20-05-2024, 16:24 - Wörter:
Die junge Frau begegnete seinem forschenden Blick mit einem Trotz in den Augen, den Jasper wirklich nicht verstehen konnte. Ja, er wusste schon - sie gab ihm (oder eher ganz Walleydor) die Schuld an ihrem persönlichen Schicksal. Und Jasper wusste auch, dass sie damit vollkommen im Recht war, doch die Überzeugung, im Namen seines Königs das Richtige getan zu haben, war noch bedeutend größer. Zumindest tagsüber konnte Jasper sehr gut mit seiner Schuld umgehen. Und wenn er nachts wach im Bett lag, dann versuchte er sich mit dem Gedanken zu beruhigen, dass er nun alles wieder gutmachen konnte. Er konnte seine eigene Schuld teilweise tilgen, indem er Menschen wie Zosia Marsili über deren Schicksalsschläge hinweg half. Doch realistisch musste er wohl sagen, dass er den Verlust einiger Menschen niemals würde aufwiegen können. Nicht mit den Mitteln eines Sterblichen, der er nun einmal war. "Ich bedaure außerordentlich, was hier geschehen ist...", sagte Jasper mit ruhiger, aber sichtlich betroffener Stimme. Einzelschicksale seiner Untertanen waren ihm nicht egal. Mitnichten.
"Ich gebe zu, dass ich bisher noch nie wirklich mit einer Wanderheilerin gesprochen habe. Doch nach meinem Verständnis gibt es viel weniger von ihnen, als es Fürstentümer gibt, die eine sesshafte Heilerin gebrauchen könnten...", gab er zu, hielt aber dabei in seinem weiteren Tun - der Inspektion des Schankraums - nicht inne. Sie wies ihn auf einige Punkte hin - das Kalken der Wände, in Mitleidenschaft gezogenes Schnitzwerk und die Regale, in denen das Geschirr Platz finden musste. "Mir scheint, dass die Fenster und das bewegliche Mobiliar die ersten Dinge sind, die neu beschafft werden müssen - danach neues Essgeschirr...", erklärte er, damit sie Gelegenheit hatte, seine Prioritätenliste gegebenenfalls zu korrigieren. Jasper ging es vornehmlich darum, die Taverne baldmöglichst wieder zu öffnen - Zierwerk konnte auch zu einem späteren Zeitpunkt wieder ersetzt werden.
Danach schlug sie vor, gemeinsam in die Küche zu gehen und Jasper folgte ihr in angemessenem Abstand. Sofort stieg ihm ein unangenehmer Geruch in die Nase, dessen Ursprung schnell ausgemacht wurde. Verkommene Lebensmittel fanden sich inmitten eines Berges aus Schutt und Müll. Er unterdrückte den Reflex, sich eine Hand vors Gesicht zu legen und versuchte es mit Aus den Augen, aus dem Sinn, indem er seinen Blick abwandte und stattdessen überprüfte, ob der Wasserfluss am Trog noch funktionstüchtig war. "Das verstehe ich durchaus.
Und ich nehme an, dass Ihr nicht einverstanden wärt, wenn ich die Verantwortlichen her schicke um persönlich bei den Aufräumarbeiten auszuhelfen..." Er sagte es lapidar, denn dieser Gedanke hatte sich ihm natürlich mehr als einmal aufgedrängt. Doch er konnte sich nicht vorstellen, dass ein dutzend Säufer und Schläger hier für Ordnung sorgen konnten. "Ihr werdet auf jeden Fall Unterstützung bekommen, um hier so schnell wie möglich wieder rein zu machen", versprach er aber auf jeden Fall. Leider hatte das Heer des Frühlingslandes nur eine ganz ausgesprochen kleine Zahl an Frauen dabei (gehabt). Einige Kriegerinnen aus dem Winterland, die aber wohl schon wieder auf dem Heimweg waren. Außerdem Marketenderinnen und Huren. Jasper konnte sich nicht vorstellen, dass eine von denen geeignet war, in Zosia Marsilis alter Küche aufzuräumen. Genauso wenig konnte er sich das für seine Soldaten vorstellen. Doch er konnte zumindest Soldaten aufbringen, die die Arbeiten Anderer überwachen und ihm Bericht erstatten konnten.
