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windmills of your mind
21.08.1016 - 17:00
Straße in Richtung King's Portal
Belisarius Caderitor Elithea Trakas

Unregistered
Elithea Trakas
Alter
Beruf
Wohnort
Stand
User
#4
Eine Stunde. Was bedeutete schon eine Zeitangabe, wenn man keinerlei Möglichkeit hatte sie zu messen, außer den Schatten der Sonne, die immer noch drohend und dröhnend am Himmel stand? Zumindest war die Zeitspanne allmählich absehbar, wobei gerade durch das Wissen, dass die Reise bald ein Ende finden würde, das letzte Stückchen unendlich lang und das Ziel ewig weit weg wirkte. Als würde ihnen die ersehnte Zuflucht trügerisch nah am Horizont erscheinen und doch keinen Meter näher rücken, egal wie viele Meilen der Ochsenkarren zurücklegte. Eine Stunde, dann würde die Familie endlich vereint sein. Eine Stunde, dann könnte sie endlich von diesem furchtbaren Gestank fort, den vermutlich nicht einmal hunderte Bäder entfernen könnte. Eine Stunde, dann würde sie sich endlich ein wenig die Beine vertreten und ihre Glieder strecken, die schon ganz taub waren von der ewig gleichen Haltung. Eine Stunde noch, dann wäre dieser verrückte Tag endlich zu Ende. Eine Stunde noch an seiner Seite, ach, wenn sie doch nie enden würde, diese eine Stunde.

“Ich glaube nicht, dass ich eine Belehrung über Ehre benötige.“ rümpfte der Bruder in all seiner Adelsignoranz die Nase. Er war nunmal der Prinz und Belisar ‚nur’ ein Kiregsherr, ein Nutznießer der Auseinandersetzungen zwischen Walleydor und Castandor. “Am wenigsten von euch“ hörte man ihn noch leise murmelnd, ehe er wieder den Blick stur nach vorne richtete und seine Miene jene ernste Verbissenheit annahm, die sie seit der Flucht aus Eastergold Meadow kaum ablegte. Frauen waren schwache Wesen, in den Augen des jungen Prinzen, notwendig und liebenswürdig, aber nicht dazu geschaffen sich in Politik oder Kriegstreiberei zu erwägen und schon gar nicht fähig als Werkzeug der Rache die Familie wieder zur einstigen Größe zu führen. Diese Aufgabe brauchte die Fähigkeiten eines Mannes, und sei es auch eines jungen. Er war dazu auserkoren und er würde nicht versagen, und wenn er dafür seine Schwester zurechtweisen müsste, dann würde er das tun, wie es auch sein Recht war als nominelles Oberhaupt der Fürstenfamilie Trakas.

Zum Glück verwehte der Wind in seiner weisen Voraussicht die letzten Worte des Prinzen, trug seine wohl aus der eigenen Frustration geborene herrische Rede mit sich fort und wirbelte sie in die Höhe davon. Wie immer lag es an der jungen Trakas als Mittlerin zu fungieren und allein durch ihre sanfte Art die Wogen des Missmuts, der sich auf dem Wagen ausbreitete wie der übelerregende Gestank des Mists hinter ihnen, zu glätten. Sie waren eindeutig schon zu lange auf engstem Raum zusammen geworfen ohne eine Möglichkeit sich zu entfernen, nicht körperlich und auch kaum geistig, denn so wie der Wind den düsteren Kutscher und die zarte Prinzessin zueinander brachte, so verwob sie alle drei doch noch viel enger die wabernde Fäulnis von Fäkalien und Dung, der Elithea wie ätzende Säure in die Nase kroch und sich in jede Pore ihres Körpers bohren wollte. Gepaart mit dem Schweiß des heißen Sommertages, der kratzend und juckend auf ihren Gliedern lag, fühlte sie sich so schmutzig und widerlich, wie es wohl für eine Abortendienerin passend war.

Ein Gefühl, das einem Bescheidenheit und Demut lehrte. Dass es in dieser hässlichen, zynischen Welt nicht nur Sommerblumen und Mandelkonfekt gab, dass die meisten Bewohner dieser hässlichen, zynischen Welt sich nicht mit Liederstunden und Ballspielen den Tag ergötzen konnten, dass diese hässliche, zynische Welt auch den Höchsten alsbald zu Fall bringen konnte. Und dass es kein Fehler sein würde, etwas anderes als Talent auflisten zu können, als Tee zubreiten, Harfe spielen und Gedichte rezitieren. Eine handfeste Fähigkeit, die nützlich und hilfreich wäre, wenn denn das Leben wieder einen Stolperstein in ihren Weg legen würde, das brauchte sie, etwas, mit dem sie sich und die ihr Nahestehenden versorgen könnte, auch wenn einmal kein Adelstitel für allerlei Annehmlichkeiten sorgen würde.

Elithea dröhnte der Kopf. Unangenehm pochte er wie ein Schmied auf die Esse schlug, um das Eisen zu schmieden. Nicht nur die Wangen waren errötet, sondern auch Stirn, Nase und Kinn. Kein Wunder, woher sollte sie es auch gewohnt sein so lange unter der glutheißen Sonne auszuharren? Ihre Tage fanden bisher vorwiegend im Schatten statt, eine noble Blässe war ja schließlich besonders erstrebenswert in ihren Adelskreisen. Und wenn man einmal im Garten spazierte oder einen Nachmittag mit Spielen im Freien verbrachte, dann nur unter den Schatten großer Bäume oder unter Pavillons und Schirmen. Ganz im Gegensatz sicherlich zum Condottiere, der wohl des Öfteren seine Zeit unter des Tagesgestirn zubrachte und auch dem Bruder war die Hitze geläufiger durch die Teilnahme an Jagden und Exerzierübungen. Doch die junge Prinzessin ließ sich nichts anmerken. Eine Stunde noch, dann wäre alles vorüber. Eine mickrige Stunde. Kleine Schweißperlchen bahnten sich den weg in ihrem Nacken und über die heiße Stirn, doch sie zwang sich auf den Weg zu konzentrieren. Eine Stunde noch. Zählte sie die Zeit anhand ihrer dröhnenden Pulsschläge, die in ihren Ohren widerhallten. Leichtigkeit erfasste sie, wollte sie mit dem Wind mitnehmen, davontragen, sie entschwinden lassen in fantastische Sphären, wäre da nicht seine Hand, die die Lage der ihren anständig korrigierte.

