08-07-2024, 23:39 - Wörter:
Der Wind erhob sich, wurde stärker und die Wolken zogen sich dichter zusammen. Die Sonne sank hinab, gab eine seltsame Farbe des Himmels preis und zeigte an, dass sich der Abend bereits näherte. Doch die Nacht war noch fern und mit ihr die Schrecken des Ungewissen. Es gab einen Platz für sie beide. Nicht nur in einer Taverne, die für sie vorbereitet worden war. Es gab einen Platz für beide in dieser Welt. Elithea und Belisarius konnten leben, gemeinsam glauben und einig hoffen, dass ihre Leben Sinn finden konnten. Beide waren sie verlorene Seelen; jeder auf seine Weise. Verlust kannten sie zu gut und doch waren sie noch hier. Noch waren sie hier und jede Sekunde war ein Beweis dafür, dass sie leben konnten. Die Prinzessin mochte kraftlos erscheinen, zusammengesunken und doch umgab sie eine Aura, die vielleicht nur der teuflische Kriegsherr erblicken konnte. Er sah sie mit beiden Augen an, sah sie als das, was sie immer schon gewesen war: ein Mensch. Sie wollte Mensch sein, atmen, leben und träumen. Elithea schickte sich nicht an, mehr sein zu wollen, als das. Kein Amt, keine Würde, die sie von diesem Fakt trennen würde, war ihr Begehr. Keinerlei Illusion erbaute eine Mauer um sie, die sie abtrennte, von jener wahren Welt. Belisarius spürte dies, wusste darum, dass Elithea echt war. Sie war keine dieser Fassaden, dieser Bühnenbilder und Statisten auf dieser einen Bühne.
Ohne einen Widerstand in sich, ohne Zweifel, ohne jedwede falsche Absicht, war er hier für sie, auch wenn ihre Zeit als Menschen beschränkt war; doch reichte sie für einen Traum von Hoffnung. Wenn Elithea Gnade sein konnte, wenn sie derartig offen, auf ihn zugehen konnte, wenn sie hier war, dann war diese Welt weniger leer. Belisarius war nicht mal mehr erstaunt darüber, sondern fand einen stillen Trost darin, dass Elithea so menschlich war. Anders als viele, wollte sie nichts Böses. Sie strebte nach nichts, außer nach Güte und Gegenseitigkeit. Hier bei ihr zu sein, schuf eine Erleichterung von der permanenten Last des Wissens. Belisarius wusste zu viele Dinge, tat zu viele Dinge, so dass er immer belastet war. Die Ketten seiner Qual wogen nicht einmal die Welt auf und doch war hier Elithea, deren Nähe jenes Gewicht leichter machte. Er ließ es zu, dass sie sich an ihn schmiegte. Belisarius ließ es einfach geschehen, dass sich ihr Körper an seine Seite formte und sie fast in traurig-schöner Eintracht verweilten. Ihre Hand fand den Weg zu seiner und suchte dort nach Halt, den er ihr bereitwillig gab. Als Dämon kannte er die Höllen der Welten, kannte jedes Ungemach, so dass sein Schutz echt war, da er keinen Schutz gewähren konnte, den er nicht geben wollte. Sie mochte keine Zeit haben, keinen Stand teilen, und doch hatten sie diese Gelegenheit. Diese eine Gelegenheit, zu erkennen, was sie waren und sein wollten. Hier saß er nun, seinen Arm ebenso um sie legend, um die junge Prinzessin vor der Welt abzuschirmen, wie ein Schild gegen die ihr widerfahrene Ungerechtigkeit. Es kostete nur ein kurzer Zögern und dann Mut, sich diese menschliche Geste zu erlauben. Seine dämonische Aura verlor an Kälte und seine Augen fanden etwas, was viele verloren glaubten. Elithea erweckte im Dämon, der viele Leben unmöglich gemacht hatte, Herzenswärme. Sein Herz schlug nicht in Begehren, sondern in Fürsorge. Kümmerliche Tränen suchten seine Augen, fielen hinab, als ihm bewusst wurde, was er in Wahrheit war. Er konnte nie der Mensch sein, der er sein wollte. Niemals konnte er der sein, den Elithea so sehr suchte. Ihre Haltung, ihr angeschmiegter Körper, der Händedruck, all das sprach eine einzige Sprache, dass sie sich an ihn versprechen wollte. Sie wollte unter mit ihm fallen, unter seinem Schutz wachsen und ganz bei Belisarius sein, doch das konnte er nicht gewähren. Doch das war jetzt egal. Vollkommen gleichgültig, da sie ihn brauchte und Belisarius sie nicht aufgeben wollte. Nicht fallen lassen wollte, in jene Einsamkeit, die sie bis vor wenigen Augenblicken begleitet hatte.
