23-05-2024, 08:45 - Wörter:
Dass zumindest Brandan weder einer gewissen Ernsthaftigkeit, noch dem Üben oder Weitsicht etwas abgewinnen konnten, lag wohl in der Natur des Kindes. Sebastian empfand selbst seine äffende Wiederholung nicht als böswillig und das lag vermutlich daran, dass er in dem Haus Sutherland so viel Zeit verbracht hatte, dass er sich oft eher wie ein großer Bruder ihm gegenüber empfand, anstatt auf einem Gastrecht zu bestehen, bei dem ein jeder mit Respekt behandelt werden sollte. Der Kleine durfte motzen, wenn ihm danach war, auch wenn sie wohl beide wussten, dass nicht Sebastian derjenige wäre, der für Konsequenzen Sorgen würde. Er hatte nie Interesse daran gehabt an der Erziehung insoweit involviert zu sein, dass er es nun als sein Recht oder seine Pflicht ansehen würde die Jugend zu maßregeln, wenn sie eine Grenze überschritt, und womöglich stieße das sogar bei Willard auf Missfallen. Doch trotz all der Herzlichkeit, der Wärme und der Willkommenschaft, die er jedes Mal aufs Neue in dem Haus empfangen durfte, und die er mittels verschiedener Gegenleistungen in Dankbarkeit auszudrücken wusste, gehörte er schlichtweg nicht zu dieser Familie. Vielleicht zwar mehr als zu seiner eigenen, aber ein gewisses Fremdheitsgefühl blieb doch. Wohl war er immer noch auf der Suche nach einer Heimat, nach einem Ort der Zugehörigkeit. Und seine Hoffnung war, beides in Eastergold auf die ein oder andere Weise finden zu können.
„Du sprichst Wahres an. Angst hat die armen Leute zu ihrer Flucht getrieben und sollten sie sich eines Tages dazu entschließen zurück zu kehren, wird es sicherlich zu Ansprüchen kommen können. Ich werde mich über die leerstehenden Häuser erkundigen und auch, wie in so einem Fall gedacht ist, weiter vorzugehen“, benickte Sebastian seinen Entschluss. Er war sich zu wenig darüber im Klaren, nach welchen Rahmen das Gewohnheitsrecht besonders bei Besitz zu greifen vermochte, und behielt diese Möglichkeit in seinem Hinterkopf. Denn wie sähe die Sache in zwei oder drei Jahren aus, wenn womöglich kriegerische Auseinandersetzungen die Felder und Städte der Grenzgebiete des Frühlings und Castandor so in Mitleidenschaft gezogen hatten, dass eine Knappheit dafür sorgen könne, um die letzten vier Mauern zu streiten? Der Frieden blieb trügerisch und die wenigstens dachten bereits an Notzeiten, die das äußerste von Menschen verlangen konnten.
Glücklicherweise behielt Willard auch seine Familie in diesem Kontext im Blick und es erleichterte den Jüngling zu hören, dass Leana mit den Kindern bereit wäre selbst kurzfristig die sichernde Reise auf sich zu nehmen ohne, dass dabei Diskussionen zu erwarten wären. „Hast du bereits einen Ritter für die Ausbildung auserkoren?“ Es fiele den Eltern sicherlich schwer ihre Kinder von sich zu schicken, doch auch hier wäre es nur zu ihrem besten. Nicht nur eine fremde Umgebung, sondern auch die Befehle eines fremden Mannes würden wohl Respektlosigkeit schnell im Keim ersticken, dass selbst Brandan davon wohl geformt werden könne. Denn auch von ihm, versprach sich Sebastian großes selbst, wenn er derzeit noch keinen Anschein machte großes Interesse an den Rittertugenden zu hegen.
