15-06-2024, 08:32 - Wörter:
Zosia Marsili verlieh ihren Überlegungen Gewicht, indem sie diese aussprach. Man müsse den Menschen (wohl insbesondere den Wanderheilerinnen) einen Anreiz geben, sich hier niederzulassen. Jasper nickte bedächtig und war überrascht, dass eine Einheimische derartige Vorschläge auf der Zunge führte. Da Zosia ihm recht sympathisch vorkam - trotz ihrer (oder vielleicht auch gerade wegen dieser) vorlauten Art - sagte er mehr dazu, als er gewollt hatte. "Das ist es, was wir tun und wollen. Menschen einen Anreiz geben, sich hier niederzulassen. Nicht nur Wanderheilerinnen. Ich vermute, ihr Ehrgefühl zwingt sie auf die Straßen. Doch ich hörte auch davon, dass sie sich durchaus niederlassen - sobald sie in ein bestimmtes Alter kommen und nicht mehr herumreisen können.
Doch auch allen anderen Menschen wollen wir einen Anreiz geben, hier Fuß zu fassen. Walleydor möchte keinen Trümmerhaufen regieren, sondern eine blühende, florierende Stadt" Er beobachtete ihr Gesicht bei diesen Worten. Was würde sie dabei empfinden? Angst? Abscheu? Oder möglicherweise sogar Hoffnung? Nein, er wagte nicht einmal, bei ihr Hoffnung auslösen zu können. Sie war zu bodenständig, um pathetisch von einer besseren Zukunft zu träumen. Vorallem nicht in Angesicht ihres Besatzers. Doch zumindest würde es ihr ein bisschen Einblick gewähren - in die Ziele ihres neuen Landes. Und zu diesen Zielen gehörte eine gloreiche Zukunft, ... keine heruntergewirtschaftete Stadt, die diesen Titel kaum noch wert war. Für Zosia würde es zumindest die Gewissheit bedeuten, dass es irgendwie weitergehen würde. Anders als vorher. Doch für sie und ihre Wirtschaft würde es weitergehen. Zumindest hoffte Jasper darauf, dass sie irgendwann zu dieser Erkenntnis gelangen würde.
Dass Zosia Marsili wirklich aus hartem Holz geschnitzt war, zeigte sich, als sie schadenfroh grinste und bemerkte, es sei keine schlechte Idee, die Halunken zu Aufräumarbeiten zu zwingen. Jasper erwiderte ihr Grinsen, denn es hatte ihm imponiert. Dann zuckte er mit den Schultern. "Einverstanden. Wenn Ihr diesbezüglich keine Bedenken habt, werde ich dafür sorgen, dass die Verbrecher - neben anderen Strafen - auch in dieser Form zur Rechenschaft gezogen werden. Selbstverständlich werden die Arbeiten von weiteren Wachen beaufsichtigt. Ich werde selbst regelmäßig vorbei kommen und mich von den Fortschritten überzeugen", versprach Jasper sogleich. Denn auch ihm sagte es zu, dass diese Suffköpfe eine durchaus erniedrigende Strafe erfuhren. Und diese war nun wirklich der Tat entsprechend und angemessen.
Selbstverständlich waren keine "wohlausgebildeten Soldaten" an der Zerstörung der Taverne beteiligt gewesen. Und manch einer hatte bereits reuig den Schwanz eingezogen und war zurück in die Heimat gekehrt - das wusste Jasper. Und ehrlich gesagt war das nicht die schlechteste Lösung. Er wollte keine Unruhestifter in der Stadt behalten.