Elithea war so viel mehr als das, so viel mehr wert, und verdiente einen Schutz, nach dem, was geschehen war. Belisarius war nicht egal, was sie fühlte, und doch, selbst mit dem Wissen nicht der Mann, nicht der ehrbare Ritter zu sein, erlaubte er es ihr, bei ihm zu sein. Insgeheim erhoffte er, dass sie seine Tränen berührte, sie finden konnte und ihm zeigen konnte, was sie bedeuten konnten. Auch Belisarius schloss die Augen, abermals. Ihre Nähe tat gut, ihre Anwesenheit erlaubte diese Hoffnung, dass auch er nicht bedeutungslose Tränen vergießen konnte. Doch die Tränen versiegten nicht aus Eifer oder Tatendrang, sondern aus Fürsorge für sich selbst. Belisarius konnte sich diese Blöße nicht erlauben, denn ein Dämon, der weinte, würde in der Hölle vergehen, wie ein Wassertropfen im Feuer.
Doch die Zweisamkeit wurde unlängst gestört. Der Prinz erkundigte sich nach der Gesundheit seiner Schwester. Gut, dass er dies tat. Belisarius drehte sein Haupt von liebgewonnenen Pose fort, um Endymion direkt anzublicken. Wieder kehrte jene Härte zurück in das Gesicht des Kriegsmeisters aber fand nicht jene frostige Kälte wieder, die sie vorhin begleitet hatte. Denn noch immer war Elithea an seiner Seite, hielt seine Hand, schmiegte sich noch an ihn und erlaubte dem Eis seiner Vergangenheit keinerlei Macht. Auch sie blickte ihren Bruder an und versicherte diesem, dass sie gleich weiter reisen konnten. Belisarius blickte zwischen beiden hin und her. Wie Endymion plötzlich die beiden verließ, mit jenen zusammengepressten Lippen, deutete Belisarius vielleicht richtig. Er ahnte, dass er diesen Ausdruck von Elithea, ihre gemeinsame Pose, die geteilte innige Umarmung, missbilligen würde. Doch es war ihm egal. Dieser Prinz war ohnehin ein Narr. Ein Gefangener von Rachsucht und Sehnsucht nach Stand. Elithea war ihm wichtig, so dass er sie wieder anblickte und ihr eine Strähne, die verrutscht war, aus dem Gesicht strich. Er wollte ihr zeigen, dass er sie wirklich sah und auch jetzt für sie sorgen würde.
Elithea legte den Kopf wieder auf Belisarius Schulter zurück und auch Belisarius wandte seinen Kopf zur Seite, damit sich nun ihre Schädel in geteilter Berührung eine heimliche Liebkosung teilen konnten. Elithea sprach entschuldigende Worte, wollte sich eine Höflichkeit erlauben, die ihm selbst egal war. Ihre Gesundheit hatte Vorrang, immer. Und seine Gesichte war nicht so wichtig, wie ihre Gesundheit. Belisarius lächelte salzig, fast so, als ob es ihm noch schwer fiel. "Das können wir später fortsetzen," meinte er und strich sich etwas nervös über sein Kinn, wobei er feststellte, dass seine Hand furchtbar stank.