"Ich werde jemanden her schicken, dem Ihr vertrauen könnt. Er wird mit Euch gemeinsam durchgehen, welche Reparaturarbeiten in den vordringlichen Bedarf von Eastergold Meadow aufgenommen werden", beschied der blonde Prinz, nachdem er sich einen umfassenden Eindruck gemacht hatte. Er war selbst kein Handwerker, sondern ein Mann des Schwertes. Insofern wollte er keinen Fehler durch Falscheinschätzung machen und dies lieber jemandem überlassen, der auch wirklich eine Ahnung davon hatte. Zosia erkundigte sich, an welche Bedingungen dies alles geknüpft sein würde und Jasper hob verständnislos die Augenbrauen. "Bedingungen?", erkundigte er sich vollkommen naiv und unbedarft. Dann schüttelte er den Kopf. "Ich weiß nicht, was Ihr meint.
Nun, mir wäre einfach nur daran gelegen, wenn Ihr die Taverne so bald wie nur möglich wieder eröffnet - mit jeder Hilfe, die Ihr dafür braucht. Egal ob Reparaturen, Ausstattung oder zupackenden Händen.
Ihr könnt mich jederzeit aufsuchen, wenn Ihr den Eindruck habt, dass irgendwelche wichtigen Dinge verzögert oder falsch angegangen werden. Tagsüber bin ich meistens mit anderen Rittern in der Stadt unterwegs. Falls Ihr mich nicht finden könnt, wendet Euch vertrauensvoll an Willard Sutherland, den neuen Hauptmann."
Gerne hätte Jasper weitere Bedingungen angeknüpft - Treueschwüre für seine Familie oder den frühlingsländischen König. Doch er glaubte nicht, dass er mit derart wilden Ideen irgendwas erreichen konnte - weder bei der hiesigen Bevölkerung, noch bei sonst jemandem. Auch wenn er selbst irrational treu ergeben war, wusste er doch, dass dies bei vielen anderen Menschen nicht der Fall war. Da würde auch ein flapsig dahingesagter Treueschwur nichts an der Einstellung ändern. Er konnte nur durch Taten ein Vertrauen erwecken. Nicht mit Bedingungen. "Wenn Ihr eine Bedingung wünscht - dann ladet meine Familie und mich zu einem Abendessen ein, sobald Ihr euch und die Küche dafür in der Lage seht. Es muss nichts Großes sein, aber es wäre schön, wenn wir die Wiedereröffnung mit unserer Anwesenheit begleiten dürften..."
"Ich gebe zu, dass ich bisher noch nie wirklich mit einer Wanderheilerin gesprochen habe. Doch nach meinem Verständnis gibt es viel weniger von ihnen, als es Fürstentümer gibt, die eine sesshafte Heilerin gebrauchen könnten...", gab er zu, hielt aber dabei in seinem weiteren Tun - der Inspektion des Schankraums - nicht inne. Sie wies ihn auf einige Punkte hin - das Kalken der Wände, in Mitleidenschaft gezogenes Schnitzwerk und die Regale, in denen das Geschirr Platz finden musste. "Mir scheint, dass die Fenster und das bewegliche Mobiliar die ersten Dinge sind, die neu beschafft werden müssen - danach neues Essgeschirr...", erklärte er, damit sie Gelegenheit hatte, seine Prioritätenliste gegebenenfalls zu korrigieren. Jasper ging es vornehmlich darum, die Taverne baldmöglichst wieder zu öffnen - Zierwerk konnte auch zu einem späteren Zeitpunkt wieder ersetzt werden.
