07-06-2024, 19:24 - Wörter:

Als sie sich entsetzt zeigte bei dem Gedanken, die ganze Nacht in der Hütte zu bleiben, nickte Gareth. „Ich verstehe deine Sorgen“, antwortete er. „Aber es wäre wirklich zu gefährlich, jetzt im Dunkeln loszuziehen. Es wird uns niemand suchen kommen, bei diesem Wetter. Ich werde deinem Vater morgen alles erklären, mir wird schon was einfallen. Hier sind wir sicher und trocken, und das ist im Moment das Wichtigste. Alles wird gut, Prinzessin.“
Der Sohn der Hohepriesterin versuchte so unbeschwert wie möglich zu klingen, damit Ana an etwas anderes dachte als an den nächsten Tag. Tiarnan würde ausflippen, wenn er erfuhr, dass die beiden zusammen eine Nacht in der Jägerhütte verbracht hatten – alleine. Doch Gareth hoffte, dass er imstande sein würde, dem Fürsten die Situation sachlich zu erklären und er es verstand, dass es das Vernünftigste gewesen war. Und schließlich hatte er seine Tochter nicht angerührt. Ana war immer wie eine Schwester für ihn gewesen und auch jetzt versuchte der Blonde sich das einzureden, dass sie nichts anderes für ihn war und konzentrierte sich auf das Feuer.
Ihr sarkastischer Kommentar ließ ihn leicht lächeln. „Das hätte jedem passieren können“, sagte er erneut. „Mach dir deswegen keine Vorwürfe. Der Wald ist tückisch, besonders bei diesem Wetter.“ Gareth stockte, als Ana ihren Zopf löste und die langen welligen roten Haare über ihre Schulter fielen. Ganz plötzlich wurde es unglaublich warm in der Hütte. Als er bemerkte, dass er seine Ziehschwester erneut anstarrte, stand er auf, um für sie ein Lager zu bereiten. Es war zwar nicht wirklich standesgemäß, aber besser als auf dem harten Boden zu liegen.
Er kam zurück ans Feuer und setzte sich, als Ana fragte, wo er schlafen würde. Gareth zuckte mit den Schultern. „Mach dir keine Gedanken. Ich werde dafür sorgen, dass das Feuer nicht ausgeht.“ Auf ihre Bemerkung, dass die Wunde versorgt werden müsse, hob Gareth leicht abwehrend die Hand. „Es ist wirklich nicht schlimm“, versicherte er ihr. „Nur eine kleine Schürfwunde. Ich hatte schon weitaus schlimmere Verletzungen, Prinzessin.“
Als Ana sich nun von ihrem Platz am Feuer erhob und auf einen alten Schrank zuging, blickte der junge Mann überrascht auf und sah ihr nach. Sie zog eine Schublade auf und durchstöberte sie, kam dann zurück zur Feuerstelle und reichte Gareth eine Flasche. Ob er damit etwas anfangen könnte, fragte sie ihn. Er zog den Korken heraus und schnupperte. „Das riecht wie…“ Er trank einen Schluck und grinste Ana dann breit an. „Ja, das ist Whisky.“
Gareth hob die Flasche und prostete der Rothaarigen zu. „Slàinte, mo bhrèagha!“ (Prost, meine Schöne!) Er trank einen weiteren Schluck und reichte Ana dann die Flasche. „Hier, versuche mal einen Schluck. Der wärmt dich von innen.“
