14-05-2024, 19:15 - Wörter:
Erheitert beäugte er, wie sich Cooper der liebevollen Geste seines Ziehbruders entzog, wobei der kleine Träumer derjenige der beiden Jungs war, der solch Zärtlichkeiten noch eher gern vor und von ihren Eltern in der Öffentlichkeit annahmen. War es doch mit zwölf Jahren eigentlich peinlich von Zuneigung überhäuft zu werden - zumindest vor anderen. Da spielte es anscheinend auch keine Rolle, dass Cooper gerade selbst einer derjenigen gewesene war, der mit großem Ausdruck von Liebe Sebastian empfangen hatte. Kinder eben. Kinder sollten die beiden Jungen auch noch eine Zeit lang sein dürfen, da waren sich Willard und seine Frau sehr einig. Und doch nickte der Hauptmann die motivierenden Worte seines Adjutanten sehr anerkennend ab, denn er erwartete von seinen Söhnen nicht mehr, als dass sie sich bemühten und Gewissenharft trainierten. Und sich natürlich auch so verhielten, als wären sie die Söhne eines Mannes der derart hoch dekoriert wie ihr Vater war.
„Gut“, gab er das Schmunzeln über die zukünftige Anrede seines Ziehsohnes noch einmal zurück, „sonst hätte ich mich nämlich umgewöhnen müssen“. Sebastian hatte es verdient, dort zu sein, wo er nun war und je nachdem wie sich die nächsten Wochen und Monate fügen würden, könnte Willard sich gut vorstellen, dass er sich sogar bald Hauptmann nennen durfte. Die Schlacht um Eastergold Meadow hatte bereits bewiesen, dass Sebastian nicht nur eine äußerst angenehme Ergänzung für die Familie darstellte, sondern auch dazu in der Lage war, auf professioneller Ebene ein verlässlicher Mann zu sein. Und Willard hoffte, dass dies auch so bleiben würde, denn ehrlich gesagt sah er genug Konfliktpotential in der Tatsache, dass sein Ziehsohn nun hierarchisch unter ihm und sein ehemaliger Knappe über ihm rangierten. Die Zeit würde zeigen, ob das jeweils väterliche Verhältnis zu beiden auch in Zukunft gleichermaßen bestand haben konnte. Für ihn stand zumindest fest, dass er keinen von beiden enttäuschen oder gar zurücklassen wollte.
„Es lohnt sich.“, plapperte Brandan durchaus frech die Worte des älteren nach und hatte damit auch gut zu der ihm kurz darauf verkündeten Auszeit im Stall beigetragen. Willard hatte in diesem Moment nur die Lippen aufeinandergepresst und sich seines Urteils bekräftigt gefühlt. Auch wenn er wissen wollte, was dahintersteckte, dass Brandan sich aktuell so gab, konnte er es nicht dulden, dass dieser seinen Unmut an seinen (Zieh-)Brüdern ausließ. Heute Abend würde er ihn noch einmal darauf ansprechen.
Ernst nickte Willard die Einschätzung zur Lange in der Hauptstadt ab und schob Sebastian sanft etwas weiter weg von den Zwillingen, die sich im Moment konzentrieren und sich auch langfristig keine zu großen Sorgen machen sollten. „Ich rechne auch stark damit, dass die aufgeblasene Vogelscheuche aus Castandor sich nicht damit zufriedengeben wird, dass nun Gerechtigkeit herrscht.“, bestätigte er kritisch, dass der Sturm wohl noch kommen würde.
Alsbald Sebastian das Angebot zunächst bei ihnen zu wohnen annahm, lächelte Willard wieder. Seit sie ihn kannten, hatten Leana und Willard schon darüber nachgedacht, dem Cherrington Bastard ein Zuhause zu schenken, in dem er mehr als „der Bastard“ sein durfte, aber wie hätte das vor dessen Vater ausgesehen? Leana und Willard waren so realistisch und wussten, dass sie die Welt damals nicht hätten retten können und doch hatten sie ihr bestes gegeben, dem jungen Cherrington das Gefühl zu geben etwas zu bedeuten, war Willard doch selbst ein gezeichnetes Kind, das sehr früh erfahren hatte, wie es sich anfühlte, nicht gesehen zu werden.
