecke ein Gardist in Sichtweite stand, und seine Schritte wurden wutstapfend schwerer, als hätte er an die fünfzig Altersjahre verloren und wäre ein quengelnder Junge geworden, der seiner Mutter zu folgen hatte.
Die Gästequartiere befanden sich tatsächlich nicht weit von den Gärten und den Gesellschaftsräumen, da man Fremde oder auch öfters bekannte Außenstehende nicht allzu weit in das Palastgelände hinein laufen lassen wollte. Verständlich, wenn man die Unruhen bedachte, die selbst Amira zu Ohren gekommen waren. Der Schutz der Königsfamilie hatte hier oberste Priorität. Schließlich stoppten ihre Schritte vor einer dunklen Holztür und man konnte wohl behaupten, dass selbst im sturzbetrunkenen Zustand dieser Weg zu finden gewesen wäre. „Wo du jetzt schon hier bist,- “ Während seiner Worte hatte Tarik sich zu ihr herum gedreht gehabt, doch etwas hinter ihrem Rücken schien ihm Anlass genug zu sein, seine Aussage nochmals zu überdenken. Der bewegte Kiefer sprach von den mahlenden Zähnen, und erbost schnaufend wirbelte er herum um in sein Zimmer einzutreten, wenngleich nicht ohne die Tür mit einem sehr lauten Knall hinter sich ins Schloss zu werfen.
Erst jetzt atmete Amira die Anspannung aus, die trotz allem ihren Weg begleitet hatte. Mochte sie auch von der Kampfesfähigkeit der Gardisten überzeugt sein, ein Tumult oder Eklat wäre das letzte, was sie hatte erleben wollen. Solange eine ruhige und friedliche Lösung möglich wäre, war dies immer ihre erste Wahl. Nun wandte sie sich selbst um und trat zurück in den Schein einer der lodernden Standfackeln, die abschnittsweise die steinernen Tafeln des Bodens ausleuchteten und ihren Kreis um sich zogen. „Vasim?“, fragte sie leise und war sich nicht sicher, ob er nicht womöglich bereits zu den Gärten zurückgekehrt war kaum, dass die Tür ins Schloss gefallen war. Schließlich war da eine Bewegung, zuvor unsichtbar wie eh und je. „Bitte erlaubt mir, Euch zum Dank zu Eurem Posten zu begleiten.“
Der Schmerz war geringer als das Erschweren des Atmens, das aber aufgrund wachsamer Augen nicht lange andauern sollte. Unfreiwillig löste sich Tariks Griff von ihrem Hals, auf dem die roten Abdrücke der Finger wohl nur einige Minuten überdauern sollten, und zu dem sie instinktiv hinauf griff, als er freigegeben worden war. Erst jetzt spürte sie den hämmernden Herzschlag in ihrer Brust, denn auch, wenn sie von den Gardisten wusste, wenn es nicht lange gedauert hatte, der Moment war bedrohlich geblieben. Unschön, als dass sie die Courage hätte es mit einem Wimpernschlag zu ignorieren, selbst wenn man ihr die Erschütterung nicht ansehen sollte. Zumindest der Kaufmann würde es nicht bemerken, in seinem geistesgegenwärtigen Zustand der Trunkenheit schon gar nicht.
„Nein, Ihr seid zur rechten Zeit gekommen. Ich danke Euch.“ Und sie sah unter den Turban und hinter dem verschleierten Gesicht die dunklen Augen, die ihr wohl bekannt waren. Es waren wohl wenige Worte, welche die beiden jemals miteinander geteilt hatten, aber Vasim schien stets zur richtigen Zeit vor Ort zu sein und ebenso unsichtbar sich im Hintergrund zu halten, wenn seine Dienste nicht benötigt wurden. Zu ihrer Schande musste Amira sich eingestehen, nicht ein jedes Mitglied der königlichen Garde mit Namen zu kennen, während ihr die Gesichter aller vertraut waren.
Ein verächtliches Schnauben von der Seite machte deutlich, dass die Wut sich ob der Unterbrechung seiner Kanalisierung nicht verringert hatte, und kaum böswilliger hätte nun die Unterstellung seinerseits sein können, die speiend hervor gebracht worden war. Amira hatte nichts mit den königlichen Geschäften zu tun und mischte sich auch nicht ein, da sie es vorzog der Königin nach ihren Wünschen zu dienen, anstatt sich fälschlicherweise ihrer Position zu bedienen und ihren Einfluss auszunutzen. Aber sie konnte nicht leugnen den Gedanken aufkeimen zu lassen, über Tarik beiläufig ein schlechtes Wort verlieren zu wollen. Natürlich würde es dennoch der Königin obliegen sich von ihrem Indiz leiten zu lassen, so dass die Verantwortung über sein geschäftliches Potenzial nicht mehr auf Amira lag, aber es widerstrebte ihr einen Schritt in die Richtung dieses Pfades zu tätigen. Die spekulative Idee alleine genügte ihr.