Danach schlug sie vor, gemeinsam in die Küche zu gehen und Jasper folgte ihr in angemessenem Abstand. Sofort stieg ihm ein unangenehmer Geruch in die Nase, dessen Ursprung schnell ausgemacht wurde. Verkommene Lebensmittel fanden sich inmitten eines Berges aus Schutt und Müll. Er unterdrückte den Reflex, sich eine Hand vors Gesicht zu legen und versuchte es mit Aus den Augen, aus dem Sinn, indem er seinen Blick abwandte und stattdessen überprüfte, ob der Wasserfluss am Trog noch funktionstüchtig war. "Das verstehe ich durchaus.
Und ich nehme an, dass Ihr nicht einverstanden wärt, wenn ich die Verantwortlichen her schicke um persönlich bei den Aufräumarbeiten auszuhelfen..." Er sagte es lapidar, denn dieser Gedanke hatte sich ihm natürlich mehr als einmal aufgedrängt. Doch er konnte sich nicht vorstellen, dass ein dutzend Säufer und Schläger hier für Ordnung sorgen konnten. "Ihr werdet auf jeden Fall Unterstützung bekommen, um hier so schnell wie möglich wieder rein zu machen", versprach er aber auf jeden Fall. Leider hatte das Heer des Frühlingslandes nur eine ganz ausgesprochen kleine Zahl an Frauen dabei (gehabt). Einige Kriegerinnen aus dem Winterland, die aber wohl schon wieder auf dem Heimweg waren. Außerdem Marketenderinnen und Huren. Jasper konnte sich nicht vorstellen, dass eine von denen geeignet war, in Zosia Marsilis alter Küche aufzuräumen. Genauso wenig konnte er sich das für seine Soldaten vorstellen. Doch er konnte zumindest Soldaten aufbringen, die die Arbeiten Anderer überwachen und ihm Bericht erstatten konnten.
"Ich werde jemanden her schicken, dem Ihr vertrauen könnt. Er wird mit Euch gemeinsam durchgehen, welche Reparaturarbeiten in den vordringlichen Bedarf von Eastergold Meadow aufgenommen werden", beschied der blonde Prinz, nachdem er sich einen umfassenden Eindruck gemacht hatte. Er war selbst kein Handwerker, sondern ein Mann des Schwertes. Insofern wollte er keinen Fehler durch Falscheinschätzung machen und dies lieber jemandem überlassen, der auch wirklich eine Ahnung davon hatte. Zosia erkundigte sich, an welche Bedingungen dies alles geknüpft sein würde und Jasper hob verständnislos die Augenbrauen. "Bedingungen?", erkundigte er sich vollkommen naiv und unbedarft. Dann schüttelte er den Kopf. "Ich weiß nicht, was Ihr meint.
Nun, mir wäre einfach nur daran gelegen, wenn Ihr die Taverne so bald wie nur möglich wieder eröffnet - mit jeder Hilfe, die Ihr dafür braucht. Egal ob Reparaturen, Ausstattung oder zupackenden Händen.
Ihr könnt mich jederzeit aufsuchen, wenn Ihr den Eindruck habt, dass irgendwelche wichtigen Dinge verzögert oder falsch angegangen werden. Tagsüber bin ich meistens mit anderen Rittern in der Stadt unterwegs. Falls Ihr mich nicht finden könnt, wendet Euch vertrauensvoll an Willard Sutherland, den neuen Hauptmann."
Gerne hätte Jasper weitere Bedingungen angeknüpft - Treueschwüre für seine Familie oder den frühlingsländischen König. Doch er glaubte nicht, dass er mit derart wilden Ideen irgendwas erreichen konnte - weder bei der hiesigen Bevölkerung, noch bei sonst jemandem. Auch wenn er selbst irrational treu ergeben war, wusste er doch, dass dies bei vielen anderen Menschen nicht der Fall war. Da würde auch ein flapsig dahingesagter Treueschwur nichts an der Einstellung ändern. Er konnte nur durch Taten ein Vertrauen erwecken. Nicht mit Bedingungen. "Wenn Ihr eine Bedingung wünscht - dann ladet meine Familie und mich zu einem Abendessen ein, sobald Ihr euch und die Küche dafür in der Lage seht. Es muss nichts Großes sein, aber es wäre schön, wenn wir die Wiedereröffnung mit unserer Anwesenheit begleiten dürften..."
