14-06-2024, 22:46 - Wörter:
Orpheus hegte tatsächlich weiterhin große Hoffnungen, dass sein Bruder Leandros sich angesichts der aktuellen Lage an seine Pflichten als Thronfolger erinnern würde. Es war für ihn schwer vorstellbar, dass der Kronprinz so wenig Interesse an Castandor und seinem Volk zeigte, dass ihm das Schicksal des Thrones gleichgültig war. Bei seinem Vater Augusto hatte Orpheus diese Hoffnung hingegen schon lange aufgegeben. Nicht, weil Augusto in der Vergangenheit ein schlechter König gewesen wäre, sondern weil er heute, als alter Mann, immer mehr in seine Weinträume flüchtete und das Königreich nicht mehr führen konnte. Orpheus war keineswegs naiv; er hatte selbst gesehen, wie der Großkönig in den letzten Jahren an Kraft verlor und die Regierungsgeschäfte zunehmend in Zephyrs Hände legte. Das war aus seiner Sicht richtig und notwendig, denn Zephyr war zweifellos der fähigste Mann in ganz Castandor. Die Castellanos hatten sich darauf verlassen, dass das Königreich irgendwie weitergeführt wurde, während Augusto noch als Galionsfigur diente, deren Glanz stetig schwand. Die Frage, wie lange er diese Rolle noch ausfüllen konnte, wurde immer drängender, und wer würde dann seinen Platz einnehmen? Derjenige, der es sollte, war mehr an der Macht interessiert, als an der Verantwortung seinem Volk gegenüber.
Zephyrs klare Worte bezüglich des Kronprinzen zwangen auch Orpheus, einzusehen, dass seine Hoffnung auf Leandros vielleicht nur eine Illusion war, die bald wie eine Seifenblase zerplatzen könnte. Er nickte langsam, als sein Mentor ihm riet, nicht zu lange auf seinen Bruder zu warten, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen. Und dieser letzte Satz zwang den Prinzen schließlich zu einer Entscheidung, die ihm alles abverlangte "Ich kann diesen Krieg nicht alleine für euch gewinnen und dabei selbst alles riskieren", hatte Zephyr gesagt.
Orpheus wusste, dass er sich entscheiden musste. Er könnte wie sein Bruder taub und stumm bleiben, einfach weiterreisen und Castandor seinem Schicksal überlassen, besonders weil er außerhalb des Landes war. Doch was wäre, wenn er eines Tages zurückkehren wollte? Würde seine geliebte Heimatstadt dann noch dieselbe sein oder würden dort fremde Fahnen wehen? Er musste seinen Mut zusammennehmen und der Verantwortung ins Auge sehen, wie ein wahrer Ritter. Auch wenn allein der Gedanke, die Rolle seines Bruders oder sogar seines Vaters übernehmen zu müssen, ihm Übelkeit bereitete. Würde er unter der Verantwortung, ein Königreich zu führen, zusammenbrechen oder daran wachsen? Das konnte er erst herausfinden, wenn er es versuchte.
Als Orpheus schließlich erklärte, dass er bereit sei, die Truppen zu führen, mit Leandros oder allein, verzogen sich Zephyrs Lippen zu einem Lächeln, als er dem Jüngeren die Hand auf die Schulter legte. Diese Geste stärkte das Selbstvertrauen des jungen Prinzen mehr, als Zephyr vermutlich ahnte. Doch er brauchte einfach die Gewissheit, dass er nicht allein an der Front stand, so wie Zephyr betont hatte.
"Ich weiß, was du für uns und für Castandor tust, Zephyr, und wir sind dir mehr als zu Dank verpflichtet, auch wenn mein Vater und mein Bruder das scheinbar vergessen haben", sagte Orpheus aufrichtig. "Ohne dich wäre der Thron wohl schon längst für die Castellanos verloren. Wenn ich verhindern kann, dass ein fremdes Banner über dem Palast wehen wird, werde ich alles in meiner Macht Stehende tun."
Orpheus verstummte und rieb sich nachdenklich über die schmerzende Stelle zwischen seinen Augenbrauen. Zu viele Gedanken bereiteten ihm Kopfschmerzen, doch konnte er das Grübeln nicht abstellen. Er wusste, dass er den Rest der Nacht damit verbringen würde, eine geeignete Strategie zu überlegen, wie er Leandros doch noch überzeugen könnte. Vielleicht würden sie hier bis zum Morgengrauen sitzen und diese dringende Angelegenheit besprechen müssen, das hatte Orpheus nun klar erkannt.