Auch wenn sie kaum zu erkennen war, hatte Willard die Sorge in Sebastians Frage bemerkt, konnte dieser seine wahren Gefühle nach all den Jahren wohl ähnlich wenig vor ihm verstecken, wie es bei seinen eigenen Söhnen der Fall war – und das war auch gut so. „Sie können nicht ewig hierbleiben. Auch wenn die meisten anderen Ausbilder genauso der Meinung sind, dass sie hier gut lernen können, sollten sie am Hof präsent sein. Vor allem, da ich möchte, dass sich ihnen ein richtiger Schwertvater annimmt.“, antwortete er recht unpräzise, holte aber noch einmal Luft, „Und sie wissen auch, dass es jeden Morgen soweit sein kann, dass ich sie in die Heimat schicke. Sobald es hier zu unruhig wird - oder wir schlechte Meldungen von den Spähern erhalten.“
„Nein, kann ich leider nicht. Zumindest nicht genau. Wahrscheinlich einer der Berater. Ich denke, es würde sich lohnen, das in Erfahrung zu bringen.“, entgegnete er, „Die verlassenen Häuser werden mit Sicherheit neu vergeben oder verteilt. Wohlmöglich auch an Offiziere und andere Bedienstete unseres Landes. Ehrlich gesagt würde ich mich aber nicht richtig wohl fühlen in einem Haus zu wohnen, dass einer Familie gehörte, die nun vor dem Nichts steht. Vor allem, da diese wohl am wenigsten für Castandors Unwesen konnte.“ Den Hauptmann schüttelte es. Zweifelsfrei war er Soldat und stand hinter den Entscheidungen seines Königs und doch war er ein Mann mit Frau und Kindern. Er konnte es sich nicht vorstellen, wie es sein musste, aus seiner Heimat flüchten zu müssen und auch wenn alleinig der Abschaum von Castellanos daran Schuld hatte, fühlte er sich verantwortlich für das was passiert war. Sie hatten die Stadt befreit und der Gesamtheit würde es nun besser gehen, aber einzelne Leben wurden zerstört. „Arme Seelen, die so verblendet sind, dass sie dachten, flüchten zu müssen.“, bekundete er sein Mitleid gegenüber denen, die Augusto den Kopf wohl ausreichend gewaschen hatte und schweifte mit seinem Blick von den beiden Jungen ab.
Willard brachte es da wieder etwas zum Schmunzeln, als Sebastian ein Gesicht zog, das eher vermuten ließe, er hätte die Schriftrolle zerrissen anstelle sie nur bedingt durch die Reise etwas an deren Ecken zu knicken. Seine Reaktion bezeugte nur einmal wieder seinen Ehrgeiz und seinen damit verbunden Hang zur Pedanterie. Aber so war er nun mal. Und auch das war gut so. Zufrieden nickte der Vierzigjährige.
„Das sah doch zum Schluss schon anständig aus. Da können wir beim nächsten Mal weitermachen.“, wandte er sich an seine Söhne, die auch gerade fertig geworden waren. „Cooper, geh doch eurer Mama bescheid geben, dass Sebastian hier ist, vielleicht kann sie deine Hilfe auch noch gebrauchen.“, gab er dem artigen der beiden auf. „Und für dich Brandan, bleibt es dabei. Wir sprechen heute Abend noch einmal darüber, ich kann es aber nicht tolerieren, dass du deinen Unmut an anderen auslässt. Wasche dich vor dem Kuchen.“, erhielt auch der zweite die Erinnerung an das bevorstehende. „Bis später, Sebastian.“, verabschiedete sich zumindest Cooper mit einem seichten winken.
Nachdem seine Zwerge, der eine zufrieden und der andere beschämt, abgezogen waren, atmete Willard einmal tief aus und gab darauf Sebastian einen Wink, den er nun durch die Garnison nach drinnen führte und dabei schon einige Worte dazu verlor, wo hier was zu finden war. Die kleine Führung endete schließlich in einem Büro, an dem noch der Abdruck des alten Türschilds zu erkennen war, das wohl bald durch eines mit den Namen der neuen Köpfe der Stadtwache ersetzt werden sollte. „Hier ist dein Platz“, teilte er Sebastian mit, als sie durch den ersten Raum hinter der Tür schritten und deutete dabei auf den Schreibtisch des Durchgangszimmers, bevor er durch die nächste Türe den Raum betrat, der sehr ähnlich eingerichtet und wohl sein eigenes Büro war. „Und das hier ist meiner. Setz dich doch.“, bestätigte er den ersten Eindruck, bot Sebastian einen Platz an und schloss die Tür.
„Hast du zufällig was von Alden gehört? Ich habe nur mitbekommen, dass er es die letzten Wochen auch sehr schwer mit dem Kronprinzen gehabt hat. Bin ich froh, dass Brandan und Cooper meine Abwesenheit besser verkraftet haben, aber du merkst ja auch, dass sie was haben. Auch wenn sie mehr machen als eine Wand anzustarren, wie der arme Prinz.“, lenkte er das Gespräch dann doch wieder auf die Familie, „Haben sich deine Schwester auch so gesorgt?“
Erst nachdem diese Befindlichkeiten ausgetauscht waren, fiel sein Blick wieder auf die Schriftrolle. „Was hast du mir denn da eigentlich mitgebracht, mein Junge?“, fragte er frei heraus und schmunzelte, „Dein Gesicht sah vorhin so aus, als hättest du einen Brief beschädigt, der für eine Dame vorbestimmt wäre, der du den Hof machen möchtest.“ Genauso würde er es von Sebastian nämlich auch erwarten. Als ein Mann der sich auszudrücken vermochte und von dem Willard das Gefühl hatte, wenig interessiert an flüchtigen Liebelein zu sein, wäre ein derartiger Brief keine Überraschung.