Beiden Kindern zum Gruße war noch die Hand erhoben worden, als sie ihre weiteren Anweisungen erhalten hatten und der eine elanvoller als der andere weiter seines Weges beschritten. Möge Heofader stets seine schützende Hand über die Jungen halten. Er selbst wandte sich wieder Willard zu, die Knickfalte des wertvollen Pergaments nun soweit wieder korrigiert, dass nur ein dünner Falz von dem Missgeschick sprach. Wäre er nicht zu Pferde geritten und hätte sich doch für eine Kutsche entschieden, hätte er das Schriftstück in einer Truhe verstauen können. Aufmerksam ließ er sich durch die Garnison führen und skizzierte bereits im Kopf die verschiedenen Wege und wo welche Utensilien oder Räumlichkeiten zu finden waren, damit er hoffentlich nicht die ersten Tage damit verbringen würde im Kreis zu laufen. Und dann war da sein eigener Raum, ein eigener Arbeitsplatz und ein Lächeln zuckte auf seinen Lippen. Er war angekommen und er würde hier Zeit verbringen, Pergamente studieren und Briefe aufsetzen, Anliegen annehmen oder hohen Besuch zuerst begrüßen, der an Willard weiter geleitet werden würde. Automatisch richtete sich seine Positur im Schulterbereich ein wenig mehr auf, als würde er so eben um wenige Zentimeter in die Höhe wachsen.
„Danke“, ließ er sich auf den Platz gegenüber Willards Schreibtisch im anschließenden Raum nieder und behielt erst noch die Rolle in den Händen. „Meine letzte Nachricht war, dass ihm die Ausbildung des Prinzen in Beschlag nahm. Doch es scheint ihm gut am Hof zu gehen.“
Und wie könnte es auch nicht. Der richtige Name, der richtige Titel und eine solch wertvolle Aufgabe, wie sich ein jeder Ritter nur wünschen konnte. Die Ausbildung des Prinzen war eine große Ehre und mochte dieser noch jung sein, würden sich sicherlich bald die Früchte dieser Aufgabe zeigen lassen. Denn auch ihm war es wohlgetan auf das Kommende vorzubereiten und den natürlichen Weg eines Knaben zu gehen. „Die Sorge trübt wohl jedes Gemüt dieser Tage. Doch hoffen wir darauf, dass sie unbegründet bleiben möge. Meine Schwestern hätten mich nicht gehen sehen wollen und ich bete darum, dass sie noch längere Zeit im Schutz der Familie verbleiben können. Bis zu der Zeit, an der die Lande ohne Kriegsgefahr sind“, und dass er sich mindestens ebenso viele Sorgen und Gedanken um seine Schwestern machte, wie manch eine von ihnen wohl um ihn, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Vielleicht wäre es sogar besser, wenn die Mädchen weiter nach Norsteading reisen würden um sich noch weiter von den Grenzgebieten fernzuhalten, doch wer wüsste schon, was das Schicksal des Kontinents noch für sie alle bereit hielt. Allianzen konnten ebenso wie Speere brechen.
Auf die Worte hin sah Sebastian hinab auf den Brief in seinen Händen. Das eingerollte Pergament wurde achtsam auf den Tisch vor Willard gelegt, ehe er sich wieder in seinem Stuhl zurücklehnte. Ein wenig verlegen über die Andeutung, denn auch, wenn auf einem Bastard weit weniger Verantwortung zum Erhalt der Familie lag, war er immerhin ein lediger junger Mann. Vor der Pflicht, sich eines Tages eine Frau suchen zu müssen um die höchste Errungenschaft einer Ehe zu gewinnen, würde auch er sich nicht ewig verstecken können. „Vielleicht hält Eastergold Meadow diese Dame eines Tages für mich bereit“, machte deutlich, dass es eine solche Frau derzeit nicht in seinem Leben gab, „doch bis dahin ist dieser Brief von wichtigerer Bedeutung. Er ist ein Schreiben des Hofes mit meinem Abgang aus der Stadtwache und dem Wunsch an dich, in deine Dienste treten zu dürfen. Er königliche Schreiber bittet um Antwort, sobald deine Entscheidung gefallen ist.“
Und wie man diesen knappen Inhalt auf rund zwei Seiten Pergament strecken konnte, war Sebastian immer wieder ein Rätsel. Doch die Korrektheit verlangte bestimmte Formulierungen und Ausschweifungen, die Erwähnung von allen Titeln, welche die Betroffenen besaßen, mitsamt ihren Vatersnamen und Herkunftsgebieten, auf dass kein Missverständnis über die Identität der Erwähnten bestehen konnte. Und ebenso wies der Schreiber auf die bisherige Position Sebastians hin und wie er diese ausgeführt hatte um mittels Vorzüge seine Mitarbeit in der neuen Bastion hervorzuheben und davon zu überzeugen, dass er der Richtige wäre. Alles Dinge, die sie entweder bereits unter vier Augen geklärt hatten oder aber, die Willard aufgrund der jahrelangen Kenntnis seines jungen Schülers ohnehin bereits bekannt waren.