Ein Blick zu ihm, schüchtern, gar ein wenig verlegen, begleitet von einem scheu flüchtigen Lächeln, das ein wenig schal und abwesend um die Mundwinkel wirkte. Auch dem Licht ihrer Augen fehlte ein wenig der freudige Glanz, wurde ersetzt durch ein Abbild von Müdigkeit, das tiefer ging als bloße Ermattung durch die Reise. Ihre grazilen Finger antworteten seiner liebevollen Geste mit einem ebenso vertrauensvoll dankbaren Druck, dem jedoch etwas hilfesuchendes anhaftete, das sich nicht wirklich in eine bestimmte Ursache noch gießen ließ. Das junge Geschöpf zwang sich zu langen, tiefen Atemzügen, vielleicht ein Zeichen der Selbstberuhigung und Selbstbeherrschung, das wirre Herzrasen etwas zu zügeln. Vielleicht war es auch ganz gut, dass er ihre Gedanken auf andere Wege fokussierte und ihr so die Möglichkeit nahm, im Strudel von Sorge und Zukunftsängsten zu ertrinken.

Aber eine Antwort zu finden, war nicht so einfach. Oder doch, eigentlich schon, nur war sie so einsilbig wie einfach. Ruhe, das wollte sie finden. Ruhe und Trost. Elithea ließ die Frage ein wenig auf sich wirken, denn sie ahnte, dass auch das hier kein simples, beiläufiges Gespräch war, kein Teekränzchen, keine Klatschrunde, keine oberflächliche Unterhaltung. Alles an dem höllischen Caderitor, der neben ihr saß, war tiefgründig und oft genug bedeutungsschwer, so weit hatte sie ihn schon durchschau. Ein Wort lag bei ihm gern einmal auf der Waagschale und wurde auf Sinn und Inhalt geprüft, auf Nutzen und Nutzbarkeit. Genau in diese Stille mischte sich wieder der Bruder, der sich nicht so einfach vorführen lassen wollte, gar übergehen. “Wir wollen natürlich Verbündete antreffen, die uns dabei unterstützen unseren angestammten Heimatsitz wieder zurück ins Königreich Castandor zu führen!“ gab er klar und deutlich seine Absichten preis, die jedoch kaum geheim waren. Elithea schmunzelte nur traurig und schluckte die aufkeimende Übelkeit hinunter. Allmählich setzte ihr der alles beherrschende Gestank wirklich zu. Leise, fast ein wenig undeutlich versuchte sie ihre Gedanken in Worte zu fassen, auch wenn ihr momentaner Zustand kaum profunde Aussagen zuließ. “Einen Neuanfang, Condottiere, ich glaube der würde uns allen guttun.“ Auch wenn sie bezweifelte, dass die Mächtigen des Landes zulassen würden, dass sie einfach abschließen und sich anderweitig orientieren könnten, nein, der Status prae musste wieder hergestellt werden, koste es was es wolle.
“Wir werden King’s Portal nie Heimat nennen können, aber dort müssen wir ein Heim errichten, bis wir dorthin zurück können, was wir so überhastet verlassen mussten. In der Zwischenzeit, nun, sollen die Tage sinnvoll genutzt werden, je nach der eigenen Façon. Ich will nicht untätig herum sitzen und Trübsal blasen, ich möchte mich nützlich machen, dort, wo es einen Nutzen gibt“ Ihre Stimme wurde immer brüchiger, versuchte sich wieder zu sammeln und wurde doch immer wieder von schwerem Atem und kleinen Pausen unterbrochen. Endymion schnaubte nur verächtlich, herablassend mit den Augen. So typisch weiblich, Sanftmut und Ergebenheit würden die verlassene Heimat nicht zurück erobern, mit solcher Milde würde kein Krieg gewonnen werden, Nachgeben und die andre Wange hinhalten würden gegen die Aggression des Stafford Königs nicht helfen! Kein Wunder also, dass er sich also dazu berufen fühlte, allen voran in die Schlacht um die Wiedergewinnung von Eastergold Meadow zu preschen.

Elithea schloß erneut für einen Moment die Augen, nicht um zu schlafen, sondern einfach nur, um sich selbst zu sammeln, sich zu konzentrieren, auf sich selbst und das Chaos, das sich durch ihren kraftlosen Körper wühlte. Eine Stunde noch, eine schier endlos, ewige Zeit.
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Nachrichten in diesem Thema
windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 02-05-2024, 20:46
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 06-05-2024, 23:12
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 07-05-2024, 20:28
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 12-05-2024, 23:39
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 09-06-2024, 18:45
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 11-06-2024, 00:11
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 28-06-2024, 23:10
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 01-07-2024, 22:20
RE: windmills of your mind - von Belisarius Caderitor - 08-07-2024, 23:39
RE: windmills of your mind - von Elithea Trakas - 24-07-2024, 00:22

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