Er räsuperte sich kurz und nahm die Hand schnell zurück. Dieser ganze Einsatz entwickelte sich in mannigfaltige Richtung, die sogar ihn noch überraschte. Ja, er würde mit ihr sprechen wollen. Es gab viel zu erklären und vielleicht zu klären, bevor man nach King's Portal gelangte. Etwas war nun so anders, dass es mit Sicherheit Worte bedurfte. Doch nicht immer konnten Worte alles sagen, was längst in einer Berührung deutlich wurde. "Ich... Ich...," wollte er ihr antworten, als sie ihm offenbarte, jetzt auch mit Worten, dass sie seine Nähe zu schätzen wusste. Dem Kriegsherren fiel eine Antwort sichtlich schwer und so entschied er sich, dass auszusprechen, was er vorhin gefühlt hatte: "Ich weiß eure Nähe ebenfalls zu schätzen. Ihr erinnert mich an ein Leben, an ein Menschenleben, welches ich einst führen wollte," war die Antwort, die etwas gesucht daherkam und doch mit Mühe das abbildete, was er ihr sagen musste. Auch seine Worte wogen mehr, als die ihren Worte. Belisarius öffnete sich selten so offen und sprach sehr selten klar aus, was er fühlte. Doch seine Hand in ihrer Wärme, fest umschlungen von ihren Fingern, drückte mit einem winzigen Daumenstrich jene Emotion besser aus und unterstrich gleichsam, dass sie beide füreinander eine Art Bedeutung gefunden hatten. Leider war es Belisarius ganz Recht, dass sie nach Wasser fragte, so dass sehr behutsam die umschlungene Umarmung löste, um sich zu erheben. "Ich hole es," war die hektische Antwort, so denn er loseilte und ihr fast sofort in einer fast einzigen Bewegung das Wasser brachte. "Hier," sagte er und reichte den Schlauch hinab. Die verlorene innige Umarmung zu Elithea fühlte sich wie eine Niederlage, ein Verlust und ein geheimer Schmerz an. Wie gerne wäre er zu ihr erneut hinabgesunken, in ihre Arme, um wieder diese Innigkeit zu teilen, die seine eigene Kälte fern hielt. Doch dafür war es vorerst zu spät. Es gab nun kein Zurück, sondern nur ein Voran.
"Wir werden bald eintreffen,"meinte er und deutete in Richtung Horizont; wollte damit versichern, dass dieser Reiseteil zum Glück aller bald vorbei war. Ja, sobald sie aufsteigen konnte, würde er versuchen die Taverne schnellstmöglich zu erreichen. Auch ihm wurde unwohl und er fühlte eine gewisse starke Erschöpfung, die er so noch nicht kannte.
"Doch möchte ich euch fragen," versuchte er einen Satz zu finden, der sich für ihn unpassend anfühlte aber seiner ebenso eigenen Notwendigkeit unterlag. "Glaubt ihr an Schicksal?"- eine einfache aber komplexe Frage. Belisarius glaubte nicht wirklich daran und wenn, verfluchte er es. Er verdammte sich lieber selbst, als sich auszuliefern und doch kam er nicht umhin, zu sehen, dass etwas geschehen war. Etwas Außergewöhnliches war geschehen und er versuchte nun zu verstehen, was hier vor sich ging. Schicksal war es aus seiner Sicht sicherlich nicht aber ein Zweifel blieb, denn das innige Gefühl, jene stille Gnade, war so seltsam, fast okkult, aus seiner Sicht, dass etwas anders sein musste. Elithea war anders, besonders, und wie sie dort saß, trotz Ungemach und Erschöpfung, umgab sie ein unsichtbares Leuchten, was Belisarius durchaus wahrnahm. Elithea hatte für ihn Bedeutung - und das war ungewöhnlich für einen Mann, der nur wenigen Menschen diese Art Bedeutung beimaß. Elegant böte er ihr eine Hand an, sobald sie aufstehen würde, um ihr aufzuhelfen.
Ohne einen Widerstand in sich, ohne Zweifel, ohne jedwede falsche Absicht, war er hier für sie, auch wenn ihre Zeit als Menschen beschränkt war; doch reichte sie für einen Traum von Hoffnung. Wenn Elithea Gnade sein konnte, wenn sie derartig offen, auf ihn zugehen konnte, wenn sie hier war, dann war diese Welt weniger leer. Belisarius war nicht mal mehr erstaunt darüber, sondern fand einen stillen Trost darin, dass Elithea so menschlich war. Anders als viele, wollte sie nichts Böses. Sie strebte nach nichts, außer nach Güte und Gegenseitigkeit. Hier bei ihr zu sein, schuf eine Erleichterung von der permanenten Last des