„Gut“, gab er das Schmunzeln über die zukünftige Anrede seines Ziehsohnes noch einmal zurück, „sonst hätte ich mich nämlich umgewöhnen müssen“. Sebastian hatte es verdient, dort zu sein, wo er nun war und je nachdem wie sich die nächsten Wochen und Monate fügen würden, könnte Willard sich gut vorstellen, dass er sich sogar bald Hauptmann nennen durfte. Die Schlacht um Eastergold Meadow hatte bereits bewiesen, dass Sebastian nicht nur eine äußerst angenehme Ergänzung für die Familie darstellte, sondern auch dazu in der Lage war, auf professioneller Ebene ein verlässlicher Mann zu sein. Und Willard hoffte, dass dies auch so bleiben würde, denn ehrlich gesagt sah er genug Konfliktpotential in der Tatsache, dass sein Ziehsohn nun hierarchisch unter ihm und sein ehemaliger Knappe über ihm rangierten. Die Zeit würde zeigen, ob das jeweils väterliche Verhältnis zu beiden auch in Zukunft gleichermaßen bestand haben konnte. Für ihn stand zumindest fest, dass er keinen von beiden enttäuschen oder gar zurücklassen wollte.
„Es lohnt sich.“, plapperte Brandan durchaus frech die Worte des älteren nach und hatte damit auch gut zu der ihm kurz darauf verkündeten Auszeit im Stall beigetragen. Willard hatte in diesem Moment nur die Lippen aufeinandergepresst und sich seines Urteils bekräftigt gefühlt. Auch wenn er wissen wollte, was dahintersteckte, dass Brandan sich aktuell so gab, konnte er es nicht dulden, dass dieser seinen Unmut an seinen (Zieh-)Brüdern ausließ. Heute Abend würde er ihn noch einmal darauf ansprechen.
Ernst nickte Willard die Einschätzung zur Lange in der Hauptstadt ab und schob Sebastian sanft etwas weiter weg von den Zwillingen, die sich im Moment konzentrieren und sich auch langfristig keine zu großen Sorgen machen sollten. „Ich rechne auch stark damit, dass die aufgeblasene Vogelscheuche aus Castandor sich nicht damit zufriedengeben wird, dass nun Gerechtigkeit herrscht.“, bestätigte er kritisch, dass der Sturm wohl noch kommen würde.
Alsbald Sebastian das Angebot zunächst bei ihnen zu wohnen annahm, lächelte Willard wieder. Seit sie ihn kannten, hatten Leana und Willard schon darüber nachgedacht, dem Cherrington Bastard ein Zuhause zu schenken, in dem er mehr als „der Bastard“ sein durfte, aber wie hätte das vor dessen Vater ausgesehen? Leana und Willard waren so realistisch und wussten, dass sie die Welt damals nicht hätten retten können und doch hatten sie ihr bestes gegeben, dem jungen Cherrington das Gefühl zu geben etwas zu bedeuten, war Willard doch selbst ein gezeichnetes Kind, das sehr früh erfahren hatte, wie es sich anfühlte, nicht gesehen zu werden.
