01-07-2024, 16:46 - Wörter:

Vielleicht würde es auch Ismeth in seiner Nervosität beruhigen. Wenn es nach der Prinzessin ging, dann konnten sie auch nur schweigend nebeneinander sitzen, mutmaßte sie doch, dass der Berater nicht in den Gärten herumstreunerte, weil er auf der Suche nach Gesellschaft war. Aber genauso, wie sich ihre Wege und dann ihre Blicke gekreuzt hatten, musste das nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Gesellschaft. Es war eine Kunst für sich, Ruhe in der Stille zwischen ihnen zu finden und es doch als Gemeinsamkeit zu betrachten, zur gleichen Zeit am gleichen Ort die gleiche Luft zu atmen. Die eine fand mehr Gleichgewicht in der Gegenwart, als es der andere zutun schien, und wieder lächelte Naila. Diesmal eine Spur wärmer, während sie ihren Blick vom Brunnen wieder auf ihn richtete. “Meine Gouvernante wird gleich hier sein”, bat sie ihm einen Ausweg an und gleichzeitig einen Grund, zu bleiben. “Wenn Ihr also möchtet, könnt Ihr gerne bleiben.” Er musste ihr nicht mitteilen, dass er nervös war, sie wusste es bereits. Was versprach sie sich schon aus diesem Gespräch? Eine Ablenkung? Interessante Gesprächsthemen? Ein Grund, ihre Gedanken mit einer Person zu füllen, die nicht ohnehin der Stoff ihrer Träume war. Sich mit einer anderen Seele zu beschäftigen, tat sie gerne, und heute war ihr Ismeth in die Arme gelaufen. Solange er ihr erlaubte, seine eigenen Sorgen zu lösen, würde sie genau das tun. So fuhr sie interessiert fort: “Ich habe gehört, in Yalewdal geben sich Brautpaare das Ja-Wort am Rande der Wüste, zwischen aufgeschlagenen Zelten und Dünen. Habt Ihr eure Frau dort geehelicht, oder doch hier in der Hauptstadt?” Erzähl mir mehr. Wenn Naila sich nicht recht täuschte, hatte Ismeth seine Frau sehr früh bereits wieder verloren, und man sah immer noch eine gewisse Traurigkeit in seinen Augen, die vermutlich nie ganz verblassen würde. Ob ihre Mutter die Trauer auch wie einen Schleier tragen würde? Dennoch hoffte sie, dass sie den Elefantenzüchter mit schönen Erinnerungen speiste, dass er gediegen war, von seinen eigenen Hochzeitserfahrungen zu berichten.
