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'Cause you know that love takes time
05.08.1016 - 15:00
Schloss der Familie Stafford
Aleena Stelhammer Lester Stafford

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Lester Stafford
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#6
Seine Tante war einer der wenigen Personen, die einen wirklich besonderen Platz in seinem Herz eingenommen hatten, das noch so klein, doch in Wahrheit schon immer riesig war.  Umso unnahbar der heute Zehnjährige stets zu Menschen sein konnte und so unbekümmert er ganz für sich im Stillen seine Zeit zu verbringen vermochte, umso zugewandter, wertschätzender und manchmal sogar anhänglicher konnte er sein. Während andere Kinder jeden schnell in ihr Herz zu schließen vermochten, schien Lester sich nicht mal eine Handvoll unter den vielen Menschen ausgesucht zu haben, deren Zuwendung er annahm und diese auch erwiderte. Alle anderem waren ihm egal. Seine Herzensmenschen aber, ohne denen fehlte ihm etwas und deren Abwesenheit hinterließ ein Loch, das man nicht füllen konnte. Mit viel Liebe und Aufmerksamkeit konnte man eine Brücke bauen, die aber rasant wieder einzustürzen vermochte und Lester in ein Tal aus Melancholie versinken ließ. Er schluchzte noch einmal und griff mit seiner kleinen Hand haltsuchend in das Gewand der Tante, die so recht mit ihren Worten hatte. Noch war sie hier, noch war das Loch gestopft. Und dennoch symbolisierte die winzige Faust, die an ihrem Kleid klammerte, wie hilflos der Zehnjährige dem gegenüberstand, was die nächsten Tage folgen würde. Er erwiderte ihren Blick mit einem der das unendliche Betteln aussprach, für das er nicht die Worte fand. Sie sollte hierbleiben.

„Sie schaut oft nach Nordwesten.“, begann er sich durch die Bitte seiner Tante aus dem Sog der Machtlosigkeit zu lösen, „Manchmal, da gehen wir auf den Berg und stellen uns vor, dass wir dir winken können.“ Er hob dabei etwas die Mundwinkel und Aleena konnte sich denken, wie albern Lester das fand und das seine Mama eine ganze Weile gebraucht haben musste, um ihn dazu zu bewegen, diese Art des Trauerns auszuprobieren. Der Zehnjährige fuhr dabei ganz zart mit seinem Finger über die unbedeckte Haut oberhalb Aleenas Brust, wie er es schon als Kleinkind getan hatte. „Mama kommt immer mit. Sie sagt, dass sie so auch ihrer alten Familie winken kann.“, sprach er weiter von diesem Ritual, dass in Wahrheit wohl nur der Person galt, der er gerade davon erzählte, wie die darauf folgenden Worte bestätigten, „Ich denke aber, sie kommt nur mit, weil ich danach immer nichtmehr allein reiten kann.“ Genau das war die Liebe und Aufmerksamkeit, die es brauchte, um eine Brücke zu bauen.  Anfangs freute sich Lester immer auf diesen Ausritt, den er aber nie zurückreiten konnte. „Die Gedanken in meinem Kopf brechen dann aus und ich muss immer weinen und manchmal auch schreien oder toben.“, berichtete er wohl von der Trauer, die seiner Mama stets das Herz brach. Auch Aleena wusste sicher noch, dass Lester nicht immer so anhänglich war, wenn seine Gefühle ihm übel mitspielten. In Gedanken an diesen Teil seiner selbst, den er sich hin und wieder wegwünschte, legte er sein Köpfchen auf das Herz seiner Tante und lauschte dessen gleichmäßigen schlagen und hielt dabei ihre Hand. „Ich möchte nicht brüllen und wüten. Niemals.“, erzählte er nach einen anhaltenden Moment der Stille fast so, als wäre es eine riesengroße Entschuldigung.  Aber es war wirklich so, manchmal half es nur noch, sich mit ihm einzuschließen, damit er sich oder andere nicht verletzte. Das schien auch heute noch so sein, zum Glück sehr selten. Er sah nun wieder zu ihr auf und lächelte sogar. „Mama ist aber da und hilft mir. Sie sagt, dass ich es nur sagen muss, wenn ich spüre, dass es gleich passiert. Das klappt gut.“, erzählte er davon, dass er sich Hilfe zu holen wusste. Er legte die Hand seiner Tante nun auf seine unbedeckte Brust. Die vergangenen Tage hatte Aleena das sogar einmal erleben dürfen, wie das mittlerweile ablief. Freda hatte sich mit Lester zurückziehen müssen und war erst einige Zeit später ohne ihn zurückgekommen und hatte Aleena erzählt, was war. Sie hatte ihm beigestanden und ihn dann, auf seinen eigenen Wunsch, eingeschlossen. Es schien für ihn symbolisch zu sein, um eine Trennung von der Außenwelt zu haben. In dem Fall, um nicht so sehr an seinen Papa denken zu müssen oder dies tun zu können, ohne Angst zu haben, jemanden anzuschreien. Die besorgte Mutter lauschte dann immer, sollte Lester wieder unruhiger werden, um ihm sofort helfen zu können. In der Regel spielte er dann aber einfach eine Zeit lang für sich und entspannte.  „Das darf ich bei dir auch noch, oder?“, fragte er dann noch und es war zu spüren, dass er ihr gerade etwas anvertraut hatte, über das es ihm eigentlich so schwer fiel zu sprechen und das er auch niemanden außer seinen engsten Vertrauten erzählen würde.