Schließlich erklärte sie ihr Misstrauen, was die Übernahme aller Kosten betraf. Und möglicherweise merkte man Jasper an, dass er kein Geschäftsmann war. Nicht so, wie sein Vater. Der hätte sicherlich irgendwelche Knebelverträge vorgeschlagen, Wucherzins und Zinseszinsen. Er hätte mit schön klingenden Zahlen um sich geworfen und Zosia Marsili damit für ihr Leben lang in Ketten gelegt. In seiner einfachen Zusage, alle Kosten zu tragen, zeigte sich ganz deutlich, warum sein Vater und er in so wenigen Dingen übereinstimmten. Jasper hatte Träume, Ideale und ... erlag Verblendungen. Natürlich fiel ihm nicht im Traum ein, nachzutreten, sobald jemand schon am Boden lag.
Für den ersten Moment wirkte er fast ein bisschen betroffen - man zweifelte immerhin sein Wort und seine Ehre an. Doch er blieb ruhig und beobachtete sie still bei ihren Ausführungen. Dann nickte er diese ab. Ja... er konnte es durchaus verstehen. Sie wusste nicht, mit wem sie zu tun hatte. "Denkt Ihr nicht, dass Ihr bereits genug geben musstet?", fragte Jasper schließlich pathetisch, nachdem er eine kleine Pause nach ihren Worten hatte entstehen lassen.
So sah der Fielding-Erbe es also. Zosia war bereits genug gebeutelt worden. Ihr Vater lag krank darnieder, ihre Taverne in Trümmern - und ehrlich gesagt wusste Jasper nicht, ob ihre Familie weitere Schäden oder gar Verluste zu beklagen hatte. Es kam ihm vollkommen abartig und widerwertig vor, so einer Person noch weitere Lasten aufzuerlegen. Jasper strebte ein friedliches und schönes Miteinander in dieser Stadt an - und keine Unterdrückung der Bevölkerung. Er wollte, dass das Volk genauso zu seiner neuen Fürstenfamilie aufblickte, wie Jasper zu seiner Königsfamilie aufblickte: voll Stolz und Liebe und Vertrauen und Mut. Er wusste, dass es bis dahin ein sehr langer Weg war. Doch auch die ersten Schritte mussten getan werden. Jetzt. Nicht morgen. Nur, wie sollte er das erklären? Er glaubte nicht, dass man dies einer Zosia Marsili begreiflich machen konnte. Vermutlich konnte sie sich keine Träumereien, Loyalität und Pathos leisten. Sie musste - wie alle einfachen Leute in Jaspers Vorstellung - einfach nur täglich ums Überleben kämpfen. Auf der anderen Seite... ging es ihm selbst da ja nicht viel anders.
"Ich darf Euch versichern, dass wir die Taverne einfach nur in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen möchten, damit sie baldmöglichst eröffnen kann. Das wird die Stimmung in der Stadt heben und hoffentlich einige Gemüter besänftigen...", beharrte Jasper weiter. Er verstand schon, dass das in Zosias Augen zu einfach klingen mochte. Doch was brachte es ihr schon, Konditionen klar definiert zu wissen. Sie wusste doch sicherlich, dass Fürstengunst unberechenbarer, launenhafter und wendischer als das Wetter sein konnte. Auch wenn es jetzt festgelegte Konditionen gab, war das nichts, das einen Fürsten irgendwie davon abhalten würde, einem Untertan weitere Lasten aufzuerlegen, sobald es einem beliebte. "Ich verstehe Euer Misstrauen in dieser - in jeder - Angelegenheit. Dennoch darf ich Euch erneut versichern, dass wir nun im besten Interesse der Bevölkerung handeln werden." Jasper erkannte, dass noch ein weiter Weg vor ihnen lag. Doch Zosia Marsili war - so man sie eines Tages überzeugen konnte - sicherlich ein guter Muliplikator. "Sobald es uns möglich ist und die Infrastruktur es ermöglicht, werden wir den diesjährigen Tag der Rechtsprechung nachholen, damit jeder Bürger die Möglichkeit hat, sich an seinen neuen Fürsten zu wenden und durch ihn Gerechtigkeit zu erfahren. Wir werden dafür sorgen, dass Gesetze gerecht angewandt und Korruption und Armut bekämpft werden. Ich kann mein Angebot von vorhin nur wiederholen - bitte sprecht mich persönlich an, wann immer Ihr ein Problem erkennt und darauf hinweisen möchtet. Wir sind noch sehr auf die Augen und Ohren der Bevölkerung angewiesen..." Nunja. Das war zumindest eine kleine Art von Gegenleistung, die er sich wünschte. Doch sie übertraf nicht die allgemeine, ehrliche Bürgerpflicht.
