21-05-2024, 12:40 - Wörter:
In den letzten Minuten waren die verschiedensten Emotionen durchlebt worden, von Entspannung zu Erregung, Hoffnung und Enttäuschung, gebündelt in Frust und dem Druck der letzten Tage. Amira hatte auf keine bestimmte Reaktion abgezielt und war überrascht von der Intensität seiner Antwort und… dessen Inhalt. Ihr wurde klar, dass ihm dieses Gespräch wichtig war und auch, dass er nicht vorhatte sich von der Unfreiwilligkeit ihrer Bindung besiegen zu lassen. Mochte sein Pflichtgefühl der Antrieb sein, es war weit davon entfernt lediglich das Mindestmaß erfüllen zu wollen. Manch anderer hätte ihr den Mund verboten, ohne zu versuchen sich zu erklären, doch hier stand er und hörte zu, bemüht ihre Sorgen zu zerstreuen.
Ihr wurde der Wind aus den Segeln genommen und das nicht nur, weil er sich entschuldigte. Seine Stimme verlor an Schärfe und Wut, die Berührung zart und nach und nach nahm er sich immer mehr zurück. Ihr Blick wurde in Dankbarkeit für seine Entschuldigung weicher und so kurz wie die Hand an ihrer Wange lag, schmiegte sie diese annehmend daran; nicht mehr. Mit jeder weiteren Mühe seinerseits Verständnis aufzubringen, schwand die eigene Wut und das Gefühl sich gegen ihn behaupten zu müssen. Das war hier sollte kein Kampf sein. Die bedrohliche Präsenz schwand unter seinem Rückzug, während die Erklärungen offener wurden, als sie es jemals zu hoffen gewagt hatte. Sie hatte sich Gehör verschafft und dass ihr die Worte aber nicht unbedingt gefallen mussten, gehörte dazu.
„Es war mir nicht erlaubt, zu lieben“, und aufgrund der Umstände hätte sie es gar nicht gewollt. Doch Amira wollte ihm nicht alles auf die Nase binden, was sie womöglich zutun gehabt hätte, nicht um es vor ihm zu verheimlichen, sondern weil es ihr unangenehm gewesen war. Wann immer sich am Morgen die Tür eines dieser Zimmer geschlossen hatte, schob sie die Nacht dazu aus ihrem Bewusstsein, als hätte jemand anderes als sie selbst all die Dinge getan, die verlangt worden waren. Aber Ilyas wusste Bescheid, in seiner Position eine Selbstverständlichkeit, und sie musste sich der Wahrheit stellen.
Amira schämte sich. Er hätte es kaum angemessener formulieren können und seine Worte waren weit entfernt davon beleidigend zu sein, doch die Realität darin konnte selbst in den blumigsten Worten keine Schönheit darstellen. Er warf ihr zu keinem Zeitpunkt vor, was sie getan hatte, oder ihre Worte Heuchelei wiederspiegeln könnten. Seit den ersten Malen hatte sie sich verwehrt daran zu denken, dass sie kaum anderes als eine Hure gewesen war. In ihrem Versuch Selbstwert zu erhalten und sich damit selbst zu belügen, hatte sie sich selbst nie als leichtes Mädchen wahrgenommen und immer genügend Ausreden parat gehabt, um ihr Handeln zu rechtfertigen. Zumindest solange, bis sie aufgehört hatte darüber nachzudenken, und es als gegeben hingenommen hatte. Ilyas verlangte Aufrichtigkeit von ihr und sie war daran gescheitert, weil sie die Eigenlügen nach außen transportiert hatte. Noch enttäuschender aber war, dass sie Vergangenes nicht ungeschehen machen konnte und er nun eine gebrauchte Braut besaß, anstelle einer unbefleckten Jungfer, die seinem Stand würdig gewesen wäre.
„Ich habe dir Unrecht getan“, war Amira zurecht kleinlaut geworden und hatte er sich bereits wie ein Mentor oder Vater gefühlt, hatte sie sich von falschen Annahmen geleitet wohl wie ein dummes Kind verhalten. Da floss ihre Glaubwürdigkeit dahin, ihr eben noch so hochgelobtes Nein-Wort. Er zermahlte jedes einzelne ihrer Argumente zu Staub und zerrte sie aus ihrer subjektiven Welt, die sich aufgebaut hatte um darin zurecht zu kommen. Doch das hier war die Realität, der sie sich zu stellen hatte, und die weder schöngeredet werden konnte, noch für die sie Verantwortung ignorieren konnte. Ihr Leben war ein Käfig und die Entscheidungsfreiheit darin nie mehr gewesen, als es die Launen anderer zugelassen hatten; ihre Widerstände waren kleinrädrig gewesen, ihre Ehrlichkeit kopfgewaschen und selbst belogen. „Bitte verzeih mir meine Fehler, es gibt so vieles, das ich nicht weiß. Ich habe dich bereits wiederholt enttäuscht“, obwohl sie ihm zuvor noch versprochen hatte es vermeiden zu wollen, und nun abermals Worte in den Mund gelegt?