„Verzeih mir den Knick“, kam es aber dann doch noch über die Lippen, auch wenn es wohl für andere nur eine Lappalie war und sein Verhalten ohnehin bereits davon gesprochen hatte. Aber Sebastian hielt es für rechtens für selbst diesen kleinen Fehler einzustehen und dazu Position zu beziehen.
„Du sprichst Wahres an. Angst hat die armen Leute zu ihrer Flucht getrieben und sollten sie sich eines Tages dazu entschließen zurück zu kehren, wird es sicherlich zu Ansprüchen kommen können. Ich werde mich über die leerstehenden Häuser erkundigen und auch, wie in so einem Fall gedacht ist, weiter vorzugehen“, benickte Sebastian seinen Entschluss. Er war sich zu wenig darüber im Klaren, nach welchen Rahmen das Gewohnheitsrecht besonders bei Besitz zu greifen vermochte, und behielt diese Möglichkeit in seinem Hinterkopf. Denn wie sähe die Sache in zwei oder drei Jahren aus, wenn womöglich kriegerische Auseinandersetzungen die Felder und Städte der Grenzgebiete des Frühlings und Castandor so in Mitleidenschaft gezogen hatten, dass eine Knappheit dafür sorgen könne, um die letzten vier Mauern zu streiten? Der Frieden blieb trügerisch und die wenigstens dachten bereits an Notzeiten, die das äußerste von Menschen verlangen konnten.
Glücklicherweise behielt Willard auch seine Familie in diesem Kontext im Blick und es erleichterte den Jüngling zu hören, dass Leana mit den Kindern bereit wäre selbst kurzfristig die sichernde Reise auf sich zu nehmen ohne, dass dabei Diskussionen zu erwarten wären. „Hast du bereits einen Ritter für die Ausbildung auserkoren?“ Es fiele den Eltern sicherlich schwer ihre Kinder von sich zu schicken, doch auch hier wäre es nur zu ihrem besten. Nicht nur eine fremde Umgebung, sondern auch die Befehle eines fremden Mannes würden wohl Respektlosigkeit schnell im Keim ersticken, dass selbst Brandan davon wohl geformt werden könne. Denn auch von ihm, versprach sich Sebastian großes selbst, wenn er derzeit noch keinen Anschein machte großes Interesse an den Rittertugenden zu hegen.
Beiden Kindern zum Gruße war noch die Hand erhoben worden, als sie ihre weiteren Anweisungen erhalten hatten und der eine elanvoller als der andere weiter seines Weges beschritten. Möge Heofader stets seine schützende Hand über die Jungen halten. Er selbst wandte sich wieder Willard zu, die Knickfalte des wertvollen Pergaments nun soweit wieder korrigiert, dass nur ein dünner Falz von dem Missgeschick sprach. Wäre er nicht zu Pferde geritten und hätte sich doch für eine Kutsche entschieden, hätte er das Schriftstück in einer Truhe verstauen können. Aufmerksam ließ er sich durch die Garnison führen und skizzierte bereits im Kopf die verschiedenen Wege und wo welche Utensilien oder Räumlichkeiten zu finden waren, damit er hoffentlich nicht die ersten Tage damit verbringen würde im Kreis zu laufen. Und dann war da sein eigener Raum, ein eigener Arbeitsplatz und ein Lächeln zuckte auf seinen Lippen. Er war angekommen und er würde hier Zeit verbringen, Pergamente studieren und Briefe aufsetzen, Anliegen annehmen oder hohen Besuch zuerst begrüßen, der an Willard weiter geleitet werden würde. Automatisch richtete sich seine Positur im Schulterbereich ein wenig mehr auf, als würde er so eben um wenige Zentimeter in die Höhe wachsen.