Nachdem Amira nun einschätzen konnte, wozu er fähig wäre, war sie auch nicht mehr bereit ihm eine Gesellschaft für die Nacht zu organisieren. Sie könnte es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren, befürchten zu müssen, dass sich seine Wut hielt und in Zweisamkeit niemand da wäre um einem Mädchen Schutz zu bieten. „In der Tat“, stimmte sie Tarik zu und die Überraschung darüber, dass ihm Amira gerade eben zugestimmt hatte, stand ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. Er schien für den Augenblick sogar die wankende Bewegung vergessen zu haben, die seinen Körper gerade eben noch beinahe aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. „Ich habe darum gebeten, ihn zu seinen Räumlichkeiten im westlichen Flügel begleiten zu dürfen. Da Herr Tarik Ayoub im Palast das erste Mal zu Gast ist, erschien es mir angemessen darauf Acht zu geben, dass er sicheren Geleits den kürzesten Weg findet.“ Die Räder hinter dessen Stirn schienen zwar auf Hochtouren zu arbeiten, aber zu keinem vernünftigen Ergebnis kommen zu wollen. Dass Vasim verstand, hoffte sie allerdings sehr. Sie nickte diesem zu, als würde es sich um eine Verabschiedung handeln, ehe sie ihren Arm deutend für Tarik ausbreitete und er, wohl immer noch nachdenkend, ob das nun hieße, dass die Frau ihre Meinung zu der Nachtbeschäftigung geändert habe, diesem Deut folgte.
Ungeachtet, was geschehen war, es lag ihr fern eine eskalierende Szene zu provozieren. Vielleicht war sie naiv zu glauben, dass Tarik nun seine Hände bei sich behalten würde, aber ein guter Meter Abstand zueinander und ein langer Schatten hinter ihnen, würde für die Deeskalation Sorge tragen. Mit jedem Schritt, bei dem Amira nicht sprach, und keine Andeutung möglicher Näherung stattfand, schien sich der Frust bei dem Kaufmann zu erhöhen. Nun aber bemerkte er das erste Mal, dass an manch einem Balkon oder einer Ecke ein Gardist in Sichtweite stand, und seine Schritte wurden wutstapfend schwerer, als hätte er an die fünfzig Altersjahre verloren und wäre ein quengelnder Junge geworden, der seiner Mutter zu folgen hatte.
Die Gästequartiere befanden sich tatsächlich nicht weit von den Gärten und den Gesellschaftsräumen, da man Fremde oder auch öfters bekannte Außenstehende nicht allzu weit in das Palastgelände hinein laufen lassen wollte. Verständlich, wenn man die Unruhen bedachte, die selbst Amira zu Ohren gekommen waren. Der Schutz der Königsfamilie hatte hier oberste Priorität. Schließlich stoppten ihre Schritte vor einer dunklen Holztür und man konnte wohl behaupten, dass selbst im sturzbetrunkenen Zustand dieser Weg zu finden gewesen wäre. „Wo du jetzt schon hier bist,- “ Während seiner Worte hatte Tarik sich zu ihr herum gedreht gehabt, doch etwas hinter ihrem Rücken schien ihm Anlass genug zu sein, seine Aussage nochmals zu überdenken. Der bewegte Kiefer sprach von den mahlenden Zähnen, und erbost schnaufend wirbelte er herum um in sein Zimmer einzutreten, wenngleich nicht ohne die Tür mit einem sehr lauten Knall hinter sich ins Schloss zu werfen.
Erst jetzt atmete Amira die Anspannung aus, die trotz allem ihren Weg begleitet hatte. Mochte sie auch von der Kampfesfähigkeit der Gardisten überzeugt sein, ein Tumult oder Eklat wäre das letzte, was sie hatte erleben wollen. Solange eine ruhige und friedliche Lösung möglich wäre, war dies immer ihre erste Wahl. Nun wandte sie sich selbst um und trat zurück in den Schein einer der lodernden Standfackeln, die abschnittsweise die steinernen Tafeln des Bodens ausleuchteten und ihren Kreis um sich zogen. „Vasim?“, fragte sie leise und war sich nicht sicher, ob er nicht womöglich bereits zu den Gärten zurückgekehrt war kaum, dass die Tür ins Schloss gefallen war. Schließlich war da eine Bewegung, zuvor unsichtbar wie eh und je. „Bitte erlaubt mir, Euch zum Dank zu Eurem Posten zu begleiten.“