„Habe ich dich enttäuscht?“, korrigierte sie sich langsamen Wortes und schließlich schwand die Anspannung, die Schultern lockerten sich und sie lehnte sich zurück an den weichen Teppich, der sie von der kühlen Lehmwand abschirmte. Als wären Lasten der Seele endlich aufgehoben worden.
„Ich habe mir verwehrt zu lieben“, ergänzte sie ihre vorige Aussage nun, den Wert der Aufrichtigkeit anerkennen wollend. „Ansonsten wäre es mir nicht möglich gewesen, den Pflichten des Palastes nachzukommen, wie es von mir verlangt war. Ich.. mag nicht beurteilen können, ob und was Liebe ist, doch ich habe das Bedürfnis danach dir nahe zu sein und sei es nur, um dich im Arm zu halten. Ich möchte mich kümmern dürfen, zuhören und Fragen stellen. Welcher Begriff dazu passen möge, ich empfinde es nicht als Pflicht.“ Und keineswegs sollten ihre Worte nun als Forderungskatalog an ihn herangetragen worden sein, sondern sie versuchte die Ehrlichkeit zu vermitteln, die er von ihr verlangt hatte. Amira hörte in sich selbst hinein und suchte, was bedeutsam sein könnte und für ihr Miteinander wichtig werden würde. Sie hatte ihren Blick gesenkt und beruhigt, dass ihre Sorge, sie würde ihm nicht gefallen, unberechtigt war. Nein, alles an diesem Gespräch hier sprach davon, dass selbst sie als Person Wert genug besaß um mit diesem Respekt behandelt zu werden, den sie so ungehörig in Frage gestellt hatte. Sie bereute ihre Vorwürfe.
„Ich habe nie ein Kind getragen“, wollte sie ihn wissen lassen, auch wenn er nicht danach gefragt hatte. Sie wusste nicht, wie geläufig ihm oder Männern im Allgemeinen die Möglichkeiten waren, die einer Frau im Verborgenen gegeben wurden, um Vorkehrungen zu treffen oder Konsequenzen zu ziehen, wenn es einmal geschehen wäre. Doch eine Garantie gab es nie. Die Hand neben ihrem Schenkel lag auf zwei weichen Handtüchern und schließlich griffen ihre Finger danach, den Händen wieder etwas zutun gebend. Es wurde über ihren Körper gezogen, wenn auch weniger um sich seines Blickes zu verbergen, als die wenig noch vorhandenen Tropfen aufzufangen. „Ich achte deine Bedenken und respektiere deinen Wunsch. Ich werde es dich wissen lassen, sobald es soweit ist, doch… darf ich dich bis dahin dennoch berühren? So wie zuvor? Ich habe noch nie so eine Ruhe empfunden, wenn jemand um mich war. – vielleicht gefiele es dir auch?“, zögernd wurde diese Frage nachgeschoben, denn einerseits versuchte sie nicht seine Empfindungen zu erraten, andererseits fehlte ein wenig der Mut zur Direktheit.
Ihr wurde der Wind aus den Segeln genommen und das nicht nur, weil er sich entschuldigte. Seine Stimme verlor an Schärfe und Wut, die Berührung zart und nach und nach nahm er sich immer mehr zurück. Ihr Blick wurde in Dankbarkeit für seine Entschuldigung weicher und so kurz wie die Hand an ihrer Wange lag, schmiegte sie diese annehmend daran; nicht mehr. Mit jeder weiteren Mühe seinerseits Verständnis aufzubringen, schwand die eigene Wut und das Gefühl sich gegen ihn behaupten zu müssen. Das war hier sollte kein Kampf sein. Die bedrohliche Präsenz schwand unter seinem Rückzug, während die Erklärungen offener wurden, als sie es jemals zu hoffen gewagt hatte. Sie hatte sich Gehör verschafft und dass ihr die Worte aber nicht unbedingt gefallen mussten, gehörte dazu.
„Es war mir nicht erlaubt, zu lieben“, und aufgrund der Umstände hätte sie es gar nicht gewollt. Doch Amira wollte ihm nicht alles auf die Nase binden, was sie womöglich zutun gehabt hätte, nicht um es vor ihm zu verheimlichen, sondern weil es ihr unangenehm gewesen war. Wann immer sich am Morgen die Tür eines dieser Zimmer geschlossen hatte, schob sie die Nacht dazu aus ihrem Bewusstsein, als hätte jemand anderes als sie selbst all die Dinge getan, die verlangt worden waren. Aber Ilyas wusste Bescheid, in seiner Position eine Selbstverständlichkeit, und sie musste sich der Wahrheit stellen.
