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above the shadows
12.08.1016 - 23:30
Gärten des Königspalastes

Amra Aswad
Devan Naharis
Sommerland - Admin
Alter 31
Beruf Assassine
Wohnort Dharan al-Bahr, Matariyya
Stand Ledig
User Letha
#6
Beschädigt war ein Wort, das Devan im Zusammenhang mit einem Menschenleben nie in den Mund genommen hätte, denn beschädigt waren Objekte, kaputte Tonkrüge oder zerbrochene Gläser; kein organischer Körper, der lebte, atmete und sich selbst regenerierte. Solche Worte nahmen nur Menschen in den Mund, die ihresgleichen als Objekte betrachteten, und Devan fragte sich, woher Amira diesen Ausdruck gelernt hatte. In seinem Blick steckte Neugierde, als er sie musterte und flüchtig nach Anzeichen suchte, die ein Stück ihrer Vergangenheit verrieten. Abgelenkt durch ihren Tadel schmälerten sich seine Augen aber bald schon aus dem einfachen Grund, dass sie ihn zum Lachen brachte. Sie war vorsichtig in ihrer Wortwahl, er hingegen fast schon rücksichtslos und kaum darauf bedacht, seine Formulierungen für womöglich lauschende Ohren zu zensieren. Warum auch, die Gardisten unter sich wählten weit weniger gefilterte Worte, wenn sie glaubten, dass ihnen niemand zuhörte. “Auf der Straße wird den Menschen für geringere Taten die Hand abgeschlagen.” So war das Leben, das sie alle kannten, in dem sie zu überleben gelernt hatten. Ein Gardist konnte nicht blind sein, wenn er selbst Zeuge solcher Bestrafungen war, wenn er seinen Weg nach Hause antrat durch die Gassen, die sich bis zum oberen Rand der Stadt mit Bettlern gefüllt hatten. Sicher hatte Ridvan auch die Einhändigen unter ihnen eingefangen und aufs Festland geschickt in der Überzeugung, dass man mit einer funktionierenden Hand immer noch kämpfen konnte. Hatte Ridvan überhaupt nachgedacht oder war er so benebelt gewesen, dass er die Idee seiner Berater einfach abgenickt hatte? “Tut mir einen Gefallen und nennt Euch nicht beschädigt. Ihr seid kein Objekt, das man nach Belieben brechen und biegen kann.” Doch sehr untypisch für den Gardisten, war das Lächeln in seiner Stimme verschwunden und hatte einer seltenen Ernsthaftigkeit Platz gemacht. Sein Blick ruhte auf der zitternden Hand seiner Begleiterin, ohne sie zu berühren, dann festigte er sich auf dem Weg vor ihnen. In einer anderen Situation, an einem anderen Ort hätte er ihre Hand vielleicht genommen, bis sie aufgehört hatte, zu zittern, aber nicht hier. Ironischerweise mussten sie nur die falschen Leute mit zu viel Macht beobachten, um dafür zu sorgen, dass sie beide ihre Hände los waren.
Der Ernst in Devans Blick verschwand schneller, als er gekommen war; mit einem Luftzug war er fort und machte dem jugendlichen Grinsen Platz, das unter dem Schal ganz natürlich auch seine Augen erreichte. “Genauso wie Ihr darauf achtet, dass solche Fälle erst gar nicht aus der Reihe tanzen”, lenkte er ihr Kompliment um, weil er das Erfüllen seiner Aufgabe für vollkommen selbstverständlich hielt. Es war so natürlich, dass er keinen Gedanken daran verschwendete, wenn er aufrecht an den Torbögen stand mit seinem Speer in der Hand, ein Ohr auf die Gespräche der Palastgäste, das andere wachsam für die Anomalitäten in der Umgebung. Für ihn war es eine wunderbare Übung, über mehrere Stunden konzentriert zu bleiben und das Knistern der Fackeln von dem Plätschern der Brunnen zu differenzieren, während er seinen Körper in Alarmbereitschaft hielt, sobald er Schritte hörte. Eine ausgiebig anspruchsvolle Übung sogar, war er sich doch sicher, dass seine Kollegen als Tiere der Gewohnheit nach zwanzig Minuten im Einsatz abschalteten. Tatsächlich war es die Kunst, zu wissen, wann man aufmerksam sein musste, und in welchen Intervallen. Es war nichts anderes, als sich seine eigenen Kräfte einzuteilen und in den richtigen Momenten zu nutzen - etwas, das den meisten Gardisten in ihrer Gemütlichkeit und Gewohnheit fehlte, wie Devan beobachtet hatte.

Im Schutz der Palastmauern gab es selten ein Anzeichen, dass die Dharan al-Bahr mitten in der Wüste erbaut worden war, und doch trug die Luft einige feine Sandkörner mit sich. Hier in den Gärten war es windstill und sehr feucht im Vergleich zu den trockenen, staubigen Straßen der Hauptstadt, und doch musste man nur in den freien Himmel sehen, um sich an die schiere Unendlichkeit der Sternendecke aus der Wüste erinnert zu fühlen. Auch Devan legte seinen Kopf ein wenig in den Nacken, richtete aber nicht die Nase gegen die windstille Luft, sondern bedachte den Himmel mit einem kurzen, aufmerksamen Blick. Er zögerte nicht auf die Frage, die man ihm stellte, sondern bedachte seine Begleitung aus den Augenwinkeln und wenn man ganz genau hinsah, dann konnte man ihn sogar zwinkern sehen. “Ist es nicht die Aufgabe von uns Gardisten, die Bewohner des Palastes zu kennen und zu beobachten?”, stellte er die Gegenfrage, erwartete aber keine Antwort darauf. Stattdessen zuckte er nur mit den Schultern und griff den Speer in seiner Hand ein wenig tiefer. “Ich mag Euch. Natürlich fallt Ihr mir öfter auf als andere. Und ich glaube, das letzte Wort zog sich dabei ein wenig in die Länge. “Das beruht auf Gegenseitigkeit. Oder kennt Ihr den Namen von jedem Gardisten?” Eine berechtigte Frage, wie er fand, vor allem mit dem Hintergrund, dass sie noch nie vollständig sein Gesicht gesehen hatte. Devan war auch ehrlich an der Antwort interessiert, so, wie er das Tempo ein wenig drosselte und absichtlich Zeit für sie totschlug, bis er sich zurück an seinen Posten stellen musste.
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