30-05-2024, 09:28 - Wörter:
Der König betrachtete das Mädchen, das neben seinem Stuhl kniete. Er fühlte Mitleid in sich aufwallen, aber gleichsam auch einen gewissen Stolz. Sie war im Palast gut erzogen worden - seiner Vermutung nach von Yasirah. Sie hatte als Gesellschafterin des Königspaares schon sehr früh eine sehr wichtige Aufgabe eingenommen - die mit ausgesprochener Verantwortung einher ging. Kleinste Fehler konnten einen dieses gesamte Leben, das man sich mühevoll aufgebaut hatte, zunichte machen und in die Gosse oder in den Rachen eines Krokodils stürzen. Anstatt sich auf dem Geleisteten auszuruhen und sich damit zufrieden zu geben, strebte Amira jedoch weiter in die Höhe. Steil stieg sie wie ein roter Drache empor und gleitete scheinbar mühelos durch den Himmel. Für einen Augenblick drehte Ridvan seinen Kopf weg und blickte durch den Himmel, als würde er mit den Augen dem roten Drachen folgen, den er sich gerade ausmalte. "Wir werden es morgen Abend erfahren, Kind...", antwortete er schließlich; den Blick immer noch in die Weite gerichtet. Sein Kopf wiegte sich dabei sacht im Wind mit, von links nach rechts, während er der wunderschönen Bahn des nicht realen Drachens folgte.
Amira fasste die Geschichte über den Wächter in schöne Worte zusammen und appellierte daran, sie mögen Trost und Zuversicht in seinem Anblick finden. Ridvans Blick blieb an der immer noch bedroht wirkenden Figur empor. Sie fand in diesem Moment weitere beruhigende Worte. Darüber, wie der Wächter das Reich - und ihn selbst - beschützen würde. Der König wollte dies glauben. Mehr als alles andere auf der Welt. Es gab niemanden sonst, zu dem er aufblicken konnte. Für einen König gab es nur das Göttliche, das Außerweltliche. Und so verlor er sich im Anblick des leuchtenden Bandes, das sich quer über den Nachthimmel zog - den himmlischen Fluss aus Licht, der über die Nacht gezeichnet wurde. Er hatte keine Erklärung dafür, warum die Dichte von Sternen in diesem Band so viel größer war, als am restlichen Nachthimmel. Inmitten der Weiß- und Grautöne wirkte es beinah, als verschmelzten die anderen Sterne und Planeten auf ihrem Lauf durch die unendliche Nacht. Es gab ihm ein Gefühl von Tiefe und Dimension, doch eine Erklärung für dieses Gefühl der Unendlichkeit und das Mysterium des Universums, hatte er natürlich nicht. Nicht einmal die Teleskope seines Landes, die zu den fortschrittlichsten von ganz Arcandas gehörten, vermochten es bisher, die richtigen Rückschlüsse auf alles zu geben. Den einfachen und kleinen Menschen blieb nur die Bewunderung - und die Erinnerung an unsere Verbindung zum größeren Kosmos. Ein Moment der Ehrfurcht und des Staunens, der die Neugier und das Bewusstsein für die Weiten des Universums weckte.
Amira schlug indes vor, sie könne Musik spielen. Ridvans Stirn legte sich in Falten, doch er sprach kein Wort des Widerwillens. Er musste Amira nicht daran erinnern, dass nun kein fröhliches Gedudel an sein Ohr dringen sollte. Er nickte in ihre Richtung und vertraute darauf, dass sie eine friedliche, rätselhafte Melodie finden würde, die dem Augenblick gerecht werden konnte. Doch dann stand er schließlich auf, noch während er die letzten Bissen seines Pitas zerkaute. Ohja, er hatte die gesamte Zeit über friedlich gekaut. "Aber wir sollten dazu hinunter gehen. Ich möchte mich nun ausruhen", stellte er fest und ließ sie voraus gehen. In seinem eigenen Tempo begab er sich ebenfalls hinunter in seine Gemächer um einen Platz inmitten eines Berges gemütlicher bunter Kissen einzunehmen. Sogleich schickte er sich an, mit immerhin ruhiger Hand einige Kräuter in ein gebürstetes Gefäß zu werfen und die Mischung unter Zuhilfenahme eines langen Zündholzes zum Kokeln zu bringen.
Amira fasste die Geschichte über den Wächter in schöne Worte zusammen und appellierte daran, sie mögen Trost und Zuversicht in seinem Anblick finden. Ridvans Blick blieb an der immer noch bedroht wirkenden Figur empor. Sie fand in diesem Moment weitere beruhigende Worte. Darüber, wie der Wächter das Reich - und ihn selbst - beschützen würde. Der König wollte dies glauben. Mehr als alles andere auf der Welt. Es gab niemanden sonst, zu dem er aufblicken konnte. Für einen König gab es nur das Göttliche, das Außerweltliche. Und so verlor er sich im Anblick des leuchtenden Bandes, das sich quer über den Nachthimmel zog - den himmlischen Fluss aus Licht, der über die Nacht gezeichnet wurde. Er hatte keine Erklärung dafür, warum die Dichte von Sternen in diesem Band so viel größer war, als am restlichen Nachthimmel. Inmitten der Weiß- und Grautöne wirkte es beinah, als verschmelzten die anderen Sterne und Planeten auf ihrem Lauf durch die unendliche Nacht. Es gab ihm ein Gefühl von Tiefe und Dimension, doch eine Erklärung für dieses Gefühl der Unendlichkeit und das Mysterium des Universums, hatte er natürlich nicht. Nicht einmal die Teleskope seines Landes, die zu den fortschrittlichsten von ganz Arcandas gehörten, vermochten es bisher, die richtigen Rückschlüsse auf alles zu geben. Den einfachen und kleinen Menschen blieb nur die Bewunderung - und die Erinnerung an unsere Verbindung zum größeren Kosmos. Ein Moment der Ehrfurcht und des Staunens, der die Neugier und das Bewusstsein für die Weiten des Universums weckte.
Amira schlug indes vor, sie könne Musik spielen. Ridvans Stirn legte sich in Falten, doch er sprach kein Wort des Widerwillens. Er musste Amira nicht daran erinnern, dass nun kein fröhliches Gedudel an sein Ohr dringen sollte. Er nickte in ihre Richtung und vertraute darauf, dass sie eine friedliche, rätselhafte Melodie finden würde, die dem Augenblick gerecht werden konnte. Doch dann stand er schließlich auf, noch während er die letzten Bissen seines Pitas zerkaute. Ohja, er hatte die gesamte Zeit über friedlich gekaut. "Aber wir sollten dazu hinunter gehen. Ich möchte mich nun ausruhen", stellte er fest und ließ sie voraus gehen. In seinem eigenen Tempo begab er sich ebenfalls hinunter in seine Gemächer um einen Platz inmitten eines Berges gemütlicher bunter Kissen einzunehmen. Sogleich schickte er sich an, mit immerhin ruhiger Hand einige Kräuter in ein gebürstetes Gefäß zu werfen und die Mischung unter Zuhilfenahme eines langen Zündholzes zum Kokeln zu bringen.
