05-06-2024, 07:11 - Wörter:
Dass ihr Wirken im Palast solch eine Auswirkung hätte, wäre von Latifa nie gedacht worden. Wenige Male war sie erst einberufen worden um gemeinsam mit anderen zur Unterhaltung zu dienen, bei der sie ihr akrobatisches Geschick beweisen konnte und manch einen Zuseher in Staunen versetzt hatte, wie leichtfertig und furchtlos sie an dem meterhohen Tuch gedreht und geklettert war. Doch abseits davon blieb sie unscheinbar, wortkarg und hatte eigentlich nicht den Eindruck gewonnen, dass sie jemanden besonders aufgefallen war. Nun gut, die Einladung galt auch nicht ihr im Speziellen, sondern einige hübsche Mädchen der Gruppe waren einberufen worden sich nach der Mittagshitze an der östlichen Stadtpforte wiederzufinden, von der aus der große Zug durch den zerstörten Bereich seinen Weg durch Dharan al-Bahr nehmen sollte. Doch auch hier trat Latifa isoliert aus, indem sie sich von ihren Kolleginnen abgesondert und stattdessen alleine zu dem Treffpunkt gekommen war.
Die Sichtung all der Zerstörung, schon oft wahrgenommen und doch immer wieder erschütternd aufs Neue, ließ ihren Zorn erneut auflodern. Doch was sollte das hier nun werden? Eine Zuschaustellung der königlichen Macht oder doch wahrhafte Hilfe, längst überfällig und um Wochen zu spät, als dass sie noch an Güte hätte denken können. Vielleicht waren die Proteststimmen zu laut geworden und man fürchtete die verdiente Rebellion des Volkes, das sich irgendwann nicht mehr vernachlässigen lassen würde. Die feinen Herrschaften in ihren edlen Roben, mit ihren gefüllten Tellern, benebelt von Opium und Wein, glücklich in ihren unberührten Häusern und umsorgt von der Dienerschaft. Sie waren auszurotten, allesamt. Jeder einzelne von ihnen verdiente es-
Latifas Gedanken brachen ebenso wie ihre Schritte ab, als sie schließlich auf dem weitläufigen Platz am Osttor angekommen war, der normalerweise mit Händlern voller eingekommener Waren war, Kamelen und Wägen, Tieren oder Sklaven. Doch nun würde dafür kein einziger Meter mehr reichen, denn riesige Elefanten standen teils geschmückt, teils in Geschirr auf dem unbefestigten Boden und schienen gar die niedrigen Häuser der ärmeren Bevölkerung weit überragen zu wollen. Sie hatte diese Tiere noch nie so nahe leibhaftig zu Gesicht bekommen und- einer war weiß.
Ungelogen zu sagen, dass ihr der Mund vor Staunen offen stand, als ihr Blick über das ungewöhnliche Tier glitt und sie nicht wusste, ob sie entzückt oder furchtsam sein sollte. Vor dem Tier stand der Mann der Stunde und umringt von den anderen Mädchen und Frauen, die bei seiner Agenda hilfreich sein sollten, so dass sich Latifa einen Ruck gab. Ohne den Blick von den riesigen weißen Ohren des Tieres abzuwenden, trat sie näher heran und blieb dennoch in zweiter Reihe stehen. Kurz wandte sich ihre Aufmerksamkeit Ismeth zu, der wohl gerade die Einteilung vorgenommen hatte, und im Treffen des Blicks nickte sie zur Begrüßung, ohne ihn unterbrechen zu wollen.
Devan musste zufrieden mit ihr sein, dass sie diese ungewöhnliche Aufgabe so souverän gedachte zu erfüllen. Ein schlichtes bodenlanges Kleid in dunkelblauer Farbe mit einer helleren Dupatta um die Schultern gewickelt, bot den rechten Anstand und ließ sie aber zugleich nicht mit einer der höhergestellten Damen verwechseln, die ihren prunkvollen Sari zur Schau stellten und ihre Handgelenke oder Ohren mit Schmuck zu akzentuieren wussten, den Prunk und den Luxus ihrer Herkunft lebend. Am liebsten würde Latifa ein jedes Schmuckstück einzeln von derer Körper reißen und es in die hungernde Menge werfen. Den Gedanken niederringend, nestelten ihre Hände vor ihrem Körper, bemüht um eine aufrechte und ruhige Körperhaltung, aber innerlich angespannt bis auf die letzte Körperfaser.