"Zephyr, hast du mit Vater ... mit dem Großkönig gesprochen?", fragte er schließlich nach einer Weile des Schweigens, während seine Gedanken um die nächsten Schritte kreisten. "Was sind seine Pläne? Die Truppen stehen noch unter seinem Befehl. Sie werden mir nicht einfach so folgen, ohne seine Zustimmung, oder? Augusto ist immer noch der amtierende Großkönig, und es ist wichtig zu wissen, welche Strategie er verfolgt. Gibt es Möglichkeiten für Friedensverhandlungen? Glaubst du, König Charles wäre dazu bereit? Vielleicht können wir weiteres Blutvergießen vermeiden."
Zephyrs Zuversicht hinsichtlich der Verbindung zu Prinzessin Naila erleichterte den jungen Prinzen ungemein. Sicherlich hatte sie eine umfassende Bildung genossen, und möglicherweise würden sie tatsächlich Gemeinsamkeiten entdecken, wo Orpheus bisher keine gesehen hatte. Die Vorstellung, dass die Prinzessin genauso viel Angst davor haben könnte, einen Fehler zu machen wie er selbst, beruhigte ihn ebenfalls. Er hatte sie als perfekt angesehen, doch das könnte auch eine einstudierte Maske sein, um ihre eigene Unsicherheit zu verbergen. Orpheus wusste nur zu gut, wie es war, nach außen hin eine Rolle zu spielen, während im Inneren alles anders aussah.
"Vielen Dank, Zephyr, für dein Angebot und deine Unterstützung", sagte er nach einer Weile des nachdenklichen Schweigens, die Augen auf das prasselnde Feuer gerichtet. "Vielleicht ist es tatsächlich wichtig, dass wir uns in einer neutralen Umgebung kennenlernen. Ich werde dich wissen lassen, ob ich dein Angebot in Anspruch nehmen werde." Diese Antwort war absichtlich vage gehalten, da der zurückhaltende Prinz noch nicht sicher war, inwieweit er bereit war, Naila vor der Hochzeit kennenzulernen.
Orpheus hielt erneut inne und dachte über Zephyrs Worte bezüglich der Schmerzen einer Frau beim ersten Mal nach. "Ich verstehe, das hatte ich schon vermutet. Aber ich werde mein Bestes tun, um sicherzustellen, dass Naila sich wohlfühlt und wir uns einander ohne Hast annähern können." Seine Miene wurde ernster, als er fortfuhr. "Es ist eine Verantwortung, die ich ernst nehme. Und ich hoffe, dass sie Geduld mit mir haben wird und keinen Leandros im Bett erwartet." Mit diesen Worten war das Thema endlich angesprochen, das ihm am meisten Sorgen bereitete.
Zephyrs klare Worte bezüglich des Kronprinzen zwangen auch Orpheus, einzusehen, dass seine Hoffnung auf Leandros vielleicht nur eine Illusion war, die bald wie eine Seifenblase zerplatzen könnte. Er nickte langsam, als sein Mentor ihm riet, nicht zu lange auf seinen Bruder zu warten, sondern selbst Verantwortung zu übernehmen. Und dieser letzte Satz zwang den Prinzen schließlich zu einer Entscheidung, die ihm alles abverlangte "Ich kann diesen Krieg nicht alleine für euch gewinnen und dabei selbst alles riskieren", hatte Zephyr gesagt.
Orpheus wusste, dass er sich entscheiden musste. Er könnte wie sein Bruder taub und stumm bleiben, einfach weiterreisen und Castandor seinem Schicksal überlassen, besonders weil er außerhalb des Landes war. Doch was wäre, wenn er eines Tages zurückkehren wollte? Würde seine geliebte Heimatstadt dann noch dieselbe sein oder würden dort fremde Fahnen wehen? Er musste seinen Mut zusammennehmen und der Verantwortung ins Auge sehen, wie ein wahrer Ritter. Auch wenn allein der Gedanke, die Rolle seines Bruders oder sogar seines Vaters übernehmen zu müssen, ihm Übelkeit bereitete. Würde er unter der Verantwortung, ein Königreich zu führen, zusammenbrechen oder daran wachsen? Das konnte er erst herausfinden, wenn er es versuchte.