Doch auch allen anderen Menschen wollen wir einen Anreiz geben, hier Fuß zu fassen. Walleydor möchte keinen Trümmerhaufen regieren, sondern eine blühende, florierende Stadt" Er beobachtete ihr Gesicht bei diesen Worten. Was würde sie dabei empfinden? Angst? Abscheu? Oder möglicherweise sogar Hoffnung? Nein, er wagte nicht einmal, bei ihr Hoffnung auslösen zu können. Sie war zu bodenständig, um pathetisch von einer besseren Zukunft zu träumen. Vorallem nicht in Angesicht ihres Besatzers. Doch zumindest würde es ihr ein bisschen Einblick gewähren - in die Ziele ihres neuen Landes. Und zu diesen Zielen gehörte eine gloreiche Zukunft, ... keine heruntergewirtschaftete Stadt, die diesen Titel kaum noch wert war. Für Zosia würde es zumindest die Gewissheit bedeuten, dass es irgendwie weitergehen würde. Anders als vorher. Doch für sie und ihre Wirtschaft würde es weitergehen. Zumindest hoffte Jasper darauf, dass sie irgendwann zu dieser Erkenntnis gelangen würde.
Dass Zosia Marsili wirklich aus hartem Holz geschnitzt war, zeigte sich, als sie schadenfroh grinste und bemerkte, es sei keine schlechte Idee, die Halunken zu Aufräumarbeiten zu zwingen. Jasper erwiderte ihr Grinsen, denn es hatte ihm imponiert. Dann zuckte er mit den Schultern. "Einverstanden. Wenn Ihr diesbezüglich keine Bedenken habt, werde ich dafür sorgen, dass die Verbrecher - neben anderen Strafen - auch in dieser Form zur Rechenschaft gezogen werden. Selbstverständlich werden die Arbeiten von weiteren Wachen beaufsichtigt. Ich werde selbst regelmäßig vorbei kommen und mich von den Fortschritten überzeugen", versprach Jasper sogleich. Denn auch ihm sagte es zu, dass diese Suffköpfe eine durchaus erniedrigende Strafe erfuhren. Und diese war nun wirklich der Tat entsprechend und angemessen.
Selbstverständlich waren keine "wohlausgebildeten Soldaten" an der Zerstörung der Taverne beteiligt gewesen. Und manch einer hatte bereits reuig den Schwanz eingezogen und war zurück in die Heimat gekehrt - das wusste Jasper. Und ehrlich gesagt war das nicht die schlechteste Lösung. Er wollte keine Unruhestifter in der Stadt behalten.
Schließlich erklärte sie ihr Misstrauen, was die Übernahme aller Kosten betraf. Und möglicherweise merkte man Jasper an, dass er kein Geschäftsmann war. Nicht so, wie sein Vater. Der hätte sicherlich irgendwelche Knebelverträge vorgeschlagen, Wucherzins und Zinseszinsen. Er hätte mit schön klingenden Zahlen um sich geworfen und Zosia Marsili damit für ihr Leben lang in Ketten gelegt. In seiner einfachen Zusage, alle Kosten zu tragen, zeigte sich ganz deutlich, warum sein Vater und er in so wenigen Dingen übereinstimmten. Jasper hatte Träume, Ideale und ... erlag Verblendungen. Natürlich fiel ihm nicht im Traum ein, nachzutreten, sobald jemand schon am Boden lag.
