25-05-2024, 17:32 - Wörter:

Er wusste, dass sie sich erkälten könnte, wenn sie in den durchnässten Kleidern blieb. Doch was sie eben nicht zur Hand hatten, war trockene Kleidung zum Wechseln. Dann fiel ihm ein, dass die Jäger auch hin und wieder eine Nacht in der Hütte verbrachten, weil sie vom Unwetter überrascht worden waren. Gareth stand auf und ging zu einer Kiste in der Ecke der Hütte, von der er wusste, dass dort einige Tierfelle, die nicht zur Weiterverarbeitung taugten, aufbewahrt wurden. Nachdem er den Deckel geöffnet hatte, fand er darin außerdem, wier erhofft, mehrere dicke, grobe Decken, die zwar etwas muffig rochen, aber dennoch trocken und warm waren. „Ana, du solltest die nassen Sachen ausziehen, sonst erkältest du dich noch.“
Mit einer der Decken in der Hand kehrte er zu der Rothaarigen zurück und hielt sie ihr entgegen. „Hier, nimm diese Decke. Sie wird dich warmhalten.“ Er versuchte, seine Stimme so beruhigend wie möglich klingen zu lassen, und nickte Ana aufmunternd zu.
Gareth trat einen Schritt zurück und wandte sich ab, um ihr ein wenig Privatsphäre zu geben. Er nahm sein nasses Hemd von der Leine und hängte es näher ans Feuer, damit es schneller trocknen konnte. Dann schob er noch ein paar Holzscheite in die Flammen und beobachtete, wie die Funken aufstoben und das Feuer neu entfachten.
Er dachte darüber nach, wie gefährlich es wäre, im Dunkeln den Wald zu durchqueren. Der aufgeweichte Boden, die rutschigen Wege und die Steine und Wurzeln, welche sie ohne Licht nicht sehen konnten, machten es nahezu unmöglich, sicher zurückzukehren. „Wir sollten die Nacht hier in der Hütte verbringen“, sagte er schließlich, ohne sich umzudrehen. „Es ist zu gefährlich, im Dunkeln weiterzugehen. Hier sind wir sicher und trocken, und das Feuer wird uns warmhalten.“
Gareth setzte sich wieder auf den Baumstamm und hielt seine Hände ans Feuer, um sie zu wärmen. Anas Erklärungsversuche und ihre Entschuldigungen kommentierte er mit einem Schulterzucken. „Das hätte jedem passieren können, Prinzessin. Der Wald ist dicht genug, um sich zu verlaufen.“ Er biss sich auf die Unterlippe und warf einen vorsichtigen Seitenblick zu der Rothaarigen. „Ich bin froh, dass ich dich gefunden habe und du nicht in die Schlucht gestürzt bist.“
Ihre Frage nach seinem eigenen Wohlbefinden überraschte den Sohn der Hohepriesterin dann doch etwas. Doch es gefiel ihm auch, dass sie sich trotz ihrer eigenen misslichen Lage, trotzdem um ihn sorgte. Er zog das Hosenbein seiner zugebenermaßen recht dreckigen Hose hoch und begutachtete das Knie. „Hm, ich werde es überleben, schätze ich mal“, meinte er und zwinkerte Ana zu. „Das blöde Pferd ist durchgegangen und wollte mich wieder mitnehmen. Ich hatte nicht schnell genug den Zügel losgelassen. Na ja, nicht so wild, ist nur etwas aufgeschürft.“
Gareth fuhr sich durch die nassen Haare und fühlte mit einem Mal eine Befangenheit, welche er in Gegenwart der Prinzessin sonst nicht gefühlt hatte. Um sich abzulenken, stand er erneut auf, ging zu der Kiste und begann die Tierfelle herauszunehmen. Er legte sie übereinander, um eine einigermaßen bequeme Liegefläche zu schaffen. Die Felle waren grob und nicht gerade weich, aber sie würden genug Polsterung bieten, um eine einigermaßen angenehme Nacht zu ermöglichen. Er nahm eine der verbleibenden Decken und legte sie über die Felle, um ein bisschen mehr Komfort zu bieten.
„Hier, Ana“, sagte er leise, während er zu ihr zurückkehrte. "Ich habe dir ein Bett gemacht. Es ist nicht viel, aber es wird dich warmhalten.“ Er deutete auf die improvisierte Schlafstätte aus Tierfellen und Decken.
Gareth setzte sich wieder ans Feuer, sein Blick auf die Flammen gerichtet, die in einem beruhigenden Rhythmus tanzten. „Ruh dich aus. Wir werden hier sicher die Nacht verbringen, und morgen früh, wenn das Wetter besser ist, machen wir uns auf den Weg zurück.“