Als Orpheus schließlich erklärte, dass er bereit sei, die Truppen zu führen, mit Leandros oder allein, verzogen sich Zephyrs Lippen zu einem Lächeln, als er dem Jüngeren die Hand auf die Schulter legte. Diese Geste stärkte das Selbstvertrauen des jungen Prinzen mehr, als Zephyr vermutlich ahnte. Doch er brauchte einfach die Gewissheit, dass er nicht allein an der Front stand, so wie Zephyr betont hatte.
"Ich weiß, was du für uns und für Castandor tust, Zephyr, und wir sind dir mehr als zu Dank verpflichtet, auch wenn mein Vater und mein Bruder das scheinbar vergessen haben", sagte Orpheus aufrichtig. "Ohne dich wäre der Thron wohl schon längst für die Castellanos verloren. Wenn ich verhindern kann, dass ein fremdes Banner über dem Palast wehen wird, werde ich alles in meiner Macht Stehende tun."
Orpheus verstummte und rieb sich nachdenklich über die schmerzende Stelle zwischen seinen Augenbrauen. Zu viele Gedanken bereiteten ihm Kopfschmerzen, doch konnte er das Grübeln nicht abstellen. Er wusste, dass er den Rest der Nacht damit verbringen würde, eine geeignete Strategie zu überlegen, wie er Leandros doch noch überzeugen könnte. Vielleicht würden sie hier bis zum Morgengrauen sitzen und diese dringende Angelegenheit besprechen müssen, das hatte Orpheus nun klar erkannt.
"Zephyr, hast du mit Vater ... mit dem Großkönig gesprochen?", fragte er schließlich nach einer Weile des Schweigens, während seine Gedanken um die nächsten Schritte kreisten. "Was sind seine Pläne? Die Truppen stehen noch unter seinem Befehl. Sie werden mir nicht einfach so folgen, ohne seine Zustimmung, oder? Augusto ist immer noch der amtierende Großkönig, und es ist wichtig zu wissen, welche Strategie er verfolgt. Gibt es Möglichkeiten für Friedensverhandlungen? Glaubst du, König Charles wäre dazu bereit? Vielleicht können wir weiteres Blutvergießen vermeiden."
Zephyrs Zuversicht hinsichtlich der Verbindung zu Prinzessin Naila erleichterte den jungen Prinzen ungemein. Sicherlich hatte sie eine umfassende Bildung genossen, und möglicherweise würden sie tatsächlich Gemeinsamkeiten entdecken, wo Orpheus bisher keine gesehen hatte. Die Vorstellung, dass die Prinzessin genauso viel Angst davor haben könnte, einen Fehler zu machen wie er selbst, beruhigte ihn ebenfalls. Er hatte sie als perfekt angesehen, doch das könnte auch eine einstudierte Maske sein, um ihre eigene Unsicherheit zu verbergen. Orpheus wusste nur zu gut, wie es war, nach außen hin eine Rolle zu spielen, während im Inneren alles anders aussah.
"Vielen Dank, Zephyr, für dein Angebot und deine Unterstützung", sagte er nach einer Weile des nachdenklichen Schweigens, die Augen auf das prasselnde Feuer gerichtet. "Vielleicht ist es tatsächlich wichtig, dass wir uns in einer neutralen Umgebung kennenlernen. Ich werde dich wissen lassen, ob ich dein Angebot in Anspruch nehmen werde." Diese Antwort war absichtlich vage gehalten, da der zurückhaltende Prinz noch nicht sicher war, inwieweit er bereit war, Naila vor der Hochzeit kennenzulernen.
Orpheus hielt erneut inne und dachte über Zephyrs Worte bezüglich der Schmerzen einer Frau beim ersten Mal nach. "Ich verstehe, das hatte ich schon vermutet. Aber ich werde mein Bestes tun, um sicherzustellen, dass Naila sich wohlfühlt und wir uns einander ohne Hast annähern können." Seine Miene wurde ernster, als er fortfuhr. "Es ist eine Verantwortung, die ich ernst nehme. Und ich hoffe, dass sie Geduld mit mir haben wird und keinen Leandros im Bett erwartet." Mit diesen Worten war das Thema endlich angesprochen, das ihm am meisten Sorgen bereitete.