Latifa hatte nicht zugehört. Ein wenig überfordert von der gesamten Situation und abgelenkt von ihren Gedanken und dem weißen Elefanten, sah sie überrascht, wie sich die Traube begann ein wenig aufzulösen und bereit das erste Tier sich in Bewegung setzte. Hektisch wechselte ihr Blick zwischen den verschiedenen Bewegungen hin und her, ehe sie die letzten wenigen Schritte auf Ismeth zu trat. „Herr- Berater Abd al-Azim“, stolperte sie über die Anrede und beschloss dennoch den möglichen Fauxpas zu ignorieren, indem sie einfach weiter sprach. „Ich habe Euch hinten nicht hören können. Wohin soll ich gehen?“ Sie wusste zwar um die Absicht hinter dieser Zusammenkunft, bei der der Palast oder genauer gesagt die Königin versuchen wollte sich selbst in eine besseres Licht zu rücken, als sie verdiente, aber welches der Tiere ihr zugedacht war, konnte sie noch nicht wissen.
Die Sichtung all der Zerstörung, schon oft wahrgenommen und doch immer wieder erschütternd aufs Neue, ließ ihren Zorn erneut auflodern. Doch was sollte das hier nun werden? Eine Zuschaustellung der königlichen Macht oder doch wahrhafte Hilfe, längst überfällig und um Wochen zu spät, als dass sie noch an Güte hätte denken können. Vielleicht waren die Proteststimmen zu laut geworden und man fürchtete die verdiente Rebellion des Volkes, das sich irgendwann nicht mehr vernachlässigen lassen würde. Die feinen Herrschaften in ihren edlen Roben, mit ihren gefüllten Tellern, benebelt von Opium und Wein, glücklich in ihren unberührten Häusern und umsorgt von der Dienerschaft. Sie waren auszurotten, allesamt. Jeder einzelne von ihnen verdiente es-
Latifas Gedanken brachen ebenso wie ihre Schritte ab, als sie schließlich auf dem weitläufigen Platz am Osttor angekommen war, der normalerweise mit Händlern voller eingekommener Waren war, Kamelen und Wägen, Tieren oder Sklaven. Doch nun würde dafür kein einziger Meter mehr reichen, denn riesige Elefanten standen teils geschmückt, teils in Geschirr auf dem unbefestigten Boden und schienen gar die niedrigen Häuser der ärmeren Bevölkerung weit überragen zu wollen. Sie hatte diese Tiere noch nie so nahe leibhaftig zu Gesicht bekommen und- einer war weiß.
Ungelogen zu sagen, dass ihr der Mund vor Staunen offen stand, als ihr Blick über das ungewöhnliche Tier glitt und sie nicht wusste, ob sie entzückt oder furchtsam sein sollte. Vor dem Tier stand der Mann der Stunde und umringt von den anderen Mädchen und Frauen, die bei seiner Agenda hilfreich sein sollten, so dass sich Latifa einen Ruck gab. Ohne den Blick von den riesigen weißen Ohren des Tieres abzuwenden, trat sie näher heran und blieb dennoch in zweiter Reihe stehen. Kurz wandte sich ihre Aufmerksamkeit Ismeth zu, der wohl gerade die Einteilung vorgenommen hatte, und im Treffen des Blicks nickte sie zur Begrüßung, ohne ihn unterbrechen zu wollen.
Devan musste zufrieden mit ihr sein, dass sie diese ungewöhnliche Aufgabe so souverän gedachte zu erfüllen. Ein schlichtes bodenlanges Kleid in dunkelblauer Farbe mit einer helleren Dupatta um die Schultern gewickelt, bot den rechten Anstand und ließ sie aber zugleich nicht mit einer der höhergestellten Damen verwechseln, die ihren prunkvollen Sari zur Schau stellten und ihre Handgelenke oder Ohren mit Schmuck zu akzentuieren wussten, den Prunk und den Luxus ihrer Herkunft lebend. Am liebsten würde Latifa ein jedes Schmuckstück einzeln von derer Körper reißen und es in die hungernde Menge werfen. Den Gedanken niederringend, nestelten ihre Hände vor ihrem Körper, bemüht um eine aufrechte und ruhige Körperhaltung, aber innerlich angespannt bis auf die letzte Körperfaser.
Latifa hatte nicht zugehört. Ein wenig überfordert von der gesamten Situation und abgelenkt von ihren Gedanken und dem weißen Elefanten, sah sie überrascht, wie sich die Traube begann ein wenig aufzulösen und bereit das erste Tier sich in Bewegung setzte. Hektisch wechselte ihr Blick zwischen den verschiedenen Bewegungen hin und her, ehe sie die letzten wenigen Schritte auf Ismeth zu trat. „Herr- Berater Abd al-Azim“, stolperte sie über die Anrede und beschloss dennoch den möglichen Fauxpas zu ignorieren, indem sie einfach weiter sprach. „Ich habe Euch hinten nicht hören können. Wohin soll ich gehen?“ Sie wusste zwar um die Absicht hinter dieser Zusammenkunft, bei der der Palast oder genauer gesagt die Königin versuchen wollte sich selbst in eine besseres Licht zu rücken, als sie verdiente, aber welches der Tiere ihr zugedacht war, konnte sie noch nicht wissen.
