16-06-2024, 08:40 - Wörter:
Lovis hatte so viel mit einfachen Menschen - grade auch auf dem Land - zu tun, dass es ihr nicht weiter auffiel, wenn jemand eine eher derbere Sprache an den Tag legte. Sie nickte diese Art zu sprechen innerlich ab. Sie war ein weiteres Indiz dafür, mit wem oder was sie es zu tun hatte. Und ehrlich gesagt - ein paar Adligen war sie schon begegnet - keiner von denen sprach derart derb daher, wie ihr Gegenüber nun. Doch Lovis störte sich nicht daran. Wie immer beobachtete sie nur und urteilte nicht. Auf sein Fingerzeig drehte sie den Kopf dezent in die Richtung und versuchte zu erkennen, worauf er sie aufmerksam machen wollte. Dicke mit wenigen Zähnen im Maul. Lovis senkte bei diesen Worten den Blick und drehte den Kopf wieder in die Richtung ihres Gesprächspartners. Die habe ihren Platz gewollt. Lovis verstand. Sie ließ ihn dennoch ausreden, bevor sie einhakte. "Du solltest nicht so voreilig über andere Leute urteilen..", schlug sie mit vorsichtig mahnender, aber irgendwie auch bittenden Stimme vor. Natürlich wollte sie ihm nicht wirklich eine Standpauke über Oberflächlichkeiten halten - sie selbst war schließlich ebenfalls weit entfernt von Perfektion. Doch wer wusste schon, was mit der Dicken ohne Zähne los war. Beides konnte von schweren Krankheiten herrühren... und Heofader hielt seine schützenden Hände über solche Leute. Es stand ihnen hier - Ronan und Lovis - nicht zu, darüber zu urteilen.
Doch der Mann schien auch was vom Dasein in so einer Taverne zu verstehen. Er hob nur seinen Humpen an und sofort kam ein geschäftstüchtiges Ding zu ihnen geeilt. Lovis sah verblüfft an dem jungen Mädchen hoch und beobachtete dann wiederum die unangenehme Art, mit der ihr Gegenüber das Ding ansprach. Er schien ja ein ziemliches Unikat zu sein. Wenigstens lud er sie ein - und stellte Lovis damit vor eine unangenehme Wahl. Plötzlich schlugen zwei Herzen in ihrer Brust. Einerseits wollte sie einfach nur einen friedlichen, ruhigen Abend haben und sich ausruhen. Andererseits waren Hailey und sie derart arm und angewiesen auf Almosen, dass sie einen gratis Humpen Bier nicht ablehnen wollte. Nach einem kurzen, innerlichen Zwist siegte die Vernunft über Lovis. Sie nickte ihrem Gegenüber freundlich und dankbar zu. "Das ist äußerst großzügig - hab' vielen Dank!", nahm sie das Angebot an und blickte dann wieder an der Bedienung hoch. "Einen simplen Eintopf, gerne mit Fleisch oder Fisch, wenn noch etwas davon übrig ist. Und ein verdünntes, kühles Bier", bestellte sie so deftig und nahrhaft wie nur möglich in dieser Gegend. Es war immerhin genau so, wie Ronan sich das vorstellte: um tagsüber aufrecht gehen zu können, brauchte man mindestens einmal am Tag irgendeinen Nährzement, damit man nicht komplett aus den Latschen kippte.
Das junge Ding nickte ab und huschte davon - zurück in die Küche, anstatt zu ihrem Schwatzpartner, der ihr sehnsüchtig nachblickte. Lovis beobachtete dies für einen kleinen Augenblick und wandte sich dann wieder ihrem Gesprächspartner zu. "Du kommst mir vor, wie jemand, der gerne einen guten Überblick über eine Situation hat. Jemand, der sich auskennt. Oder täusche ich mich?