Die Entlastung, die ihm das Gespräch bot, schien tatsächlich groß zu sein, als wäre da schon lange der Drang in ihm gewesen, ihr zu erzählen, wie er sich mit ihrem Weggehen fühlte. Natürlich sah man es ihm an und es war allein dadurch, wie er gerade geweint hatte deutlich geworden. Aber endlich die Worte dafür gefunden zu haben, lies ihn sich weniger Hilflos fühlen. „Idee:“, begann er nun verheißungsvoll einen Vorschlag anzudeuten, „Wir gehen zu Rose und du gibst ihr die extra Möhre selbst. Und wir reiten.“ Er nahm ihre Hand und stand auf, bevor er an sich herab und dann in Richtung Tür sah. „Aber erst muss ich Mama fragen.“, teilte der artige Junge mit, was für ihn ganz klar war, auch wenn Fredas Antwort wohl in dieser Situation keine andere außer „Ja“ sein konnte. „Und umziehen. Aber das musst du ja auch.“, erzählte er das, was offensichtlich war, konnte er in seinem Sack mit Füßen nicht reiten, wollte aber dennoch signalisieren, dass er sie nicht einfach warten lies und außerdem bescheid wusste, dass es auch bei ihr nicht sofort losgehen konnte. Nachdem er seine Tante noch einmal ausdauernd gedrückt und den Moment genossen hatte, war er auch abgezogen, um den Plan in die Tat umzusetzen. Natürlich hatte Freda dem Ausflug zugestimmt und sofort jemanden losgeschickt, um die wichtigsten Sachen mitsamt den Satteltaschen herunterzutragen. Er sollte nur schonmal vorgehen und sich allein umziehen und dann warten, da sie sich noch verabschieden wollte.

Etwas später fand Lester sich dann auch wieder im Klavierzimmer ein. Der Anblick, der sich seiner Tante Bot, als sie irgendwann dazustieß, war aber vielleicht nicht gerade das, womit sie gerechnet hatte. Auch Lester schien sich ab und an mal ausprobieren zu wollen und war dabei wie alle Kinder auch mal gedankenlos und völlig unbefangen. Ein eng geschnittenes Kleid in den Farben des Frühlingslandes bedeckte den zarten Köper des Zehnjährigen bis auf die Hälfte der Waden. Ansonsten regulär in Strumpfhose und Reiterstiefel gekleidet, drehte er sich gedankenversunken im Kreis und erfreute sich am Gefühl der Rotation und gluckste und kicherte hin und wieder, wenn sich der Saum ganz besonders im Wind wog. Man könnte sogar meinen, dass ihm dieses Kleidungsstück mit seinem schmalen Körperbau und seiner Frisur stand und aus der Entfernung ein Fremder nicht auf den ersten Blick erkennen würde, dass dort gerade eigentlich ein Junge tanzte.
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RE: 'Cause you know that love takes time - von Lester Stafford - 14-04-2024, 15:55
RE: 'Cause you know that love takes time - von Lester Stafford - 29-04-2024, 17:14
RE: 'Cause you know that love takes time - von Lester Stafford - 21-05-2024, 18:19

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