Wissens. Belisarius wusste zu viele Dinge, tat zu viele Dinge, so dass er immer belastet war. Die Ketten seiner Qual wogen nicht einmal die Welt auf und doch war hier Elithea, deren Nähe jenes Gewicht leichter machte. Er ließ es zu, dass sie sich an ihn schmiegte. Belisarius ließ es einfach geschehen, dass sich ihr Körper an seine Seite formte und sie fast in traurig-schöner Eintracht verweilten. Ihre Hand fand den Weg zu seiner und suchte dort nach Halt, den er ihr bereitwillig gab. Als Dämon kannte er die Höllen der Welten, kannte jedes Ungemach, so dass sein Schutz echt war, da er keinen Schutz gewähren konnte, den er nicht geben wollte. Sie mochte keine Zeit haben, keinen Stand teilen, und doch hatten sie diese Gelegenheit. Diese eine Gelegenheit, zu erkennen, was sie waren und sein wollten. Hier saß er nun, seinen Arm ebenso um sie legend, um die junge Prinzessin vor der Welt abzuschirmen, wie ein Schild gegen die ihr widerfahrene Ungerechtigkeit. Es kostete nur ein kurzer Zögern und dann Mut, sich diese menschliche Geste zu erlauben. Seine dämonische Aura verlor an Kälte und seine Augen fanden etwas, was viele verloren glaubten. Elithea erweckte im Dämon, der viele Leben unmöglich gemacht hatte, Herzenswärme. Sein Herz schlug nicht in Begehren, sondern in Fürsorge. Kümmerliche Tränen suchten seine Augen, fielen hinab, als ihm bewusst wurde, was er in Wahrheit war. Er konnte nie der Mensch sein, der er sein wollte. Niemals konnte er der sein, den Elithea so sehr suchte. Ihre Haltung, ihr angeschmiegter Körper, der Händedruck, all das sprach eine einzige Sprache, dass sie sich an ihn versprechen wollte. Sie wollte unter mit ihm fallen, unter seinem Schutz wachsen und ganz bei Belisarius sein, doch das konnte er nicht gewähren. Doch das war jetzt egal. Vollkommen gleichgültig, da sie ihn brauchte und Belisarius sie nicht aufgeben wollte. Nicht fallen lassen wollte, in jene Einsamkeit, die sie bis vor wenigen Augenblicken begleitet hatte.
Elithea war so viel mehr als das, so viel mehr wert, und verdiente einen Schutz, nach dem, was geschehen war. Belisarius war nicht egal, was sie fühlte, und doch, selbst mit dem Wissen nicht der Mann, nicht der ehrbare Ritter zu sein, erlaubte er es ihr, bei ihm zu sein. Insgeheim erhoffte er, dass sie seine Tränen berührte, sie finden konnte und ihm zeigen konnte, was sie bedeuten konnten. Auch Belisarius schloss die Augen, abermals. Ihre Nähe tat gut, ihre Anwesenheit erlaubte diese Hoffnung, dass auch er nicht bedeutungslose Tränen vergießen konnte. Doch die Tränen versiegten nicht aus Eifer oder Tatendrang, sondern aus Fürsorge für sich selbst. Belisarius konnte sich diese Blöße nicht erlauben, denn ein Dämon, der weinte, würde in der Hölle vergehen, wie ein Wassertropfen im Feuer.
Doch die Zweisamkeit wurde unlängst gestört. Der Prinz erkundigte sich nach der Gesundheit seiner Schwester. Gut, dass er dies tat. Belisarius drehte sein Haupt von liebgewonnenen Pose fort, um Endymion direkt anzublicken. Wieder kehrte jene Härte zurück in das Gesicht des Kriegsmeisters aber fand nicht jene frostige Kälte wieder, die sie vorhin begleitet hatte. Denn noch immer war Elithea an seiner Seite, hielt seine Hand, schmiegte sich noch an ihn und erlaubte dem Eis seiner Vergangenheit keinerlei Macht. Auch sie blickte ihren Bruder an und versicherte diesem, dass sie gleich weiter reisen konnten. Belisarius blickte zwischen beiden hin und her. Wie Endymion plötzlich die beiden verließ, mit jenen zusammengepressten Lippen, deutete Belisarius vielleicht richtig. Er ahnte, dass er diesen Ausdruck von Elithea, ihre gemeinsame Pose, die geteilte innige Umarmung, missbilligen würde. Doch es war ihm egal. Dieser Prinz war ohnehin ein Narr. Ein Gefangener von Rachsucht und Sehnsucht nach Stand. Elithea war ihm wichtig, so dass er sie wieder anblickte und ihr eine Strähne, die verrutscht war, aus dem Gesicht strich. Er wollte ihr zeigen, dass er sie wirklich sah und auch jetzt für sie sorgen würde.