„Danke“, ließ er sich auf den Platz gegenüber Willards Schreibtisch im anschließenden Raum nieder und behielt erst noch die Rolle in den Händen. „Meine letzte Nachricht war, dass ihm die Ausbildung des Prinzen in Beschlag nahm. Doch es scheint ihm gut am Hof zu gehen.“
Und wie könnte es auch nicht. Der richtige Name, der richtige Titel und eine solch wertvolle Aufgabe, wie sich ein jeder Ritter nur wünschen konnte. Die Ausbildung des Prinzen war eine große Ehre und mochte dieser noch jung sein, würden sich sicherlich bald die Früchte dieser Aufgabe zeigen lassen. Denn auch ihm war es wohlgetan auf das Kommende vorzubereiten und den natürlichen Weg eines Knaben zu gehen. „Die Sorge trübt wohl jedes Gemüt dieser Tage. Doch hoffen wir darauf, dass sie unbegründet bleiben möge. Meine Schwestern hätten mich nicht gehen sehen wollen und ich bete darum, dass sie noch längere Zeit im Schutz der Familie verbleiben können. Bis zu der Zeit, an der die Lande ohne Kriegsgefahr sind“, und dass er sich mindestens ebenso viele Sorgen und Gedanken um seine Schwestern machte, wie manch eine von ihnen wohl um ihn, stand ihm ins Gesicht geschrieben. Vielleicht wäre es sogar besser, wenn die Mädchen weiter nach Norsteading reisen würden um sich noch weiter von den Grenzgebieten fernzuhalten, doch wer wüsste schon, was das Schicksal des Kontinents noch für sie alle bereit hielt. Allianzen konnten ebenso wie Speere brechen.
Auf die Worte hin sah Sebastian hinab auf den Brief in seinen Händen. Das eingerollte Pergament wurde achtsam auf den Tisch vor Willard gelegt, ehe er sich wieder in seinem Stuhl zurücklehnte. Ein wenig verlegen über die Andeutung, denn auch, wenn auf einem Bastard weit weniger Verantwortung zum Erhalt der Familie lag, war er immerhin ein lediger junger Mann. Vor der Pflicht, sich eines Tages eine Frau suchen zu müssen um die höchste Errungenschaft einer Ehe zu gewinnen, würde auch er sich nicht ewig verstecken können. „Vielleicht hält Eastergold Meadow diese Dame eines Tages für mich bereit“, machte deutlich, dass es eine solche Frau derzeit nicht in seinem Leben gab, „doch bis dahin ist dieser Brief von wichtigerer Bedeutung. Er ist ein Schreiben des Hofes mit meinem Abgang aus der Stadtwache und dem Wunsch an dich, in deine Dienste treten zu dürfen. Er königliche Schreiber bittet um Antwort, sobald deine Entscheidung gefallen ist.“
Und wie man diesen knappen Inhalt auf rund zwei Seiten Pergament strecken konnte, war Sebastian immer wieder ein Rätsel. Doch die Korrektheit verlangte bestimmte Formulierungen und Ausschweifungen, die Erwähnung von allen Titeln, welche die Betroffenen besaßen, mitsamt ihren Vatersnamen und Herkunftsgebieten, auf dass kein Missverständnis über die Identität der Erwähnten bestehen konnte. Und ebenso wies der Schreiber auf die bisherige Position Sebastians hin und wie er diese ausgeführt hatte um mittels Vorzüge seine Mitarbeit in der neuen Bastion hervorzuheben und davon zu überzeugen, dass er der Richtige wäre. Alles Dinge, die sie entweder bereits unter vier Augen geklärt hatten oder aber, die Willard aufgrund der jahrelangen Kenntnis seines jungen Schülers ohnehin bereits bekannt waren.
„Verzeih mir den Knick“, kam es aber dann doch noch über die Lippen, auch wenn es wohl für andere nur eine Lappalie war und sein Verhalten ohnehin bereits davon gesprochen hatte. Aber Sebastian hielt es für rechtens für selbst diesen kleinen Fehler einzustehen und dazu Position zu beziehen.