Ich würde gerne wissen, ob Du mir sagen kannst, wann und wo genau diese Seuche ihren Ursprung genommen hat. Kennst Du Leute, die bereits gesundet sind, mit denen ich sprechen könnte?" Lovis wusste bisher noch zu wenig über diese Krankheit aus dem Sommerland und wollte sich daher unbedingt schlau machen. Es war unheimlich schwer für sie auszumachen, wie schnell die Seuche sich verbreitete, wie lange es wohl dauern mochte, bis die ersten Symptome auftraten und wie viele der Erkrankten wieder gesund wurden. Diese Dinge wurden nirgendwo dokumentiert, da es keine Infrastruktur dafür gab. Doch Einheimische konnten das eher einschätzen. Gerade Handwerker mit möglicherweise größeren Geschäftsbetrieben. Sie konnten einschätzen, wie viele ihrer Belegschaft es erwischt hatte, ob welche gesund zurückgekommen waren, wie es anfing und welchen Verlauf die Krankheit nahm. Und sie war gespannt darauf, ob ihr Gegenüber dazu etwas sagen konnte. Da er ihre Frage, ob er ein Einheimischer sei, noch nicht beantwortet hatte, stellte sie sie einfach noch einmal. "Du bist doch von hier, oder?" Diesmal nur anders herum verpackt.
Doch der Mann schien auch was vom Dasein in so einer Taverne zu verstehen. Er hob nur seinen Humpen an und sofort kam ein geschäftstüchtiges Ding zu ihnen geeilt. Lovis sah verblüfft an dem jungen Mädchen hoch und beobachtete dann wiederum die unangenehme Art, mit der ihr Gegenüber das Ding ansprach. Er schien ja ein ziemliches Unikat zu sein. Wenigstens lud er sie ein - und stellte Lovis damit vor eine unangenehme Wahl. Plötzlich schlugen zwei Herzen in ihrer Brust. Einerseits wollte sie einfach nur einen friedlichen, ruhigen Abend haben und sich ausruhen. Andererseits waren Hailey und sie derart arm und angewiesen auf Almosen, dass sie einen gratis Humpen Bier nicht ablehnen wollte. Nach einem kurzen, innerlichen Zwist siegte die Vernunft über Lovis. Sie nickte ihrem Gegenüber freundlich und dankbar zu. "Das ist äußerst großzügig - hab' vielen Dank!", nahm sie das Angebot an und blickte dann wieder an der Bedienung hoch. "Einen simplen Eintopf, gerne mit Fleisch oder Fisch, wenn noch etwas davon übrig ist. Und ein verdünntes, kühles Bier", bestellte sie so deftig und nahrhaft wie nur möglich in dieser Gegend. Es war immerhin genau so, wie Ronan sich das vorstellte: um tagsüber aufrecht gehen zu können, brauchte man mindestens einmal am Tag irgendeinen Nährzement, damit man nicht komplett aus den Latschen kippte.
Das junge Ding nickte ab und huschte davon - zurück in die Küche, anstatt zu ihrem Schwatzpartner, der ihr sehnsüchtig nachblickte. Lovis beobachtete dies für einen kleinen Augenblick und wandte sich dann wieder ihrem Gesprächspartner zu. "Du kommst mir vor, wie jemand, der gerne einen guten Überblick über eine Situation hat. Jemand, der sich auskennt. Oder täusche ich mich?
Ich würde gerne wissen, ob Du mir sagen kannst, wann und wo genau diese Seuche ihren Ursprung genommen hat. Kennst Du Leute, die bereits gesundet sind, mit denen ich sprechen könnte?" Lovis wusste bisher noch zu wenig über diese Krankheit aus dem Sommerland und wollte sich daher unbedingt schlau machen. Es war unheimlich schwer für sie auszumachen, wie schnell die Seuche sich verbreitete, wie lange es wohl dauern mochte, bis die ersten Symptome auftraten und wie viele der Erkrankten wieder gesund wurden. Diese Dinge wurden nirgendwo dokumentiert, da es keine Infrastruktur dafür gab. Doch Einheimische konnten das eher einschätzen. Gerade Handwerker mit möglicherweise größeren Geschäftsbetrieben. Sie konnten einschätzen, wie viele ihrer Belegschaft es erwischt hatte, ob welche gesund zurückgekommen waren, wie es anfing und welchen Verlauf die Krankheit nahm. Und sie war gespannt darauf, ob ihr Gegenüber dazu etwas sagen konnte. Da er ihre Frage, ob er ein Einheimischer sei, noch nicht beantwortet hatte, stellte sie sie einfach noch einmal. "Du bist doch von hier, oder?" Diesmal nur anders herum verpackt.