Auch wenn sie kaum zu erkennen war, hatte Willard die Sorge in Sebastians Frage bemerkt, konnte dieser seine wahren Gefühle nach all den Jahren wohl ähnlich wenig vor ihm verstecken, wie es bei seinen eigenen Söhnen der Fall war – und das war auch gut so. „Sie können nicht ewig hierbleiben. Auch wenn die meisten anderen Ausbilder genauso der Meinung sind, dass sie hier gut lernen können, sollten sie am Hof präsent sein. Vor allem, da ich möchte, dass sich ihnen ein richtiger Schwertvater annimmt.“, antwortete er recht unpräzise, holte aber noch einmal Luft, „Und sie wissen auch, dass es jeden Morgen soweit sein kann, dass ich sie in die Heimat schicke. Sobald es hier zu unruhig wird - oder wir schlechte Meldungen von den Spähern erhalten.“
„Nein, kann ich leider nicht. Zumindest nicht genau. Wahrscheinlich einer der Berater. Ich denke, es würde sich lohnen, das in Erfahrung zu bringen.“, entgegnete er, „Die verlassenen Häuser werden mit Sicherheit neu vergeben oder verteilt. Wohlmöglich auch an Offiziere und andere Bedienstete unseres Landes. Ehrlich gesagt würde ich mich aber nicht richtig wohl fühlen in einem Haus zu wohnen, dass einer Familie gehörte, die nun vor dem Nichts steht. Vor allem, da diese wohl am wenigsten für Castandors Unwesen konnte.“ Den Hauptmann schüttelte es. Zweifelsfrei war er Soldat und stand hinter den Entscheidungen seines Königs und doch war er ein Mann mit Frau und Kindern. Er konnte es sich nicht vorstellen, wie es sein musste, aus seiner Heimat flüchten zu müssen und auch wenn alleinig der Abschaum von Castellanos daran Schuld hatte, fühlte er sich verantwortlich für das was passiert war. Sie hatten die Stadt befreit und der Gesamtheit würde es nun besser gehen, aber einzelne Leben wurden zerstört. „Arme Seelen, die so verblendet sind, dass sie dachten, flüchten zu müssen.“, bekundete er sein Mitleid gegenüber denen, die Augusto den Kopf wohl ausreichend gewaschen hatte und schweifte mit seinem Blick von den beiden Jungen ab.
Willard brachte es da wieder etwas zum Schmunzeln, als Sebastian ein Gesicht zog, das eher vermuten ließe, er hätte die Schriftrolle zerrissen anstelle sie nur bedingt durch die Reise etwas an deren Ecken zu knicken. Seine Reaktion bezeugte nur einmal wieder seinen Ehrgeiz und seinen damit verbunden Hang zur Pedanterie. Aber so war er nun mal. Und auch das war gut so. Zufrieden nickte der Vierzigjährige.
„Das sah doch zum Schluss schon anständig aus. Da können wir beim nächsten Mal weitermachen.“, wandte er sich an seine Söhne, die auch gerade fertig geworden waren. „Cooper, geh doch eurer Mama bescheid geben, dass Sebastian hier ist, vielleicht kann sie deine Hilfe auch noch gebrauchen.“, gab er dem artigen der beiden auf. „Und für dich Brandan, bleibt es dabei. Wir sprechen heute Abend noch einmal darüber, ich kann es aber nicht tolerieren, dass du deinen Unmut an anderen auslässt. Wasche dich vor dem Kuchen.“, erhielt auch der zweite die Erinnerung an das bevorstehende. „Bis später, Sebastian.“, verabschiedete sich zumindest Cooper mit einem seichten winken.
Nachdem seine Zwerge, der eine zufrieden und der andere beschämt, abgezogen waren, atmete Willard einmal tief aus und gab darauf Sebastian einen Wink, den er nun durch die Garnison nach drinnen führte und dabei schon einige Worte dazu verlor, wo hier was zu finden war. Die kleine Führung endete schließlich in einem Büro, an dem noch der Abdruck des alten Türschilds zu erkennen war, das wohl bald durch eines mit den Namen der neuen Köpfe der Stadtwache ersetzt werden sollte. „Hier ist dein Platz“, teilte er Sebastian mit, als sie durch den ersten Raum hinter der Tür schritten und deutete dabei auf den Schreibtisch des Durchgangszimmers, bevor er durch die nächste Türe den Raum betrat, der sehr ähnlich eingerichtet und wohl sein eigenes Büro war. „Und das hier ist meiner. Setz dich doch.“, bestätigte er den ersten Eindruck, bot Sebastian einen Platz an und schloss die Tür.
„Hast du zufällig was von Alden gehört? Ich habe nur mitbekommen, dass er es die letzten Wochen auch sehr schwer mit dem Kronprinzen gehabt hat. Bin ich froh, dass Brandan und Cooper meine Abwesenheit besser verkraftet haben, aber du merkst ja auch, dass sie was haben. Auch wenn sie mehr machen als eine Wand anzustarren, wie der arme Prinz.“, lenkte er das Gespräch dann doch wieder auf die Familie, „Haben sich deine Schwester auch so gesorgt?“
Erst nachdem diese Befindlichkeiten ausgetauscht waren, fiel sein Blick wieder auf die Schriftrolle. „Was hast du mir denn da eigentlich mitgebracht, mein Junge?“, fragte er frei heraus und schmunzelte, „Dein Gesicht sah vorhin so aus, als hättest du einen Brief beschädigt, der für eine Dame vorbestimmt wäre, der du den Hof machen möchtest.“ Genauso würde er es von Sebastian nämlich auch erwarten. Als ein Mann der sich auszudrücken vermochte und von dem Willard das Gefühl hatte, wenig interessiert an flüchtigen Liebelein zu sein, wäre ein derartiger Brief keine Überraschung.