Amira schämte sich. Er hätte es kaum angemessener formulieren können und seine Worte waren weit entfernt davon beleidigend zu sein, doch die Realität darin konnte selbst in den blumigsten Worten keine Schönheit darstellen. Er warf ihr zu keinem Zeitpunkt vor, was sie getan hatte, oder ihre Worte Heuchelei wiederspiegeln könnten. Seit den ersten Malen hatte sie sich verwehrt daran zu denken, dass sie kaum anderes als eine Hure gewesen war. In ihrem Versuch Selbstwert zu erhalten und sich damit selbst zu belügen, hatte sie sich selbst nie als leichtes Mädchen wahrgenommen und immer genügend Ausreden parat gehabt, um ihr Handeln zu rechtfertigen. Zumindest solange, bis sie aufgehört hatte darüber nachzudenken, und es als gegeben hingenommen hatte. Ilyas verlangte Aufrichtigkeit von ihr und sie war daran gescheitert, weil sie die Eigenlügen nach außen transportiert hatte. Noch enttäuschender aber war, dass sie Vergangenes nicht ungeschehen machen konnte und er nun eine gebrauchte Braut besaß, anstelle einer unbefleckten Jungfer, die seinem Stand würdig gewesen wäre.
„Ich habe dir Unrecht getan“, war Amira zurecht kleinlaut geworden und hatte er sich bereits wie ein Mentor oder Vater gefühlt, hatte sie sich von falschen Annahmen geleitet wohl wie ein dummes Kind verhalten. Da floss ihre Glaubwürdigkeit dahin, ihr eben noch so hochgelobtes Nein-Wort. Er zermahlte jedes einzelne ihrer Argumente zu Staub und zerrte sie aus ihrer subjektiven Welt, die sich aufgebaut hatte um darin zurecht zu kommen. Doch das hier war die Realität, der sie sich zu stellen hatte, und die weder schöngeredet werden konnte, noch für die sie Verantwortung ignorieren konnte. Ihr Leben war ein Käfig und die Entscheidungsfreiheit darin nie mehr gewesen, als es die Launen anderer zugelassen hatten; ihre Widerstände waren kleinrädrig gewesen, ihre Ehrlichkeit kopfgewaschen und selbst belogen. „Bitte verzeih mir meine Fehler, es gibt so vieles, das ich nicht weiß. Ich habe dich bereits wiederholt enttäuscht“, obwohl sie ihm zuvor noch versprochen hatte es vermeiden zu wollen, und nun abermals Worte in den Mund gelegt?
„Habe ich dich enttäuscht?“, korrigierte sie sich langsamen Wortes und schließlich schwand die Anspannung, die Schultern lockerten sich und sie lehnte sich zurück an den weichen Teppich, der sie von der kühlen Lehmwand abschirmte. Als wären Lasten der Seele endlich aufgehoben worden.
„Ich habe mir verwehrt zu lieben“, ergänzte sie ihre vorige Aussage nun, den Wert der Aufrichtigkeit anerkennen wollend. „Ansonsten wäre es mir nicht möglich gewesen, den Pflichten des Palastes nachzukommen, wie es von mir verlangt war. Ich.. mag nicht beurteilen können, ob und was Liebe ist, doch ich habe das Bedürfnis danach dir nahe zu sein und sei es nur, um dich im Arm zu halten. Ich möchte mich kümmern dürfen, zuhören und Fragen stellen. Welcher Begriff dazu passen möge, ich empfinde es nicht als Pflicht.“ Und keineswegs sollten ihre Worte nun als Forderungskatalog an ihn herangetragen worden sein, sondern sie versuchte die Ehrlichkeit zu vermitteln, die er von ihr verlangt hatte. Amira hörte in sich selbst hinein und suchte, was bedeutsam sein könnte und für ihr Miteinander wichtig werden würde. Sie hatte ihren Blick gesenkt und beruhigt, dass ihre Sorge, sie würde ihm nicht gefallen, unberechtigt war. Nein, alles an diesem Gespräch hier sprach davon, dass selbst sie als Person Wert genug besaß um mit diesem Respekt behandelt zu werden, den sie so ungehörig in Frage gestellt hatte. Sie bereute ihre Vorwürfe.
„Ich habe nie ein Kind getragen“, wollte sie ihn wissen lassen, auch wenn er nicht danach gefragt hatte. Sie wusste nicht, wie geläufig ihm oder Männern im Allgemeinen die Möglichkeiten waren, die einer Frau im Verborgenen gegeben wurden, um Vorkehrungen zu treffen oder Konsequenzen zu ziehen, wenn es einmal geschehen wäre. Doch eine Garantie gab es nie. Die Hand neben ihrem Schenkel lag auf zwei weichen Handtüchern und schließlich griffen ihre Finger danach, den Händen wieder etwas zutun gebend. Es wurde über ihren Körper gezogen, wenn auch weniger um sich seines Blickes zu verbergen, als die wenig noch vorhandenen Tropfen aufzufangen. „Ich achte deine Bedenken und respektiere deinen Wunsch. Ich werde es dich wissen lassen, sobald es soweit ist, doch… darf ich dich bis dahin dennoch berühren? So wie zuvor? Ich habe noch nie so eine Ruhe empfunden, wenn jemand um mich war. – vielleicht gefiele es dir auch?“, zögernd wurde diese Frage nachgeschoben, denn einerseits versuchte sie nicht seine Empfindungen zu erraten, andererseits fehlte ein wenig der Mut zur Direktheit.