Elithea legte den Kopf wieder auf Belisarius Schulter zurück und auch Belisarius wandte seinen Kopf zur Seite, damit sich nun ihre Schädel in geteilter Berührung eine heimliche Liebkosung teilen konnten. Elithea sprach entschuldigende Worte, wollte sich eine Höflichkeit erlauben, die ihm selbst egal war. Ihre Gesundheit hatte Vorrang, immer. Und seine Gesichte war nicht so wichtig, wie ihre Gesundheit. Belisarius lächelte salzig, fast so, als ob es ihm noch schwer fiel. "Das können wir später fortsetzen," meinte er und strich sich etwas nervös über sein Kinn, wobei er feststellte, dass seine Hand furchtbar stank.
Er räsuperte sich kurz und nahm die Hand schnell zurück. Dieser ganze Einsatz entwickelte sich in mannigfaltige Richtung, die sogar ihn noch überraschte. Ja, er würde mit ihr sprechen wollen. Es gab viel zu erklären und vielleicht zu klären, bevor man nach King's Portal gelangte. Etwas war nun so anders, dass es mit Sicherheit Worte bedurfte. Doch nicht immer konnten Worte alles sagen, was längst in einer Berührung deutlich wurde. "Ich... Ich...," wollte er ihr antworten, als sie ihm offenbarte, jetzt auch mit Worten, dass sie seine Nähe zu schätzen wusste. Dem Kriegsherren fiel eine Antwort sichtlich schwer und so entschied er sich, dass auszusprechen, was er vorhin gefühlt hatte: "Ich weiß eure Nähe ebenfalls zu schätzen. Ihr erinnert mich an ein Leben, an ein Menschenleben, welches ich einst führen wollte," war die Antwort, die etwas gesucht daherkam und doch mit Mühe das abbildete, was er ihr sagen musste. Auch seine Worte wogen mehr, als die ihren Worte. Belisarius öffnete sich selten so offen und sprach sehr selten klar aus, was er fühlte. Doch seine Hand in ihrer Wärme, fest umschlungen von ihren Fingern, drückte mit einem winzigen Daumenstrich jene Emotion besser aus und unterstrich gleichsam, dass sie beide füreinander eine Art Bedeutung gefunden hatten. Leider war es Belisarius ganz Recht, dass sie nach Wasser fragte, so dass sehr behutsam die umschlungene Umarmung löste, um sich zu erheben. "Ich hole es," war die hektische Antwort, so denn er loseilte und ihr fast sofort in einer fast einzigen Bewegung das Wasser brachte. "Hier," sagte er und reichte den Schlauch hinab. Die verlorene innige Umarmung zu Elithea fühlte sich wie eine Niederlage, ein Verlust und ein geheimer Schmerz an. Wie gerne wäre er zu ihr erneut hinabgesunken, in ihre Arme, um wieder diese Innigkeit zu teilen, die seine eigene Kälte fern hielt. Doch dafür war es vorerst zu spät. Es gab nun kein Zurück, sondern nur ein Voran.
"Wir werden bald eintreffen,"meinte er und deutete in Richtung Horizont; wollte damit versichern, dass dieser Reiseteil zum Glück aller bald vorbei war. Ja, sobald sie aufsteigen konnte, würde er versuchen die Taverne schnellstmöglich zu erreichen. Auch ihm wurde unwohl und er fühlte eine gewisse starke Erschöpfung, die er so noch nicht kannte.
"Doch möchte ich euch fragen," versuchte er einen Satz zu finden, der sich für ihn unpassend anfühlte aber seiner ebenso eigenen Notwendigkeit unterlag. "Glaubt ihr an Schicksal?"- eine einfache aber komplexe Frage. Belisarius glaubte nicht wirklich daran und wenn, verfluchte er es. Er verdammte sich lieber selbst, als sich auszuliefern und doch kam er nicht umhin, zu sehen, dass etwas geschehen war. Etwas Außergewöhnliches war geschehen und er versuchte nun zu verstehen, was hier vor sich ging. Schicksal war es aus seiner Sicht sicherlich nicht aber ein Zweifel blieb, denn das innige Gefühl, jene stille Gnade, war so seltsam, fast okkult, aus seiner Sicht, dass etwas anders sein musste. Elithea war anders, besonders, und wie sie dort saß, trotz Ungemach und Erschöpfung, umgab sie ein unsichtbares Leuchten, was Belisarius durchaus wahrnahm. Elithea hatte für ihn Bedeutung - und das war ungewöhnlich für einen Mann, der nur wenigen Menschen diese Art Bedeutung beimaß. Elegant böte er ihr eine Hand an, sobald sie aufstehen würde, um ihr aufzuhelfen.