Für den ersten Moment wirkte er fast ein bisschen betroffen - man zweifelte immerhin sein Wort und seine Ehre an. Doch er blieb ruhig und beobachtete sie still bei ihren Ausführungen. Dann nickte er diese ab. Ja... er konnte es durchaus verstehen. Sie wusste nicht, mit wem sie zu tun hatte. "Denkt Ihr nicht, dass Ihr bereits genug geben musstet?", fragte Jasper schließlich pathetisch, nachdem er eine kleine Pause nach ihren Worten hatte entstehen lassen.
So sah der Fielding-Erbe es also. Zosia war bereits genug gebeutelt worden. Ihr Vater lag krank darnieder, ihre Taverne in Trümmern - und ehrlich gesagt wusste Jasper nicht, ob ihre Familie weitere Schäden oder gar Verluste zu beklagen hatte. Es kam ihm vollkommen abartig und widerwertig vor, so einer Person noch weitere Lasten aufzuerlegen. Jasper strebte ein friedliches und schönes Miteinander in dieser Stadt an - und keine Unterdrückung der Bevölkerung. Er wollte, dass das Volk genauso zu seiner neuen Fürstenfamilie aufblickte, wie Jasper zu seiner Königsfamilie aufblickte: voll Stolz und Liebe und Vertrauen und Mut. Er wusste, dass es bis dahin ein sehr langer Weg war. Doch auch die ersten Schritte mussten getan werden. Jetzt. Nicht morgen. Nur, wie sollte er das erklären? Er glaubte nicht, dass man dies einer Zosia Marsili begreiflich machen konnte. Vermutlich konnte sie sich keine Träumereien, Loyalität und Pathos leisten. Sie musste - wie alle einfachen Leute in Jaspers Vorstellung - einfach nur täglich ums Überleben kämpfen. Auf der anderen Seite... ging es ihm selbst da ja nicht viel anders.
"Ich darf Euch versichern, dass wir die Taverne einfach nur in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen möchten, damit sie baldmöglichst eröffnen kann. Das wird die Stimmung in der Stadt heben und hoffentlich einige Gemüter besänftigen...", beharrte Jasper weiter. Er verstand schon, dass das in Zosias Augen zu einfach klingen mochte. Doch was brachte es ihr schon, Konditionen klar definiert zu wissen. Sie wusste doch sicherlich, dass Fürstengunst unberechenbarer, launenhafter und wendischer als das Wetter sein konnte. Auch wenn es jetzt festgelegte Konditionen gab, war das nichts, das einen Fürsten irgendwie davon abhalten würde, einem Untertan weitere Lasten aufzuerlegen, sobald es einem beliebte. "Ich verstehe Euer Misstrauen in dieser - in jeder - Angelegenheit. Dennoch darf ich Euch erneut versichern, dass wir nun im besten Interesse der Bevölkerung handeln werden." Jasper erkannte, dass noch ein weiter Weg vor ihnen lag. Doch Zosia Marsili war - so man sie eines Tages überzeugen konnte - sicherlich ein guter Muliplikator. "Sobald es uns möglich ist und die Infrastruktur es ermöglicht, werden wir den diesjährigen Tag der Rechtsprechung nachholen, damit jeder Bürger die Möglichkeit hat, sich an seinen neuen Fürsten zu wenden und durch ihn Gerechtigkeit zu erfahren. Wir werden dafür sorgen, dass Gesetze gerecht angewandt und Korruption und Armut bekämpft werden. Ich kann mein Angebot von vorhin nur wiederholen - bitte sprecht mich persönlich an, wann immer Ihr ein Problem erkennt und darauf hinweisen möchtet. Wir sind noch sehr auf die Augen und Ohren der Bevölkerung angewiesen..." Nunja. Das war zumindest eine kleine Art von Gegenleistung, die er sich wünschte. Doch sie übertraf nicht die allgemeine, ehrliche Bürgerpflicht.
